[de.alt.talk.unmut] Postboten sind was feines (was: Nachbarn sind was feines)

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Manfred Russ

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Nov 22, 2000, 3:00:00 AM11/22/00
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Subject: Postboten sind was feines (was: Nachbarn sind was feines)
From: Oliver Ding <die_...@gmx.de>
Date: Mon, 20 Nov 2000 15:53:09 +0100
Message-ID: <8vbhe3.3...@hamster.sockenseite.de>
Newsgroups: de.alt.talk.unmut

"Andreas Hofmann" <i1...@stio1.fh-wuerzburg.de> schrieb:
>
> Wer im Paterre wohnt - wie wir - bekommt offensichtlich implizit diverse
> Hausmeister-Funktionen übertragen, ohne dies zu wollen. Den
> Paketverteildienst haben auch wir in unserem Haus übernommen. Im Gegensatz
> dazu, sollten wir mal nicht da sein oder auch nicht rechtzeitig an der
> Wohnungstür, bequemt sich der Postbote leider nicht in den ersten Stock,
> um ein Paket für uns mal ausnahmsweise da abzuladen. Insofern: Unmut über
> Postboten, die den Paketabholschein offensichtlich schon ausgefüllt haben,
> bevor sie bei uns klingeln.

Das scheint mir ein fester Teil der Ausbildung zu sein. Neulich stand
ich in unserer Küche und hörte das dezente Quietschen unseres
Briefkastens. Als ich zur Tür schritt, um nachzusehen, was sich am
Briefkasten so tat, brauste ein gelbes Gefährt davon. Im Briefkasten
fand sich ein oranger Zettel. Der Weg von der Küche zur Tür ist
übrigens nur ein Drittel so lang, wie der vom Briefkasten zur Straße.
Der nette Mensch in Gelb muß das also irgendwie trainiert haben. Da
sage noch jemand, Beamte wären nicht fit.

Auch hübsch war es neulich auf dem Amt, als ich mal einen _weißen_
Zettel im Briefkasten fand. Nachporto wollten sie also haben. Gut.
Nicht vor 15 Uhr stand auf dem Zettel. Prima, ich wartete ja auch erst
seit fünf Tagen (ein Wochenende war dazwischen) auf diese Lieferung.
Im Amt dann die übliche Schlange, welche aber kein Vergleich zu dem
war, was noch kommen sollte. Als ich dann endlich dran war, war das
Wundern groß. Von einem Päckchen wußte niemand etwas, auch wenn es
noch so deutlich auf dem Abholschein stand. Das Lager wurde
durchsucht. Nach einer Weile kam die Dame zurück und erkundigte sich
erstmal nach meinem Namen, damit sie überhaupt wissen könne, nach was
sie eigentlich suche. So etwas nenne ich gute Recherche. Und weiter
wurde das Lager komplett auf den Kopf gestellt. Immer noch nix.

Immer mehr und mehr Kunden kamen in die Poststube und äußerten langsam
ihren Unmut, weil die Schlange kein Anzeichen von Bewegung zeigte und
der zweite Beamte in der Filiale die ihm zustehende Pause genoß. Das
Schöne bei der Post ist ja, daß die Beamten sogar mehr als die übliche
halbe Stunde Pause haben, denn in der Zeit, in der nach meinem
Päckchen gesucht wurde (eine muntere Dreiviertelstunde), gab er sich
völlig dieser Pause hin. Man muß sich ja vom überaus harten Training
der schnellen Briefkastenflucht ausruhen. (Derweil zog ich in
Erwägung, mir demnächst einen bissigen Hund anzuschaffen...)

Währenddessen zogen sich draußen die ersten Kunden, die nicht mehr in
die Amtsstube paßten, leichte Verkühlungen der Bronchien zu. Die bösen
Blicke, die ich dafür als ganz vorne in der Schlange Stehender
einfuhr, störten mich natürlich überhaupt nicht.

Nun, als dann die suchende Dame dann meinen Brief (es war natürlich
kein Päckchen) fand. Lachte sie mir entgegen, daß ihr Kollege, der mir
den Abholschein in den Briefkasten warf, ihr wohl einen Brief gegeben
hätte. Der Kollege war natürlich längst weg. Er hat sich seine
Freizeit ja auch schwer verdient. Immerhin war er ja seit Freitag (der
Tag, seit dem ich auf das Päckchen wartete) immer wieder bei uns
gewesen und hätte vergeblich geklingelt. (Aha, Paketzusteller wissen
also doch, wie bei uns die Klingel funktioniert). Als er dann zu
dritten Mal vergeblich zustellen wollte, schrieb er dann auch endlich
die Benachrichtigung. Das Päckchen, nein, der Brief lag natürlich
griffbereit im Regal direkt am Schalter...

»Socke«

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