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Temporäre Delurkation (war:Re: Reinigung mit Salz-Alk-Methode)

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Degen 1703

unread,
Dec 12, 2001, 12:41:03 PM12/12/01
to
[delurk]
Hallo und guten Tag zusammen, daft!
Ich lese oft und gerne mit, und an dieser Stelle mal ein großes DANKE an Alle
hier, für die meistens unterhaltsamen, informativen und interessanten Postings.

Zur momentanen Salz/Alkohol Diskussion möchte ich mal meinen Senf dazugeben,
weil wohl Unklarheit darüber besteht, was denn da eigentlich warum und wie
passiert.

Warum wir Alkohol nehmen, ist wohl klar. Die unerwünschten
Verbrennungsrückstände (Teer, Öle, Geschmacksstoffe), die sich im Pfeifenkopf,
im Cake und im Holz angesammelt haben, sind allesamt alkohollöslich
(Organisches Lösungsmittel), Olivenöl oder Butter könnten also theoretisch auch
als Lösungsmittel fungieren (z.B. wie man Teerspritzer am Auto mit Butter
entfernt), aber sind aus nachvollziehbaren Gründen für unseren Zweck denkbar
ungeeignet. Isopropanol geht natürlich auch. Wasser als anorganisches
Lösungsmittel scheidet völlig aus.

Also: Wir füllen Alkohol in den Pfeifenkopf. Der Alkohol durchdringt den Cake
und auch teilweise das Holz, und die zu entfernenden Rückstände gehen relativ
zügig in Lösung. Das wäre schonmal geschafft. Das Dumme ist nur, daß der
Alkohol wieder verdunstet, und die vorher gelösten Rückstände wieder ausfallen,
und sich im Pfeifenkopf niederschlagen. Etwa so, wie wenn wir ein Glas mit
Salzwasser auf die Heizung stellen, nach ein paar Tagen ist das Wasser weg, und
das Salz immernoch im Glas, auf dem Boden auskristallisiert. Mit dem
ausschließlichen befüllen des Pfeifenkopfes mit Alkohol ist es also nicht
getan.

Was tun ?
Wir bringen den Alkohol dazu, _außerhalb_ des zu reinigenden Pfeifenkopfes zu
verdunsten. Jetzt kommt das Salz ins Spiel. Das Salz an sich hat keine
reinigende Funktion; wir machen uns nur einen physikalischen Effekt zunutze:
Die Kapillarkraft. Die Salzkristalle in der Pfeife (besser: die Zwischenräume)
bilden ein hübsches Kapillarsystem. Nun passiert folgendes: Der Alkohol in der
Pfeife mitsamt den gelösten Stoffen beginnt zu verdunsten. Das kann er aber
fast ausschließlich an der Oberseite der Salzfüllung. Der Alkohol verdunstet an
der Salzoberfläche, und hinterläßt dort die Rückstände, die sich auf den
Salzkristallen niederschlagen. Dies ist deutlich durch die rasch zunehmende
Färbung des Salzes zu beobachten. Der restliche Alkohol in der Pfeife beginnt
durch die Kapillarkraft nachzufließen, und nimmt dabei die gelösten Stoffe mit,
um letztendlich auch an der Salzoberfläche zu verdunsten. Interessantes
Schauspiel: An der Verdunstungsfläche ist durch die Prozedur eine dunkle Kruste
entstanden, bestehend aus den extrahierten Verbrennungsrückständen. Das
Restliche Salz in der Pfeife ist nahezu jungfräulich weiß, denn der Alkohol
hatte durch diese Methode keine Chance _in_ der Pfeife zu verdunsten, sondern
nur außerhalb, an der Oberfläche der Salzfüllung.

Das führt mich zu einigen Schlüssen:
1. Das Salz ist egal. Genausogut ginge die Methode auch mit einem anderen
Kapillarbildner, z.B. feiner Quarzsand.
2. Der Kapillarbildner darf nicht Alkohollöslich sein. Zucker z.B. scheidet
völlig aus.
3. Der Wassergehalt im Alkohol sollte möglichst niedrig sein, ich verwende 90%
Ethanol aus der Apotheke. Alkoholische Getränke (Wodka, Cognac ...) sind ME
ungeeignet, da die i.d.R. 40 % Alkohol, aber auch 60 % Wasser enthalten. Diese
60 % Wasser haben in der Pfeife keinen Reinigungseffekt, aber sie lösen einen
beträchtlichen Teil des Salzes, welches gegen Ende der Prozedur wieder
"Versteinert", und unangenehme Krusten an unzugänglichsten Stellen in der
Pfeife bildet.
4. Die Temperatur der Pfeife ist ein verläßlicher Indikator für das Ende der
Prozedur: Durch die Verdunstungskälte fühlt sich die zu reinigende Pfeife
_kalt_ an, solange der Alkohol nicht restlos verdunstet ist (ich vergleiche
immer mit einer Pfeife, die gerade nicht gereinigt wird, der
Temperaturunterschied ist deutlich zu spüren). Hat die Pfeife wieder
vergleichsweise Zimmertemperatur angenommen, ist der Reinigungsvorgang beendet.

Zum Thema Holmriß nach Salz/Alkohol:
Alkohol ist hygroskopisch (Wasseranziehend). Durch die S/A-Behandlung wird auch
ein großer Teil der natürlichen Feuchtigkeit aus dem Holz entfernt. Trocknendes
Holz kontrahiert. Ich habe beobachtet, daß Mundstücke nicht mehr leicht,
sondern nur mit deutlichem Kraftaufwand in eine Holmbohrung einzubringen sind,
die mit der S/A-Methode gereinigt wurde. Eine Quellung der Holzfasern und deren
verbleib in expandiertem Zustand durch die relativ schnelle Trocknung ist u.U.
auch ein Grund für die Querschnittsverringerung der Holmbohrung. Durch die
vergleichsweise hohe Wärmedehnung des Mundstückmaterials im Relation zur
geringeren Wärmedehnung des Holzes ist daher ein Holmriß bei einem so stramm
sitzenden Mundstück beim nächsten rauchen praktisch programmiert. _Lockere_
Mundstücke lassen sich mit dieser Methode aber sehr elegent wieder passend
machen.

Also, was tun?
1. Warten. Nach 2-3 Wochen, je nach Luftfeuchte, paßt das Mundstück wieder
etwas besser, jedoch wird der Urzustand nicht erreicht. (Das liegt wohl an der
Quellung des Holzes und der schnellen Trocknung).
2. Polieren des Mundstückzapfens. Polieren reicht. Ein abschleifen des Zapfens
ist ME nicht erforderlich, ein Polieren mit Polierpaste ist i.d.R. ausreichend
um den Zapfen wieder anzupassen.

So, das wär's erstmal. Ich erhebe freilich keinen Anspruch auf Richtigkeit /
Vollständigkeit, Kritik wird gerne angenommen !

Gruß
Jörg Degen

...und weg
[RE-lurk]

Bjoern Hollensteiner

unread,
Dec 12, 2001, 1:06:58 PM12/12/01
to
Am 12 Dec 2001 17:41:03 GMT, schrieb dege...@aol.com (Degen 1703) :

>Mit dem ausschließlichen befüllen des Pfeifenkopfes mit Alkohol ist es also nicht
>getan.

Hallo Jörg!

Danke für dieses informative Posting, schade, daß Du Dich entschlossen
hast, nur zu lurken.
Eine Frage dazu: macht es nicht Sinn, vor der Salz/Alkohol-Roßkur den
Cake möglichst restlos zu entfernen? Einmal glaube ich einfach nicht,
daß es einem gelingt, wirklich alle Ablagerungen rein "chemisch" zu
entfernen, zum anderen würde der Cake wohl auch als "Isolator" dienen.
Ich denke deshalb, wenn schon Salz-Alkohol, dann raus mit dem Cake und
danach der Versuch, restliche Ablagerungen mit der Chemie aus dem Holz
zu holen.


Grüße!
Björn Hollensteiner

--
"Wenn die nackte Unberührtheit der Pfeife das erste Mal
das Feuer der Leidenschaft des Rauchers verspürt,
so sollte nichts dazwischen sein."
- Lutz Boden am 07.11.1999 zum Thema Einrauchpasten

Frank Biede

unread,
Dec 12, 2001, 2:16:39 PM12/12/01
to
Hallo.

> Ich denke deshalb, wenn schon Salz-Alkohol, dann raus mit dem Cake und
> danach der Versuch, restliche Ablagerungen mit der Chemie aus dem Holz
> zu holen.

Auch, weil die 'Kapilarität' nur bis zur Oberfläche
des Cakes reicht, oder hat der selbst auch ein wenig diese
Eigenschaft?

Gruß

Frank

P. S.: Ich hoffe doch, Cognac besteht nicht nur zu
40% aus Alkohol und zu 60% aus Wasser...

Adrian Schmidtke

unread,
Dec 12, 2001, 4:19:52 PM12/12/01
to
Hi Björn,

> Ich denke deshalb, wenn schon Salz-Alkohol, dann raus mit dem Cake und
> danach der Versuch, restliche Ablagerungen mit der Chemie aus dem Holz
> zu holen.

So mache ich das immer. Der Cake bräuchte IMO mehrere Tage um wieder
richtig durchzutrocknen. Außerdem bindet er Aromen ganz hervorragend...

Schöne Grüße,
Adrian [MB Club in Parker]


Stefan Kalloch

unread,
Dec 13, 2001, 4:04:52 AM12/13/01
to
Hallo Joerg


[...]


>Wir bringen den Alkohol dazu, _außerhalb_ des zu reinigenden Pfeifenkopfes zu
>verdunsten. Jetzt kommt das Salz ins Spiel. Das Salz an sich hat keine
>reinigende Funktion; wir machen uns nur einen physikalischen Effekt zunutze:
>Die Kapillarkraft. Die Salzkristalle in der Pfeife (besser: die Zwischenräume)
>bilden ein hübsches Kapillarsystem.


Die Zwischenraeume duerften wohl kaum ausreichen um von Kapillaren zu reden,
dazu sind sie viel zu gross.


Salz ist hygroskopisch und "zieht" somit die Feuchte aus dem Holz.


[...]


>Zum Thema Holmriß nach Salz/Alkohol:
>Alkohol ist hygroskopisch (Wasseranziehend). Durch die S/A-


Ersetze Alkohol durch Salz, dann stimmt's ;-)


Stefan
--
__________________________________________________________
News suchen, lesen, schreiben mit http://newsgroups.web.de

Franz-Josef Fornefeld

unread,
Dec 13, 2001, 5:21:06 AM12/13/01
to
Degen 1703 wrote:

> Wir bringen den Alkohol dazu, _außerhalb_ des zu reinigenden Pfeifenkopfes zu
> verdunsten. Jetzt kommt das Salz ins Spiel. Das Salz an sich hat keine
> reinigende Funktion; wir machen uns nur einen physikalischen Effekt zunutze:
> Die Kapillarkraft. Die Salzkristalle in der Pfeife (besser: die Zwischenräume)
> bilden ein hübsches Kapillarsystem.

> [...]


> Das führt mich zu einigen Schlüssen:
> 1. Das Salz ist egal. Genausogut ginge die Methode auch mit einem anderen
> Kapillarbildner, z.B. feiner Quarzsand.

Dann wäre ja z.B. Aktivkohle nahezu ideal für diese Prozedur.

1. löst sich weder in Wasser noch in Alkohol
2. hat eine wesentlich größere Oberfläche (da porös)
3. könnten die Restbestände an VN-Filtern[1] endlich einer sinnvollen
Verwendung zugeführt werden ;-)

Gruß

Jo

[1] nein, ich will keinen Endlosthread lostreten

Stefan Kummer

unread,
Dec 13, 2001, 5:33:18 AM12/13/01
to
Moin Moin,
Franz-Josef Fornefeld <jo.for...@gmx.de> wrote:
>Degen 1703 wrote:
>
[Zitat Reinigung Salz-Alk]

>Dann wäre ja z.B. Aktivkohle nahezu ideal für diese Prozedur.


http://www.glpease.com/Articles/Spot.html


Herr Pease hat das mal probiert, wenn ich das richtig verstanden habe ohne
Alkohl und im Backofen - mit Risiken, aber der Chance, *alles* an unerwünschten
angesammelten Aromen loszuwerden.


Bis denn,
Stefan,
MB navy flake in Graco ms, bin froh, daß dieser Tabak endlich weggeraucht ist

Franz-Josef Fornefeld

unread,
Dec 13, 2001, 7:56:40 AM12/13/01
to
Stefan Kummer wrote:

> Moin Moin,
> Franz-Josef Fornefeld <jo.for...@gmx.de> wrote:
>> Degen 1703 wrote:
>>
> [Zitat Reinigung Salz-Alk]
>> Dann wäre ja z.B. Aktivkohle nahezu ideal für diese Prozedur.
>
>
> http://www.glpease.com/Articles/Spot.html

Interessant.

Die Temperaturen scheinen mir doch ein wenig niedrig (180ºF = 82,222ºC,
220ºF = 104,444ºC), aber wenn es denn reicht ...

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