Am Dienstag, 5. November 2019 15:45:26 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:
>> Ich bekam Anfang der 90er eine Ausschreibung von einer sehr
>> großen deutschen Baugesellschaft auf den Tisch, die betitelt
>> war mit "Bauvorhaben Waldi". Ich rief den zust. Sachbearbeiter
>> an und erfuhr, daß es ein Tippfehler war, es sollte Wladi
>> heißen, was für Wladikawkas stand. Dort sollten vereinbarungsgemäß
>> Wohnbauten für aus der DDR zurückverlegte Offiziere errichtet
>> werden. Auf meine Nachfrage hieß es, die Arbeiten würden
>> durch einen Subunternehmer aus der Türkei ausgeführt werden.
> Die Türken hatten zur selben Zeitschiene Fertighäuser im Export-Angebot,
> die nannten sich "Tepe-Haus" und wurden in Krisengebiete als
> Flüchtlingsunterkünfte verkauft. Der Witz daran war, daß diese Baracken von
> vier ungeschulten Leuten selbst aufgebaut werden konnten, so daß man sich
> die Bauarbeiter fast komplett sparen konnte. Auch war die Strom- und
> Wasserversorgung dergestalt ausgelegt, daß man beides innerhalb kürzester
> Zeit kappen und zurückbauen konnte, um die Häuschen schnellstmöglich wieder
> zu zerlegen, wenn nötig. Wenn z.B. eine feindliche Armee das Lager zu
> übernehmen droht.
Diese Modulbauweise war in den 20ern von Lausitzer Holzbaufirmen
entwickelt worden und von Emigranten (zB dem Architekten
Wachsmann) in die USA gebracht worden (s. Der Wachsmann-Report,
Ende der 80er in der DDR erschienen).
> Keine Ahnung, was daraus geworden ist, irgendwie waren die ziemlich
> weitsichtig damals.
>
>> Und auf die weitere Frage, warum in den Wohnungen Parkettböden,
>> hieß es, man habe einfach eine NATO-Standard-Projektierung
>> gegriffen, und die sähe für Offz.-Wohnungen Parkett vor.
> Der General von den Belgiern in Köln hatte Marmorböden.
Ist NATO-, d.h. US-Standard: Man sieht am Fußboden sofort,
welchen Dienstgrad der Bewohner hat.
In Berlin hatte eine Beamtin als Geldanlage eine der
früheren US-Wohnungen in Zehlendorf gekauft, ohne vorher
ein Gutachten einzuholen. Als ich die Wohnung besichtigte
war mir sofort klar: bestimmt für Sergeanten-Dienstgrade.
Bodenbelag war aus sog. Flexplatten, die sind mit
Asbestfasern armiert und stellen heute ein echtes
Problem dar. Die nunmehrige Besitzerin fiel aus allen Wolken.
Ich hatte mal gutachterlich in einer ehem. Kavalleriekaserne
in Augsburg, die von der US-Armee genutzt wurde, zu tun.
An den Wänden waren überall noch die Stahlringe zum Anbinden
der Gäule zu sehen. Es war gerade Herbstmanöver, zu dem
Truppen aus Georgia eingeflogen worden waren. Ich konnte
beobachten, wie ein Leutnant versuchte, seinen Zug zum
Antreten zu bewegen, leider vergeblich.
Da sich die Sache etwas hinzog, wollte ich in der
Kantine etwas Essbares käuflich erwerben. Leider auch
das vergeblich: Zum einen gab es nur Ungenießbares wie
Hamburger und Pommes, zum andern wurden nur US-$
acceptiert, über die ich nicht verfügte - FR