Michael Marx <
news0113.1...@spamgourmet.com> wrote:
> ein Thema ist / bleibt das bestimmt, aber ein Großteil der T-Dienste
> kostet doch extra, oder? Was wenn jetzt ein (sagen wir mal) Online
> Videothek Anbieter seine Gebühren um 2,- €/Monat erhöht (oder vom
> aktuellen AboBeitrag 2,- € abzweigt) und das Geld an die Telekom
> weitergibt, um sich auch "freizukaufen"?
>
genau das ist das Geschäftsmodell, zu dem die Telekom gerne hinmöchte:
als beherrschender Anbieter eines sog. "two-sided markets", wo sie
sowohl von den Nutzern als auch von den Inhalteanbietern ein
Entgelt/Provision/... erhalten.
Das entspricht dem klassischen providerzentristischen Modell im
klassischen Telefoniebereich. BTX war auch so ausgelegt. Der
Anschlussanbieter bietet nicht nur den Transport an, der verdient auch
an den Inhalten, die Dritte über das Netz anbieten/Geschafte, die Dritte
über das Netz machen, mit. 0900-Nummern sind ein anderes Beispiel aus
der Sprachtelefonie.
> Um diese Art Anbieter geht es ja vorrangig. Sie bieten via DSL (nicht
> nur zum TV sondern auch in Richtung Computer) Dienste an, möchten aber
> nichts extra dafür zahlen. Alternativ kann ja der Telekomkunde mehr
> zahlen für mehr GB. Letztendlich geht es wieder nur ums liebe Geld.
es geht in der Tat nur um's Geld (was in der Wirtschaft wenig
erstaunlich sein sollte... :-)). Die Telekom startet, aus ihrer Sicht
vollkommen folgerichtig, den Versuch, sich in der Wertschöpfungskette in
eine lukrativere Position zu begeben und so mehr vom Kuchen
abzubekommen.
Der eigentliche Punkt ist dabei allerdings nicht, dass die nun bei ihren
Tarifen Drosselungen einführt (dagegen ist nichts zu sagen, wenn sie es
nicht irreführend bewirbt), sondern dass Dienste, die sie anbietet oder
die andere anbieten, mit denen sie eine "bevorzugte Partnerschaft"
geschlossen hat (z.B. Fon), privilegiert werden, indem sie nicht
mitgezählt werden im "wertvollen" Datenvolumen bzw. (vermute ich mal)
bei Überschreitung der Volumengrenze für den Anschluss eben nicht
ausgebremst werden im Gegensatz zu dritten Anbietern.
Damit setzt die Telekom Ihre Rolle als Anschlussanbieter effektiv als
Hebel ein, ihre eigenen Angebote oder die ihrer Geschäftspartner
(revenue sharing) gegenüber Internetangeboten am Markt durchzudrücken.
Eine Folge davon, falls sie damit erfolgreich sein sollte, wäre eine
Verringerung der Angebotsvielfalt sowie der Innovationsgeschwindigkeit
im Internet. Hört sich jetzt vielleicht nach Propagandageschwafel von
Google und Co. an, ist aber so.
Übrigens reicht u.U. vielleicht schon die Ankündigung (Drohung), um eine
ausreichende Anzahl von Investoren für neue Internetgeschäftsmodelle
abzuschrecken oder sie von einer Partnerschaft (revenue sharing) mit der
Telekom zu überzeugen.
Das Endzenario ist dann wie früher im Telefonnetz: wer den Anschluss
bietet, dem gehört der Kunde und der regelt, wer oder zumindest zu
welchen Konditionen (revenue sharing...) der Zugang zum Kunden, d.h. das
Anbieten von Diensten erfolgen kann.
Das Internet ist halt aus Sicht einer Telco eine Fehlentwicklung, schon
allein weil es keinen anständigen Business Case hat. Die
TCP/IP-Archittektur, bei der die Komplexität und damit Wertschöpfung auf
den Endgeräten besteht und das Netz vergleichsweise dumm (und damit
Commodity) ist, ist halt nicht im Sinne einer Telco.
Die Telekom versucht, verlorenes Terrain bzw. genauer eine verlorene
Stellung in der Wertschöpfungskette zurückzugewinnen. Im Extremfall wird
dies ein Geschäftsmodell à la BTX basierend auf moderner Technologie
sein.