Komische Menschen?
Von Walter Dörr
http://www.derbruderhof.de/de/Wir_Uber_Uns/Nachrichten.htm
Sinntal-Sannerz
Leben ist wieder in der Sannerzer Villa. Dorthin, wo es 1920 den Berliner
Theologen und Lektor Eberhard Arnold und seine Ehefrau Emmi mit fünf
Kindern verschlug, die hier die Bruderhof-Gemeinschaft gründeten, ist die
Gemeinschaft nach 82 Jahren zurückgekehrt. Johann Christoph Arnold, der
Enkel des Gründers, war zum ersten Abend der Begegnung eigens aus Amerika
angereist.
„Was seid ihr für komische Menschen?" Die Frage über sich stellte Arnold
bei der Begrüßung selbst und gab die beruhigende Antwort: „Wir sind
stinknormale Menschen." Ihr Outfit fällt allerdings auf: Die Frauen
tragen Kopftücher und lange, unigemusterte Röcke. Offen aufeinander
zuzugehen, da hatte so mancher der zahlreichen Sannerzer anfänglich
Probleme. Zum Gucken war man gekommen und bekam den herzlichen Empfang,
den die Nachbarn und alten Bekannten den Eheleuten Daniel und Rosemarie
Meyer mit drei weiteren Bewohnern beim Einzug vor wenigen Wochen bereitet
hatten, zurück.
„Du sollst nicht Sie zu mir sagen", musste das brüderlich übliche Du
angemahnt werden. Interessiert verfolgten die Gäste, darunter auch
Dechant Manfred Kopka, die Ausführungen von Johann Christoph Arnold. Als
Misthaufen-Theologie sei der praktizierte Glauben seines Großvaters, das
Leben auf dem Land nach der Bergpredigt, anfänglich bezeichnet worden.
3000 Mitglieder habe die Bruderhof-Gemeinschaft heute, die in acht
Siedlungen in Amerika, in je zwei in Australien und England und jetzt
wieder in der Villa in Sannerz leben.
„Wir sind hier eine kleine Gemeinschaft, die für die Mitmenschen da sein
will. Wir sind religiös mit Taten. Wir zeigen es tagtäglich und nicht nur
am Sonntag“, erklärte Arnold auf eine Frage nach kultischen oder
rituellen Formen. Christliche Nächstenliebe setze die
Friedensgemeinschaft um, lebe für Gottes Reich auf Erden und betätige
sich nur missionarisch für Wahrheit, Liebe, Respekt und kümmere sich
nicht um die Mitgliederwerbung. Kraft gebe das Beten und Singen.
Und spontan stimmte man das Volkslied „Kein schöner Land“, das auch als
Schlüchterner Lied bezeichnet wird, an. Eine spezielle Strophe wurde 1920
von einem „Hans im Glück“, wie er sich bezeichnete, getextet: „Ihr Brüder
wisst, was uns vereint, ein andere Sonne hell uns scheint, in ihr wir
leben, in ihr wir streben als ein’ Gemeind’.“ Und dieser Glückliche
pflanzte 1920 auch eine „Linde 2000“, die aber nicht mehr steht. Zum
Einzug pflanzte die neue Gemeinschaft wieder eine Linde – in der
Hoffnung, dass sie die Dreitausendwende erlebt.
„Lasst uns Nachbarn sein, lasst uns Freunde sein, lasst uns probieren,
ein besseres Leben aufzubauen, egal ob du Christ oder Atheist bist. Wir
sind alle Menschen“, appellierte Arnold. „Vielleicht will der liebe Gott,
dass wir einen ganz kleinen Platz in Deutschland haben“, meinte Arnold,
als er die Information erhielt, dass die seit langem leer stehende Villa
zum Verkauf stand. Zurück zu den Wurzeln: eine Fortsetzung der
Deutschlandgeschichte der Bruderhof-Gemeinschaft, die am 14. April 1937
durch die Nazi-Verfolgung beendet worden war.
Bruderhof-Haus Sannerz
http://www.sannerzbruderhof.de/sz/index.htm
Bruderhof-Gemeinschaften
http://www.bruderhof.com und http://www.derbruderhof.de