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ABERMAL (giftmärchen) Teil 130

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Mannie Manie

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May 12, 2000, 3:00:00 AM5/12/00
to
Hallo liebe Leute,

viel geschah nicht in verflossenen Tagen, sieht man mal vom üblichen Gedöns
in Funk, Glotze oder Zeitung ab. Deshalb zur Ablenkung und guten
Unterhaltung wieder sechs Teile von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

http://home.germany.net/101-58177 (>Laden kostenlos< anklicken!)

oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

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ABERMAL (giftmärchen) Teil 130

"Du willst noch immer nicht mit mir reden?" seufzte Gundram ins Stille. "Ich
kann dich nur um Entschuldigung bitten und dir sagen, dass es mir irrsinnig
leid tut! Zuerst spielte ich eben ein doofes Machtspielchen, fand das ganz
spaßig. Aber es sollte auch deshalb sein, damit du dich leichter
zurechtfindest, wenn ich dir alles vorgebe. Danach wollte ich dir auch alles
erklären. Aber während der Gesellschaft hier kam ich einfach nicht so recht
dazu. Mal war dies, mal war das, dann unterhielt man sich mit dieser oder
mit jenem, oder die redeten auf dich ein, sodass ich nicht einfach
dazwischenquasseln konnte, um dir was zu verklaren. Und dann war es auch
schon Zeit für die Feuerfeier. Und da konnte ich schon gar nicht mehr lange
was reden. Hinterher war ich einfach maulfaul, hatte den Eindruck, du seist
es auch und obendrein müde, weswegen ich im Badezimmer, auf den Treppen und
in meinem Zimmer dann auch nichts sagte. Ich dachte mir, es ginge auch am
nächsten Tag noch. Tja, und dann sah ich dich da stehen... Da vergaß ich
einfach alles! Am nächsten Vormittag wollte ich dich nicht aus dem Schlaf
reißen, meinte eigentlich, dass ich dich noch anträfe, wenn ich wieder aus
der Stadt zurück bin. Dann hätte ich dir bestimmt alles haarklein
verhackstückt. - Aber leider warst du weg! Hinterher schwante mir dann,
weshalb. Da war's zu spät für mich, dir noch was genau erklären, sagen, was
wirklich abgelaufen war. Und dann war ich so blöd und traute mich nicht zu
dir. Aber ich glaube, du hättest mir dann auch nicht mehr zugehört. - Es ist
einfach doof gelaufen! Und es ist alles allein meine Schuld!"

Bedrückt verstummte er, setzte nach geplagter Weile hinzu: "Ich glaube, ich
hab dich einfach nur zu sehr lieb."

Lastendes Schweigen herrschte lange im Raum. "Können wir trotzdem Freunde
sein?" Gundram schaute verstohlen zu Erfried, der nur bewegungslos auf
seiner Seite des Sofas saß und schräg herüber blickte.

Wattig drang Erinnerung bei Erfried durch: Stimmt! Gundram wollte den ganzen
Abend über etwas erklären, kam aber nie über den ersten Satz hinaus! -
Nachdem er glaubte, sein Widerpart habe lange genug in zäher Trübsal
gezappelt, sagte er schließlich: "Es ist gut, Gundram!"

Erfried schwieg wieder, sah Gundram scharf und durchdringend an, genoss
rachsüchtig dessen sichtbares Unwohlsein, spielte seinerseits Macht aus,
welche er zweifellos auf eigene Weise besaß. Schließlich ein Schnitt: "Aber
ich werde es dir ewig nachtragen, dass du mir einfach die Haut am Arm mit
deinem blöden Fingernagel aufgeschlitzt hast und ohne mich zu fragen einen
auf Blutsbrüderschaft machtest. Das trage ich dir nach bis in die Steinzeit
und zurück. Und wenn's denn sein muss, sogar mit Rückfahrkarte bis in die
Kreidezeit."

Gundram atmete beim Ton und zuletzt albern gehaltener Wortwahl erleichtert
auf. Die leidige Sache schien offenbar weitgehend ausgestanden. Breit
grinste er Erfried an. "Warum nicht gleich von Ewigkeit zu Ewigkeit mit
Jahresnetzkarte der Bahn bei M&S?"

"Wir wollen's ja nicht übertreiben", grinste Erfried versöhnlich.

"Wohnst du dann jetzt bei mir im Zimmer?" Gundram rückte mutiger geworden
näher.

"Ich sagte doch eben: Wir wollen's ja nicht übertreiben!"

"Hab ich auch sonst was falsch gemacht? Fandest du es eklig oder so? Oder
möchtest du eigentlich überhaupt nicht so was?"

"Nö! Wenn ich's mir recht überlege, dann hatten wir beide ziemlich gute
Abgänge dabei. Aber deshalb muss ich ja nicht gleich in dein Zimmer ziehen,
oder?"

"Wär' doch aber viel praktischer."

"Heimlich in andere Zimmer schleichen, finde ich aber viel spannender."

"Du bist also nicht mehr sauer?"

"Meine Güte, mit meinen Schulkameraden haben wir auch schon ähnliche
Veranstaltungen gemacht. Und außerdem habe ich mit einem erwachsenen Freund
schon mal..." Erfried verstummte. Siedend heiß fiel ihm Gerd Wesseling und
dessen grausiger, einsamer Tod ein.

"Was hast du mit einem erwachsenen Freund schon mal?"

"Na ja... das... Aber der ist jetzt leider tot, der arme Kerl. Der Glanzdieb
hat ihn in der Nacht zum Sonntag umgebracht. - Verdammte Scheiße! Ich hatte
den Gerd sehr gern..." Erfried schluchzte erschüttert. Unter Tränen sagte er
noch: "Dass der tot ist, habe ich erst heute Nachmittag erfahren. Oh
Scheiße! Was für ein verdammter Mist. Der arme Gerd!"

"He, Erf! Das tut mir unheimlich leid. Ich würde gern versuchen, dir deinen
toten Freund zu ersetzen. Willst du?" Mitfühlend legte Gundram tröstend den
Arm um ihn.

Erfried konnte nicht antworten. Nicht genau ersichtlich, ob er bejahend
nickte oder ob nur trauriges Weinen schüttelte. Wenigstens flossen jetzt
endlich Tränen, spülten vormals trocken brennende Trauer in erträglichere
Bahnen. Und Gundram tröstete so gut er konnte. - Erfrieds Tränen versiegten.
Leidlich gelinderter Schmerz. Ingomar und Swantraut kamen herein. Beide
Geschwister sahen zufrieden das versöhnliche Bild zweier Jungen.

"Na, habt ihr euch ausgesprochen und seid wieder gut?" fragte Swantraut,
unterschwelliges Lachen in ihrer Stimme. Dennoch bedachte sie ihren jüngeren
Bruder mit strafendem Blick. "Guten Tag, Erf!"

"Ein guter Freund von Erf ist vom Lichtfresser umgebracht worden", sagte
Gundram leise, hielt seinen traurigen Freund weiterhin im Arm.

"Was? Noch einer tot?" fragte Swantraut sichtlich bestürzt.

"Das ist der, den man gestern in den großen Grünanlagen gefunden hat",
erklärte Ingomar rasch.

"Dieser Ringer? Ich wusste ja nicht, dass du gerade mit diesem armen
Menschen auch befreundet warst. Das tut mir wirklich leid, lieber Erf."
Swantraut klang sehr mitleidend.

"Mir geht es schon besser", versicherte Erfried, saß aufrecht. "Ich weiß das
erst seit heute Nachmittag. Kurz bevor ich Ingomar traf, habe ich's
erfahren."

"Da kann ich mir vorstellen, wie du dich jetzt gerade fühlst", bestätigte
Swantraut. "Soll ich dir gleich dein Zimmer zeigen oder lieber später?"

Erfried stand auf. "Wo liegt es denn?"

"In der Nähe von meinem", lächelte sie. "Es ist aber ein Doppelzimmer für
Gäste. Sonst wäre da nur noch ein Stockwerk höher eines."

"Bei mir oben auf dem Gang", bemerkte Gundram hoffnungsvoll.

"Und das wäre vielleicht besser geeignet für mich?" fragte Erfried mit
kurzem Seitenblick auf Gundram.

"Nun ja, es ist nicht so ein ausgesprochenes Gästezimmer, wie das einen
Stock tiefer, das fast so unpersönlich wirkt wie ein Zimmer im Hotel. Es ist
sogar ein klein bisschen größer als Gundrams Zimmer. Ein wirklich hübsches
Zimmer und es liegt zum Sonnenuntergang hinaus." Swantraut schaute fragend.

"Dann ist das wohl besser", entschied Erfried noch leicht zaghaft. Gemeinsam
stiegen sie ins zweite Stockwerk hinauf.

Wirklich ein schönes Zimmer! - Zwei sehr hohe und dabei eigenartig schmale
Fenster ließen von Westen untergehende Sonne hereinstrahlen. Rötlich
verfärbter Himmel. Sacht ging der Tag in Abend über.

Ein riesiger dunkler Schrank, reichlich alt, würde Erfrieds Sachen in
unermesslichen Fächern und Innenablagen verschlucken. Zwei mächtige Sesseln
mit passendem Tisch bildeten auf einem dicken runden Teppich gemütlichen
Raummittelpunkt, mitsamt säulenartiger Stehlampe und deren weit gebauchtem
Schirm. Bei den Fenstern stand ein gedrechselter Sekretär aus dunkelbraun
fleckfarbigem Holz, woran er seine Schularbeiten machen konnte.

Einzig das Bett gefiel Erfried nicht gerade sehr. Eine uralte geschnitzte
Bettlade von gewaltigen bis klobigen Ausmaßen, mit riesenhaft aufstrebendem
Kopfteil und jede Übersicht sperrendem Fußteil, ringsum mit kantig hölzernen
Einfassungen bewehrt, an denen man verschlafen, leicht und unweigerlich,
irgendwann einmal mindestens das Schienbein schmerzhaft anschlug. Ohne
besonderes Gedrängel fänden auch drei Schlafende darin Platz. Riesending!
Die reinste Pennerfestung!

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie

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