vielleicht könnt ihr mir helfen - ich bin etwas verunsichert.
Vor kurzem hatte ich sehr viel Stress und konnte plötzlich nicht mehr
ganz deutlich sehen. Daraufhin hat mein Augenarzt einen bisher
unerkannten leichten Astigmatismus diagnostiziert und mir
logischerweise eine Brille verordnet (sph 0.00/+0.25, zyl -1.00/-1.00,
Achsen 5/170).
Die trage ich jetzt seit einer Woche und habe etwas Merkwürdiges
festgestellt: Soweit ich das beurteilen kann (ich erkenne es am
deutlichsten an einemr kleinen roten Lampe an meiner Stereoanlage),
korrigiert die Brille das Problem morgens komplett; abends aber ragt
immer noch ein leichter roter "Schatten" aus der Lampe heraus.
Ist das normal? Kann sich ein Astigmatismus im Tagesverlauf ändern?
(Der Refraktionstest beim Arzt fand auch morgens statt, insofern würde
das zusammen passen.) Oder habe ich Halluzinationen? In den Millionen
Websites, die es zum Thema gibt, habe ich dazu nichts gefunden...
Vielen Dank für eure Hilfe,
P.
Ich hab zur Zeit auch viel Stress (die ersten Wochen als Lehrer) und meine
Sehleistung schwankt bisweilen extrem - morgens sehr ich nur Halos und
alle Lichtquellen sind übersteuert, nachmittags gibt sich das dann wieder.
Also keine Sorge, das kommt vor!
Tom
--
Irgendwann beißt jeder in den Löffel.
th.g...@uni.de
http://www.thomas-gabler.de
da könnte ich jetzt lange was erzählen. Ich versuche es kurz.
cyl -1,00 ist kein leichter, sondern schon ordentlicher Astigmatismus. Ohne
Korrektur würde die maximale Sehleistung wahrscheinlich nur 50% des
möglichen Visus betragen.
Wenn wir mal davon ausgehen, dass die verordneten Werten die wirklich
bestmöglichen sind, ist zu beachten, dass kein Mensch in Schritten von 1/4
dpt "gebaut" ist. Folglich bleibt eigentlich immer etwas Ungenauigkeit
übrig. Das kann auf dem einen Auge durchaus etwas mehr als auf dem anderen
Auge sein.
Die Stärke des Zylinders in Deinem Brillenglas resultiert aus der Summe der
Astigmatismen aller brechenden Medien im Auge. Also Hornhaut Vorder- und
Rückfläche, Linsen Vorder- und Rückfläche und die Vorder- und Rückfläche des
Glaskörpers. Dieses System kann nicht über 24 Stunden so stabil sein, dass
sich keine kleinen Veränderungen im Laufe des Tages ergeben. Bedenken wir
nur die Akkumodation der Augenlinse beim Blick auf nahe Objekte, ist eine
Änderung des Astigmatismus schon möglich. Und Astigmatismus bedeutet hier
eine "stabförmige" nicht punktförmige Abbildung.
Zu guter Letzt ist die kleine rote Lampe als Testobjekt ungeeignet. Die
Korrektur Deiner Brille basiert auf der Messung bei "weißem" Licht, also so
zu sagen für "alle" Wellenlängen am sinnvollsten. Betrachtest Du jetzt ein
nur rotes Testobjekt, bekommst Du auch nur den Einduck für diese
Wellenlänge. Könnte also bedeuten, dass das Auge in der Situation etwas mehr
Minus gebrauchen könnte.
Am Besten alles vergessen und mit der neuen Brille einfach nur gucken. Ist
der Seheindruck ansonsten gut und angenehm ist die Welt in Ordnung.
Gruß
Michael Willner
Hallo Michael, diese Erklärung ist korrekt.
Ich denke hier auch noch an den Pupillendurchmesser. Bei einem Bekannten
hatte ich einmal das Phänomen, dass mit zunehmender Helligkeit der
Astigmatismus abnahm. Eine genaue Hornhautvermessung ergab einen
ansteigenden Astigmatismus in der Peripherie.
Gruß Helmut
Ich fühl mich gleich viel besser.
Gruß,
P.
> Hallo Michael, diese Erklärung ist korrekt.
> Ich denke hier auch noch an den Pupillendurchmesser. Bei einem Bekannten
> hatte ich einmal das Phänomen, dass mit zunehmender Helligkeit der
> Astigmatismus abnahm. Eine genaue Hornhautvermessung ergab einen
> ansteigenden Astigmatismus in der Peripherie.
Evt kommt noch hinzu das Abends von der Couch geguckt wird und das Haupt auf
den Kissen ruht :-)
Die Rollung des Auges spielt dann auch noch eine Rolle. Bis ca. 15 Grad
seitlicher Kopfneigung kompensiert das Auge und bleibt waagrecht erst dann
verdreht es mit.
Also schau mal deine Lampe an und neige den Kopf seitlich. Dann merkst du
auch Schärfenunterschiede.
cu
Peter
> Ich denke hier auch noch an den Pupillendurchmesser.
Hallo Helmut,
auch der Blutzuckerspiegel kann bei raschen Änderungen (wie z.B. Streß
oder einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus) die Sehstärke
ändern. Linse und Glaskörper schaffen es nicht, dem schnell wechselden
osmotischen Druck zu folgen. Wird lustig, wenn ich nächstes Jahr (?)
wohl eine Lesebrille brauche, mein pankreatopriver Diabetes neigt zu
außerordentlichen "Bocksprüngen". :-( Werden wir wohl mehrmals unter
Beobachtung des BZ-Spiegels messen müßen und dann mitteln.
Ciao
Tilman
> Eine genaue Hornhautvermessung ergab einen
> ansteigenden Astigmatismus in der Peripherie.
Ups. Ein Globus ist wirklich was seltenes.