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Bau- und Bankenskandale (was: Panorama: Ende des Systems West-Berlin)

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Uwe Sinha

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Jun 8, 2001, 6:27:53 AM6/8/01
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Wolfgang Schwanke <KEINE.WER...@snafu.de> schrieb in
de.alt.folklore.west-berlin:

[Leider ein Nullquote -- es ging um einen "Panorama"-Bericht über die
Diepgen-Landowsky-Affäre mit einem Rückblick auf die Antes-Affäre Mitte der
80er]

> Off Topic

Seh' ich in diesem Falle nicht so. Figuren wie Diepgen und Landowsky sind
(waren) IMO genau so Teil der West-Berliner Folklore, wie es Kock, Lazar &
Co. waren.

Auch die diversen Bau- und Bankenskandale gehören IMO dazu, ob es nun
Kressmann-Zschach, Garski oder Antes waren. Hier zeigt sich auch, daß die
Neigung zu Bauskandalen ein überparteiliches Phänomen ist. Insofern ist die
Verengung auf die aktuelle Aubis-Landowsky-Affäre sicherlich unangebracht.
Dennoch steht sie in einer gewissen West-Berliner Tradition, deren
Diskussion sehr gut nach d.a.f.w-b paßt. Deshalb: Followup ignoriert und
wieder auf d.a.f.w-b gesetzt.

Sigrid Kressmann-Zschach ist z.B. ein schönes[1] Beispiel für diese
Tradition der Verflechtung von politischen, wirtschaftlichen und privaten
Interessen: als Architektin war sie natürlich daran interessiert, Aufträge
zu bekommen. Das ging dadurch deutlich einfacher, daß sie mit dem Kreuzberger
Bezirksbürgermeister Willy Kressmann (a.k.a. "Texas-Willy", wegen seines
Faibles für Cowboyhüte) verheiratet war, und so einen heißen Draht zur
damals regierenden SPD hatte. Ohne diese Liaison wären uns vielleicht solche
Monströsitäten wie der Steglitzer Kreisel erspart geblieben. Aber wer weiß,
vielleicht hätte ihn dann jemand anders auf andere Weise gebaut.

War die Affäre um den Steglitzer Kreisel eigentlich der erste große
West-Berliner Bauskandal, oder gab es vorher auch schon etwas Vergleich-
bares?

Griettinckx, Uwe (nach d.a.f.w-b zurückfuppend)

[1] im doppelten Sinne, nicht ganz zu unrecht hieß sie ja "die schöne
Sigrid"... :)
--
| "Alles, was ein Computer macht, ist | Uwe Sinha |
| stupide. Es kann aber durchaus | TU Berlin, FB Informatik |
| komplexe Stupidität sein. " | <uwes...@cs.tu-berlin.de> |
| -- Thore Tams in d.s.n.u | <uwes...@gmx.de> |

Gerald Endres

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Jun 8, 2001, 9:23:01 AM6/8/01
to
Uwe Sinha <uwes...@cs.tu-berlin.de> schrieb:

>Auch die diversen Bau- und Bankenskandale gehören IMO dazu, ob es nun
>Kressmann-Zschach, Garski oder Antes waren.

Die verfassungsmäßige Form des Regierungswechsels in Berlin ist der
Bauskandal, oder habe ich da was falsch verstanden?

Wobei meine historischen Kennntnisse doch etwas lückenhaft sind, - was
gab es denn für Bauskandale vor dem Kreisel-Skandal Anfang der 70er?

Gruß Gerald

_
http://www.boen-end.de

Uwe Sinha

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Jun 8, 2001, 9:52:14 AM6/8/01
to
Wolfgang Schwanke <KEINE.WER...@snafu.de> schrieb:

> Schau mal, es geht doch den Urhebern solcher Threads nicht um den
> folkloristischen Wert irgendwelcher Politiker (der sich mir gar nicht
> erschließt, da sie keinen Erinnerungswert oder gar positiven
> Identifikationswert haben, aber bitte),

Mir schon. Manche Personen (oder Zustände, die sie repräsentieren) haben
auch einen gewissen *negativen* Erinnerungswert á la: "Das gehörte leider
auch dazu". Landowsky zähle ich z.B. dazu.

> sondern darum, mit einer gewissen
> Penetranz und Häme parteipolitische Grabenkämpfe und eitle Attitüden daran
> aufzuhängen. Das ist 1. nicht Folklore 2. nervts 3. gibt es böses Blut und
> Frust. Wenn sowas hier wirklich einreißt, können wa das Forum vajessen,
> deswegen schlage ich einen Konsens vor, sowas auflaufen zu lassen.

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, nämlich die, den Thread so umzubiegen,
daß er wieder on-topic wird. Das habe ich versucht. Ansonsten ACK, wenn diese
beiden Punkte allgemein akzeptiert werden:

* Die politischen Schlachten von gestern sind geschlagen.
* Für aktuelle Tagespolitik gibt es bln.politik.

Mir kommt es nur manchmal so vor, als würdest Du Politik *komplett*
raushalten wollen. Das geht aber IMO beim Thema West-Berlin ebensowenig wie
beim Thema DDR. Das, was Folklore war, war auch immer durch bestimmte
politische Randbedingungen bestimmt. Und umgekehrt hat die Grundstimmung,
der diese Folklore entsprungen ist, auch die Politik beeinflußt; will sagen:
die Politik, wie sie in West-Berlin gemacht wurde, ist ein Indikator für
diese Grundstimmung, die eine bestimmte Zeit geprägt hat.

Um es nochmal ganz verquast auszudrücken: ich habe eine naiv-historische
Herangehensweise an West-Berlin, die ich aber auch für legitim halte.

> In daf.ddr wird das ähnlich gehandhabt, und solange der Mechanismus
> funktioniert (was er nicht immer tut), liest sich die Gruppe angenehm.
> Es wurden hier übrigens ja auch Vertreter "studentischer Verbindungen"
> ziemlich unisono rausgebuht. Das muß dann für deren geistiges Äquivalent
> auch gelten.

Studentische Verbindungen kamen in besagtem Thread nur ganz am Rande vor und
sind auch klar off-topic. Genau so wären es z.B. Diskussionen über
Polizeigewalt gegen Demonstranten. Im Falle Landowsky würde ich das aber
lange nicht so klar sehen.

>>War die Affäre um den Steglitzer Kreisel eigentlich der erste große
>>West-Berliner Bauskandal, oder gab es vorher auch schon etwas Vergleich-
>>bares?

> Die Kongreßhalle. Hat sich allerdings erst Jahrzehnte später rausgestellt.
> :)

Nee, nee, *das* war schnöder Pfusch am Bau! Keine Mauscheleien, faulen
Kredite, o.ä. -- langweilig, zählt nicht! ;-) Andere Vorschläge?

> Gruß

Griettinckx, Uwe

Uwe Sinha

unread,
Jun 8, 2001, 10:00:26 AM6/8/01
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

[...]


> Die verfassungsmäßige Form des Regierungswechsels in Berlin ist der
> Bauskandal, oder habe ich da was falsch verstanden?

;-)) (Könnte man glatt mal siggen...)

Es gab allerdings tatsächlich mal einen Regierenden Bürgermeister, der
bei einer Abgeordnetenhauswahl abgewählt wurde. Der kam dann aber später
wieder ins Amt...

> Wobei meine historischen Kennntnisse doch etwas lückenhaft sind, - was
> gab es denn für Bauskandale vor dem Kreisel-Skandal Anfang der 70er?

Anscheinend keine (siehe auch meine Frage). Vielleicht konnte die SPD
deshalb von 1948-81 ununterbrochen regieren? :)

> Gruß Gerald

Griettinckx, Uwe

Ralph Angenendt

unread,
Jun 8, 2001, 9:33:58 PM6/8/01
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> wrote:
> Die verfassungsmäßige Form des Regierungswechsels in Berlin ist der
> Bauskandal, oder habe ich da was falsch verstanden?

Consider you sigged.

Ralph
--
> "You're locked in a room with Adolph Hitler, Bill Gates and Eric
> Allman. You have a gun with one bullet. What do you do?"
I give Allman the gun and let him cut a deal with Gates while I use
the mummified corpse of Hitler to break down the door. -- Peter da Silva

Gerald Endres

unread,
Jun 9, 2001, 4:14:12 PM6/9/01
to
KEINE.WER...@snafu.de (Wolfgang Schwanke) schrieb:

>Der Mensch wurde hier rausgebuht, weil die übrigen Teilnehmern studentische
>Verbindungen und ihre Anschauungen nicht mögen.

Nee nee, Wolfgang, er wurde rausgebuht, weil er über Verbindungen
allgemein räsonieren wollte und mehrmals den f'up auf
de.soc.verbindungen setzte, als wir über Diepgens westberliner
Knabenjahre in einer schlagenden Verbindung redeten. Dass er uns
partout erzählen wollte, wie toll Verbindungen sind, spielt da keine
Rolle.

Christian E. Naundorf

unread,
Aug 2, 2001, 8:13:41 AM8/2/01
to

Benedikt Hotze schrieb:
>
> Markus Ermert <erm...@compuserve.com> wrote:
>
> > Keine Angst, es kommt schon noch genug Diskussionsstoff über Pfitze,
> > Juhnke, Knorke, Mampe, Piefke & Co.
>
> Kuck mal in meine Sig ;-)

Da finde ich die mit der "verfassungsmäßigen Form des
Regierungswechsels"
aber bedeutend origineller ... ;-)

--
Dr. Christian E. Naundorf alias CEN

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern
Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen!" (Epheser 2, 19)

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