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Spekulation über Inseltreue

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Matthias Opatz

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Dec 12, 2001, 3:49:45 PM12/12/01
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Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
den Ostteil oder die DDR *nie* (zumindest ab 1961) betreten haben?


Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
Berlin-West *nie* (zumindest nach 1961) übverhaupt verlassen haben,
also auch nicht in die Bundesrepublik oder ins Ausland?


Matthias


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Matthias Opatz

unread,
Dec 12, 2001, 3:55:32 PM12/12/01
to
Matthias Opatz wrote:


> Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben,
> die den Ostteil oder die DDR *nie* (zumindest ab 1961)
> betreten haben?


Transitdurchfahrten bei eingehaltenen Vorschriften
(kein Aufenthalt, Transitweg nicht verlassen ...)
zähle ich jetzt mal nicht als DDR-Besuch.

Thomas Weiner

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Dec 13, 2001, 8:48:25 AM12/13/01
to
Matthias Opatz wrote:

> Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
> den Ostteil oder die DDR *nie* (zumindest ab 1961) betreten haben?


Zumindest gab es einige, die selbst die Transitwege nicht genutzt haben,
weil sie fürchteten (fürchten mussten?), verhaftet zu werden (sog.
'Republikflüchtige' etc)


> Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
> Berlin-West *nie* (zumindest nach 1961) übverhaupt verlassen haben,
> also auch nicht in die Bundesrepublik oder ins Ausland?


Ich weiß es nicht, gehe aber mal davon aus, dass es schon solche
West-Berliner gab. Ich würde dieses Verhalten aber nicht unter einer
Überschrift 'Inseltreue' zusammenfassen, sondern annehmen, dass dieses
eher den Umständen (fehlende Möglichkeiten, fehlende Kontakte, fehlendes
Geld, Desinteresse etc), die einen durch ein Leben begleiten, geschuldet
war.

Was genau willst du an einer möglichen Antwort 'X% aller West-Berliner
sind nie da raus gekommen' ablesen?

Grüße,
Thomas


Silvia Seyfarth

unread,
Dec 13, 2001, 10:12:14 AM12/13/01
to
Hallo,

Matthias Opatz schrieb:

> Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
> den Ostteil oder die DDR *nie* (zumindest ab 1961) betreten haben?

Nur zum Verständnis. Du meinst solange die "Grenze" für
Normalsterbliche geschlossen war, also von 1961 bis 1989? Eine Menge
würde ich mal vermuten. Schon wenn ich mal Familie und Bekanntschaft
so grob überschlage komme ich ganz schnell auf ein halbes Dutzend und
aus unterschiedlichen Motiven (keine Verwandten dort, aus Überzeugung,
oder weil sie bei Zeiten dort weg sind und sich nicht wieder
hingetraut haben).

> Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
> Berlin-West *nie* (zumindest nach 1961) übverhaupt verlassen haben,
> also auch nicht in die Bundesrepublik oder ins Ausland?

Ob es dazu eine verläßliche Untersuchung gibt? Ich denke aber, daß das
nicht so viele Leute waren, die *garnicht* weggefahren sind
(materielle Gründe?).

Viele Grüße

Silvia

Matthias Opatz

unread,
Dec 13, 2001, 10:56:30 AM12/13/01
to


Naja, auf eine genaue Prozentzahl (die wohl auch nicht
ermittelt ist) kommt es mir nicht an.
ich interessiert, ob es nennenswerte viele wareb, deren
Abneigung gegen die DDR so tiefgehend war, dass sie
sie weder besucht noch durchfahren haben.


Dass Leute ihr Dorf (+ drei Nachbarnester und der nächste
Markt) ihr Leben lang *nie* verlassen haben, gab es
früher auch, aber das ist heute (oder auch vor 30 Jahren)
*sehr* selten.
Mich interessiert, ob die Lage Westberlins hier mehr
Einsiedler (okay, in WB ist das relativ), als gewöhnlich
zu erwarten sind, erzeugt hat.

Gerald Endres

unread,
Dec 13, 2001, 11:59:10 AM12/13/01
to
Matthias Opatz <abo-...@onlinehome.de> schrieb:

>Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
>den Ostteil oder die DDR *nie* (zumindest ab 1961) betreten haben?

Hallo Matthias,
worauf willst du denn mit dieser Frage hinaus?

Ich vermute mal, die meisten Westberliner sind fast nie in den Osten
gekommen, weil sie einfach nicht wussten wozu, - es sei denn sie
hatten Verwandte drüben.

Als ich 74 nach Westberlin zog, bin ich die erste Zeit öfter mal nach
Ostberlin auf Tagesbesuch gegangen, bis die Ost-Exotik ihren Reiz
verlor. Dann fuhr ich eigentlich nur noch rüber, wenn Besuch aus
Wessiland auch mal den Osten sehen wollte, schließlich jahrelang nicht
mehr. (Es kam noch hinzu, dass ich wegen eines Biermann-Besuchs und
einiger anderer Dinge auffällig geworden war, das auch mitbekommen
hatte, und es deshalb auch eine Weile nicht für ratsam hielt,
rüberzufahren)

Was sollte man auch im Osten. Die Einheimischen hielten in der Regel
wohlweislich auf Distanz, die Sehenswürdigkeiten kannte man
inzwischen, der Zwangsumtausch tat mir als Student durchaus weh, über
die Gastronomie müssen wir nicht reden, und nur um dann den
Zwangsumtausch im "Europäischen Buch" in Literatur umzusetzen, lohnte
sich das Ganze nicht.

Gruß
Gerald

--
http://www.boen-end.de

Jens Müller

unread,
Jan 23, 2002, 1:57:24 PM1/23/02
to
Silvia Seyfarth <Ac...@t-online.de> writes:

> > Wieviele Westberliner (Dauerbewohner) mag es gegeben haben, die
> > Berlin-West *nie* (zumindest nach 1961) übverhaupt verlassen haben,
> > also auch nicht in die Bundesrepublik oder ins Ausland?
>
> Ob es dazu eine verläßliche Untersuchung gibt? Ich denke aber, daß das
> nicht so viele Leute waren, die *garnicht* weggefahren sind
> (materielle Gründe?).

Wehrpflichtdrückeberger?

Jens Müller

unread,
Jan 23, 2002, 1:55:26 PM1/23/02
to
Matthias Opatz <abo-...@onlinehome.de> writes:

> Naja, auf eine genaue Prozentzahl (die wohl auch nicht
> ermittelt ist) kommt es mir nicht an.
> ich interessiert, ob es nennenswerte viele wareb, deren
> Abneigung gegen die DDR so tiefgehend war, dass sie
> sie weder besucht noch durchfahren haben.

Meine Großeltern wohnten damals in Braunschweig und sind zur Hochzeit
meiner Tante nach Berlin geflogen (von Hannover aus).

Daß das nicht unbedingt kürzer war, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Gerald Endres

unread,
Jan 23, 2002, 5:12:32 PM1/23/02
to
Wolfgang Schwanke <wolfi.S...@snafu.de> schrieb:

>Diejenigen, die nach der
>Musterung ausbüchsten, konnten theoretisch damit rechnen.

Mit der Musterung hatte das nichts zu tun. Es gab zwei wichtige
Zeitpunkte: Die Wehrerfassung und die Zustellung des
Einberufungsbefehls.
Aus der Erinnerung gekramt: Mit der Wehrerfassung unterlag man der
Wehraufsicht und musste theoretisch vorher anmelden, dass man den
Geltungsbereich des Wehrpflichtgesetzes verlassen will. Verstösse
gegen die Wehraufsicht konnten meiner Erinnerung nach mit einem
Bussgeld geahndet werden. Das Problem dabei: Wie bestraft man jemand
nach dem Wehrpflichtgesetz, der sich nicht in seinem Geltungsbereich
aufhält? Ich weiß von keinem Fall, bei dem ein
Westberlin-Bunddrückerberger auf diese Weise bestraft worden ist.

Komplizierter wurde es mit dem Einberufungsbefehl. Ab seiner
Zustellung galt man juristisch als Angehöriger der Bundeswehr, und da
kam in den 60ern jemand auf die spitzfindige Idee, dass
Bundeswehrangehörige wegen des entmilitarisierten Status der Stadt
nicht in Berlin sein dürfen, also dürfen die Westberliner Behörden
diese Leute festnehmen und in die Bundesrepublik bringen, - wo dann
die Feldjäger zuschlagen.
Man hat allerdings nie davon gehört, dass Bundeswehrsoldaten, die
einen Urlaub in Westberlin verbrachten, auf diese Weise behandelt
worden wären.

Gruß
Gerald
(erfolgreicher Bundeswehrdrückeberger)

--
http://www.boen-end.de

Manfred Haertel

unread,
Feb 17, 2002, 8:08:08 AM2/17/02
to
Markus Ermert wrote:

> Stimm IMO so nicht ganz. Man musste doch nur wollen: Nebenwohnsitz in
> Westdeutschland -> westdeutscher Reisepass -> Tagesaufenthalte ohne
> jegliche Anmeldung in Ost-Berlin bis 2 Uhr.

Konnte man auf diese Art und Weise denn einen westdeutschen *und* einen
West-Berliner Reisepaß besitzen?

--
Manfred Härtel mailto:Manfred...@rz-online.de
http://rz-home.de/mhaertel

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