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Wie war das mit den Bahnhöfen?

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Mathias Hiller

unread,
Apr 12, 2001, 4:34:46 AM4/12/01
to
On Thu, 12 Apr 2001 06:25:17 +0200, DELETE.T...@snafu.de
(Wolfgang Schwanke) wrote:

Lieber Wolfi! Bitte passe bei den Begriffen *genau* auf!

>Rechtsnachfolger der "echten" Reichsbahn aufzubewahren (was IIRC 1990
>tatsächlich dann aufgelöst wurde und an DB/DR überging).

Ganz so einfach nicht. Das Vermögen der ehemaligen Reichsbahn --> VdeR
ging in das Bundeseisenbahnvermögen über --> BEV

>der Folge der Verfall des Systems. Und denn nochmal ein Streik 1980, der
>zur der Stillegung eines Großteils des ohnehin vernachlässigten S-

Vorsicht! Was man sehr schnell als Stillegung bezeichnet, war "nur"
eine Betriebseinstellung. Genau aus diesem Grund können die Strecken
relativ leicht reaktiviert werden. (Ich erinnere in diesem
Zusammenhang an die Klage gegen die Wiederinbetriebnahme der S-Bahn
zwischen Lichtenrade und Mahlow.) Oft sind nur einfache Planverfahren
nötig, um die Gleismittenabstände zu ändern oder neue
Sicherungstechnik unterzubringen.

--
Gruß
Mathias +++ m...@snafu.de +++ http://home.snafu.de/mat/
+++ Disclaimer: My opinions are my own +++ and mine only +++

Benedikt Hotze

unread,
Apr 12, 2001, 11:16:22 AM4/12/01
to
Wolfgang Schwanke <DELETE.T...@snafu.de> wrote:

> Also es gab sehr wohl Streitigkeiten über den Status des Bahngeländes; da
> ging es aber um die Frage, ob die DDR-DR Eigentümer des Geländes sei oder
> nur "Betriebsrechte" im Auftrage der Alliierten ausübe

Immerhin waren Eisenbahnanlagen, z.B. Brücken, gern mit (dauerhaften)
Werbetafeln für DDR-Produkte versehen (z.B. Radeberger Bier). Im
Unterschied zu der Werbung an der Transitautobahn ("Plaste und Elaste
aus Schkopau") für solche Produkte, die der Westberliner auch
tatsächlich kaufen konnte: Anfang 1989 kostete ein 20 x 0,5-Kasten
Radeberger bei reichelt in Neukölln 11,90 DM, war also eine Billigmarke
;-)

Im Zonenrandgebiet wars nicht anders: Penny verkaufte in Braunschweig
in den achtziger Jahren einen 6 x 0,33-Einweg-Sixpack "Lübzer" für 2,79
DM.

Benedikt

Carsten Herrmann

unread,
Apr 12, 2001, 4:57:36 PM4/12/01
to
> Nach West-Berliner und westalliierter
> Rechtauffassung handelte es sich aber bei West- und Ost-Berlin nicht um
> zwei verschiedene Staaten, die sich gegenseitig irgendwelche
> Exterritorialitätsrechte hätten einräumen können, sondern um 4 Sektoren
> eines gemeinsam zu kontrollierenden Besatzungsgebietes, dessen praktische
> Ausübung leider vorübergehend behindert war, aber an dessen zumindest
> symbolischer Rechtseinheit man festzuhalten gedachte.

Ja, während die DDR meinte, dass Ost-Berlin ihre souveräne (haha) Hauptstadt
war und das Besatzungsrecht nur noch für die selbständige politische Einheit
Westberlin galt, was die SU offiziell auch so sah. Deshalb hieß es im
Vier-Mächte-Abkommen "das betreffende Gebiet" oder so ähnlich, ohne es
namentlich zu bezeichnen. Trotzdem blieb es bei praktischer Ausübung
insofern, dass die westalliierten Militärfahrzeuge ungehindert in
Ost-Berlin, Potsdam und wohl auch der Rest-DDR (oder nur im Transit?)
herumfahren durften. Irgendwann im kalten Krieg zu Reagans Zeit wurde mal
ein US-Offizier erschossen, als er dabei eine SU-Militäreinrichtung
fotografierte. Falls die SU-Militärs dasselbe Recht für West-Berlin nutzten,
nicht nur zur Fahrt zu ihrem Ehrenmal im Tiergarten, einem Stück
Sektor-Enklave, hätten sie dadurch ja eigentlich den fortbestehenden
Vier-Mächte-Status der ganzen Stadt praktisch bestätigt. Jedenfalls
passierte es in den Achtzigern mal, dass sie ein oder zwei Stunden lang die
Straße blockierten, in der ihr Konsulat (oder Militärmission?) lag, was wie
alle bedrohlichen Vorfälle in Zehlendorf von der "Morgenpost" ganz besonders
besorgt kommentiert wurde.

> Dann natürlich der S-Bahnboykott nach dem Mauerbau und in


> der Folge der Verfall des Systems.

"Keine Fahrkarten für Ulbrichts Stacheldraht" oder so. Ziemlicher Unsinn mit
üblen Folgen. Dazu gibt es einen Artikel von Uwe Johnson. Aber
wahrscheinlich brauchten die Leute damals das, um sich etwas abzureagieren.

> Und denn nochmal ein Streik 1980

Vielleicht hängt damit die mir dunkel erinnerliche Zeitungsmeldung zusammen,
wonach Reichsbahnpolizisten einen Ex-Mitarbeiter in seiner West-Berliner
Wohnung aufsuchen wollten, der sie aber nicht reinließ, sondern die Polizei
(West- natürlich) alarmierte.

Übrigens soll auch das Eigentums- oder nur Betriebsrecht der Reichsbahn was
damit zu tun gehabt haben, dass am Sachsendamm so lange ein
Autobahnteilstück fehlte, das daher auch in die Folklore eingegangen ist.

Ach ja, und die Büros der SEW waren auf dem Reichsbahngelände.

Holger Prüfert

unread,
Apr 12, 2001, 10:01:32 PM4/12/01
to
Carsten Herrmann schrieb:

>
> Ja, während die DDR meinte, dass Ost-Berlin ihre souveräne (haha) Hauptstadt
> war und das Besatzungsrecht nur noch für die selbständige politische Einheit
> Westberlin galt,

Wobei es noch bis Anfang 1977 bestimmte Sonderregelungen für Ost-Berlin
gab.

> was die SU offiziell auch so sah. Deshalb hieß es im
> Vier-Mächte-Abkommen "das betreffende Gebiet" oder so ähnlich, ohne es
> namentlich zu bezeichnen.

"das betreffende Gebiet", "die Westsektoren Berlins", "Gebiete, die an
diese Sektoren grenzen" und "diejenigen Gebiete der Deutschen
Demokratischen Republik, die nicht an diese Sektoren grenzen"

> Trotzdem blieb es bei praktischer Ausübung
> insofern, dass die westalliierten Militärfahrzeuge ungehindert in
> Ost-Berlin, Potsdam und wohl auch der Rest-DDR (oder nur im Transit?)

Letzteres. DDR war sowj. Besatzungsgebiet, somit gab es keine besonderen
Rechte für die Westalliierten, mit Ausnahme der Vier-Mächte-Bestimmungen
über die Transitwege und die Luftkorridore.

> herumfahren durften. Irgendwann im kalten Krieg zu Reagans Zeit wurde mal
> ein US-Offizier erschossen, als er dabei eine SU-Militäreinrichtung
> fotografierte.

Irgendwann ist mal ein (IIRC) französisches Militärfahrzeug bis in die
Kaserne des Wachregiments in Adlershof vorgedrungen. Sie wurden dann
durch ein stärkeres Fahrzeug wieder auf die Straße zurückgedrängt.

> Falls die SU-Militärs dasselbe Recht für West-Berlin nutzten,

was sie des öfteren auch taten...

> nicht nur zur Fahrt zu ihrem Ehrenmal im Tiergarten, einem Stück
> Sektor-Enklave, hätten sie dadurch ja eigentlich den fortbestehenden
> Vier-Mächte-Status der ganzen Stadt praktisch bestätigt.

Nicht unbedingt. Nach östlicher Auffassung war (ursprünglich) ganz
Berlin Teil der SBZ, den Westmächten seien lediglich
Mitverwaltungsrechte gewährt worden.

MfG
Holger

Martin ''Usenet's Favourite Zivi'' Schmidt

unread,
Apr 13, 2001, 12:10:34 PM4/13/01
to
Wolfgang Schwanke <DELETE.T...@snafu.de> schrieb:

[snip]

Da dies mittlerweile wieder off-topic ist, haltet das Thema doch bitte aus
bln.verkehr raus.

f'up2dafw-b


Kai-Uwe Thiessenhusen

unread,
Apr 21, 2001, 6:16:44 PM4/21/01
to
Ronny Hick <ry...@eplus-online.de> wrote:

:> im kalten Krieg zu Reagans Zeit wurde mal ein US-Offizier


:> erschossen, als er dabei eine SU-Militäreinrichtung fotografierte.

: Im Sommer 1984, in Ludwigslust oder Ludwigsfelde, wenn ich mich recht
: erinnere.

Ersteres.
Als ich davon hörte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.
Die fragliche Kaserne in Ludwigslust hatte ich nämlich einige Jahre
vorher selbst besichtigt. Auf einer Radtour merkte ich irgendwann,
daß die Zahl der Sowjetsoldaten um mich herum immer mehr zunahm.
Das hatte mich zunächst nicht beunruhigt, ab und an sah man die
ja auch in freier Wildbahn, dann sah es aber doch mehr und mehr
militärischer aus, aber ich sah nirgends ein Verbotsschild.
Umkehren wäre irgendwann zwecklos gewesen, und auffallen wollte ich
nicht.

Irgendwann stand ich dann am Objekttor. Von innen.

Genau die gleiche Geschichte passierte mir auch einmal
bei Güstrow und einmal bei Wünsdorf. Ins Kasernengelände
aus Versehen von hinten rein, kein Zaun, kein Schild,
dann von inen am Tor. In allen drei Fällen leistete man
mir nicht den mindesten Widerstand und ich
wurde unbehelligt 'rausgelassen, nur einer fragte mich
nach Zigaretten. Vergebens, ich hatte leider keine.

Unweit des Ludwigsluster Objekts war auch ein kleiner
Schießplatz mit den zweisprachigen Warnschildern:

"Stoi Streljajut - Halt hier wird geschiessen"

Kai

--> F'up in die Zone

Christian E. Naundorf

unread,
Aug 2, 2001, 8:06:40 AM8/2/01
to

Ronny Hick schrieb:
>
> "Carsten Herrmann" <cah...@snafu.de> schrieb:

> > im kalten Krieg zu Reagans Zeit wurde mal ein US-Offizier
> > erschossen, als er dabei eine SU-Militäreinrichtung fotografierte.
>

> Im Sommer 1984, in Ludwigslust oder Ludwigsfelde, wenn ich mich recht

> erinnere. Soll ein US-Major gewesen sein, der von Sowjetsoldaten
> erwischt wurde, als er mit seinem Jeep an einer Sowjetkaserne stand und
> dabei einen Fotoapparat deutlich sichtbar bei sich trug und ihn gerade
> einsetzen wollte. Den Aufforderungen der Sowjets, das zu unterlassen
> und den Film auszuhändigen, kam er wohl nicht nach, was schliesslich zu
> dem Schusswaffeneinsatz führte.

Nach dem haben sie übrigens relativ bald darauf die immer noch
vorhandene Bibliothek an der Clayallee benannt (wo jetzt das
Museum ist). Arthur J. Nicholson jun. Memorial Library
oder so ähnlich.

--
Dr. Christian E. Naundorf alias CEN

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern
Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen!" (Epheser 2, 19)

Peter Lemken

unread,
Oct 8, 2001, 9:41:08 AM10/8/01
to
Markus Ermert <erm...@compuserve.com> wrote:
>
> Nicht nur sowjetische Kasernen waren schlecht gesichert. Auch der
> Bundeswehr laufen schon mal Leute aufs Gelände, was wiederum findige
> Rotarmisten zum Geldverdienen animierte. Vielleicht erinnert sich noch
> jemand an die Story mit den geklauten MiGs, die lange Zeit zwischen
> Reichstag und Lehrter Bahnhof in Berlin standen:

[Geniale Militaria Performance]

Gibt's dazu irgendwelche Fotos?

Peter Lemken
Berlin

--
Das Priester-Zoelibat ist das erfolgreichste Eugenik-Projekt der
Menschheit. Es besticht auch in Momenten scheinbaren Versagens mit der
Eleganz seines Entwurfs.
-- Mirko Liss in d.a.s.r

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