Am Sun, 1 Oct 2023 17:33:41 +0200 schrieb F. W.:
> Moin,
>
> ich komme gerade mit dem Auto aus der Nähe von Cannes. Wir wollten
> Cannes, Nizza und Monte Carlo mal aus der Nähe sehen. Wir sind pro Fahrt
> exakt 12 Stunden gefahren und haben 1.298 km zurück gelegt. Obwohl wir
> recht gut durchgekommen sind, werden wir eine solche Strecke nicht mehr
> machen. Es ist einfach zu anstrengend, selbst wenn sich 2 Fahrer abwechseln.
>
> Der Autoverkehr dort ist haarsträubend. Ob Verkehrsschilder für
> Tempobegrenzungen, Durchfahrten oder Gefahr für Kinder - man hätte sie
> sich alle sparen können. Dort fährt jeder, wie er will. Keine Polizei
> weit und breit zu sehen. Die Sitten sind verroht.
>
> Günstigstenfalls fährt man dem Vordermann bei jeder Gelegenheit so dicht
> auf, dass die Nasenhaare der Fahrer hinter einem gut erkennbar sind.
> Dabei spielen Situation, Geschwindigkeit oder Fahrverhalten keine Rolle.
> Die Südfranzosen fahren einfach immer extrem dicht auf. Ob da das
> Bedürfnis nach Platzersparnis oder eine etwaige Sucht nach Auspuffgasen
> vorliegt, haben wir nicht heraus gefunden.
>
> Niemand lässt einem anderen Platz. Schon bei den winzigsten Anlässen
> entwickeln sich große Staus. Und weil auch munter in die Kreuzung rein
> gefahren wird, steht man an mancher Ampel wahrlich Minuten herum, kommt
> aus Ausfahrten nie ungefährlich heraus und steht auch als Fußgänger oft
> herum. Spurwechsel ist sozusagen unmöglich.
>
> Durch die winzigen Lücken brettern Zweiräder aller Art (außer Fahrräder)
> in einer affenartigen Geschwindigkeit. Zwei Wunder: ich habe niemanden
> tot gefahren und meine Seitenspiegel sind noch an Ort und Stelle. Das
> hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer.
>
> Denn unsere stille Bewunderung für die französische Fahrkunst endete
> jäh, als wir die vielen Kreidezeichnungen auf der Straße entdeckten und
> miterleben mussten, wie ein Notrettungswagen mehrere Minuten (!!) im
> Chaos feststeckte. Minuten, die ein Mensch dringend gebraucht hätte.
> Aber an dem Tag ging trotz Sirenenbefeuerung einfach überhaupt nichts
> mehr. Erst als einige verkehrswidrig über eine Parkwiese fuhren, kam der
> RTW frei.
>
> Cannes selbst ist eher langweilig. Zwar gibt es eine Innenstadt, die
> sieht aber aus wie eine Fressmeile. Außer Restaurants ist da oft nichts.
> Die einzigen Museen haben mittags geschlagene 2 Stunden zu.
>
> Nizza ist wie Cannes - nur dreckiger. Da liegt praktisch überall Müll
> herum (auch am Strand) und es gibt keine einzige Unterführung, die nicht
> nach Urin stinkt. Die Prachtboulevards der Filmgeschichte sind riesige
> Baustellen, auf denen nach dem Aufmeißeln der Straße offenbar alle
> Arbeiter abgezogen wurden. Aggressive Bettler nicht nur am Bahnhof.
>
> Der Zug nach Monte Carlo (von Antibes) kostete nur 50.- € für drei
> Erwachsene. Die Bahn ist bewacht, also pünktlich und sauber. Randale
> lohnt sich nicht. Pro Wagen läuft ein Schaffner herum. Wer aufmuckt,
> fliegt raus.
>
> Die Fahrt nach Monte Carlo dauert etwa eine Stunde. Man kommt am
> unterirdischsten Bahnhof an, den man sich vorstellen kann und muss mit
> dem Aufzug 14 Etagen nach oben fahren, um das Tageslicht zu sehen und
> direkt am Bussteig zu landen.
>
> Eine Tageskarte für 4,50 € berechtigt zur Nutzung aller öffentlichen
> Busse (keine Sightseeing-Busse natürlich) den ganzen Tag. Billiger und
> bequemer kann man Monte Carlo nicht besichtigen.
>
> Der Hafen ist sicher schön. Er war allerdings, wie die halbe Stadt,
> komplett verrammelt. Überall Zäune, Schilder, Kameras. Grund: eine Messe
> für Yacht-Zubehör, die dreiviertel des Hafengeländes in Beschlag nahm.
>
> Und natürlich Gestalt und Besitz der Yacht-Eigentümer. Man schottet sich
> komplett ab. Kein Auto, keine Yacht unbewacht. So wie unsere
> Ferienwohnung, deren Grundstück mit zwei elektrischen Toren und mehreren
> Kameras gesichert war.
>
> Südfrankreich scheint ein riesiges Sicherheitsproblem zu haben.
>
> Rückfahrt im Zug nach Antibes mit den Pendlern. Leider ist auch im 21.
> Jahrhundert die Nutzung von Deodorant nicht überall bekannt. Aber der
> Zug ist ganz gut klimatisiert. Es stinkt also und ist kalt. Aber schnell
> und pünktlich.
>
> Das Auto, fünf Stunden in Antibes geparkt, kostete nur 11.- €. Die
> reichen in mancher Großstadt nicht mal für eine Stunde.
>
> Unsere Ferienwohnung wurde übrigens als "neuwertig" beschrieben. Uns
> erwarteten aber herausfallende Türklinken, eine muffige Klimaanlage,
> platt gesessene Sofas und eine Dusche ohne Vorhang, die regelmäßige
> Überschwemmungen verursachte. Denn der Duschkopf hing an der Decke und
> ein Sitzen hätte nichts gebracht.
>
> Der Klodeckel war nicht zu befestigen. Er gehörte auch klar nicht zum
> Becken. Der Originaldeckel hätte wohl das Zehnfache dieses Deckels
> gekostet. Denn das Becken war ein designtes Villeroy & Boch. Der Deckel
> vom Baumarkt aus dem Angebot.
>
> Der zum Haus gehörende Pool war leider eine Baustelle. Als Entschädigung
> gab es eine Flasche Sekt. Eigentlich sollten die Arbeiten eine Woche
> später stattfinden, aber die Arbeiter hatten gerade Zeit. Arbeit auf
> Zuruf. Aber so sieht es da auch aus.
>
> Der erhoffte Glanz von Cote'd Azur, Nizza, Cannes und Monaco, der hat
> sich nicht finden lassen. Die Gegend ist vermutlich heute von Leuten
> besiedelt, die auf dem eigenen Schiff wohnen bleiben und sich die Sache
> aus der Entfernung ansehen.
>
> Schade um die Zeit und das Geld.
>
> FW
Diese Tour haben wir fast genauso im Sommer 2022 mit dem Auto gemacht (via
Avinong, da hatte das Museum leider an dem Tag zu). Da waren wir eine
knappe Woche in Cannes und haben nebenbei St. Tropez und Nizza besucht. Die
Rückreise ging dann über Chamonix, und eine Tour auf den MontBlanc (nach
dem Teide auf Teneriffa mein höchster Berg)..
Deinen Unmut kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Wir hatten ein schönes Hotelzimmer in Cannes, für 5 Nächte, in Schlagweite
des Parkhauses im Bahnhof.
Mir hat es da sehr gut gefallen, und das Bierre Picon hat gut geschmeckt!