ich habe die Möglichkeit ein Diana 75 Luftgewehr für 160¤ zu erwerben.
Der Zustand soll sehr gut sein, weiteres Zubehör ist nicht dabei. Google
sagt, dass der Neupreis von dem Teil, so denn noch erhältlich, so in
etwa 250¤ beträgt, von daher scheint der Preis recht gut zu sein.
Da ich noch absoluter Anfänger bin und das Scheibenschießen bei einem
Freund mit dem Luftgewehr seines Großvaters einen den alten
Kindheitswunsch mal ein Luftgewehr zu haben wieder geweckt hat, wollte
ich fragen, ob dieses Angebot geeignet ist, diesen Wunsch zu erfüllen.
Mfg Felix Rützel
Hallo Felix,
die Firma Diana hat solide Gewehre produziert. Das Modell 75 gab es
in verschiedenen Ausführungen. Verbreitet war das Modell 75 mit den
drei markanten Ausfräsungen am Vorderschaft. Die Diana Matchgewehre
zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine sehr ausgewogene Gewichts-
verteilung und Balance aus und "liegen" gut im Anschlag. In einem
Kettnerkatalog von von 1992/93 wird ein Modell 75 B T01 für 1083 DM
angeboten. 1976 kostete ein Modell 60 (ein einfacheres Vorgängermodell)
schon ca. 600.- DM. Daher ist dein Preis, wenn der Pflegezustand
stimmt, in Ordnung. Gebrauchte Matchgewehre werden generell recht
hoch gehandelt. Die Firma Diana hat meines Wissens die Produktion
ihrer Matchwaffen eingestellt. Das letzte Modell war das Diana 100,
auch ein solides Gewehr, das sich aber am Markt nicht durchsetzen
konnte. Probleme mit Ersatzteilen sollte es aber nicht geben, die
Firma Diana war immer bekannt für guten Service.
Du solltest aber bedenken, das die Entwicklung bei den Matchluftgewehren
in den letzten 15 Jahren einen gwaltigen Entwicklungssprung gemacht
hat. Ein erster Meilenstein war so um 85 die Feinwerbau 600 und dann
das Nachfolgemodell 601. Bei diesen Modellen wurde vorkomprimierte
Luft als Antriebsenergie verwendet. Gegenüber den Vorgängern, zu denen
auch das Diana 75 gehört, welche mit Federn und Kolben und komplizierten
Mechanismen zur Verringerung des Prellschlags arbeiteten, konnte die
Schußauslösezeit stark verkürzt werden. Der Prellschlag war, da keine
großen Massen mehr bewegt wurden, kaum noch wahrnehmbar. Die Feinwerkbau-
modelle zeichneten sich darüberhinaus durch einen modernen, anatomischen
Schichtholzschaft aus. Diese Gewehre haben lange den Markt dominiert.
Die Firma Anschütz zog mit der Entwicklung des Modells 2001 nach.
Dieses Gewehr war zwar nicht ganz so stark verbreitet wie die FWBs,
aber genauso hochwertig und leistungsfähig. Manche Schützen kommen
mit den Anschützschaft besser zurecht. Ein weitere Entwicklungsstufe
wurde mit den Pressluftgewehren eingeleitet. Abgesehen davon, daß
bei diesen Gewehren keine Spannarbeit mehr geleistet werden braucht,
konnte die Auslösezeit und die Reaktion der Waffe im Schuß nochmals
weiter verbessert werden. Fast zeitgleich brachten die Hersteller
mit diesen Modellen neue Aluschäfte auf den Markt. Diese Schäfte
bieten extrem viele Verstellmöglichkeiten. Damit ist es möglich,
das Gewehr perfekt auf die eingene Anatomie einzustellen. Neben
Feinwerkbau und Anschütz behauptet sich zur Zeit auch wieder
Walter am Markt. Die Modelle dieser drei Hersteller sind absolut
konkurenzfähig und es ist wohl eher individuelle Frage, für welches
Modell man sich entscheidet. Diese Hightechwaffen wollen aber auch
sorgsam behandelt werden und man braucht zum Befüllen eine Vorratsflasche
oder aber einen Kompressor. Modelle mit vorkomprimierte Luft sind in
dieser Hinsicht unproblematischer. Die Neupreise dieser Waffen
liegen bei ca. 1400 - 1500 EUR.
Vieleicht wird dir als Anfänger dieser Entwicklungssprung nicht sofort
auffallen, aber wenn du längere Zeit mit einen modernen Gewehr geschossen
hast und schießt dann wieder mit einem Diana Modell 75, dann merkst
richtig, wie lange es dauert, bis sich nach Betätigung des Abzuges das
Geschoß in Bewegung setzt. Man denkt unwillkürlich an eine Dampfmaschine.
Das heist aber nicht, das die alten Modelle nicht mehr brauchbar sind.
Wenn die Waffe technisch in Ordung ist, dann ist die Präzision nicht
oder kaum schlechter als bei den aktuellen Modellen. Das Schießen
ist aber definitiv schwieriger. Man muß halt sehr sauber nachhalten, um
zu treffen. Als Taining nicht schlecht, aber ein Wettkampfnachteil.
Fazit: Man kann sicher mit einer Diana 75 noch viel Freude haben.
Will man aber an Wettkämpfen teilnehmen, so ist man gegenüber der
Konkurenz, die mit modernen Waffen an den Start geht, im Nachteil.
Wie gesagt, der Preis ist in Ordnung, aber es stellt sich die Frage
ob du nicht mit einer gebrauchten FWB 601 oder einer Anschütz 2001,
die man je nach Zustand für ca. 400 - 500 EUR erwerben kann, auf Dauer
mehr Freude haben wirst.
Am besten ist es, du suchst dir einen Verein in deiner Nähe und
probierst dort einmal verschiedene Modelle aus. Zur Vereinsauswahl
habe ich hier vor einiger Zeit ein paar Anmerkungen gemacht.
Die Artikel müßten im Archiv von Google gespeichert sein.
Mit bestem Sportschützenguß
Frank
> Aussagekräftig für die Schussleistung wäre ein sogenanntes Schussbild.
> Also zB. 5 Schuss von einem guten Schützen auf eine Scheibe abgeben
> lassen und die Abweichung der Treffer beurteilen. Die Treffer sollten
> auf 10m auch bei einem Hobby-Luftgewehr noch auf Daumennagelgrösse
> zusammenliegen.
>
> Gruss Ernst
Hallo Ernst,
das Diana 75 ist kein Hobbyluftgewehr, sondern ein altes Matchluftgewehr.
Ein Schußbild auf Daumennagelgröße sagt daher nichts aus. Auch die alten
Möhrchen waren in der Lage, Schußbilder zu produzieren, die kaum größer
waren als als der Nenndurchmesser des Geschosses. 6 bis 9 mm umschlossen
bei 10 Schuß sollte so ein Gewehr, vorausgesetzt technisch in Ordnung,
schon noch bringen. Aus der Schulter sind aber nur ausgesprochene
Spitzenschützen in der Lage, aussagekräftige Schußbilder zu produzieren.
Die einzelne Munitionsserie spielt eine große Rolle. Besser ist daher
gleich ein Munitionstest, wie ihn heute viele Händler anbieten.
Die Präzision eines LG Diana 75 sollte aber nicht das Problem sein, die
Nachteile liegen gegenüber moderneren Modellen woanders. Siehe meinen
anderen Artikel zu dem Thema.
Mit bestem Sportschützengruß
Frank
> On Mon, 15 Jul 2002 17:48:28 +0200, Felix Rützel <dura...@gmx.net> wrote:
>
> > Hallo alle zusammen,
> >
> > ich habe die Möglichkeit ein Diana 75 Luftgewehr für 160¤ zu erwerben.
> > Der Zustand soll sehr gut sein, weiteres Zubehör ist nicht dabei. Google
> > sagt, dass der Neupreis von dem Teil, so denn noch erhältlich, so in
> > etwa 250¤ beträgt, von daher scheint der Preis recht gut zu sein.
> >
> > Da ich noch absoluter Anfänger bin und das Scheibenschießen bei einem
> > Freund mit dem Luftgewehr seines Großvaters einen den alten
> > Kindheitswunsch mal ein Luftgewehr zu haben wieder geweckt hat, wollte
> > ich fragen, ob dieses Angebot geeignet ist, diesen Wunsch zu erfüllen.
> >
> > Mfg Felix Rützel
Erstmal danke für die Umfangreiche Antwort :-) Mitlerweile habe ich
wegen Zeitdruck zugeschlagen und bin sowohl mit dem Gewehr an sich, als
auch mit dem Zustand zufrieden :-) Der Verkäufer hatte vor dem Verkauf
noch die Dichtungen gewechselt und auch äusserlich ist das Gewehr,
abgesehen von ein paar kleinen Macken im Schaft und einigen kleinen
Flugrostflecken gut in Schuß.
> Hallo Felix,
>
> die Firma Diana hat solide Gewehre produziert. Das Modell 75 gab es
> in verschiedenen Ausführungen. Verbreitet war das Modell 75 mit den
> drei markanten Ausfräsungen am Vorderschaft. Die Diana Matchgewehre
> zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine sehr ausgewogene Gewichts-
> verteilung und Balance aus und "liegen" gut im Anschlag. In einem
> Kettnerkatalog von von 1992/93 wird ein Modell 75 B T01 für 1083 DM
> angeboten. 1976 kostete ein Modell 60 (ein einfacheres Vorgängermodell)
> schon ca. 600.- DM. Daher ist dein Preis, wenn der Pflegezustand
> stimmt, in Ordnung. Gebrauchte Matchgewehre werden generell recht
> hoch gehandelt.
Meine Diana hat besagte drei Ausfräsungen. Das Gumipolster für die
Schulter ist verstellbar. Welche Version das ist, weiss ich nicht...
> Die Firma Diana hat meines Wissens die Produktion
> ihrer Matchwaffen eingestellt. Das letzte Modell war das Diana 100,
> auch ein solides Gewehr, das sich aber am Markt nicht durchsetzen
> konnte. Probleme mit Ersatzteilen sollte es aber nicht geben, die
> Firma Diana war immer bekannt für guten Service.
Stimmt, die Anleitung zu dem Gewehr kriege ich von denen demnächst
kostenlos per Post zugesandt :-)
*Viele nützliche Informationen zur Geschichte der Match LGs gesnipt*
> Vieleicht wird dir als Anfänger dieser Entwicklungssprung nicht sofort
> auffallen, aber wenn du längere Zeit mit einen modernen Gewehr geschossen
> hast und schießt dann wieder mit einem Diana Modell 75, dann merkst
> richtig, wie lange es dauert, bis sich nach Betätigung des Abzuges das
> Geschoß in Bewegung setzt. Man denkt unwillkürlich an eine Dampfmaschine.
> Das heist aber nicht, das die alten Modelle nicht mehr brauchbar sind.
> Wenn die Waffe technisch in Ordung ist, dann ist die Präzision nicht
> oder kaum schlechter als bei den aktuellen Modellen. Das Schießen
> ist aber definitiv schwieriger. Man muß halt sehr sauber nachhalten, um
> zu treffen. Als Taining nicht schlecht, aber ein Wettkampfnachteil.
So wars auch gedacht. Es ist mein erstes Luftgewehr und somit genau
richtig, da das Handling doch um Klassen besser ist, als bei einem
Knicklaufluftgewehr, auch wenns ungleich mehr wiegt und der (?) Diopter
noch ungewohnt ist.
> Fazit: Man kann sicher mit einer Diana 75 noch viel Freude haben.
> Will man aber an Wettkämpfen teilnehmen, so ist man gegenüber der
> Konkurenz, die mit modernen Waffen an den Start geht, im Nachteil.
> Wie gesagt, der Preis ist in Ordnung, aber es stellt sich die Frage
> ob du nicht mit einer gebrauchten FWB 601 oder einer Anschütz 2001,
> die man je nach Zustand für ca. 400 - 500 EUR erwerben kann, auf Dauer
> mehr Freude haben wirst.
>
Danke für die Tips, wenn ich den Schießsport weiter betreiben werde,
werde ich mir dann wohl sowas auch zulegen.
> Mit bestem Sportschützenguß
Danke und Gruß zurück
Felix Rützel
> Erstmal danke für die Umfangreiche Antwort :-) Mitlerweile habe ich
> wegen Zeitdruck zugeschlagen und bin sowohl mit dem Gewehr an sich, als
> auch mit dem Zustand zufrieden :-) Der Verkäufer hatte vor dem Verkauf
> noch die Dichtungen gewechselt und auch äusserlich ist das Gewehr,
> abgesehen von ein paar kleinen Macken im Schaft und einigen kleinen
> Flugrostflecken gut in Schuß.
Hallo Felix,
ich wünsche dir viel Freude mit deiner Neuerwerbung. Solltest du
weitere Fragen bezüglich Sportliches LG-Schießen haben, kannst du
dich ruhig einmal an mich wenden, auch per email. Ich bin zwar kein
ausgesprochener Spitzenschütze, betreibe das Gewehrschießen nach
DSB-Regeln aber seit frühester Jugend und besitze daher einen
gewissen Erfahrungsschatz.
> Meine Diana hat besagte drei Ausfräsungen. Das Gumipolster für die
> Schulter ist verstellbar. Welche Version das ist, weiss ich nicht...
Das ist die ursprüngliche Diana 75. Das Gewehr war in den späten
Siebzigern mal ein Spitzenmodell und hat sicher auch heute noch
seine Qualitäten. Apropos, das *Gummipolster* nennt sich Schaftkappe.
Mit bestem Sportschützengruß
Frank