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Bruderhof-haus Sannerz - zurück zu den Anfängen

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Bruderhof News

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Aug 2, 2003, 8:00:18 AM8/2/03
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Bruderhof-haus Sannerz - zurück zu den Anfängen
Markus Baum

ERF 2, Radio-Sendung am Dienstag, 29.- Oktober 2002, 07.05 a.m.
"FrühStück": Reportage von Markus Baum

Zum Anhören
http://www.bruderhof.com/news/ERF2.mp3

Sieben Jahre, nachdem die Bruderhof-Bewegung ihre Gemeinschaftssiedlung
in Birnbach bei Altenkirchen aufgelöst hat, gibt es wieder ein Bruderhof-
Haus in Deutschland. Und diesmal so nah an den Ursprüngen der Bewegung,
wie das überhaupt nur möglich ist.
Markus Baum berichtet.

Autobahn 66, Abfahrt Schlüchtern-Süd, dann am Ortseingang von Schlüchern
rechts auf die Landstraße 3180 Richtung Sinntal und Brückenau: so kommt
man nach Sannerz.

Sannerz - auch heute noch ein kleines Dorf, nicht viel anders als im Jahr
1920. Die mächtige Backsteinvilla direkt an der heutigen Landstraße - die
gab es damals auch schon, 1906 erbaut von einem gewissen Konrad Paul,
einem Rückwanderer, der es in Amerika zu Wohlstand gebracht hatte. Die
Paulsche Villa - in den 20er Jahren ein Brennpunkt geistlichen Lebens,
ein Hot Spot. Hier nahm die Bewegung ihren Anfang, die heute unter dem
Namen Bruderhof Communities auf drei Kontinenten zuhause ist, und hierher
kehrt die Bewegung nun auch wieder zurück.

"In diesem Haus hier in Sannerz haben Eberhard und Emmy Arnold mit
anderen ihr gemeinsames Leben begonnen und haben so den Grundstein für
unsere Gemeinschaft gelegt", erklärt Richard Scott, Ältester und damit so
etwas wie der Bischof der etwa 2500 Mitglieder zählenden Bruderhof-
Bewegung. Und weiter: "Die Gründer hatten das Haus damals nur gemietet.
Dass wir es nun kaufen konnten, das bringt uns zurück zu den Ursprüngen
unseres gemeinsamen Lebens. Wir hoffen, dass Menschen hier etwas von dem
spüren können, was unsere Mitglieder in den Anfangsjahren erlebt
haben." - Soweit Richard Scott.

Ende Juni dieses Jahres, am Johannistag - da haben die Bruderhöfe die
Paulsche Villa käuflich erworben, und damit auf den Tag genau 82 Jahre,
nachdem Eberhard und Emmy Arnold mit ihrer Familie aus Berlin nach
Sannerz gekommen waren. Von Juni 1920 bis Ende 1926 hat die Villa der
rasch wachsenden Familienkommunität als Quartier gedient, hat Krisen und
Rückschläge und gesunde Entwicklung gesehen, bis das Anwesen schließlich
zu klein geworden war. Zum Neujahrstag 1927 zog die bisher sogenannte
"Neuwerk-Gemeinschaft" um auf die Sparhöfe einige Kilometer nördlich von
Sannerz - und hieß von da an "Bruderhof". Obwohl natürlich auch damals
schon Schwestern - sprich Frauen - dabei waren.

Sophie Löber war die letzte, die noch aus eigenem Erleben von den
Anfangsjahren in Sannerz berichten konnte. Sie ist im April 1924 als
Halbwaise in die Gemeinschaft gekommen, die damals 25 Köpfe zählte."Ich
kam als Kind, ich war 10 Jahre, und habe eine wunderbare Kindheit erlebt
in diesem wirklich einmütigen Kreis. Es war einfach eine bestimmte
Atmosphäre, die ich fast greifen konnte. Ich habe es einfach gespürt.
Eine Atmosphäre, die gewaltiger war als alles andere, was um uns herum
war."- Mittlerweile ist Sophie Löber in hohem Alter verstorben, und so
gibt es nur noch steinerne Zeugen der Anfangszeit - eben jene 15 Zimmer
der Backsteinvilla in Sannerz.

Und es gibt einige alte Leute im Ort, denen hat sich in ihrer Kindheit
die intensive geistliche Atmosphäre um dieses Haus und seine Bewohner
ebenfalls mitgeteilt. Anders ist nicht zu erklären, wie herzlich das
erste Ehepaar vom Bruderhof im August in Sannerz aufgenommen worden ist.
Rosemarie und Daniel Meier kamen mit nicht mehr als zwei Koffern in
Deutschland an. Mittlerweile sind sie zumindest provisorisch
eingerichtet. Daniel Meier: "Das hat uns sehr überwältigt, wie viel Hilfe
wir hier bekommen haben auch von der Nachbarschaft in den nächsten Tagen.
Andauernd kamen Leute und haben was gebracht.”

Kontakte ins Dorf, zur Kirchengemeinde am Ort und zur Großgemeinde
Sinntal und ihrem Bürgermeister sind bereits geknüpft; etwaige Sorgen
über die zukünftige Nutzung des Anwesens haben die Bruderhöfer schon im
Ansatz ausgeräumt. So erklärt Richard Scott ausdrücklich: "Wir wollen,
dass Menschen hierher kommen können und verstehen lernen, was an unserem
Gemeinschaftsleben wesentlich ist.Wir wollen hier eine Art Bruderhofhaus
einrichten - das ist unser Ziel. Wir denken in keiner Weise daran, hier
eine Kommunität im eigentlichen Sinn zugründen", sagt Richard Scott.

Die Bruderhöfe sind also nach sieben Jahren wieder zurück in Deutschland
- aber nicht wie zuletzt in Birnbach im Westerwald, wo man sich um den
Aufbau einer großen Familienkommunität mit eigenen Werkstätten und
eigener Schule bemüht hatte. Das Bruderhofhaus in Sannerz wird ein oder
zwei Ehepaaren und ein paarAlleinstehenden Wohnraum bieten, und das
werden in der nächsten Zeit vor allem Leute mit handwerklichem Geschick
sein müssen, denn nach jahrelangem Leerstand ist die Paulsche Villa und
das Gelände drumherum in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Noch einmal
Daniel Meier: "Die Hauptsache ist jetzt, dass wir dieses Haus wieder
wohnbar machen, in Ordnung bringen, besonderes das Dach - wahrscheinlich
müssen wir es erneuern - dass es wieder bewohnbar wird. Das ist die
Hauptaufgabe. Und natürlich haben wir eine offene Tür für alle, die uns
besuchen wollen, die mithelfen wollen - also alle herzlich willkommen.“

© Evangeliumsrundfunk Wetzlar - www.erf.de

Bruderhof-Haus Sannerz
http://www.sannerzbruderhof.de/sz/index.htm

Bruderhof-Gemeinschaften
http://www.bruderhof.com und http://www.derbruderhof.de

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