Was war passiert?
Am besagten Wochenende fand in Saarlouis das ueber die Landesgrenzen
bekannte Volksfest "Emmes" statt, mit dem sich die Stadt Saarlouis von
Jahr zu Jahr als tolerante Stadt mit franzoesischem Flair und toller
Partylaune praesentieren will. Aber natuerlich wurde dieses Fest auch
jedes Jahr von den strukturell und zahlenmaessig relativ starken
Faschisten in und um die "Kameradschaft Horst Wessel Saarlautern" zum
Besaeufnis genutzt. Auch kam es in den vergangenen Jahren immer wieder
zu faschistischen Uebergriffen - ides geschieht aber nicht nur zur
"Emmes" sondern gehoert zum Saarlouiser Alltag.
Auch dieses Jahr fing alles mit einigen kleineren Schlaegereien an den
Vortagen an, bei denen der ein oder andere Nazi den Kuerzeren ziehen
musste. Fuer die Nacht zum Sonntag wurde von den Nazi-Skinheads die
grosse Racheaktion angekuendigt. Etwa 50 Glatzen zogen auf der "Emmes"
auf, um die "national befreite Zone" Saarlouis weiter durchzusetzen.
Doch dann entwickelte sich eine Dynamik von der alle Beteiligten,
insbesondere die Faschisten, foermlich ueberrollt wurden. Es entstand
eine heftige Strassenschlacht mit den Faschisten auf der einen Seite
und zahlreichen Nazigegnern auf der anderen Seite. Die aus jungen
AntifaschistInnen, verschiedenen Gangs, SkaterInnen und zum
ueberwiegenden Teil aus "normalen" Jugendlichen bestehende
"Anti-Nazi-Front" wuchs innerhalb kuerzester Zeit auf schaetzungsweise
150 - 300(!) Personen an. In dieser Nacht entlud sich die gestaute Wut
zahlreicher vorangegangener Monate in denen die Provokationen der
Faschisten oft bedingungslos geschluckt worden waren. Aus der
Strassenschlacht entstand eine dreistuendige Massenschlaegerei,
Bierkruege und -flaschen wurden massenweise auf Schaedel geschlagen.
Wer nicht rechtzeitig wegkam bekam Fusstritte der Menge zu verspueren.
Die Auseinandersetzungen wurden erst am fruehen Morgen beendet, als in
der Stadt keine Faschisten mehr gefunden werden konnten. Nach unseren
Informationen mussten fast alle Faschisten ins Krankenhaus
abtransportiert werden. Aber auch auf "unserer" Seite gab es
mindestens 40 teilweise schwer Verletzte. Die Krankenhaeuser zweier
Saarlaendischer Kreisstaedte waren ueberfuellt, sodass Verletzte auch
noch in das etwa 35 km entfernte Saarbruecken gebracht werden mussten.
Irgendwer fehlt in dieser Darstellung denkt ihr euch jetzt? - Wo war
die Polizei? Die Polizei wurde nach eigenen Angaben von den
Ereignissen vollkommen ueberrascht und war nicht in der Lage, effektiv
einzugreifen. Auch drei Polizeibeamte mussten ins Krankenhaus
abtransportiert werden. Erst am Sonntag Morgen wurden vier Personen
festgenommen. Ansonsten spielten die Bullen in den
Auseinandersetzungen nur eine untergeordnete Rolle.
Politische Einschaetzung und Bewertung
Auch wir, die Antifa Saar, waren anfaenglich ueberrascht von der
Heftigkeit, die die Auseinandersetzungen in Saarlouis in dieser Nacht
annahmen. Ausserdem koennen wir es politisch nicht unbedingt gut
heissen, wenn Faschisten die bereits am Boden liegen es dann nochmal
von weiteren zehn Leuten abkriegen. mit Gewalt sollte von unserer
Seite gezielt, aber nicht ueberzogen agiert werden.
Dieser Satz darf in keinem Fall als Distanzierung unsererseits von der
geballten Gegenwehr, die die Faschisten in dieser Nacht erfahren
mussten, angesehen werden. Vielmehr finden wir es ausserordentlich
erfreulich, dass die langjaehrige "Toleranz" und "Angst" gegenueber
den Saarlouiser Faschisten in eine kollektive Selbstverteidigung
verwandelt werden konnte. Innerhalb der "Anti-Nazi-Front" kam es zu
zahlreichen Erfahrungen der Solidaritaet auch unter Gruppen und Gangs,
die sich bislang nicht besonders gut riechen konnten. so wurde
beispielsweise der Abtransport der zahlreichen Verletzten gemeinsam
organisiert.
Unsere Aufgabe als organisierte Struktur im Saarland sehen wir nun zum
einen darin, bereits vorhandene Organisierungsansaetze in Saarlouis
verstaerkt zu unterstuetzen, mit Flugblaettern massenhaft in Saarlouis
praesent zu sein, die antifaschistischen Kraefte zu sammeln und mit
ihnen gemeinsam den zukuenftigen Widerstand in Saarlouis zu
organisieren. Ausserdem ist es in der jetzigen Situation dringend von
Noeten, "praeventive Antirepressionsarbeit" zu leisten und zu
vermitteln warum, nicht so viel ueber die Aktion gequatscht werden
sollte (diese Nacht ist natuerlich Gespraechsthema Nummer eins und die
Telefondraehte gluehen).
Was ihr fuer uns tun koennt:
- Wer hat mit solchen oder aehnlichen Situationen bereits Erfahrungen
gesammelt?
- Schreibt uns wie ihr diese Ereignisse einschaetzt und wie ihr
reagieren wuerdet!
- Haltet Augen und Ohren offen und unterstuetzt die ortsansaessigen
AntifaschistInnen bei anstehenden Aktionen!
- Sammelt Geld, macht Solifeten fuer die nun massenweise zu
verbreitenden Flugblaetter, anstehende Repression und den Aufbau einer
"Antifa Saarlouis" (Verein fuer kommunikatives Wohnen und Leben,
Bankverbindung: Sparkasse Saarbruecken: BLZ 590 50 101; Konto 9001
1537, Stichwort "Saarlouis 2000")!
- Schoepft Mut aus diesen Ereignissen aber bewertet sie nicht ueber!
Und jetzt sind wir ausnahmsweise mal ein bisschen grossmaeulig:
National befreite Zonen zerschlagen - Holen wir uns die Strassen und
Staedte wieder zurueck!
Organisiert den revolutionaeren antifaschistischen Widerstand!
Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
Antifa Saar / Juni 2000
(aus: Interim 503)
Es wurde auch Zeit sich von dieser passivität und furcht zu befreien und
endlich zurückzuschlagen.
Hoffen wir, das die zeiten, wo nazis am rande von demonstrationen standen
und die antifas verhönten endlich vorbei sind. ich glaube mensch darf sich
nichts von diesem pack gefallen lassen.
wobei ich dir natürlich recht gebe wenn du meinst das, es unötig ist auf
schon am boden liegende einzutrampeln bis sie sich nicht mehr rühren, auch
wenn ich es sehr gut verstehen kann. wobei ich auch betonen muß das ich
nicht prinzipiell ein problem damit habe, sondern es im moment nur für den
falschen zeitpunkt halte. mensch darf nämlich nie vergessen das sie uns,
ohne mit der wimper zu zucken, ins gas schicken würden, wenn sie es könnten.
wenn wir die stärke haben das gesindel von der straße zu vertreiben sollten
wir sie auch nutzen, wobei natürlich immer taktische rücksicht z.b. auf
polizei oder gegenaktionen genommen werden muß.
ansonsten: gratuliere und meine hochachtung an alle beteiligten!
regards
waldi
Ich halte es aber für einen fatalen Fehler, der Antifabewegung und der
Autonomen, die Nazis in der NPD und anderen faschistischen Parteien für unseren
Hauptfeind zu erklären.
Unser erklärtes Ziel als Linksradikale muß es sein den bürgerlich-kapitalistisch-
nationalistischen Staat in all seinen Facetten abzuschaffen. Wir dürfen uns
nicht(nur)mit ein Paar dahergelaufenen Faschisten rumprügeln, sondern den Staat
als unseren Hauptfeind erkennen und abschaffen.
revolutionäre Grüße
--
_____________________________________________________________
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>Unser erklärtes Ziel als Linksradikale muß es sein den
bürgerlich-kapitalistisch-
>nationalistischen Staat in all seinen Facetten abzuschaffen. Wir dürfen uns
>nicht(nur)mit ein Paar dahergelaufenen Faschisten rumprügeln, sondern den
Staat
>als unseren Hauptfeind erkennen und abschaffen.
Schaff dir doch erst mal nen real name ran......
Dann kannste soviel revoluzzern wie du willst....
....mich betriftts eh nicht, solangs nur blöde
Schwallerei ist ! Aber ist man hier im Forum ja
gewöhnt.
Jörg
[snip]
Hallo Michael,
> > Hoffen wir, das die zeiten, wo nazis am rande von demonstrationen
> > standen und die antifas verhönten endlich vorbei sind.
>
> Zum Verhönen gehören immer zwei.
> Wenn mich ein Nazi dumm anlabert, dann stehe ich da einfach drüber.
> Punkt.
>
> > ich glaube
> > mensch darf sich nichts von diesem pack gefallen lassen.
>
> Ich glaube, daß man bei allem, was man berechtigterweise gegen Faschisten
> unternimmt, nicht vergessen sollte, daß es sich bei ihnen um -wenn auch
> iregeleitete- Menschen handelt.
Natürlich sind es keine monster, und vielleicht hatten sie ne miese kindheit
blahblahblah...
Deshalb tuts mir aber nicht weniger weh wenn sie mich schlagen, und das
macht die Toten auch nicht lebendig.
> > wobei ich dir natürlich recht gebe wenn du meinst das, es unötig ist
> > auf schon am boden liegende einzutrampeln bis sie sich nicht mehr
> > rühren, auch wenn ich es sehr gut verstehen kann.
>
> Dafür fehlt mir allgemein ein jedes Verständnis.
> Ausnahme: ich weiß von dem, den ich da malträtiere, daß er das gleiche mit
> jemandem getan hat, der ihm absolut nichts getan hat.
Wie ich in dem moment reagieren würde weiß ich nicht.
Der punkt ist du mußt einen fascho nicht persönlich kennen und wissen, daß
er es war der dich geschlagen ujnd deine freunde mit tränengas eingenebelt
hat bis sie halb blind (sic! im krankenhaus sagten sie es steht auf der
kippe) waren.
Allein die tatsache das er mit glatze und weißen schuhbändern, oder auch mit
wix und schmiß durch die gegend rennt macht in schuldig:
er outet sich damit als mitverantwortlich für das klima in diesem land und
als überzeugter rechter.
> > wobei ich auch
> > betonen muß das ich nicht prinzipiell ein problem damit habe, sondern
> > es im moment nur für den falschen zeitpunkt halte.
>
> Das klingt ein bißchen nach "einst kommt der Tag der Rache" .
Nein, wenn es wieder einmal passieren sollte das menschen anderer "rasse",
sexueller orientierung oder was auch immer organisiert ermordet werden, denn
im moment sind es doch eher vereinzelte übergriffe so schrecklich sie auch
sind, dann werde auch ich mich nicht beschränken demos zu organisieren und
burschenschaften zuzusprayen.
> > mensch darf
> > nämlich nie vergessen das sie uns, ohne mit der wimper zu zucken, ins
> > gas schicken würden, wenn sie es könnten.
>
> Würden "sie" (wer ist "sie" ?) das?
> Alle?
Alle faschisten, per definitionem.
Vielleicht nicht ins gas, aber sicher nicht in den all inclusive club.
> > wenn wir die stärke haben
> > das gesindel von der straße zu vertreiben sollten wir sie auch
> > nutzen, wobei natürlich immer taktische rücksicht z.b. auf polizei
> > oder gegenaktionen genommen werden muß.
>
> Das klingt ja richtig mutig.
> Wenn ich für etwas einstehe, dann tu ich das zu 100%, da ist mir dann ein
> danebenstehender Scherge oder "die Rache der Nazis" mehr als nur gleich.
Das wäre unvorsichtig, was nützt es mir ein zwei aktionen zu machen und dann
in den häfen zu wandern?
wie willst du den massen aktionen wie bomben in rechten beiseln zu
platzieren verklickern?
das ist vielleicht 100% aber es trennt dich von dem großteil (99%) dr
bevölkerung ab.
> Mit antifaschistischen Grüßen,
>
> MIG
Mit solidarischen Grüßen
Jürgen
Nein Vodafone gehört nicht zum Staat. Der Staat hat die Aufgabe den allgemeinen
nationalen Kapitalismus im Ausland zu verteidigen sprich international um die
Märkte der Welt zu konkurrieren. Dies nennt man Imperialismus. Desweiteren hat
der Staat die Aufgabe im eigenen Land aufzupassen das die Untertanen nicht
mürrisch werden. Dies tut er mit Armee, Polizei und Geheimdienst.
Hallole !
> Nein Vodafone gehört nicht zum Staat. Der Staat hat die Aufgabe den allgemeinen
> nationalen Kapitalismus im Ausland zu verteidigen sprich international um die
> Märkte der Welt zu konkurrieren. Dies nennt man Imperialismus. Desweiteren hat
> der Staat die Aufgabe im eigenen Land aufzupassen das die Untertanen nicht
> mürrisch werden. Dies tut er mit Armee, Polizei und Geheimdienst.
Und ich dachte bisher immer, die Welt sei gross und kompliziert ...
=;)
--
Beste Gruesse, Trekking onward hanne...@rus.uni-stuttgart.de
Hannes Gnad. Benutzerberater han...@studserv.uni-stuttgart.de
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** "Inside the scream is silent, inside it must remain! **
** No victory and no vanquished - only horror, only pain! **
** No more tears, no more tears, if we live for a hundred years, **
** Amigos no more tears." "Como estais Amigos", Iron Maiden **
Juhu! Aufwachen!
Diese Ansicht hatte vor Dir schon ein anderer: Michael Kühnen!
Er meinte mal sinngemäß:
Erst schaffen wir zusammen mit den Roten den verhaßten Staat ab und
danach schießen wir den Sieger untereinander aus.
> Unser erklärtes Ziel als Linksradikale muß es sein den bürgerlich-kapitalistisch-
> nationalistischen Staat in all seinen Facetten abzuschaffen. Wir dürfen uns
> nicht(nur)mit ein Paar dahergelaufenen Faschisten rumprügeln, sondern den Staat
> als unseren Hauptfeind erkennen und abschaffen.
Ebbe!
Gunar Klemm
>Ich halte es aber für einen fatalen Fehler, der Antifabewegung und der
>Autonomen, die Nazis in der NPD und anderen faschistischen Parteien
>für unseren Hauptfeind zu erklären.
es gibt einen unterschied zwischen tatsaechlicher gegnerInnenschaft und
theoretischem anspruch
>Unser erklärtes Ziel als Linksradikale muß es sein den
>bürgerlich-kapitalistisch- nationalistischen Staat in all seinen
>Facetten abzuschaffen.
ja, klar. haben wir unser grosses ziel nur weiter vor augen, waehrend die
faschistInnen immer mehr von uns ermorden. zumindest mir faellt da ein
fataler fehler auf.
>Wir dürfen uns nicht(nur)mit ein Paar
>dahergelaufenen Faschisten rumprügeln, sondern den Staat als unseren
>Hauptfeind erkennen und abschaffen.
genau. der rest wird dann unter den staatsfeinden geklaert, oder wie?
(das war der kuehnen-vorschlag, sorry!)
ich mag es auch nicht, nur zu reagieren. ich finde es aber ziemlich derbe
falsch, die "paar" faschistInnen nur als nebenproblem zu sehen. das kann
in die hose gehen und geht erfahrungsgemaess in die hose.
wir sollten uns nicht nur auf die faschistInnen konzentrieren, aber
vernachlaessigung is das duemmste, was wir machen koennen.
sonst fragen wir uns irgendwann mal, was keine national "befreite" zone
ist.
gruss
-jan
>
>revolutionäre Grüße
>
>
>
>--
>_____________________________________________________________
>NewsGroups Suchen, lesen, schreiben mit http://netnews.web.de
--
die zeichen der zeit stehen fuer uns schlecht.
da haben die pessimisten unter uns recht.
doch unternehmen wir jetzt nichts dagegen,
wirds für uns keine bessere zeit mehr geben!
>>sondern den Staat als unseren
>>Hauptfeind erkennen und abschaffen.
>
>Schöne Frage. Wie? Und was an die Stelle? Und wer ist der Staat
>überhaupt? Gehört Vodafone auch dazu? Wenn ja, auch abschaffen? Und
>alle AntifaschistInnen, die von Staatsknete leben?
scheint so, als haettest du die angeblich unlauteren staatsfeinde, die es
wagen, auch noch von staates kohle zu leben, gefressen.
das wirft mir natuerlich fragen auf:
bist du also ein mensch, der voellig losgeloest vom staat lebt?
du zahlst nie steuern, weil alles was du brauchst, aus ner kommune kommt?
du lebst also genau so, wie wir dreck uns das immer ertraeumen?
wieso glaube ich dir das bloss nicht?
vielleicht weil du so scheisse ueberheblich an sowas rangehst?
vielleicht hast du dir ja sogar alles selbst erarbeitet, du liebe guete,
warum hoere ich das nur so haeufig von alt gewordenen linken,
wobei sogar du noch ein lichtblick sein duerftest...
gruss
-jan
>Ich fordere nicht, "den Staat" abzuschaffen. Das ist gar keine politische
>Forderung,
Da hast du sogar recht, die Forderung nach der Befreiung vom Staat hat mit
der Führung eines Staates nichts zu tun und ist somit per definitionem nicht
als politische Forderung zu bezeichnen.
>sondern nur Mumpitz, wie ihn ein 14jähriger von sich gibt, der
>zufällig ein paar Kameradschaftsabende einer Politsekte à la MLPD erlebt
>hat. Vgl. den konkreten Thread.
Mit dem, was du dazu hier von dir gegeben hast, bist du aber leider auch
nicht über eben dieses Niveau herausgekommen (Stichwort: begründete
Kritik!).
Fabian
> mit wix und schmiß durch die gegend rennt macht in schuldig:
> er outet sich damit als mitverantwortlich für das klima in diesem land und
> als überzeugter rechter.
Das ist Dünnsinn.
>> mit wix und schmiß durch die gegend rennt macht in schuldig:
>> er outet sich damit als mitverantwortlich für das klima in diesem
>> land und als überzeugter rechter.
>
>Das ist Dünnsinn.
jetzt bin ich gnadenlos ueberzeugt. fragt sich nur, von was ;-)
meinst du:
er ist mitglied einer rechtsextremen organisation, trägt ihre symbole offen
zur schau, schlägt sich fürs sie blutig, sprich: identifiziert sich mit ihr,
und ist trotz alledem kein rechter?
schonmal was von deduktiven methoden gehört, oder prämissen?
wenn das für dich "dünnsinn" ist, muß ich dich leider enttäuschen: es ist
alles was mensch hat.
regards
juergen
> > > mit wix und schmiß durch die gegend rennt macht in schuldig: er outet
> > > sich damit als mitverantwortlich für das klima in diesem land und als
> > > überzeugter rechter.
> >
> > Das ist Dünnsinn.
>
> er ist mitglied einer rechtsextremen organisation, trägt ihre symbole offen
> zur schau, schlägt sich fürs sie blutig, sprich: identifiziert sich mit ihr,
> und ist trotz alledem kein rechter?
1. Prämisse: Einige Verbindungen sind rechtsextrem.
2. Prämisse: Der A ist Mitglied einer Verbindung.
Konklusion: Also ist der A rechtsextrem.
Dünnsinn ist dafür IMHO noch geschmeichelt.
> schonmal was von deduktiven methoden gehört, oder prämissen?
Ja, und deshalb weiß ich auch, daß man mit bereits einer falschen
Prämisse zu einer falschen Konklusion gelangt.
Du bist von der Prämisse ausgegangen, daß alle schlagenden Verbindungen
rechtsextrem seien, und das ist nun mal falsch. Es ist nicht einmal die
Mehrheit, und im übrigen hat die Positionierung einer Verbindung nichts
damit zu tun, ob sie schlagend oder nichtschlagend ist.
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
------------------------------------------- Die liberale Idee ist stark
wie eh und je -- es sind die Menschen, die schwach sind; sie müssen von
Zeit zu Zeit wachgerüttelt werden. Marion Gräfin Dönhoff --------------
>Ich halte es aber für einen fatalen Fehler, der Antifabewegung und der
>Autonomen, die Nazis in der NPD und anderen faschistischen Parteien
>für unseren Hauptfeind zu erklären.
ich weiß garnicht ob die antifabewegung und die autonomen sich die nazis
als haubtfeind sehen.
>Unser erklärtes Ziel als Linksradikale muß es sein den
>bürgerlich-kapitalistisch- nationalistischen Staat in all seinen
>Facetten abzuschaffen.
da gebe ich dir 100%ig recht.
> Wir dürfen uns nicht(nur)mit ein Paar
>dahergelaufenen Faschisten rumprügeln,
das sehe ich ziemlich anders. erstmal glaube ich nicht mehr das es sich
bei den nazis nur um ein paar dahergelaufene menschen handelt. das wäre
schön. nur leider sieht es derzeit so aus, das die nazis immer mehr werden
und auch wieder in die öffentlichkeit rücken.(hier ein brandanschlag, dort
ein überfall, da hakenkreuze etc.)
deswegen ist es gerade jetzt wieder wichtig auch entschlossen gegen nazis
vorzugehen und ihn den raum den sie sich geholt haben wieder wegzunehmen.
nätürlich darf dabei nicht das system vergessen werden.
> sondern den Staat als unseren
>Hauptfeind erkennen und abschaffen.
aber trotzdem dürfen wir die nazis nicht unterschätzen.
>
antinationale grüße
robert
--------------------------------------------------------------------------
"wer noch lebt sage nicht niemals. das sichere ist nicht sicher. so wie es
ist bleibt es nicht. wenn die herrschenden gesprochen haben, werden die
beherrschten sprechen. wer wagt zu sagen niemals?"
Jetzt muß ich mich doch mal wieder zu Wort melden...
>> Wir dürfen uns nicht(nur)mit ein Paar
>> dahergelaufenen Faschisten rumprügeln,
> das sehe ich ziemlich anders. erstmal glaube ich nicht mehr das es sich
> bei den nazis nur um ein paar dahergelaufene menschen handelt. das wäre
> schön. nur leider sieht es derzeit so aus, das die nazis immer mehr werden
> und auch wieder in die öffentlichkeit rücken.(hier ein brandanschlag, dort
> ein überfall, da hakenkreuze etc.)
> deswegen ist es gerade jetzt wieder wichtig auch entschlossen gegen nazis
> vorzugehen und ihn den raum den sie sich geholt haben wieder wegzunehmen.
> nätürlich darf dabei nicht das system vergessen werden.
Und Du/Ihr glaubt ernsthaft, daß uns das aufhalten kann?
MfG, Robert.
--
Lieber 1000 echte Feinde als einen falschen Freund.
>MfG, Robert.
danke darauf verzichte ich.
>Lieber 1000 echte Feinde als einen falschen Freund.
--------------------------------------------------------------------------
pflasterstein flog allein in die deutsche bank hinein kam zurück
missgeschick scheibe war zu dick. die chaoten weinten sehr scheisse nix
ist peinlicher das war blind und so sind sie nach haus geschwind." ;-)
quetschenpaua
--
"Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand
ist,
wenn ich dafür sorge, daß das was mir nicht paßt nicht länger
geschieht."
-Ulrike
Meinhoff
[snip]
> > er ist mitglied einer rechtsextremen organisation, trägt ihre symbole
offen
> > zur schau, schlägt sich fürs sie blutig, sprich: identifiziert sich mit
ihr,
> > und ist trotz alledem kein rechter?
>
> 1. Prämisse: Einige Verbindungen sind rechtsextrem.
> 2. Prämisse: Der A ist Mitglied einer Verbindung.
> Konklusion: Also ist der A rechtsextrem.
>
> Dünnsinn ist dafür IMHO noch geschmeichelt.
wieso ist es falsch zu sagen, ein mitglied einer rechten verbindung, das
sich mit ihr _identifiziert_ ist rechts?
besonders wenn die rechte ausrichtung dieser verbindung kein neben-, sondern
einer ihrer hauptaspekte ist?
> > schonmal was von deduktiven methoden gehört, oder prämissen?
>
> Ja, und deshalb weiß ich auch, daß man mit bereits einer falschen
> Prämisse zu einer falschen Konklusion gelangt.
>
> Du bist von der Prämisse ausgegangen, daß alle schlagenden Verbindungen
> rechtsextrem seien, und das ist nun mal falsch.
findest du?
welche schlagende verbindung läßt frauen mitglied werden?
welche schlagende verbindung bezieht sich nicht positiv auf ihr "vaterland"
welche schlagende verbindung sieht ihre wurzeln nicht im, nationalistischen,
"dritten lager"?
....
...
...
> Es ist nicht einmal die
> Mehrheit, und im übrigen hat die Positionierung einer Verbindung nichts
> damit zu tun, ob sie schlagend oder nichtschlagend ist.
du meinst:
ob ich mich gegenseitig mit säbeln attakiere, oder nicht ist _nicht_
ausdruck meines weltbildes?
mit antifaschistischen grüßen
juergen
> > 1. Prämisse: Einige Verbindungen sind rechtsextrem.
> > 2. Prämisse: Der A ist Mitglied einer Verbindung.
> > Konklusion: Also ist der A rechtsextrem.
>
> wieso ist es falsch zu sagen, ein mitglied einer rechten verbindung, das
> sich mit ihr _identifiziert_ ist rechts?
Die Antwort liegt in der oben angegebenen 1. Prämisse: Wie ich sagte: Es
sind eben nun mal keineswegs alle Verbindungen rechtsextrem, noch nicht
einmal die Mehrheit, und mit schlagend oder nichtschlagend hat das auch
nichts zu tun.
> > Du bist von der Prämisse ausgegangen, daß alle schlagenden Verbindungen
> > rechtsextrem seien, und das ist nun mal falsch.
>
> findest du?
Definitiv.
> welche schlagende verbindung läßt frauen mitglied werden?
Hat nichts mit Extremismus zu tun.
> welche schlagende verbindung bezieht sich nicht positiv auf ihr "vaterland"
Das hat zwar auch nicht von vorneherein etwas mit Extremismus zu tun,
aber mir ist bewußt, daß dieser Begriff leicht zu Mißverständnissen
führt, deshalb ein paar Takte zur Erläuterung:
"Vaterland" oder "Patria" bedeutete bei den Landsmannschaften und ihren
Nachfolgeverbindungen teilweise bis zur Reichsgründung 1871 nichts
anderes als die ländliche oder kommunale Gemeinschaft, also auch eine
einzelne Stadt, aus der man kommt, und wurde entsprechend auch auf die
eigene Verbindung bezogen. Die politisch-nationale Deutung dieses
Begriffs kam erst nach den Befreiungskriegen mit der Entstehung der
Burschenschaften auf.
Mit der nationalen Überhöhung seit der Reichsgründung haben sich die
Verbindungen, auch diejenigen mit landsmannschaftlichem Hintergrund,
zunehmend von ihren Wurzeln entfernt, wodurch es überhaupt erst zu den
für uns heute völlig unverständlichen Fehlentwicklungen kommen konnte.
Auf der Homepage des Coburger Convents heißt es heute:
| Vaterland
|
| Vaterland bedeutet für den Coburger Convent die Aufforderung an seine
| Mitglieder, sich im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten in Politik
| und Gesellschaft zu engagieren. Der Coburger Convent bekennt sich zur
| geschichtlichen und geistigen Gemeinschaft der Deutschen. Unser
| Vaterlandsbegriff beinhaltet -- seit der Konstituierung des Verbandes
| nach dem Zweiten Weltkrieg -- die Schaffung eines vereinten Europas,
| das gewillt ist, mit allen Völkern der Welt in Frieden und Freiheit
| zusammenzuleben.
Ich sehe darin weder nationales Pathos noch dumpfen Hurra-Patriotismus.
> welche schlagende verbindung sieht ihre wurzeln nicht im,
> nationalistischen, "dritten lager"?
Ich weiß nur sehr wenig über das "dritte Lager", aber ich kann Dir etwas
über die Wurzeln der heutigen schlagenden Verbindungen sagen:
In der Geschichte der Verbindungen gibt es zwei bedeutende Richtungen:
die landsmannschaftliche und die burschenschaftliche. Die
Burschenschaften sind per Definition politisch, wohingegen die
Landsmannschaften sich durch die Negierung des Politischen definierten.
Die früheren Landsmannschaften benannten sich später in "Corps" um;
zeitweise wurden die Bezeichnungen "Landsmannschaft" und "Corps" auch
synonym verwendet. Der landsmannschaftliche Charakter der älteren Corps
spiegelt sich auch in ihren Namen wieder: Saxonia, Rhenania, Franconia
usw., wohingegen die Burschenschaften Namen wie Teutonia oder Germania
trugen.
Die jüngeren Landsmannschaften, die heute zusammen mit den
Turnerschaften den Coburger Convent bilden, sind als Gegenbewegung zu
diesen Corps entstanden, indem sie den Alleinvertretungsanspruch der
Corps für die gesamte Studentenschaft ablehnten und für die
Gleichberechtigung aller ehrbaren Studenten eintraten. Auch sie
definierten sich als Landsmannschaften in Abgrenzung zu den
Burschenschaften durch die Negierung des politischen Prinzips.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Negierung des Politischen bei
Beibehaltung des Grundsätzlichen modifiziert. Der Einfachheit leihe ich
mir mal die entsprechende Passage von der Homepage des CC:
| Ist der Coburger Convent als solcher ein politischer Verband?
|
| Ja und nein.
|
| Ja: Nach dem Krieg wurde der CC als politisch definiert, und zwar in
| dem Sinne, daß er die Wiederherstellung der deutschen Einheit
| anstrebt. Nach der Verwirklichung dieses Ziels sieht sich der CC
| heute, wie zuvor auch schon, als politisch in dem Sinne, daß man dem
| jungen Studenten das menschliche und charakterliche Handwerkszeug an
| die Hand geben will, um sich in Politik und Gesellschaft zu
| engagieren.
|
| Darüber hinaus verpflichtet der Coburger Convent seine Mitglieder, die
| freiheitlich-demokratische Grundordnung zu achten und im Rahmen der
| persönlichen Möglichkeiten und Einstellungen zu verteidigen. Dem
| einzelnen Mitglied wird dabei jedoch in keiner Weise vorgeschrieben,
| auf welchem Wege dies zu geschehen hat.
|
| Nein: Die Verbindungen des Coburger Convents machen ihren Mitgliedern
| grundsätzlich keine Vorschriften hinsichtlich parteipolitischer
| Betätigung und ihrer Zielrichtung. Ob sich jemand als links, rechts
| oder liberal definiert, ist für den Coburger Convent ohne jede
| Bedeutung. Eine Einschränkung gibt es nur insofern, als extremistische
| Anschauungen mit einer Mitgliedschaft im Coburger Convent unvereinbar
| sind.
|
| Die Verbindungen des Coburger Convents beschränken sich auf die
| neutrale, umfassende Information der Mitglieder und fördern und regen
| die eigenverantwortliche Willensbildung des einzelnen an. Das in den
| Verbindungen des CC herrschende Toleranzgebot läßt eine einseitige
| Darstellung oder parteipolitische Vereinnahmung nicht zu.
|
| Ein Zeichen für die in den Verbindungen des CC gelebte Toleranz ist
| die Mitgliedschaft zahlreicher Studenten und Alten Herren
| nichtdeutscher Abstammung und Staatsangehörigkeit, verschiedener
| Religionszugehörigkeit und unterschiedlichster Parteien.
Die vergleichsweise spät entstandenen Turnerschaften sahen ihre Aufgabe
in der lebensnahen Reformierung studentischer Überlieferung, wozu auch
die sportliche Betätigung gehörte.
"Politisch" heißt auf jeden Fall noch lange nicht "rechts".
> > Es ist nicht einmal die Mehrheit, und im übrigen hat die Positionierung
> > einer Verbindung nichts damit zu tun, ob sie schlagend oder
> > nichtschlagend ist.
>
> ob ich mich gegenseitig mit säbeln attakiere, oder nicht ist _nicht_
> ausdruck meines weltbildes?
Du sagst es.
Ein Blick auf die Wirklichkeit zeigt, daß man sich auch als
Antifa-Aktivist, Punk oder geläuterter Autonomer für eine schlagende
Verbindung begeistern kann.
Als Liberaler sowieso. :)
Markus
P. S.: Unsere heutige studentische Fechtwaffe heißt "Schläger"; kannst
Du Dir anschauen auf der Seite
<http://www.coburger-convent.de/mensur/index.html#fechtwaffen>.
[...]
> wieso ist es falsch zu sagen, ein mitglied einer rechten verbindung, das
> sich mit ihr _identifiziert_ ist rechts?
Für eine *rechte* Verbindung mag das ja stimmen, nur sind aber nur
einige Verbindungen *rechts*.
[...]
> > Du bist von der Prämisse ausgegangen, daß alle schlagenden Verbindungen
> > rechtsextrem seien, und das ist nun mal falsch.
>
> findest du?
Eindeutig.
> welche schlagende verbindung läßt frauen mitglied werden?
Welcher Männergesangsverein läßt Frauen Mitglied werden?
Wieviele Frauen spielen in der 1. Bundesliga-Mannschaft vom FC Bayern
München?
Schlagende Verbindungen sind traditionell Männerbünde. Das ist doch noch
längst kein Merkmal das für *rechtsextrem* spricht.
> welche schlagende verbindung bezieht sich nicht positiv auf ihr "vaterland"
Was bitte ist daran *rechtsextrem* sich positiv auf sein Vaterland zu
beziehen? Die russischen Kommunisten führten sogar einen "Großen
vaterländischen Krieg"...
> welche schlagende verbindung sieht ihre wurzeln nicht im, nationalistischen,
> "dritten lager"?
Was bitte ist das "Dritte Lager"?
> > Es ist nicht einmal die
> > Mehrheit, und im übrigen hat die Positionierung einer Verbindung nichts
> > damit zu tun, ob sie schlagend oder nichtschlagend ist.
>
> du meinst:
> ob ich mich gegenseitig mit säbeln attakiere, oder nicht ist _nicht_
> ausdruck meines weltbildes?
Definitiv nicht! Erstens heißt die studentische Mensurwaffe "Schläger"
(der Säbel war, wie auch die Pistole, nur eine Ehrenwaffe und ist heute
aber in der Bundesrepublik nichtmehr gebräuchlich) und zweitens bringt
man mit der Mensur nicht sein Weltbild, sondern seine enge und feste
Bindung an seinen Bund zum Ausdruck.
Die Weltbilder meiner Verbands- und Bundesbrüder dürften derart weit
gefächert sein, daß die mit Sicherheit nicht als deren Ausdruck
anzusehen ist. Das Weltbild eines Verbandsbruders, der Dreadlocks trägt
dürfte sich erheblich von dem eines Verbandsbruders der mit einem
Facon-Schnitt "Koppelbreite überm Ohr" rumläuft unterscheiden.
Gunar Klemm (L! im CC Thuringia Berlin)
> ga...@gmx.de hat geschrieben:
>
> >> mit wix und schmiß durch die gegend rennt macht in schuldig:
> >> er outet sich damit als mitverantwortlich für das klima in diesem
> >> land und als überzeugter rechter.
> >
> >Das ist Dünnsinn.
>
> jetzt bin ich gnadenlos ueberzeugt. fragt sich nur, von was ;-)
Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts; als überzeugter Rechter
schon mal gleich gar nicht!
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail/>
--------------------- Freiheit ist eine Zumutung. Aber sie ist zumutbar.
Stroll the Internet. Publish a book.
Without asking your kids for help. Get a Mac.
>Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
>Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts; als überzeugter
>Rechter schon mal gleich gar nicht!
>
da frag ich mich natuerlich, fuer was die farben deiner verbindung stehen,
und welche tradition sie pflegen. ist es das hambacher fest?
was sagt uns die tradition von hambach heute?
gibt es beispielsweise 'ne verbindung, die sich auf 1968 bezieht?
ist es sonstwas?
fuer mich als nich verbindungserfahrenen menschen heisst "verbindung" auch
karriere und filz.
kannst du das entkraeften?
und vielleicht mag es ja sogar verbindungen geben, die politisch gut drauf
sind (vielleicht deine?)
nur warum distanzieren sich diese verbindungen nie von den rechten/
revisionistichen verbindungen?
wieso gibt es nur vorkommnisse, wo fortschrittliche studis mit
verbindungsleuten stress bekommen?
das alles sind fragen, die ich wirklich ernsthaft habe.
vielleicht gibst du mir ja die antworten?
gruss
-jan
> Also kein grosser Unterschied zu Papua-Neuguinea oder Jehovas Zeugen.
Oder Punks. Oder Neonazis. Oder Schützenvereinen. Oder...
Ich kenne fast keine Gruppe, die sich nicht ab und zu durch irgendwelchen
Symbole von anderen "abgrenzt" um die "eigene Identität zu festigen".
Tobias (/\/)
--
Tobias Deißler *** eMail tdei...@gmx.de
"Never give up! Never surrender!"
> Interessant ist aber immer, was als "innen" und was als "aussen" definiert
> wird. Männerbündische Symbole sind ja meistens, wie in diesem Fall, zum
> Totlachen.
Von mir aus. Aber, wenn Du ein freisinnig denkender Mensch wärst,
würdest Du unser Tun nach dem Grundsatz beurteilen:
Es muß alles erlaubt sein, was einem anderen nicht schadet.
Persönliche Präferenzen, natürliches Richtigkeitsempfinden, rote Bücher
und päpstliche Enzykliken zählen da nicht. Natürlich ist dies ein
formaler Maßstab und er gibt nicht immer eindeutige Ergebnisse vor;
dennoch ist dieser Maßstab in den weitaus meisten Fällen überaus
hilfreich. Mehr noch: er gebietet Abstand, sich ein Urteil über die
Lebenskonzeption anderer Menschen anzumaßen.
Anders ausgedrückt: Wenn jemand seine Jeans bügelt und Karel Gott ganz
toll findet, wenn jemand das Bedürfnis hat, sich die Haare bunt zu
färben und in abgerissenen Klamotten rumzulaufen oder wenn jemand das
Bedürfnis hat, in eine Verbindung einzutreten oder sich die Backe
zerhacken zu lassen, dann ist das o. k.
Übrigens: Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Che Guevara, Fidel Castro
-- allesamt "Männerbündler".
> Gemeinsame Alkoholvernichtung als ethonolgisches Ritual gehört oft dazu:
> Wenn man sich nach innen entgrenzt, will man nach aussen zeigen, dass man
> sich beHERRschen kann.
Ich glaube nicht, daß bei Verbindungen mehr getrunken wird als bei
nichtkorporierten Studenten, zumal bei Verbindungsveranstaltungen
Hochprozentiges verpönt ist.
> Und die soziale Hierarchien....na ja, die "Füchse" müssen tun, was andere
> ihnen sagen, ohne sich beschweren zu dürfen. Typisches
> obrigkeitsstaatliches Denken wird eingeimpft.
Die Fuchsenzeit ist eine Probezeit für beide Seiten. Niemand soll das
Gefühl haben, daß er die Katze im Sack kaufen muß, denn die
Mitgliedschaft in einer Verbindung ist lebenslang und muß reiflich
überlegt sein.
Das "Couleuralter" (nach Eintrittsdatum) spielt eigentlich nur noch bei
Trinkbräuchen eine Rolle; ansonsten gilt das Prinzip der
Gleichordnung, Füchse eingeschlossen; auch der Erstchargierte (Sprecher)
ist nur Primus inter pares. Der Convent kann alle seine Entscheidungen
aufheben, und ihn ggf. seiner Charge entheben. Das Rotationsprinzip
(alle Chargen und Ämter werden in der Regel für ein Vierteljahr, manche
für ein halbes Jahr gewählt) tut ein übriges dazu, Ämtermißbrauch zu
unterbinden. Etwas anderes als ein kooperativer Führungsstil ist IMHO
heute nicht mehr zeitgemäß.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Mitglieder zu Freidenkern zu
erziehen, die nach selbstgesetzten Maßstäben in Politik und Gesellschaft
Verantwortung übernehmen. Wir wollen Citoyens, und keine Untertanen. Wie
Du auf "obrigkeitsstaatliches Denken" kommst, ist mir schleierhaft.
> Eine Männergruppe dieser Art gehört ins vorletzte Jahrhundert. Aber diese
> Einsicht würde unseren Marcus Gail vermutlich intellektuell überfordern.
> Zugegeben, es ist immer schwierig, eine Metatheorie seiner selbst zu
> begreifen. :-)
Vielleicht verlegst Du Dich besser auf ein paar Argumente, die nicht
schon auseinanderfallen, wenn man sie nur etwas genauer anschaut.
Markus
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
----- »Die Wasser der Weltgeschichte fließen unablässig hinab zum Tale,
das da Freiheit heißt. Sie lassen sich durch nichts umkehren, höchstens
aufhalten, doch überlange Stauung bricht die Dämme.« Walter Rathenau --
Gruß,
--
| Sascha Potrykus |
| Student-Biotechnologie | "Religiöser Glaube macht mir Angst.-
| TU-Braunschweig | Er eliminiert Wahrheit und Logik."(ICE-T)
Vielleicht hab ich ja was verpaßt, aber ich halte die forderung den
bürgerlichen staat abzuschaffen sehr wohl für eine politische. auch wenn
sie, no-na, den rahmen des bürgerlichen staates sprengt.
> >sondern nur Mumpitz, wie ihn ein 14jähriger von sich gibt, der
> >zufällig ein paar Kameradschaftsabende einer Politsekte à la MLPD erlebt
> >hat. Vgl. den konkreten Thread.
>
> Mit dem, was du dazu hier von dir gegeben hast, bist du aber leider auch
> nicht über eben dieses Niveau herausgekommen (Stichwort: begründete
> Kritik!).
Also ich find solche seitenhiebe lustig, auch wenn sie keine echte kritik
beinhalten.
ist doch genauso wie mit spartakisten bashen (natürlich nur bildlich),
statecappers/cliffites schimpfen (am besten natürlich zentristen ;)....
das ist der herzerfrischende microcosmos und lieblingbeschaäftigung aller
"wahren marxisten" ;)
regards
jbo
Ich weiß ja nicht, woher Du diese Erkenntnis nimmst, kann Dir aber
versichern, daß das in meiner Verbindung (L! im CC Thuringia Berlin)
keineswegs der Fall ist. Da sei der Leibbursch und auch der Fuxmajor
vor!
Die _Füxe_ wollen ja auch "gepflegt" sein! ;)
> Typisches
> obrigkeitsstaatliches Denken wird eingeimpft.
Mit Sicherheit nicht! Nichts ist so schnell gesägt, wie der x
(Erstchargierte)! ;)
> Wer das nötig hat....
Der ist ein armes Würstchen.
> Eine
> Männergruppe dieser Art gehört ins vorletzte Jahrhundert.
Nee, lass mal! Wir sind schon ganz richtig hier! Der Blick auf unsere
rein von der Anzahl ihrer Mitglieder recht ansehnliche Fuxia gibt mir
recht!
> Aber diese
> Einsicht würde unseren Marcus Gail vermutlich intellektuell überfordern.
Ich denke mal, daß Markus so etwas weder als "Einsicht" bezeichnen
würde, noch daß es eine "intellektuelle Leistung" darstellt zu
derartigen "Einsichten" zu kommen.
mfg
Gunar Klemm Z!
wenn ich das richtig verstanden habe bis jetzt, dann geht es darum, dass
bestimmte gruppen intern "gleich" aussehen und nach aussen zeigen, dass
sie anders sind!? oder habe ich da was falsch verstanden? wenn nicht, dann
ist das beispiel schwarzer block unzutreffend. weil da geht es ja darum,
dass die menschen in dem block gleich (=schwarz) aussehen, damit die
polizei mehr schwierigkeiten hat, einzelene menschen rauszugreifen.
das war zumindest das ursprüngliche konzept... ;-)
mfg
robertA
--------------------------------------------------------------------------
scheiß faschistenInnen, nazipack, blut und ehre - widerlich!
unsern *hass* den könnt ihr haben, unser *lachen* kriegt ihr nie!
Jan Schimanski schrieb:
>
> ga...@gmx.de hat geschrieben:
> hi!
>
> >Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
> >Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts; als überzeugter
> >Rechter schon mal gleich gar nicht!
> >
> da frag ich mich natuerlich, fuer was die farben deiner verbindung stehen,
Die Farben stehen für den Bund, d.h. im Falle von Markus für die T! im
CC Alsatia Frankfurt und bei mir für die L! im CC Thuringia Berlin.
"Korpos" erkennen sich u.a. daran. Manchmal besteht auch ein
Zusammenhang zwischen den Farben und dem Namen der Verbindung.
> und welche tradition sie pflegen. ist es das hambacher fest?
Das Hambacher Fest ist eher ein burschenschaftlich geprägtes Ereignis
gewesen.
> was sagt uns die tradition von hambach heute?
U.a., daß Bürgerrechte ein nicht zu unterschätzendes Gut sind.
> gibt es beispielsweise 'ne verbindung, die sich auf 1968 bezieht?
In dem Sinne, wie "Verbindung" umgangssprachlich benutzt wird sicher
nicht. Auffällig ist jedoch, daß viele 68er bzw. deren direkte
Nachfolger aus der Verbindungsszene kommen (Horst Mahler, Rezzo
Schlauch...).
> ist es sonstwas?
Eine Verbindung vermittelt Dir Kontakte zu Studenten verschiedenster
Fachrichtungen und ist damit schon zur Horizonterweiterung gut geeignet.
Darüberhinaus machen die vielfältigen Aktivitäten gerade in der Gruppe
schlicht und einfach Spaß.
> fuer mich als nich verbindungserfahrenen menschen heisst "verbindung" auch
> karriere und filz.
> kannst du das entkraeften?
Es ist durchaus richtig, daß man im Rahmen seiner Verbindung Kontakte zu
Bundesbrüdern knüpft, die in der Wirtschaft, Verwaltung und Regierung
verantwortungsvolle Positionen inne haben. Allerdings sind die Zeiten,
wo es ausreichte in der gleichen Verbindung zu sein, um einen Job zu
bekommen wohl endgültig vorbei. Heutzutage kann es sich m.W. keiner mehr
leisten einen Dummbeutel zu protegieren, weil der zufällig im selben
Bund ist. "Verbindung" heißt heute nicht mehr automatisch "Karriere".
> und vielleicht mag es ja sogar verbindungen geben, die politisch gut drauf
> sind (vielleicht deine?)
Na logo!
> nur warum distanzieren sich diese verbindungen nie von den rechten/
> revisionistichen verbindungen?
Das tun sie, nur nimmt es schlichtweg niemand zur Kenntnis.
Offensichtlich würde bei einigen Leuten dann das Weltbild
zusammenbrechen. Nimm zum Beispiel den Burschenschafter Hannes Gnad, der
ist so liberal, daß er manchmal sogar noch einige sog.
"Verbindungskritiker" links überholt. Allerdings macht er auch kein Hehl
draus, daß er Burschenschafter ist und Du kannst drauf wetten, daß er,
sobald der Gegenüber _das_ erfährt, erstmal zum Thema
"Rechtsradikalismus" Stellung nehmen muß, egal ob das Thema vorher
Quantenmechanik oder Pornografie war.
Manche Leute kennen halt nur das Schema "Korporierter =
Rechtsradikaler".
> wieso gibt es nur vorkommnisse, wo fortschrittliche studis mit
> verbindungsleuten stress bekommen?
Als "Berliner" (FU) habe ich derartiges noch nie erlebt, immer bloß das
genaue Gegenteil. Wie es woanders aussieht kann ich nicht so genau
beurteilen, aber aus anderen Uni-Städten hört (manchmal sieht man es
auch) man auch nichts anderes. Schau Dir einfach das Zahlenverhältnis
"Korporierte : linke Studis" an.
> das alles sind fragen, die ich wirklich ernsthaft habe.
> vielleicht gibst du mir ja die antworten?
Bin zwar nicht Markus, hoffe aber trotzdem geholfen zu haben.
mfg
Gunar Klemm
Er meinte wohl, jeden Staat abzuschaffen, nicht nur den
buergerlichen, das ist im Wortsinne keine politische Forderung mehr,
da Politik die Gestaltung des Staates ist (zumindestens im
klassischen Verstaendnis). Kommt von griechisch "polis" fuer
Stadtstaat.
Gruesse, Benni
--
Ragnaroek-Play-by-email: http://ragnaroek.home.pages.de/
Goetter und Erdlinge am Ende der Welt
> >Es muß alles erlaubt sein, was einem anderen nicht schadet.
>
> Ja. Ich mache mir aber in manchen Fällen Gedanken über die geistige
> Gesundheit der Mitmenschen, auch wenn Dummheit nicht immer schadet.
Was verstehst Du bitte unter "dumm"?
> >Übrigens: Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Che Guevara, Fidel Castro
> >-- allesamt "Männerbündler".
>
> Ich weiss.
Und, ist das verdammenswert?
> Und ein berühmter französischer Philosoph hat seine Frau umgebracht.
Soso, wer denn?
> Die Freimaurer würden sich allerdings verbitten, mit Burschenschaftlern
> auf eine Stufe gestellt zu werden. In anderen sozialen Milieus baut Mann
> gemeinsam Modelleisenbahnen...
Fast noch mehr würde mich interessieren, wie sie den Vergleich mit der
Modelleisenbahnbauerei finden würden.
> >Ich glaube nicht, daß bei Verbindungen mehr getrunken wird als bei
> >nichtkorporierten Studenten, zumal bei Verbindungsveranstaltungen
> >Hochprozentiges verpönt ist.
>
> ROTFL.
Das war durchaus ernstgemeint.
> >Die Fuchsenzeit ist eine Probezeit für beide Seiten.
>
> Du solltest dich mal mit ethnologischer Literatur über Initiationsrituale
> beschäftigen.
Wir könnten das aber auch abkürzen, und Du verrätst mir einfach, welche
(neuen) Einsichten sich mir bei der Lektüre eröffnen würden.
> >Gefühl haben, daß er die Katze im Sack kaufen muß, denn die
> >Mitgliedschaft in einer Verbindung ist lebenslang und muß reiflich
> >überlegt sein.
>
> Ja, wie bei den US-amerikanischen Marines.
Menschen haben zwei Beine.
Gänse haben zwei Beine.
=> Menschen sind Gänse.
> >Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Mitglieder zu Freidenkern zu
> >erziehen, die nach selbstgesetzten Maßstäben in Politik und Gesellschaft
> >Verantwortung übernehmen. Wir wollen Citoyens, und keine Untertanen. Wie
> >Du auf "obrigkeitsstaatliches Denken" kommst, ist mir schleierhaft.
>
> Sage mir, mit wem du umgehst. Du kannst auch im Knast niemanden
> resozialisieren.
Wo ist Deiner Meinung nach die Parallele?
> Wie kann man auf die abwegige Idee kommen, mit der Methode des
> Männerbundes jemanden zum Citoyen erziehen zu wollen???
Durch zwei Jahrhunderte lang geübte Praxis?
> Entweder du behauptest, andere Methoden der Gruppendynamik seien weniger
> geeignet dazu, dann warte ich noch auf Beweise. Oder alles ist wurscht,
> aber dann ist die Burscherei eine Methode unter vielen, und dann warte ich
> auf die Begründung, was der denn nun Mumpitz soll.
Daß wir diese Methode für menschlich wertvoll und wirksam halten, ist
bereits Grund genug, und da wären wir schon wieder ganz am Anfang.
Markus
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
»Die Position der Kassandra ist nicht populär. Es bedarf schon einer
gewaltigen Anstrenung, der Freiheit in Zukunft noch eine Chance offen-
zulassen.« Karl-Hermann Flach
Was bitte ist an einem Maennerbund "menschlich wertvoll". Oder
meintest Du "maennlich wertvoll"?
> >Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
> >Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts; als überzeugter Rechter
> >schon mal gleich gar nicht!
>
> da frag ich mich natuerlich, fuer was die farben deiner verbindung stehen,
> und welche tradition sie pflegen.
Urteile selbst: <http://www.alsatia.de>.
Meine Verbindung nimmt aufgrund ihrer Straßburger Herkunft schon etwas
eine Sonderstellung ein, und war entsprechend über einen langen Zeitraum
hinweg sehr rührig bemüht um die deutsch-französische Freundschaft,
allerdings wurde das auch irgendwann in den 80er Jahren zum
gesellschaftlichen Allgemeingut, was zur Folge hatte, daß das etwas
eingeschlafen ist. Heute ist davon eigentlich nur noch übrig, daß wir
alle paar Jahre ins Elsaß fahren und daß wir in den Semesterferien
regelmäßig französische Studenten (und Studentinnen :), die in Frankfurt
ein Praktikum machen, beherbergen und an unserem Bundesleben teilhaben
lassen.
In der Chronik meiner Verbindung heißt es über die Entstehungszeit der
heutigen Turnerschaften:
| Man wollte das Korporationswesen reformieren, nicht durch Verbot
| einiger Auswüchse, vielmehr sollte der dahinter waltende Geist
| erneuert werden. Man wandte sich sowohl gegen die dort vielfach geübte
| aristokratisch-feudale Art, gegen Hochmut, Eigendünkel und überspannte
| Ehrbegriffe, die an sich schon als vernunftwidrig angesehen wurden und
| eine Scheidewand gegen die übrigen Studierenden und die breiten Massen
| der Bevölkerung errichteten, als auch gegen die einseitige
| Beschäftigung mit den Wissenschaften und die ewige Stubenhockerei oder
| gegen das Vertrödeln der Zeit in der dumpfen Luft der Kneipen. Echte
| Fröhlichkeit, ungekünstelte Freude an der Natur und der freien
| Betätigung der körperlichen und geistigen Kräfte sollten geweckt und
| gepflegt werden, ganz im Sinne der Sturm- und Drangzeit des jungen
| Goethe, aber auch des realistischen Denkens nach 1848. Mut und
| Ausdauer sollte auch der akademische Turner zeigen. Sinn für Disziplin
| und Einordnung in die Gemeinschaft, Gesinnungstüchtigkeit und einfache
| Lebensführung.
Das würde ich auch heute noch so unterschreiben.
> ist es das hambacher fest?
Eine Traditionslinie zu meinem Bund besteht nicht, allerdings gehört es
sicherlich zu meinem persönlichen Selbstverständnis als Liberaler dazu.
> was sagt uns die tradition von hambach heute?
Die Verbindungen tragen heute noch den polnischen Schnur-Rock, der
damals allgemein eingeführt wurde ... :)
Aber ernsthaft: Wenn Du damit andeuten möchtest, daß die Verbindungen
heute gut daran täten, sich auf Hambach zu besinnen, dann würde ich dem
zustimmen. -- Allerdings dürfte sich diese Aufforderung mehr an
diejenigen richten, die für jedwede Veränderung irgendeinen
geschichtlichen Rückhalt aus dem letzten Jahrhundert brauchen. :/
> gibt es beispielsweise 'ne verbindung, die sich auf 1968 bezieht?
Es gab hier in Frankfurt mal eine "Gruppe 69" (Sondershäuser Verband),
die dem Vernehmen nach das Konzept Verbindung entsprechend der damaligen
Zeit neu aufziehen wollte. Im Civis Academicus von 93/94 ist sie sogar
noch verzeichnet, glaube ich. Kannst ja mal recherchieren ... :)
> fuer mich als nich verbindungserfahrenen menschen heisst "verbindung" auch
> karriere und filz. kannst du das entkraeften?
Es ist nicht völlig von der Hand zu weisen, daß man eine Menge Leute
kennenlernt, allerdings soll keiner glauben, daß deswegen Nullen
Aussicht hätten, auf irgendwelche gutbezahlten Posten gehievt zu werden.
Allerdings denke ich, daß jemand, der in einer Verbindung aktiv war,
sich deutlich weniger Gedanken um Assessment Center und ähnliche
Einstellungsverfahren machen muß, als jemand, der im Studium nur hinter
den Büchern gehockt hat. Entscheidender dürfte aber sein, daß
Verbindungen eher auf Leute anziehend wirken, die beruflichen Erfolg
nicht als verwerflich betrachten.
> und vielleicht mag es ja sogar verbindungen geben, die politisch gut drauf
> sind
Die gibt es definitiv, und die bilden zusammen mit denjenigen, die
zumindest nicht schlecht drauf sind, einen Anteil, der in der
Größenordnung von 90 Prozent liegen dürfte.
> (vielleicht deine?)
Mmh. Wie soll ich sagen ...? Praktisch alle Verbindungen, gerade
diejenigen, denen Du vermutlich attestieren würdest, daß sie "gut drauf"
oder jedenfalls "nicht schlecht drauf" sind, haben seltsamerweise eine
unüberwindliche Scheu, sich selbst nach außen hin in irgendeiner Form
politisch zu positionieren, frag mich nicht, warum. Möglicherweise hat
das seine historische Ursache im landsmannschaftlichen Prinzip ("keine
Politik").
Ich vermute aber, meine Verbindung wäre damit einverstanden, wenn ich
sage, daß wir "politisch gut drauf" sind. ;)
> nur warum distanzieren sich diese verbindungen nie von den rechten/
> revisionistichen verbindungen?
Weil es gewöhnlich zum verbindungsstudentischen Selbstverständnis
gehört, andere Verbindungen *überhaupt* nicht zu kommentieren, außer
natürlich intern.
Sieh es also vielleicht mehr als ein Silentium triste.
Häufig wird auch angeführt, daß das eh für die Katz ist, solange alle
Verbindungen mit den Burschenschaften in einen Topf geworfen werden.
> wieso gibt es nur vorkommnisse, wo fortschrittliche studis mit
> verbindungsleuten stress bekommen?
Das würde ich so nicht sagen.
Beim letzten oder vorletzten Pfingstkongreß des CC (Coburger Convent der
akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften; das ist der Verband,
dem meine Verbindung angehört), standen vor unserem Quartier auf einmal
Antifa-"AktivistInnen" und Korporierte in Grüppchen von je drei, vier
Personen zusammen und haben sich unterhalten. Ich weiß nicht, wie es
dazu kam, aber den Gesichtern nach zu urteilen, war das vorherrschende
Gefühl, auf beiden Seiten, eher Überraschung oder Neugier als Ablehnung.
Ich hatte irgendeinen Termin, und konnte mich leider nicht dazustellen,
aber das hat mich damals verdammt beeindruckt. Sollte es öfter geben ...
Es sind nicht viele, aber es gibt einzelne Fälle, in denen sich
Antifa-Aktivisten einfach mal bei einer CC-Verbindung umgeschaut haben
-- und dann dort das Band aufgenommen haben. Daß es so wenige sind,
liegt allerdings weniger an den CC-Verbindungen.
Ich hätte genau an dieser Stelle bestimmt noch ein paar Takte zum
Themenkreis Antifa-Flugi, AStA-Reader und Anti-Burschi-Websites
loszuwerden, aber das mache ich nur, wenn Du es hören willst.
> das alles sind fragen, die ich wirklich ernsthaft habe.
> vielleicht gibst du mir ja die antworten?
Gern, tut mir leid, daß es etwas gedauert hat ... :(
Markus
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
-----------------------------------------------------------------------
"Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einmischen."
Max Frisch
Grüße,
[...]
> >Ich glaube nicht, daß bei Verbindungen mehr getrunken wird als bei
> >nichtkorporierten Studenten, zumal bei Verbindungsveranstaltungen
> >Hochprozentiges verpönt ist.
>
> ROTFL.
Wenn Du auf einer Keipe etwas hochprozentigeres als Pils vom Faß
findest, geb ich Dir einen aus! d:)
[...]
Gunar Klemm
Burkhard Schroeder <bu...@BURKS.de> schrieb in im Newsbeitrag:
7iEWo...@p120.burks.de...
> Leider. Es wir immer Ewiggestrige geben. Der Inbegriff der
> männerbündischen Gruppendynamik ist die Seilschaft.
Und was soll an einer funktionierenden Seilschaft so falsch sein?
Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat!
J.Haverkamp
hi!
>Urteile selbst: <http://www.alsatia.de>.
schau ich mal nach.
[snip genauere darstellung der burschenschaft]
>Ich hätte genau an dieser Stelle bestimmt noch ein paar Takte zum
>Themenkreis Antifa-Flugi, AStA-Reader und Anti-Burschi-Websites
>loszuwerden, aber das mache ich nur, wenn Du es hören willst.
ja, klar. zur not schick sie mir per PM.
>> das alles sind fragen, die ich wirklich ernsthaft habe.
>> vielleicht gibst du mir ja die antworten?
>
>Gern, tut mir leid, daß es etwas gedauert hat ... :(
>
jau, danke. es gibt in deiner darstellung zwar einige sachen, die mich ein
wenig gestoert haben, aber das waere dann wohl eher eine "pro forma - "
diskussion, wenn ich darauf jetzt eingehen wuerde.
zumindest bedeutet das jetzt fuer mich, dass ich in zukunft wohl
vorsichtiger mit meiner generellen kritik an burschenschaften umgehen
muss.
>> das alles sind fragen, die ich wirklich ernsthaft habe.
>> vielleicht gibst du mir ja die antworten?
>
>Bin zwar nicht Markus, hoffe aber trotzdem geholfen zu haben.
>
ja, hast du. danke!
> Habe ich gar nicht gesagt. Ich wollte nur den Eindruck korrigieren, bei
> Männerbünden ginge es um höhere Werte usw. Es geht ausschliesslich um
> soziale und ökonomische Vorteile durch die Bildung vom Seilschaften.
Jede Freundschaft ist ein "sozialer Vorteil". Bei einer "stinknormalen"
Freundschaft geht es auch nur darum, selber davon zu profitieren, dass
man z.B. jemand zum reden, feiern, ausheulen usw. hat, was halt alleine
recht schlecht geht. Von "höheren Werten" keine Spur, könnte ich als
bösartiger Mensch also behaupten.
> > Leider. Es wir immer Ewiggestrige geben. Der Inbegriff der
> > männerbündischen Gruppendynamik ist die Seilschaft.
>
> Und was soll an einer funktionierenden Seilschaft so falsch sein?
> Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat!
Vor allem kann sich keiner beschweren, daß andere Connections haben, nur
er nicht. Da muß sich jeder selbst drum kümmern.
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
> Ich wollte nur den Eindruck korrigieren, bei Männerbünden ginge es um
> höhere Werte usw. Es geht ausschliesslich um soziale und ökonomische
> Vorteile durch die Bildung vom Seilschaften.
Erzähl doch bitte nichts von Dingen, von denen Du keine Ahnung hast.
Unglaublich!
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
Hallole !
>> welche schlagende verbindung läßt frauen mitglied werden?
> Welcher Männergesangsverein läßt Frauen Mitglied werden?
> Wieviele Frauen spielen in der 1. Bundesliga-Mannschaft vom FC Bayern
> München?
> Schlagende Verbindungen sind traditionell Männerbünde. Das ist doch noch
> längst kein Merkmal das für *rechtsextrem* spricht.
Es gibt aber mittlerweile meines Wissens nach einige gemischte
Verbindungen, die "freischlagend" sind, d. h. wer fechten will,
darf dies tun.
>> welche schlagende verbindung bezieht sich nicht positiv auf ihr "vaterland"
> Was bitte ist daran *rechtsextrem* sich positiv auf sein Vaterland zu
> beziehen? Die russischen Kommunisten führten sogar einen "Großen
> vaterländischen Krieg"...
Grosser Themenkomplex:
"Die deutsche Linke und die Nation".
Heutzutage wertet ein Grossteil der deutschen Linken jeglichen
Bezug auf "Nation", "Vaterland" oder "Volk" als rechts(extremes)
Gedankengut, das es zu bekaempfen gilt.
>> welche schlagende verbindung sieht ihre wurzeln nicht im, nationalistischen,
>> "dritten lager"?
> Was bitte ist das "Dritte Lager"?
Hat mit Oesterreich zu tun:
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Die katholischen Konservativen einerseits (inkl. OeVP und OeCV) und
die SPOe andererseits. Das dritte Lager sind die Nationalen und
die Freiheitlichen, inkl. FPOe und den allermeisten waffenstuden-
tischen Buenden.
(Grobe Kurzfassung. Fuer eine komplexe Diskussion inkl. der historischen
Urspruenge moege man sich an einen Experten fuer oesterreichische
Innenpolitik wenden ...)
>> ob ich mich gegenseitig mit säbeln attakiere, oder nicht ist _nicht_
>> ausdruck meines weltbildes?
Nope, weder in Bezug auf "Vaterland" (siehe Corps) noch Besitz- und
Machtverhaeltnissen in der Gesellschaft - auch Karl hat gefochten,
mehr als ich!
--
Beste Gruesse, Trekking onward hanne...@rus.uni-stuttgart.de
Hannes Gnad Hv! B! Hilaritas han...@studserv.uni-stuttgart.de
http://helpdesk.rus.uni-stuttgart.de/~rusamiga/
* "Breathe life into this feeble heart, lift this mortal veil of fear. *
* Take these crumbled hopes, etched with tears, we'll rise above these *
* earthly cares. Cast your eyes on the ocean. Cast your soul to the sea. *
* When the dark night seems endless - please remember me." (L. McKennitt) *
Und?
Bloß weil Du ein Buch *darüber* geschrieben hast, bedeutet das noch
lange nicht, daß Du auch Ahnung hast!
Über Studentenverbindungen haben schon etliche Leute viel geschrieben,
ohne auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben! Wie heißt Dein Buch
*darüber*? Wenn ich es gelesen habe, dann verrate ich dir auch, ob Du
Ahnung hast oder nicht!
> Also erzähl doch bitte
> nichts von Dingen, von denen du keine Ahnung hast.
Übrigens steht mein Angebot immer noch, Mister
"Ich-habe-Ahnung-weil-ich-ein-Buch-darüber-geschrieben-habe" Schröder:
Gunar Klemm, Nachrichten-ID: <3978D4D9...@blinx.de> :
[...]
[...]
Gunar Klemm"
mfg
Gunar Klemm
> >Urteile selbst: <http://www.alsatia.de>.
>
> schau ich mal nach.
Es gibt auch noch weitere ausführliche Informationen bei
<http://www.coburger-convent.de/>.
> [snip genauere darstellung der burschenschaft]
Das ist mir noch wichtig: Wir sind keine Burschenschaft.
Burschenschaften sind nur eine bestimmte Form der studentischen
Verbindung. Die Burschenschaften sind in der Zeit der Befreiungskriege
entstanden, sind per Definition politisch und sind, anders als andere
Arten von Verbindungen, eng an den Begriff des Deutschtums gebunden.
Daher kommt es auch, daß die Burschenschaften so große Probleme damit
haben, Ausländer aufzunehmen, wohingegen alle anderen Verbindungsarten
damit in aller Regel keine Probleme haben.
(Das Gesagte gilt soweit nur für die Burschenschaften in der Deutschen
Burschenschaft, und auch innerhalb der DB muß man noch differenzieren.)
[Antifa-Flugis, AStA-Reader und Anti-Burschi-Websites]
Alle diese Veröffentlichungen sind mit größter Vorsicht zu genießen. Im
Grunde gibt es darin keine einzige Aussage, die man ungeprüft für wahr
halten kann.
Ein paar Beispiele, um zu zeigen, wie da gearbeitet wird:
"Die diskriminierende Gesinnung des CC", heißt es in einem Flugi, "zeigt
sich u. a. [???] dadurch, daß weder Frauen, noch Behinderte, noch
AusländerInnen Mitglieder ihrer Verbindungen werden können".
Stünde da, daß "Ausländerinnen" (also mit kleinem i) keine Mitglieder
werden können, wäre das zutreffend, denn der CC nimmt überhaupt keine
Frauen auf. Steht da aber nicht. Es kommt noch hinzu, daß bestimmt nicht
jeder die Bedeutung des großen Binnen-I kennt, und so könnte der
Eindruck entstehen, daß der CC auch keine -- männlichen -- Ausländer
aufnimmt. Das Gegenteil ist richtig.
Genauso falsch ist es, daß der CC keine Behinderten aufnimmt. Wie kommt
man auf solche Ideen?
Ja, es stimmt, wir nehmen keine Frauen auf, aber es ist völliger Unsinn,
daraus Frauenfeindlichkeit abzuleiten.
An anderer Stelle heißt es: "Ein vereintes Großdeutschland [...] wurde
gerade vom Coburger Convent unter dem Motto 'Das ganze Deutschland soll
es sein' offensiv eingefordert".
Hervorhebenswert ist an diesem Satz zunächst das doppeldeutige Wort
"gerade". Es könnte vom Leser gedeutet werden als "neulich". Zutreffend
wäre jedoch allenfalls die Bedeutung "besonders". Das stimmt, denn der
CC hat sich immer für die Wiedervereinigung stark gemacht.
Aber auch wenn dieses Mißverständnis aufgeklärt wäre, führt der Satz
immer noch in die Irre, denn man könnte immer noch glauben, daß dieses
Motto womöglich in den letzten Jahren Anwendung gefunden hätte.
Hat es natürlich auch nicht, denn -- ich komme mir etwas albern vor, das
überhaupt klarstellen zu müssen -- für den CC ist die deutsche Einheit
vollendet.
Und von einer Forderung nach einem "Großdeutschland" (also mit
Österreich) kann überhaupt nicht die Rede sein. Abenteuerlicher Unsinn!
In einem anderen Flugi heißt es "Er [der CC] stellt ein Sammelbecken
rechtskonservativer und deutsch-nationaler Kräfte dar" oder "Brutstätte
für Reaktion und Faschismus". <keuch> Ich hoffe, das muß ich nicht
kommentieren.
In einem anderen Flugblatt heißt es "Ihr [der Freikorps] Mord an 14
unbewaffneten Arbeitern wurde 1998 vom CC-Pressesprecher E. Eisenlohr
auf zynische Art und Weise gerechtfertigt." Stimmt auch nicht.
In einem anderen heißt es: "[...] es gab Berichte, ein Korporierter [des
CC] habe sich mit den Mördern von Solingen solidarisiert". Das stimmt:
Es gab diese Berichte. Nur waren diese Berichte, wie auch gerichtlich
festgestellt wurde, Enten. (Es wirft im übrigen ein etwas sonderbares
Licht auf unsere Medienlandschaft, daß diese Berichte ohne jede
Recherche in den Druck gingen.)
Noch ein Beispiel: In einer Antifa-Publikation wurde behauptet, daß der
CC und die Stadt Coburg mit einem gemeinsamen Plakat mit dem Titel
"Jedem das Seine" werben würden. (Seinerzeit warb ein bekannter
Mobiltelephonhersteller mit diesem Spruch, und ist, wie sich manche
vielleicht noch erinnern, ziemlich damit baden gegangen.)
Nur: Ein solches Plakat des CC hat es nie gegeben.
Und dann möchte ich noch auf das Standard-Argumentationsschema
aufmerksam machen: Zuerst kommt der Textbaustein "Verbindungen heute in
der Stadt ..., dann kommt ein Überleitungssatz: "Dazu muß man wissen
...", und dann kommen ein paar immer wiederkehrende Textbausteine.
Argument: Die waren damals so, und sie sind es heute auch noch.
> es gibt in deiner darstellung zwar einige sachen, die mich ein wenig
> gestoert haben, aber das waere dann wohl eher eine "pro forma - "
> diskussion, wenn ich darauf jetzt eingehen wuerde.
Würde mich dennoch interessieren; ggf. per PM.
Gruß
Markus
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
> >Erzähl doch bitte nichts von Dingen, von denen Du keine Ahnung hast.
>
> Ich habe darüber ein ganzes Buch geschrieben. Also erzähl doch bitte
> nichts von Dingen, von denen du keine Ahnung hast.
Ich finde es schon schlimm, wenn jemand sogar ganze Bücher über Dinge
schreibt, von denen er keine Ahnung hat. (Und *daß* Du offenbar keine
Ahnung hast, hast Du bereits zu erkennen gegeben.)
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
------------------------------------------- Die liberale Idee ist stark
wie eh und je -- es sind die Menschen, die schwach sind; sie müssen von
Zeit zu Zeit wachgerüttelt werden. Marion Gräfin Dönhoff --------------
> BTW Ich habe ein Buch über Männerbünde geschrieben, nicht über
> Korporierte. Das ist vergriffen, gibt es nur noch in Bibliotheken.
Na, wie *heißt* es denn nun? ISBN und so?
--
Michael Briel
www.archeb.de
www.mp3.com/briel
www.liquiddreamsrecords.com
Burkhard Schroeder <bu...@BURKS.de> wrote:
> Berlin-Kreuzberg, 18.07.00
> ga...@gmx.de schrieb am 17.07.00:
>
> >Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
> >Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts;
>
> "Farben der Verbindung"? Jeder Ethnologe leckt sich jetzt die Finger.
>
> Also: Welchen Sinn hat es, Symbole der männerbündischen Kuschelgruppe
> öffentlich zu zeigen? (Mitteilungsbedürfnis?) Wenn es ausschliesslich um
> Gruppendynamik ginge, brauchte man Zeichen wie ikonografisch bedeutsame
> Textilien (Farben!) nicht nach aussen zu zeigen, sondern nur vor
> Angehörigen der Bezugsgruppe.
>
> Meine Vermutung: unsichere Identität wird gefestigt, indem man das Ersatz-
> Ego in Form einer Gruppe ("Verbindung": nomen est omen) nach innen
> ikonografisch absichert. Die Methode: symbolische Grenzen (Kleidung,
> Habitus, Objekte, Deformierungen der Haut wie Tatoos oder Schmisse) werden
> nach aussen, daher mit hoher Redundanz, herzeigt, um die Grenze zwischen
> dem emotional wichtigen "Innen" und dem unwichtigen "Aussen", also "den
> Anderen" zu demonstrieren.
>
Hmm, interessante Gedanken. Allerdings wäre darauf hinzuweisen, daß Obiges
zutreffen kann, aber nicht zwangläufig muß...
Ich frage mich allerding, ob Deine Betrachtungen wirklich auf jedes "Farbe
bekennen" so zutreffen muß, seien es nun Fußballfans, Linuxliebhaber oder
der "schwarze Block". Sicherlich sind Symbole Erkennungszeichen (sei es für
"insider" oder für die gesamt Öffenlichkeit), müssen aber nicht zwangläufig
als Ausgrenzung der "Nichtträger" gemeint sein. So ist z.B. das auf manche
etwas martialisch wirkende Tragen von Tarnanzügen wohl nur ein (wie auch
immer zu bewertende) Modeerscheinung.
Das Tragen von Symbolen allein kann kein hinreichender Indiz für die
Folgerung, damit werde eine "unsichere Identität" gefestigt, sein (IMO ist
es nicht 'mal notwendig); dazu müssten erst noch weitere Hinweise
hinzukommen (z.B. daß der Träger nie auf das (vor)Zeigen seiner Symbole
verzichten mag etc.).
Martin
--
Dipl.phys. Martin Schmidt Martin....@tu-bs.de
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"`All science is either physics or stamp collecting."' -- E. Rutherford
Hallole !
> abgrenzen. Manche nur zu bestimmen Anlässen (Schützenverein). Die Frage
> ist wohl die nach der Penetranz. Schmisse und Tatoos sind dauerhafter als
> ein Kleidungsstück. Korporationen sollen ein Leben lang halten, deshalb
> treffen die Kriterien verstärkt zu.
Gilt ein Schmiss im Jahr 2000 noch als allgemeines Erkennungszeichen
fuer Korporierte, gar als bewusstes Zeichen nach aussen? Ich kenne
nur (noch) sehr, sehr wenige, die es darauf beim Fechten anlegen.
> Insbesondere auch der Anachronismus
> eines Männerbunds: das ist nur nötig, wenn auch die geschlechtsspezifische
> Identität gefährdet ist.
Der alte Maennerbund als schon fruehzeitig errichtete Trutzburg gegen
den nach dem Krieg erstarkenden Feminismus - so scheint es dann. Aller-
dings, wie der gerade in der Forschung massiv aufkommende Femalismus
zeigt - Frauen und Maenner *sind* verschieden. Warum nicht also auch
getrennte Clubs?!
Wie bewertest Du als Kenner von Maennerbundstrukturen in diesem Zu-
sammenhang die Erscheinung der gemischten und Frauen-Verbindungen?
> >Wenn ich die Farben meiner Verbindung trage, dann oute ich mich als
> >Angehöriger meiner Verbindung, und sonst nichts;
>
> "Farben der Verbindung"? Jeder Ethnologe leckt sich jetzt die Finger.
Von mir aus.
> (Mitteilungsbedürfnis?)
Schon möglich. Warum auch nicht? Dies ist ein freies Land.
> Wenn es ausschliesslich um Gruppendynamik ginge, brauchte man Zeichen wie
> ikonografisch bedeutsame Textilien (Farben!) nicht nach aussen zu zeigen,
> sondern nur vor Angehörigen der Bezugsgruppe.
Die Gruppendynamik ist beim Auftreten bei anderen Verbindungen oder beim
Auftreten in der Öffentlichkeit sicherlich eine andere als auf dem
eigenen Haus.
> "Verbindung" durch "Farben": eine Art Bonsai-Nation. Richtig?
Treffer.
Fragt sich, was vorher da war.
"Vaterland" oder "Patria" bedeutete bei den Landsmannschaften und ihren
Nachfolgeverbindungen teilweise bis zur Reichsgründung 1871 nichts
anderes als die ländliche oder kommunale Gemeinschaft, also auch eine
einzelne Stadt, aus der man kommt, und wurde entsprechend nur auf die
eigene Verbindung bezogen.
Die politisch-nationale Deutung dieses Begriffs kam erst nach den
Befreiungskriegen mit der Entstehung der Burschenschaften auf. Das
spiegelte sich auch in den Namen der Verbindungen wieder, die
Landsmannschaften hießen beispielsweise Franconia, Saxonia oder
Baruthia, die Burschenschaften Teutonia oder Germania.
Die europäische Einigung und die Globalisierung werfen zweifellos die
Frage nach einer neuen Selbstdefinition auf.
P. S.: Ich lese diese Gruppe b. a. w. nicht, deshalb F'up2
de.soc.studium.verbindungen.
--
Markus Gail - PGP - <mailto:ga...@gmx.de> - <http://home.pages.de/~gail>
---------------------------------------------- "Das Verhalten von Gates
hatte mir bewiesen, daß ich auf ihn und seine Gefährten nicht zu zählen
brauchte." Karl May, Winnetou, Band 3 ---------------------------------
> ich weiß garnicht ob die antifabewegung und die autonomen sich die nazis
> als haubtfeind sehen.
Diese Behauptung wurde auch nicht aufgestellt. Es wurde nur vor der Gefahr
gewarnt, da einzelne Elemente (Gruppen) dieser Bewegung ihr Betätigungsfeld
hauptsächlich oder sogar ausschliesslich in diesem Bereich haben. Obwohl
diese Gruppen gute Arbeit machen, ist es notwendig den Kampf gegen
FaschistInnen mit einem gesammtgesellschaftlichen Ansatz zu verbinden.
Emil
Antifaschistisches Forum Rheinberg
c/o Antifa-Büro
Herzogenring 4
46483 Wesel
Re: Schwere Krawalle und Massenschlaegereien zwischen ueber 300 Skinhe
Eine Debatte zu diesem Thema wurde bereits Anfang der 90er geführt. Ein
interessanter Text ist dazu von der autonomen l.u.p.u.s.- Gruppe erschienen,
mit dem Titel "Doitschstunde". Daraufhin entwickelte sich eine kontroverse
Diskussion, wie sich eine linke/linksradikale Bewegung dem Problem eines
aufkeimenden rechtsextremismus zu stellen habe. Alle Texte sind im Verlag
ID-Archiv erschienen und können vermutlicherweise bei www.nadir.org
abgerufen werden.
MfG,
Antifa-Forum
antif...@gmx.net
http://www.duisburg-alternativ.de/antifaforum