Martin Ebert <
mx...@gmx.net> schrieb:
> Ich verstehe Dich so: Russland soll schon behalten dürfen, was
> es eroberte. Ich verstehe Dich richtig?
Du verstehst fast überhaupt nichts richtig.
(Diesen Satz solltest Du wenigstens fünfmal laut lesen.)
Daher stammen die beträchtlichen Fehlinterpretationen, die Du
fortwährend auf mich anwendest. Du siehst mich irgendwie in der Rolle
eines Befürworters dieses Überfalls. Spinnst Du eigentlich total?? Ich
habe nirgends irgendetwas daran befürwortet, ich nannte ihn
verbrecherisch, mindestens zweimal. Das Meiste an Deinen
Interpretationen sind Hirngespinnste, Du liest nicht, was ich schreibe,
sondern was Du lesen willst, bei Dir ist das tatsächlich extrem.
Bemerkenswert finde ich das Wort "menschenverachtend" (es fiel an
anderer Stelle). Wie kann es sein, daß Du die Idee eines
Waffenstillstandes menschenverachtend nennst, und ich die Fortsetzung
dieses Krieges auf unbestimmte Zeit ebenso? "kolonialistisch" ist auch
so ein Wort, ich verwende es, Du auch, mit entgegengesetzter Bedeutung.
Hier tritt offen ein Widerspruch in den verwendeten Logiken zutage, d.h.
mindestens eine Seite hat ihr Denken, ihre Werte und ihre Regeln
grundlegend verändert und Begriffe neu definiert, Neusprech.
Die Beantwortung solcher Fragen ist heute (abgesehen von
vorausgeschickten ungeheuerlichen Vorwürfen, und oft hört's ja dabei
auch schon auf) derart gespalten, daß eine Verständigung überhaupt nur
noch schwer möglich ist. Ich frage mich nun ernsthaft, wie
menschenverachtend es ist, d.h. sein kann, den Erhalt möglicherweise
noch zehntausender (und wenn es ins Nukleare kippt, dann werden es
Millionen sein) Menschenleben sehr hoch zu bewerten. Dies ist ein
humanistischer Grundgedanke, und ja, der stammt aus meiner Erziehung in
dem bösen Lande. Das Wort "Humanismus" hat seit anderthalb Jahren (ach,
schon viel länger) überhaupt niemand mehr ausgesprochen, es ist
irrelevant geworden. Die Erreichung ideologischer Ziele zählt
offensichtlich mehr, wir können das, wir dürfen das, es geht schließlich
gegen das Böse.
Ich sag's noch einmal ganz deutlich: es geht nicht um eine Kapitulation,
schon gar nicht um eine bedingungslose, um "Diktatfrieden". Es geht
nicht darum, daß Putin (der Irre im Kreml) danach alles kriegt und noch
weiter machen kann, wie er will. Es geht auch nicht darum, die Ukraine
(und Moldawien) allein in Unsicherheit zurückzulassen. Niemand, der noch
bei Trost ist, kann das wollen.
Es geht um einen Waffenstillstand. Das Töten muß aufhören. Es geht
darum, und das ist nicht das Wenigste, zu retten, was jetzt noch zu
retten ist, bevor die Ukraine und das ukrainische Volk zerrieben sein
werden. Alles Danach ist Sache von Verhandlungen. Sie werden sehr lang
und sehr schwierig sein und es wird sicher nicht in jeder Frage ein
einvernehmliches Ergebnis geben, aber selbst dann wird man einen Weg
finden müssen, damit zu leben. Es geht um die Rückkehr zu Vernunft und
Diplomatie, vor genau dem Hintergrund, daß der Krieg immer ein
katastrophales Versagen von Diplomatie ist.
T.M.