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Kartoffeln

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Gerald Endres

unread,
May 2, 2005, 5:33:24 PM5/2/05
to
Neulich ging es ja mal um die Frage, ob in der DDR auch die Kartoffeln
mal knapp waren. Zufällig bin ich darüber gestolpert: Sie waren es
1961/62.

1961 ernteten die Bauern nur 9,27 Millionen Tonnen, 5,6 Millionen
weniger als im Jahr 1960.

Der Spiegel schrieb dazu:

"Die Parteileitung ordnete an:
-Die eingeplante Menge an Einkellerungskartoffeln wird reduziert;
-Die Herstellung von Stärke, Alkohol und anderen industriellen
Kartoffelprodukten wird rigoros gedrosselt;
- Alle Betriebsküchen und Restaurants dürfen an zwei Tagen jeder Woche
nur kartoffelfreie Mahlzeiten servieren.
Kellerschnüffler der SED durchkämmten überdies die Dörfer und
lichteten die Bestände der LPG an Futter- und Pflanzkartoffeln, ohne
auf die Folgen für die Fleischproduktion und die Frühjahrsbestellung
Rücksicht zu nehmen. Als einzigen Trost hinterließen sie den
geschröpften Bauern den guten Rat, sich zur Auffrischung ihrer
Saatgutbestände der Messermethode von Bantikow zu bedienen"
(Spiegel 9/28.2.62)

Erklärung: In der LPG in Bantikow waren die Frauen der Feldbaubrigade
auf die Idee gekommen, die Saatkartoffeln mit dem Messer zu halbieren,
um genug Pflanzgut zu haben.

Gruß
Gerald
--

http://www.boen-end.de

Martin Ebert

unread,
May 2, 2005, 6:19:42 PM5/2/05
to
Gerald Endres wrote:

> -Die Herstellung von Stärke, Alkohol und anderen industriellen

^^^^^^^
> Kartoffelprodukten wird rigoros gedrosselt;

Das wäre dann nun wirklich dumm gewesen ...

> Erklärung: In der LPG in Bantikow waren die Frauen der Feldbaubrigade
> auf die Idee gekommen, die Saatkartoffeln mit dem Messer zu halbieren,
> um genug Pflanzgut zu haben.

Du weißt, dass wir Ossis ganz besonders stolz auf unser Improvisations-
talent sind. - Die Mädels waren also taff drauf.
Und vermutlich hast Du uns eine wissenschaftliche Studie verschwiegen,
nach der die Schnittfläche gut austrocknet. <bg>

Mt

Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 12:51:55 AM5/3/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> 1961 ernteten die Bauern nur 9,27 Millionen Tonnen, 5,6 Millionen

> weniger als im Jahr 1960 <snip>


> - Alle Betriebsküchen und Restaurants dürfen an zwei Tagen jeder Woche

> nur kartoffelfreie Mahlzeiten servieren. <snap>
> (Spiegel 9/28.2.62)

"Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
Borschtsch und Bockwurstersatz. Vielleicht hat auch Volkschina
brüderliche Hilfe und Reis geschickt?

Danke für die Beiträge "Der »Spiegel« im Kalten Krieg".

Da wir auch etwas fürs Leben lernen wollen: "Naturalertrag Kartoffeln"
dt je ha in der DDR
1957/61 .... 161,2
1962/66 .... 177,2
1967/71 .... 176,4
[DDR-Handbuch: Landwirtschaft. Enzyklopädie der DDR, S. 4025 (vgl.
DDR-HB, S. 801) (c) Bundesministerium des Innern]

Schon Schei*e, wenn man im Rahmen der Kollektivierung die
Kartoffelanbaufläche halbiert <g>

Veith
--
Strukturen, Geschichte(n) & Bilder der LSK/LV
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de


Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 2:58:44 AM5/3/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>"Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
>Borschtsch und Bockwurstersatz. Vielleicht hat auch Volkschina
>brüderliche Hilfe und Reis geschickt?

Veithsche Methode Popanz: Übersteigere eine unerwünschte Aussage ins
Lächerliche und tu dann so, als wäre die ursprüngliche Aussage
lächerlich.

Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die Kartoffeln!

>Danke für die Beiträge "Der »Spiegel« im Kalten Krieg".

Stimmt's oder stimmt's nicht, was damals im Spiegel stand? Der Verweis
darauf, dass der böse Feind sowas sagt, hat wenig argumentativen
Nährwert.

>Schon Schei*e, wenn man im Rahmen der Kollektivierung die
>Kartoffelanbaufläche halbiert <g>

Da bist du wahrscheinlich auf der richtigen Spur. Die Parteiführung
hatte als Ursache für die Kartoffelkrise herausgefunden, dass die
Genossenschaftsbauern ideologisch noch nicht gefestigt wären, und dass
20 000 Hektar der für den Kartoffelanbau vorgesehenen Fläche nicht
bestellt wurden.

Patrick Bonacker

unread,
May 3, 2005, 3:33:47 AM5/3/05
to
Hallo,

on Tue, 3 May 2005 06:51:55 +0200, "Peter Veith" <ve...@snafu.de>
wrote:

[...]
>Volkschina
[...]

Hehe, jetzt weiß ich endlich, warum es viele wie "Schina"
aussprechen...

Gruß
Pat"immer noch besser als Kina"rick

Dirk Bindmann

unread,
May 3, 2005, 4:32:33 AM5/3/05
to
Martin Ebert schrieb:

>> Erklärung: In der LPG in Bantikow waren die Frauen der Feldbaubrigade
>> auf die Idee gekommen, die Saatkartoffeln mit dem Messer zu halbieren,
>> um genug Pflanzgut zu haben.
>
> Du weißt, dass wir Ossis ganz besonders stolz auf unser Improvisations-
> talent sind. - Die Mädels waren also taff drauf.
> Und vermutlich hast Du uns eine wissenschaftliche Studie verschwiegen,
> nach der die Schnittfläche gut austrocknet. <bg>

Die Bantikower Mädels brauchten sicherlich keine wissenschaftliche
Studie, um auf die Idee zu kommen, Saatkartoffeln zu halbieren. Die
haben nur ihren Beruf ordentlich gelernt und einfach das gemacht, was
Generationen von Bauern schon vor ihnen gemacht haben. Dass nicht
grundsätzlich geschnittenes Pflanzgut verwendet wird, liegt lediglich
daran, dass das Zerschneiden außerhalb von Notjahren nicht sinnvoll
ist.

Herzliche Grüße
Dirk

Bernd Ullrich

unread,
May 3, 2005, 5:45:23 AM5/3/05
to
Gerald Endres wrote:
> "Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>> "Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
>> Borschtsch und Bockwurstersatz. Vielleicht hat auch Volkschina
>> brüderliche Hilfe und Reis geschickt?

> Veithsche Methode Popanz: Übersteigere eine unerwünschte Aussage ins
> Lächerliche und tu dann so, als wäre die ursprüngliche Aussage
> lächerlich.

Gequirlte Schei**e bleibt gequirlte Schei**e und wird nie lächerlich.

> Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
> Kartoffeln!

jJa, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
aussuchen.

BU

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 7:29:22 AM5/3/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>Gequirlte Schei**e bleibt gequirlte Schei**e und wird nie lächerlich.

Woher weißt du das?

Torsten Klimke

unread,
May 3, 2005, 7:27:48 AM5/3/05
to

"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb

>> Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
>> Kartoffeln!
>

> Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
> aussuchen.

Pommes!?

Torsten Mueller

unread,
May 3, 2005, 7:42:33 AM5/3/05
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

> Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
> Kartoffeln!

Die Anzahl von Kartoffelsuppen, die ich in meiner Kindheit
unverschuldet auslöffeln durfte, hat immerhin ausgereicht, um mich
mein Leben lang und garantiert ohne Ausnahme davon abstinent werden zu
lassen.

T.M.

P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro Woche.

Tim Ehlert

unread,
May 3, 2005, 11:02:58 AM5/3/05
to
* Peter Veith <ve...@snafu.de>:

> "Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
> Borschtsch und Bockwurstersatz. Vielleicht hat auch Volkschina

Borschtsch hab ich leider nie in einem ostdeutschen Restaurant gesehen.
Bockwürste gabs meines Wissen auch nur in Keipen, am Imbiss oder bei der
Mitropa.

Soljanka hatte fast jedes Restaurant im Angebot und die war i.d.R. besser
als jede Soljanka die Du heute bekommst (ja, früher war mehr Lametta). Keine
Ahnung, welche geheime Zutat damåls benutzt wurde. Vielleicht ist es auch
besser das nicht zu wissen ;-)

Ach ja, hier noch ein kleiner Artikel zur Barkultur in der DDR:
<http://hudsonbar.de/drinksandstories/barddr.html>

In diesem Sinne, Cheers,
Tim

René

unread,
May 3, 2005, 11:14:51 AM5/3/05
to
Tim Ehlert wrote:
> Soljanka hatte fast jedes Restaurant im Angebot und die war i.d.R.
> besser als jede Soljanka die Du heute bekommst (ja, früher war mehr
> Lametta). Keine Ahnung, welche geheime Zutat damåls benutzt wurde.
> Vielleicht ist es auch besser das nicht zu wissen ;-)

Welcher frühere Nutzer der Sputnik-Züge auf dem Berliner Außenring
erinnert sich nicht an den nächtlichen Kesselwagenganzzug mit Soljanka,
der die entlang des Außenringes liegenden Speisegaststätten mit diesem
begehrten Imbiss versorgte!

Dieser Zug, im Regelfall bespannt mit einer der wenigen Cottbusser 52er
mit mechanischer Brikettbruchbeschickung, begann seine tägliche Rundreise
am Kraftwerk Vetschau, wo er mit heißem Wasser aus dem Kühlkreislauf des
Kraftwerkes aufgefüllt wurde, das auf diese Weise einer niveauvollen
Zweitnutzung dienstbar gemacht werden konnte, zumal einzelne gekochte
Fische bereits enthalten waren.

Erster Halt war in Lübbenau, wo insbesondere für den Export nicht
taugliches Gemüse in die Kesselwagen gefüllt wurde. Nächste Station war
Königs Wusterhausen, wo die aus der Zentralabdeckerei "Roman Chwalek" in
Mittenwalde Nord auf der Schiene herbeigeführte Fleischeinlage zugekippt
wurde. Bis zu den ersten Stationen des Außenringes konnte die Suppe
ziehen, was naturgemäß auf dem südlichen Außenring, der zuerst befahren
wurde, ein weniger gutes Ergebnis brachte als auf dem zuletzt befahrenen
östlichen.

Der Kenner der Suppenlogistik speiste daher vorzugsweise in der
Betriebskantine am Rbf Wuhlheide, wo die würzigste Suppe serviert wurde.
Das vorgestellte Buch enthält den kompletten Fahrplan dieses Zuges, Stand
Sommerfahrplan 1958.

http://www.railnet.de/Railnet_Lit_c.htm


Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 11:37:05 AM5/3/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> "Peter Veith" schrieb:


> >"Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
> >Borschtsch und Bockwurstersatz. Vielleicht hat auch Volkschina
> >brüderliche Hilfe und Reis geschickt?
>
> Veithsche Methode Popanz: Übersteigere eine unerwünschte Aussage ins
> Lächerliche und tu dann so, als wäre die ursprüngliche Aussage
> lächerlich.

Mmmhhhh, wie die "Methode" heißt, weiß ich gar nicht. Ist aber ein
übliches Verfahren, die Aussagen des Kontrahenten "auf den Punkt zu
bringen" und bei Bedarf so zu überhöhen, daß die Absurdität der Aussage
für jeden deutlich wird.

> Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht?

Nicht in meiner DDR.

Aber, obwohl eben Google beim Suchstring "kartoffelfreie Tage" Null
Treffer brachte (was sich nach Deinem neuen Film "Erntenot in der DDR -
Kartoffelkäfer berichten" vermutlich ändert), fiel mir assoziativ der
"Eintopfsonntag" (1933-45) ein. Und das war sicher auch so gemeint.

Nun, du wirst sicher gleich Politbürobeschlüsse und vor allem
Gaststättenverordnungen zum zitieren .... beim Eintopfsonntag
schnüffelte schließlich nicht nur der Blockwart, sondern die Gaststätten
hatten auch detailreiche Anweisungen.

> Butter bei die Kartoffeln!

Mann, mußt Du gleich provozieren! Du weißt doch, wir in der Zone kannten
doch keine Butter, nur Magerine^^^Êrsatz. <s>

> >Danke für die Beiträge "Der »Spiegel« im Kalten Krieg".
> Stimmt's oder stimmt's nicht, was damals im Spiegel stand? Der Verweis
> darauf, dass der böse Feind sowas sagt, hat wenig argumentativen
> Nährwert.

Offensichtlich stimmt es nicht. Übrigens ist das mein Standardargument
4711, daß auch etwas wahr sein kann, wenn es vom Teufel persönlich
stammt.

Dummerweise war WIMRE im Sommer 1960 die Kollektivierung der
Landwirtschaft abgeschlossen, d.h. die hier ca. 80% der
landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschafteten. Und 1961 soll der
Rückgang der Kartoffelproduktion um über ein Drittel gewesen sein
.... dafür gäbe es mehr "Hinweise" als ein zeitgenössisches
Kapital-Verkündungsblättchen.

> >Schon Schei*e, wenn man im Rahmen der Kollektivierung die
> >Kartoffelanbaufläche halbiert <g>
>
> Da bist du wahrscheinlich auf der richtigen Spur. Die Parteiführung
> hatte als Ursache für die Kartoffelkrise herausgefunden, dass die
> Genossenschaftsbauern ideologisch noch nicht gefestigt wären, und dass
> 20 000 Hektar der für den Kartoffelanbau vorgesehenen Fläche nicht
> bestellt wurden.

Du hast wie immer Probleme beim Rechnen:

20.000 ha x 177 dt/ha = 3.540.000 dt ... und da in meiner DDR 1 dt = 100
kg = 0,1 t waren, ergäbe das - nach deinen Hektarangaben und BRD-Angaben
zum Durchschnittskartoffelertrag gnadenlose 354 tausend Tonnen ...
mithin 6,3 % von der angeblichen Fehlbetragsmenge i.H.v. 5.600 tausend
Tonnen.

Mit dem Nicht-nachrechnen-zu-rechnen ist ja nun ein janz alter Trick.

Da ich selten - selbst beim "Spiegel" - plumpe Lügen und
Fieberphantasien unterstelle, behaupte ich fröhlich: Der "Spiegel" hat
absichtsvoll die Gesamtproduktionsmenge von 1960 mit der kollektiv
erwirtschafteten Menge 1961 (ca. 80%) verglichen .... also "Äpfel mit
Birnen". Da ich selbst meiner DDR-Landwirtschaft Einbußen im Erstjahr
bei Systemumstellung sowie Abhängigkeiten vom Wettergott zutraue, paßt
das PixDaumen.

Im übrigen sank die landwirtschaftliche Nutzfläche im gesamten Zeitraum
der DDR tatsächlich kontinuierlich (Stichworte: Intensivierung,
Wohnungs-, Industriebau), so von 1960 auf 1970 um gnadenlose 2 Prozent,
davon die Kartoffelanbaufläche überproportional um 13 Prozent.
Vermutlich wurden hier einfach weniger Kartoffeln gemampft.

[DDR-Handbuch: Landwirtschaft. Enzyklopädie der DDR, S. 4024 (vgl.
DDR-HB, S. 0) (c) Bundesministerium des Innern]

Ve"Bahnefrei, Kartoffelbrei"ith
--
"Die Zone darf nicht als Staat unter anderen gelten und damit
völkerrechtlich unangreifbar werden."
BRD-Außenminister Gerhard Schröder, 17.08.1964
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 11:26:45 AM5/3/05
to
"Patrick Bonacker" schrieb:

> on Tue, 3 May 2005 06:51:55 +0200, "Peter Veith" <ve...@snafu.de>
> wrote:

> >Volkschina


>
> Hehe, jetzt weiß ich endlich, warum es viele wie "Schina"
> aussprechen...

Wenn ich es mir Recht überlege, gab es nur "Volkspolen" *Kopfkratz*

> Pat"immer noch besser als Kina"rick

Ve"Kemie"ith
--
»Menschenrecht bricht Staatsrecht« Adolf Hitler (Mein Kampf)
http://VOLKSARMEE.de.tt


Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 10:46:59 AM5/3/05
to
"Torsten Mueller" schrieb:

> Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:
> > Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
> > Kartoffeln!
>
> Die Anzahl von Kartoffelsuppen, die ich in meiner Kindheit
> unverschuldet auslöffeln durfte, hat immerhin ausgereicht, um mich
> mein Leben lang und garantiert ohne Ausnahme davon abstinent werden zu
> lassen.

Das waren "Graupen" bzw. "Graupensuppe". Kartoffeln waren in der
Soffjetzone völlig unbekannt ... kamen schließlich aus Amerika ... merke
Dir das endlich! Besser als der russiche "Hirsebrei" allemal ;-)

> T.M.
> P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro Woche.

An denen gibbet Pommes?

SCNR
Veith
--
"Humanitäre Interventionen sind hegemoniale Projekte des Westens. Sie
kosten Geld und dauern Jahrzehnte" FAZ 27.09.04
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Ronald Konschak

unread,
May 3, 2005, 11:53:27 AM5/3/05
to
Tim Ehlert <t...@startplus.de> schrieb:

> > "Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
> > Borschtsch und Bockwurstersatz.

Was ist denn Bockwurstersatz?

> Borschtsch hab ich leider nie in einem ostdeutschen Restaurant gesehen.

Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.
Wer unbedingt welche essen wollte, hätte eben zu den "Tagen der
$SOWJETREPUBLIK Küche" in eins der beliebten internationalen
Restaurants gehen müssen.

Ronald.
--
Die Eliten in Deutschland sind technologiefeindlich.

Jochen Wegner, Wissenschaftsredakteur des Focus

Tim Ehlert

unread,
May 3, 2005, 12:09:21 PM5/3/05
to
* Peter Veith <ve...@snafu.de>:

> Das waren "Graupen" bzw. "Graupensuppe". Kartoffeln waren in der
> Soffjetzone völlig unbekannt ... kamen schließlich aus Amerika ... merke
> Dir das endlich! Besser als der russiche "Hirsebrei" allemal ;-)

Nun ja, ich durfte eine "Graupensuppe mit Einlage vom Wildlachs" um 1999 im
VAU (oder wars das Borchardt?) essen. Gut, dass ich die 45,50 DM (!) dafür
nicht bezahlen musste ;-) Aber das wird jetzt OffTopic...

Tim

Boris Gerlach

unread,
May 3, 2005, 12:11:13 PM5/3/05
to

Sonnabends gabs Einheitseintopf.

BGE

Boris Gerlach

unread,
May 3, 2005, 12:14:21 PM5/3/05
to
Torsten Mueller wrote:

[..]

>
> Die Anzahl von Kartoffelsuppen, die ich in meiner Kindheit
> unverschuldet auslöffeln durfte, hat immerhin ausgereicht, um mich
> mein Leben lang und garantiert ohne Ausnahme davon abstinent werden zu
> lassen.
>
> T.M.
>
> P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro Woche.

Und hier werden Kartoffeln prinzipiell an die Schweine verfüttert. ;-)
Kartoffeln inhaliert der Schwabe nur in verfeinerter Form aber nie
nur so. Entweder als Kartoffelsalat, oder als Schupfnudel oder als
saure Rädle oder als Bratkartoffeln zu sauren Kutteln.
Also jede Menge kartoffelfreie Tage.

BGE

Markus Knoppek

unread,
May 3, 2005, 1:22:11 PM5/3/05
to
Boris Gerlach <drstra...@doctor-strange.de> wrote:
> > "Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb

[Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht?]


>>Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
>>aussuchen.
>
> Sonnabends gabs Einheitseintopf.

Montags und Freitags gabs Wrucken *würg*.

M aus B

--
"Nur ein Kind im Haus ist wie nur eine Schlinge um den Hals."

[Al Bundy]

René

unread,
May 3, 2005, 1:37:52 PM5/3/05
to
Peter Veith wrote:
> "Patrick Bonacker" schrieb:

>>> Volkschina
>>
>> Hehe, jetzt weiß ich endlich, warum es viele wie "Schina"
>> aussprechen...
>
> Wenn ich es mir Recht überlege, gab es nur "Volkspolen" *Kopfkratz*

http://www.google.com/search?q=Volkschina&sourceid=mozilla-search&start=0&start=0&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-a&rls=org.mozilla:en-US:official

Bzw. Einfach mal nach Volkschina googlen.


Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 1:44:24 PM5/3/05
to
"Markus Knoppek" schrieb:

> Boris Gerlach <drstra...@doctor-strange.de> wrote:
> > > "Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb
> [Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht?]
> >>Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
> >>aussuchen.
> > Sonnabends gabs Einheitseintopf.
>
> Montags und Freitags gabs Wrucken *würg*.

Mir ist nur als pures Arme-Leute-Essen am Sonntag in Erinnerung:

Ausgelassene Leberwurst mit Sauerkraut und ... Kartoffeln.

Veith
--
"Ja, das Parlament ist eine Bühne, auf der das aufgeführt wird, was
vorher beschlossen wurde" (Verheugen, SPD, 1991)
http://DDR-LUFTWAFFE.de


Boris Gerlach

unread,
May 3, 2005, 1:52:33 PM5/3/05
to
Markus Knoppek wrote:
> Boris Gerlach <drstra...@doctor-strange.de> wrote:
>
>>>"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb
>
>
> [Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht?]
>
>>>Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
>>>aussuchen.
>>
>>Sonnabends gabs Einheitseintopf.
>
>
> Montags und Freitags gabs Wrucken *würg*.

In Pinnow bis zum Schluß ein Standardessen.
Hat sehr gut geschmeckt. Mit schön Siedfleisch drinnen.

Feine Sache das.

BGE

Patrick Bonacker

unread,
May 3, 2005, 3:01:05 PM5/3/05
to
Hallo,

on Tue, 3 May 2005 15:53:27 -0000, Ronald Konschak <dl1...@darc.de>
wrote:

>> Borschtsch hab ich leider nie in einem ostdeutschen Restaurant gesehen.
>
>Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.

Borschtsch = Weißkohl + Rote Bete
(nur Weißkohl = Schtschi)

Gruß,
Patrick

Patrick Bonacker

unread,
May 3, 2005, 3:07:37 PM5/3/05
to
Hallo,

on Tue, 03 May 2005 17:37:52 GMT, "René" <ka...@the-coalition.us>
wrote:

Zeitschiene?

In den 70-80ern hat kein Mensch Volkschina gesagt, Volkspolen hörte
man manchmal.

Oder?

Patrick

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 3:41:05 PM5/3/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>Das waren "Graupen" bzw. "Graupensuppe". Kartoffeln waren in der
>Soffjetzone völlig unbekannt ... kamen schließlich aus Amerika ... merke
>Dir das endlich! Besser als der russiche "Hirsebrei" allemal ;-)

Und wieder einmal steht unser Peterchen fuchtelnd allein in der
Landschaft, energisch gegen etwas ankämpfend, was niemand gesagt hat.

Weiter so.

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 3:41:05 PM5/3/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

[...]
Du strengst dich ganz schön an, um eine simple Tatsache wegzuerklären
und wegzurechnen, die damals von niemandem bestritten wurde wurde, am
allerwenigsten von der Parteiführung: Im Frühjahr 1962 waren in der
DDR Kartoffeln sehr knapp.

Der Spiegel brachte das übrigens auch mit der Kollektivierung in
Verbindung. Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert und den Teil über
die Kollektivierung weggelassen, weils sonst zu politisch geworden
wäre und Kai-Uwe mir dann nie ein Bier ausgibt, - aber wenn du in
diesem Fall ähnliche Ursachen für die Knappheit siehst wie der
Spiegel: So sei es.

Bernd Ullrich

unread,
May 3, 2005, 3:48:54 PM5/3/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert
[...]
Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.

BU

Falk Schade

unread,
May 3, 2005, 3:57:06 PM5/3/05
to

"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3dpk7hF...@uni-berlin.de...

> "Torsten Mueller" schrieb:
>
> > Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:
> > > Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
> > > Kartoffeln!
> >
> > Die Anzahl von Kartoffelsuppen, die ich in meiner Kindheit
> > unverschuldet auslöffeln durfte, hat immerhin ausgereicht, um mich
> > mein Leben lang und garantiert ohne Ausnahme davon abstinent werden zu
> > lassen.
>
> Das waren "Graupen" bzw. "Graupensuppe". Kartoffeln waren in der
> Soffjetzone völlig unbekannt ... kamen schließlich aus Amerika ... merke
> Dir das endlich! Besser als der russiche "Hirsebrei" allemal ;-)
>
> > T.M.
> > P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro Woche.
>
> An denen gibbet Pommes?
>
Nö ich kenn das aus der Kantine in Basel Bad. Bf, da gab es Eierteigwaren,
vulgo Nudeln.

Falk

--

2 Bände vom DB Fahrzeugarchiv, andere Bücher und aktuelle DVD's
versteigere ich bei Ebay unter:
http://search.ebay.de/_W0QQsassZfads2000


Falk Schade

unread,
May 3, 2005, 4:06:22 PM5/3/05
to

"Ronald Konschak" <dl1...@darc.de> schrieb im Newsbeitrag
news:ncjkk2-...@dl1dww-u.ampr.org...

> Tim Ehlert <t...@startplus.de> schrieb:
>
> > > "Restaurants" ... da gab es sicher nur noch russische Soljanka,
> > > Borschtsch und Bockwurstersatz.
>
> Was ist denn Bockwurstersatz?
>
> > Borschtsch hab ich leider nie in einem ostdeutschen Restaurant gesehen.
>
> Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.
> Wer unbedingt welche essen wollte, hätte eben zu den "Tagen der

Also uns wurde so was mal bei einem Gruppenbesuch in Polen seviert.
Schmeckte nicht so schlecht. Hinter mir wirft man gerade ein "Krauteintopf"
gab es in der Schulspeiung einmal die Woche. Nuß ich verdrängt haben.

Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 4:14:47 PM5/3/05
to
"Falk Schade" schrieb:

> > > P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro
> > > Woche.
> > An denen gibbet Pommes?
> >
> Nö ich kenn das aus der Kantine in Basel Bad. Bf, da gab es
> Eierteigwaren, vulgo Nudeln.

Kenne ich auch aus Italien ... interessanterweise waren die dortigen
Imbißstände offenbar verdonnert nur Pizza zu veräußern ....

Schon ein hartes Los!
Veith
--
»Ich habe ja nichts gegen die Klassenjustiz. Mir gefällt nur die Klasse
nicht, die sie macht.« Kurt Tucholsky, Auf dem Nachttisch (1930)
http://DDR-LUFTWAFFE.de


Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 4:11:03 PM5/3/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> Du strengst dich ganz schön an, um eine simple Tatsache wegzuerklären
> und wegzurechnen, die damals von niemandem bestritten wurde wurde, am
> allerwenigsten von der Parteiführung: Im Frühjahr 1962 waren in der
> DDR Kartoffeln sehr knapp.

Ach' hast Du mehr als ein Kalte-Krieg-Pamphlet einer zeitgenössischen,
bundesdeutschen Boulevard-Zeitung?

> Der Spiegel brachte das übrigens auch mit der Kollektivierung in
> Verbindung.

War ich doch wieder gut! <s>

Bin auf deinen "Erntenot-Film" gespannt <g>
Veith
--
Strukturen, Geschichte(n) & Bilder der LSK/LV
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 4:21:07 PM5/3/05
to
"Falk Schade" schrieb:

[Borschtsch]


> > Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.
> > Wer unbedingt welche essen wollte, hätte eben zu den "Tagen der
>
> Also uns wurde so was mal bei einem Gruppenbesuch in Polen seviert.
> Schmeckte nicht so schlecht.

Ja, bin Fan von guten Borschtsch bzw. Weißkohleintopf. Allerdings wurde
mir unlängst in Krakau "Borschtsch" serviert: Rote Beete aus dem Glas,
samt deren warmgemachte Soße ... *schüttel* hatte nix mit meinem
Borschtsch-verständnis zu tun.

> Hinter mir wirft man gerade ein "Krauteintopf"
> gab es in der Schulspeiung einmal die Woche. Nuß ich verdrängt haben.

Stimmt, Montag war "Suppentag" .... wenn es nicht gerade sog.
"Kartoffelsuppe" gab, war dieser tatsächlich "Kartoffelfrei". WIMRE gab
es in der Schulspeisung auch Mittwochs vorrangig Suppe ... da hätten wir
beide Tage lokalisiert ;-)

Veith
--
Revolutionen haben die Eigenschaft Entwicklungen vorwegzunehmen, aber
offensichtlich nicht, diese zu beschleunigten.
http://Volksarmee.de.tt

Patrick Bonacker

unread,
May 3, 2005, 4:25:24 PM5/3/05
to
Hallo,

on Tue, 3 May 2005 22:14:47 +0200, "Peter Veith" <ve...@snafu.de>
wrote:

[...]


>> Nö ich kenn das aus der Kantine in Basel Bad. Bf, da gab es
>> Eierteigwaren, vulgo Nudeln.

^^^^ ^^^^^^


>
>Kenne ich auch aus Italien ...

^^^^^^^
Eher nicht.

Patrick

Bernd Ullrich

unread,
May 3, 2005, 4:31:43 PM5/3/05
to
Falk Schade wrote:
[...]
> Also uns wurde so was mal bei einem Gruppenbesuch in Polen seviert.

Bigos!!

Gabs in jeder Betriebskantine.

BU

Kai Garlipp

unread,
May 3, 2005, 4:37:33 PM5/3/05
to
On 03.05.2005 19:22, Markus Knoppek wrote:
> [Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht?]
>
>>>Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
>>>aussuchen.
>>
>>Sonnabends gabs Einheitseintopf.
>
> Montags und Freitags gabs Wrucken *würg*.

Das typische Kantinen- und Schulspeisungsessen in der Zeitschine der
späten 70er und in den 80er Jahren war am Montag Milchreis oder Nudeln
mit roter Soße und am Freitag der Eintopf.

Das kartoffellose Essen vom Montag dürfte damit zusammen hängen, daß am
Sonntag die Schälbetriebe nicht oder nur mit stark verminderter
Produktion arbeiteten und einfach bis zum Küchenbeginn am Montag früh
nicht genügend frisch geschälte Kartoffeln lieferbar waren.

Bye Kai

Falk Schade

unread,
May 3, 2005, 4:40:29 PM5/3/05
to

"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb

> Stimmt, Montag war "Suppentag" .... wenn es nicht gerade sog.
> "Kartoffelsuppe" gab, war dieser tatsächlich "Kartoffelfrei". WIMRE gab
> es in der Schulspeisung auch Mittwochs vorrangig Suppe ... da hätten wir
> beide Tage lokalisiert ;-)

Könnte sein, obwohl an irgendwelche Regelmäßigkeiten können wir uns hier
partout nicht erinnern.
Bei der Schulmilch die es inder großen Pause gab da gab es bestimmte
Geschmäcker nur an bestimmten Tagen. Samstags gab es nix. Vielleicht könnte
Gerald darüber ja mal einen Film produzieren. "Schulmilchknappheit an einem
Tag der Woche", oder so ;-)

Falk

--

Bücher über Stuttgarts und Württembergs Geschichte, andere spannende Bücher

Peter Veith

unread,
May 3, 2005, 4:51:37 PM5/3/05
to
"Falk Schade" schrieb:

> Samstags gab es nix. Vielleicht könnte
> Gerald darüber ja mal einen Film produzieren. "Schulmilchknappheit an
> einem Tag der Woche", oder so ;-)

neeee, erst gibt es den Film »DDR-Zwangsschultag , der "Sonnabend" in
der Zone« ... Wessis brauchten den nicht .... hatten / haben schließlich
das 13. (Schauspiel-) Jahr ;-)

Und dann kommt ... »Schulmilch-Zwang, wie die SED Kinder schrumpfen
ließ« ;-))

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 5:07:51 PM5/3/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>> Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert
>[...]
> Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.

Weißt du es besser? War es anders? Belege?

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 5:24:40 PM5/3/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>Und dann kommt ... »Schulmilch-Zwang, wie die SED Kinder schrumpfen
>ließ« ;-))

Da muss ich doch mal mit Methode Veith antworten:
Klar, die DDR war das Land, in dem niemals irgend ein Mangel an irgend
etwas auftrat, und wer behauptet, es hätte irgendwann einen Mangel
gegeben, der ist ein Kalter Krrieger oder eine gekaufte Feder.

Faszinierend finde ich auch, dass du immer wieder mit dem Größenthema
anfängst. Wer hätte gedacht, dass Musterungsstatistiken so gemein sind
und Peter derart verletzen können?

Norbert Möller

unread,
May 3, 2005, 6:07:14 PM5/3/05
to
Am 03 May 2005 15:02:58 GMT, Tim Ehlert <t...@startplus.de> schrieb:

>Soljanka hatte fast jedes Restaurant im Angebot und die war i.d.R. besser
>als jede Soljanka die Du heute bekommst (ja, früher war mehr Lametta). Keine
>Ahnung, welche geheime Zutat damåls benutzt wurde. Vielleicht ist es auch
>besser das nicht zu wissen ;-)

Der unverwechselbare Geschmack von vergammelten Wurstwaren, insbesondere
mehrfach aufgewärmter Bockwurst ohne Darm, ersatzweise auch überlagerter
Cervelatwurst, Mortadella oder Jagdwurst, am besten grünlich-grau und kurz vor
der Fäulnis - deshalb besonders kräftig angebraten ...

Wohlschmeckende Soljanka ohne diese Extras aß ich im Februar im Pfannkuchenhaus
in Dierhagen an der Ostsee ...

Gruß

Norbert

Gerald Endres

unread,
May 3, 2005, 6:17:31 PM5/3/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>> Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert
>[...]
> Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.

Irgendwie müssen die Ersteller der Website der Stadt Coswig den
Spiegel von 1962 gelesen haben. Jedenfalls schreiben sie in

http://www.coswiganhalt.de/index.php?cid=3816

Folgendes:


"Für den Handel gab es 1962 eine Festlegung , das Warenangebot
vormittags nur zu 30 % bereit zustellen, nachmittags dann 70 %. Damit
wurde den Wünschen vieler berufstätiger Frauen entsprochen, die erst
nach der Arbeit einkaufen konnten und von sogenannter Mangelware wie
Südfrüchten, Schokolade , Edel-Obst und Gemüse sonst nichts mehr
abbekamen. Die Betriebs-Vst der HO wurden vorrangig mit diesen Dingen
beliefert. In den Werksküchen gab es 1962 wegen schlechter
Kartoffelernte 2-3 x wöchentlich kartoffelfreies Essen."

Boris Gerlach

unread,
May 4, 2005, 12:40:28 AM5/4/05
to
Falk Schade wrote:

[..]

>>Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.
>>Wer unbedingt welche essen wollte, hätte eben zu den "Tagen der
>
>
> Also uns wurde so was mal bei einem Gruppenbesuch in Polen seviert.

Wenn dieser "Eintopf" eine festere Konsistenz hatte,
war es Bigos. Eines der Nationalgerichte der Polen.
Kasza (Grütze oder Graupen) ist ebenfalls ein
polnisches Nationalgericht und wird gern als Beilage
vorher in Fett und Brühe gedünstet gereicht. Außerdem beginnt ein
ordentliches polnisches Mittagessen immer! mit einer Suppe.


> Schmeckte nicht so schlecht. Hinter mir wirft man gerade ein "Krauteintopf"
> gab es in der Schulspeiung einmal die Woche. Nuß ich verdrängt haben.

Krauteintopf gabs auch in der Dreiklang Schulspeisung in Schwedt
(für die POS III, IV , V und VII) regelmäßig.)

Wruken hingegen sah ich nur in der Pinnower Kantine.

BGE

Boris Gerlach

unread,
May 4, 2005, 12:42:21 AM5/4/05
to

Bigos hab ich nie in einer DDR-Kantine gesehen.

BGE

Peter Veith

unread,
May 4, 2005, 12:42:53 AM5/4/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> http://www.coswiganhalt.de/index.php?cid=3816


> In den Werksküchen gab es 1962 wegen schlechter
> Kartoffelernte 2-3 x wöchentlich kartoffelfreies Essen."

Wow, in der Zone gab es "Werksküchen"!? Offenbar eine noch heute im
Osten deutlich weiter verbreitete sozialistische "Unsitte".

Und, ich wiederhole mich gern für Dich:
* [Schuldspeisung]
PV: Stimmt, Montag war "Suppentag" .... wenn es nicht gerade sog.
PV: "Kartoffelsuppe" gab, war dieser tatsächlich "Kartoffelfrei". WIMRE
PV: gab es in der Schulspeisung auch Mittwochs vorrangig Suppe ... da
PV: hätten wir beide Tage lokalisiert ;-)
* [Schlechte Ernte]
PV: Da ich selbst meiner DDR-Landwirtschaft Einbußen im Erstjahr
PV: bei Systemumstellung sowie Abhängigkeiten vom Wettergott zutraue

Wie ist das mit den Politbürobeschlüssen und Gaststättenverordnungen? Du
erinnerst Dich:
GE: Alle Betriebsküchen und Restaurants dürfen an zwei Tagen jeder Woche
GE: nur kartoffelfreie Mahlzeiten servieren

Ve"Schlimme Zeiten das"ith
--
Erinnern für die Zukunft
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de


Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 1:04:29 AM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> In den Werksküchen gab es 1962 wegen schlechter
> Kartoffelernte 2-3 x wöchentlich kartoffelfreies Essen."

In der Firma wo ich bis 91 gearbeitet habe gabs nach dunkler
Erinnerungp *kartoffellose Tage* (plural), was soll das mit Not zu tun
gehabt haben?

BU

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 1:04:10 AM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> Da muss ich doch mal mit Methode Veith antworten:
> Klar, die DDR war das Land, in dem niemals irgend ein Mangel an
> irgend etwas auftrat, und wer behauptet, es hätte irgendwann einen
> Mangel gegeben, der ist ein Kalter Krrieger oder eine gekaufte Feder.

Du hast nicht richtig gelesen.

> Faszinierend finde ich auch, dass du immer wieder mit dem Größenthema
> anfängst. Wer hätte gedacht, dass Musterungsstatistiken so gemein
> sind und Peter derart verletzen können?

"Musterungsstatistiken" haben noch nie jemanden verletzt.

BU

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 1:03:45 AM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
> "Bernd Ullrich" schrieb:

>>> Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert
>> [...]
>> Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.

> Weißt du es besser? War es anders? Belege?

Es sind immer noch "*Notmaßnahmen* des Blattes", andere
Unterlagen\Belege hast du nicht.
Also bleibt erst mal alles Fiktion.

BU

René

unread,
May 4, 2005, 1:12:54 AM5/4/05
to
Peter Veith wrote:
> Wow, in der Zone gab es "Werksküchen"!? Offenbar eine noch heute im
> Osten deutlich weiter verbreitete sozialistische "Unsitte".

Was will Er uns sagen?


Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 1:12:38 AM5/4/05
to

Oben steht was von Polen.

BU

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 1:12:38 AM5/4/05
to

Oben steht was von Polen.

BU

Peter Walther

unread,
May 4, 2005, 1:26:32 AM5/4/05
to
Bernd Ullrich schrieb:

> Oben steht was von Polen.


War das so wichtig, daß du es zweimal sagen mußtest?

--
Lebst Du noch
oder faselst Du schon?

Peter Walther

unread,
May 4, 2005, 1:26:26 AM5/4/05
to
Bernd Ullrich schrieb:

> Oben steht was von Polen.

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 1:52:46 AM5/4/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>>> Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.
>
>> Weißt du es besser? War es anders? Belege?
>
>Es sind immer noch "*Notmaßnahmen* des Blattes", andere
>Unterlagen\Belege hast du nicht.
>Also bleibt erst mal alles Fiktion.

Also weißt du von dir aus garnix.

Tja.
Gerald
--

http://www.boen-end.de

Falk Schade

unread,
May 4, 2005, 3:16:47 AM5/4/05
to

"Boris Gerlach" <drstra...@doctor-strange.de> schrieb im Newsbeitrag
news:d59jkh$iqa$1...@online.de...

> Falk Schade wrote:
>
> [..]
>
> >>Weißkrauteintopf war als Nachkriegsessen und Hungersuppe verpönt.
> >>Wer unbedingt welche essen wollte, hätte eben zu den "Tagen der
> >
> >
> > Also uns wurde so was mal bei einem Gruppenbesuch in Polen seviert.
>
> Wenn dieser "Eintopf" eine festere Konsistenz hatte,
> war es Bigos. Eines der Nationalgerichte der Polen.
> Kasza (Grütze oder Graupen) ist ebenfalls ein
> polnisches Nationalgericht und wird gern als Beilage
> vorher in Fett und Brühe gedünstet gereicht. Außerdem beginnt ein
> ordentliches polnisches Mittagessen immer! mit einer Suppe.


Nee war ziemlich Dünne Brühe, Fleisch war auch nicht dran, bei Kartoffeln
war ich mir nicht so sicher.
War in den 80ern als es den Polen nicht so gut ging. Wir haben damals
Pfeffer mitgenommen um ihn zu verkaufen. Von den Zlotys haben wir uns dann
Klamotten gekauft, die waren ganz okay. Jogginganzüge und so.

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 6:07:20 AM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
> "Bernd Ullrich" schrieb:

>>>> Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.

>>> Weißt du es besser? War es anders? Belege?

>> Es sind immer noch "*Notmaßnahmen* des Blattes", andere
>> Unterlagen\Belege hast du nicht.
>> Also bleibt erst mal alles Fiktion.

> Also weißt du von dir aus garnix.

Und du weißt nur dass was in der Zeitung stand.

BU

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 6:32:30 AM5/4/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>Und du weißt nur dass was in der Zeitung stand.

Woher willst du das wissen?

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 6:42:03 AM5/4/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>> Also weißt du von dir aus garnix.
>
>Und du weißt nur dass was in der Zeitung stand.

... und das ist immer noch mehr als nix.

Uwe Schickedanz

unread,
May 4, 2005, 9:18:00 AM5/4/05
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

>Klar, die DDR war das Land, in dem niemals irgend ein Mangel an irgend
>etwas auftrat, und wer behauptet, es hätte irgendwann einen Mangel
>gegeben, der ist ein Kalter Krrieger oder eine gekaufte Feder.

;)

Aber gerade einen Mangel an _Kartoffeln_ herbeizureden - ich weiß
nicht. Ich werde mal die ältere Generation befragen müssen.

Gruß Uwe

--
"Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben."
Da ist was wahres dran!
O. Kirchner und G. Frhr. v. Gravenreuth in dsrm

Sebastian Koppehel

unread,
May 4, 2005, 10:56:43 AM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:

> "Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:
>
>>>Ich habe nur die Notmaßnahmen zitiert
>>
>>[...]
>>Die *Notmaßnahmen* des Blattes, andere hast du nicht vorrätig.
>
>
> Irgendwie müssen die Ersteller der Website der Stadt Coswig den
> Spiegel von 1962 gelesen haben. Jedenfalls schreiben sie in
>
> http://www.coswiganhalt.de/index.php?cid=3816

Ja, die Cunnewitzer Gemeinderäte müssen bereits damals der
faschistischen Kartoffelpropaganda erlegen sein, denn sie scheuten sich
nicht, in ihrer Gemeinderatssitzung ihre landwirtschaftlichen Mißerfolge
der angeblichen Erdapfelknappheit zuzuschreiben:

"Es wurde festgestellt, daß unsere Genossenschaftsbauern trotz aller
Hinweise und Aufforderungen den Plan in einigen Produkten nicht erfüllt
haben. Bei der Nichterfüllung in Schwein ist eindeutig auf die
Kartoffelknappheit zurückzuführen."

http://www.ralbitz-rosenthal.de/chronik/cunnew.htm

Übrigens, war die Lebensmittelrationierung nicht 1958 aufgehoben worden
(und für Kartoffeln eh schon früher)? Woher kommt dann diese
Lebensmittelkarte:

http://www.kulinarischeddr.de/lmkarte.htm

Und dabei waren doch gerade die letzten Landwirte enteignet und der
staatlichen Gängelung unterworfen worden. Gar nicht erklärlich, wie es
da noch Probleme in der Landwirtschaft gegeben haben soll:

"In den MTS-Bereichen Waschow und Setzin, wo die größten Rückstände im
Kartoffelanbau sind, wird von den Bauern dazu die Auffassung vertreten:
'Kartoffeln, die nicht angebaut werden, brauchen wir nicht ernten' –
'mit weniger Anbau von Kartoffeln erfüllen wir auch noch den Plan.'"

Dabei ging es doch um nichts geringeres als den Weltfrieden:

"In der Landwirtschaft haben eine Reihe von Grundorganisationen den
Kampf um den Abschluß eines Friedensvertrages mit der Steigerung der
landwirtschaftlichen Produktion, der Bergung der Heuernte und der Pflege
der Hackfrüchte verbunden."

http://zis.uibk.ac.at:81/zisneu/dokumente/76.html

Schwerter zu Hackfrüchten!

- Sebastian

flor...@yahoo.com

unread,
May 4, 2005, 11:13:00 AM5/4/05
to
Sebastian Koppehel schrieb:

> Übrigens, war die Lebensmittelrationierung nicht 1958
> aufgehoben worden (und für Kartoffeln eh schon früher)?
> Woher kommt dann diese Lebensmittelkarte:

> http://www.kulinarischeddr.de/ lmkarte.htm

Kartoffeln- und Kohlenkarten gab es viel, viel länger.
Sie berechtigten zum Einkauf verbilligter Kohlen und Kartoffeln.
Und Butter war noch in den 60ern rationiert.

> Und dabei waren doch gerade die letzten Landwirte enteignet und
> der staatlichen Gängelung unterworfen worden.

Das heißt aber nicht, daß es keine selbständigen Landwirte mehr gab.
Ich berichtete schon mal von Bauer Boecker in Boetzow. In einem
anderen, mir bekannten Dorfe östlich von Berlin hatten drei Landwirte
Kirchenland gepachtet, das wurde nämlich nicht enteignet. Der eine
baute Stiefmütterchen an und belieferte Gartenbaubetriebe in Berlin -
ein Bombengeschäft. Einer war Fritze, der baute Rüben an und mästete
pro Jahr 18 Bullen. Als in den 70ern erstmalig VW Golf importiert
wurden stand sofort einer mit Dieselmotor in seiner Garage

Bei Pasewalk wurde in großem Maßstab auf Pachtland Tabak angebaut.
Besonders freuten sich die Herren Landwirte, wenn die Ernte verhagelt
wurde, dann zahlte nämlich die Versicherung.

Der Hans und die Gretel sind alt und grau
Ihr Stolz ist die individuelle Sau.
Die Kinder sind groß, sie schützen den Staat
und kämpfen noch immer für die Frühjahrsaussaat!

FR

Martin Bienwald

unread,
May 4, 2005, 12:11:47 PM5/4/05
to
Peter Veith schrieb:

> neeee, erst gibt es den Film »DDR-Zwangsschultag , der "Sonnabend" in
> der Zone« ... Wessis brauchten den nicht .... hatten / haben schließlich
> das 13. (Schauspiel-) Jahr ;-)

Komisch, daß ich Wessi sonnabends sehr wohl in die Schule mußte, anfangs
(1973 ff.) noch jede Woche, nach ein paar Jahren wurde unter lautstarkem
Protest der Elternschaft ein schulfreier Sonnabend je Monat eingeführt.
Am Gymnasium gabs dann zunächst wieder jeden Sonnabend Unterricht, bis
dann nach ein paar Jahren unter lautstarkem Protest ...

Das Ganze war in Niedersachsen, an gewöhnlichen staatlichen Schulen.
Das 13. Jahr hatten wir natürlich trotzdem.

... Martin

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 12:43:34 PM5/4/05
to
Uwe Schickedanz <mu_sp...@mc-kw-meerane.de> schrieb:

>Aber gerade einen Mangel an _Kartoffeln_ herbeizureden - ich weiß
>nicht. Ich werde mal die ältere Generation befragen müssen.

Zeitschiene beachten: 1962 (abhängig von der Ernte 1961)

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 12:58:21 PM5/4/05
to
Sebastian Koppehel wrote:
[...]
>http://www.kulinarischeddr.de/lmkarte.htm

>Übrigens, war die Lebensmittelrationierung nicht 1958 aufgehoben
worden
>(und für Kartoffeln eh schon früher)? Woher kommt dann diese
>Lebensmittelkarte:

Da musst du mal den Finder fragen, ich habe jetzt mal jemand gefragt
(zeitschienenpassendes Alter) und erhielt die Antwort das zum
angegebenen Zeitpunkt es hier keine solche Karten gab.
------------------------
> http://zis.uibk.ac.at:81/zisneu/dokumente/76.html

" Hierzu muß bemerkt werden, daß jede 4. Familie im Kreis Hagenow ein
Fernsehgerät "

Für 61 wäre das viel, das Knurren der Mägen hat dann wohl den Hamburger
Sender übertönt.

Sowie:
*12. Plenum * ??
Wann denne?

> Schwerter zu Hackfrüchten!

U-boote zu Büchsenöffnern!

BU

Uwe Schickedanz

unread,
May 4, 2005, 3:01:10 PM5/4/05
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

>Uwe Schickedanz <mu_sp...@mc-kw-meerane.de> schrieb:
>
>>Aber gerade einen Mangel an _Kartoffeln_ herbeizureden - ich weiß
>>nicht. Ich werde mal die ältere Generation befragen müssen.
>
>Zeitschiene beachten: 1962 (abhängig von der Ernte 1961)

LOL
Was meinst Du, warum ich gesagt habe, ich müsse die Älteren befragen?

Peter Veith

unread,
May 4, 2005, 3:56:53 PM5/4/05
to
<flor...@yahoo.com> schrieb:

>Sebastian Koppehel schrieb:
>> Übrigens, war die Lebensmittelrationierung nicht 1958
>> aufgehoben worden (und für Kartoffeln eh schon früher)?
>> Woher kommt dann diese Lebensmittelkarte:
> http://www.kulinarischeddr.de/ lmkarte.htm

>Kartoffeln- und Kohlenkarten gab es viel, viel länger.
>Sie berechtigten zum Einkauf verbilligter Kohlen und Kartoffeln.

ACK
Ich habe mit den Kohlen auf meiner letzten Kohlekarte bis 1993 geheizt
:)

>> Und dabei waren doch gerade die letzten Landwirte enteignet und
>> der staatlichen Gängelung unterworfen worden.

>Das heißt aber nicht, daß es keine selbständigen Landwirte mehr gab.

Das hing auch vom eingebrachten Land in die LPG und deren (damaligen?)
Typ ab. Nebenerwerbslandwirtschaft gab es am Schluß in zunehmenden Maße.

Mein Fazit zur Kartoffelerntediskussion:
Der Klassenkampf um die Kollektivierung war damals hart und wurde an
allen Fronten geführt ... noch heute damalige Propagandapamphlete als
reine Wahrheit verkauft. Aporopo, Gerald, hast Du den "Spiegel" auf DVD
oder nur CD (gern per Mail)?

Ansonsten scheint das Jahr 1961 nicht nur politisch ein heißes Jahr
gewesen zu sein, vor allem sehr trocken und damit der
Kartoffelproduktion eher abträglich - noch gesamtdeutsch. Die Folge war
1962 eine schwierige Planerfüllung in der Schweinmast.

Das wird dann sicher Teil 2 der "Enthüllungen" aus dem Hause GE.

Veith
--
Ich habe genug gesehen - ich möchte wieder heim!
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 4:32:33 PM5/4/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>Aporopo, Gerald, hast Du den "Spiegel" auf DVD
>oder nur CD (gern per Mail)?

Leider weder noch, sondern auf Papier. Gibt es denn die ersten
Jahrzehnte inzwischen digitalisiert?

Nebenbei: Ich suche immer noch gebundene Jahrgänge des ND.

>Ansonsten scheint das Jahr 1961 nicht nur politisch ein heißes Jahr
>gewesen zu sein, vor allem sehr trocken und damit der
>Kartoffelproduktion eher abträglich - noch gesamtdeutsch.

Nebenan in Polen scheint es aber keine Probleme gegeben zu haben.
Jedenfalls wurden später außerplanmäßig Kartoffeln dort gekauft,
beziehungsweise gegen Wartburg getauscht, die eigentlich für das
Inland geplant waren.

Außerdem: Du kennst doch die vier Hauptfeinde der DDR-Landwirtschaft?

Peter Veith

unread,
May 4, 2005, 4:44:05 PM5/4/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> "Peter Veith" schrieb:


> >Ansonsten scheint das Jahr 1961 nicht nur politisch ein heißes Jahr
> >gewesen zu sein, vor allem sehr trocken und damit der
> >Kartoffelproduktion eher abträglich - noch gesamtdeutsch.
>
> Nebenan in Polen scheint es aber keine Probleme gegeben zu haben.
> Jedenfalls wurden später außerplanmäßig Kartoffeln dort gekauft,

Tja, das ist auch Polen - die waren stets durch eine vorbildliche
Ernährung ihrer Bevölkerung berühmt. ;-) "Stark agrarisch geprägter
Staat" trift es wohl.

Mmmhhh, zwar beruht noch heute die Hälfte der Ausgaben des EU-Haushaltes
auf den Agrarbereich, aber den RGW hatte ich immer mit
Industrieproduktion (Ikarusbusse!) in Verbindung gebracht "... nach 1958
entwickelte sich unter Aufgabe der bisherigen Autarkiebestrebungen
langsam eine internationale Arbeitsteilung mit der konzentrierten
Produktion bestimmter Erzeugnisse in einzelnen Ländern, .." © 2002
Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Veith
--
"Wir müssen, nachdem der Sozialismus der DDR überwunden wurde, den
westdeutschen Sozialismus überwinden, damit wir die Zukunft gewinnen
können." Norbert Walter, Deutsche Bank, 7.2.2005
http://TV.ddr-luftwaffe.de

Norbert Möller

unread,
May 4, 2005, 4:44:54 PM5/4/05
to
Am Wed, 4 May 2005 16:11:47 +0000 (UTC), Martin Bienwald
<martin....@gmx.de> schrieb:

>Das Ganze war in Niedersachsen, an gewöhnlichen staatlichen Schulen.
>Das 13. Jahr hatten wir natürlich trotzdem.
>

Vielleicht deshalb:

Hauptschule:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 50,00 DM. Die Erzeugerkosten
betragen DM 40,00. Berechne den Gewinn.

Realschule:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für DM 50,00. Die Erzeugerkosten
betragen 4/5 des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn des Bauern?

Gymnasium:
Ein Agrarökonom verkauft eine Menge subterraler Feldfrüchte für eine Menge Geld
(G). G hat die Mächtigkeit 50. Für die Elemente g aus G gilt g= DM 1,00. Die
Menge der Herstellerkosten (H) ist um zehn Elemente weniger mächtig als die
Menge G. Zeichne ein Bild der Menge H als Teilmenge von G und gebe die
Lösungsmenge L für die Frage an: Wie hoch ist die Gewinnmenge?

Integrierte Gesamtschule oder Walldorf-Schule:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für DM 50,00. Die Erzeugerkosten
betragen DM 40,00. Der Gewinn beträgt DM 10,00. Aufgabe: Unterstreiche das Wort
Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber.

Gruß

Norbert

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 4:47:00 PM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> Nebenan in Polen scheint es aber keine Probleme gegeben zu haben.
> Jedenfalls wurden später außerplanmäßig Kartoffeln dort gekauft,
> beziehungsweise gegen Wartburg getauscht, die eigentlich für das
> Inland geplant waren.

Quelle?
BRD- Zeitschriften mit kurzen Dienstweg zum DDR-Aussenhandel werden
nicht akzeptiert.

> Außerdem: Du kennst doch die vier Hauptfeinde der DDR-Landwirtschaft?

Wer hat die denne namentlich entlarvt?
Das ND oder der RIAS?

BU

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 5:08:22 PM5/4/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>Gerald Endres wrote:
>[...]
>> Nebenan in Polen scheint es aber keine Probleme gegeben zu haben.
>> Jedenfalls wurden später außerplanmäßig Kartoffeln dort gekauft,
>> beziehungsweise gegen Wartburg getauscht, die eigentlich für das
>> Inland geplant waren.
>
>Quelle?
> BRD- Zeitschriften mit kurzen Dienstweg zum DDR-Aussenhandel werden
>nicht akzeptiert.

Wer bist du denn, dass du dir zu entscheiden anmaßt, was akzeptiert
wird oder nicht?

Weißt du es besser? War es anders? Belege?

Erzähl doch mal, was du von der Kartoffelernte 1961 weißt, was nicht
aus Zeitungen stammt. Bist du selbst Kartoffel gewesen?


>> Außerdem: Du kennst doch die vier Hauptfeinde der DDR-Landwirtschaft?
>
>Wer hat die denne namentlich entlarvt?
>Das ND oder der RIAS?

Nicht mal den alten Witz kennst du! Wo hast du denn gelebt?

Bernd Ullrich

unread,
May 4, 2005, 5:14:59 PM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> Nicht mal den alten Witz kennst du! Wo hast du denn gelebt?

In der DDR, und der Witz war uralt (mit Bart).

BU

Gerald Endres

unread,
May 4, 2005, 6:13:28 PM5/4/05
to
"Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb:

>In der DDR, und der Witz war uralt (mit Bart).

Den kannst du gar nicht wirklich kennen, den Witz hat dir doch nur
irgend jemand erzählt.

René

unread,
May 4, 2005, 6:12:07 PM5/4/05
to
Entweder steckst du den Kläffer jetzt in den Filter, oder ich dich.


Martin Ebert

unread,
May 4, 2005, 7:00:28 PM5/4/05
to
Boris Gerlach wrote:

>> "Bernd Ullrich" <ullric...@hotmail.com> schrieb
>>> Ja, Sonntags gabs Klöße.Den zweiten Tag darfst du dir selber
>>> aussuchen.

> Sonnabends gabs Einheitseintopf.

Nöh. Eigentlich immer Grüne-Bohnen-Suppe. Oder Bratklopse, die
sonst unter "Bulette" bekannt sind.

Und wenn Bernd Ullrich hier nicht bald wieder nach Belegen
fragt, kloppe ich ihn ins Killfile - wo sind wir denn hier?

Mt

Martin Ebert

unread,
May 4, 2005, 7:14:47 PM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:

> Irgendwie müssen die Ersteller der Website der Stadt Coswig den
> Spiegel von 1962 gelesen haben. Jedenfalls schreiben sie in
> http://www.coswiganhalt.de/index.php?cid=3816

Hüstel.
Ebendorten war vor dem Rathaus ein künstlicher See.

Ballack (Manfred Krug) schmiss den Volkpolizisten in eben diesen See -
für den Film "Spur der Steine". Für eben diese Szene kam der Film
nicht über die Premiere in Halle hinaus - hatten wir mehrfach in dafd.

Die Coswiger (nicht zu verwechseln mit Coswig/Sachsen) haben dann ca
1992 diesen See zugeschüttet - nun stehen da Budenhändler drauf.

So ist die Zeit.
Ich kaufe einen Gürtel für 5 Eypo.

Jaja, offtopic. Aber es ist folklore.ddr - insoweit ontopic.
Mt

Martin Ebert

unread,
May 4, 2005, 7:23:47 PM5/4/05
to
Bernd Ullrich wrote:

> Quelle?

Das heißt "Belege?"

> BRD- Zeitschriften mit kurzen Dienstweg zum DDR-Aussenhandel werden
> nicht akzeptiert.

Nebenbedingungen werden nicht akzeptiert.
Mt

Martin Ebert

unread,
May 4, 2005, 7:22:01 PM5/4/05
to
Gerald Endres wrote:
> "Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:
>>Aporopo, Gerald, hast Du den "Spiegel" auf DVD
>>oder nur CD (gern per Mail)?

Oh.
Entsteht hier eine Freundschaft?

> Leider weder noch, sondern auf Papier. Gibt es denn die ersten
> Jahrzehnte inzwischen digitalisiert?

Der Spiegel-Verlag vertrickerte sie Jahrgänge ab (? 1980 ?)
als Screenshotversion, völlig untauglich zur Textrecherche.

> Nebenbei: Ich suche immer noch gebundene Jahrgänge des ND.

Oder als PDF. <smile>

Im Ernst: Ich bin in beiden Fällen dabei.
Mt

Martin Ebert

unread,
May 4, 2005, 7:26:45 PM5/4/05
to
Peter Veith wrote:

Ich erwarte keinen Mut: Dann hättest Du Deine
Nase zum dafd-Treffen bewegen müssen ... voller Mut!

> Bin auf deinen "Erntenot-Film" gespannt <g>

Etwas mehr Stil erwarte ich dann doch.
Mt

Siegfried Tränkner

unread,
May 5, 2005, 12:43:48 AM5/5/05
to

Gerald Endres schrieb:
>
> "Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:
>
> [...]
> Du strengst dich ganz schön an, um eine simple Tatsache wegzuerklären
> und wegzurechnen, die damals von niemandem bestritten wurde wurde, am
> allerwenigsten von der Parteiführung: Im Frühjahr 1962 waren in der
> DDR Kartoffeln sehr knapp.

Gab es Dich da schon?

Das muß mir glatt entgangen sein. Jedenfalls kann ich mich nicht daran
erinnern. Hm, ich rätsle aber trotzdem, was du damit aussagen willst,
dass im Frühjahr 1962 die Kartoffeln knapp waren. Ist dir irgendein
Wurstblatt aus dieser Zeit in die Finger gefallen?

Wenn ein DDR-Bürger früher keine Kartoffeln hatte, dann war er bloß zu
faul, sich diese nicht selbst zu besorgen. Sorry, vielleicht kam ein
Großstädter nicht heran. In der Provinz war jedenfalls die Kartoffel
kein Engpaß.

Im übrigen, ich darf hier als Jahrgang 44 mitreden, in unserem Haushalt
waren Kartoffeln niemals knapp. Weil wir unseren Arsch gehoben haben und
beim Bauern mithalfen. Das in jedem Herbst, solange ich zurückdenken
kann. Unser Bauer gehörte zu den Großbauern. Kann mich noch an den
Beginn der Kollektivierung erinnern. Habe den Spaß selbst beim Kühehüten
miterlebt, als uns so ein LKW mit aufmontiertem Lautsprecher auf dem
Feld beschallte, sinngemäß: "S.-Bauer willst Du der Letzte sein, tritt
endlich in die LPG ein." Und ähnliche doofe Sprüche. Ansonsten konnte
man ihm nicht viel am Zeug flicken, den unser lieber Werner hatte seine
polnischen Zwangsarbeiter mit an seinem Tisch verpflegt, was ihm zu
dieser Zeit fast einen KZ-Platz eingebracht hätte.

Um die LPG kam er trotzdem nicht herum, das nur am Rande.

Naja, nach der Kartoffelernte hatten wir unsere Kartoffeln jedenfalls
bis zur nächsten. Andere Sachen aus landwirtschaftlicher Produktion
ebenfalls. Zum Beispiel frische Bauernbutter und Milch, mir läuft noch
jetzt das Wasser im Munde zusammen. Ich weiß nicht was jetzt in den
Milchpackungen zu 0,45 € drin ist, jedenfalls keine Milch.

Tja, auch jetzt, wo ich eigentlich die leckeren
Frühjahrschemiekartoffeln kaufen könnte, nein, meine Kartoffeln kommen
wieder vom Bauern. Nur selbst ausnehmen muß ich sie nicht mehr.


S.-Schalter: EIN
Okay, reden wir in 50 Jahren, wenn es diese BRD nicht mehr gibt, da bin
ich sicher, mal darüber, dass die Milch knapp war, weil der Fettgehalt
nur 1,5% betrug.
S.-Schalter: AUS


"Kopfschüttel" über diese Kartoffeldiskussion...

Grüsse, Sig

Torsten Mueller

unread,
May 5, 2005, 3:02:20 AM5/5/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

> > > Gab es zwei kartoffelfreie Tage oder nicht? Butter bei die
> > > Kartoffeln!
> >
> > Die Anzahl von Kartoffelsuppen, die ich in meiner Kindheit
> > unverschuldet auslöffeln durfte, hat immerhin ausgereicht, um mich
> > mein Leben lang und garantiert ohne Ausnahme davon abstinent
> > werden zu lassen.
>
> Das waren "Graupen" bzw. "Graupensuppe". Kartoffeln waren in der
> Soffjetzone völlig unbekannt ... kamen schließlich aus Amerika ...
> merke Dir das endlich!

Ja, natürlich, ich vergaß ... vom Gegner!

Aber mal ernsthaft (man weiß ja heute nie, wer eine völlige Absurdität
doch glaubt) - Kartoffelsuppe war in meiner Schule absolut üblich,
d.h. häufig. Mit einer dicken Bockwurst drin, die seitdem ihr
Schicksal (bzgl. meiner Abstinenz) mit dem der Kartoffelsuppe teilt.

> > P.S.: Hier in der Schweiz gibt es drei kartoffelfreie Tage pro
> > Woche.
>
> An denen gibbet Pommes?

In der Regel irgendwelche ETW oder Reis oder Spätzle. Die klassische,
geschält gekochte Salzkartoffel ist hier beinahe unbekannt. Wenn, dann
werden Kartoffeln vielleicht geviertelt und im Ofen mit Schale
gebacken oder als Roesti oder Pommes (mit Soße!) auf den Tisch
gebracht.

T.M.

P.S.: Ist zwar OT, aber ich darf immerhin bemerken, daß so arme Länder
wie die Schweiz nach wie vor Getreidesuppen ("Bündner Gerstensuppe")
servieren müssen, um ihre hungernde Bevölkerung satt zu kriegen. So
schlimm kann also die zonale Graupensuppe nicht gewesen sein.

Gerald Endres

unread,
May 5, 2005, 3:40:48 AM5/5/05
to
Torsten Mueller <Homun...@gmx.net> schrieb:

>Aber mal ernsthaft (man weiß ja heute nie, wer eine völlige Absurdität
>doch glaubt) - Kartoffelsuppe war in meiner Schule absolut üblich,
>d.h. häufig. Mit einer dicken Bockwurst drin, die seitdem ihr
>Schicksal (bzgl. meiner Abstinenz) mit dem der Kartoffelsuppe teilt.

Von wegen Absurdität:
Dass du jahrelang mit Kartoffelsuppe gefüttert wurdest, widerlegt
nicht, dass 1962 extremer Kartoffelmangel herrschte. Im Sozialismus
ist nichts unmöglich.
Niemand hat behauptet, dass in der DDR _immer_ Kartoffelmangel war.

Abgesehen davon: 1962 gab es dich ja wohl noch gar nicht.

Uwe Schickedanz

unread,
May 5, 2005, 4:14:30 AM5/5/05
to
Uwe Schickedanz <mu_sp...@mc-kw-meerane.de> schrieb:

>Was meinst Du, warum ich gesagt habe, ich müsse die Älteren befragen?

Erster Zwischenbericht: meine Eltern wissen nichts davon, daß 1962 die
Kartoffeln knapp waren. Da sie zu der Zeit aber noch keinen
gemeinsamen Haushalt führten, meinte meine Mutter, daß ich die Oma
fragen soll.
Ich melde mich dann wieder...

Torsten Mueller

unread,
May 5, 2005, 4:25:28 AM5/5/05
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

> Dass du jahrelang mit Kartoffelsuppe gefüttert wurdest, widerlegt
> nicht, dass 1962 extremer Kartoffelmangel herrschte.

Es ist mir genaugenommen egal. Es ist belanglos. Es fällt für mich
unter das allgemeine Thema "Mangel". Selbst wenn es so gewesen ist,
was nützt mir heute die Erkenntnis, daß vor über 40 Jahren Kartoffeln
knapp waren? Und _wem_ nützt sie _heute_?

Ich kann's Dir sagen: Sie nützt heute überwiegend dem moralischen
Zeigefinger, der fortwährend Argumente dafür braucht, daß der
Sozialismus in der DDR böse, schlimm, unmenschlich, verachtenswert und
was weiß ich noch war, als Bestätigung einer vorgefaßten Meinung also.
Das Langweilige daran ist: ich stimme ihm sogar zu! Ja, es mag so
gewesen sein! Und bei den Russen war es noch viel schlimmer! Ich hörte
etwa 1995 ein Interview mit einem sowjetischen General, der sagte, er
könne sich seit 1945 an kein Jahr erinnern, an dem die Leute in seiner
Stadt nicht gehungert (!) hätten. Ich weiß das - und ich weiß, daß das
unter anderem auch selbstverschuldete Ursachen hatte, die mit
Planwirtschaft, Mißwirtschaft, auch Verschwendung bis hin zu echtem
Dilettantismus zu tun hatten. Als umfassende Erklärung ist mir das
jedoch bei weitem zu einfach und insbesondere zu einseitig.

> Abgesehen davon: 1962 gab es dich ja wohl noch gar nicht.

Der relevante Teil meiner Personenkennzahl lautet XXXX674XXXXX.

T.M.

Gerald Endres

unread,
May 5, 2005, 4:47:39 AM5/5/05
to
Uwe Schickedanz <mu_sp...@mc-kw-meerane.de> schrieb:

>Erster Zwischenbericht: meine Eltern wissen nichts davon, daß 1962 die
>Kartoffeln knapp waren. Da sie zu der Zeit aber noch keinen
>gemeinsamen Haushalt führten, meinte meine Mutter, daß ich die Oma
>fragen soll.
>Ich melde mich dann wieder...

Die einfachere und objektiv nachprüfbare Lösung könnte ja wohl Peter
Veith liefern, denn der hat offensichtlich die Statistischen
Jahrbücher an der Hand. Er sprach aber nur vom Anstieg des
Hektarertrags und dass die Anbaufläche halbiert worden wäre.
Vielleicht ist es ja Zufall, dass er die Erntemenge nicht nennt ...
Wobei diese Zahl natürlich nur was aussagt, wenn man sie mit der
geernteten Menge 1960 und 1962 vergleicht.
Wie gesagt, die Zahlen die ich habe, sagen dass 1960 die Ernte 14,87
Millionen Tonnen betrug, 1961 dagegen nur 9,27.

Hallo Peter, stimmen diese Zahlen?

Bernd Ullrich

unread,
May 5, 2005, 4:51:42 AM5/5/05
to
Gerald Endres wrote:
{...]

>. Im Sozialismus
> ist nichts unmöglich.

Das ist die Grundlage, "Dogma" deiner Vorstellungenswelten und erklärt
deine Beiträge.

BU

Peter Veith

unread,
May 5, 2005, 4:57:18 AM5/5/05
to
"Torsten Mueller" schrieb:

> Und _wem_ nützt sie _heute_?

Sorry, Torsten, jetzt hast Du Dich selbst in die Ecke zu den
Altstalinisten gestellt! So etwas fragt man heute nicht mehr!

Veith
--
Ist die Olle wieder keusch, guck Ossikram und Fliegerzeuch!
Guckste dann nach "NVA", ist das "Trauma" wieder da!
Laß' Dir Zeit und nimm'nen Bier, denn BEIDES brauchst Du hier:
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Peter Veith

unread,
May 5, 2005, 4:54:07 AM5/5/05
to
"Martin Ebert" schrieb:

> Peter Veith wrote: ....


> Ich erwarte keinen Mut: Dann hättest Du Deine
> Nase zum dafd-Treffen bewegen müssen ... voller Mut!

Das hat eher was mit Mentalität zu tun. So bin ich weder heute zum
"Revanchistentreffen", noch im Herbst zu Kameradschaftsabend. Ist nicht
meine Art. Unlängst bekam ich deshalb "richtig Ärger", weil ich mich auf
einem Flugplatz nicht geoutet habe ... vielleicht sollte ich mir doch
T-Shirts machen ;-)

> > Bin auf deinen "Erntenot-Film" gespannt <g>
>
> Etwas mehr Stil erwarte ich dann doch.

Warten wir es ab, umsonst beschäftigt sich unser Freund nicht mit so
ollen Kalte-Kriegs-Kamellen, letztlich geht der Stoff aus, da müssen
neue Gruselstücke her.

Veith
--
Sprache ist ein Herrschaftssymbol, wer sich der offiziellen Sprache
unterwirft, unterwirft sich der Herrschaft
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Vinzent 'Gadget' Hoefler

unread,
May 5, 2005, 5:23:24 AM5/5/05
to
Gerald Endres wrote:

> Im Sozialismus ist nichts unmöglich.

Deine Geographiekenntnisse in allen Ehren, aber meiner Kenntnis nach
liegt das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten woanders. Gaaaanz
woanders. Und dort ist auch kein Sozialismus.


Vinzent.

--
worst case: The wrong assumption there actually is one.

Boris Gerlach

unread,
May 5, 2005, 5:29:04 AM5/5/05
to
Peter Veith wrote:

--


> Laß' Dir Zeit und nimm'nen Bier, denn BEIDES brauchst Du hier:
> http://www.DDR-LUFTWAFFE.de

Bitte nich "nimm'nen" Bier.

Das tut so weh.

BGE

Peter Veith

unread,
May 5, 2005, 5:37:29 AM5/5/05
to
"Boris Gerlach" schrieb:

> Peter Veith reimte in seiner Signatur:


> --
> > Laß' Dir Zeit und nimm'nen Bier, denn BEIDES brauchst Du hier:
> > http://www.DDR-LUFTWAFFE.de
>
> Bitte nich "nimm'nen" Bier.
> Das tut so weh.

Vorschläge!?

Veith
--
Ist die Olle wieder keusch, guck Ossikram und Fliegerzeuch!
Guckste dann nach "NVA", ist das "Trauma" wieder da!

Dirk Bindmann

unread,
May 5, 2005, 5:57:33 AM5/5/05
to
Torsten Mueller schrieb:

>> Dass du jahrelang mit Kartoffelsuppe gefüttert wurdest, widerlegt
>> nicht, dass 1962 extremer Kartoffelmangel herrschte.

>> Abgesehen davon: 1962 gab es dich ja wohl noch gar nicht.


>
> Der relevante Teil meiner Personenkennzahl lautet XXXX674XXXXX.

Ja, zu deiner Zeit nahm die Fruchtbarkeit der DDR-Frauen nach dem
Hungerjahr 1962 wieder allmählich zu.

Herzliche Grüße
Dirk

Uwe Schickedanz

unread,
May 5, 2005, 6:03:24 AM5/5/05
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>> Bitte nich "nimm'nen" Bier.
>> Das tut so weh.
>
>Vorschläge!?

Nimm Dir 'n' Bier.

Wobei n eine beliebige ganze Zahl >1 sein darf.

Uwe Schickedanz

unread,
May 5, 2005, 6:06:38 AM5/5/05
to
Gerald Endres <g.en...@gmx.de> schrieb:

>Die einfachere und objektiv nachprüfbare Lösung könnte ja wohl Peter
>Veith liefern, denn der hat offensichtlich die Statistischen
>Jahrbücher an der Hand.

So einfach ist es nicht - selbst wenn die Ernte 61 schlecht gewesen
sein sollte (z.B. weil die Erntehelfer von NVA und Polizei - die
Kamfgruppen der Arbeiterklasse nicht zu vergessen - seit Mitte August
anderweitig beschäftigt waren), so müssen Kartoffeln 62 nicht knapp
gewesen sein, denn man hätte welche einführen können, um die
Bevölkerung ausreichend zu versorgen.

René Fuchs

unread,
May 5, 2005, 6:46:24 AM5/5/05
to
Torsten Mueller <Homun...@gmx.net> wrote:

> Es ist mir genaugenommen egal. Es ist belanglos. Es fällt für mich
> unter das allgemeine Thema "Mangel". Selbst wenn es so gewesen ist,
> was nützt mir heute die Erkenntnis, daß vor über 40 Jahren Kartoffeln
> knapp waren? Und _wem_ nützt sie _heute_?

Stimmt. Ueber sowas sollte man besser in einer folkloristischen Gruppe
diskutieren.

René

--
Bring me to life

Gerald Endres

unread,
May 5, 2005, 6:57:24 AM5/5/05
to
Torsten Mueller <Homun...@gmx.net> schrieb:

>Ich kann's Dir sagen: Sie nützt heute überwiegend dem moralischen
>Zeigefinger, der fortwährend Argumente dafür braucht, daß der
>Sozialismus in der DDR böse, schlimm, unmenschlich, verachtenswert und
>was weiß ich noch war, als Bestätigung einer vorgefaßten Meinung also.

Das ist es, was mich nervt, mit Verlaub:
Diese Haltung, die nicht primär fragt "wie war es?", "stimmt diese
Aussage?", sondern nur danach fagt: "Wem nützt es, jetzt darüber zu
sprechen". Wer über den Kartoffelmangel redet, ist ein Feind, wer von
der Schulmilch spricht, ein Freund. Da hat sich eine Denkweise in
Propaganda- statt in Erkenntniskategorien ganz tief eingeprägt.

Die Reaktionen auf meinen kleinen Zufallsfund, dass es doch mal
Kartoffelmangel gab, sind ein gutes Beispiel dafür. Letztlich kam
immer wieder: "Das ist kalter Krieg, das nützt dem Feind, das dient
doch nur dazu, die DDR zu diskreditieren."

Gerade telefonierte ich übrigens mit einem Freund, Jahrgang 44 und in
der DDR aufgewachsen. Der erinnerte sich daran, dass es in den 50ern
wohl regelmäßig ab ungefähr Februar in der Schulspeisung keine
Kartoffeln mehr gab, sondern nur noch Nudelpampen, Grütze und Graupen.
Ich als Süddeutscher hänge ja nicht so an der Kartoffel, aber der
Freund erinnert sich mit ziemlichem Grausen an diese Monate bis zur
nächsten Ernte.
Das hieße, dass in diesen Jahren auch schon Kartoffeln immer mal knapp
wurden.

Gerald Endres

unread,
May 5, 2005, 7:20:02 AM5/5/05
to
Uwe Schickedanz <mu_sp...@mc-kw-meerane.de> schrieb:

>"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:
>
>>> Bitte nich "nimm'nen" Bier.
>>> Das tut so weh.
>>
>>Vorschläge!?
>
>Nimm Dir 'n' Bier.
>

Rhythmus? Damit war wohl nix bei der NVA?

Neuerervorschlag:
Lass dir Zeit und nimm'n Bier, alle beide brauchst du hier.
alternativ
... denn die Ruhe brauchst du hier.

Martin Ebert

unread,
May 5, 2005, 7:25:04 AM5/5/05
to
Gerald Endres wrote:

> Vielleicht ist es ja Zufall, dass er die Erntemenge nicht nennt ...

Im StatJB87 stehen nicht alle Jahre: 55, 60, 70, 75. Ab 80 dann
jedes Jahr.

> Wobei diese Zahl natürlich nur was aussagt, wenn man sie mit der
> geernteten Menge 1960 und 1962 vergleicht.
> Wie gesagt, die Zahlen die ich habe, sagen dass 1960 die Ernte 14,87
> Millionen Tonnen betrug, 1961 dagegen nur 9,27.

1960: 14,82
1965: 12,85

Wenn Du bei 9,27 von Knappheit ausgehst, dann schlechte Nachricht:
1975: 7,67
1983: 7,06

Ansonsten zwischen 10 und 12.
Mt

Peter Veith

unread,
May 5, 2005, 7:43:15 AM5/5/05
to
"Gerald Endres" schrieb:

> Der erinnerte sich daran, dass es in den 50ern
> wohl regelmäßig ab ungefähr Februar in der Schulspeisung keine
> Kartoffeln mehr gab, sondern nur noch Nudelpampen, Grütze und Graupen.

Ja, in den 50ern war die Ernährungslage eng, daher gab es
Lebensmittelmarken. Wir sprachen aber über die große Hungersnot 1962,
aufgrund der Spiegelmeldung über die Kartoffelmißernte 1961 <g>

> Das hieße, dass in diesen Jahren auch schon Kartoffeln immer mal knapp
> wurden.

Ja, deshalb haben wir ja auch kollektiviert ;-)

Veith
--
"Der Westen hat, und das ist ein so alter Trick, die Moral eingeführt,
um über Politik nicht reden zu müssen." (ronald m. schernikau)
http://DDR-LUFTWAFFE.de


Bernd Ullrich

unread,
May 5, 2005, 8:22:17 AM5/5/05
to
Gerald Endres wrote:
[...]

> Das ist es, was mich nervt, mit Verlaub:
---

> Diese Haltung, die nicht primär fragt "wie war es?",

Du weisst doch garnicht wie es war, du hast bloss was in einer Zeitung
gelesen und bastelst daraus eine DDR postmortem.
Hast du den Link von neulich schon vergessen? Das ist der gleiche
Mechanismus.

BU

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