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ABERMAL (giftmärchen) Teil 114

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Mannie Manie

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Apr 13, 2000, 3:00:00 AM4/13/00
to
Hallo liebe Leute,

...na wer sagt's denn? Endlich ist Zladko (Plattko?) aus dem Rennen... äh...
aus dem Container gekegelt. War das dramatisch, was? Man hatte Plattko
sattko... äh... Zladko satt.

Darum fünf weitere Teile aus dem "Bickbrosser"-Verschlag von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

http://home.germany.net/101-58177 (>Laden kostenlos< anklicken!)

oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

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ABERMAL (giftmärchen) Teil 114

Dumme Kuh! Wieso glauben ältere Leute, sie dürften gegenüber jüngeren jede
Höflichkeit vermissen lassen? Woher sollen Junge richtiges Verhalten lernen,
wenn nicht von Älteren? Und dann meckern die, wenn sich Junge gleichfalls
einen Dreck ums Benehmen scheren. Die machen es ja überdeutlich vor, wie gut
man auch mit miesem Benimm durchs Leben kommt.

Besonders Rentner traten häufig unangenehmst in allerschlechtesten Manieren
hervor, glaubten offenbar, dies sei ihr gottgegebenes Vorrecht im Alter,
legten selbst gegenüber eigenen Altersgenossen haarsträubende
Rücksichtslosigkeit an den Tag. Genauso meinten auch nicht wenige 'moderne'
Eltern, sie dürfen mitsamt ihrer Brut zu jeder beliebigen Zeit hemmungslos
Krawall machen. Finden es andere nicht in Ordnung, dann kommen sie
neuerdings mit der faulen Ausrede: "Hier spielen nur Kinder!" oder noch
besser: "An den Kindern ist doch kein Knopf zum Abstellen dran!"

Na und? Sollen sie doch endlich einen einbauen, schließlich sind sie nicht
allein auf der Welt.

Ins Bahnhofsgebäude selbst wagte er keinen Schritt. Zu sehr dürfte darin
alles an Beginn seines misslichen Befindens erinnern. Wieder fiel ihm
Ingomar ein, den er letzte Woche hier sah, ihm nachfolgte und damit ganzen
Rattenschwanz beängstigender Ereignisse herausforderte. Wie Ewigkeit kam es
ihm schon vor, dabei lag alles erst eine Woche zurück und größter
nachgefolgter Schrecken noch weniger. - Ingomar, Verräter!

Was könnte noch alles passieren, betrat er diese Halle abermals? Wer stand
heute da drin, fesselte Aufmerksamkeit und stürzte in ungeahnte
Verwicklungen?

Er wollte es lieber nicht herausfinden, blieb neben Eingangsstufen stehen.
Keinen Fuß setze er freiwillig in die kleine Bahnhofshalle, wollte er sie
nicht eilig durchqueren und in einen Zug einsteigen, der ihn weit von hier
fort brächte, hin an Orte von denen er nur träumte.

Aber dafür fehlte ihm Geld und man würde ihn auch sicher irgendwann
aufgreifen und hierher zurückbringen. Jedem Polizisten fiele er früher oder
später auf, lungere er allein in fremder Umgebung herum. Für mehr als
vierzehn oder fünfzehn hielte man ihn sicher nicht, was sogleich amtliches
Misstrauen hervorriefe. Günter Meinrad sagte ganz richtig, dreizehn Jahre
seien ein blödes Alter. Dabei wurde er erst in etlichen Wochen dreizehn. Und
seine Mutter setzt ohnehin Himmel und Hölle in Bewegung, verschwände er
plötzlich mir nichts dir nichts. Sie ließe selbst in Vulkanen und im
südamerikanischen Urwald am Amazonas noch nach ihm forschen. Es gab ja auch
keinen ersichtlichen Grund für Flucht aus elterlicher Wohnung. Mit seiner
Mutter gab es keine eigentlichen Schwierigkeiten. In Wirklichkeit ganz
woanders: Bei den Alben, dem Dieb des Glanzes und Räuber der Farben!

Währenddessen äugte er ständig misstrauisch in alle Richtungen. Auf keinen
Fall wollte er einem Alp begegnen. Genauso wenig dem Glanzdieb. Den konnte
er jetzt nicht gebrauchen. Doch wie das Leben oft schrecklich spielt, musste
er schon in seinen geringen Jahren feststellen, geschehen unerwünschte und
am meisten gefürchtete Dinge ausgerechnet dann, wenn man sie ganz weit weg
glaubt.

Glücklicherweise drohte nichts. Gerade bog der klapprige kleine Bus auf den
schmalen Bahnhofsvorplatz ein, musste noch warten, anderen Fahrzeugen
Vorfahrt lassen. Hinter verschmiert schmuddeligen Scheiben zeigten Gesichter
ruckartige Bewegungen, klein und undeutlich. Ihre Münder spien ungehörte
Worte aus. - Einfahrt frei! Der Fahrer gab Gas. Mit schmutzig schwarzer
Auspuffwolke fuhr das viel genutzte Gefährt an, wurde größer, rumpelte
ungeduldig erwartet näher.

Laut ratternder Dieselmotor. Die einzige Ausstiegstür schwang auf, knallte
gegen ohnehin längst verbeultes Außenblech. Nacheinander stiegen vier Männer
aus, schwatzten noch mit dem Fahrer kurz einige launige Worte, dann fuhr der
kleine Bus ohrenbetäubend aufröhrend mit abermals schmutzig stinkenden
Dieselauspuffwolken an, dröhnte vorbei zur Ausfahrtstraße.

Wo ist Gerd? Nicht dabei? - Vier Männer strebten in unterschiedliche
Richtungen. Erfried blickte ihnen enttäuscht nach. Er wollte so gern seinen
viel älteren Freund Gerd Wesseling treffen, mal wieder mit einem
verständnisvollen Erwachsenen reden, der einen seines Alters nicht als
dummen Bengel behandelte. Bei ihm erhielte er zumindest brauchbaren Rat oder
freundlichen Trost. Derzeit bitter benötigt.

Kann man nichts machen. Wahrscheinlich nahm Gerd heute einmal einen Tag
frei. - Ob der womöglich schon in Urlaub fuhr? Davon sagte er letzte Woche
nichts! Vielleicht vergaß er es in seinem eiligen Drang zum Vereinshaus und
zum Training. Trotzdem, nicht sehr wahrscheinlich! Gerds Kinder gingen doch
zur Schule, weshalb er seinen Urlaub in deren Ferien verlegen musste und
auch wollte. Und Sommerferien begannen erst nach Mitte Juli. Noch gehörige
Zeit bis dahin.

Achselzuckend ging er betrübt weg, verhielt aber nach einigen Schritten,
machte Kehrt, eilte zu dem Arbeitskollegen Gerds, welcher als einziger noch
beim Bahnhof stand und irgendetwas in seiner Arbeitstasche suchte. Die
anderen längst auf und davon, bereits in umhereilenden Leuten untergetaucht.

Der Mann bemerkte ihn gar nicht, als er neben ihm stehenblieb, schaute
angestrengt in die lederne Tasche, fand offenbar Gesuchtes.

"Guten Tag! Entschuldigen sie bitte, ist Gerd Wesseling heute noch
arbeiten?" sprach er jenen etwas grobschlächtig aussehenden Bauarbeiter an.

Leicht unwillig blickte dieser auf, ließ seine Arbeitstasche sinken, klappte
deren breite Lasche über, klemmte das verwetzte Teil mit ruckend schneller
Bewegung unverschlossen unter den linken Arm, sah Erfried scharf an. Frage
im Blick, weshalb jemand ohne viel Umschweife von ihm Auskunft wollte. Dann
jedoch erschien merkwürdig anderer Ausdruck. Der Bauarbeiter schüttelte
seinen Kopf. "Nein, Junge, Gerd Wesseling ist nicht..." Er brach plötzlich
ab. "Weißt du's denn nicht?"

"Nein, was denn?"

"Hast du keine Zeitung gelesen?"

"Entschuldigen sie bitte! Ich weiß nicht, was sie meinen?" Erfried
verwirrten dessen Fragen.

"Mensch, Junge, das tut mir irgendwie ja unheimlich leid. Du bist sicher
einer seiner vielen jungen Sportsfreunde, wie?"

Erfried schaute den Mann nur aufmerksam an, sagte nichts, fand es besser,
statt diesen Menschen überflüssig anlügen. Irgendetwas musste passiert sein.
Und zwar etwas, das selbst in der hiesigen kleinen Tageszeitung Niederschlag
fand. Beunruhigendes Gefühl drängelte plötzlich.

"Was ist denn mit dem Gerd? Ist er etwa ins Krankenhaus gekommen,
verunglückt?"

Der selbstbewusst, fast grobschlächtig scheinende Mann druckste herum,
zeigte unglückliches Gesicht, was nicht zu ihm passen wollte. "Junge, unser
Gerd Wesseling ist tot!"

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
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