Andreas Borutta <
bor...@gmx.de>:
>Helmut Waitzmann:
>> Wer soll die Synchronisation zwischen den Ordnernamen und den
>> SIEVE‐Regeln vornehmen?
>
>Das können nur erfahrene Programmierer beantworten, ich nicht.
>Arno hat ja angedeutet, dass er das für machbar hält.
Prinzipiell ist es sicher machbar. Wenn es der IMAP‐Server macht,
muss er vom Anwender irgendwie eingestellt werden können. Weil
das aber vermutlich weder im IMAP‐ noch im SIEVE‐Protokoll
enthalten ist, braucht es dazu einen besonderen nicht
standardisierten Zugriffsweg, beispielsweise über einen Web‐Zugang
auf den Server. => Es wird unwahrscheinlich sein, dass die
Bedienung des Zugangs in den Thunderbird eingebaut wird.
Wenn es der Client (beispielsweise der Thunderbird) macht, müsste
er halt die Ordnernamen und Regeln beim Server erfragen, die
Änderungen errechnen und dann per IMAP bzw. SIEVE auf den Server
bringen (mit der Gefahr von lost updates, wenn der Anwender eine
zweite Änderung anstößt ehe er die erste abgeschlossen hat).
>> Und dann wäre auch noch die Frage zu beantworten: Ist es immer
>> gewünscht, dass der Server die SIEVE‐Regeln beim Ändern von
>> Ordnernamen anpasst?
>>
>> Beispielsweise habe da jemand einen Ordner «Geschäftliches».
>> An Neujahr will er – wie in jedem Jahr – die Nachrichten aus
>> dem vergangenen Jahr in einem neu anzulegenden Ordner
>> «Geschäftliches_JJJJ», wobei «JJJJ» für die Jahreszahl des
>> vergangenen Jahres stehen soll, archivieren. Die schnellste
>> Möglichkeit dazu, die ihm dazu einfällt, ist, den Ordner
>> «Geschäftliches» in «Geschäftliches_2020» umzubenennen und
>> einen neuen Ordner «Geschäftliches» anzulegen. Du erkennst, in
>> welchem Ordner die Nachricht des Chefs vom 7. Januar 2021
>> landen wird, wenn der IMAP‐Server die Umbenenn‐Automatik laufen
>> hat?
>
>Da bin ich völlig einig mit Dir. Dem Nutzer muss völlig bewußt
>sein, wie sein System sich verhält.
Ja, genau. Er muss das durchschaut haben, ehe er auf die Idee
kommt, «Geschäftliches» in «Geschäftliches_2020» umzubenennen.
>Und er muss Möglichkeiten haben, sein System zu steuern.
>
Ja klar.
>Naheliegend wäre eine Option, die das Bestätigen einer Änderung
>der SIEVE-Regel zwingend verlangt.
Meine Vermutung ist, dass das Verlangen einer Bestätigung nicht
reicht, weil sie erst kommt, nachdem sich der Anwender entschieden
hat, einen IMAP‐Ordner umzubenennen, obwohl er zuvor nicht
überlegt hat, ob er SIEVE‐Regeln hat, die mitgeändert werden
müssen, und, ob er SIEVE‐Regeln hat, die nicht mitgeändert werden
dürfen: Möglicherweise hat er Regeln von beiden Sorten und müsste
also auch noch angeben können, welche Regeln mit umgeändert werden
sollen, und, welche nicht.
Nicht wenige Anwender stehen, wenn dann die Rückfrage auf den
Bildschirm platzt, da wie der Ochs vor der Apothek' und sehen nur,
dass sie von ihrer Arbeit abgehalten werden. Sie wollen dann das
störende Rückfrage‐Fenster möglichst schnell weg bekommen und
haben keine Geduld, sich jetzt eine Stunde – eher noch länger –
mit dem Zusammenspiel zwischen Regeln und Ordnernamen zu befassen
und herauszufinden, ob ihr augenblicklicher Fall nun so einer wie
mit dem Ordner «Geschäftliches_2020» ist oder nicht.
>> => (Elektronische) Datenverarbeitung kann kompliziert sein, und
>> wer glaubt, sie mit Automatiken idiotensicher machen zu können,
>> irrt. Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Anwender das
>> nötige Verständnis erwerben.
>
>ACK. Gute Usability unterstützt genau das.
>
Keine Ahnung, ob es das gibt. Bisher habe ich eher den Eindruck,
es gibt es nicht. Man sieht haufenweise
Klick‐hier‐klick‐da‐Anleitungen – neuerdings auch gerne als
Video –, aber das nötige Verständnis liefern sie nicht.
>> Insofern wäre mein Vorschlag: Keine Automatik, die bei
>> IMAP‐Ordnerumbenennung auch die Sieve‐Regeln anpasst,
>> bereitzustellen, sondern eine Lösung anzubieten, der man eine
>> Gegenüberstellung von Ordnernamen alt <-> neu übergibt und die
>> damit die Regeln durchgeht und anpasst, und, eine Lösung
>> anzubieten, der man so eine Gegenüberstellung übergibt und die
>> damit die Ordnernamen anpasst.
>
>Damit meinst Du vermutlich etwas ähnliches, wie ich oben schrieb,
>oder?
Ich denke dabei beispielsweise an die Frage, wie man es
hinbekommt, dass zwei IMAP‐Ordner «A» und «B» ihre Namen
tauschen: Dabei kann man ja nicht einfach hergehen und in allen
Regeln zuerst alle «A» in «B» umändern und danach alle «B» – die
jetzt ja auch die ehemaligen «A» umfassen – in «A». Da wäre das
Formulieren einer (im mathematischen Sinne) Abbildung «Alt A wird
neu zu B und alt B wird neu zu A» eine echte Erleichterung.
Als Hilfe sehe ich, wenn es der Anwenderin (darf gerne als
generisches Femininum gelesen werden) leicht gemacht wird, solche
Umbennungsabbildungen auf von ihr zu bestimmende Teilmengen ihrer
SIEVE‐Regeln loszulassen.
Gute Usability könnte ich mir mit folgenden Punkten vorstellen:
(1) Definitionsmengen für
Aus‐Alt‐mach‐Neu‐Umbenennungs‐Abbildungen können als Teilmengen
der vorhandenen SIEVE‐Regeln (durch Angeben von Kriterien oder
schlichtes Auswählen aus einer Liste) leicht erstellt werden.
(2) Umbenennungs‐Abbildungen können unter Bezug auf die
Definitionsmengen (1) leicht erstellt werden.
(3) Solche Definitionsmengen und Abbildungen können zur späteren
(Wieder‐)Verwendung abgespeichert werden.
(4) Wenn dann die letzten paar Anwendungen der Abbildungen in
einer Änderungsliste vermerkt und auch, von der neuesten Anwendung
angefangen, zurückgenommen werden können, um Fehler bei den
Definitionsmengen oder den Abbildungen korrigieren zu können, wäre
ich schon ganz angetan.
>Eine "Halbautomatik", also eine Bestätigung vor dem Ändern eines
>Ordnernamens in einer Sieve-Regel.
Mir wäre wirklich Anwenderwissen statt einer Halbautomatik
lieber: Wenn da nur nach einer Bestätigung verlangt wird, werden
die Anwenderinnen vermutlich, ohne wirklich zu verstehen, was für
Konsequenzen ein «Ja» hat, die Automatik abnicken und sich dann
wundern, warum sie die Nachricht der Chefin Anfang Januar nicht
erhalten haben.