Wer ist so lieb und verrät mir, wieviel Dezibel eine abgefeuerte
Schußwaffe so um den Dreh hat?
Für den Fall, daß es da Unterschiede gibt: ich dachte an eine
ungedämpfte Walther PPK oder P99 oder eine ähnliche Waffe. Kann man
eigentlich auch einen Unterschied hören zwischen scharfer, CS- und
blanker Munition?
Vielen Dank!
MarionS
--
einweg...@marions.de
Statistik: Wenn ein Jäger einmal einen Meter rechts am Karnickel
vorbeischießt und einmal einen Meter links vorbei, ist das Karnickel
rein statistisch tot.
> Kann man
>eigentlich auch einen Unterschied hören zwischen scharfer, CS- und
>blanker Munition?
Haengt davon ab:
- Kaliber: .22 LR ist leiser als 9mm ist leiser als .45 ACP ist leiser
als .454 Casull ist leiser als 12-er Schrotflinte. Der Unterschied
ist gewaltig.
- Lauflaenge: Pistolen (Selbstlader) sind meistens leiser als Revolver
(weil am Zwischenraum zwischen Zylinder und Lauf noch mal Laerm
rauskommt). Beide sind lauter als Flinten (weil der lange Lauf die
Verbrennungsgase laenger enthaelt, sie daher mit geringerem Druck
rauskommen).
- Munition: Bei .22 LR (Kleinkaliber) gibt es z.B. einen riesigen
Unterschied zwischen extrem leicht geladenen Patronen (Aguila
Colibri, die ueberhaupt kein Pulver enthaelt, sondern nur den
Zuender, oder CB, welche nur ganz wenig Pulver enthaelt), und extrem
heftigen Patronen (z.B. CCI Stinger oder Aguila Super-Maximum,
welche soviel Pulver enthalten, dass die Kartusche etwas laenger ist
als ueblich). Ich kann zu Hause die Aguila Colibri ohne
Gehoerschutz schiessen (klingt ungefaehr so wie mit den Haenden
klatschen). Das gleiche gilt fuer Schrotpatronen: Selbst in der
12-er Buechse sind die Unterschiede zwischen leichter Munition (fuer
Tonscheiben) und extra-schwere Munition (fuer Truthahn auf lange
Entfernung) gross.
- Und dann auch noch feine Unterschiede zwischen verschiedenen Waffen.
Bei manchen Selbstladern kann man den Anschlag deutlich hoeren.
Manche Waffen haben auch Schlitze im Lauf (auf Englisch heisst das
Compensators); die machen die Waffe zwar angeblich insgesamt etwas
leiser, aber ein viel groesserer Teil des Laerms geht nach hinten
(Richtung Schuetze). Ich hab mal auf dem Schiessstand neben einem
Gentleman mit einem .454 Casull Revolver mit Schlitzen im Lauf
gestanden (und er hatte extra-scharfe Hornady Munition). Selbst mit
zwei Lagen Gehoerschutz war das unertraeglich (und ich stand mit
meinem Kleinkaliber-Revolver neben ihm - keine Konkurrenz).
- Von Schalldaempfern wollen wir gar nicht mal reden - die sind hier
in den USA sowieso de-fakto illegal (in Kalifornien sogar de jure).
Angeblich sind Kleinkaliberflinten mit Schalldaempfer so leise, dass
der Hauptanteil des Laerms von der Mechanik des Ausloesers herruehrt.
Ich habe mal gehoert, dass die meisten Handfeuerwaffen (normalen
Kalibers - also 9mm bis .45, also nicht Kleinkaliber, aber auch nicht
Hand-Kanonen wie .454 oder .500) sich in der Gegend von 130 bis 150 dB
rumtreiben.
--
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Ralph Becker-Szendy _firstname_@lr_dot_los-gatos_dot_ca.us
>Ich habe mal gehoert, dass die meisten Handfeuerwaffen (normalen
>Kalibers - also 9mm bis .45, also nicht Kleinkaliber, aber auch nicht
>Hand-Kanonen wie .454 oder .500) sich in der Gegend von 130 bis 150 dB
>rumtreiben.
Prima, danke!
Jetzt suche ich gerade noch nach einer ungefähre Erklärung von dB...
waren da nicht 10 dB mehr doppelt so laut?
MarionS
--
einweg...@marions.de
"Gott ist tot." - Nietzsche
"Nietzsche ist tot." - Gott
"Tote reden nicht." - Django
Grob geschätzt, im Vergleich mit einem Düsentriebwerk aus nächster Nähe,
würde ich das Geräusch um die 145 db einordnen
Das Problem ist, daß ein Düsentriebwerk nicht plötzlich von Null auf Laut
schaltet, sondern der Schallpegel relativ langsam ansteigt.
> Kann man eigentlich auch einen Unterschied hören zwischen
> scharfer, CS- und blanker Munition?
Absolut. Selbst ein Schuss aus einer ungedämpften Langwaffe in .22lr kann
zu dauerhaften Hörschäden führen. Schon die kleineren Kaliber wie 9mm
lassen die Ohren stunden- oder gar tagelang klingeln. Wer das Schießen
sportlich betreibt, trägt daher Gehörschutz.
"Und wie hat das dann der Opa im Krieg gemacht? Ich sehe da auf keinem
Bild Soldaten mit Ohrstöpseln?!" Keine Ahnung, frag ihn doch mal. "HEY
OPA, WIE WAR DAS DAMALS?!" -- "DANKE, MIR IST NICHT KALT!"
--
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Schmerzgrenze 120 db;
Jede Feurwaffe ohne Schalldämpfer erreicht 120-140 dB
Überschall-Bang von einem Geschoss 136-140 dB (deswegen ist für unsere
Ohren gefährlicher zur Seite eines Schützen zu sein als für der Schütze
selbst).
Mit Schalldämper 100-115 dB
Geräusch eines Jagdgewehr mit 1000 meter Enfernung und Gegenwind 62 db; mit
3000 m ca. 50 dB
Wichtig für unsere Ohren ist die Frequenz vom Schall, nicht nur di dB /(je
niedriger, desto besser; deswegen ist das Geräusch einer Flinte angenehmer).
> Ich habe mal gehoert, dass die meisten Handfeuerwaffen (normalen
> Kalibers - also 9mm bis .45, also nicht Kleinkaliber, aber auch nicht
> Hand-Kanonen wie .454 oder .500) sich in der Gegend von 130 bis 150 dB
> rumtreiben.
Zum Vergleich: 1 Gramm TNT-Äquivalent mit 50% mechanischem Energieanteil
bei ungestörter kugelförmiger Ausbreitung der Druckwelle hat in 1 m
Entfernung etwa 172 dB (allerdings ohne A-Gewichtung, sondern der reine
Druckpegel nach [1]). Ähnliches stand vor ein paar Jahren für große
Silvesterböller im ARD-Videotext.
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Detonationswelle
(Tipp: Für Gramm und Meter sind wegen der Kubikskalierung die gleichen
Zahlenwerte wie für Kilotonnen und Kilometer einzusetzen.)
Dabei ist
Dezibelwert = 20*log_10 (p/p_0); p_0 = 2*10^-5 Pa
Bei einer Schusswaffe geht aber nur ein Bruchteil der Energie in die
Druckwelle, dafür eher nach vorne gebündelt als in alle Richtungen.
Gruß
Ingo
--
Nein zu Software-Patenten!
10dB mehr bedeutet, dass 10x mehr Energie im Schall ist. 20dB mehr
bedeutet, dass 100x mehr Energie im Schall ist, u.s.w.
Wobei man dabei etwas vorsichtig sein muss: Manchmal reden Leute auch
ueber die die Amplitude der Schallwelle (wie weit sich ein
Luftmolekuel bewegt). Da Energie dem Quadrat der Amplitude
proportional ist, braucht man 20db um die Amplitude um 10x zu
erhoehen.
Das alles ist zwar alles schoen wissenschaftlich, hat aber wenig mit
der psychologischen und physiologischen Wirkung zu tun. Daher ist mir
gar nicht klar, was genau mit "doppelt so laut" gemeint ist. Unter
Musikern gilt die Faustregel, dass man die Musik vervierfachen muss
(also 4x so viele Geiger im Orchester, oder 4x mehr Watt im
Lautsprecher) um den subjektiven Geraeuschpegel zu verdoppeln (anders
gesagt, der subjektive Geraeuschpegel waechst nur mit der
Quadratwurzel der Energie). Wenn das wirklich stimmt, dann waeren
ungefaehr 6dB "doppelt so laut". Innerhalb der ueblichen Genauigkeit
sind 6dB ungefaehr das gleiche wie 10dB, oder :-)
Ich habe folgende Faustregeln im Kopf: 0dB ist die Schwelle, die ein
wirklich gutes Ohr in einem leisen Raum hoeren kann (gibt's nur bei
jungen Leuten, und bei Schuetzen und Rockmusikfans sowieso nicht).
100dB ist die Schmerzgrenze (z.B. die Hupe am Auto). Dauerbelastung
mit 80dB oder mehr fuehrt zu Gehoerschaeden. Geraeusche oberhalb von
120dB erzeugen sofort Gehoerschaeden. Aber manche Gehoerschaeden
(Tinnitis, das Klingeln in den Ohren) heilen langsam. Ab 140dB sind
dauerhafte Schaeden unvermeidlich, meistens mit zeitweiser Taubheit
verbunden. Z.B. gilt, dass wenn jemand eine Schrotflinte innerhalb
eines geschlossenen Raumes (z.B. in der Diele) abfeuert, er fuer ein
paar Tage von der Polizei nur schriftlich vernommen werden kann ... da
er die Polizisten nicht hoeren kann (mal davon abgesehen, dass er
wahrscheinlich unter psychologischem Schock leidet, und wahrscheinlich
Beruhigungsmittel braucht).
Das ganze sind natuerlich nur Faustregeln (deswegen sind die Zahlen
auch so schoen rund). Und natuerlich haengt vieles von der Frequenz
und Zeitdauer ab.
Auf jeden Fall gilt: Jede Feuerwaffe (vielleicht mit Ausnahme der
leichtesten Kleinkaliberpatronen) muss mit Gehoerschutz verwendet
werden. Bei der lauteren (Magnums, Schrotflinten u.s.w.) sind zwei
Lagen besser (Ohrenstoepsel, und darueber dann Kapseln, die wie
Kopfhoerer aussehen).
Vor ein paar Wochen war wir mit ein paar Kollegen vom Buero auf dem
Schiessstand, und ich habe mir zum Spass einen .44 Magnum Revolver
gemietet, und 100 Patronen durchgejagt (macht uebrigens Spass, dass
Ding ist schoen schwer, und unglaublich genau, wenn man erstmal den
Trick raushat). Fuer den Ausflug habe ich mir die elektronischen
Kopfhoerer gemietet (mit Ohrstoepseln drunter). Die sind wirklich
besser als die mit Schaumgummi gefuellten Kapseln. Und vor allem kann
man immer noch mit anderen Leuten reden, ohne dauernd rueckfragen zu
muessen, oder die Schuetzer abzunehmen (was auf einem Schiessstand
idiotisch ist, und wenn der "Range Safety Officer" einen erwischt,
wird man rausgeworfen).
Nach dem Ausflug tat's mein Handy nicht mehr (ein altes Nokia). Zu
Hause habe ich es auseinandergenommen, und festgestellt, dass
saemtliche Schrauben in ihm locker waren. Komischer Zufall :-)
Bei den naechsten zwei Ausfluegen miete ich mir einen .454 Casull, und
dann einen .500 S&W. Danach brauche ich wahrscheinlich ein neues
Handgelenk. <- nur ein Witz, ich habe spezielle Handschuhe dafuer.
Eben nicht! Das Klingeln und Pfeifen in den Ohren hört zwar anfangs wieder
auf, aber das Gehör bleibt dauerhaft geschädigt und beeinträchtigt. Auch
sind diese Schäden akkumulativ.
> habe mir zum Spass einen .44 Magnum Revolver
> gemietet, und 100 Patronen durchgejagt
Ich liebe meinen :) Der Abzug ist echt so sanft und butterweich, es ist
ein Traum.
René schrieb:
>
> Absolut. Selbst ein Schuss aus einer ungedämpften Langwaffe in .22lr kann
> zu dauerhaften Hörschäden führen.
Ja, wenn der Schuß ins Ohr geht.
Sonst bei Standard Munition eher nicht.
Gruß,
Sepp
>Musikern gilt die Faustregel, dass man die Musik vervierfachen muss
>(also 4x so viele Geiger im Orchester, oder 4x mehr Watt im
>Lautsprecher) um den subjektiven Geraeuschpegel zu verdoppeln (anders
>gesagt, der subjektive Geraeuschpegel waechst nur mit der
>Quadratwurzel der Energie). Wenn das wirklich stimmt, dann waeren
>ungefaehr 6dB "doppelt so laut". Innerhalb der ueblichen Genauigkeit
Genauso wie in der Funktechnik, 6dB -> doppelte Reichweite. Das ist
schon so richtig.
>sind 6dB ungefaehr das gleiche wie 10dB, oder :-)
Nein, wegen der logarithmischen Natur des dB ist das nicht so...
regards - Ralph
--
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>René schrieb:
>>
>> Absolut. Selbst ein Schuss aus einer ungedämpften Langwaffe in .22lr kann
>> zu dauerhaften Hörschäden führen.
>
>Ja, wenn der Schuß ins Ohr geht.
Dann würde ich mir aber weniger um das Ohr Sorgen machen ;-)
Rainer