nach bald zwei Wochen Oster- und Hexenpause, aus düster rauchigem
Opferfeuer fünf weitere Zauberteile von:
Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!
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Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.
Euer MANNIE MANIE
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ABERMAL (giftmärchen) Teil 120
Hoch ragte Schattenriss bis zum Himmel, mit schwarzem Gipfel in Wolken,
sperrte Sonnenlicht weg. Kein Erschrecken, nachdem er die Stimme
unzweideutig erkannte. Nur Lähmung und Gewissheit. Eingetreten, was seit
Tagen befürchtet, verstohlen darum gebetet, es geschehe nicht. Stets
gleichzeitig bewusst, letztlich führe sowieso kein Weg daran vorbei. -
Wieder unter sklavende Albenherrschaft geraten!
Breitbeinig aufgebaut stand der Alp, ließe ihn nicht mehr entkommen. So
richtig konnte Erfried dessen Gesichtszüge im Gegenlicht nicht ausmachen. Es
blieb jedoch kein Zweifel, wer auf ihn herunter blickte. Erstarrt,
schweigend und ausdruckslos sah er den Alp an. Welche Worte sprechen? -
Guten Tag, Ingomar!?
Das Unpassendste, was über seine Lippen geriete. Der Junge konnte auch
nicht, hielt unwillkürlich Luft an, als wolle er mit Verhinderung weiteren
Atems gleichzeitig abwenden, die Zeit fließe weiter, schriebe
unausweichliche Folgen endgültig fest. Gedanken rasten wie verrückt herum,
vollführten Sprünge und Kapriolen, verwirrten zu unlösbaren Knäueln.
"Hej, Erf, junger Freund, hat's dir die Sprache verschlagen oder was ist
los?" Verwunderung klang aus Ingomars Frage.
Innerlich empörte der Junge, weshalb sein Gegenüber denn frage und auch noch
verwundert? - Wie kann der so fragen? Wie kann der sich wundern? Was
erwartet der denn, nachdem er mich in eine Falle lockte und elend verriet?
Weiterhin brachte er kein Wort heraus, holte aber endlich wieder Luft,
nachdem es in der Lunge bereits brannte, keinen Zeitstillstand herbeiführte.
Ohnehin nur hilflose Verhaltensweise mittlerweile geschwundenen Kindes,
welches in früheren Jahren glaubte, Atemverweigerung stoppe Fortlauf
unliebsamer Ereignisse. Schon damals herb enttäuscht festgestellt, wie sehr
das misslang, erst recht auf so kindhafte Art und Weise.
Am liebsten wollte er Ingomar anspringen, auf ihn eingeschlagen, Augen
ausstechen, in dessen Eier treten. Doch Erfried konnte seine Lähmung nicht
abschütteln. Nun verschlug hochschießender Zorn über eigene Ohnmacht die
Sprache. Nur erbärmlich den Kopf schütteln gelang und allen Trotz und
Widerstand darin legen.
"Mensch, Erf, was ist denn mit dir los? Geht's dir nicht gut? Bist du
krank?" Ingomars lastender Schattenwurf verschwand, überließ durchs
Blätterdach blinkenden Sonnenstahlen ihren angestammten Platz. Der Alp saß
jetzt neben dem Jungen auf der Parkbank, sah ihn forschend seitlich an. "Sag
doch was, Erf!" forderte er fast herrisch. "Mit dir ist doch was nicht in
Ordnung! Was ist denn los? Kann ich dir helfen?"
"Helfen?!" brach es mit Urgewalt heraus. Ungebremst raste Wut hoch. Er
sprang auf, ballte seine Fäuste und schrie den Alp an: "Du willst mir
helfen?! Wobei denn?! Willst du mich wieder dorthin schleppen, wohin du mich
vorher mit deiner Heuchelei und Verlogenheit hingelockt hast?! Wieder in
diese teuflische Falle, in euer verfluchtes Haus?!"
Leute auf Nachbarbänken sahen verwundert über solch lautstarken Ausbruch
herüber, schauten aber rasch wieder weg. Was ging sie der Zank eines
Halbwüchsigen mit einem jüngeren Mann an, wenn letzterer offenbar nicht
gewalttätig wurde?
"Na höre mal!" brachte Ingomar überrascht vom Wutanfall des Jungen heraus.
"Was soll das denn heißen? Würdest du mir das bitte mal erklären?"
"Tu' doch nicht so, als wüsstest du nicht ganz genau, was da abgelaufen
ist!" schrie der Junge voller Hass holte aus und schlug geballte Faust zu.
Aber der Alp erfasste im Bruchteil eines Augenblicks was folgen sollte.
Blitzartig schnellte seine Hand vor, schnappte Erfrieds Handgelenk, hielt es
hart umklammert, verdrehte dem Jungen geschickt und kraftvoll den Arm und
zwang ihn gegen dessen vergeblichen Widerstand schmerzhaft auf die Parkbank.
Albenschnell! Ohne heftige Schmerzen konnte Erfried nichts mehr rühren,
hoffnungslos diesem Finsterwesen unterlegen. Auch für Ingomars gewöhnliche
Menscheneigenschaften gelte es ähnlich, wenn auch nicht dermaßen
niederschmetternd.
"Wage es nicht noch einmal, mich schlagen zu wollen!" Drohende gesprochene
Worte ließen keinen Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit. "Bei allem Verständnis
und aller Freundschaft, Erfried! Solltest du das noch einmal versuchen, dann
lernst du mich von einer sehr unfreundlichen Seite kennen!"
Ingomar brauchte angehende Halbwüchsige wirklich nicht fürchten, ebensowenig
gleichaltrige Gegner. Lediglich jemand wie Gerd Wesseling nähme es mit ihm
hinreichend leicht auf, bestimmt überlegen. Vorausgesetzt: Kein Alp, sondern
ein ganz normaler Mensch! Kein Mensch konnte einen Alp verprügeln oder
sonstwie Gewalt antun. Der Junge gab seine Gegenwehr auf, starrte mit
blassem Gesicht nach unten. Mit körperlicher Gewalt liefe ohnehin nichts.
"Und jetzt sagst du mir mal bitte was los ist!" forderte Ingomar
unmissverständlich. "In was für eine Falle soll ich dich mit List und Tücke
gelockt haben, bitte?"
"Gundram!" stieß der Junge wild und trotzig heraus.
"Was ist mit Gundram?"
"Dein Bruder ist die Falle!"
"Wie kommst du denn da drauf?"
"Du hast ihn mir doch wie Sauerbier schmackhaft gemacht, mich ihm
ausgeliefert!"
"Rede bitte keinen Unsinn, Erfried! Ihr seid beide in eurer geistigen und
körperlichen Entwicklungsstufe weitgehend gleich. Was liegt da also näher,
als zwei nette Jungen miteinander bekannt machen damit sie sich
möglicherweise anfreunden?"
"Anfreunden!" Ätzender Hohn triefte aus Erfrieds Stimme, voller Widerwillen
zerdehntes Wort. "Ja, so kann man Sklaverei auch nennen, Schwarzalp!"
Mit blitzenden Augen sah Ingomar dem Jungen scharf ins Gesicht. "Ich
verstehe immer noch nicht worauf du hinaus willst, obwohl du offenbar
glaubst, dass ich es wissen müsse. Was für Sklaverei und warum ausgerechnet
Schwarzalp? Wieso legst du es unbedingt darauf an zu beleidigen?"
"Darum geht es!" Erfried riss seinen rechten Ärmel zurück und zeigte Ingomar
von Gundrams Fingernagel gekerbten Blutschnitt.
"Ja, und? Ihr habt Blutsbrüderschaft geschlossen! Das haben doch alle
zusammen mitgekriegt", bemerkte der Alp nach kurzem Hinschauen.
"Wir nicht! Er hat! Gundram hat mir das aufgezwungen, mich gar nicht
gefragt, mich damit unter seinen Willen gezwungen, mich zu einem Stück
Fleisch, zu seinem Sklaven gemacht! Und ihr Finsterlinge habt alle zugesehen
und euch auch noch wie Diebsgespenster darüber gefreut! Und du hast das
alles eingefädelt..."
"Also jetzt mach' aber mal halblang!" unterbrach Ingomar. "Willst du damit
sagen, dass eure Freundschaft gegen deinen Willen..." Er verstummte
plötzlich. In seinen Augen erschien unerwartet sanfter Ausdruck. "Ich
glaube, jetzt verstehe ich langsam worauf du anspielst."
"Ach, Ingomar! Tu doch nicht so scheinheilig." Unaussprechliche Traurigkeit
lag in Erfrieds Stimme. "Jeder bei euch im Haus muss doch gewusst haben, was
in dieser Nacht ablief. Erzähle mir doch nicht, dass es nicht so ist. Das
glaube ich dir nicht!"
"Natürlich haben alle gewusst, was zwischen euch beiden abläuft. Meine Güte,
was tun Jungen in dem Alter miteinander oder auch noch als Erwachsene, wenn
sie in einander ins Herz geschlossen haben und in einem Bett liegen?
Händchen halten und Gedichte aufsagen?" Ingomar lachte. "Also das habe ich
damals auch schon nicht mehr gemacht und mich an ganz andere Sachen
herangepirscht. Und bitte behaupte nicht, dass du mit deinen Altersgenossen
nicht schon ganz ähnliches getrieben hast. Das nehme ich dir wiederum nicht
ab. Nicht, nachdem du mich damals im Badezimmer so anschautest. Du weißt was
los ist und sahst alles andere als widerwillig aus. Ich war es früher auch
nicht, bin es heute nicht, habe aber hauptsächlich andere Vorlieben, nämlich
erwachsene Frauen. Aber als ich in eurem Alter war..."
"Kannst du nicht verstehen oder willst du nicht, Schwarzalp? Darum geht's
doch nicht! Wenn's nur das alleine gewesen wäre, dann wär's mir doch
wirklich wurscht. Aber so..."
"Nenn' mich nicht Schwarzalp!" verbat Ingomar scharf. "Ich bin kein
Schwarzalp oder das was du darunter verstehen magst!"
"Ihr seid Alben!" widersprach der Junge trotzig.
Fortsetzung folgt
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(c) 1999 Mannie Manie