Vollversammlung der Justus-Liebig-Universität Gießen beschließt
Protesttermine und -formen für das Sommersemester
Auf ihrer heutigen Vollversammlung haben rund 500 Studierende der JLU
(Lehrende und MitarbeiterInnen waren der Einladung so gut wie nicht
gefolgt) beschlossen, am 12. und 13. Mai Protesttage durchzuführen, die
zunächst der internen Information der Uni-Mitglieder dienen, schließlich
aber in spektakuläre Aktionen münden sollen. Den ganzen 12. über sollen
Foren tagen, die sich mit inhaltlichen Grundlagen und Visionen der
Bildungs-und Sozialpolitik beschäftigen werden. Damit soll dem Protest,
der nicht von dem gleichen wütenden Enthusiasmus wie im Wintersemester
angetrieben wird, mehr Schärfe in der politischen Auseinandersetzung
gegeben werden. Auf einer weiteren Vollversammlung am Mittwoch, 13. Mai
werden die Mitglieder der JLU über anschließende Protestaktionen
beschließen. Mehrere RednerInnen erklärten, aktiv in den
Bundestagswahkampf eingreifen zu wollen.
Vom 5.-7. Juni werden sie die Ergebnisse der Protesttage auf dem
bundesweiten „Kongreß für Umverteilung und Demokratie" vertiefen können,
zu dem ASten, Gewerkschaften und BdWi (Bund demokratischer
WissenschaftlerInnen) in die FH Frankfurt einladen. Der AStA der JLU ist
Mitveranstalter des Kongresses.
Zum Schluß der Vollversammlung bekräftigten die Studierenden ihre
Absicht, an den Demonstrationen zum 1.Mai teilzunehmen und damit ihre
Solidarität mit allen anderen von Sozialabbau betroffenen Gruppen der
Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.
Der AStA der JLU wird sich ebenfalls an der Organisation der
Hessischen Jugendstaffette beteiligen, die am Dienstag, den 26. Mai
Gießen passiert.
für den AStA der JLU
Ralph Wildner (Oeffentlichkeit) und Manuel Heinrich (Webmaster)
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Allgemeiner StudentInnenausschuß AStA der JLU Giessen
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Dipl.phys. Martin Schmidt Martin....@tu-bs.de
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"`All science is either physics or stamp collecting."´ -- E. Rutherford
Das stimmt allerdings. Man mag zur Bundespolitik stehen, wie man will,
wer sich jedoch für Hochschulpolitik einsetzen will, wird nicht daran
vorbeikommen, die Verhältnisse in Hessen als extremes Negativbeispiel
anzuführen.
Unabhängig davon sehe ich nicht, wer sich auf Bundesebene *konkret* für
eine bessere Finanzierung der Hochschulen einsetzt. Ich würde daher von
solchem (inzwischen ziemlich wohlfeil gewordenen, ausschließlich auf die
Person eines ohnedies nicht mehr lange amtierenden Bundeskanzlers
abzielenden) Populismus dringend abraten.
Wer übrigens Umweltschutz ausschließlich als Kostenfaktor und daher als
Hemmschuh für die Wirtschaft sieht, dürfte v.a. geisteswissenschaftliche
und naturwissenschaftliche Grundlagenforschung, aller Lippenbekenntnisse
zum Trotz, ähnlich beurteilen. Ich ließe mich von Fakten schon
überzeugen, glaube aber, daß ein Regierungswechsel allein *gar nichts*
ändern wird.
Daher finde ich es sehr erfreulich, daß die Uni Gießen als Vorreiter zu
einer Fortsetzung der Proteste des Wintersemesters auftritt. Allein der
Protest nämlich - d.h. nicht eine Neubelebung eines ebenso unbeliebten
wie absurden "Streiks", sondern eine möglichst große Anzahl Menschen auf
der Straße - führt zu einem Problembewußtsein, welches politisch wirksam
werden kann.
Und hier schließlich ist auch die Bundestagswahl ein entscheidender
Faktor für studentischen Protest: Keine Partei will im Sommer schlechte
Schlagzeilen. Deshalb: Hoch den Hintern, raus auf die Straße; wir haben
bis Anfang Juli Zeit, wirksam Zeichen zu setzen!
Gruß
Daniel
--
URL: http://www.rz.uni-frankfurt.de/~dasteinb
"Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß
er viel größer ausschaut, als er wirklich ist." (Johann Nestroy)
SO sind z.B. die Uni-(etc.)-bibliotheken in Hessen bundesweit die
schlechtesten, was Umfang, Aktualität und Unterstützung (= Etat) angeht!
(Frankfurter Neue Presse v. 30.4.).
[...]
>Und hier schließlich ist auch die Bundestagswahl ein entscheidender
>Faktor für studentischen Protest: Keine Partei will im Sommer schlechte
>Schlagzeilen. Deshalb: Hoch den Hintern, raus auf die Straße; wir haben
>bis Anfang Juli Zeit, wirksam Zeichen zu setzen!
>
Genau.
Allerding sollte keiner (wieder) in die bereit geklagte Plattheit einer
puren Parteienreklame verfallen!
Gruß,
Martin