Ludger Averborg <
ludger_...@web.de> writes:
> On Sat, 20 Oct 2012 12:16:25 +0200, frank paulsen
> <
frank....@gmx.net> wrote:
>
>>ein Milchlamm ist nicht aelter als ein halbes jahr, ein Lamm nicht
>>aelter als ein jahr. da hat sich nichts geandert, seit jahrzehnten.
>
> Nun, vor Jahrzehnten w�re noch niemand (ok:niemand, der eine
> Schafherde sieht) auf die Idee gekommen, die ausgewachsenen
> einj�hrigen Tiere als L�mmchen zu bezeichnen. Vermutlich ist das immer
> noch so. Zumindest findet google/bilder unter L�mmer nahezu
> ausschlie�lich diese kleinen wolligen wei�en Kr�uselhaarwesen.
>
> Ich wei�: Google abz�hlen jassen ist kein Beweis, aber ein Hinweis ist
> es schon daf�r, was viele denken.
es gibt in deutschland so gut wie keine tradition im _verzehr_ von
schaffleisch, unter welcher bezeichnung auch immer.
um das mal in zahlen zu bringen: nicht mal 1kg pro kopf und jahr. von
daher ist es natuerlich, dass da eine starke divergenz zwischen den
fachtermini und dem allgemeinen sprachgebrauch gibt.
du z.B. gehst davon aus, dass ein Hammel ein kastrierter Bock sei. das
stimmt, wenn man vom lebenden tier redet, meist.
als Hammelfleisch verkauft wird aber seit ewigkeiten auch fleisch von
weiblichen schafen, die noch nicht abgelammt haben, aber schon ihre
backenzaehne besitzen. der grund ist simpel: die bilden genau den etwas
strengeren geschmack aus, der den 'echten' Hammeln eigen ist, gehen
nicht mehr als laemmer durch, muessen aber ggf. trotzdem verkauft
werden. weil man sie als Lamm nicht losgeworden ist.
geboren werden schafe so etwa 50/50 als weibliche und maennliche tiere.
fuer eine herde braucht man so ungefaehr einen bock auf 20-50 mutter-
tiere. das heisst aber auch, dass gerade die bocklaemmer die ersten
sind, die ueber die klinge springen, weil man sie als hammel kaum
verkaufen kann und als bock nur sehr wenige braucht. will sagen:
normalerweise hat nach nem halben jahr eine normale herde ueberhaupt
keine maennlichen tiere mehr, weil die potentiellen 'Hammel' schon
verkauft sind, und die boecke weggestallt. (ausser, sie bekommen ne hose
an, das gibts auch :)
woher soll also hammelfleisch kommen? eben, von geschlechtsreifen
schafen, die noch nicht gelammt haben. fuer den schaefer ist das
unglaublich aergerlich, denn das sind ja nicht fuer diesen zweck
ausgedachte tiere, sondern einfach laemmer, die ihm (oder ihr, gibt nen
haufen weiblicher schaefer mitlerweile) schlicht zu alt geworden sind.
wenn hier jetzt fleissig lebensmittellexikon und wikipedia zitiert
werden, zwecks genauer angaben ueber die lebensalter, dann kommen da
_maximalgrenzen_ raus, die die bezeichnungen festlegen.
unter normalen umstaenden wird kein schaefer ein Lamm genau nach elf
monaten und 27 tagen schlachten: das ist futterverschwendung ohne ende,
ohne messbaren mehrertrag. und mit pech riecht das vieh dann schon
'bockig' und bringt nur den halben preis.
Osterl�mmer werden hier (NRW) nach etwa 10-12 wochen geschlachtet, die
sehen dann genau so putzig aus, wie google dir das zeigt.
*aber* von genau diesen osterlaemmern wird deutlich mehr geredet als
gegessen, zumindest in Deutschland. das ist wie mit katzen im netz: die
niedlich putzigen bilderchen sind viel haeufiger vertreten als die
viecher im echten leben vorkommen. da ist die masse der katzen entweder
alt und fett, oder irgendwo unsichtbar verschwunden.
Mastl�mmer werden in D normalerweise nach ungefaehr einem halben jahr
geschlachtet, so minus einen und plus zwei monate als toleranz, weil die
vermarktung da stark von der nachfrage abhaengt. das sind aber auch mit
fuenf monaten ganz sicher *keine* Milchl�mmer, weil sie halt so frueh
wie moeglich auf gruen- oder kraftfutter umgestellt werden.
(das ist trotz der laenge noch alles viel zu kurz, weil ich als
beispiele fuer mastzeiten jetzt weideschafe genommen habe. bei
aufgestallten werden die laemmer z.B. optimal genau vier monate alt, bei
alten rassen (Skudden) in extensiver haltung eher zehn monate...)
--
frobnicate foo