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ABERMAL (giftmärchen) Teil 126

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Mannie Manie

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May 12, 2000, 3:00:00 AM5/12/00
to
Hallo liebe Leute,

viel geschah nicht in verflossenen Tagen, sieht man mal vom üblichen Gedöns
in Funk, Glotze oder Zeitung ab. Deshalb zur Ablenkung und guten
Unterhaltung wieder sechs Teile von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

http://home.germany.net/101-58177 (>Laden kostenlos< anklicken!)

oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

****************************************************************

ABERMAL (giftmärchen) Teil 126

Rasch, aber nicht übermäßig hastig, verließen sie die winzige Grünanlage,
blieben jenseits vom Bahnhof. Ingomar wies wortlos in Richtung des
Parkplatzes bei den Bushaltestellen, unweit des nahen Postamts gelegen.
Schnurstracks hielt er dort auf einen Opel Admiral zu, schloss auf, öffnete
eilig die Beifahrertür und winkte auffordernd.

"Donnerwetter! Das ist ja eine ordentliche Kiste", meinte Erfried
anerkennend, der noch nie das Vergnügen eines solchen Wagens genoss. "Ist
das dein Auto?"

Ingomar startete den Motor und sah lachend hoch. "Nein, das ist das Auto
meines Vaters. Ich selbst fahre einen neuen Käfer, nachdem ich bisher mit
einer Ente rumkutschierte. Aber ich finde dieses Gefährt natürlich erheblich
besser, wie du ja offenbar auch. Komm, steig ein! Wir müssen los!"

Unschlüssig blieb der Junge erst stehen, saß dann nur halb auf dem
Beifahrersitz, ließ den Wagenschlag offen. Bedenken quälten. Misstrauisch
forschend sah er Ingomar von der Seite an. - Der ist nicht das, wofür er
sich ausgibt!

Was veranstaltete er unübersehbar in der kleinen Grünanlage? Ist er doch ein
Alp, ein Schwarzwesen? Immerhin musste er über Kräfte verfügen, normalen
Menschen unmöglich oder unbekannt. Und er beherrschte sie offenbar bestens.
Und was wollten Perchtens mit ihm tatsächlich anfangen, einem halbwüchsigen
Jungen von nicht ganz dreizehn Jahren? Brauchten sie doch ein Opfer für
dunkle Zwecke? Und was ist, wenn sie mit dem Dieb des Glanzes unter einer
Decke steckten, jene Vorstellung vorhin nur eindrucksvolle Beruhigungspille?
Fiel er hier und jetzt nur besonders abgefeimter Täuschung zum Opfer?

"Was ist, Erf? Warum steigst du denn nicht endlich richtig ein und machst
die Tür zu?" fragte Ingomar etwas ungeduldig, kuppelte bereits.

"Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich mitkommen soll."

Aufmerksam blickte ihm Ingomar ins Gesicht. "Du hast Angst, bist immer noch
nicht überzeugt, stimmt's?" Erfried nickte lediglich stumm. "Kann ich dir
nach all dem auch nicht verdenken. Dieser bescheuerte Gundram! Dass der auch
einen solchen Mist veranstalten musste, anstatt gleich oder wenigstens nach
und nach alles zügig klarstellen. Dazu hätte er wirklich genug Zeit gehabt,
dieser kindsköpfige Blödian!"

"Tja, lieber Ingomar", sagte der Junge bedächtig, "du kannst mir auch viel
erzählen und so tun, als sei es alles ganz anders. Aber wie kann ich mir
darin sicher sein? Vorhin sah ich etwas, das du machtest, wofür ich keine
Erklärung finde. Was ist, wenn du doch ein Schwarzalp bist?"

Ernst antwortete der jüngere Mann: "Dann säßest du schon längst hier drin,
würdest diese Fragen nicht stellen. Hätte ich das vor, wovor du dich mit
Recht fürchtest, dann bliebe dir keine Wahl und kein Widerspruch. Vielleicht
tobte es in deinem Inneren wie wild herum, aber mein Wille würde deinen
Körper lenken. Selbstverständlich zwinge ich dich nicht mitzukommen.
Überlege mal! Wollte ich dich irgendwie versklaven oder so was, dann machte
ich mir erst gar nicht groß die Mühe, dich überzeugen wollen. Ich würde dich
einfach entführen. Fiele mir wirklich nicht schwer."

"Du hast recht", murmelte der Junge nach einigem Bedenken und schwang ins
Wageninnere.

"Was habe ich denn deiner Ansicht nach gemacht vorhin?"

"Du hast ein seltsam flimmerndes Feld um dich gehabt, das sengend heiß war
und sich zwischen uns und den Glanzdieb schob."

"Oha! Das konntest du also auch sehen", stellte Ingomar erstaunt und
bewundernd fest. "Ich sagte ja auch, Erf, dass wir keine gewöhnlichen Leute
sind. Wächter werden nur diejenigen, die entsprechende Fähigkeiten
aufweisen. Wie sollte man sonst ein Tor in andere Weltenebenen bewachen und
sperren können?"

"Ja, das stimmt natürlich. Ich habe das nur noch nie so erlebt. Ist doch
alles völlig neu für mich. Noch vor einer Woche hätte ich es selber als
Spinnerei abgetan."

"Leider blieb mir keine Zeit, dich darauf vorbereiten oder 'Achtung' rufen,
weil ich schnell sein musste", meinte Ingomar entschuldigend. "Ich bin auch
nicht unbedingt in der Lage, den Glanzdieb in seiner fortgeschrittenen
Entfaltung allein zu stoppen. Noch geht es. Aber was ist, wenn er ganz
herüber ist? Da komme auch ich ins Schwimmen, weil ich damit kaum Erfahrung
habe."

"Ist gut, Ingomar. Fahren wir los." Entschlossen knallte Erfried die Tür der
schweren Limousine zu.

Ingomar lenkte aus dem Parkplatz in Straßen, welche nach einigen Windungen
und Ecken zu winkligen Gassen alter Innenstadt führten. Draußen flitzten
abwechselnd Häuser, Bäume und Leute vorbei. Auch das neuere Kino am diesem
Ende der Idiotenrennbahn kam kurz ins Blickfeld. Zur Zeit lief dort 'Der
Fluch von Siniestro', eine spanische Wehrwolfsgeschichte. Nicht so übermäßig
gut gemacht, wie Erfried bereits von anderen erfuhr. Ingomar steuerte über
buckelpflastrigen Marktplatz

In Erfried blitzte plötzlich misstrauischer Gedanke. Lauernd fragte er:
"Sag mal, wieso muss Gundram nicht zur Schule? Jetzt sind doch noch gar
keine Ferien."

Kurz wandte Ingomar seinen Blick zur Seite, dann sofort wieder geradeaus.
"Doch, der hat Ferien. Die großen Ferien sind's natürlich noch nicht.
Gundram geht auf eine freie Schule. Da ist oft den ganzen Tag Pauken
angesagt, weshalb sie immer wieder mal eine oder anderthalb Wochen frei
bekommen. Freie oder private Schulen legen ihre Ferien nach eigenem Maßstab.
Solche Einrichtungen müssen nur staatliche Bildungsvorgaben gewährleisten.
Ansonsten können die alles so gestalten wie sie wollen."

Dem Jungen leuchtete es ein. Oberlehrer Mantey sprach einmal angelegentlich
davon, Eltern dürften selbst den Unterricht durchführen oder Privatlehrern
überlassen. Rein theoretisch natürlich, wenn entsprechende Eignung vorliegt
oder notwendiges Kleingeld. "Oh, freie Schule! Eine Privatschule! Sehr
nobel! Ist das nicht teuer?"

"Billig ist es nicht, wie ich weiß. Aber riesig reich muss man dafür auch
wiederum nicht sein. Auch du könntest auf so eine Schule gehen, wenn ein
Förderer das Schulgeld als Stipendium spendet. Dafür gibt es bei den meisten
freien Schulen einen besonderen Förderausschuss. Auch bei der Schule auf die
Gundram geht. Bei Gelegenheit sollten wir mal dort vorfühlen. Du bist ein
heller Kopf, Junge. Auf dieser staatlichen Massenschule hier versauerst du
doch nur."

"Du bist schon der zweite, der mich auf eine andere Schule bringen will.
Vielleicht will ich von meinen Schulkameraden gar nicht weg?"

"Dort findest du bestimmt viele neue und nette Freunde. Wer ist denn sonst
schon deshalb an dich herangetreten?"

"Die alte Gräfin Dahlendorf meinte, sie wolle sich dafür verwenden, dass ich
womöglich aufs Gymnasium in der Kreisstadt gehen kann. Uns fehlt es nämlich
in der Haushaltskasse für die Lernmittel und das ständige Fahrgeld. Außerdem
bräuchte ich ja viel mehr Taschengeld für Essen, wenn ich nicht Zuhause
essen kann."

"Na, wenn die das spendiert, dann merkt die gute Gräfin es wirklich so gut
wie nicht. Die ist tatsächlich alles andere als arm", lachte Ingomar. "Aber
Gundrams Schule ist glaube ich sogar besser als so ein doofes Gymnasium. Wie
kam's denn dazu, dass die Gräfin sich verwenden will?" Ingomar parkte bei
einer Laterne vor der Bachgasse.

Erfried erklärte kurz, weshalb er in der gräflichen Bibliothek stöberte,
hinsichtlich Ronnburg dort aber auch nicht fündig wurde. Ingomar nickte
verstehend. Sie stiegen aus, gingen ins schrumpelig und etwas schief
stehende Fachwerkhaus, worin fast unterm Dach Familie Gundeleits bescheidene
Wohnung lag.

Niemand zuhause. Stille Zimmer. Nur ihre Bewohntheit wehte
unmissverständlich entgegen, wie immer, wenn Menschen irgendwo leben oder
bestimmte Orte bevorzugen. Solche Plätze sind aufgeladen von ihrem Wesen und
Treiben, selbst wenn keiner zugegen.

Offenbar dauerten jene Feiervorbereitungen für Doktor Wappler erheblich
länger, weshalb seine Mutter mit Reinhild bestimmt noch bei Steuerberater
Herbst zugange. Erfried kannte dessen Tochter. Maritha! Ein sehr nettes
Mädchen, ungefähr gleichaltrig. Er mochte sie gern. Sie ließ vor Wochen
einmal ihre Zuneigung durchblicken. Allerdings nur sehr zurückhaltend. An
mehr dachten beide unter lauernden Erwachsenenaugen ohnehin nicht.

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie

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