Die Erfindung
Am 21. Mai 1967 stieg Jim
Drake, der Erfinder des
Windsurfens, das erste Mal
auf einen ’Windsurfer‘. Der
Flugzeugkonstrukteur Drake
glaubte von dem Sport Windsurfen
selbst, daß er „das
Leben vieler Menschen nachhaltig verändert
hat.“
Als die ersten Versuche
mit dem ’Windsurfer‘ Erfolg
versprachen, trat Hoyle
Schweitzer ins Licht. Er war einer von
Drakes Nachbarn und drängte
Drake dazu, gemeinsam mit ihm
das Patent für den
’Windsurfer‘ anzumelden.
1970 verkaufte Jim Drake
seinen Patentanteil auf Drängen von
Hoyle Schweitzer an ihn
für 30.000 US Dollar.
Das Patent
In den frühen Jahren
des Windsurfens wurde der Sport von
einem lästigen Problem
– dem Patent – überschattet.
Die Schutzrechte, die Hoyle
Schweitzer im Jahre 1968
angemeldet hatte, ließen
die Hersteller zittern. Schweitzers
Lizenzpolitik blieb für
die meisten Firmen undurchsichtig. Die
Firmen durften nicht zu
groß sein, weil er keine Konkurrenz
neben seiner eigenen Firma
duldete, aber sie durften auch
nicht zu klein sein, damit
er sie gut kontrollieren konnte. Nur
Fred Ostermann mit seinem
Windglider, Ernst Drexler mit HiFly
und Dr. Hans-Joachim Binder
von Sailboard hatten in den
späten 70er Jahren
die Gunst des mächtigen Patentinhabers.
Andere, wie Sigi Pertramer
von Surfsailer, Sigi Blech von BBS
oder Peter Brockhaus mit
seiner damals neu gegründeten
Marke Mistral, bekamen keine
Lizenz.
Die Konsequenz der undurchsichtigen
Patent-Politik waren
Dutzende von Patentprozessen
an deutschen Gerichten.
Erst 1986 lief das Patent
aus, und Hoyle Schweitzer, der sich
immer als Erfinder des Windsurfens
hielt (es aber nie war),
verabschiedete sich als
Multimillionär aus der Surfszene.
Die Entwicklung des Windsurfens
1972 Ten Cate schließt
einen Vertrag mit Schweitzer ab, und
baut ein Werk in Holland.
Im April kommen die ersten
Windsurfer nach Deutschland.
1973 gründen Ernstfried
Prade und Ludwig Graf von Seyssel
die erste Surfschule in
Deutschland.
1975 wird das erste Tandem
und das spätere Olympia Brett
Windglider bei der Firma
Ostermann gebaut.
1976 wird Robby Naish als
13jähriger das erste Mal
Windsurfing Weltmeister.
Mistral nimmt die Produktion in der
Schweiz auf.
1977 Cracks surfen ohne Schwert.
Hoyle Schweitzers
Windsurfer regiert den Markt.
Das Sturmsegel ermöglicht
Starkwindsurfen (bei 4-5
Beaufort – heute Mittelwindbereich).
Naish wird zum zweiten Mal
Weltmeister, Niko Stickl wird
Deutscher Meister. Die erste
Ausgabe des Magazins „surf“
erscheint.
1978 gewinnt Naish zum dritten
Mal den Worldcup. Der
Speedrekord wird auf 42,5
km/h geschraubt.
1980 Der Windglider wird
Olympia Brett, mit dem Trapez wird
Surfen „mühelos“. Die
ersten Bretter mit Fußschlaufen
entstehen. Der Profistatus
wird eingeführt, erste Firmenteams
entstehen. Thomas Staltmaier
wird Europa - Meister.
1981 Naish springt den ersten
TableTop am Gardasee, in
Europa fahren alle mit dem
Beachstart los. Thomas Staltmaier
verunglückt bei einem
Autounfall und muß seine Surfkarriere
beenden.
1982 Jim Drake präsentiert
das Flügelrigg, und der neue
Speedrekord liegt bei 51,5
km/h.
1983 in Brest gelangen zum
ersten Mal in der Worldcup-
Geschichte drei Deutsche
aufs Treppchen. Der Speedrekord
liegt jetzt bei 56,5 km/h.
1984 gewinnt der Holländer
Stephan van den Berg die
Goldmedaille bei der Olympiade
in Los Angeles. Den ersten
Worldcup auf Sylt gewinnt
Robby Naish. North Sails bringt das
erste Profilsegel auf den
Markt.
1985 liegt der Speedrekord
bei 59,91 km/h, Robby Naish
gewinnt die Worldcup-Gesamtwertung.
Mit dem Sitztrapez wird
das Surfen noch kraftsparender
und durch die neue
Speedhaltung auch schneller.
1986 werden in den Boards
Materialien aus Luft- und
Raumfahrt verbaut und in
den Segeln Monofilm. Andrea
Hoeppner wird Amateur Weltmeisterin,
Björn Dunkerbeck
knabbert am Thron von Robby
Naish. Der schnellste Surfer
brettert mit 71,95 km/h
über das Wasser.
1987 landen Britt und Björn
Dunkerbeck den ersten Doppelsieg
in San Francisco, Weltmeister
wird noch einmal Robby Naish.
1988 wird das Surfen für
Frauen olympisch, Björn Dunkerbeck
gewinnt die Worldcup-Gesamtwertung.
1989 gewinnt Björn Dunkerbeck
die Worldcup-Gesamtwertung
vor Robby Naish und Andreas
Bringdal. Bei den Frauen meldet
sich Jutta Müller mit
einem dritten Platz in der Worldcup-
Gesamtwertung für den
Titel an.
1990 wird das erste Mal beim
Paris Indoor in der Halle gesurft,
27 Windrotoren und 13.000
Zuschauer jagen die Profis durch
das Becken.
1991 brettert der schnellste
Surfer mit 81,71 km/h über das
Wasser. Andrea Hoeppner
wird Serien-Funboard-Weltmeisterin
und Jutta Müller Weltmeisterin
der Profis. Dunkerbeck gewinnt
den Worldcup-Overall-Titel,
muß den Wavetitel aber Robby
Naish überlassen.
1992 werden die Serienboards
immer leichter, das F2 Sputnik
270 wiegt nur 6,8 Kilogramm,
die Zauberformel lautet Carbon.
Britt und Björn Dunkerbeck
werden Doppelweltmeister. Das
surf-Magazin feiert 15jähriges
Bestehen und, daß es zur
größten Windsurfingzeitschrift
der Welt geworden ist.
1993 heißt das Motto:
Viel Spaß auch bei wenig Wind. Im
Worldcup gewinnt Björn
Dunkerbeck bei den Männern und
Jessica Crisp bei den Damen,
Jutta Müller wird zweite.
1997 findet der erste Fiji
Wave Classic (ein reiner Waveriding-
Showevent) auf Namotu statt,
Robby Naish gewinnt vor Scott
Carvil und Jason Polakow,
Vierter wird der Hawaiianer Josh
Stone. Das surf-Magazin
feiert das 20-jährige Bestehen. Der
erste Indoor Deutschlands
findet in Berlin statt.
1998 schreibt Hendrik Frank
ein Referat über das Windsurfen.
Das Surfboard
1 – das hintere Ende des
Boards bezeichnet man als das Heck.
2 – das vordere Ende des
Boards bezeichnet man als den Bug.
3 – das Gabelbaumkopfstück
verbindet den Gabelbaum mit
dem Mast.
4 – mit der Startschot zieht
man das Rigg aus dem Wasser.
5 – mit dem Gabelbaum spannt
man das Segel in horizontaler
Richtung.
6 – die Segellatten stabilisieren
das Segel in horizontaler
Richtung.
7 – mit den Lattenspannern
werden die Latten in horizontaler
Richtung gespannt.
8 – das obere Ende des Segels
bezeichnet man als Top.
9 – das vordere Ende des
Segels bezeichnet man als Vorliek.
10 – das hintere Ende des
Segels bezeichnet man als
Achterliek.
11 – das untere Ende des
Segels bezeichnet man als Unterliek.
12 – das Gelenk, daß
das Segel und das Board verbindet,
nennt man Mastfuß.
13 – das Schwert verhindert
die seitliche Abdrift.
14 – die Finne führt
das Board.
Die Winde
Es gibt drei verschiedene
Winde, den atmosphärischen Wind,
den Fahrtwind und den relativen
Wind.
Der atmosphärische
Wind ist der Wind , den man an Land spürt
und dessen Stärke gemessen
werden kann.
Der Fahrtwind entsteht,
wie der Name schon sagt, erst wenn
das Surfbrett in Bewegung
ist. Er ist so stark, wie das Surfbrett
schnell ist. Der Fahrtwind
kommt direkt von vorn.
Der relative Wind besteht
aus dem atmosphärischen- und dem
Fahrtwind. Der relative
Wind ist der Wind, der das Surfbrett
antreibt. Er kommt seitlicher
als der Fahrtwind und mehr von
vorn als der atmosphärische
Wind. Physikalisch handelt es sich
um eine Vektoraddition.
Richtung und Stärke des relativen
Windes ändern sich,
wenn der atmosphärische Wind schwankt
(Böen), die Geschwindigkeit
des Boards zu- oder abnimmt
(Stärke des Fahrtwindes)
oder die Fahrtrichtung geändert wird.
Die Fahrtrichtung und das Steuern
An dem Segel strömt
Luft entlang, die auf der Luv-Seite des
Segels einen Über-
und auf der Lee-Seite einen Unterdruck
erzeugt. Dadurch entsteht
eine Kraft (Segelkraft), die im
Segeldruckpunkt angreift
und das Surfbrett vorwärts treibt. Ein
Teil der Segelkraft zieht
in Fahrtrichtung (Vortriebskraft) und ein
Teil (Querkraft) wirkt quer
zum Brett.
Schwert, Finne und Seitenkanten
des Boards (Lateralfläche),
die unter Wasser liegen,
setzen der Segelkraft einen
Widerstand entgegen und
tragen dazu bei, daß man nicht zu
stark abtreibt. Diese Widerstandskraft
zeigt genau
entgegengesetzt der Segelkraft
und setzt im Lateraldruckpunkt
an, der bei langen Brettern
etwa im Bereich des Schwertes
liegt.
Wenn die beiden Kräfte
auf einer Linie liegen, fährt das Board
geradeaus. Wenn man den
Segeldruckpunkt etwas nach vorne
verlagert (das Rigg nach
vorne kippt), fällt das Brett ab, wenn
man den Druckpunkt etwas
nach hinten verlagert (das Rigg
nach hinten kippt), luvt
das Brett an.
Sobald ein Board im Gleiten
ist, kann man es wie ein
Snowboard durch Kantendruck
steuern. Dabei muß man immer
die Kante belasten, in der
Richtung, in die man fahren möchte.
Wenn das Board nicht im
Gleiten ist, muß man immer die
entgegengesetzte Kante belasten.
Die Vorfahrtsregeln
„Backbordbug vor Steuerbordbug“
bedeutet, daß der Surfer
Vorfahrt hat, der das Segel
in Fahrtrichtung gesehen auf der
Backbordseite (linke Seite)
hat. Der Surfer mit dem Segel auf
der Steuerbordseite (rechte
Seite) muß ausweichen, also dem
anderen Surfer Vorfahrt
gewähren.
„Lee vor Luv“ bedeutet, daß
wenn zwei oder mehrere Surfer
die Segel auf derselben
Seite haben, der Surfer ausweichen
muß, der höher
am Wind (weiter in Luv) fährt.
„Überholer hält
sich frei“ bedeutet, wenn ein Surfer einen
anderen überholt, daß
der überholende Surfer dem andern
Surfer gegenüber keine
Vorfahrt genießt. Bei jedem
Überholvorgang gilt:
mindestens zwei Mastlängen Abstand sind
einzuhalten.
Manöver – Basics
Wende
Bei der Wende dreht das
Board mit dem Bug durch den Wind.
Der Surfer wechselt die
Segelseite, indem er um den Mast,
über den Bug, herum
geht.
Halse
Bei der Halse dreht das
Board mit dem Heck durch den Wind.
Das Segel schwenkt dabei
über den Bug.
Beachstart
Beim Beachstart steht der
Surfer in knietiefem Wasser und wird
durch den Zug des Segels
aufs Brett gehoben.
Wasserstart
Der Wasserstart funktioniert
genauso wie der Beachstart, der
Surfer schwimmt beim Wasserstart
im Wasser und wird durch
den Zug des Segels aufs
Brett gehoben.
Powerhalse
Die Powerhalse ist die durchgeglittene
Version der Halse. Sie
ist ein sehr komplexes Manöver
und viele Surfer werden sie nie
lernen.
Auf der Halse basieren viele
weitere Halsen-Manöver.
Manöver – Wave
BottomTurn und CutBack
BottomTurn und CutBack sind
die beiden Manöver, mit dem
man die Wellen wie beim
Wellenreiten (Surfen ohne Segel)
nach Lee abreiten kann.
Es ist die klassische Art des
Wellensurfens.
Front Loop
Der FrontLoop ist die volle
Drehung um den eigenen
horizontalen Mittelpunkt.
Es gibt auch den DoubelLoop, der
doppelte FrontLoop, den
FrontLoop-one-handed, den
einhändigen FrontLoop,
und den BackLoop, die volle Drehung
um den eigenen vertikalen
Mittelpunkt. Es gibt auch noch einige
andere Versionen des FrontLoops
z.B. den KillerLoop, den
PushLoop oder für Flachwasser
den Flachwasserloop.
TableTop
Der TableTop ist der klassischste
und eleganteste Sprung in
der Welle, wie Meister Robby
Naish meint. Bei ihm wird das
Segel und die Board Unterseite
nach oben gedreht, so daß
man etwas obendrauf stellen
könnte.
Die Profi-Regattaserien
Der Worldcup
Der Worldcup ist die Formel
1 des Windsurfens. Jedes Jahr
ziehen die weltbesten Profisurfer
um die Welt, um die PWA-
Tour auszutragen. Dabei
surfen sie an den weltbesten Surf-
Spots, um sich in den Disziplinen
Racing und Waveriding zu
messen.
Seit 1995 sind die Disziplinen
Kursrennen und Slalom zum
Racing fusioniert, ebenso
wurde das Windlimit auf acht Knoten
(drei Beaufort) herabgesetzt.
Durch diese neuen Regelungen
hat die Professional
Windsurfers Association
(PWA) das Windsurfen für das
Publikum interessanter und
für die Fahrer spannender
gemacht.
Ein Amateur-Surfer könnte
es sich übrigens niemals leisten, bei
der PWA-Tour mit zu surfen,
immerhin braucht man ein
durchschnittliches Budget
von 100.000 DM für Material und
Reisekosten.
Speed-Tour
Bei der Speed-Tour geht
es, wie der Name schon sagt, um
Geschwindigkeit. Kleine
Boards, große Segel, flaches Wasser,
das gehört alles dazu,
um maximalen Speed zu erreichen.
Der Speedrekord für
offene Gewässer liegt derzeit bei
81,87 km/h und wird von
dem Amerikaner Roddy Lewis
gehalten.
Die Speed-Tour wird genau
wie der Worldcup von der PWA
organisiert. Innerhalb der
Speed-Tour gibt es die Speed-
Weltmeisterschaft der offenen
Klasse und die Speed-
Weltmeisterschaft für
Serienboards. In der offenen Klasse gibt
es keine Materialbeschränkungen,
doch in der Speed-
Weltmeisterschaft der Serienboards
sind nur Serienboards
erlaubt.
Der geilste Sport der Welt
Er kann dich in die größten
Glücksgefühle versetzen und dich
kurze Zeit später in
tiefe Depressionen stürzen. Er kann dir die
härtesten Verletzungen
zufügen und dich sanft streicheln. Er
kann dich zum Heulen bringen
und zum Lachen. Manche sind
ein Teil von ihm, bei anderen
ist er ein Teil von ihnen. Er kann
dich in den Wahnsinn treiben
und dich zum glücklichsten
Menschen der Welt machen.
Er verkörpert Frust und
Lebensfreude. Du bist süchtig
nach ihm, aber es gibt keine
Therapie. Für manche
ist er der Lebensstil, nach dem sie
streben, für andere
nur eine schöne Sache. Aber gerade
deshalb ist er für
mich und Millionen anderer
Das Gefühlsthermometer
steigt und fällt mit der Wetterlage: Ist
Wind in Sicht steigt das
Gefühlsthermometer auf
Siedetemperatur , herrscht
Flaute, fällt das Stimmungs-
thermometer ins Bodenlose.
Manche suchen den ewigen
Speedrausch, andere die
perfekte Welle. Dafür reisen sie um
die ganze Welt von Maui
bis Australien, von Fiji bis Südafrika,
von Europa bis zur Antarktis,
die Temperaturen sind egal,
solange das Wasser befahrbar
ist. Auf der ewigen Suche nach
dem absoluten Kick begeben
sie sich in die Futterzonen von
Weißen Haien, fahren
tagelang durch die Einöden von
Madagaskar, nur um diesen
verrückten und zugleich geilsten
Sport der Welt ausüben
zu können. Viele Leute fahren in ihrem
knapp bemessenen Urlaub
in Großstädte, nach Mallorca oder
an schneeweiße Sandstrände,
Surfer fahren dorthin, wo die
Wetterküche des Windes
ist, an schroffe Küsten, an die
Küstenstreifen von
Steinwüsten oder in Outbacks, wo die
nächste Stadt 300 km
entfernt ist, der nächste Arzt 150 km
entfernt und dazu noch ein
Tierarzt ist.
Windsurfing.