Erste Eindrücke an Land:
Das Brett fühlt sich extrem leicht an, zumal es so groß wirkt (8,2 kg.
bei 155 Liter, das "170" meint "virtuelles" Volumen!), hat eine recht
breite, stumpf wirkende Nase und ein "Diamond Tail", wie man es von
anderen Herstellern kennt, sieht von der Seite sehr dünn, aber
insgesamt elegant aus, keineswegs wie die berüchtigte "Klotüre", eher
wirklich wie ein Stachelrochen, der Name ist wahrlich nicht schlecht
gewählt!
Übrigens gibt es ein genau passendes Boardbag dazu, T-Zone flat 280XL
von Teccnosport, sitzt wie angegossen, ist aber leider in dieser
Qualität nicht wirklich flugtauglich.
Zum Tragen ist ein Boardbag oder ein Mastfuß angesagt, mal eben unter
den Arm nehmen ist nicht, sollte man bei Wind auch nicht probieren.
270 cm lang mal 80 breit bietet dem Wind erhebliche Angriffsfläche!
Der Standlack macht neu einen guten Eindruck, rauh, ohne scharfkantig
zu sein. Die Footpads sind recht groß, dämpfen aber wenig. Ich
vermisse den großen "Teppich" des Tiga, den ja auch HiFly dieses Jahr
eingeführt hat. Mal sehen, wer sich das noch so abschaut, ist auf
jeden Fall sehr zu empfehlen!
Der Siebdruck in Silber, grau und blau auf weißem Grund gefällt mir
nicht so, zumal barock verspielt. Farbe sollte bei Surfbrettern
(übrigens auch bei Segeln und genauso Autos!) nicht eine Mode- oder
Geschmacksfrage sein, sondern eine Sicherheitsfrage: Man muss das
Material vom Suchflugzeug aus gut sehen können...
Ebenso halte ich es für falsch, dass inzwischen alle Hersteller auf
Abschleppöse und Rig-Sicherungsleine verzichten.
Die weißen(!) Fußschlaufen sind nur sehr mühsam und mit großem
Kraftaufwand einzustellen. Wer sich das Brett mit anderen teilt,
sollte unbedingt einen Satz von der Konkurrenz (Da Kine!) kaufen. Die
beigepackten Edelstahl-Ovale mit Zahnung, die wie Unterlegscheiben
eingesetzt werden, sichern die Schlaufen recht zuverlässig gegen
Verdrehen.
Gut finde ich die Variationsmöglichkeiten der Schlaufenpositionierung
innen und (recht weit) außen. Für meine 1,94 m mit entsprechender
Schrittlänge dürfte die vordere Schlaufe noch etwas weiter vorn sein.
Die weit außen sitzenden Fußschlaufen verlangen technisch sauberes
Einsteigen, also leicht abfallen und die Luvkante anheben, damit man
nicht mit den Hacken im Wasser schleift...
Mangelhaft sind die Finnenschrauben der Tuttlebox: Nicht nur, dass sie
nicht versenkt sind, es sind auch noch Sechskant-Köpfe, also
scharfkantig und verletzungsgefährlich. Das gehört abgestellt! Da
passt es dann auch ins Bild, dass mit *diesen* Schrauben die
zugekaufte Racefinne nicht zu befestigen war: schlichteweg zu kurz!
(Die Racefinne mußte ich übrigens erst passend schleifen, aber das ist
dem Brett ja wohl nicht anzukreiden.)
Die Carbon-Sandwich-Technologie macht das Brett nicht nur leicht und
stabil, sondern es wirkt auch empfindlich. Angeblich ist die Nase aber
elastisch. Bisher habe ich das zum Glück noch nicht testen müssen...
Aus der Schleudersturzphase sollte man raus sein oder eine gute Idee
zum Nase polstern haben, was schade ist, denn sonst ist das ein
fantastisches Anfängerbrett!
Erster Fahrtag in Makkum mit 8,5er, stark überpowert:
Nach zwei Jahren Tiga Free X 281 (= Bic Techno) habe ich, zumal
überpowert, zunächst erhebliche Umgewöhnungsschwierigkeiten: Das Brett
ist schon im Gleiten, ehe ich beim Beachstart den zweiten Fuß aus dem
Wasser habe :-), luvt viel stärker an als ich das gewohnt bin, aber da
ich den ähnlichen Effekt vom Umstieg von einem ältern Gecko auf einen
aktuellen kleinen Freeride-Shape (HiFly Free 262) kenne, gewöhne ich
mich recht bald um und bringe mehr Druck auf den Mastfuß.
So stark überpowert zeigen sich die Kabbelwellen überraschend
unproblematisch: Die dünnen Rails schneiden selbst bei langsamer Fahrt
die seitlichen Wellen gut an, auch wenn sich die Welle genau über dem
Vorschiff bricht, wird das Brett kaum seitlich versetzt, wie ich das
vom dickeren Tiga kenne.
Meine 94 kg (+ Ausrüstung) führen bei der Serienfinne und meiner
keineswegs perfekten Technik zu erheblichen Spin-Out-Problemen, ich
darf das Brett nicht zu stark mit seitlichem Druck auf die Finne
fahren, sondern mehr "von oben" ist angesagt.
Insgesamt sind die Bedingungen eher für 125 Liter und ein 7er Segel
geeignet, ich hab´s etwas übertrieben: Wer mag schon das neue Brett
eingepackt lassen und ein drei Jahre älteres Ride seiner Freundin
fahren?
Der Stachelrochen wird bangig schnell, ich traue mich nicht ganz, es
laufen zu lassen, da ich mich noch nicht hinreichend vertraut damit
fühle, besonders das Belasten der Leekante war ich so nicht gewöhnt,
fühle mich in den Knöcheln etwas wackelig, die Luvkante bäumt sich
gelegentlich etwas auf.
Ich bin mir unsicher: Sind das Umgewöhnungsschwierigkeiten oder fährt
sich das Brett wirklich schwieriger als der Techno-Shape?
Zweiter Fahrtag in Makkum mit 11er:
Es sind Angleitbedingungen, sehr wenig Betrieb auf dem Wasser, weil
kaum einer ins Gleiten kommt. Genau für diese Bedingungen habe ich mir
Brett und Segel zugelegt! So verdoppelt sich die Gleitausbeute nicht
nur auf dem Binnensee, sondern auch im Urlaub!
Es sind nur 4 Leute im Gleiten: ein ca. 9-jähriger Knirps (so 45 kg)
auf einem AHD Diamond 75(?) mit ca. 8er V8 (Fährt super! Wenn der
erstmal groß ist!), zwei Racer mit Nummern (NL und D), einer davon auf
einer Roberto Ricci-Klotüre, der andere auf einem großen
Thommen-Racer, beide leichter als ich, aber wohl auch mit kleineren
Segeln (Z1, ?), ich 94 kg-Aufsteiger mit dem 11er M6 und 58er
Racefinne. Ratet mal, wer am schnellsten war...? Grins...
Also, das Brett ist bei solchen Schwachwindbedingungen wirklich voll
in seinem Element. Man muss noch nichtmal im Gleiten sein: leicht
abfallen, den hinteren Fuß in die Schlaufe, Druck auf den Mastfuß,
vorderen Fuß anheben, sofort gleitet man an, selbst bei marginalen
Bedingungen, ca. 4 Meter pro Sekunde Wind reichen mir Schwergewicht
völlig, vielleicht sogar schon drei. (Ich spekuliere hier auf Grund
der Meßwerte des Hessischen Videotextes, der stündliche Windwerte für
meinen heimischen Teich bei Borken auf Tafel 175 bietet (vgl.
http://www.surflake.de). 2 m/sec. reichen übrigens definiv nicht :-(.
Aber Zaubern war ja auch nicht angesagt.) Das Brett wirkt dabei mühe-
und schwerelos, läßt alles stehen, was sonst so auf dem Wasser kreucht
und fleucht, inklusive Katamaranen...
Durchgleiten in Windlöchern? Der Begriff "Windloch" darf in diesem
Zusammenhang durch "Kurzflaute" ersetzt werden...;-).
Mit der 58er Finne kommt es bei (relativ zum Wind) hoher
Geschwindigkeit weiter zu gelegentlichem Aufbocken der Luvkante, was
aber voll beherrschbar bleibt. Meine Lern- und Umgewöhnungskurve ist
ja noch lange nicht abgeschlossen...;-).
In Sachen Höhe laufen ist das Brett nicht so spektakulär wie beim
Angleiten, Durchgleiten und schnell Fahren. Damit will ich nicht
sagen, dass es etwa hierbei schlecht wäre, nur eben etwas "normaler",
nicht so ein Überflieger.
Schwächen sind natürlich bei diesen Abmessungen in der schnellen Halse
unvermeidlich, vor allem, wenn sie eng gefahren werden soll.
Da braucht es sehr konsequente Belastung der Leekante, dann geht es
zumindest durch größere Radien wie auf den berühmten Schienen, kann
sogar nachsteuern, wenn es nötig wird. Meine technischen Mängel führen
jedoch bisher regelmäßig dazu, dass ich aus schnell angefahrenen
Halsen in Verdrängerfahrt zurückfalle. Dafür muss man aber selten ins
Wasser: Das Brett ist so stabil und ruhig bei langsamen Manövern wie
ein 300-Liter-Tanker, auf dieser Plattform kann man alles anstellen,
was man sich vorstellen mag...
Es fährt sich auch voll vor dem Wind sehr ruhig und stabil, wo andere
Bretter doch seitlich sehr kippeln.
Insgesamt meine ich nun, dass sich das Brett eher etwa gleich einfach
wie ein Bic Techno fährt, wobei die Schwierigkeitspunkte etwas
unterschiedlich verteilt sind. Von daher halte ich es auch für
fortgeschrittene Anfänger schon sehr gut geeignet.
Erfahrungen bei stärkerem Wind mit kleineren Segeln und größerer
Kabbelwelle sind noch nachzureichen, ebenfalls Langzeit-Eindrücke.
So weit mein erster Eindruck von diesm Brett, der sich übrigens mit
den entsprechenden Beurteilungen der beiden kleineren Brüdern des
Boards durch die "Surf" durchaus deckt.
Vielleicht regt dieser Beitrag ja mal ein paar Leute an, ihre eigenen
Bretter, ob neu oder alt, entsprechend testmäßig zu beurteilen?
Hat natürlich seine Grenzen, denn wer wird sein neues Brett schon
schlecht machen wollen?
"Finanzielle Interessen" welcher Art auch immer habe ich übrigens
nicht. (Wenn jetzt aber Dank meines Tests der Umsatz für Fanatic steil
in die Höhe geht, dürften die mich gerne mit einem gratis Sting Ray
130 belohnen, Adresse auf Anfrage ;-).)
Was den Sting Ray 170 betrifft, werde ich übrigens auf keinen Fall vom
Rücktauschangebot meines Händlers gebrauch machen.
Zu gut!
Charlie
Ansonsten danke für den Bericht, interessier mich selbst auch für das Brett,
Gruß Michael
Karl Ludwig Bonitz <karl....@t-online.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9g0g33$vbu$00$1...@news.t-online.com...
> Nachdem ich Stephan Suhr von Modern Sports (www.modernsports.de) in
> Ratzeburg ob seines wirklich guten Preises (am Telefon, nicht im
> Netz!) versprechen musste, mal zu schreiben, wie mir mein neues Brett
> gefällt, hier meine ersten Eindrücke nach ca. 10 Stunden damit auf dem
> Wasser, überwiegen mit 11er Gun M6 Racesegel und 58er Teccnosport
> Racefinne, aber auch mit 8,5er Sailworks Retro und der 50er
> Serienfinne.
ect pp
Man muß halt ein Stück rauslaufen, fahren, Stück laufen (vordere
Sandbank), dann gibt es dort viel tiefes Wasser.
Die machen da auch Formula-Rennen, mit 70er Langdolchen...
Charlie