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Dummy-Patronen mit echten Patronen verwechseln?

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Martin Klaiber

unread,
Nov 4, 2021, 5:08:09 PM11/4/21
to
Hallo,

ich habe eine Frage zu folgendem Artikel:

https://www.n-tv.de/leute/Fuehrte-Sabotage-zu-Baldwins-Todesschuss-article22907100.html

Darin heißt es:

Die 24 Jahre alte Waffenmeisterin habe die Waffe mit Kugeln aus
einer Schachtel mit Dummy-Patronen beladen. Wie die scharfe
Munition in den Revolver gekommen sei, müsse untersucht werden,
sagte der Anwalt.

Ermittlungen ergaben, dass in dem Colt eine echte Kugel steckte.

Am Set stießen Ermittler auf drei Handfeuerwaffen und etwa 500
Schuss Munition, darunter Platzpatronen und sogenannte
Dummy-Patronen, die kein Schießpulver enthalten. Doch vermutlich
war auch scharfe ("live") Munition darunter, teilten die
Ermittler vorige Woche mit.

Sehen diese Dummy-Patronen so echt aus, dass man sie mit echten
Patronen verwechseln kann? Oder gibt es nicht irgendwelche Merkmale,
woran man sie erkennen kann, und müsste eine Waffenmeisterin, deren
Ausbildung ich nicht kenne, die aber vermutlich irgendwie geschult
ist, das beim Laden der Waffe nicht bemerken?

Ich bin selbst kein Schütze, denke aber, dass es wichtig ist, zu
wissen, ob man eine echte Patrone oder Dummy-Patrone in der Hand hat.
Es wäre natürlich denkbar, dass Dummy-Patronen für den Film besonders
realistisch gestaltet sind, weil sie ganz echt aussehen sollen, dann
hätte die Waffenmeistern vielleicht wirklich ein Problem gehabt. Aber
selbst dann sollte doch irgendein Hinweis auf so einer Dummy-Patrone
sein, und wenn es nur eine kleine Gravur ist, oder so.

Was meint ihr dazu?

Danke und Gruß
Martin

Andy Angerer

unread,
Nov 4, 2021, 5:37:15 PM11/4/21
to
Am 04.11.21 um 22:04 schrieb Martin Klaiber:

> ich habe eine Frage zu folgendem Artikel:
>
> https://www.n-tv.de/leute/Fuehrte-Sabotage-zu-Baldwins-Todesschuss-article22907100.html
>
> Darin heißt es:
>
> Die 24 Jahre alte Waffenmeisterin habe die Waffe mit Kugeln aus
> einer Schachtel mit Dummy-Patronen beladen. Wie die scharfe
> Munition in den Revolver gekommen sei, müsse untersucht werden,
> sagte der Anwalt.
>
> Ermittlungen ergaben, dass in dem Colt eine echte Kugel steckte.
>
> Am Set stießen Ermittler auf drei Handfeuerwaffen und etwa 500
> Schuss Munition, darunter Platzpatronen und sogenannte
> Dummy-Patronen, die kein Schießpulver enthalten. Doch vermutlich
> war auch scharfe ("live") Munition darunter, teilten die
> Ermittler vorige Woche mit.

Die erwies sich dann als "death" Munition.

> Sehen diese Dummy-Patronen so echt aus, dass man sie mit echten
> Patronen verwechseln kann? Oder gibt es nicht irgendwelche Merkmale,
> woran man sie erkennen kann, und müsste eine Waffenmeisterin, deren
> Ausbildung ich nicht kenne, die aber vermutlich irgendwie geschult
> ist, das beim Laden der Waffe nicht bemerken?

Beim Militär werden meines Wissens verschiedene Munitionsarten
in verschiedenen Farben gestaltet, um Verwechslungen vorzubeugen.
Aber wir sind ja hier beim Film....

> Ich bin selbst kein Schütze, denke aber, dass es wichtig ist, zu
> wissen, ob man eine echte Patrone oder Dummy-Patrone in der Hand hat.
> Es wäre natürlich denkbar, dass Dummy-Patronen für den Film besonders
> realistisch gestaltet sind, weil sie ganz echt aussehen sollen, dann
> hätte die Waffenmeistern vielleicht wirklich ein Problem gehabt. Aber
> selbst dann sollte doch irgendein Hinweis auf so einer Dummy-Patrone
> sein, und wenn es nur eine kleine Gravur ist, oder so.
> Was meint ihr dazu?

Ich finde es bereits sehr eigenartig, dass da überhaupt echte,
schussfähige Waffen als Requisiten eingesetzt werden. Dazu
echte Munition finde ich mindestens ebenso eigenartig.


--
Die Pandemie setzt den Individuen Masken auf,
der Gesellschaft reißt sie die ihre herunter.

www.angerer-bodenlos.de

Andy Angerer

unread,
Nov 5, 2021, 10:08:09 AM11/5/21
to
Am 05.11.21 um 08:57 schrieb Juergen Nieveler:

> Nach dem was ich gelesen habe sollen an dem Filmset aber Dekopatronen
> benutzt worden sein wie sie auch in Deutschland frei verkauft werden...
> erkennbar nur daran das in die Hülse ein kleines Loch gebohrt wurde.

Ein Loch gebohrt haben sie ja dann auch....

Wilhelm Ernst

unread,
Nov 5, 2021, 2:59:20 PM11/5/21
to
Am Thu, 4 Nov 2021 22:04:13 +0100hat Martin Klaiber
<usenet....@gmx.de> geäußert:

>Hallo,
>
>ich habe eine Frage zu folgendem Artikel:
>
> https://www.n-tv.de/leute/Fuehrte-Sabotage-zu-Baldwins-Todesschuss-article22907100.html
>
>Darin heißt es:
>
> Die 24 Jahre alte Waffenmeisterin habe die Waffe mit Kugeln aus
> einer Schachtel mit Dummy-Patronen beladen. Wie die scharfe
> Munition in den Revolver gekommen sei, müsse untersucht werden,
> sagte der Anwalt.
>
> Ermittlungen ergaben, dass in dem Colt eine echte Kugel steckte.
>
> Am Set stießen Ermittler auf drei Handfeuerwaffen und etwa 500
> Schuss Munition, darunter Platzpatronen und sogenannte
> Dummy-Patronen, die kein Schießpulver enthalten. Doch vermutlich
> war auch scharfe ("live") Munition darunter, teilten die
> Ermittler vorige Woche mit.
>
>Sehen diese Dummy-Patronen so echt aus, dass man sie mit echten
>Patronen verwechseln kann? Oder gibt es nicht irgendwelche Merkmale,
>woran man sie erkennen kann, und müsste eine Waffenmeisterin, deren
>Ausbildung ich nicht kenne, die aber vermutlich irgendwie geschult
>ist, das beim Laden der Waffe nicht bemerken?

Himmelherrgott - spricht hier keiner mehr deutsch?
"Dummy-Patronen"?
Im deutschen ist das Exerzier- oder Übungsmunition. Die hat die Form der
Originalmunition und das Aussehen, aber geringeres Gewicht (also sofort
erkennbar). Damit wird Laden/Entladen, Handhaben geübt...
Und es gibt Platzmunition - die ist äußerlich zweifellos erkennbar, denn
sie hat kein Projektil auf der Ladung.
Dieses ganze Rumgeeiere zeigt, dass hier ahnungslose Yankees am Werk
waren, deren Ausbildung im Gucken von Westernfilmen bestand. Schade um
das Opfer dieser professionellen Dummheit!
Willi
--
Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.
Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!
Bertolt Brecht

Frank Hucklenbroich

unread,
Nov 6, 2021, 9:49:30 AM11/6/21
to
Aber doch nur im direkten Vergleich. Wenn man mir eine Patrone in die Hand
drückt, wüsste ich jedenfalls vom Gewicht her nicht spontan, ob das
Übungsmunition ist.

> Damit wird Laden/Entladen, Handhaben geübt...
> Und es gibt Platzmunition - die ist äußerlich zweifellos erkennbar, denn
> sie hat kein Projektil auf der Ladung.

Wenn im Film z.B. gezeigt wird, wie der Revolverheld seinen Revolver lädt,
dann will man gerade nicht, daß das erkennbare Platzpatronen sind. Da
sollte dann schon das Projektil zu sehen sein. Insofern werden da wohl
keine klassischen Platzpatronen verwendet. Die müssen ja auch gar nicht
knallen (anders als z.B. im Theater oder bei Western-Festspielen), den Ton
kann man später hinzufügen. Funken aus dem Lauf und Rauch müssen aber schon
sein. Insofern dürften das spezielle Patronen sein.

> Dieses ganze Rumgeeiere zeigt, dass hier ahnungslose Yankees am Werk
> waren, deren Ausbildung im Gucken von Westernfilmen bestand. Schade um
> das Opfer dieser professionellen Dummheit!

Ob Dummheit oder Vorsatz ist ja noch lange nicht geklärt.

Grüße,

Frank

Alexander Schreiber

unread,
Nov 7, 2021, 4:08:03 PM11/7/21
to
Normalerweise ist das relativ klar. Exerzierpatronen sind oft entweder
Hohlkörper aus Messing oder Vollkörper aus Aluminium. Bei Ansicht als aus
einem Stück bestehend erkennbar, kein Zündhütchen, aber oft eine Anpassung
um den Schlagbolzen zu schonen (Loch oder Weichplastikeinsatz an Stelle
des Zündhütchens). Dienen dazu, den Umgang mit der Waffe zu üben, ohne
das Risiko von echter Munition dabei.

Trainingsmunition nach NATO-Standard ist üblicherweise blau, entweder das
Geschoss oder die ganze Patrone. Enthält meist ein Plastikgeschoss und eine
reduzierte Pulverladung -> geringe Reichweite (wir haben damit beim Bund
auf 50m oder so auf Papierziele geschossen). Immer noch gefährlich, kann
schwere Verletzung bis Tod verursachen wenn man sich hinreichend dämlich
anstellt.

Platzpatronen sind vorne meist zugekrimpt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Blank_cartridge_7.62_x_51mm.jpg
oder haben einen Plastikeinsatz mit Sollbruchstellen anstelle Projektil:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:9_mm_P.AK._2.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Blank_cartridge_1.jpg

Bei scharfer (Pistolen- oder Gewehr-) Munition sieht man eigentlich
recht deutlich das Geschoss in der Patrone.

>
>> Damit wird Laden/Entladen, Handhaben geübt...
>> Und es gibt Platzmunition - die ist äußerlich zweifellos erkennbar, denn
>> sie hat kein Projektil auf der Ladung.
>
> Wenn im Film z.B. gezeigt wird, wie der Revolverheld seinen Revolver lädt,
> dann will man gerade nicht, daß das erkennbare Platzpatronen sind.

Da kann man immer noch den Waffenmeister vor Ort eine kleine Sonderserie
aus leerer Patrone und Geschoss (ohne neues Zündhütchen) "neuladen" lassen.
Da die allerdings echt aussehen, gehören die trotzdem (separat) unter
Verschluss wenn sie nicht gerade in einer Szene verwendet werden in der
die Munition voll sichtbar sein muss (z.B. das angesprochene Laden der
Waffe).

> Da
> sollte dann schon das Projektil zu sehen sein. Insofern werden da wohl
> keine klassischen Platzpatronen verwendet. Die müssen ja auch gar nicht
> knallen (anders als z.B. im Theater oder bei Western-Festspielen), den Ton
> kann man später hinzufügen. Funken aus dem Lauf und Rauch müssen aber schon
> sein. Insofern dürften das spezielle Patronen sein.
>
>> Dieses ganze Rumgeeiere zeigt, dass hier ahnungslose Yankees am Werk
>> waren, deren Ausbildung im Gucken von Westernfilmen bestand. Schade um
>> das Opfer dieser professionellen Dummheit!
>
> Ob Dummheit oder Vorsatz ist ja noch lange nicht geklärt.

Inkompetenz ist die naheliegende Vermutung. Kurz vorher hatte die originale
Produktionscrew unter Protest das Set verlassen (lausige Bezahlung, lausige
Behandlung und massive Mangel an Sicherheit). Also hat die Produktionsfirma
kurzerhand eine neue Crew angestellt, die bereit war, unter diesen Umständen
zu arbeiten (Merke: Es findet sich immer jemand, der es billiger und
schlechter macht). Und von den Beschreibungen des Unfalls her hat man es
mit den elementaren Grundregeln zur sicheren Handhabung von Schusswaffen
auf dem Set wohl auch nicht sehr ernst genommen.

Zudem: wenn nicht ausdrücklich der Einsatz von scharfer Munition für
bestimmte Scenen im Drehbuch steht, dann hat ebensolche überhaupt
nichts am Set verloren.

Alles in allem: eine komplett vermeidbare Tragödie.

Man liest sich,
Alex.
--
"Opportunity is missed by most people because it is dressed in overalls and
looks like work." -- Thomas A. Edison

Andy Angerer

unread,
Nov 7, 2021, 5:23:12 PM11/7/21
to
Am 07.11.21 um 21:23 schrieb Alexander Schreiber

ausführlich und mal wirklich kompetent zum Thema.

Vielen Dank!


--
! NEU !
Kurzgeschichten
Eine davon ist von mir
<www.amazon.de/dp/B09K26CCXH?ref_=pe_3052080_397514860>

Andreas Bockelmann

unread,
Nov 8, 2021, 9:10:02 AM11/8/21
to
Juergen Nieveler schrieb:

> Beispiele hierfür sind zum beispiel die blaue Munition für das G3 (mit
> dem
> Plastikgeschoss das angeblich weniger gefährlich sein soll), oder die
> unterkalibrige Übungsmunition für die Panzerfaust.
>

Die Dinger hießen 1988 bei uns nur "Negerpfeile", aber das darf man wohl
nicht mehr sagen, genausowenig wie "Negerkeks", den ich im Praktikum im
Stahlbau kennenlernte.
Immerhin findet Amazon noch die passenden Artikel
<https://www.magentacloud.de/lnk/xCyzKzs8>

--
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Bockelmann

Andreas Bockelmann

unread,
Nov 8, 2021, 1:54:02 PM11/8/21
to
Arthur Erhardt schrieb:
> Juergen Nieveler <use...@nieveler.org> wrote:
>> Wilhelm Ernst <news...@t-online.de> wrote:
>
>>> Himmelherrgott - spricht hier keiner mehr deutsch?
>>> "Dummy-Patronen"?
>>> Im deutschen ist das Exerzier- oder Übungsmunition. Die hat die Form
>>> der Originalmunition und das Aussehen, aber geringeres Gewicht (also
>>> sofort erkennbar). Damit wird Laden/Entladen, Handhaben geübt...
>
> [richtiges]
>> Beispiele hierfür sind zum beispiel die blaue Munition für das G3 (mit
>> dem Plastikgeschoss das angeblich weniger gefährlich sein soll),
> Nicht nur angeblich. Technische Daten sind hier (verwendete Einheiten
> zT antiquarisch; bei Unklarheiten fragen).
>
> http://www.schneider-waffen.com/wb/media/Datenblatt-PT.pdf
>
> E(0) = 573 J ; also etwa wie eine hart geladene 9x19.
> E(50 m) = 43 J
> E(100 m) = 11.3 J ; In den meisten Nachbarländern sind freie
> Luftgewehre solche bis 16 J Mündungsenergie.
>
>

Die E(10) und/oder E(20) wären noch interessant. In meiner Grundausbildung
hat es ein Rekrut ein Tag vor dem Gelöbnis geschafft einem Kameraden mit der
grünen Platzpatrone im G3 erheblich die Hand zu schädigen. Aus ca. 1 Meter
Entfernung ohne MPG abgefeuert.

Das Doofe an Plastesplittern in der Hand: Man sieht sie im Röntgenbild nicht.

Zum Ausgangspunkt:
Ich kann nicht nachvollziehen warum man zum Filmdreh scharfe Waffen
verwenden muss und auch nicht, dass scharfe Munition überhaupt am Filmset
vorhanden ist.

Aber gut, andere Länder, andere Sitten.

Andy Angerer

unread,
Nov 8, 2021, 2:09:18 PM11/8/21
to
Am 08.11.21 um 19:51 schrieb Andreas Bockelmann:

> Ich kann nicht nachvollziehen warum man zum Filmdreh scharfe Waffen
> verwenden muss und auch nicht, dass scharfe Munition überhaupt am
> Filmset vorhanden ist.

Das kann wohl kein vernünftiger Mensch.

> Aber gut, andere Länder, andere Sitten.

Amis hoid.


--
! NEU !
Kurzgeschichten
eine davon ist von mir
<www.amazon.de/dp/B09K26CCXH?ref_=pe_3052080_397514860>

Frank Hucklenbroich

unread,
Nov 9, 2021, 3:17:59 AM11/9/21
to
Am Mon, 8 Nov 2021 20:09:16 +0100 schrieb Andy Angerer:

> Am 08.11.21 um 19:51 schrieb Andreas Bockelmann:
>
>> Ich kann nicht nachvollziehen warum man zum Filmdreh scharfe Waffen
>> verwenden muss und auch nicht, dass scharfe Munition überhaupt am
>> Filmset vorhanden ist.
>
> Das kann wohl kein vernünftiger Mensch.

Und was, wenn der Filmdreh überfallen wird? Dann muss man sich doch
verteidigen können!

SCNR,

Frank

Alexander Goetzenstein

unread,
Nov 9, 2021, 4:17:44 AM11/9/21
to
Hallo,

Am 08.11.21 um 18:52 schrieb Arthur Erhardt:
> In den meisten Nachbarländern sind freie
> Luftgewehre solche bis 16 J Mündungsenergie.

das interessiert mich: an welche Länder denkst Du da?


--
Gruß
Alex

Alexander Goetzenstein

unread,
Nov 9, 2021, 4:20:35 AM11/9/21
to
Hallo,

Am 08.11.21 um 19:51 schrieb Andreas Bockelmann:
> Ich kann nicht nachvollziehen warum man zum Filmdreh scharfe Waffen
> verwenden muss und auch nicht, dass scharfe Munition überhaupt am Filmset
> vorhanden ist.

für bestimmte Aufnahmen, etwa Nahaufnahmen von der Schussabgabe, kann
ich mir vorstellen, dass das geübte Auge da Unterschiede erkennt. Und
Amis dürften da ziemlich viele geübte Augen zusammenbringen. So rein
theoretisch.


--
Gruß
Alex

Martin Klaiber

unread,
Nov 9, 2021, 5:08:08 AM11/9/21
to
Alexander Schreiber <a...@usenet.thangorodrim.de> wrote:

> Inkompetenz ist die naheliegende Vermutung.

Ack.

Aber nochmal zurück zu meiner Eingangsfrage: Der Regieassistent, der
die Waffe dem Schauspieler mit dem Hinweis "cold gun" gegeben hat,
hat inzwischen eingeräumt, dass er sie vorher nicht ausreichend
geprüft habe. Von daher gibt es vielleicht doch irgendein Merkmal,
an dem er hätte erkennen können, was da für Patronen drin sind. Bin
mal gespannt, was dabei noch rauskommt.

Grüße
Martin

Martin Klaiber

unread,
Nov 9, 2021, 5:08:09 AM11/9/21
to
Arthur Erhardt <art...@erhardt-net.de> wrote:
> Martin Klaiber <usenet....@gmx.de> wrote:

>> Aber selbst dann sollte doch irgendein Hinweis auf so einer
>> Dummy-Patrone sein, und wenn es nur eine kleine Gravur ist, oder so.

> Nein. Wenns echt aussehen soll, dann solls echt aussehen. Das ist
> erstmal ein prinzipielles Problem, daß man sich Anforderungen
> nicht zurechtmogeln kann wenn man eine technische Lösung für ein
> Problem beschreibt.

Ich dachte an so etwas:

https://de.wikipedia.org/wiki/Fiktives_Markenprodukt

Echte Patronen werden doch sicher irgendeine Kennzeichnung tragen,
einen Herstellernamen oder ähnliches, und es wird doch sicherlich
nicht nur einen Hersteller weltweit geben, der Patronen herstellt.
Da könnte man stattdessen doch einfach so einen Phantasienamen
verwenden, wie in den USA beispielsweise ACME.

Die Leute im Kino wissen doch ohnehin, dass sie im Film sind und
werden nicht ernsthaft erwarten, dass die Schauspieler mit echter
Munition aufeinander schießen, von daher denke ich, dass auch der
engagierteste Westernfan so einen Phantasiehersteller akzeptieren
würde, solange die Attrappe ansonsten realistisch aussieht.

Grüße
Martin

Martin Klaiber

unread,
Nov 9, 2021, 5:08:10 AM11/9/21
to
Denke ich auch. Aber man hätte weitere Sicherheiten einbauen können.
Z.B. hätte niemand hinter der Kamera sitzen müssen, als der
Schauspieler auf sie feuerte. Man kann sie einfach so laufen lassen
und die überflüssigen Teile später raussschneiden und es gibt auch
ferngesteuerte Kameras.

Also alles in allem viel Pfusch und Gedankenlosigkeit IMHO.

Grüße
Martin

Martin Klaiber

unread,
Nov 9, 2021, 5:08:10 AM11/9/21
to
Andreas Bockelmann <xot...@gmx.de> wrote:

> Zum Ausgangspunkt: Ich kann nicht nachvollziehen warum man zum
> Filmdreh scharfe Waffen verwenden muss und auch nicht, dass scharfe
> Munition überhaupt am Filmset vorhanden ist.

In diversen Zeitungsartikeln stand, dass die Crew/Schauspieler in
den Drehpausen mit den Filmwaffen und echten Patronen draußen auf
Cola-Dosen (o.ä.) geschossen hätten. Das ist vielleicht die Erklärung,
wie die echten Patronen ans Set kamen, aber natürlich trotzdem kein
professioneller Umgang mit dem Thema.

Grüße
Martin

Andy Angerer

unread,
Nov 9, 2021, 8:47:10 AM11/9/21
to
Am 09.11.21 um 09:17 schrieb Frank Hucklenbroich:
Ich vergaß....

> SCNR,

Dito.

Alexander Schreiber

unread,
Nov 10, 2021, 5:08:08 AM11/10/21
to
Wie vorher geschrieben: Die Grundregeln für den sicheren Umgang mit
Schusswaffen sind da wohl komplett ignoriert worden.

Die 4 Grundregeln:

1. Behandle jede Waffe als sei sie geladen.
--> Eine Waffe gilt erst dann als "nicht geladen und sicher" wenn
Du das persönlich gründlich geprüft hast (Magazin raus, Kammer
leer, Zündbolzen entspannt[0]) und sie seitdem nicht aus der Hand
gegeben hast. Legst Du die Waffe aus der Hand, dann wird der
Zustand auf "unbekannt" == "geladen, gespannt, entsichert"
== "gefährlich" zurückgesetzt.[1]

2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
zerstören willst.

3. Lass die Finger vom Abzug bis die Waffe genau auf das Ziel zeigt
und Du beschlossen hast, zu schiessen.[4]
--> 2 & 3 nicht beachten sind ein häufiger Grund für Unfälle mit
Schusswaffen. Gerade beim "Ich bin sooo cool and gangsta"[2] mit der
(nicht selten geladenen und entsicherten) Waffe rumwedeln gibt es
gerne böse (und komplett vermeidbare) Unfälle.[3]

4. Sei Dir Deines Zieles _und_ dessen, was dahinter ist sicher.
--> Auch ein leider nicht seltener Grund für Schusswaffenunfälle,
z.B. auf den "bösen Buben" geschossen, ihn auch getroffen wo man
ihn treffen wollte - allein das Geschoss fliegt weiter und trifft
den unbeteiligten und unschuldigen Nachbarn 20m weiter im Herz.

Ja, diese Regeln klingen lästig, aber sie existieren aus guten Gründen.
Um es mal ganz graphisch zu sagen: Sicherheitsregeln werden mit Blut
und Knochensplittern geschrieben.

Und wer es nicht schafft, sich an diese Regeln zu halten, sollte
die Finger von Schusswaffen lassen, das ist kein harmloses Spielzeug.

Man liest sich,
Alex.


[0] Und wenn man "Kammer leer" vergisst, dann knallt es hier gerne mal.
Aus dem Grund steht beim Bund an der Wache eine Sandkiste, in die
die Waffe bei diesem Schritt zeigen sollte. (Wohlverdienten) Stress
gibt es dann trotzdem, wenn es knallt.
[1] Es gibt allerdings spezielle Schlösser, die man so durch Kammer
und Magazinhalterung durchfädeln kann, dass a) es schlicht nicht
möglich ist, dass sich Munition in der Waffe befindet und b) dieser
Zustand sehr offensichtlich ist. Sieht man manchmal an den Sturm-
gewehren von US-Soldaten, wenn die mit zivilen Fliegern aus Kriegs-
gebieten zurückkommen.
[2] Nein, bist Du nicht. Du bist ein gemeingefährlicher Idiot.
[3] Es gibt genug Videos, wo Idioten dieses tun, ein Schuss löst sich
und auf einmal fangen sie an zu schreien - von einem Geschoss
getroffen zu werden ist halt selbt im besten Fall sehr schmerzvoll.
[4] Der Bügel um den Abzug ist ein Sicherheitsfeature. Ja, es gibt Idioten,
die den entfernen.

Markus Franzke

unread,
Nov 10, 2021, 5:42:13 AM11/10/21
to
Am 09.11.21 um 11:03 schrieb Martin Klaiber:

> Denke ich auch. Aber man hätte weitere Sicherheiten einbauen können.
> Z.B. hätte niemand hinter der Kamera sitzen müssen, als der
> Schauspieler auf sie feuerte. Man kann sie einfach so laufen lassen
> und die überflüssigen Teile später raussschneiden und es gibt auch
> ferngesteuerte Kameras.

LOW-BUDGET Film !!!

M

Andreas Bockelmann

unread,
Nov 10, 2021, 6:08:02 AM11/10/21
to
Alexander Schreiber schrieb:

> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
> zerstören willst.

Ich übersetze das immer mit "Halte die Mündung grundsätzlich nur in eine
Richtung, wo ein Loch nicht stört.


> Ja, diese Regeln klingen lästig, aber sie existieren aus guten Gründen.
> Um es mal ganz graphisch zu sagen: Sicherheitsregeln werden mit Blut
> und Knochensplittern geschrieben.

Ich habe das Vorurteil, dass gerade in den USA, diese Regeln nicht bekannt sind.

Andy Angerer

unread,
Nov 10, 2021, 2:14:25 PM11/10/21
to
Am 10.11.21 um 11:00 schrieb Alexander Schreiber:

> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
> zerstören willst.

Zumindest diese Regel ist nun beim Film nur eingeschränkt praktikabel.

Andreas Bockelmann

unread,
Nov 11, 2021, 3:14:02 AM11/11/21
to
Andy Angerer schrieb:
> Am 10.11.21 um 11:00 schrieb Alexander Schreiber:
>
>> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
>>     zerstören willst.
>
> Zumindest diese Regel ist nun beim Film nur eingeschränkt praktikabel.
>
>

Wir kommen zu dem Punkt, dass scharfe Munition am Filmset nichts zu suchen
hat. Und besser sollte man auch nur "Waffen" verwenden, deren hinteres
Laufende verschlossen ist. Das sieht man im Film nicht,

Aber: Das hatten wir schon.

Frank Hucklenbroich

unread,
Nov 11, 2021, 3:30:13 AM11/11/21
to
Damit kann man dann aber auch keine Platzpatronen verschießen. Im Film will
man ja auch das Mündungsfeuer sehen, und den Pulverdampf. Das geht nicht,
wenn der Lauf verschlossen ist.

Klar könnte man sowas per CGI später in den Film hereinkopieren, aber das
ist doch ein ziemlicher Aufwand.

Grüße,

Frank

Alexander Schreiber

unread,
Nov 11, 2021, 5:08:08 AM11/11/21
to
Andy Angerer <and...@angerer-bodenlos.de> wrote:
> Am 10.11.21 um 11:00 schrieb Alexander Schreiber:
>
>> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
>> zerstören willst.
>
> Zumindest diese Regel ist nun beim Film nur eingeschränkt praktikabel.

Weswegen man _kompetente_ Leute (u.a. Waffenmeister und dessen Helfer)
am Set hat, die darauf achten, dass die Schauspieler nur mit geprüft
ungefährlichen Waffen rumfuchteln und insbesondere keine scharfe Munition
am Set ist, wenn sie nicht unbedingt für eine konkrete Scene so gebraucht
wird.

Die meisten schaffen das. Wenn man aber halt gezielt Leute einstellt, die
für lausige Bezahlung unter miesen Bedingungen zu arbeiten bereit sind,
dann sind Fehler vorprogrammiert, leider.

Man liest sich,
Alex.

Andy Angerer

unread,
Nov 11, 2021, 8:51:32 AM11/11/21
to
Am 11.11.21 um 09:11 schrieb Andreas Bockelmann:
> Andy Angerer schrieb:
>> Am 10.11.21 um 11:00 schrieb Alexander Schreiber:
>>
>>> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
>>>     zerstören willst.
>>
>> Zumindest diese Regel ist nun beim Film nur eingeschränkt praktikabel.
>
> Wir kommen zu dem Punkt, dass scharfe Munition am Filmset nichts zu
> suchen hat.

Und genau das ist und bleibt wohl der Dreh- & Angelpunkt.
Aber wenn die Herrschaften in der Pause halt gar
so dringend Schießübungen machen müssen....
Amis....

Andy Angerer

unread,
Nov 11, 2021, 8:52:30 AM11/11/21
to
Am 11.11.21 um 10:36 schrieb Alexander Schreiber:
> Andy Angerer <and...@angerer-bodenlos.de> wrote:
>> Am 10.11.21 um 11:00 schrieb Alexander Schreiber:
>>
>>> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
>>> zerstören willst.
>>
>> Zumindest diese Regel ist nun beim Film nur eingeschränkt praktikabel.
>
> Weswegen man _kompetente_ Leute (u.a. Waffenmeister und dessen Helfer)
> am Set hat, die darauf achten, dass die Schauspieler nur mit geprüft
> ungefährlichen Waffen rumfuchteln und insbesondere keine scharfe Munition
> am Set ist, wenn sie nicht unbedingt für eine konkrete Scene so gebraucht
> wird.
>
> Die meisten schaffen das. Wenn man aber halt gezielt Leute einstellt, die
> für lausige Bezahlung unter miesen Bedingungen zu arbeiten bereit sind,
> dann sind Fehler vorprogrammiert, leider.

Du sagst es.

Andy Angerer

unread,
Nov 15, 2021, 6:03:18 AM11/15/21
to
Am 15.11.21 um 11:14 schrieb Juergen Nieveler:
> Frank Hucklenbroich <huckle...@gmx.net> wrote:
>
>> Damit kann man dann aber auch keine Platzpatronen verschießen. Im Film
>> will
>> man ja auch das Mündungsfeuer sehen, und den Pulverdampf. Das geht
>> nicht, wenn der Lauf verschlossen ist.
>>
>> Klar könnte man sowas per CGI später in den Film hereinkopieren, aber
>> das ist doch ein ziemlicher Aufwand.
>
> Genau das wird allerdings heutzutage gemacht...
> Bei den John-Wick-Filmen zum Beispiel soll man
> nur Airsoft-Waffen am Set gehabt haben.

Genau jene kommen aber auch tatsächlich dermaßen
vollsynthetisch daher; besonders die Action-Szenen.
Womit ich nicht sagen will, dass das CGI-Mündungsfeuer
dafür die Ursache ist.

Martin Klaiber

unread,
Nov 16, 2021, 2:08:10 PM11/16/21
to
Martin Klaiber <usenet....@gmx.de> wrote:

> Aber nochmal zurück zu meiner Eingangsfrage: Der Regieassistent, der
> die Waffe dem Schauspieler mit dem Hinweis "cold gun" gegeben hat,
> hat inzwischen eingeräumt, dass er sie vorher nicht ausreichend
> geprüft habe. Von daher gibt es vielleicht doch irgendein Merkmal,
> an dem er hätte erkennen können, was da für Patronen drin sind. Bin
> mal gespannt, was dabei noch rauskommt.

Inzwischen hat sich ein anderer Schauspieler (George Clooney) zu dem
Thema geäußert. Er schreibt, dass die Film-Patronen tatsächlich schwer
von echten Patronen zu unterscheiden seien:

"Das Problem ist, dass Attrappen knifflig sind. Sie sehen wie
echte Patronen aus. Sie haben nur ein kleines Loch auf der
Rückseite, durch das das Pulver entfernt wurde."

Quelle: https://www.n-tv.de/leute/George-Clooney-kann-es-nicht-fassen-article22935206.html

Das klingt für mich so, als seien das mal echte Patronen gewesen, bei
denen man einfach das Pulver entfernt hat.

Frage an euch Experten: Könnte es sein, dass die Patrone, mit der die
Kamerafrau erschossen wurde, vielleicht so eine Attrappe war, bei der
versehentlich noch eine gewisse Menge Pulver in der Patrone verblieben
ist? Durch das Loch würde sicherlich Druck entweichen, aber vielleicht
hatte der Restdruck noch ausgereicht, das Projektil auf eine tödliche
Geschwindigkeit zu beschleunigen.

Wenn das möglich wäre, hieße das, dass am Set vielleicht niemand einen
Fehler gemacht hat, sondern die Patronen-Attrappen einfach Mist waren.

Danke und Gruß
Martin

Andy Angerer

unread,
Nov 16, 2021, 2:43:00 PM11/16/21
to
Am 16.11.21 um 19:59 schrieb Martin Klaiber:
Und vor allem hieße das, dass das jederzeit wieder passieren kann.

Andy Angerer

unread,
Nov 17, 2021, 7:04:14 AM11/17/21
to
Am 17.11.21 um 10:49 schrieb Arthur Erhardt:

> Wie stellen sich Clooney und Journaille das eigentlich vor? Loch mit
> Bohrmaschine durch Messingwand bohren, dabei versehentlich
> Treibladung und/oder Anzündsatz durch Funken oder heiße Späne zünden?

Nein; nicht durch die Wand.
Da steht doch "Sie haben nur ein kleines Loch auf der Rückseite". :-)


an*peng*dy

Martin Klaiber

unread,
Nov 17, 2021, 12:08:09 PM11/17/21
to
Arthur Erhardt <art...@erhardt-net.de> wrote:

> Eine fertige Patrone entläd man durch Entfernen des Geschosses. Dann
> kann man das Pulver rausschütten [1]. Danach noch das Zündhütchen
> sinnvoll dauerhaft entschärfen. Dann Hülse reparieren und Geschoss
> neu setzen. Fertig ist die Theaterpatrone.

[...]

> Für das reproduzierbare Brennverhalten von Treibladung ist ein immer
> gleicher Zustand der Treibladung zwingend erforderlich. Deshalb sind
> Messinghülsen immer "fast voll" mit passendem Pulver, Variationen davon
> sind nur im Bereich weniger Prozent möglich und zulässig. Eine halb oder
> noch weniger mit NC Pulver lose gefüllte Hülse wird eher detonieren

[und weitere informative Details...]

Wow, danke für diese sehr hilfreichen und ausführlichen Erklärungen!

Viele Grüße
Martin

Andy Angerer

unread,
Nov 17, 2021, 1:31:33 PM11/17/21
to
Am 17.11.21 um 17:48 schrieb Arthur Erhardt:
> Andy Angerer <and...@angerer-bodenlos.de> wrote:
>> Am 17.11.21 um 10:49 schrieb Arthur Erhardt:
>
>>> Wie stellen sich Clooney und Journaille das eigentlich vor? Loch mit
>>> Bohrmaschine durch Messingwand bohren, dabei versehentlich
>>> Treibladung und/oder Anzündsatz durch Funken oder heiße Späne zünden?
>
>> Nein; nicht durch die Wand.
>> Da steht doch "Sie haben nur ein kleines Loch auf der Rückseite". :-)
>
> Das ist mißverständlich, aber ein funktionsfähiges Zündhütchen raus-
> bohren wäre natürlich auch eine Idee. Da ist dann wenigstens sicher
> daß es knallt statt nur wahrscheinlich.

So hats der Clooney Schorsch gesagt. :-)))

Andy Angerer

unread,
Nov 17, 2021, 1:32:24 PM11/17/21
to
Am 17.11.21 um 18:07 schrieb Martin Klaiber:

> Wow, danke für diese sehr hilfreichen und ausführlichen Erklärungen!

Ja; vom mir auch!

Alexander Goetzenstein

unread,
Nov 17, 2021, 3:01:27 PM11/17/21
to
Hallo,

Am 17.11.21 um 10:49 schrieb Arthur Erhardt:
> Eine fertige Patrone entläd man durch Entfernen des Geschosses. Dann
> kann man das Pulver rausschütten [1]. Danach noch das Zündhütchen
> sinnvoll dauerhaft entschärfen.

wie macht man das am besten, ohne dass man es von außen sieht?


> [1] In DE Rechtslage beachten: Erwerb von Treibladungspulver ist
> erlaubnispflichtig.

Geschosse, Hülsen und Zündhütchen kann man aber auch in D frei erwerben.
Vielleicht kriegt man mit etwas Geschick auch so eine äußerlich echt
wirkende Patrone zusammen, ohne gleich ein ganzes Wiederlade-Equipment
besorgen zu müssen (wobei so etwas für ein Film-Set leistbar sein sollte).



--
Gruß
Alex

Andy Angerer

unread,
Nov 17, 2021, 3:06:32 PM11/17/21
to
Am 17.11.21 um 21:01 schrieb Alexander Goetzenstein:
> Am 17.11.21 um 10:49 schrieb Arthur Erhardt:
>> Eine fertige Patrone entläd man durch Entfernen des Geschosses. Dann
>> kann man das Pulver rausschütten [1]. Danach noch das Zündhütchen
>> sinnvoll dauerhaft entschärfen.
>
> wie macht man das am besten, ohne dass man es von außen sieht?

In einem abgeschlossenem Raum.


scnr

Alexander Goetzenstein

unread,
Nov 18, 2021, 7:12:17 AM11/18/21
to
Hallo,

Am 18.11.21 um 10:00 schrieb Arthur Erhardt:
> Generell glaube ich einem Zündhütchen seine Inertheit nur, wenns
> abgebrannt ist oder sein Inhalt nachweislich entfernt wurde. Die in
> obigen Foren genannten Methoden mit ölen, wässern, ... führen zu einem
> Ergebnis das "möglicherweise inert" lautet. Das wär mir zu heikel, wenn
> anschließend mit sowas im schauspielerischen Kontext auf Leute
> "geschossen" wird.

da sind wir uns absolut einig: auch ich vertraue nur einem entleerten
Zündhütchen, sei es thermisch oder mechanisch. Bei thermischer
Entleerung würde ich eine deutlich sichtbare Verfärbung erwarten, die
man vielleicht nicht mehr weggeputzt bekommt. Eine mechanische
Entleerung ließe entweder (von der geschlossenen Seite her vorgenommen)
eine Verformung zurück oder käme mir (von der offenen Seite her) auch
wieder gefährlich vor. Mir sind mal durch einen Einstellungsfehler knapp
100 Primer in der Presse hochgegangen (Gehörschutz ist wichtig!),
seitdem bin ich da noch vorsichtiger geworden.



--
Gruß
Alex

Andy Angerer

unread,
Nov 18, 2021, 8:45:47 AM11/18/21
to
Am 18.11.21 um 09:49 schrieb Arthur Erhardt:
> Andy Angerer <and...@angerer-bodenlos.de> wrote:
>> Am 17.11.21 um 17:48 schrieb Arthur Erhardt:
>>> Andy Angerer <and...@angerer-bodenlos.de> wrote:
>>>> Am 17.11.21 um 10:49 schrieb Arthur Erhardt:
> [...]
>>> Das ist mißverständlich, aber ein funktionsfähiges Zündhütchen raus-
>>> bohren wäre natürlich auch eine Idee. Da ist dann wenigstens sicher
>>> daß es knallt statt nur wahrscheinlich.
>
>> So hats der Clooney Schorsch gesagt. :-)))
>
> Vielleicht. Nach meinen Erfahrungen mit Presse ist es aber noch
> plausibler, daß die Antwort nicht verstanden und dann irgendwas
> aufgeschrieben wurde.

Stimmt; da hast vermutlich Recht; so sinds.

k98m...@gmail.com

unread,
Nov 23, 2021, 3:10:06 PM11/23/21
to
On Wednesday, November 10, 2021 at 4:08:08 AM UTC-6, Alexander Schreiber wrote:

> Wie vorher geschrieben: Die Grundregeln für den sicheren Umgang mit
> Schusswaffen sind da wohl komplett ignoriert worden.
>
> Die 4 Grundregeln:
>
> 1. Behandle jede Waffe als sei sie geladen.
> --> Eine Waffe gilt erst dann als "nicht geladen und sicher" wenn
> Du das persönlich gründlich geprüft hast (Magazin raus, Kammer
> leer, Zündbolzen entspannt[0]) und sie seitdem nicht aus der Hand
> gegeben hast. Legst Du die Waffe aus der Hand, dann wird der
> Zustand auf "unbekannt" == "geladen, gespannt, entsichert"
> == "gefährlich" zurückgesetzt.[1]
>
> 2. Zeige mit der Mündung der Waffe niemals auf etwas, dass Du nicht
> zerstören willst.
>
> 3. Lass die Finger vom Abzug bis die Waffe genau auf das Ziel zeigt
> und Du beschlossen hast, zu schiessen.[4]
> --> 2 & 3 nicht beachten sind ein häufiger Grund für Unfälle mit
> Schusswaffen. Gerade beim "Ich bin sooo cool and gangsta"[2] mit der
> (nicht selten geladenen und entsicherten) Waffe rumwedeln gibt es
> gerne böse (und komplett vermeidbare) Unfälle.[3]
>
> 4. Sei Dir Deines Zieles _und_ dessen, was dahinter ist sicher.
> --> Auch ein leider nicht seltener Grund für Schusswaffenunfälle,
> z.B. auf den "bösen Buben" geschossen, ihn auch getroffen wo man
> ihn treffen wollte - allein das Geschoss fliegt weiter und trifft
> den unbeteiligten und unschuldigen Nachbarn 20m weiter im Herz.

Und jetzt gibts auch:
5. Reiche Alec Baldwin keine Waffe.

Die Ironie der Geschichte hier ist, dass der Vater der Waffen"meisterin"
mit Jeff Cooper, der die 4 Regeln formulierte, in einer Liga geschossen hat.
Sowohl woertlich als auch im uebertragenen Sinne.

Ole Jansen

unread,
Nov 24, 2021, 2:59:03 AM11/24/21
to
Das mit Regeln und für wen sie wann gelten ist halt manchmal so eine
Sache.

Regel 1 ist für szenische Darstellungen nur bedingt
anwendbar. Nicht jeder Darsteller verfügt über die entsprechendes
Fachkunde. Kinder z.B. Oder Menschen mit Waffenaversion.
Auch wenn ein Darsteller eine Waffe während einer Szene aufhebt,
findet, zugeworfen bekommt usw. könnte es unmöglich sein.

Von Regel 2-4 wird bei Darstellungen routinemäßig abgewichen.
Auch die Gewöhnung daran Sicherheitsregeln befugt zu übergehen
ist ein möglicher Unfallgrund.

Falls es interessiert: Hier die deutschen
Unfallverhütungsvorschriften...
<https://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Broschuere/Branchen/Buehnen_und_Studios/Sicherheit_bei_Veranstaltungen_und%20_Produktionen_Besondere_szenische_Darstellungen_DGUV_Information_215_315.pdf?__blob=publicationFile&v=7>

Siehe Seite 34. Ähnliche Regeln gelten vermutlich auch in USA.

> Und jetzt gibts auch:
> 5. Reiche Alec Baldwin keine Waffe.

> Die Ironie der Geschichte hier ist, dass der Vater der Waffen"meisterin"
> mit Jeff Cooper, der die 4 Regeln formulierte, in einer Liga geschossen hat.
> Sowohl woertlich als auch im uebertragenen Sinne.

Eine weitere Ironie ist der Umstand dass der erklärte Waffengegner
Baldwin als Revolverheld für einen Western besetzt wurde und dabei
in real jemanden erschossen hat.

O.J.

Andy Angerer

unread,
Nov 24, 2021, 9:18:10 AM11/24/21
to
Am 23.11.21 um 21:09 schrieb k98m...@gmail.com:

> 5. Reiche Alec Baldwin keine Waffe.

Der kann vermutlich am wenigsten dafür.

k98m...@gmail.com

unread,
Nov 24, 2021, 4:32:09 PM11/24/21
to
On Wednesday, November 24, 2021 at 8:18:10 AM UTC-6, Andy Angerer wrote:
> Am 23.11.21 um 21:09 schrieb k98m...@gmail.com:
> > 5. Reiche Alec Baldwin keine Waffe.
> Der kann vermutlich am wenigsten dafür.

Er war _ein_ Produzent des Films, wenn auch nicht unbedingt _der_ Produzent.
Also schon mal mit verantwortlich fuer die Produktion und wer als Berater angeheuert wird.
Fuer die Bildprobe, es wurde also nicht einmal tatsaechlich gefilmt, war es vollkommen
unnoetig, die Waffe abzufeuern oder auch nur so zu tun.
Als Produzent, und als erfahrener Schauspieler sollte ihm der sachgerechte Umgang
mit Waffen am Set vertraut sein: Barriere, Spiegel, Gummiwaffen sind gang und gaebe
fuer Szenen, wie die, fuer die da posiert wurde. Aus gutem Grund. Die 4 Regeln sowieso.
Wenn ich mit meinem BMW mit 130 durch die Stadt sause, und auf der eisglatten Strasse
ein bissi vom Pfad wegrutsche und in ne Mauer ballere, kann ich mich zwar auch beschweren,
dass die Mauer da nicht hingehoert, und die Strasse gestreut sein sollte, aber ich war der,
der aufs Gaspedal gelatscht ist.

https://www.safetyontheset.com/glossary/firearms/

Andy Angerer

unread,
Nov 24, 2021, 6:41:04 PM11/24/21
to
Am 24.11.21 um 22:32 schrieb k98m...@gmail.com:
> On Wednesday, November 24, 2021 at 8:18:10 AM UTC-6, Andy Angerer wrote:
>> Am 23.11.21 um 21:09 schrieb k98m...@gmail.com:
>>> 5. Reiche Alec Baldwin keine Waffe.
>> Der kann vermutlich am wenigsten dafür.
>
> Er war _ein_ Produzent des Films, wenn auch nicht unbedingt _der_ Produzent.

Am wenigsten von den unmittelbar Beteiligten, meinte ich.
Darüberhinaus hast du natürlich wohl Recht; umso mehr,
als ein (Mit-)Produzent vielleicht auch die Möglichkeit
hätte, Pausenunterhaltungen mit scharfer Munition zu
unterbinden.
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