Prenzlauer Kreisbahnen (lang)

189 Aufrufe
Direkt zur ersten ungelesenen Nachricht

Thorsten Meinecke

ungelesen,
22.04.1997, 03:00:0022.04.97
an

Inhalt: 1. Einführung
2. Die Kleinbahn Schönermark-Damme
3. Brandenburgisches Klein- u. Privatbahnmuseum Gramzow
4. Gramzow--Damme--Prenzlau
5. Handbuch d. dt. Straßen-, Klein- u. Privatbahnen (Auszug)
6. Schlußbemerkung

Dem Andenken der Kursbuchstrecke 206.67 (292, 924, 113a/113d)
Prenzlau--Gramzow (Uckermark), eingestellt am 27.05.1995


1. Einführung

Die Prenzlauer Kreisbahnen dienten einst dem regionalen Personen- und
Güterverkehr auf insgesamt 123 km Streckenlänge. Sie verband den
Hauptort des Kreises Prenzlau mit den größeren Ortschaften an seiner
Peripherie, und diese wiederum mit Bahnhöfen an tangential verlau-
fenden Staatsbahnstrecken in den Nachbarkreisen.

Vom Prenzlauer Kreisbahnhof, einem Kopfbahnhof, führte eine Strecke
nach Dedelow, die sich in jeweils einen Ast nach Strasburg und nach
Fürstenwerder teilte, dann eine Strecke über Damme nach Löcknitz,
sowie drittens eine Strecke nach Klockow. Von Damme bestand eine
Verbindung nach Schönermark. Dort hatte die Prenzlauer Kreisbahn
nur die Betriebsführung, denn diese Strecke gehörte der "Kleinbahn
Schönermark-Damme", die zu 24 % im Eigentum des Kreises Prenzlau
und zu 76 % des Kreises Angermünde stand.

Die Planungen zum Bau der Kreisbahn gehen auf die Erleichterungen
durch das preußische Kleinbahngesetz von 1892 zurück. Die erste,
am 17.02.1898 eröffnete Strecke Brüssow--Löcknitz wurde noch durch
die "Uckermärkische Lokalbahn-Aktiengesellschaft" errichtet. Mit
der Eröffnung des Abschnitts Prenzlau--Damme--Brüssow(--Löcknitz)
am 02.12.1902 ging die Uckermärkische Lokalbahn-Aktiengesellschaft
in den Prenzlauer Kreisbahnen auf. Am 06.02.1906 nahm die Klein-
bahn Schönermark-Damme den Betrieb auf.

Streckenübersicht der Prenzlauer Kreisbahn:

Eröffnung km Abschnitt Übergang zur Strecke
-----------------------------------------------------------------------
17.02.1898 10,7 Brüssow--Löcknitz Pasewalk--Stettin
02.12.1902 31,2 Prenzlau--Brüssow
02.12.1902 6,5 Prenzlau--Dedelow
16,9 Dedelow--FÜrstenwerder
19,7 Dedelow--Strasburg-Kreisbf Neubrandenburg--Pasewalk
06.02.1906 25,1 Schönermark--Damme Angermünde--Stettin
04.01.1916 15,0 Prenzlau--Klockow Kleinbahn Klockow-Pasewalk(Ost)


2. Die Kleinbahn Schönermark-Damme (ein Spaziergang)

Hier habe ich mich am letzten Wochenende, genauer am 19.04.1997, mal
etwas umgesehen.

»Ab 02.06.1996 ist der Verkehrsaufenthalt
auf dieser Verkehrsstation eingestellt.
Deutsche Bahn AG«

Es handelt sich um den Bf Schönermark Kreis Angermünde, so steht es
nicht mehr ganz zutreffend am Stationsgebäude über dem Dienstraum.
Wir befinden uns an der KBS 103/B2, Berlin--Stettin. An diesem über
300 m langen Mittelbahnsteig halten keine Reisezüge mehr, der Bahn-
steigzugang, ein Tunnel für Fußgänger, ist verschlossen.

Dennoch ist noch Leben in der Bude. Blätter eines Gummibaumes sowie
die handbetätigten Schranken des Bahnübergangs zeugen davon, daß hier
noch ein Eisenbahner seinen Dienst versieht. Er wird noch andere
betriebliche Aufgaben haben, es gibt nämlich neben den beiden Bahn-
steiggleisen noch zwei weitere Gleise für Überholungen, alle mit
Strippe, von denen mindestens eins auch benutzt wird. Am Bahnsteig
ein zwei- und an dem einen Überholgleis ein dreibildriges Formsignal.

Als ich die Lage beobachtete, wurde zufällig ein Militärtransport
auf den Rand genommen, und stand dann da eine gute halbe Stunde.
Britische Panzer und Pioniergerät, mehr als 35 Fahrzeuge auf Güter-
wagen Kls, Samns und Rlmps, davor das Militärpersonal büchsenbier-
trinkend in 4 Bm, das Ganze gezogen von einer 232. Die Tommies
waren wohl auf dem Weg in ein Manöver, nach Polen?

Die Oberleitung scheint sowieso nicht mehr gebraucht zu werden,
denn auch die Ölzüge des Schwedter Chemiekombinats werden, soweit
ich das sehen konnte, mit 232 gefahren. Regionalbahn fährt mit 628,
und der Fernverkehr hat, wenn überhaupt, sicherlich nicht in Passow
Lokwechsel.

Zwischen Bahnhof und Bahnübergang, und rechtwinklig zur Stettiner
Strecke, steht ein rotes zweigeschossiges Backsteingebäude. Das
muß das Empfangsgebäude der Kleinbahn Schönermark-Damme gewesen
sein, also der Bf Schönermark-Kleinbahnhof. Von der Landstraße
sieht es aus wie ein gewöhnliches Wohnhaus, aber an seiner Rück-
front liegt eine planierte Flãche, jetzt als Garten genutzt, genau
in der Verlängerung des Bahndammes der Strecke nach Damme. Die
Gleise der Kleinbahn Schönermark-Damme sind bis Gramzow (km 15,1)
vermutlich irgendwann in den 70ern abgebaut worden.

Es gibt auch noch den Damm einer Verbindungskurve zur Berlin--
Stettiner Strecke, bei km 83,1 liegt etwa in Höhe des nordöst-
lichen Bahnsteigendes auch noch eine zu ihr führende Weiche, die
in Grundstellung (gerade) noch befahrbar wäre, an der aber kein
Gleis mehr abzweigt.

Von km 0,0 Schönermark-Kleinbahnhof führt die Strecke parallel zur
Landstraße auf einem 1 bis 2 m hohen Damm durch den Welsebruch,
einer etwa zwei Kilometer breiten Niederung. Die Brücke über die
Welse ist abgebaut, der Damm ist sonst mit Büschen bewachsen.

In Biesenbrow-Haltestelle (km 1,8) ist noch eine Bahnsteigkante aus
Holzschwellen zu erkennen, Biesenbrow-Ladestelle (km 2,9) gibt es
eine kopfsteingepflasterte Laderampe, auch sind noch Schienenreste
in einigen Wegeübergängen zu finden. Die Trasse geht in einem Ein-
schnitt weiter, den die Natur zurückerobert hat, wovon Schalenwild-
spuren und dichtes Gestrüpp zeugen. An der tiefsten Stelle gibt es
die Reste eines Brückenbauwerkes, auf einer Seite steht ein gemauertes
Widerlager. Selbst der Verlauf des Weges, der einmal über sie hinweg
führte, ist nicht mehr zu erkennen, dafür dehnen sich auf beiden
Seiten die für diese Landschaft charakteristischen endlosen Felder.

Ein kurzes Stück weiter wurde ein tonnenschwerer Findling auf die
Trasse gestürzt. Wenige hundert Meter vor der nächsten Station
Golm (km 6,0 ) wird die Trasse als landwirtschaftlicher Fahrweg
genutzt, in Golm steht noch hölzerner Lagerschuppen in einem späten
Stadium des Verfalls. Hinter diesem wird die Trasse als Pferdeweide
genutzt, ein kleiner unverputzter Schuppen, jetzt eine Art Pferde-
stall, könnte mal ein Wartehäuschen gewesen sein. Das ist der
einzige Abschnitt auf den 15 Kilometern bis Gramzow, wo überhaupt
irgendeine Nutzung der Trasse stattfindet.

Auf dem Abschnitt nach Fredersdorf (km 8,7) sind noch einige Kilo-
metersteine erhalten. Diese wurden so aus Feldsteinen gehauen, daß
die beiden entgegengesetzten Seiten einigermaßen plan wurden, und
dann mit der km-Zahl bemalt. An der Landstraße vor dem Ort Freders-
dorf ist wieder der für diese Bahn typische kombinierte Haltepunkt/
Güterladestelle zu sehen, hier mal aus Steinplatten, die Zufahrt
kopfsteingepflastert. Wenn es überhaupt dem Bahnbetrieb dienende
Gebäude gab, dann waren sie entweder aus Holz und schon längst vom
Zahn der Zeit zerfressen, oder Wartehäuschen unterschiedlicher
Bauformen, mit einem zum Gleis hin offenen Zugang, und in der Luxus-
ausführung auch noch mit einem zweiten Raum, der dann sogar eine Tür
besaß. Die Haltepunkte sind hier im Gegensatz zu den Bahnhöfen
Schönermark und Gramzow alle sehr spartanisch ausgestattet.

Über Zichow (km 12,3) -- Lade- u. Bahnsteigkante, Kopfsteinpflaster-
fläche, Holzschuppen -- nach Gramzow (km 15,1). Etwa ab km 14,3
liegt wieder das Gleis, wie auf dem bisherigen Stück auf Holzschwellen
verlegt, in einem Sand- und nicht im Schotterbett. Der Abbau der
Strecke auf diesem Abschnitt bedeutete deshalb nur Abbau der Schienen,
die Schwellen wurden einfach liegengelassen. Schotter als Sekundär-
rohstoff gab's ja sowieso keinen.


3. Brandenburgisches Klein- u. Privatbahnmuseum Gramzow (i.d.Uckermark)

Öffnungszeiten ab Saisonbeginn vom 03.05.1997 bis 26.10.1997
Mittwochs--Sonntags 10--17 Uhr (ohne Gewähr)

»Man könnte also mit viel Optimismus von einem
neuen Kapitel in der nun doch noch nicht
beendeten Kreisbahngeschichte sprechen.«

Schlußsatz der Broschüre "90 Jahre Prenzlauer Kreisbahn"
anläßlich der Sonderfahrt zum Streckenjubiläum, 1992

Hier stehen einige erhaltene Fahrzeuge aus der Geschichte der Prenz-
lauer Kreisbahnen und auch von anderen Klein- und Schmalspurbahnen.
Der Lokschuppen ist rekonstruiert, die Drehscheibe möglicherweise ein
kompletter Neubau.

Es gibt an Ausstellungsstücken eine unidentifizierbare Dampflok,
zweiachsig und grün gestrichen, mehr kann ich nicht erkennen; den
dieselmechanischen Triebwagen PK 04, Typ Mosel, gebaut 1939 von der
Waggonfabrik Wismar; den Beiwagen 151 der ehem. Kleinbahn Gardelegen-
Haldensleben-Weferlingen; einen Eisenbahndrehkran EDK 80/1; sowie
neben einigen historischen Waggons, darunter auch ein Wasserwagen
der Berliner Hochbahn, die Ferkeltaxe 771 003-1 samt 971 003-9,
in tiefroter Lackierung und mit DB-Emblem an der Seite. Und eine
Hebeldraisine zur Selbstnutzung durch die Besucher.


4. Gramzow--Damme--Prenzlau

Die Gleisanlagen des Museums, die sich über ein paar hundert
Meter einschlielich des Bahnsteigs nach Süden erstrecken, sind
durch einen Prellbock von der weiterführenden Strecke abschlossen.
An diesem nur durch 4 Bolzen mit dem Gleis verschraubten Prell-
bock steht eine Schutzhalttafel Sh2, allerdings auf seiner
"falschen" Seite, sie begrenzt die Fahrstraße aus Richtung
Prenzlau, mitten im Nichts vor den Weichen und dem "Bahnsteig"
(knöchelhohe und schienenbuslange Kante).

Empfangsgebäude Bf Gramzow (Uckermark), ein zweigeschossiger Back-
steinbau, im Glaskasten der Aufsicht ein Streckenfernsprecher.
Ob bei ihm Ruf u. Verständigung noch i. O. sind?

Zwei Drähte führen vom Bf Gramzow über Telegraphenmasten 10 km
weit nach Damme, von dort an sind 4 Drähte gespannt, das andere
Paar verläuft entlang des Gleises nach Löcknitz. Auch wenn
einzelne Masten schon ziemlich in den Seilen hängen und ihre
Standfestigkeit eingebüßt haben, so mag ich nicht ausschließen,
daß der elektrische Anschluß dieses Fernsprechers noch immer
gewährleistet ist.

Die Strecke ab Gramzow unterscheidet sich eigentlich nur insofern
vom Zustand der Strecke davor, daß noch Schienen liegen und nur
Gras-, aber noch kein Strauchbewuchs auf ihr zu finden ist. Doch,
da ist noch ein Unterschied: die Gleise wurden verschiedentlich
erneuert, weite Abschnitte sind auf Betonschwellen verlegt, diese
sind entweder bröckelig und stammen aus den 70ern, oder sie tragen
Zahlen wie 87 und 88 und sind noch sehr gut in Schuß.

Aber durchgehend Sandbettung als Oberbau, ich tippe auf Vstr =
40 km/h. Vor den doch recht zahlreichen Wegeübergängen ist unter
den zwei Pfeiftafeln oft eine Geschwindigkeitstafel 10 bzw. 15
angebracht.

Lützlow (km 17,9): gar nichts mehr zu sehen, nicht mal eine Ort-
schaft. Es folgt die Unterquerung der Autobahn A11, dann der
Haltepunkt Kleinow. Die Emailtafel mit dem Namen ist erhalten,
ebenso ein Betonfertigteilhäuschen. Hier müßte es mal ein Lade-
gleis gegeben haben, denn etwas abseits liegt eine meterhohe
Laderampe aus Feldsteinen.

Damme (km 25,1), Abzweig der ursprünglich durchgehenden Kreisbahn-
strecke nach Löcknitz. Dieser Ast soll von 1992 bis zur endgültigen
PV-Einstellung 1995 im Schienenersatzverkehr gefahren worden sein.
Das Gleis der Löcknitzer Strecke sieht zumindest hier am Bf Damme
auch danach aus, wesentlich mehr Rost auf den Schienen und die Holz-
schwellen sind wirklich verrottet. Damme (km 12,9 ab Prenzlau),
drei Seitenbahnsteige, drei Bahnsteiggleise (logo), zwei Gütergleise,
jede Menge Weichen, sogar eine Kreuzungsweiche. Im Gebüsch rostet
das Gegengewicht von einem Formsignal, vermutlich, denn die Weichen
sind bzw. waren handbetätigt. Die Gebäude entsprechen der Größe
der Gleisanlagen nicht, zwei Schuppen unterschiedlicher Baustile,
mittlerweile mit Löchern im Dach, müssen alles gewesen sein.

Richtung Prenzlau ein langer modernisierter Abschnitt, hier wurde
in einem langen Einschnitt eine Drainage zu beiden Seiten des
Gleises gelegt. Hier sind vier Drähte an den Telegraphenmasten
gespannt. Nächster Haltepunkt Drense (km 9,3) -- Bstg-Kante,
Wartehäuschen. Könnte ebensogut eine Bushaltestelle gewesen sein.

Grünow (km 6,3). Hp, Bstg-K., Wartehs. Aber auch eine Sprech-
stelle! Die erste seit Gramzow. Und eine Tafel: »DB-Anlage.
Betreten verboten!« Wohl die Nebenbahnvariante der Fahrgast-
information. :)

Hp Bündigershof (km 4,8), drei Pfosten trugen einst das Namens-
schild. Danach geht es in einer weiten Kurve nördlich um Prenzlau
herum, bzw. von Norden nach Prenzlau hinein. Es gibt noch eine
Anschlußbahn zum Futtermittelwerk, mit einer recht großen Aufstell-
fläche, die neben der Kreisbahnstrecke liegt, und die auf den
letzten Metern am Bahnstromwerk über die Kreisbahn noch immer
bedient wird. Jede Menge Magnete (oder sind das Achszähler?),
ein einsames gelbes Licht leuchtet an einem Lichtsignal vor der
Einfädelung auf die Staatsbahn. Früher gab es an dieser Stelle
eine Brücke, auf der die Staatsbahn die Kreisbahnstrecke über-
querte. Sowohl der 1955 geschlossene Kreisbahnhof wie die
Betriebswerkstatt der Kreisbahn liegen nämlich auf der anderen,
der westlichen Seite von der Strecke Angermünde--Pasewalk aus
gesehen.

Zwischen ehemaligem Kreisbahnhof und ehemaliger Betriebswerkstatt
liegt die B 109, Stettiner Straße. An der Ecke Gartenstr. stehen
eine Fahrzeug- und ein Werkhalle, und Nebengebäude, Bw der Prenz-
lauer Kreisbahn. Im Gleisfeld -- nur handbediente Weichen --
liegen zahlreiche Brückenelemente, auf dem Gelände ist/war eine
Hochbaumeisterei untergebracht. Zeichen des Verfalls, möglicher-
weise hat der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. Das Anschluß-
gleis zum Bw liegt noch im Straßenpflaster, jedoch wurde auf der
anderen Seite eine Lagerhalle genau auf dem Gleis errichtet.


5. Handbuch d. dt. Straßen-, Klein- u. Privatbahnen (Auszug), 1928

216. Prenzlauer Kreisbahnen

Prenzlau (Reg.-Bez. Potsdam)

Postadresse: Direktion der Prenzlauer Kreisbahnen, Prenzlau U.-M. --
Drahtanschrift: Kreisbahn Prenzlau -- Fernruf 525 und 526

Leitung: Kreiseisenbahndirektor Götz.
Eigentümer des Unternehmens: Kreis Prenzlau.
Datum und Dauer der letzten Hauptgenehmigung: 25. 3. 1903,
unbeschränkt. Datum der ersten Betriebseröffnung: 2. 12. 1902.
Betriebszweck: Personen- und Güterbeförderung.
Linienführung: Prenzlau--Brüssow--Löcknitz, Prenzlau--Strasburg
mit Abzweigung Dedelow--Fürstenwerder, Prenzlau--Klockow.
Triebkraft: Dampf. Spurweite 1435 mm. Länge aller verlegten
Gleise: 108,25 km Vignolgleise. Länge der dem öffentlichen Betrieb
gewidmeten Strecken 104,302 km eingleisige Strecken.
Betriebsmittel: 14 Dampflokomotiven, 1 Motordraisine, 1 Motorrad
mit Benzolantrieb, 17 Personenwagen, 7 Gepäckwagen, 221 Güterwagen,
14 Spezialwagen.
Dem Unternehmen ist ab 16. 4. 1928 Kraftwagenbetrieb angegliedert.
Betriebszweck: Personenbeförderung. Zahl der Kraftwagenlinien: 8,
Länge 165 km. Zahl der Kraftwagen: 4.
Nebenbetrieb: Betriebswerkstatt.
Geschäftsjahr: 1. 4.--31. 3. Fortgeschriebenes Anlagekapital
1 051 700 M.
Zahl der beschäftigten Personen: im Bahndienst 179, im Kraftfahr-
betrieb 5, in den Nebenbetrieben 73, insgeamt 257.
Verkehrsumfang im letzten Geschäftsjahr: 382 170 beförderte Per-
sonen, 226 529 t.
Betriebseinnahmen im letzten Geschäftsjahr 958 000 M.


6. Schlußbemerkung

Tja, Nebenbahnschicksal. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts
die Blütezeit, erstmalig erschloß ein Massenverkehrsmittel die
Fläche. Ein Instrument regionaler Wirtschaftsförderung, wie man
heute sagen würde. Für die Produzenten landwirtschaftlicher
Produkte boten sich neue Märkte und bessere Absatzchancen, die
Bauern/Gutsbesitzer werden am meisten von der Bahn profitiert
haben. Aber auch für den Landarbeiter weitete sich der Horizont,
war er doch bisher auf Fuhrwerke angewiesen.

Ende der 20er Jahre beginnen Omnibusse im Personenverkehr der
Bahn Konkurrenz zu machen. Nach dem Krieg Demontage, doch wenig
später Wiederaufbau, um die Verkehrsbedürfnisse der Bevölkerung
zu decken. Zu DDR-Zeiten langsamer, aber steter Rückgang des
Güterverkehrsaufkommens, erste Teilstillegungen. Nach der Wende
alsbaldige Einstellung infolge zu geringen Fahrgastpotentials.

Dabei muß der Betrieb auf der Kreisbahn relativ kostengünstig
gewesen sein, zumindest auf der Strecke Prenzlau--Gramzow:
nicht ein einziger schrankengesicherter Bahnübergang, keine
Signale, kein Personal auf den Unterwegshalten, keine Kreu-
zungen ... aber eben auch keine Fahrgäste mehr.


Für Hinweise, Verbesserungen, und sonstige Anmerkungen stets
dankbar,
--Thorsten

Martin Ebert

ungelesen,
23.04.1997, 03:00:0023.04.97
an

Thorsten Meinecke wrote:

[...]
[Kleinbahnmuseum Gramzow]


> Hier stehen einige erhaltene Fahrzeuge aus der Geschichte der Prenz-
> lauer Kreisbahnen und auch von anderen Klein- und Schmalspurbahnen.

> Der Lokschuppen ist rekonstruiert, die Drehscheibe m=F6glicherweise ein=

> kompletter Neubau.
[...]

Ich war immer mal oben. Ich hatte auch das Glueck, das Museum mehrfach
VOR der Eroeffnung zu sehen.

Die Drehscheibe ist ein Neubau; sie ist erst relativ spaet vor der
Eroeffnung entstanden.

Im Gueterschuppen war im letzten Jahr eine Eisenbahn Spur 1 (oder LGB?)
aufgebaut.

Im Lokschuppen stand eine lustige Draisine: Moped Marke Schwalbe auf
Schienen.

Aus dem Fahrzeugpark bin ich nicht schlau geworden: Jedesmal stand etwas
anderes da.

Die Leute dort sind sehr engagiert und geben auch gern Auskunft.
-- =

Mit freundlichen Gruessen / Best regards,
Martin Ebert

Immer einen Besuch wert:
http://www.wittenberg.de/

Allen antworten
Dem Autor antworten
Weiterleiten
0 neue Nachrichten