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ABERMAL (giftmärchen) Teil 129

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Mannie Manie

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May 12, 2000, 3:00:00 AM5/12/00
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Hallo liebe Leute,

viel geschah nicht in verflossenen Tagen, sieht man mal vom üblichen Gedöns
in Funk, Glotze oder Zeitung ab. Deshalb zur Ablenkung und guten
Unterhaltung wieder sechs Teile von:

Mannie Manie's A B E R M A L (giftmärchen)!

Als gestaltete Webseite (ebook) kostenlos und werbefrei herunterladbar bei:

http://home.germany.net/101-58177 (>Laden kostenlos< anklicken!)

oder Kurzurl: http://m.manie.seite.ms (Achtung, Werberahmen! Geht aber
wegzuklicken.)

Allen viel Spaß und gute Unterhaltung. Nächste Teile im Verlauf kommender
Woche.

Euer MANNIE MANIE

****************************************************************

ABERMAL (giftmärchen) Teil 129

Gundrams Umrisse erschienen. "Oh, guten Tag, Erfried! Das ist wirklich sehr
schön, dass du wieder bei uns zu Besuch bist. Ich freue mich sehr, dich zu
sehen. - Hallo, Ingomar! Was gibt es denn?"

"Das weißt du ganz genau, du Bursche!"

"Meinst du? Hat es nicht bis nachher noch Zeit? Ich wollte gerade..."

"Nein, hat es nicht! Komm bitte runter zu uns!"

"Kann ich nicht erst..."

"Sofort!"

"Na schön." Gestalt gewordenes schlechtes Gewissen auf zwei Beinen stieg
breite hölzerne Treppe herab. Gundram quietschte absichtlich mit dem an
einer Stelle leicht lockeren Geländer. Den Kopf etwas geduckt, streckte er
Erfried zaghaft und unsicher lächelnd seine Rechte hin. "Ich freue mich
wirklich sehr, dich zu sehen! Ich glaube aber, dass ich dir nachher was
erzählen muss..."

Erfried wusste nicht das richtige Verhalten in diesem Augenblick, stand wie
eingemauert, sah seinen vormaligen Peiniger starr an und rührte keinen
Finger. Gundrams hingestreckte Hand sank langsam herab.

"Du wirst nicht nachher was erzählen, sondern gleich was erklären,
Bruderherz!" forderte Ingomar scharf. "Was hast du dir eigentlich bei deiner
Veranstaltung mit Erf gedacht, hm?"

"Ich hab's doch nicht böse gemeint", entschuldigte Gundram, wand dabei
sichtlich unwohl hin und her.

"Wen interessiert das? Am wenigsten unseren Freund Erf!" grollte Ingomar.

"Jetzt stauchst du mich auch zusammen", jammerte Gundram.

"Wieso, ich auch?"

"Weil Mutter und Vater mich schon in der Mache hatten und auch Swantraut,
diese Furie."

"Weshalb? Wegen Erf und dem Mist den du gebaut hast?" Gundram nickte.
"Versuche bloß nicht, dich bei mir rauszureden", drohte Ingomar. "Woher
wissen die denn das alle?"

"Swantraut hat's geahnt und heute schließlich rausgefunden. Du kennst sie
doch und ihre eindringliche Art und Weise. Der kann man doch auf Dauer
nichts verheimlichen. Und dann hat sie mir sogar eine Kopfnuss verpasst und
mich regelrecht zusammengeschissen. Mann, hat die getobt."

"Ich fang auch gleich an zu toben, wenn du dich nicht augenblicklich bei Erf
entschuldigst!" schnauzte Ingomar.

"Wie soll ich denn das machen, wenn du mich die ganze Zeit anschreist? Ich
würde doch so gerne mit ihm reden, wenn er auch will." Bittend und hilflos
sah er Erfried an, der immer noch wie versteinert dastand. "Bitte, Erf, ich
weiß, dass es blöd von mir war. Wollen wir miteinander reden?"

Erfried kam aus seiner Erstarrung heraus, nickte fast unmerklich. Zum ersten
Mal seit bald unvorstellbar langer Zeit fühlte er Sicherheit. - Für
Perchtens nicht irgendwer, sondern jemand den sie brauchten und wünschten.
Er besaß eine Fähigkeit, über welche sie bei all ihrer heimlichen Macht und
ihrem verdeckten Einfluss nicht verfügten, nicht kaufen konnten oder
sonstwie dienstbar machen. Und gemeinsamer tödlicher Feind schmiedete
zusammen: Der Dieb des Glanzes, der Räuber der Farben!

"Komm mit ins große Wohnzimmer, da können wir uns hinsetzen." Scheu zupfte
Gundram ihn am Hemdärmel, stand mit halb gesenkten Augen da, wagte keinen
vollen Blick in Erfrieds Gesicht. Er schien wirklich sehr zerknirscht,
wirkte schon nachgerade jämmerlich und erbarmungswürdig.

Erfried machte ersten Schritt zur halb offenen Tür des großen
Gesellschaftsraums.

"Soll ich mitkommen?" fragte Ingomar hinter ihm einfühlend.

"Nicht nötig, Ingomar", wehrte Erfried ab. "Vielen Dank! Ist wirklich nett
von dir, mir beistehen wollen. Aber das ist jetzt wohl nur noch eine Sache
unter uns Jungs."

Ingomar lachte leise. "So langsam ändert es sich aber. Also beruft euch
nicht mehr so nachdrücklich auf euer jugendliches Alter, ihr beiden. Ich
werde mal schauen, wo meine Eltern sind. Alles klar?"

"Alles klar, Ingomar", nickte Erfried, folgte dem davongeschlichenen
Jungalp.

"Mama und Papa sind mit anderen im Küchengarten", murmelte Gundram kurz aus
dem Türrahmen. Dann verschwand er eilig dahinter.

Niemand sonst im Raum. Stillstehende Luft roch entfernt nach
Zigarettenrauch. Draußen in der Eingangshalle hörte Erfried Ingomars
Schritte. Dann klappte irgendwo eine Tür, wahrscheinlich zum hinteren Gang
welcher am Badezimmer vorbei zur Rückseite führte. Wieder kamen Erinnerungen
hoch. Und so albern es auch für ihn klingen mochte, musste er eingestehen,
dieses Badezimmer gewann für ihn schicksalhafte Bedeutung, samt Gang und
Hintertür.

Das schicksalhafte Badezimmer! Was es doch für blödsinnige Zusammenhänge
geben kann? Klang fast wie der misslungene Titel eines langatmigen
Liebesschmökers. Letztere Druckwerke langweilten ihn sowieso stets endlos,
konnte nie verstehen, weshalb man wegen so albernen Angelegenheiten
dermaßenen Aufstand machte. Einfach doof!

Ungewohnt schummrig im weitläufigen Wohnzimmer. Vor hohen Fenstern nahmen
ums Haus stehende Bäume bereits viel Licht weg. Nur nach aufmerksamer
Betrachtung könnten Unkundige alle Einrichtungsgegenstände richtig erkennen.
Lediglich das Klavier ließ deutliche Umrisse sehen, glänzte schwarz im
geringen Licht späten Tages. Schweigend standen Erfried und Gundram einander
gegenüber. Fliegen surrten durch offene Fensterflügel herein, tanzten an der
Decke um die kronleuchterartige Lampe, flitzten in irrwitzigen Schleifen
überall herum. Fern klang von Kirchtürmen der kleinen Stadt Abendläuten,
verstummte schließlich, verwehte irgendwo.

"Wollen wir uns aufs Sofa setzen?" Gundram sprach leise, deutete aufs
gewaltige Möbel.

Erfried nickte, nahm Platz, wartete darauf bis Gundram begann, sah keine
Verpflichtung für erste Worte. Was sollte er ihm sagen? Schließlich zwang
und gängelte er Gundram nicht gegen dessen Willen zu etwas das dieser so
nicht wollte. Auch nachfolgende wilde Spiele schafften da keinen
Unterschied. Lustvoll hin oder her, fühlte er dabei nichts als irre Angst.
Unter anderen Umständen allerdings...

Gundram saß etwas abseits, starrte Löcher in dunkelnde Innenluft, spielte
nervös mit einem abgestellten und vergessenen Trinkglas auf dem Sofatisch,
druckste herum, stellte schließlich das Verlegenheitsspielzeug mit
vernehmlichem Einatmen hin. "Ich weiß gar nicht so recht, wie ich es sagen
soll. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr leid tut, wenn ich dir was
angetan habe, das dir Angst machte oder Schmerzen. Inzwischen kann ich mir
vorstellen, wie dir dabei zumute gewesen sein muss. Meine Schwester ist zwar
eine Furie, aber sie hat mir überdeutlich klargemacht, was jemand empfindet,
wenn er oder sie in eine solche Lage gerät und sie nicht erklären kann. Was
soll ich noch anderes sagen, als dass ich es nur gemacht habe, weil ich dich
vom ersten Augenblick an gleich gern hatte, nichts versäumen wollte und
keine Zeit verlieren. Und genau das war eigentlich falsch. Mensch Erfried,
ich habe dich so sehr als Freund gewünscht, wie du's dir vielleicht gar
nicht vorstellen kannst, und jetzt schon erst recht nicht mehr, weil du
fürchtest, ich könnte es wieder so machen."

Erfried sagte immer noch nichts, sah ihn nur schweigend seitlich an.
Allerdings spürte er an dessen Ausstrahlung die Ernsthaftigkeit der Worte.
Er besaß ein gutes Gespür für schlechtes Gewissen oder Unaufrichtigkeit bei
Gleichaltrigen, merkte meistens, eigentlich fast immer, wenn diese ihm etwas
vormachen wollten oder hinters Licht führen. Hier spürte er nichts davon.
Allmählich kam sogar leises Mitleid auf. - Gundram ist nicht der üble
finstere Alp, für den ich ihn hielt und mich fast zu Tode fürchtete!

Nein, Gundram schien ein durchaus lieber Kerl, dem begangene Dummheiten
unendlich leid taten und nun nicht aus noch ein wusste, wie er sie wieder
gutmachen sollte. Und wenn Erfried an jene Nacht in dessen Zimmer dachte...
Unvoreingenommen gesehen, einfach nur die Wucht in Dosen und Gundram
erstaunlich kunstreich, übertraf alles was er bis dahin kannte. Selbst mit
einem Mädchen wäre es nicht besser gelaufen. Vielleicht sogar längst nicht
so gut, weil Jungen selbst bestens wissen, worauf es bei ihnen ankommt.
Erfried hörte schon einmal, Mädchen erginge es genauso.

Fortsetzung folgt
Alle Rechte vorbehalten
(c) 1999 Mannie Manie

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