Martin Ebert <
mx...@gmx.net> schrieb:
> > manchmal sogar unter Protest herausarbeiten, nicht selten durch eine
> > grundlegende Analyse bᅵrokratischer Vorgᅵnge inkl. deren
> > Verzweigungen, Parkpositionen, Schlaufen und anderer Schmankerln.
>
> Rein technische Ablᅵufe lasse ich mal auᅵen vor:
> Das mag alles sein. Aber gleichzeitig klingst Du wie ein Unternehmens-
> berater. Aber das sind wir nicht.
Was heiᅵt Unternehmensberater? Und was ist schlecht daran? (Die
Tatsache, daᅵ es anmaᅵende Idioten unter ihnen gibt, reicht nicht als
Kriterium.) - Ich hab meinen (und eigentlich jeden) Beruf immer so
begriffen, daᅵ es letztendlich darauf ankommt, Lᅵsungen zu finden, die
einen Kunden voranbringen, idealerweise zu beiderseitigem Vorteil. Dem
Kunden etwas aufzuschwatzen, vielleicht noch etwas, das er gar nicht
will und braucht, ist etwas ganz anderes.
> Das mag ja alles gut gehen, wenn von einem Flieᅵband drei Sorten
> Marmelade runter purzeln - aber der Normalfall ist das nicht.
Was willste machen, wenn der Kunde nicht weiᅵ, was er eigentlich will?
Das ist fast der Normalfall. Das ist oft auch eine menschliche,
persᅵnliche Frage. Es gibt Verantwortliche, die sind schlicht zu
dᅵmlich, ihre Verantwortung zu tragen, insbesondere je grᅵᅵer die
Hierarchie ist, der er angehᅵrt. Die entscheiden einfach irgendwas,
schlimmer noch: sie entscheiden gar nicht. Und das, obwohl vielleicht
gleichzeitig mehrere Firmen daran beteiligt sind und koordiniert werden
mᅵssen.
Ich hab zehn Jahre lang in einer Firma gearbeitet, die komplette
Behᅵrden verschiedener Art bis hin zu mehreren Landesministerien in ganz
Deutschland ausgerᅵstet hat. Diese Beamten einmal ihre Prozesse
aufzeichnen zu lassen und kritische Dinge zu hinterfragen, ist oft keine
schlechte Idee. Wenn man das nicht tut, wird es teures Gewurschtel, das
sich ᅵber Jahre hinzieht, aber niemandem richtig dienlich ist.
> > Es gibt Fᅵlle, da ist die Einfᅵhrung einer Software der erste Anlaᅵ
> > ᅵberhaupt, einmal ᅵber die eigene Arbeit, deren Zweckmᅵᅵigkeit und
> > Effektivitᅵt nachzudenken.
>
> Das sind genau die 30.000, die der Konzern bei der nᅵchsten Krise dem
> Arbeitsamt ᅵbergibt:
Kein gutes Argument. Das hieᅵe ja, wenn wir Vollbeschᅵftigung wollen,
hᅵren wir auf zu produzieren und gehen wieder alle Jagen und Sammeln.
> Der o.g. Lehrmeister hatte noch einen Satz, Stichwort Bleistift. Man
> kann Massenprozesse automatisieren. Einzelanforderungen sind nicht
> automatisierbar - hᅵchstens um den Preis der bisherigen Effizienz.
Erstens ist eine Software nicht zwingend ein Automat. Sie unterstᅵtzt
nicht selten einen lebendigen Menschen bei seiner Arbeit, egal wozu der
sich gerade entscheidet. Zweitens sind Behᅵrden, die mit Menschen
arbeiten, mit Immobilien, Geldern, Umweltdaten und was weiᅵ ich, oder
auch Firmen groᅵe Mechanismen mit weitgehend festgelegten Ablᅵufen,
deren Prozesse durchaus ganz gut abbildbar sind, ganz gleich, ob sie am
Ende nun tatsᅵchlich automatisch oder von Hand gesteuert ablaufen.
Schwierig wird's eigentlich immer erst dann, wenn eine Seite die
ᅵberzeugung verliert, daᅵ es um die Lᅵsung eines Problems geht, d.h.
statt dessen primᅵr dran verdienen oder etwas ganz anderes, vielleicht
auch gar nichts will. Diese ᅵberzeugung allerdings lᅵᅵt beiden Seiten
Spielraum, und ggf. muᅵ ein Softwareentwickler auch weit auf
Kundenterritorium, wenn er merkt, daᅵ von der anderen Seite nichts
kommt.
T.M.