Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

ABERMAL (giftmärchen) Teil 112

10 views
Skip to first unread message

Mannie Manie

unread,
Apr 13, 2000, 3:00:00 AM4/13/00
to
Hallo liebe Leute,

...na wer sagt's denn? Endlich ist Zladko (Plattko?) aus dem Rennen... äh...
aus dem Container gekegelt. War das dramatisch, was? Man hatte Plattko
sattko... äh... Zladko satt.

Darum fünf weitere Teile aus dem "Bickbrosser"-Verschlag von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

http://home.germany.net/101-58177 (>Laden kostenlos< anklicken!)

oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

****************************************************************

ABERMAL (giftmärchen) Teil 112

Ein prima Kerl sein Klassenkamerad, fand Erfried ehrlich überzeugt. - Und
der ist mein Freund! - Auch wirkte noch immer ihr gestriges Gespräch nach,
wobei es doch um Angelegenheiten ging, welche von nun an so oder ähnlich in
ihrem Leben zunehmend bestimmend werden. Günter lachte nicht über ihn oder
kündigte angeekelt Freundschaft auf. Genau im Gegenteil! Er bot sogar Hilfe
an.

Grinsend meinte Günter: "Was du da gestern erzählt hast, ist ja wirklich
eine dolle Sache. Erst war ich ja schockiert, wie die so schön im Fernsehen
sagen. Aber dann... Mir ist das den ganzen Abend noch im Kopf rumgeschwirrt,
hat mir keine Ruhe gelassen. Und dann hab ich sogar davon geträumt, hab mich
im Traum mit diesem jungschen Perchten über irgendeine stinkige Matratze
gewälzt. Dabei kenne ich den gar nicht, hab den noch nie gesehen. Jedenfalls
wüsste ich nicht, wer das ist und wie der aussieht."

Erfried lachte. "Und? Hast du's ordentlich mit dem gemacht?"

"Und wie! Wie ein Bekloppter! Aber dann fiel mir ein, dass der blöde Wichser
dir damit solche Angst eingejagt hatte, und da hab ich ihm volles Pfund eine
reingehauen. Dann bin ich aufgewacht, hatte einen solchen Harten, dass es
schon wehtat, und obendrein war mir im Schlaf auch noch einer flitzen
gegangen. Die ganze verdammte Soße kleisterte im Schlafanzug!"

Gemeinsam lachten sie laut los, konnten gar nicht aufhören, kicherten und
gniggerten, sahen einander an und mussten sofort wieder losprusten, bevor
einer auch nur gestottertes Wort hervorbrachte. Umstehende und vorbeigehende
Leute schauten herüber, fragten wohl still, was diese beiden halbwüchsigen
Bengel so dermaßen lustig fanden? Langsam schwand ihr Lachanfall.

Günter sah Erfried breit grinsend an, aber sein Augenausdruck zeigte, er
mache eigentlich keinen Witz. "Also ich hab dabei keine Angst, schwul zu
werden, würde es mal gern in Natura ausprobieren. Ernsthaft, willst du nicht
mal wieder bei uns übernachten?"

"Meine Güte, Günter! Hätt' ich dir das bloß nicht erzählt. Jetzt muss ich um
meine Burschenschaft bei dir fürchten."

"Na, die bist du doch nun wirklich schon los. Also tu nicht so unschuldig,
als ob ich da der schlimme Finger bin", lachte Günter. "Ich hab so was noch
nie so richtig gemacht. Da hast du mir was voraus. Also, wenn du mein Freund
bist, dann ist das doch wohl selbstverständlich, wenn du..."

"Ja, Günter!" unterbrach Erfried. "Aber das muss doch nicht jetzt gleich
sein, oder?"

"Nicht unbedingt. Aber wieso eigentlich nicht?"

"Weil jetzt Mittagessen ansteht."

"Okay! Und wie ist es heute Abend? Daran dachte ich auch sowieso viel eher."

"Das weiß ich doch jetzt noch nicht, Günter. Womöglich hat meine Mutter
irgendeinen Anschlag auf mich vor. Außerdem murmelte die heute Früh was
davon, dass ich krank aussähe und zum Doktor sollte."

"Du, krank?" Günter sah ihn forschend an. "Nee, krank siehst du nicht aus.
Aber irgendwie bist du anders als vorher. Hängt vielleicht auch mit dieser
Sache mit dem jungschen Perchten zusammen. Ich mein', wenn man sich eine
ganze Nacht und über die ganzen nächsten Tage raus vor was fürchtet, dann
kann man das womöglich sehen. Mütter haben für so was meistens einen Draht."

"Findest du, ich sehe aus, als habe ich die ganze Zeit Schiss?"

"Neien! Das nicht. Und solltest du welchen haben, dann hat das einen Grund,
bei dem ich auch Schiss hätte. Du bist einfach plötzlich anders geworden. -
Erwachsener! Ja, das ist es! Und davon will ich wenigstens 'ne Scheibe
abhaben. Und zwar schnell! Meinst du, ich will hinter dir als Milchbubi
herzockeln?"

"Kriegst du auch", versprach Erfried. "Wir haben doch immer alles geteilt,
was irgendwie zu teilen geht."

"Hej!" Günter zwinkerte freundschaftlich. "Vergiss es aber nicht. Und lass'
dich nicht erst wieder in einer Woche bei mir sehen, so wie bis gestern. Du
bist mir irgendwie sogar richtig aus dem Weg gegangen, die ganze Zeit. Ich
dachte schon, dass du plötzlich was gegen mich hättest, weil du mich ein
paar Mal hast echt abblitzen lassen."

"Das hab ich so nicht gemeint, Günter. Tut mir leid, wenn es dir so vorkam.
Du bist mein bester Freund. Da lass' ich dich doch nicht einfach in den Wind
schießen. Ich war nur die ganze Zeit mit meinen Gedanken ganz woanders."

"Bei den Perchtens, was?"

"Auch, aber nicht nur. Mir sind so einige komische Sachen passiert in der
letzten Zeit."

"Was denn?"

"Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob du mich nicht für einen verrückten
Spinner hältst, wenn ich dir das so sage, wie ich es erlebt habe. Ich würd's
ja auch kaum glauben wollen, wenn mir das einer mal eben so erzählt."

"Hört sich spannend an. Das musst du mir unbedingt vertickern. Ein Grund
mehr, dich bald bei mir sehen zu lassen. Am besten noch heute."

"Mal sehen, Günter. Ich würde sicher gern wollen. Dann bis spätestens Morgen
in der Schule, tschüs!" Er winkte und ging in andere Richtung davon.

"Du, Erfried!" rief ihm Günter noch im Umdrehen nach.

Erfried blieb stehen, blickte zurück. "Ja?"

"Ich halte dich nicht für einen Spinner!"

"Wart's ab, bis du die Geschichte gehört hast."

Ab einer schmalen Allee verlief ihr Heimweg unterschiedlich. Fast die
gesamte kleine Altstadt mit ihren winkligen Fachwerkhäusern in ebenso
verwinkelten Gassen umschlang die von alten Kastanien beschattete Straße.
Zwar wohnten sie nicht bemerkenswert weit voneinander entfernt, konnte in
einer so kleinen Stadt auch nicht anders sein, doch genügte der Abstand.
Morgens trafen sie hier fast nie auf den anderen. Als ausgesprochener
Langschläfer zögerte Günter Meinrad stets alles bis zum letzten Drücker
hinaus. Manchmal begleiteten sie einander nach Hause. Von Heute an aber
nicht mehr.

Zuhause dampfte Aufbruchsstimmung. Gerade noch Zeit zum gemeinsamen
Mittagessen.

"Ich muss heute etwas früher los, weil ich meine Putzstelle bei
Steuerberater Herbst versehen muss", erklärte Eleonore Gundeleit ihrem Sohn
ungewöhnliche Unruhe. "Aber zuerst werde ich noch bei Doktor Wappler wegen
der Vorbereitungen fürs Wochenende vorbeischauen. Reinhild kommt mit mir. Da
sind andere Kinder mit denen sie spielen kann."

"Mensch, Mama, du rackerst dich langsam richtig ab. Willst du nicht mal ein
wenig kürzer treten?"

"Das ist lieb von dir, Erfried, dass du dir Sorgen machst. Aber es ist ja
nur diese Woche so. Außerdem bin ich ganz froh, weil auf diese Weise etwas
mehr Geld in unsere magere Kasse kommt."

"Das Geld nützt uns nichts, wenn du Wirbel machst bis zum Umfallen, Mama."

"Werde ich schon nicht, Junge", versicherte sie lächelnd, gerührt von dessen
Besorgnis. "Und du machst bitte gleich deine Schularbeiten, Sohnemann!"

"Mal sehen, Mama."

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie

0 new messages