nach bald zwei Wochen Oster- und Hexenpause, aus düster rauchigem
Opferfeuer fünf weitere Zauberteile von:
Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!
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Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.
Euer MANNIE MANIE
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ABERMAL (giftmärchen) Teil 123
"Deinen Freund? Soweit ich weiß, war der Tote in den Gebüschen der großen
Grünanlage ein erwachsener Mann", verwunderte Ingomar.
"Gerd Wesseling! Ringer und Ringertrainer! Ja natürlich war der erwachsen
mit seinen sechsundvierzig Jahren! Er war aber trotzdem mein Freund! Ein
ganz besonders guter sogar! Und jetzt ist er tot", fuhr Erfried den jungen
Mann aufgebracht an. "Vorhin erst habe ich das erfahren. Ich wollte Gerd
treffen und mit ihm reden, aber er kam nicht in dem kleinen Bus mit, wie
sonst immer. Ein Arbeitskollege von ihm hat mir dann gesagt, Gerd sei tot.
Verdammtnochmal!"
"Meine Güte, Erf", sagte Ingomar mitfühlend und legte dem Jungen sacht eine
Hand auf die Schulter. "Jetzt kann ich erst richtig verstehen, was du
ausgestanden hast. Das tut mir wirklich leid!"
Bedrücktes Schweigen umschlang beide. Rings um die kleine Grünanlage am
Bahnhof brodelte lautstarker Verkehr, dröhnten Motoren, gellten immer wieder
Hupen, schwirrten Stimmen, tappten eilige Schuhsohlen knirschend über den
Durchgangsweg. In regelmäßigen Zeitabständen reihten an nahen Ampeln Autos
zu blechern gekerbten Schlangen, bollerten Motoren im Leerlauf, heulten oder
brüllten grob auf, sobald das Licht auf Gelb und schließlich zu Grün sprang.
Ungeduld von allen Seiten. Rastlos huschten Menschen gleich fliehenden
Umrissen durch ihre Umgebung. Auch auf den anderen drei Bänken, wechselten
Ruhesuchende in erstaunlich rascher Folge.
Still saßen Erfried und Ingomar nebeneinander. Keiner sagte ein Wort. Was
soll man zu tiefen Seelenwunden sagen? - Ich fühle mit dir? Es ist so
schrecklich? - Plappernde Nutzlosigkeiten!
Schließlich brach Ingomar sachte das bedrückende Schweigen. "Soll ich dich
nach Hause begleiten, Erf?"
Der Junge schüttelte nur mit dem Kopf, blickte seinem Banknachbarn lange und
forschend ins Gesicht. "Wer seid ihr wirklich, ihr Perchtens? Ihr seid doch
nicht bloß eine sehr alte Sippe, älter sogar als die Grafen von Dahlendorf.
Wahrscheinlich viel älter als diese. Da ist doch noch etwas anderes."
"Wir sind die Wächter."
"Wächter? - Schöne Wächter seid ihr mir! Ziemlich schlafmützige Wächter,
wenn du mich fragst. Vielleicht solltet ihr besser Nachtwächter werden."
Ingomar lächelte etwas gequält. "Nun sei doch nicht so streng, bitte. Keiner
von uns konnte genau wissen, wann der Farbenräuber kommen wird. Es gab
Anzeichen. Aber den genauen Zeitpunkt kennt man natürlich nicht. Der meldet
sich doch nicht bei uns an oder macht sonstwie eine Ankündigung. Wir haben
es nicht mit einem bösen Blödian zu tun, sondern mit einer uralten, sehr
schlauen und klugen Macht."
"Und was sollt ihr bewachen, ihr Schlafmützen?"
"Wir bewachen das Tor."
"Was für ein Tor denn?"
"Das ist nicht so ganz leicht erklärt, Erf. Aber kurz beschrieben: Es ist
ein Tor in andere Ebenen! Wir bewachen es gegen Missbrauch. Der Lichtfresser
würde sich freuen, wären wir nicht da. Da hätte er sehr leichtes Spiel!"
"Und was will der Räuber der Farben? Die Weltherrschaft? Das Weltall und
alles beherrschen? Alles in Finsternis versinken lassen? Ich habe mal
gehört, dass weise Leute schon im Altertum sagten, wer alles hat, hat nichts
mehr. Wenn du sagst, das sei eine uralte Macht und nicht dumm, dann muss der
doch wissen, wie wenig das nützt, weil er hinterher nichts mehr hat, wenn
alles finster ist."
"Das will er so auch gar nicht. Er will Rache!"
"Rache? Ich dachte immer, nach so was giert nur ein Mensch. Und das ist doch
keiner?"
"Nein, natürlich ist der kein Mensch. Er ist ein Zwischenwesen, der Gestalt
gewordene Zwiespalt. Der ist das, was du als Schwarzalp bezeichnest. Er ist
in gewisser Weise ein Herrscher der Schwarzalben, sammelt zielstrebig sein
Gefolge nach und nach."
"Kommen noch mehr von seiner Sorte herüber?"
"Das ist nicht anzunehmen. Er braucht keine anderen, will es auch nicht. Er
macht Menschen teilweise zu Schwarzalben, stattet sie mit entsprechenden
Fähigkeiten aus. Aber erst muss er vollständig übergetreten sein. Und dazu
muss er bis zu einem gewissen Maß auch ein Wesen dieser Welt werden. Dafür
benötigt er ein Tor durch welches er nach Belieben ein- und ausgehen kann."
"Und ihr bewacht dieses Tor?"
"Nein. Das Tor das wir bewachen braucht er nicht um herüber zu kommen. Für
ihn bildet ein bestimmter Mensch das Tor. Ein Helfer in dieser Welt, der
seine Brücke ist. Durch das von uns bewachte Tor möchte er in andere
Richtungen gehen."
"Und wenn er euch einfach beiseite räumt?"
"Diese Macht hat er nun doch nicht. Das schafft er nicht, jedenfalls nicht
ohne genügend mächtige Helfer in dieser Weltebene oder solange wir uns in
der alten Ronnburg aufhalten. Deshalb solltest du auch zu uns kommen, weil
du dort weitgehend sicher bist."
"Wo ist denn das Tor das ihr bewacht?"
"Es ist die alte Ronnburg selbst. Das ist ein uralter Schutzort vor
angreifenden Mächten aller Arten. Solange wir dort Wache halten, kann sie
keiner wirklich betreten. Jedenfalls nicht die Ebene worin das Tor selbst
liegt. Nur in den Wällen sein nützt noch nichts, wenn das Tor geschlossen
ist. Die Wälle sind eigentlich nur ein sichtbares Sinnbild in dieser
Weltebene. Sie bilden aber auf unterschwelliger Ebene die Schutzsperren."
"Und was ist das für ein komischer runder Raum im Kellergewölbe unten. Da
ist so eine unheimliche Zeichnung im Boden eingelassen. Das ist doch eine
Hexenkirche!"
"Wie bist du denn da reingeraten?" staunte Ingomar nicht wenig. - Erfried
erzählte kurz über seine abenteuerliche Flucht aus dem Perchtenhaus. - "Du
lieber Himmel!" lachte Ingomar. "Aber du konntest ja nicht ahnen, dass du
einfach bloß zur Haustür raus brauchtest. - Tut mir leid, lieber Freund! -
Das im Gewölbe unten ist tatsächlich so etwas wie eine Kirche oder ein
Andachtsraum. Wenn du Hexenkirche sagst, dann soll es sicher etwas Böses
bezeichnen. Aber das ist es nicht. In einem buddhistischen Tempel käme es
dir wahrscheinlich ganz ähnlich vor. Und Buddhisten sind nun wirklich alles
andere als böse Zauberer."
"Und weshalb will der Glanzdieb Rache? Wenn er kein Mensch ist, dann steht
er doch über solchen Sachen."
"Er ist auf seine besondere Weise ein Wesen, eine eigene Persönlichkeit, wie
alle Elfen oder Alben oder auch Gottheiten und andere Herrschende. Und ich
sagte ja, solche Wesenheiten hegen durchaus Sehnsüchte und Wünsche. Sie sind
nur Wesen anderer Ebenen, Wesen und Gedankennetze des Zwiespalts. Menschen
sind Wesen dieser Ebene, haben ihre eigenen Fähigkeiten und ihre eigene
Macht, geraten in ähnlichen Zwiespalt, unterscheiden sich grundlegend nicht
von diesen. Menschen sind auch gegenüber solchen Wesen nicht machtlos,
lassen sich aber leichter täuschen. Und Rache will er, weil man ihm seine
Diener genommen hat, ihm die Macht einschränkte."
"Wer waren denn seine Diener?"
"Früher die Inquisition hauptsächlich. Aber eben nicht nur diese allein,
sondern alle herrschsüchtig veranlagten Leute, welche ohne jede Rücksicht
ihre Sucht verwirklichen wollen, dabei nicht einmal auf sich selbst
Rücksicht nehmen."
"Hat es was mit dem Fluch des Inquisitors zu tun?"
"Aha, das weiß du also auch schon. Ja, Erf! In erster Linie geht es darum,
um diesen alten Teufel! Dieses Ungeheuer auf zwei Beinen gefährdete damals
das Gleichgewicht, weshalb unsere Vorfahren, verbündet mit den Grafen von
Dahlendorf, ihn und seine Helfershelfer hier auslöschten oder verjagten."
"Was für ein Gleichgewicht denn?"
"Alles muss in der Waage bleiben, auspendeln können. Licht und Dunkelheit
bedingen einander, sind ohne das jeweils andere nicht vorhanden. Das ist mit
allem so. Wenn man weiß was Hass ist, dann weiß man auch was Liebe ist, weil
man es sonst nicht empfindet. Aber die Waage darf niemals zur einen oder
anderen Seite gedrückt werden. Alles kippt dann um."
Fortsetzung folgt
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