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ABERMAL (giftmärchen) Teil 121

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Mannie Manie

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May 3, 2000, 3:00:00 AM5/3/00
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Hallo liebe Leute,

nach bald zwei Wochen Oster- und Hexenpause, aus düster rauchigem
Opferfeuer fünf weitere Zauberteile von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

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oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

****************************************************************

ABERMAL (giftmärchen) Teil 121

"Alben, Alpe, Elfen, Elben! Das sind Worte, Bezeichnungen für ein und
dasselbe, für Wesen die zwischen Welten wechseln und zauberische Kräfte
lenken können. Ich gebe gerne zu, dass ich, dass wir alle, unsere Familie,
die ganze Sippe und die Freunde unseres Hauses keine Leute wie Schmidt,
Müller oder Meier sind. Und wir gleichen bestimmt auch nicht gutbürgerlichen
Bildungsleuten, wie Doktoren oder gar adligen Herrschaften. Aber
Schwarzalben, also üble Finsterlinge aus jenseitigen Gefilden -
Nachtmahre! - sind wir ganz sicher nicht!"

"Da war aber nichts mit ins Herz geschlossen! Gundram hat mich versklavt,
meinen Willen einfach ausgeschaltet. Wie er das gemacht hat weiß ich nicht.
Aber ich weiß, dass es damit anfing." Anklagend hielt Erfried abermals den
Arm mitsamt gerötet verschorfter Schnittwunde sichtbar.

Ingomar sah genau hin und nickte, ließ jetzt auch Erfrieds Handgelenk wieder
los, behielt aber dessen Hand in seiner. "Ich ahne was sich abgespielt hat.
Aber erzähle mir mal bitte vorher selbst, was nach deinem Eindruck alles
passiert ist."

Jetzt sprudelte heraus, worüber Erfried bislang mit niemandem sprechen
konnte, verschwieg nichts, hielt keine Meinung oder Ansicht hinterm Berg.
Allerdings verstand er nicht so ganz, wieso er es ausgerechnet diesem Alp
Ingomar freimütig beichtete, begriff eigenes Verhalten nicht. - Der ist ein
Alp, samt seiner ganzen Sippschaft und allen Besuchern des Hauses an der
Ronnburg! - Kein einziges Mal unterbrach Ingomar, lauschte aufmerksam,
nickte verstehend, zeigte Mitgefühl, tat jedenfalls so. - Spielte er alles
nur geschickt vor? - Erfried kümmerte es in diesem Augenblick nicht, redete
und berichtete, ließ nichts aus, auch nicht abseitigsten Verdacht und
wildeste Vermutungen.

Am Ende des Berichts meinte Ingomar nach einigem Schweigen: "Jetzt kann ich
mir lebhaft vorstellen, was du ausgestanden hast. Es muss wirklich
schrecklich für dich gewesen sein. Armer Erf!" Freundschaftlich und tröstend
drückte er Erfrieds Hand. "Aber auch wenn du es mir nicht glauben willst,
kann ich dir nur versichern, dass es nicht so ist, wie es dir vorkommt.
Gundram hat eindeutig Mist gemacht, ist übers Ziel hinausgeschossen. Daran
gibt's gar nichts zu deuteln! Und dem Bengel werden ich und auch meine
Eltern gehörig den Kopf zurechtrücken. Das verspreche ich dir. Ich sagte dir
wahrscheinlich schon, Gundram sei kein alltäglicher Bursche und weise
besondere Merkmale auf. Dazu gehört, was du erlebtest und dir diese
höllische Angst einjagte. Aber aus Bosheit hat Gundram es ganz bestimmt
nicht gemacht. Bitte glaube mir das, auch wenn's dir jetzt sehr schwer
fällt. Du solltest mal hören, wie Gundram von dir spricht. Bei dem hast du
einen mächtigen Platz im Herz."

"Und warum machte er das dann auf diese scheußliche Tour?"

"Wahrscheinlich aus Angst."

"Aus Angst? Der?"

"Ja natürlich! Er wusste von den ersten Augenblicken an, dass du sein lange
gewünschter Gefährte bist. Gundram fürchtete wohl, es ginge anders nicht,
spielte seine besonderen Fähigkeiten voll aus, wollte diese Möglichkeit
nicht einfach verstreichen lassen. - Erfried, Gundram würde lieber sterben,
als zulassen, dass dir etwas zustößt!"

"Aber man kann sich doch einen Freund nicht einfach wie... wie... wie einen
willenlosen Sklaven halten! Ich bin doch kein Stück Holz!" Empört fand
Erfried erst keine treffenden Worte.

"Nein, das bist du wirklich nicht, wenn ich dich so ansehe! Ich glaube, das
hat er auch nicht tatsächlich vorgehabt, meinte wohl, als Anfang sei es in
Ordnung und alles andere käme dann schon von allein."

"Bei so einer Scheißangst?"

"Da hat er sich eben verrechnet, in seiner unreifen bis kindlich
bengelhaften Vorstellung. Wahrscheinlich war er überzeugt, dir mit dieser
blödsinnigen Gängelung einen leichteren Weg in sein Leben, in sein Umfeld zu
bahnen. Du wirst zugeben, dass wir allesamt keine alltäglichen Weltbürger
sind und einen Lebenswandel führen, von dem sich unbedarft Beobachtende
womöglich nicht gerade angesprochen fühlen. Dazu gehört eben auch, dass wir
sehr freizügig denken und Freundschaftsverbindungen nur danach beurteilen,
ob es denn auch mit dem Herzen ist. Alles andere zählt da nicht, solange
keiner zu etwas gezwungen wird, was der oder die Betreffende auf keinen Fall
wollen."

"Ich bin aber gezwungen worden! Zwar nicht mit roher Gewalt, aber anders!
Und ich wollte nicht!", trotzte Erfried aufbrausend.

"Nun ja, nicht so. Daran habe ich keinen Zweifel. Aber das was zwischen euch
ablief, hättest du unter anderen Umständen doch sicher nicht abgelehnt oder?
Mir ging es in eurem Alter ganz ähnlich. Tja, und da dachte ich eben, dass
ihr für einander geeignet seid, zumal es schwierig, sehr schwierig sein
kann, jemand Ebenbürtiges finden."

"Ebenbürtig? Wenn der solchen ekligen Zwang ausüben kann und es auch einfach
tut?"

"Jeder hat seine besonderen Gaben und zugleich seine eigenen
Fahrlässigkeiten und Fehler. Gundram hat jene und du hast andere, wie ich
weiß. Und bedenke mal, dass auch Elfen oder Alben, wie du uns schimpfst,
ihre Mucken, Wünsche und Sehnsüchte haben. Elfen sind eben ganz und gar
nicht die holden Feenwesen aus einem Rosenbusch entsprungen, die einem dann
drei Wünsche gewähren und erfüllen. Das ist eine albern romantische
Verdrehung aus dem letzten Jahrhundert. Du kennst das doch sicher auch aus
alten Sagen und Märchen. Auch in Sagen oder Märchen sind Elfen oft nicht
jene unschuldig liebreizenden Duftwesen aus hauchzarten Gespinsten, sondern
vielfach sogar sehr misslaunige Zeitgenossen, welche zuweilen ausgesprochen
rüde untereinander oder mit Menschen verfahren. Dagegen ist so ein
unverfrorener Lümmel wie Gundram noch ausgesprochen zahm, trotz seiner
besonderen Gaben, womit er gern unbedacht herumspielt. Ich kann dir nur
versichern, dass er nicht boshaft ist. Allerdings kann ich mir vorstellen,
wie schwer es dir fällt, es jetzt zu glauben, kann es dir auch nicht
verdenken."

"Ich glaube es auch nicht!" knurrte der Junge, fühlte aber schwach
Verunsicherung aufkeimen. Wollte Gundram nicht den ganzen grässlichen Abend
etwas sagen? - Er wusste es nicht mehr genau.

"Bedenke bitte, wenn man in einem solchen grauenvollen Angstzustand ist, wie
du ihn leider erlebtest, wird alles zur schreienden Gefahr für einen selbst
gedeutet. Die hilfreichste Geste, das freundlichste Wort, das
liebenswürdigste Lächeln und sogar eine ganz und gar ehrliche
Liebeserklärung geraten zur grausigen Bedrohung, auch wenn es in
Wirklichkeit ganz anders ist. Was unter anderen Umständen harmlos oder sogar
sehr schön, lustig oder albern erscheint, jagt einem dann nur noch eiskalte
Furcht ein. Glaubt man ganz fest, man werde von harmlosem Pudding krank,
dann wird man irgendwann davon auch krank! Das ist so, glaube mir, Erf!
Wären ich oder Gundram solche grässlichen Alpe wie du denkst, dann hätte ich
eben sicher Mittel und Wege gewusst, alles ganz einfach zu unterdrücken.
Glaubst du, ich fand deinen lautstarken Aufstand vorhin sonderlich angenehm?
Meinst du wirklich, wenn ich, wenn wir finstere Jenseitswesen wären, dann
ließe einer von uns es zu? Nicht einen Gedanken daran könntest du fassen!
Keinen Mucks machen!"

Überrascht sah der Junge den Alp an. Dessen Einlassung, er habe in seiner
Angst alles und jedes als Bedrohung und Bosheit gedeutet, klang folgerichtig
und stimmig. Einmal einen schmerzhaften Stromschlag erhalten, fürchtet man
jedes Kabel und jeden Stecker und alles was an Strom erinnert. Gebrannte
Kinder scheuen das Feuer... Dennoch schwieg er beharrlich. Gedanken jagten.

Ingomar hat eigentlich recht damit! Meine Ansicht über die Alben kann nicht
ganz stimmen! - Mit den verfolgten Hexen im Mittelalter verlief es ähnlich.
Bei derartigen Zauberkräften landeten diese armen Frauen und Männer niemals
vor der Inquisition oder einem anderen Gericht. Wer sollte gegen sie etwas
ausrichten, so mächtig und so böse wie ihnen angelastet? Das ginge alles gar
nicht, weil solche Hexen ganz sicher Mittel, Wege und Künste wüssten,
mithilfe derer ihnen niemand auf die Schliche käme.

Es sei denn... ja, es sei denn, ihre Feinde verfügten selbst über derartige
dunkle Fähigkeiten. - Dann unterschied sie nichts! Sie räumten nur
unliebsame Konkurrenz aus dem Wege, wonach sie ungehindert schalten und
walten konnten. Entweder einfach nur boshaft und verlogen oder schlicht
verblendet, nimmt man noch Bestes an. Aber sind Leute, welche anderen solche
grauenvollen Qualen antun oder antun lassen, nur verblendet? - Kaum! Dazu
muss man grausam, kaltherzig und herrschsüchtig sein, wenn nicht gar ganz
einfach böswillig.

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie

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