nach bald zwei Wochen Oster- und Hexenpause, aus düster rauchigem
Opferfeuer fünf weitere Zauberteile von:
Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!
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Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.
Euer MANNIE MANIE
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ABERMAL (giftmärchen) Teil 122
"Na, was ist, Erf? Du siehst mich so eindringlich an. Fällt der Groschen
jetzt bei dir? Aus mir jetzt völlig verständlichen Gründen, hast du in allem
was geschah, was Gundram machte oder sagte, was alle anderen taten oder
nicht, nichts als feindlichen Vernichtungswillen sehen können. Und die
Feuerfeier muss dir als grausig finstere Machenschaft vorgekommen sein, auch
ohne Blutopfer. Ich habe dich eben nicht dazu gezwungen, mir deinen gesamten
Kummer zu erzählen, Erf. Du musst doch zugeben, dass jemand mit solcher
Macht alles mit anderen veranstalten kann, ohne dass es denen sogar
auffiele, nicht wahr?"
Der Junge nickte kaum merklich. "Ganz falsch kann das nicht sein, was du
eben gesagt hast. Ich werde jetzt also nach Hause gehen."
"Nichts und niemand von uns wird dich daran hindern. Schon gar nicht ich!
Auch wenn's mir leid tut, dich so einfach deinem Kummer zu überlassen. Aber,
wenn du willst... Bitte, geh nach Hause. Auf Wiedersehen, Erf!"
Erfried stand auf, nickte kurz und ging weg. Wenige Schritte später rief ihm
Ingomar nach: "Du hattest bei uns deinen Schlüsselbund liegen lassen!"
Der Junge blieb stehen wandte nur wenig den Kopf halb rückwärts. "Der wird
ja bei euch wohl nicht verloren gehen, oder?"
"Nein, das nicht! Aber ich habe ihn hier!" Ingomar hielt einen Schlüsselbund
hoch, klingelte damit vernehmlich herum.
Erfried schaute jetzt zurück. Sein Schlüsselbund! Jedenfalls sah es auf
diesen Abstand so aus. Er ging zur Bank. "Dann kann ich ihn doch sicher auch
gleich wiederhaben, oder?"
"Aber selbstverständlich! Darum habe ich ihn doch dabei. Ich wollte ihn
eigentlich bei euch in der Bachgasse abgeben oder mit einer kurzen Nachricht
in euren Briefkasten werfen, sollte niemand zuhause sein." Ingomar hielt dem
Jungen den Schlüsselbund hin.
"Danke!" Erfried steckte das metallen klirrende und klimpernde Gebinde in
die Hosentasche.
"Gundram fand ihn im Badezimmer und dachte gleich, es muss dein
Schlüsselbund sein. Eigentlich wollte er ihn dir selbst zurückgeben, dachte
und hoffte aber wohl, du kämst sowieso am nächsten Tag vorbei. Er wollte
nicht aufdringlich erscheinen und gleich wieder bei euch in der Bachgasse
einfach aufkreuzen, nachdem er und ich am Sonntag dort deine Frau Mutter
besuchten. - Eine sehr liebenswürdige Frau, übrigens. Aber wohl ein bisschen
altmodisch, wie? Sie darf und soll bestimmt nicht alles wissen, was du so
erlebst und treibst, stimmt's? Wahrscheinlich will sie es auch gar nicht so
genau wissen oder hätte kein Verständnis dafür. Sie ist wirklich sehr
gutbürgerlich."
Erfried ging auf Ingomars letzte Bemerkungen nicht ein. "Dein Bruderherz
wollte nicht aufdringlich erscheinen? Wie denn das? Der ist doch sonst in
allen Dingen so forsch", triefte hohnvoll aus seinem Mund.
"Jetzt weiß ich natürlich woran das lag. Und ich nehme an, Gundram schwante
so langsam, welchen Mist er veranstaltete und traute sich nicht, dir zu
begegnen. Wir anderen haben uns nichts dabei gedacht, nahmen an, du würdest
ohnehin wiederkommen wollen, obwohl wir es etwas unverständlich fanden,
weshalb du so sang- und klanglos verschwunden warst. Dass du dich nicht mehr
meldetest und ausbliebst, schrieben wir dem Umstand zu, du seist anderweitig
eingespannt. Und heute musste ich sowieso in diese Richtung, wollte das mit
dem Schlüsselbund dann gleich mit erledigen."
"Danke dir!" sagte Erfried knapp, Gerd Wesseling in Gedanken, welcher nie
wieder am Bahnhof aus jenem klapprigen kleinen Firmenbus stiege. Nie wieder
säßen sie hier zusammen auf Parkbänken und schauten mit glänzenden Augen in
Hefte mit Schmuddelbildern, lachten miteinander. Nie wieder träfe er Gerd
auf jener verwunschenen Zauberlichtung. Er wollte rasch davon und nach
Hause, mochte Trauer und Schmerz hier niemandem öffentlich zeigen, tat erste
Schritte auf dem Durchgangsweg der kleinen Grünanlage.
"Du hast ihn gesehen, nicht wahr?" Ingomars Stimme eindringlich dunkel von
hinten.
Mitten in ausgreifendem Schritt verhielt Erfried, setzte ganz langsam
erhobenen linken Fuß zu Boden. Ebenso langsam wendete er, stand wie
festgewachsen, starrte Ingomar mit offenem Mund und bleichem Gesicht an,
wusste sofort, worauf der andere anspielte, wollte es aber auf keinen Fall
wahrhaben. "Wen soll ich gesehen haben?"
"Den, der die Helligkeit mitnimmt!"
"Was meinst du damit?"
"Du weißt was ich meine, Erf! Du bist ihm begegnet. Ich kann es spüren.
Schon meine Mutter merkte es genau, als du sie den einen Nachmittag im
Garten antrafst. Wir alle können es sehen und fühlen. Auch Gundram
selbstverständlich, weshalb er wohl meinte, keine Zeit verlieren zu dürfen
und sich dann so schwachsinnig anstellte, dir damit Angst einjagte. Man
sieht es auch an deinen Augen. Sie haben winzige schimmernde Schlieren
seitdem bekommen. Ich wollte dich bei unserer ersten Begegnung warnen. Er
oder es versteckt sich im gleißenden Licht und hinter dem was du
Elfenbrücken nennst, die in den Lichtbahnen tanzenden Stäube. Dort ist sein
Platz, dort bemerkt ihn kaum wer."
"Wenn ihr das wisst, warum warnt ihr die Leute dann nicht?" Vorwurfsvoll
blickte Erfried.
"Wer würde das glauben? Du weißt doch jetzt selbst wie es ist. Du hast dich
ebenfalls nicht getraut etwas darüber zu sagen, weil du fürchten musstest,
man hielte dich im günstigsten Fall für überspannt, wahrscheinlicher aber
für einen Spinner oder Lügner."
"Und warum unternehmt ihr nichts dagegen?" Erfried kehrte wieder zur Bank
zurück, schaute auf Ingomar herunter.
"Wir können ihn nicht sehen! Nur seine schattenhafte Gegenwart nehmen wir
wahr und seine raubenden Auswirkungen."
"Was? - Das glaube ich nicht! Inzwischen weiß ich nämlich, dass schon eure
Vorfahren vor Jahrhunderten sich des Glanzdiebs bedienten oder mit ihm unter
einer Decke steckten. Auch die Grafen von Dahlendorf spielten dabei ihre
ungute Rolle. Das stimmt doch oder willst du es abstreiten?"
"Du hast dich kundig gemacht? Sehr gut!" stellte Ingomar befriedigt fest.
"Glanzdieb nennst du ihn? Eine sehr gute und treffende Bezeichnung. Aber es
ist nicht ganz so, wie du augenblicklich meinst. Sie bedienten sich
keineswegs des Glanzdiebes. Es gab einen Kampf. Unsere Ahnen mussten mit
dieser finsternden Macht letztendlich Ausgleich finden. Das war so, ist so
und wird immer so sein. Alles hat seinen Widerpart."
"Der Räuber der Farben steckt euch allesamt also in die Tasche?" höhnte der
Junge.
"Ganz so ist es auch wieder nicht. Nichts und niemand ist allmächtig. Nichts
und niemand kann alles, weiß alles oder sieht alles. Jeder hat in dem großen
Spiel seine Rolle auszufüllen, nimmt den jeweiligen Platz nach seinen
Fähigkeiten ein. Man braucht Verbündete, muss miteinander übereinkommen,
gewissermaßen Absprachen treffen, Verträge schließen. Am besten sind
selbstverständlich Freundschaften oder andere Liebesbande."
Erfrieds Gesicht verriet, wie heftig es hinter seiner Stirn arbeitete. Leise
fragte er dann misstrauisch: "Habt ihr mir etwa eine Rolle zugedacht, weil
du von Freundschaften redest?"
"Ja. Aber eigentlich nicht wir. Du hast eine Fähigkeit, derentwegen keiner
von uns wirklich eine Wahl hat, wollen wir nicht zusammen das Spiel
verlieren. Also spielen wir es doch mit Gefühlsbanden, mit Freundschaft und
Liebe. Was gäbe es für uns alle besseres?"
"Pfff! Quatsch! Was für eine Fähigkeit sollte das denn sein?"
"Du kannst den Räuber der Farben sehen! Und allein kannst du ihm auf keinen
Fall etwas entgegensetzen. Du brauchst Verbündete. Es ist nicht so wie in
den bunten Bilderheftchen, wo irgend so ein Superheld in komischen Klamotten
hochdramatisch die Welt oder gleich das ganze Universum vor dem finstern
Bösewicht errettet. Das ist alberner Kinderklamauk. Wir brauchen dich auch
bei uns, wegen deiner Gabe."
Erfried sah ihn starr an. "Na gut", sagte er nach ungläubig nachdenklicher
Weile. "Aber du sagtest doch, dass ihr ihn zumindest schattenhaft bemerkt.
Und seine Auswirkungen müssen doch auch bis zu euch gedrungen sein. Wieso
habt ihr nichts unternommen?"
"Wir haben es als solches nicht gleich eingeordnet. Wir wussten nur, es
müsse irgendwann wieder soweit sein. Wie ich aber schon sagte: Niemand kann
stets alles und niemand weiß immer alles! Wir leben unser Leben auch gern
unbeschwert. Wer möchte das denn nicht? Man mag nicht dauernd auf der Hut
sein, möchte lieber das Leben genießen, anstatt zu jeder Zeit und an jeder
Ecke misstrauisch Ausschau halten. Und wir haben dann auch etwas
unternommen. Das Feuerfest in den Wällen, welches dir ebenfalls soviel Angst
einjagte, diente hauptsächlich dazu, einen Schutzbereich zu stärken und
zugleich weiter ausdehnen. Aber es geht nicht mit einem Mal und überall hin.
Der Räuber der Farben raubte Sonntag bereits wieder ein Opfer."
Schmerz fraß in der Seele des Jungen. Er sank kraftlos auf die Bank, blickte
starr zu Boden. "Ein Opfer...", sagte er dann tonlos. "Meinen Freund hat er
umgebracht."
Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie