Hanno Foest wrote:
> Bei der x86 Modellreihe ist die (andauernde) Entwicklung bekannt, man
> hat es geschafft, verglichen mit dem ersten Modell geradezu absurde
> Geschwindigkeiten zu erreichen. Beim 68000 war mit dem 68060 Schluß.
Relevante Probleme aus meiner Erinnerung: Motorola hatte bereits große
Probleme den 68040 in Stückzahlen auf den Markt zu bringen. Das führte
in etlichen Firmenzentralen zur Entscheidung die 68k-Baureihe zu
verlassen. Größter Einzelabnehmer war natürlich Apple. Deren Konsequenz
war sich beim PowerPC-Konsortium aktiv zu beteiligen, um ein bißchen
Mitsprache zu haben und nicht wie zuvor einem einzelnen CPU-Lieferant
ausgeliefert zu sein, denn zu den 68020, 68030 und 68040 gab's keine
Second Source.
Aber auch die unixoide Welt verließ nach dem 68030 oder teils 68040 die
68k-Welt aus demselben Grund. Die 88k-Welt wurde bei dieser Gelegenheit
genauso "entsorgt". Einige Details und Erfahrungen wurden in der
PPC-Entwicklung übernommen.
Atari und Amiga spielten zu diesem Zeitpunkt als Abnehmer sowieso keine
Rolle mehr. D.h. den 68060 gab's in relevanter Stückzahl nur im
Automatisierungsbereich und industriellen Umfeld, aber nicht in
Stückzahlen [1]. Diese Welt wanderte zeitgleich ebenso ins PPC-Lager ab
oder brauchte gar nicht diese CPU-Leistung, so daß die mit Motorolas
Coldfire zufrieden war, die es heute als Baukastensystem gibt. Ein
ähnliches Baukastensystem für Embedded gab's dann von Motorola und von
IBM in der PPC-Welt. Nicht zu vergessen: die damaligen Stückzahlen in
der Embedded-Welt waren deutlich größer als die für Desktop-Rechner (die
Margen pro CPU deutlich geringer), und so verabschiedete sich Motorola
aus dem Desktop-Markt zugunsten von Embedded. IBM vertritt dagegen die
PowerPC-Fahne immer noch recht ordentlich im Bereich der Supercomputer.
D.h. die Frage eines leistungsstärkeren Nachfolgers für den 68060
stellte sich auf technischer Ebene gar nicht mehr.
Meine Vermutung: mit dem (finanziellen) Aufwand, der in der Intel-Welt
getrieben wurde Architektur und Befehlssatz vom 8086 bis zu den heutigen
Mehrkernern zu treiben, hätte man ebenso die 68k-Architektur auf die
Spitze treiben können. Es fand sich nur keiner, der bezahlt. Die
Neuentwicklung des 68060 auf Basis des 68040 (siehe z.B. den
Wiki-Artikel zum 68060) zeigte, daß man sehr wohl größere strukturelle
Änderungen unter Beibehaltung der Abwärtskompatibilität schaffte.
Mit einem 68180 (oder so) hätte sogar Motorola Spectre und Meltdown
eingebaut ;-)
> Frage: Wäre es möglich gewesen, mit ähnlichem Aufwand wie bei x86 bzw.
> x86-64, die 68000 Familie entsprechend weiter aufzubohren, oder gab es
> da irgendwelche prinzipiellen Probleme, die sich nicht mit Geld hätten
> lösen lassen? Bzw. nur viel schwieriger als bei der Konkurrenz.
Ich weiß nicht, ob wir das von außen beurteilen können, welche
Schwierigkeiten die CPU-Entwickler letztendlich haben und lösen. Ab
Jahresbeginn war z.B. die Diskussion um Spectre und Meltdown sehr
beliebt. Plötzlich wußten sehr viele Leute, daß diese Fehler "ganz
einfach" zu entdecken und völlig logisch waren und fragten, warum
CPU-Entwickler jahrelang nichts repariert hätten. Ok, das ist
Heise-Forum-Niveau. Über das zu spekulieren, was sich hinter den
mehreren verschlossenen Schichten bei den CPU-Entwicklern tut, ist von
großer Unsicherheit geprägt.
Gruß, Ralf
[1] Ich gehöre zu den Glücklichen mit ein paar VMEbus-Karten mit 68060.
10Stück von denen will ich als Mehrprozessorrechner zusammenstecken. Der
Rahmen ist schon lange fertig, die Betriebssystemkonfiguration fehlt.
Aber ich schaffe das irgendwann :-)