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Wischmeyers Logbuch: Der Grieche.

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Christof Kappler

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Oct 20, 2000, 3:00:00 AM10/20/00
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War es wieder toll in dem griechischen Restaurant, auch wenn man immer
diesen Wischmeyer Text im Kopf hat:
Charons Bruder mit der Ouzo-Platte.
Was zum Beispiel macht eigentlich der Grieche den ganzen Tag? Seitdem vor
gut 2000 Jahren der Weltgeist in Hellas die Biege machte, hinterließ er ein
Land mit dem Charme einer Kiesgrube, dessen Bewohner dennoch lustig drauf
sind.
Mopsfidel springen Zorbas und seine Kumpel am Strand herum und hüpfen den
Sirtaki. Der Grieche wäre mithin ein recht angenehmer Schöpfungskollege,
hätten nicht die Verwegensten unter ihnen vor jahrzehnten den Plan gefaßt,
den Rest der Welt mit ihren Kochkünsten zu malträtieren. Was waren die
Wikinger, was die Mongolen doch für harmlose Besuchergruppen gegen den
Ansturm der Griechen auf unsere Zivilisation. In einem grandiosen
Mißverständnis der türkischen Küche rühren Pannajotis und seine Schergen
einen Schlangenfraß zusammen, der weltweit seinesgleichen sucht. Da wird
junger Weißwein mit einer Art Holzschutzmittel verlängert, Gehacktes in
Motoröl geschwenkt und jede Form von Schwein am offenen Feuer zu
Brikettfetzen gekokelt. Als Zugeständnis an mitteleuropäische Gaumen gibt es
zu jedem Magenbrecher eine Schaufel Industriefritten. Nun, was treibt den
Kunden aber zu Charon und seinen Brüdern? Es ist die schiere Masse des
Dargereichten und sein verheißungsvoller Name. So besteht die omnipräsente
Ouzo-Platte nicht nur aus mehrerlei Sorten Kokelschwein nebst Frittenfuder,
sondern - wie der Name schon verspricht - zusätzlich aus dem nachgeschobenen
Absinth. Ein veritabler Marketingtrick! Hat man doch nach dem mörderischen
Geschmack des seifigen Gesöffs schon wieder vergessen, welche Verheerungen
die zuvor verabfolgte Schwartenkohle im Magen angerichtet hat. So stiefelt
man gut gelaunt nach Hause ob des günstigen Preis-Leistungsverhältnisses
griechischer Küche und merkt erst am nächsten Morgen, auf welche fatale
Weise die eigene Lebenserwartung schon wieder geschmälert wurde. Erstaunlich
auch am Griechen ist die Tatsache, wie sich ein ganzes Volk fanatisch auf
die Tätigkeit stürzt, von der es am wenigsten versteht. In jeder deutschen
Kleinstadt gibt es mindestens zehn Akropolis-, Olympia- oder Hades-
Restaurants, und jede zweite Dorfkneipe hat Costa in ein griechisches Öl-
und Fritten-Parthenon verwandelt. In anderen Branchen hält sich der Kollege
von der Ägäis aber seltsam bedeckt. Nur die Familien Niarchos und Onassis
versuchten einst als Tankerkönige ihr Glück, haben vermutlich mittlerweile
aber auch längst wieder einen Gasthof "Zur Eiche bei Onassis" eröffnet. Wo
auch sonst läßt sich dieses heimelige Ambiente aus Gipsfiguren und
Touristikplakaten so überzeugend ausleben. Und wenn dann noch der jaulende
Balkantechno aus den Lautsprechern quäkt, dann haben wir gelernt, daß
"Stuhl" auf griechisch Bifteki heißt. Gutos Appetitos!
(Quelle: Dietmar Wischmeyers Logbuch, Zweite Reise durch das Land der
Bekloppten und Bescheuerten, Ullstein Fun Factory, DM 18,90 - sollte in
jedem besser sortiertem Bücherregal stehen!!!)

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