Wer hört noch Kurzwelle und Deutsche Welle?

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siss...@t-online.de

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Aug 2, 2016, 7:37:27 AM8/2/16
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Hallo,


Es gibt immer noch Hörerklubs der DXer (ich bin Mitglied im RTI- Hörerklub Ottenau), wo sich eine Anzahl von Radiohörer finden, die dieses Medium (KW) schätzen und nutzen.

Ich möchte fragen, wer denn die Deutsche Welle (wahrscheinlich auf Kurzwelle) gehört hat und vermisst?

Ich sammle Argumente, um die mit Steuergeldern finanzierte DW wieder zum Senden auf KW zu überreden, was Reisende in der Vergangenheit sehr geschätzt haben.

Leider wird die DW zu einem sog. globalen Mediaplayer a la CNN mit viel Geld aufgebauscht (ca. 250 Mio Euro/Jahr) und sendet so gut wie nur noch Fernsehen.
Zielgruppe sind sog. Entscheider und Multiplikatoren in von der DW definierten
Gebieten, die mit lokalen Sprachen "informiert" werden. Dadurch soll ein
Millionenpublikum zustande gekommen sein, gegen das die paar wenigen KW-Hörer
nichts sein sollen. Deutsch wurde als Primärsprache bei der DW abgeschafft und
durch Englisch ersetzt.

Vielen Dank für jeglichen Kommentar,

Manfred

Ulrich Onken

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Aug 7, 2016, 4:06:25 AM8/7/16
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On 02.08.2016 13:37, siss...@t-online.de wrote:
> Hallo,
>
>
> Es gibt immer noch Hörerklubs der DXer (ich bin Mitglied im RTI- Hörerklub Ottenau), wo sich eine Anzahl von Radiohörer finden, die dieses Medium (KW) schätzen und nutzen.
>
> Ich möchte fragen, wer denn die Deutsche Welle (wahrscheinlich auf Kurzwelle) gehört hat und vermisst?

Geht mir auch so. Ich habe mich bei Auslandsreisen bis 2011 überwiegend
über die DW auf Kurzwelle informiert und habe Sendungen wie das
Funkjournal sehr geschätzt. Das Ersatzangebot im Internet (DW-App) hat
den Nachteil, dass es nur bei Verfügbarkeit des Internet funktioniert.
Das klappt nicht überall, z.B. im Zelt in den Bergen abseits der
Mobilfunknetze oder irgendwo in Afrika...

>
> Ich sammle Argumente, um die mit Steuergeldern finanzierte DW wieder zum Senden auf KW zu überreden, was Reisende in der Vergangenheit sehr geschätzt haben.

Ein Argument ist, dass die DW auf Kurzwelle einen vom Internet
unabhängigen Informationsweg anbieten könnte. Das Internet und der
Mobilfunk ist das erste, was autoritäre Regimes im Ausland je nach
Bedarf abstellen oder zensieren können...

> Leider wird die DW zu einem sog. globalen Mediaplayer a la CNN mit viel Geld aufgebauscht (ca. 250 Mio Euro/Jahr) und sendet so gut wie nur noch Fernsehen.
> Zielgruppe sind sog. Entscheider und Multiplikatoren in von der DW definierten
> Gebieten, die mit lokalen Sprachen "informiert" werden. Dadurch soll ein
> Millionenpublikum zustande gekommen sein, gegen das die paar wenigen KW-Hörer
> nichts sein sollen. Deutsch wurde als Primärsprache bei der DW abgeschafft und
> durch Englisch ersetzt.

Neben Information soll wohl auch die Sicht der Bundesregierung
verbreitet werden. Ich habe das TV-Programm ein paar Mal im Ausland
(Vietnam, Chile) gesehen, aber fand es nicht besonders attraktiv. BBC
World, CNN und France 24 sind besser und finden sich auch öfter in den
Hotel-TVs. Vor drei Jahren in Shanghai war das DW-Programm wohl gerade
politisch nicht opportun und war neben France 24 aus dem TV-Angebot
entfernt worden...

Es war eine politische Entscheidung der DW, auf die englische Sprache
und das Zielpublikum der "Entscheider" und "Multiplikatoren" zu setzen.
Ich persönlich glaube nicht, dass man mit den 250 Millionen viel
erreicht. Das Angebot der DW verblasst gegenüber BBC und CNN, und
praktisch niemand kennt es.

Grüsse
Uli

Michael Kallweitt

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Aug 7, 2016, 6:27:24 AM8/7/16
to
Ulrich Onken <news-1411...@spamgourmet.com> schrieb:

> Ein Argument ist, dass die DW auf Kurzwelle einen vom Internet
> unabhängigen Informationsweg anbieten könnte. Das Internet und der
> Mobilfunk ist das erste, was autoritäre Regimes im Ausland je nach
> Bedarf abstellen oder zensieren können...

Das ist aus meiner Sicht das wesentliche Argument für den Weiterbestand
der Aussendungen auf Kurzwelle. Gerade weil das Internet (zumindest
nicht mit geringen finanziellen Mitteln), anders als der Kurzwellenfunk,
nicht in jedem Winkel der Erde verfügbar ist und zudem die Bestrebungen
zur politischen Zensur und Kommerzialisierung des Netzes zunehmen,
braucht es zur Wahrung der Informationsfreiheit ein hiervon unabhängiges
Trägermedium.


--
www.wasfuereintheater.com - Neue Theaterprojekte im Ruhrpott
»DAS UNBEKANNTE SCHÖN ZU FINDEN. DEM UNVERSTANDENEN MIT WÄRME ZU
BEGEGNEN. DAS IST WAHRE LIEBE« Barbara Bollwahn, http://ow.ly/Xk52L

siss...@t-online.de

unread,
Aug 8, 2016, 7:30:08 AM8/8/16
to
Hallo,

ich danke Euch sehr, daß Ihr das Thema in einer ähnlichen Weise seht,
wie wir in unserer Initiative es diskutieren.

Das DW-TV ist eine Sendung (meist habe ich das in Hotels eingeschaltet),
bei der man den Eindruck hat, daß hier Leute eine Spielwiese haben und
eine Art Praktikum machen. Wenn ich englische Informationen will, dann
gleich zum Original BBC, denn die senden seit "langem" auf Englisch und
wissen, wie Weltnachrichten gehen. Interessanterweise sendet die BBC immer
noch ein hervorragendes KW-Programm, das in Deutschland gut zu empfangen ist
und das die bekannte Qualität hat.
Ich hatte übrigens auch den Eindruck, daß DW-TV in die Außenpolitik eingespannt
wird und ganz und gar nicht objektiven Journalismus betreibt. Verblüffenderweise
merkt man das - es wird garnicht versteckt.
War beim Internet dazukommt ist, daß relativ einfach die Klicks und Nutzer
aufgezeichnet werden können und damit wunderbar die Kunden im jeweiligen
Land überwacht werden können. Das geht bei KW bekanntlich nicht, man könnte
hier höchstens stören.
Ich kann außerdem nicht glauben, daß die DW soviele Millionen Zuschauer hat,
wenn doch die Kurzwellenhörerzahlen so niedrig gewesen sein sollen. Gibt es
auf dem Welt soviele Entscheider und Multiplikatoren?
Ich war in Vietnam bei Freunden und bei denen lief die DW nur für den
10 jährigen Sohn zur Ablenkung. Er hat mit großem Interesse Werbung für
deutsche Sportwagen angeschaut! Naja, vielleicht kauft er mal einen dicken
Porsche und ist so von Deutschland als Autofahrernation begeistert.

Ich hoffe, daß noch einige weitere Postings geschrieben werden.

Ob die DW jemals wieder auf KW sendet, ist leider sehr unwahrscheinlich.

Manfred

Bernhard Wittek

unread,
Aug 8, 2016, 1:01:36 PM8/8/16
to
Tja, nachdem die meisten großen Kurzwellen-Sendeanlagen geschleift
wurden und auch die DW-Relaisstationen geschlossen bzw. abgerissen
worden sind, halte ich eine Rückkehr des 24/7 Programmes wie wir es
kannten, für ausgeschlossen. Auch ich bedauere dies sehr, habe die DW
seit den 1980er Jahren regelmäßig gehört, auch von Zuhause aus.

Die Nachbarn in Österreich konnten sich bislang zumindest ein wenig
Kurzwelle erhalten und strahlen auf 6155kHz für eine gute Stunde täglich
das Programm von Ö1 aus. Dabei wird wenn ich mich recht entsinne ein
300/500kW Sender von Telefunken vom Standort Moosbrunn eingesetzt, der
vermutlich aus Wertachtal stammen dürfte.

In Moosbrunn kann Sendezeit auch günstig "gemietet" werden (ich habe gut
100 EUR pro Stunde in Erinnerung). Zumindest eine oder wenige
Sendestunden täglich mit Zielrichtung EU, NA/SA und AS wären sicherlich
möglich und würden kein Vermögen kosten. Alleine es fehlt der Wille!

Bernhard


siss...@t-online.de

unread,
Aug 18, 2016, 2:57:15 PM8/18/16
to
Hallo Bernhard,

bei mir ist ein neuer Hoffnungschimmer aufgetaucht:

der Hype zur Digitalisierung mit DAB+ könnte auf KW/MW fortgesetzt
werden, wenn denn DRM zum Laufen kommt. In Indien gibt es inzwischen
ein flächendeckendes Netz und neue Geräte.
Informationen sind unter www.drm-forum.de zu finden - dort laufen
einige Aktionen und der Vorsitzende Joachim Lehnert hat mir auf
Anfrage mitgeteilt, daß sie das Thema bei einer Konferenz mit dem
DLF im Frühjahr 2017 aufnehmen werden.

Was haltet Ihr von DRM?

Manfred

Axel Berger

unread,
Aug 18, 2016, 6:40:26 PM8/18/16
to
siss...@t-online.de wrote:
> Was haltet Ihr von DRM?

Ein grundsätzlicher Reiz von Radio ist, daß es im Zweifel ausreicht,
sich einen Kristalldetektor oder etwas ähnlich primitives
zusammenzustoppeln, was von der Gedankenpolizei schwer zu kontrollieren
ist. Nur empfängt so einer nur starke Lokalsender. Für "Feindsender"
mitten in einem totalitär kontrollierten Gebiet muß es schon etwas
aufwendiges und komplexes sein. Da ist DRM heute imho auch keine höhere
Schwelle mehr als ein guter Kurzwellenempfänger alter Schule -
vielleicht sogar eine niedrigere.
In den ganz frühen Siebzigern habe ich Bagdad, Moskau und Peking gehört.

Axel

--
/¯\ No | Dipl.-Ing. F. Axel Berger Tel: +49/ 221/ 7771 8067
\ / HTML | Roald-Amundsen-Straße 2a Fax: +49/ 221/ 7771 8069
 X in | D-50829 Köln-Ossendorf http://berger-odenthal.de
/ \ Mail | -- No unannounced, large, binary attachments, please! --

Bernhard Wittek

unread,
Aug 19, 2016, 7:51:21 AM8/19/16
to
Am 18.08.2016 um 20:57 schrieb siss...@t-online.de:

>
> Was haltet Ihr von DRM?

Hallo Manfred,

DRM wurde seit den 2000ern von einem Konsortium, dem auch die DW
angehörte, bis zur Abschaltung der Kurzwelle propagiert. Die DW hat vor
der Entscheidung, die Kurzwelle komplett zu verlassen, tatsächlich auf
"digital" gehofft und große Anstrengungen unternommen, den Hörern dies
schmackhaft zu machen. DRM hat sich in Europa allerdings als Totgeburt
erwiesen.

Dies lag IMHO zum einen daran, dass die Gerätehersteller es nicht
fertigbrachten eine vernünftige Auswahl an Hardware bereitzustellen, zum
anderen auch daran, dass die Signale, sobald sie mit etwas QSB
beaufschlagt waren nicht mehr vernünftig zu decodieren waren und
entsprechend inhaltsentstellende Aussetzer hatten.

Die vorhandenen Geräte waren wegen des Hardwareaufwandes zudem
regelrechte Energiefresser, die ein Vielfaches der Batterieleistung
herkömmlicher AM-Koffer- oder Taschenempfänger benötigten. Ausserdem
waren sie wegen der relativ geringen Stückzahlen zu teuer.

Ich selbst habe immer ein kleines AM-Kofferradio im Arbeitszimmer
betrieben, mit dem ich DW, DLF & Co empfangen habe. Nach dem Abschalten
der Lang- und Mittelwellensender unlängst verfiel ich der Schnapsidee,
mir dafür ein DAB+ Gerät zuzulegen. Nicht nur, dass Sender wie der DLF
mit der eingebauten Teleskopantenne nur an ausgesuchten Positionen im
Raum ohne Aussetzer empfangbar sind, auch der Energiebedarf des DAB+
Empfängers ist um ein Vielfaches höher. Während ich mit dem kleinen
Analoggerät und zwei AA-Akkus ca. 150 Stunden Hörvergnügen hatte,
benötigt der DAB-RX deren vier, und die halten nicht länger als 4 -5
Stunden.

Die von den Verantwortlichen immer so lautstark propagierte
Kosteneinsparung durch reduzierte Sendeleistung bei Digitalbetrieb ist
nichts als Augenwischerei, denn die Kosten wurden ja nur auf den Hörer
verlagert, deren Geräte jetzt ein mehrfaches an Energie benötigen, doch
das nur am Rande.

Ich persönlich würde eine Wiedereinführung von AM-Rundfunk auf KW/MW/LW
jederzeit einem Digitalangebot vorziehen. Für den Hörer muss es so
einfach/billig/unkompliziert wie möglich sein. Nur damit ist z.B. auch
im Krisenfall wirklich längerfristig Informationsverbreitung möglich.

Grüße,
Bernhard

Frank Müller

unread,
Aug 19, 2016, 10:53:06 AM8/19/16
to
Bernhard Wittek schrieb:

> Ich persönlich würde eine Wiedereinführung von AM-Rundfunk auf KW/MW/LW
> jederzeit einem Digitalangebot vorziehen.

MW brauche ich weniger, aber KW, grade wenn man im Ausland unterwegs
ist, ist doch irgendwie praktischer als über WLAN. Wobei, ein Sender ist
immer noch da und sendet auf 77,5 kHz...

> Für den Hörer muss es so einfach/billig/unkompliziert wie möglich sein.
> Nur damit ist z.B. auch im Krisenfall wirklich längerfristig
> Informationsverbreitung möglich.

Wie soll denn dieser "Krisenfall" aussehen? Wenn hier großflächig das
Stromnetz zusammenbricht dann gehen die Sender auch nicht mehr,
und wenn Strom geht dann geht mindestens das Fernsehen. Radio
braucht da keiner mehr.

Frank

Axel Berger

unread,
Aug 19, 2016, 11:15:09 AM8/19/16
to
Bernhard Wittek wrote:
> Die von den Verantwortlichen immer so lautstark propagierte
> Kosteneinsparung durch reduzierte Sendeleistung bei Digitalbetrieb ist
> nichts als Augenwischerei, denn die Kosten wurden ja nur auf den Hörer
> verlagert,

Das kann man auch als Vorteil sehen. Hinter einem Radio Free Europe mit
Sendeleistungen im dreistellen kW Bereich steht zwangsläufig eine Welt-
oder Supermacht. Einen kleiner Sender ist eventuell auch für eine kleine
Opposition machbar.

Ulrich Onken

unread,
Aug 19, 2016, 3:13:59 PM8/19/16
to
On 19.08.2016 16:52, Frank Müller wrote:

>
> Wie soll denn dieser "Krisenfall" aussehen? Wenn hier großflächig das
> Stromnetz zusammenbricht dann gehen die Sender auch nicht mehr,
> und wenn Strom geht dann geht mindestens das Fernsehen. Radio
> braucht da keiner mehr.

Zwei Beispiele für Krisenfälle:

1) Wenn hier grossflächig der Strom ausfällt, dann sind die lokalen UKW,
DAB+- und TV-Sender weg. Internet und Telefon funktionieren auch nicht.
Aber auf Kurzwelle konntest Du abends über Tausende von Kilometern
Nachrichten in englisch oder deutsch empfangen, während der Dunkelheit
auch auf Mittelwelle. Einen kleinen Rest davon gibt es übrigens noch
(BBC World Service stundenweise auf Kurzwelle), vermutlich nicht mehr
allzu lange.

2) Wenn Diktator X im Land Y entscheidet, das Internet und den Mobilfunk
abzuschalten, dann ist man als Tourist oder Geschäftsreisender dort von
unabhängigen Informationen ohne Vorwarnung abgeschnitten. Mit einem
Kurzwellenradio konnte man bis vor vier Jahren weltweit die Deutsche
Welle in deutsch und fast rund um die Uhr BBC World Service in englisch
empfangen - und zwar mit einem batteriebetriebenen Empfänger praktisch
überall und irgendwo auf der Welt. Heute geht das nur noch stunden- und
gebietsweise.

Grüsse
Uli

Ralph Aichinger

unread,
Aug 19, 2016, 3:37:37 PM8/19/16
to
Ulrich Onken <news-1411...@spamgourmet.com> wrote:
> 1) Wenn hier grossflächig der Strom ausfällt, dann sind die lokalen UKW,
> DAB+- und TV-Sender weg. Internet und Telefon funktionieren auch nicht.

Sat-Empfang wird trotzdem weiterfunktionieren, vorausgesetzt man
schafft es irgendwie den Receiver mit Strom zu versorgen.

Wobei ich vermute, daß schon *sehr* viel passieren muß, damit
das Internet in Europa großflächig wegbricht (so daß man nicht
zumindest am Handy drauf zugreifen kann).

> 2) Wenn Diktator X im Land Y entscheidet, das Internet und den Mobilfunk
> abzuschalten, dann ist man als Tourist oder Geschäftsreisender dort von
> unabhängigen Informationen ohne Vorwarnung abgeschnitten.

Wenn er niemanden findet, der mit Sat-Schüssel CNN, BBC oder
ähniches empfängt.

/ralph

Axel Berger

unread,
Aug 19, 2016, 4:16:48 PM8/19/16
to
Ralph Aichinger wrote:
> (so daß man nicht
> zumindest am Handy drauf zugreifen kann).

Und das von Dir und in einer Sci-Gruppe? Das "Handy" kommt
typischerweise wenige hundert Meter und maximal einige Kilometer weit
bis zum nächsten Mast. Und wenn alles andere ausfällt, tut der das auch.

> Wenn er niemanden findet, der mit Sat-Schüssel CNN, BBC oder
> ähniches empfängt.

So eine Schüssel ist nicjt leicht zu verstecken. Feindsender Hören ist
das erste und das wichtigste, was verfolgt wird.

Ralph Aichinger

unread,
Aug 19, 2016, 6:50:27 PM8/19/16
to
Axel Berger <Axel_...@b.maus.de> wrote:
> Und das von Dir und in einer Sci-Gruppe? Das "Handy" kommt
> typischerweise wenige hundert Meter und maximal einige Kilometer weit
> bis zum nächsten Mast. Und wenn alles andere ausfällt, tut der das auch.

Ich denk schon, daß man bei den Handynetzen mittlerweile einigen Aufwand
treibt (Notstromversorgung, etc) um sie Krisenfest zu machen. Ich würde
jedenfalls drauf tippen, daß die Handynetze der großen Betreiber in
Krisensituationen länger und besser verfügbar sind als typische ADSL-
Angebote.

> So eine Schüssel ist nicjt leicht zu verstecken. Feindsender Hören ist
> das erste und das wichtigste, was verfolgt wird.

Aber nicht über Nacht (das war das Szenario das du gebracht hast).

/ralph

Martin Elbe

unread,
Aug 20, 2016, 2:40:40 AM8/20/16
to
Am 18.08.16 um 20:57 schrieb siss...@t-online.de:

> Was haltet Ihr von DRM?

Der Gaul ist vor gut 15 Jahren verstorben. Trotzdem gibt es immer wieder
Unverdrossene, die versuchen, ihn trotzdem zu reiten. DRM ist nur etwas
für Nekrophile.

Frank Müller

unread,
Aug 20, 2016, 4:28:33 AM8/20/16
to
Ralph Aichinger schrieb:
> Ich denk schon, daß man bei den Handynetzen mittlerweile einigen Aufwand
> treibt (Notstromversorgung, etc) um sie Krisenfest zu machen. Ich würde
> jedenfalls drauf tippen, daß die Handynetze der großen Betreiber in
> Krisensituationen länger und besser verfügbar sind als typische ADSL-
> Angebote.

Kommt auf die Krise an, bei der letzten Elbe-Flut war das Handy-Netz,
zumindest hier in Sachsen, nicht mehr flächendeckend verfügbar und
auch das Festnetz war in den überfluteten Gebieten teilweise
abgeschaltet.

Frank

Frank Müller

unread,
Aug 20, 2016, 4:28:33 AM8/20/16
to
Axel Berger schrieb:
> Ralph Aichinger wrote:
>> Wenn er niemanden findet, der mit Sat-Schüssel CNN, BBC oder
>> ähniches empfängt.
>
> So eine Schüssel ist nicjt leicht zu verstecken. Feindsender Hören ist
> das erste und das wichtigste, was verfolgt wird.

Wenn man in so einen Land lebt findet man Wege auch eine
SAT-Schüssel zu verstecken.

Frank

Ulrich Onken

unread,
Aug 20, 2016, 5:03:03 AM8/20/16
to
Das ist richtig, man muss sich nur anschauen, was die Leute in Iran in
ihren Hinterhöfen so machen.

Der Vorschlag geht aber leider am Fallbeispiel vorbei: Die versteckten
Sat-Schüsseln helfen einem Touristen oder Geschäftsreisenden eben
nichts, wenn er in einer Diktatur unterwegs ist, in der plötzlich die
Kommunikationswege abgeklemmt werden. Es sei denn, er hat bereits ein
Beziehungsnetz und weiss, wo er an Informationen kommt. OK, vielleicht
hat er Glück und wohnt in einem kleineren Hotel mit Sat-Schüssel. Bei
den grossen Hotels schlägt (wie in China erlebt) bereits die Zensur zu.

Ich denke da immer noch an meine kleine Kurzwellenradios (eines im
Taschenbuch-, eines im Zigarettenschachtel-Format) mit ein paar Metern
Draht als Antenne: Bis vor knapp zehn Jahren konnte man sich damit
überall auf der Welt aus mehreren Quellen informieren, unabhängig davon,
ob da Internet, Mobiltelefone, Sat-Schüsseln oder Stromanschlüsse in der
Nähe waren. Die Batterien haben über 100 Stunden gehalten. Die einzigen
Orte, wo das nicht funktioniert hat, waren Stahlbetonbauten,
Schiffsrümpfe oder Flugzeuge. Kein Problem dagegen irgendwo an einem
Berg im hintersten China, auf dem Meer oder in der chilenischen
Atacama-Wüste.

Grüsse
Uli

Michael Kallweitt

unread,
Aug 20, 2016, 8:29:56 AM8/20/16
to
Axel Berger <Axel_...@B.Maus.De> schrieb:

> Für "Feindsender" mitten in einem totalitär kontrollierten Gebiet muß
> es schon etwas aufwendiges und komplexes sein. Da ist DRM heute imho
> auch keine höhere Schwelle mehr als ein guter Kurzwellenempfänger
> alter Schule - vielleicht sogar eine niedrigere.

Löte mal aus wenigen verfügbaren Teilen oder aus Altgeräten einen
AM-Empfänger zusammen. Und dann mach das mal mit einem DRM-Gerät. Da ist
schon ein Unterschied, meinst du nicht?

siss...@t-online.de

unread,
Aug 20, 2016, 3:05:59 PM8/20/16
to
Hallo,

ich freue mich, daß eine so lebendige Diskussion zustande gekommen ist, in der man sehen kann, wie unterschiedlich die Erfahrungen sind.

Primär geht es doch darum, daß das Abschalten der KW schon dem Ende des kalten Kriegs geschuldet ist, dem ich aber nicht nachtrauere. Andererseits ist es schon merkwürdig, daß die KW den nicht lupenreinen Ländern und religiösen Sendern vorwiegend in den USA überlassen wird. Immerhin kann man noch BBC hören, die es sich noch leisten, ein informatives Programm auf KW zu senden, das sich zu hören lohnt. Ebenso sendet NHK Japan auf Englisch in brauchbarer Qualität auf KW.

Komisch ist da, daß die DW hier ausgestiegen ist und ihre Geldgeber (Bundestag) aber mehr oder wenig erpresst, ihr immer mehr Geld zu geben. Sie bestimmt, wie und was sie sendet und das für ca. 50 MioEuro/Jahr. Wenn man das DW-TV anschaut - ich habe das gerade getan - dann werden dort Interviews mit Deutschen geführt und das in Englisch synchronisiert gesprochen - ein Witz. Warum soll ich die DW im Hotel sehen, wenn ich ARD, ZDF und eben BBC empfangen kann? Der relativ bescheidene Betrag, mit dem man über gemietete Sender eine wenige Stunden dauerndes KW Programm senden könnte, sind "Peanuts".

Um der DW zu zeigen, daß die KW Hörer noch da sind, habe ich und einige Freunde der Hörerklubs angefangen Empfangsberichte in CC an die DW zu senden.

Ein erster denkwürdiger Erfolg war, daß ich von der DW eine QSL-Karte zur Bestätigung bekommen habe. Leider war der Empfangsbericht an VoA gerichtet und im Eifer des Gefechts oder aus Freude meinte man bei der DW, daß ich ihre Sendung nach Afrika, die in Madagasca ausgestrahlt wird, gehört habe.

Diejenigen, die noch Empfangsberichte schreiben, kann ich nur bitten, ebenfalls CC an die DW zu schreiben.

Zu DRM gibt es auf www.radioworld.com einen Artikel mit dem Titel "The Evolution of Shortwave Radio" by James Careless on 08.01.2016, in dem in der folgenden Diskussion aus der Sicht der englischsprachigen Welt diskutiert wird.
Das KW Sterben betrifft ja nicht nur Deutschland und man sieht das in anderen Gegenden anders. Ich habe das durch einen Freund, der in Namibia lebt, erfahren. Dort vermisst man die DW sehr.

DRM wird übrigens ein Thema bei einer Konferenz bei der DW im Frühjahr 2017 werden, denn Joachim Lehnert von www.drm-forum.de hat mit das geschrieben.



Manfred




Frank Müller

unread,
Aug 20, 2016, 3:33:39 PM8/20/16
to
<siss...@t-online.de> schrieb:
> Der relativ bescheidene Betrag, mit dem man über gemietete Sender eine
> wenige Stunden dauerndes KW Programm senden könnte, sind "Peanuts".

Die Sender sind größtenteils abgebaut, die Antennen gesprengt, da müßte
man sie erst wieder aufbauen und das ist heute sicher nicht billig. Dazu ist
dann noch die Frage ob es sich lohnt für die wenigen Zuhörer das ganze
aufzubauen.

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Aug 22, 2016, 4:00:28 AM8/22/16
to
Am Sat, 20 Aug 2016 11:03:03 +0200 schrieb Ulrich Onken:

> Ich denke da immer noch an meine kleine Kurzwellenradios (eines im
> Taschenbuch-, eines im Zigarettenschachtel-Format) mit ein paar Metern
> Draht als Antenne: Bis vor knapp zehn Jahren konnte man sich damit
> überall auf der Welt aus mehreren Quellen informieren, unabhängig davon,
> ob da Internet, Mobiltelefone, Sat-Schüsseln oder Stromanschlüsse in der
> Nähe waren. Die Batterien haben über 100 Stunden gehalten.

Einen Sony ICF-SW 1 hatte ich mal auf einer China-Rundreise im Gepäck. Sehr
praktisches Gerätchen.

Grüße,

Frank

Ulrich Onken

unread,
Aug 24, 2016, 4:26:33 PM8/24/16
to
On 20.08.2016 21:30, Frank Müller wrote:

>
> Die Sender sind größtenteils abgebaut, die Antennen gesprengt, da müßte
> man sie erst wieder aufbauen und das ist heute sicher nicht billig. Dazu
> ist
> dann noch die Frage ob es sich lohnt für die wenigen Zuhörer das ganze
> aufzubauen.

Die Kurzwellensender in Jülich und im Wertachtal wurden abgebaut, aber
die in Nauen gibt es ja noch: 4x500 kW und nicht annähernd ausgelastet.
Die Relaisstationen der DW in Übersee wurden zwar auch alle abgebaut,
aber Alternativen wären z.B. das Anmieten von Sendezeiten in Madagaskar
oder bei den BBC-Relais (Ascension, Seychellen). Mit ein paar KW-Sendern
könnte man also technisch problemlos eine weltweite Versorgung rund um
die Uhr auf Kurzwelle wiederherstellen.

Teurer als das TV-Programm, das auf dem jetzigen Niveau sowieso kaum
jemanden interessiert, wäre das auch nicht. Und es hätte den Charme,
dass der Verbreitungsweg unabhängig vom Internet, Mobilfunk und von
Zensurversuchen im Ausland wäre.

Realistischerweise wird das trotzdem eine Illusion bleiben. Die
Schlipsträger im Bundestag, die das heutige Konzept der DW vor ein paar
Jahren mit grosser Mehrheit abgesegnet haben, haben ja Fragen wie Zensur
im Internet oder Katastrophenszenarien nicht mal angesprochen,
geschweige denn bei ihrer Entscheidung berücksichtigt.

Grüsse
Uli

siss...@t-online.de

unread,
Aug 25, 2016, 3:00:59 AM8/25/16
to
Hallo Uli,

Du scheinst ja auch ähnliche Überlegungen wie ich zu haben:

- anmieten von verhandenen Sendern (das tun fast alle noch sendenden Stationen)
- die DW mal wieder erden, d.h. von ihren TV Spielereien, die eigentlich niemanden interessieren, woher die Millionen Zuschauer kommen, ist mir sowieso schleierhaft...
- die Politiker, die die Planungen und das erpresste Gelde (250 MEuro/Jahr) abnicken, bearbeiten (ich bin hier aktiv und brauche Unterstützung > der Kulturausschuss des Bundestags ist hier die Adresse)
- der DW zeigen, daß es noch Radiohörer gibt (CC an DW von Empfangsberichten)
- die DW als Propagandaorgan demaskieren - ich habe hier ein ungutes Gefühl, was nicht alles z.B. Richtung Ukraine (auf Russisch) gesendet wurde...
- es gibt sogar ein Werbeangebot der DW an Interessenten - so bekommt man zusätzliches Geld!

Manfred



Rainer Knaepper

unread,
Aug 25, 2016, 3:27:21 AM8/25/16
to
news-1411...@spamgourmet.com (Ulrich Onken) am 24.08.16 um 22:26:

> Schlipsträger im Bundestag, die das heutige Konzept der DW vor ein
> paar Jahren mit grosser Mehrheit abgesegnet haben, haben ja Fragen
> wie Zensur im Internet oder Katastrophenszenarien nicht mal
> angesprochen, geschweige denn bei ihrer Entscheidung
> berücksichtigt.

Weil kaum noch einer nachhaltig denkt, stattdessen lieber täglich eine
neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Das Volk will beschäftigt werden.

Rainer

--
Wer glaubt, ein Roulettetisch hätte ein Gedächtnis oder die CPUs
hätten sich abgesprochen, ist offensichtlich ein paar Synapsen zu kurz
gekommen. (Benjamin Stenzel in de.comp.hardware.cpu+mainboard.amd
zum Thema Ausfallwahrscheinlichkeit bzw. Lebensdauer von Komponenten)

Peter Thoms

unread,
Sep 6, 2016, 4:57:35 PM9/6/16
to
Am 19.08.2016 um 13:51 schrieb Bernhard Wittek:
>Nicht nur, dass Sender wie der DLF
> mit der eingebauten Teleskopantenne nur an ausgesuchten Positionen im
> Raum ohne Aussetzer empfangbar sind, auch der Energiebedarf des DAB+
> Empfängers ist um ein Vielfaches höher. Während ich mit dem kleinen
> Analoggerät und zwei AA-Akkus ca. 150 Stunden Hörvergnügen hatte,
> benötigt der DAB-RX deren vier, und die halten nicht länger als 4 -5
> Stunden.
Hallo,

ein Sangean DPR69, beladen mit vier Eneloops, ist deutlich besser.


Peter

Peter Thoms

unread,
Sep 6, 2016, 5:14:28 PM9/6/16
to
Am 02.08.2016 um 13:37 schrieb siss...@t-online.de:
> Leider wird die DW zu einem sog. globalen Mediaplayer a la CNN mit viel Geld aufgebauscht (ca. 250 Mio Euro/Jahr) und sendet so gut wie nur noch Fernsehen.
> Zielgruppe sind sog. Entscheider und Multiplikatoren in von der DW definierten
> Gebieten, die mit lokalen Sprachen "informiert" werden. Dadurch soll ein
> Millionenpublikum zustande gekommen sein, gegen das die paar wenigen KW-Hörer
> nichts sein sollen. Deutsch wurde als Primärsprache bei der DW abgeschafft und
> durch Englisch ersetzt.
Hallo,

gerade gestern stellte ich fest, daß die DW am HLRdigi (Hamburger
Lokalradio digital) beteiligt ist (Sponsor).
Es ist nichts großartiges, aber zumindest gibt es vielleicht noch ein
wenig Kurzwelle:

+++
HLRshortwave
Hamburger Lokalradio sendet zu folgenden Zeiten auf Kurzwelle:

Samstag
8- 12 Uhr CET – 6190 KHz
12-17 Uhr CET – 7265 KHz

Sonntag
11- 14 Uhr CET – 9485 KHz

Aktueller Sendeplan ab Samstag, 30.01.2016:
Samstag
08.00 CET 6190 kHz Englisch – Switzerland In Sound
08.30 CET 6190 kHz Englisch – World of Radio – Glen Hauser
09.00 CET 6190 kHz Deutsch
10.00 CET 6190 kHz Deutsch
11.00 CET 6190 kHz Deutsch
12.00 CET 7265 kHz Deutsch
13.00 CET 7265 kHz Englisch – New Letters – Making Contact
14.00 CET 7265 kHz Englisch
15.00 CET 7265 kHz Spanisch – Radio Tropical – Quadriga
16.00 CET 7265 kHz Englisch – Media Network plus
16.30 CET 7265 kHz Englisch – World of Radio – Glen Hauser

Sonntag
11.00 CET 9485 kHz Deutsch
12.00 CET 9485 kHz Englisch – Radio Goethe
13.00 CET 9485 kHz Spanisch – Radio Tropical – Quadriga

Das Hamburger Lokalradio ist ein nichtkommerzieller
Rundfunkveranstalter. Zugelassen als Sparten-Kulturradio durch die MA
HSH. In und um Hamburg ist das wortgeprägte Programm über UKW 96,0 MHz
zu empfangen.

Versuchssendungen wurden auf der Mittelwelle 1242 kHz ausgestrahlt.

Das HLR verfügt über 2 eigene Kurzwellenfrequenzen: 6190 kHz und 7265
kHz. Zugeteilt durch die Bundesnetzagentur.

Ausgestrahlt werden unsere Sendungen über die Sendestelle MV-Baltic in
Göhren bei Schwerin. Das HLR nutzt ebenfalls die MV-Frequenz 9485 kHz.

Die Sendestelle verfügt über drei Kurzwellensender:
2 x rft KSG 1300 (1000 Watt Sendeleistung)
1 x tx am – (150 Watt Sendeleistung)

Ausgestrahlt über einen automatischen Antennentuner und einer
Dreiband-Dipolantenne.

Das Hamburger Lokalradio bestätigt Empfangsberichte mit einer QSL-Karte.
(Rückporto erforderlich) Ausland 1US-Dollar.

Anschrift:
Hamburger Lokalradio
Kulturzentrum LOLA
21031 Hamburg
Deutschland
+++

Peter
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