endlich mal wieder ein Pfeifenbuch in deutscher Sprache! Einband und
vollständige Rezension unter http://www.genussrauchen.de/content/view/32/9/
Im Folgenden mein Urteil:
Vom Einband und dem Titel her erinnert das Buch stark an den Rutzen
(,,Pfeifen - Die Pfeifenmacher der Welt: Marken & Modelle"), jenes
Büchlein, das sämtliche damals aktuellen Pfeifenmacher verzeichnete.
Schlägt man nun ,,Europas Pfeifenmacher" auf, so wird man feststellen:
Da fehlen aber etliche! Während die Dänen noch halbwegs vollzählig
sind, fehlt die gesamte neue deutsche Garde, von den Etablierten
immerhin jemand wie Ingo Garbe! Bei den Österreichern werden nur
Andreas Bauer und Ludwig Lorenz erwähnt. Kein Wort von David Wagner
oder Joseph Prammer, Peter Matzhold wird in einem Halbsatz erwähnt.
Dieses Buch ist also kein Kompendium im Stile eines Rutzens, wonach
wurden dann die Macher ausgewählt? ,,Stan Hill", dessen Pseudonym schon
seine Leidenschaft für die Pfeife zum Ausdruck bringt, hat sich gegen
Quantität und für Qualität entschieden. Nicht in Bezug auf die Macher,
sondern in Bezug auf seine Berichterstattung. Statt die Macher einfach
anzuschreiben und deren Stellungnahmen mangels anderer Quellen mehr
oder minder kritiklos zu übernehmen, hat der Autor dieses Buches jeden
Macher persönlich besucht. So stammen auch nahezu alle Fotos von ihm
selbst. Das Buch lebt von den persönlichen Kontakten Stan Hills, und
vor allem von den Anekdoten, die daraus resultieren. So erfährt man,
dass Poul ,,Stanwell" Nielsen das Rauchen mit Filter für völlig falsch
hielt, dennoch Geschäftsmann genug war als einer der ersten
ausländischen Produzenten Filterpfeifen für den deutschen Markt zu
konzipieren. Oder dass Jan-Harry Seifert einige Modelle für Petersons
Sherlock Holmes - Serie entworfen hat. Und auch, dass Nanna Ivarsson
ihre erste Pfeifen im zarten Alter von 9 Jahren verkauft hat! Diese
Beispiele zeigen eines sehr deutlich: Der Untertitel des Buches ist
vollkommen verfehlt! Um ,,Marken und Modelle" geht es nun wahrlich
nicht, sondern um Menschen und deren Geschichten. Und diese gelingen
dem Autor hervoragend, er erzählt ,,in Farbe und bunt", wirklich
unterhaltsam und lesenswert. Davon lebt das Buch und deshalb ist es
absolut lesenswert. Wer ein Kompendium sucht ist bei José Manuel Lopes
,,Pipes - Artisans and Trademarks" besser aufgehoben.
Fazit: Der Titel und die Aufmachung suggerieren leider etwas, das
dieses Buch nicht bietet und auch gar nicht bieten will. Wer die erste
kleine Enttäuschung überwindet und sich auf dieses Büchlein einlässt,
wird viel Freude damit haben. Ein herrliches Lesebuch zum Thema
Pfeife, das man sich nicht entgehen lassen sollte, so man sich denn
für die Menschen interessiert, die hinter den Rauchgeräten stecken.
Viele Grüße,
Oliver
Gruss, Frank
--
:-) Immer einen _guten_ Tabak in einer _schönen_ Pipe,
Böcki
> Moin Oliver,
> danke auch an dieser Stelle ;-)
>
> Gruss, Frank
auch von mir Danke für das Review, das Buch wird gekauft, keine Frage
Grüsse
Wolfgang