H. Smith: Das Johannes-Evangelium (1)

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CENTRO ANTI-BLASFEMIA

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Aug 20, 2011, 8:18:38 AM8/20/11
to DAS CHRISTENTUM
H. Smith: Das Johannes-Evangelium (1)
In dieser Serie wird kapitelweise das Johannes Evangelium behandelt.
Es sind also 21 Teile.



Inhalt

Einleitung

Das ewige Wort (V. 1-18)

Das dreifache Zeugnis Johannes des Täufers (V. 19-37)

Der erste Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V.
19-28)

Der zweite Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V.
29-34)

Der dritte Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V.
35-37)

Das dreifache Zeugnis Christi (V. 1,38-2,11)

Der erste Tag des Zeugnisses Christi (V. 38-42)

Der zweite Tag des Dienstes Christi (V. 43-51)

Der dritte Tag des Dienstes Christi (V. 2,1-11)




Einleitung


Das Johannesevangelium ist in erster Linie das Evangelium, in dem die
Herrlichkeit des Sohnes offenbart wird. Andere Evangelien stellen
andere Herrlichkeiten unseres Herrn vor: Matthäus zeigt seine amtliche
Herrlichkeit als Messias, Markus die Herrlichkeit seiner Erniedrigung
als der Diener und Lukas stellt seine moralische Herrlichkeit als der
Sohn des Menschen vor. Es ist jedoch das hohe Vorrecht des Johannes,
seine persönliche Herrlichkeit als der Sohn darzustellen.

Wenn Christus als eine göttliche Person vorgestellt wird, bedeutet
dies die Offenbarung jeder göttlichen Person. Das Evangelium beginnt
mit der Vorstellung der Herrlichkeiten des Sohnes. Im weiteren Verlauf
werden dann das Herz des Vaters (Joh 1,18), die Hand des Vaters (Joh
5,17) und das Haus des Vaters (Joh 14,1-3) offenbart und gegen Ende
finden wir eine umfassende Darstellung des Heiligen Geistes.

Außerdem wird in diesem Evangelium ein völlig neuer Mensch nach einer
neuen Ordnung vorgestellt. Der Herr spricht von sich selbst als dem
„Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh 3,13) und als dem Sohn des
Menschen, „welcher aus dem Himmel herniederkommt“ (Joh 6,33.50) und
als dem Sohn des Menschen, der „dahin auffahren wird“ (Joh 6,62).
Somit finden wir in dem Evangelium die zweifache Darstellung von
Christus: zuerst den eingeborenen Sohn, der den Vater offenbart und
anschließend den Sohn des Menschen, der einen Mensch nach einer neuen
Ordnung vorstellt — ein Mensch, der auf der Erde wandelte und im
Himmel wohnte.

Um diese unterschiedlichen Herrlichkeiten des Christus
herauszustellen, werden verschiedene Bilder verwendet. In Johannes 4
ist Er das wahre Brot, das vom Himmel gegeben wurde, um die
Bedürfnisse des Menschen zu stillen. In Johannes 8 und Johannes 9 ist
Er das Licht der Welt, das die Menschen aus der Dunkelheit
herausführen soll. In Johannes 10 ist Er der Hirte, der seine Schafe
aus der alten jüdischen zur neuen christlichen Herde führt. In
Johannes 11 ist Er die Auferstehung und das Leben, damit der Mensch
vom Tode errettet werde. In Johannes 12 ist Er das Weizenkorn, welches
stirbt, damit eine Ihm gleiche Saat aufgeht. In Johannes 15 ist Er der
wahre Weinstock, damit seine Jünger Frucht für den Vater hervorbringen
können.

Ist man sich dessen bewusst, dass dieses Evangelium die großartige
Absicht hat, uns die Herrlichkeit des Sohnes Gottes als eine göttliche
Person vorzustellen, versteht man sofort, warum es in diesem
Evangelium kein Geschlechtsregister gibt und weder die Geburt noch die
frühen Jahre des Herrn beschrieben werden. Diese für den Glauben so
kostbaren und an ihrem Platz wunderbaren und notwendigen Einzelheiten
wären in einem Evangelium, in welchem die Herrlichkeit seiner Person
als der Sohn vorgestellt wird, nicht angebracht. Als göttliche Person
steht Er über jedem Geschlechtsregister. Im Markusevangelium dagegen
nimmt Er als der Diener einen so niedrigen Platz ein, dass kein
Geschlechtsregister notwendig ist.

Darüber hinaus werden uns bei der Darstellung des Fleisch gewordenen
Wortes keine Einzelheiten genannt, die Christus mit der Erde und dem
Volk Israel in Verbindung bringen. An keiner Stelle hat dieses
Evangelium die Absicht, die Erfüllung von Verheißungen aus der
Vergangenheit zu zeigen, die zukünftige Errichtung des Königreichs
vorherzusagen oder uns über die gegenwärtige Gestalt dieses
Königreichs zu belehren. Lasst uns nochmals daran denken, dass diese
Wahrheiten an ihrem Platz notwendig und kostbar sind, obwohl sie bei
Weitem nicht an Johannes’ großartiges Thema, uns die Herrlichkeit des
Sohnes Gottes vorzustellen, heranreichen. Mit dem Kommen des Sohnes
Gottes und der daraus folgenden Offenbarung göttlicher Personen und
einer neuen Ordnung des Menschen, wird die alte jüdische Ordnung
beiseitegesetzt und das Christentum eingeführt. Dieses Evangelium
zeigt von Anfang an, dass sowohl das Volk Israel als auch die Welt im
Ganzen als solche betrachtet werden, die in ihrer Verantwortlichkeit
gänzlich gescheitert sind und im Gericht beiseite gesetzt werden,
damit das Christentum eingeführt wird. Des Weiteren wird in diesem
Evangelium das Christentum nach den Gedanken Gottes beschrieben und
nicht nach dem Verfall der Christenheit. Denn das Evangelium wurde, so
muss man bedenken, zu späterer Zeit geschrieben, nämlich als der von
dem Apostel Paulus vorhergesagte Verfall bereits in dem christlichen
Bekenntnis Einzug gehalten hatte. Somit werden wir also in diesem
Evangelium über die Welt erhoben und von dem Judentum und der
verderbten Christenheit weggelenkt, um die Segnungen des Christentums
nach Gottes Gedanken, welches auf die Person des Sohnes Gottes
gegründet ist, kennenzulernen.

Das Christentum mit Christus als Grundlage muss zwangsläufig das Wesen
Christi haben — „wie der Himmlische so auch die Himmlischen“. Kapitel
für Kapitel sehen wir, wie die alte Ordnung beiseite gesetzt wird und
etwas völlig Neues eingeführt wird. In Johannes 1 macht das durch Mose
gegebene Gesetz Platz der „Gnade und Wahrheit“, die durch Jesus
Christus geworden ist. In Johannes 2 wird der Tempel in Jerusalem
durch den Tempel seines Leibes ersetzt. In Johannes 3 gelangen
„himmlische Dinge“ an die Stelle von „irdischen Dingen“. In Johannes 4
tritt die Fontäne des Wassers des Lebens an die Stelle des natürlichen
Wassers aus dem Brunnen. In Johannes 5 werden der Teich und die
heilende Bewegung des Wassers durch die allgewaltige Stimme des Sohnes
Gottes beiseitegesetzt. In Johannes 6 nimmt das wahre Brot aus dem
Himmel die Stelle des natürlichen Brotes ein. In Johannes 8 und 9 wird
die Dunkelheit durch das Licht vertrieben. In Johannes 10 wird die
jüdische Herde durch die christliche Schar beiseitegesetzt und in
Johannes 11 wird der Tod durch das Leben ersetzt.

Wir dürfen demnach sehen, wie alte Dinge vergehen und alle Dinge neu
werden. Zeit wird ersetzt durch Ewigkeit, irdische Dinge durch
himmlische Dinge. In Gedanken werden wir in eine Ewigkeit
zurückversetzt, als es noch keine Zeit gab; geistlich werden wir über
die irdischen Grenzen hinweg mitgenommen, um die Freuden des
Vaterhauses zu schmecken.

Wie schön, dieses Evangelium zu betrachten, wenn in den Händen der
Menschen alles verloren gegangen ist und wir uns mit göttlichen
Personen beschäftigen, bei denen es keinen Zusammenfall geben kann,
wie herrlich, die Absicht Gottes zu sehen, die der Zerfall nicht
anrühren kann und an Schauplätze geführt zu werden, an denen niemals
auch nur eine Spur menschlichen Unvermögens zu finden sein wird.

Wenn wir dieses Evangelium lesen, befinden wir uns von Anfang an in
Berührung mit ewigen Dingen und himmlischen Schauplätzen. Wir sind in
Gemeinschaft göttlicher Personen und doch können wir uns einfach ohne
Furcht in solch hoher Gemeinschaft bewegen, denn diese herrliche
Person, der ewige Sohn, ist uns so nahe gekommen, dass Er neben einer
einsamen Sünderin am Brunnen Platz nehmen konnte und einen Jünger dazu
bringen konnte, in seinem Schoß zu ruhen. Er weilte so wahrhaftig
unter uns, dass Er jemanden um einen Schluck Wasser bittet, sich
herablässt, anderen die Füße zu waschen, oder wiederum für andere ein
wärmendes Feuer anzündet und ihnen eine Mahlzeit zubereitet, um sie zu
speisen.

Das ewige Wort (V. 1-18)
Das große Thema der einleitenden Verse des Johannesevangeliums ist die
Herrlichkeit Christi als das ewige Wort. Zuerst werden unsere Gedanken
auf die Ewigkeit gelenkt, um seine Herrlichkeit als göttliche Person
kennenzulernen. In der Zeitlichkeit wird uns seine Herrlichkeit als
der Schöpfer vorgestellt und schließlich folgt die Darstellung von dem
Wort, welches Fleisch wurde, das uns seine Herrlichkeit als der ewige
Sohn in Verbindung mit dem Vater offenbart.

Joh 1,1-2: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das
Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.

Das Evangelium beginnt mit der erhabenen Aussage „Im Anfang war das
Wort“. Sofort werden unsere Gedanken auf die Ewigkeit gerichtet, vor
den Beginn der Zeit, als die Schöpfung noch nicht existierte. Wir
lernen hier, dass die herrliche Person, die hier „das Wort“ genannt
wird, keinen Anfang hat. Am Anfang von allem, was einen Anfang hatte,
war das Wort, es „begann“ nicht. „Am Anfang war das Wort' ist der
eigentliche Ausdruck, dass das Wort keinen Anfang hatte“ (J.N.D.).

Wir erfahren, dass das Wort eine ewige Person ist, denn das Wort,
diese gepriesene Person, offenbart Gott — die Person der Gottheit, die
in sich selbst, aber auch durch das, was Er tat und durch das, was Er
geworden ist, der Ausdruck Gottes und seiner Gedanken ist.

Weiter heißt es, dass das Wort „bei Gott“ war. Das Wort ist nicht nur
eine ewige Person, sondern auch eine unterschiedene Person in der
Gottheit. Das Wörtchen „bei“ drückt außerdem nicht nur die
Unterscheidung zwischen, sondern auch die Gemeinschaft unter den
Personen der Gottheit aus. Dann heißt es: „Das Wort war Gott.“ In der
ersten Aussage erfahren wir, dass das Wort eine ewige Person ist, was
eigentlich schon in sich schließt, dass Er eine göttliche Person sein
muss. Aber wenn es um die Herrlichkeit seiner Person geht, wird es
nicht uns überlassen, eine Schlussfolgerung zu ziehen, so richtig
diese auch sein mag. Es heißt ganz klar: „Das Wort war Gott“ — eine
göttliche Person.

Schließlich heißt es: „Dieses war im Anfang bei Gott.“ Dies ist nicht
bloß eine Wiederholung der bereits erwähnten Tatsache, dass Er eine
bestimmte Person bei Gott war, sondern wir erfahren hier eine weitere
Wahrheit, dass Er von Ewigkeit an eine bestimmte Person war. So wacht
der Geist Gottes sorgfältig über die Herrlichkeit seiner Person
gegenüber solchen, welche die Eigenständigkeit seiner Person wohl
zugeben würden, dann aber behaupten, dass es einen Zeitpunkt gab, an
dem Er begann, als eine eigenständige Person zu existieren.

Sowohl der Herr, wenn Er von dem Beginn seines Dienstes spricht als
auch Johannes, als er vom Beginn des Christentums redet, verwenden den
Ausdruck „von Anfang“. Wenn hier von etwas die Rede ist, was keinen
Anfang hat, finden wir zweimal den Ausdruck „im Anfang“. Des Weiteren
ist es bemerkenswert, wenn es heißt „das Wort war bei Gott“ — nicht
dem Vater. In der gleichen Beziehung wie das Wort und Gott, stehen
auch der Sohn und der Vater zueinander. Die Bezeichnung Gott umfasst
nicht nur den Vater, sondern auch den Heiligen Geist und den Sohn. Das
Wort und Gott sagen etwas über das Wesen göttlicher Personen: der
Vater und der Sohn sprechen von den Beziehungen zwischen den
göttlichen Personen. Das große Ziel dieser Verse ist es, die
Herrlichkeit Christi als einer von Natur aus göttlichen Person
festzustellen.

In diesen Anfangsversen stellt uns der Geist Gottes in so wenigen und
überaus einfachen Worten die Herrlichkeit der Gottheit unseres Herrn
vor. Das Wort ist eine ewige Person, eine unterschiedene Person in der
Gottheit, eine göttliche Person und eine ewige bestimmte Person.

All die wunderbaren „himmlischen Dinge“, die in diesem Evangelium vor
uns stehen, beruhen auf der Grundlage der Herrlichkeit der Person
Christi. Die Gottheit des Sohnes in Frage zu stellen, bedeutet die
Grundlage, auf der alle Segnungen für den Menschen basieren, zu
untergraben. Egal was für ein ausgeklügeltes religiöses System die
Menschen errichten mögen oder wie sehr sie bekennen, den Namen Christi
zu ehren, wenn sie nicht auf diesen Grund bauen, wird es zum Ruin
kommen.

Joh 1,3: Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht
eines, das geworden ist.

Nach der Darstellung der Herrlichkeit des Wortes als eine göttliche
Person, gelangen wir von der Ewigkeit in die Zeit, um die zwei
wunderbaren Wege kennen zu lernen, in denen Gott durch das Wort
kundgemacht wird: zuerst in der Schöpfung (V. 3) und zweitens durch
die Fleischwerdung (V. 14). Hier heißt es in der Schrift „alles ward
durch dasselbe“ — das Wort. Diese positive Aussage wird durch die
Verneinung „ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist“
betont. Alle Dinge, groß und klein, ob Lebewesen oder nicht, geistlich
oder materiell — alles, was geworden ist, ist durch das Wort geworden.
Die Personen der Gottheit werden hier automatisch durch die Wortformen
ausgeschlossen, von denen gesagt werden kann, dass sie waren, aber
nicht „wurden“. Mit der Schöpfung wird nicht nur bezeugt, dass es
einen Schöpfer gibt, sondern durch ihr Ausmaß auch die Größe des
Schöpfers offenbart. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und
die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk. Ein Tag berichtet es dem
anderen und eine Nacht meldet der anderen die Kunde davon“ (Ps 19,1-2;
Röm 1,20).

Joh 1,4: In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Wenn Vers 3 von dem spricht, was durch das Wort geworden ist, erfahren
wir in Vers 4, was in dem Wort ist: „In ihm war Leben.“ Mit dieser
Aussage gelangen wir von der Beziehung des Wortes zum gesamten
geschaffenen Universum, zu seiner Beziehung zu den Menschen. Demnach
kann es sich bei dem „Leben“, von dem hier die Rede ist, nicht um das
natürliche Leben aus der Schöpfung handeln. Zweifellos ist das Wort,
als der Schöpfer, die Quelle des natürlichen Lebens, welches, wenn es
gegeben wird, sei es in Pflanzen oder Tieren, sich selbst vermehrt.
Hier ist mit Leben göttliches Leben gemeint, welches das Licht der
Menschen wird, die bereits natürliches Leben haben. Das Leben kann
anderen mitgeteilt werden, das Leben wurde jedoch niemals dem Wort
mitgeteilt — „In ihm war Leben“.

Dieses Leben war das Licht der Menschen. Der Herr kann sagen: „Wer mir
nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das
Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Das Leben in dem Wort war die
vollkommene Offenbarung des unsichtbaren Gottes gegenüber dem
Menschen. Das natürliche Licht offenbart nicht das Herz Gottes. Auch
das Licht des Verstandes kann Gott nicht finden, sondern nur das Licht
des Lebens in dem fleischgewordenen Wort kann Gott kundmachen.

Joh 1,5: Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis
hat es nicht erfasst.

Der Mensch ist gefallen, wenn also das Licht den Menschen scheint,
dann scheint es in die Finsternis oder Unkenntnis in Bezug auf Gott.
Darüber hinaus erfahren wir: „Die Finsternis hat es nicht erfasst.“
Das bedeutet, dass geistliche Finsternis nicht nur Unkenntnis oder die
Abwesenheit von Licht bedeutet, sondern dem Licht entgegensteht.
Natürliches Licht hätte die eigentliche Dunkelheit verbannt, aber
solange der Mensch auf sich gestellt ist, wird geistliche Finsternis
nicht durch geistliches Licht verbannt. Das Licht des Lebens des
Wortes, zeigt die moralische Schwachheit des Menschen auf, wie es
später die Liebe seines Lebens den Hass des Menschen zutage treten
lässt.

Joh 1,6-9: Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf dass er zeugte von dem Lichte, damit alle
durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern auf dass er zeugte
von dem Lichte. Das war das wahrhaftige Licht, welches, in die Welt
kommend, jeden Menschen erleuchtet.

In den Anfangsversen haben wir die Herrlichkeit des Wortes in
Verbindung mit Gott, dann mit der Schöpfung und zuletzt mit dem
Menschen gesehen. In den folgenden Versen lernen wir, wie Gott dem
Menschen das Licht in dieser Welt dargestellt hat. Gott gibt nicht nur
das Licht, sondern Er sendet einen Vorläufer, um den Menschen auf das
Licht aufmerksam zu machen. Von Johannes dem Täufer werden keine
Einzelheiten genannt, die in Verbindung mit dem Judentum oder
irdischen Dingen stehen. Er wird hier als „von Gott gesandt“
betrachtet, und als Zeuge von dem, welches völlig neu ist — das Licht.
In anderen Evangelien bezeugt er den König und sein Königreich für das
bußfertige Volk Israel; an dieser Stelle zeugt er von dem Licht für
alle Menschen.

Wenn Gott jedoch einen Vorläufer sendet, wacht Er doch sorgfältig über
die Herrlichkeit Christi. So groß Johannes auch gewesen sein mag, es
gibt nur Einen, welcher das Licht ist. Johannes war zwar die
„brennende und scheinende Lampe“ (Joh 5,35), das Wort aber war das
Licht, welches in die Welt kam, um jeden Menschen zu erleuchten. Das
Licht wirkte in zweifacher Hinsicht: es stellte den Menschen bloß,
offenbarte jedoch Gott. Sicher, der Herr wandelte umher Gutes tuend,
der Grund dafür war jedoch, Gott bekannt zu machen. Er öffnete nicht
einfach blinde Augen, um die Blindheit zu heilen, sondern um die Liebe
Gottes in Verbindung mit den Bedürfnissen des Menschen zu zeigen.
Licht ist die Offenbarung Gottes in Liebe gemäß der vollen Wahrheit
über den Zustand des Menschen und der Heiligkeit Gottes.

Joh 1,10-11: Er war in der Welt, und die Welt ward durch ihn, und die
Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seinige, und die Seinigen nahmen
ihn nicht an;

Dann erfahren wir von der Wirkung des Lichtes auf den sich selbst
überlassenen Menschen. Die Welt kannte Ihn nicht und die sein waren,
die Juden, wollten Ihn nicht aufnehmen. Das Licht offenbart, dass der
Mensch nicht nur äußerst unempfindsam gegenüber Gutem und Vollkommenem
ist, sondern sich sogar dem Einen, in dem sich alles Gute kundtat,
widersetzte. Sich selbst überlassen, ist der Zustand des Menschen
hoffnungslos.

Joh 1,12-13: … so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht,
Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche
nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem
Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Gott überlasst in seiner souveränen Gnade den Menschen jedoch nicht
vollständig sich selbst. Er wirkt in Gnade in ihm, mit dem Ergebnis,
dass einige Christus aufnehmen — die an seinen Namen glauben — und
ihnen das Recht gegeben wird, Kinder Gottes zu werden. Diese bilden
eine neue Schöpfung , nicht durch natürliche Fortpflanzung— weder aus
Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes
—, sondern aus dem neuen von Gott gegebenen Leben.

Joh 1,14: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns (und wir
haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines
Eingeborenen vom Vater), voller Gnade und Wahrheit;

Die ersten dreizehn Verse zeigen die Herrlichkeiten der Person
Christi. Er ist das Wort, eine ewige, eigenständige und göttliche
Person in der Gottheit. Er ist der Schöpfer aller Dinge, derjenige, in
welchem Leben ist und der das Licht jedes Menschen ist.

Nun erfahren wir in den Versen 14-18, wie seine wunderbare Person in
diese Welt kam, um den Menschen das Licht des Lebens zu bringen. Der,
welcher im Anfang das Wort war, wird Fleisch. Wir haben gesehen, wer
Er in Person ist, wer Er in Ewigkeit war und nun wird uns gesagt, was
Er in der Zeit wird. Es wird nicht gesagt, dass Er durch Menschwerdung
Wort wurde, sondern dass das Wort Fleisch wurde.

Dieses gewaltige Ereignis — die Menschwerdung des ewigen Wortes —
lässt uns wunderbare und gesegnete Ergebnisse erwarten. Drei der
herausragenden Wirkungen der Menschwerdung werden uns in diesen Versen
vorgestellt: als Erstes haben wir die Offenbarung der ewigen
Beziehungen zwischen den göttlichen Personen, als Zweites finden wird
die Haltung Gottes gegenüber dem Menschen und als Drittes die volle
Offenbarung Gottes.

1.Die ewigen Beziehungen zwischen den göttlichen Personen
Nachdem das Wort Fleisch wurde, kann der Apostel sagen: „Wir haben
seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines
Eingeborenen vom Vater.“ Die Herrlichkeit, die sie anschauten, ging
nicht aus der Menschheit hervor, die Er angenommen hatte, sondern aus
seiner Beziehung innerhalb der Gottheit. Seine Herrlichkeit war
einzigartig, die Herrlichkeit eines eingeborenen Sohnes, eine
Beziehung, die Er in Gemeinschaft mit Gott als Vater genoss. Somit
wird, wenn von seiner Menschheit gesprochen wird, die Herrlichkeit
seiner Person sorgfältig gewahrt.

2.Die Haltung Gottes gegenüber dem Menschen
Durch das Fleisch gewordene Wort erfahren wir dann, was im Herzen
Gottes gegenüber dem Menschen ist. Der, welcher Fleisch wurde, wohnte
unter uns „voller Gnade und Wahrheit.“ Er kam mit einem Wesen, das
genau zu dem Menschen passte. Er kam nicht, um etwas von den Menschen
zu fordern, wie im Gesetz, sondern als der Geber, der den Unwürdigen
in Gnade Segen bringt. Mit Christus kam außerdem die volle Wahrheit.
Es war zwar alles wahr, was Mose und die Propheten gesagt hatten,
jedoch war es nicht die volle Wahrheit. Das Gesetz sagt, wie der
Mensch sein sollte, sagt aber nicht, wie er ist. „Christus zeigte
nicht, wie etwas sein sollte, sondern wie etwas war … Christus sagt
mir die Wahrheit über alles, Gutes und Böses gleichermaßen“ (J.N.D.).

Joh 1,15: (Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es,
von dem ich sagte: Der nach mir Kommende ist mir vor, denn er war vor
mir.)

Das Zeugnis Johannes des Täufers über diese herrliche Person, die im
Fleisch kam, wird wiederum erwähnt. Der Eine, der voll Gnade und
Wahrheit ist, nimmt in der Zeit einen weitaus höheren Platz ein, da Er
vor Johannes war: Er war von Ewigkeit her.

Joh 1,16-17: Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar
Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben; die Gnade
und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden.

Darüber hinaus war die Menschwerdung des Wortes und das Wohnen unter
uns nicht nur der Ausdruck der Fülle der Gnade, die in Christus war,
sondern, so sagt der Apostel, „aus seiner Fülle haben wir alle
empfangen, und zwar Gnade um Gnade“. Er war nicht nur auf der Erde, um
sich selbst in Gnade darzustellen, sondern, um diese Gnade an andere
weiterzugeben und zwar überreichlich — Gnade um Gnade. Das durch Mose
gegebene Gesetz war fordernd, es verlangte von dem Menschen das zu
sein, was er in seiner Beziehung zu Gott und zu seinem Nächsten sein
sollte. Die Gnade, die durch Jesus Christus gekommen ist, bringt dem
Menschen Segen gemäß dem, was er ist in all seiner Not. Gleichzeitig
hält sie vollkommen die Wahrheit über das, was Gott in seiner
unendlichen Heiligkeit ist, aufrecht.

Joh 1,18: Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der
in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht.

3.Die Offenbarung Gottes
Nachdem das Wort Fleisch geworden war, wird Gott voll kundgemacht. In
den Tagen des Alten Testamentes gab es Teil-Kundmachungen Gottes durch
die seinem Namen hinzugefügten Attribute „der Allmächtige“ und„der
unveränderliche HERR“ — jedoch wurde das Herz Gottes nicht vor dem
Kommen seines Sohnes offenbart. Kein Mensch war so groß, dass er Gott
kundmachen konnte. Niemand außer einer göttlichen Person konnte Ihn
als göttliche Person offenbaren. „Niemand hat Gott jemals gesehen.“
Der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat den Vater
kundgemacht, weil Er Ihn kannte. Wie schon gesagt wurde, beschreibt
dies nicht nur„das Wesen seiner Herrlichkeit hier auf Erden; es ist
das, was Er war, was Er gewesen ist, was Er immer sein wird in dem
Schoß des Vaters in der Gottheit: also hat Er Ihn kundgemacht.“
Das dreifache Zeugnis Johannes des Täufers (V. 19-37)
Nach den einleitenden Versen, wird in diesem Evangelium ein
bemerkenswertes Zeugnis von Christus dargestellt, welches an drei
aufeinander folgenden Tagen durch Johannes den Täufer gegeben wurde.
Nach diesem Zeugnis stellt sich der Herr selbst ebenfalls an drei
aufeinander folgenden Tagen vor.

Das Zeugnis durch Johannes am ersten Tag wird uns in den Versen 19-28
berichtet. Das Zeugnis des zweiten Tages finden wir in den Versen
29-34, beginnend mit den Worten „des folgenden Tages“. Das Zeugnis des
letzten Tages wird in den Versen 35-37 aufgeführt und durch die Worte
eingeleitet „des folgenden Tages … wiederum.“

Das Zeugnis Johannes des Täufers, wie es im Johannesevangelium
dargestellt wird, steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den
Berichten von Matthäus und Lukas über dieses Zeugnis. In den ersten
Evangelien, gibt Johannes ein Zeugnis in Gegenwart von Sündern ab;
hier in Gegenwart des Sohnes Gottes. Mit den Volksmengen vor sich,
spricht er als ein Prophet, der das Gewissen zu erreichen sucht, um
die Menschen von ihren Sünden zu überführen. In der Gegenwart einer
göttlichen Person spricht er als Anbeter, in Zuneigung und einfachen
Worten spricht er von dem, dessen er nicht würdig ist, Ihm die Riemen
seiner Sandalen zu lösen. An der einen Stelle beschwert ihn die
Sündhaftigkeit des Volkes; hier ist er von der Herrlichkeit Christi
erfüllt. Für Johannes ist Christus alles in allem geworden; er selbst
ist nur eine Stimme, die bald verstummen wird.

Am ersten Tag von Johannes' Dienst ist es seine schöne Absicht, sich
selbst zu verbergen, um Christus größer zu machen. Das Thema des
zweiten Tages ist die Herrlichkeit der Person Christi und die Größe
seines Werkes, wenn Er das Bedürfnis der Welt stillt. Am letzten Tag
seines Dienstes stellt er die Person Christi vor, um die Herzen der
Gläubigen zufriedenzustellen.

Der erste Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V. 19-28)
Der Grund dafür, dass Johannes an diesem Tag in den Hintergrund tritt,
liegt darin, dass er Christus als den neuen Mittelpunkt des
Zusammenkommens für sein Volk vorstellen will. Mit dem Gedanken, sich
um Christus zu versammeln, tauft er anschließend, um die Gläubigen von
dem verderbten Religionssystem jener Tage zu trennen. Schließlich
macht er deutlich, dass der Christus, zu dem hin sich die Gläubigen
versammeln, von der religiösen Welt abgelehnt wurde.

Joh 1,19-21: Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus
Jerusalem Priester und Leviten sandten, damit sie ihn fragen sollten:
Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich
bin nicht der Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias?
Und er sagt: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete:
Nein.

Diese Wahrheiten treten durch Johannes’ Gespräch mit den Vertretern
der Juden ans Licht. Die Priester und Leviten, die von Jerusalem
gesandt wurden, stellen Johannes die Frage: „Wer bist du?“ Mit einem
Herzen, das von Christus erfüllt ist, entgegnet dieser: „Ich bin nicht
der Christus.“ Eine bemerkenswerte Antwort, da es bei der Frage nicht
um Christus ging. Es ist als ob Johannes sagte: „Ihr seid zwar zu mir
gekommen, aber ich bin nicht der, den ihr braucht, ich bin nicht der
Christus.“ Als treuer Zeuge stellt er Christus vor und verbirgt sich
selbst. Je mehr sie ihn über ihn selbst befragen, desto kürzer werden
seine Antworten. Sie sagen: „Bist du Elias?“ Er antwortet: „Ich bin’s
nicht.“ Sie fragen: „Bist du der Prophet?“, er antwortet mit einem
einzigen Wort: „Nein.“ Johannes nimmt ab, damit Christus zunehmen
möge.

Joh 1,22-23: Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Auf dass wir
Antwort geben denen, die uns gesandt haben; was sagst du von dir
selbst? Er sprach: Ich bin die„Stimme eines Rufenden in der Wüste:
Machet gerade den Weg des Herrn“, wie Jesajas, der Prophet, gesagt
hat.

„Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du?“, und er entgegnet darauf, dass
er nur eine „Stimme“ sei. Er ist nicht der von Maleachi vorhergesagte
Elias, er ist nicht der von Moses verheißene Prophet, er ist nur die
Stimme, von der Jesaja gesprochen hatte. Er lehnt es ab, ein Platz als
Mittelpunkt des Zusammenkommens für das Volk Gottes zu sein, er lehnt
es ab, einen Namen anzunehmen, um sich selbst unter dem Volk Gottes zu
erhöhen. Er ist einfach eine Stimme, die gehorsam gegenüber dem Worte
Gottes von Jesus spricht. Außerdem spricht er von Jesus in einer öden
Welt, wo es für Gott nichts gibt und inmitten eines Volkes, welches
ohne Gottesfurcht ist.

Joh 1,24-25: Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. Und sie
fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der
Christus bist, noch Elias, noch der Prophet?

Wenn Johannes es zwar ablehnt, ein neuer Mittelpunkt des
Zusammenkommens zu werden, warum tauft er dann? Die Pharisäer waren
sich sehr wohl dessen bewusst, dass Taufe den Tod bedeutete und somit
Trennung, denn der Tod ist die große Trennung. Die Taufe des Johannes
bedeutete die Trennung von etwas aus der alten Ordnung, um an etwas
völlig Neuem teilzuhaben. Was ist denn, so fragen die Pharisäer, der
neue Mittelpunkt des Zusammenkommens, wenn Johannes es offensichtlich
ablehnt, zum Anführer oder Mittelpunkt zu werden?

Joh 1,26-28: Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit
Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennet, der nach mir
Kommende, dessen ich nicht würdig bin, ihm den Riemen seiner Sandale
zu lösen. Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes
taufte.

In seiner Antwort sagt Johannes, dass er mit Wasser tauft und schließt
damit ein, dass für das Zusammenkommen um Christus eine Absonderung
von dem verderbten religiösen System jener Zeit stattfinden muss. Er
weist weiterhin klar auf die Notwendigkeit dieser Absonderung hin. Die
religiösen Juden beachteten Christus nicht. Er stand mitten unter
ihnen, jedoch als Unbekannter. Er war nicht nur der Welt unbekannt,
sondern auch bei den Priestern und Leviten aus Jerusalem. Doch der
Unbekannte ist so groß, dass Johannes sagen kann, er sei nicht würdig
„ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen.“

Er ist aber nicht nur unbekannt, sondern befindet sich zudem an einem
Platz außerhalb, „jenseits des Jordan“. Christus wird somit in diesem
Evangelium von Anfang an als der vom Volk Verworfene vorgestellt, der
sich außerhalb an dem Ort der Schmach aufhält.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. So wie Christus von den
religiösen Volksmengen in den letzten Tagen des Judentums behandelt
wurde, so wird er von dem religiösen Bekenntnis in den letzten Tagen
der Christenheit behandelt. So kostbar Er Einzelnen ist, ist Er doch
in dem toleranten religiösen Bekenntnis nach wie vor unbekannt. Er
steht immer noch außerhalb des verderbten Religionssystems der
jetzigen Zeit. Er befindet sich noch immer am Ort der Schmach und
Ablehnung. Dies ist sicher traurig, sollte uns jedoch nicht
überraschen, denn wir werden vorher darauf hingewiesen, dass wir
Christus im letzten Stadium der Christenheit außerhalb der Tür des
toleranten christlichen Bekenntnisses finden werden (Off 3,20).

Der zweite Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V. 29-34)
Am ersten Tag bereitet Johannes den Weg für den Herrn, indem er sich
selbst verbirgt, damit Christus die Gedanken der Menschen ausfüllt. An
diesem zweiten Tag nun legt er ein Zeugnis von der Herrlichkeit der
Person und des Werkes Christi ab. Er ist das Lamm Gottes und der Sohn
Gottes. Als Lamm Gottes nimmt Er die Sünde der Welt hinweg; als der
Sohn Gottes tauft Er mit Heiligem Geist.

Joh 1,29: Des folgenden Tages sieht er Jesus zu sich kommen und
spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt.

Johannes beginnt an diesem Tag sein Zeugnis mit der Aussage: „Siehe
das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt“. Dies stellt
zwei Teile des Werkes Christi vor uns: Das Erste ist, dass Er als von
Gott gegebenes Opfer mit der Sünde in Berührung kommt, indem Er am
Kreuz zur Sünde gemacht wurde, das Zweite ist, dass Er zu einem
zukünftigen Zeitpunkt die Sünde an sich aus der Welt wegnehmen wird.

Das Lamm bezieht sich hier auf das Opfer am Kreuz. Mit dem „Lamm
Gottes“ ist, im Gegensatz zu den von Menschen dargebrachten Opfern in
alttestamentlicher Zeit, ein von Gott gegebenes Opfer gemeint. Das
Endresultat dieses großen Opfers wird schließlich darin bestehen, dass
alle Spuren der Sünde aus der Welt beseitigt werden. Die Worte
„welches die Sünde der Welt hinwegnimmt“ sagen uns, was der Herr Jesus
zukünftig als Ergebnis seines Werkes, welches Er als Lamm Gottes in
der Vergangenheit getan hat, tun wird.

Sünde ist Gesetzlosigkeit, das heißt, der Mensch handelt nach seinem
eigenen Willen, ohne an Gott zu denken oder Ihn zu fürchten. Das ganze
Elend dieser Welt resultiert aus dem eigenwilligen Handeln des
Menschen in einer Welt voller Sünde. Der Herr wird jede Spur von Sünde
hinwegnehmen, indem Er alles Gott unterwerfen wird. Das bedeutet also,
dass der Gläubige heute von der Macht der Sünde erlöst wird, indem er
Gott unterworfen wird. Aufgrund der Tatsache, dass unser alter Mensch
mit Christus gekreuzigt ist, halten wir uns der Sünde für tot, Gott
aber lebend in Christo Jesu. Der von der Sünde beherrschte Mensch
denkt nicht an Gott, während der Gläubige Gott vor sich stellt, sein
Bestreben ist es, nach dem Willen und Wohlgefallen Gottes zu leben und
dadurch ist er von der Macht der Sünde befreit. Was derzeit für den
Gläubigen gilt, der sich selbst der Sünde für tot hält und lebend für
Gott in Christus Jesus, wird in gewissem Umfang auch für die Welt im
Tausendjährigen Reich gelten, wenn die Menschen sich Gott und seiner
Herrschaft der Gerechtigkeit unterwerfen müssen und wird sich
schließlich absolut im neuen Himmel und der neuen Erde, wo
Gerechtigkeit wohnt, bewahrheiten. Dann wird Gott mit dem Menschen an
einem Ort weilen, an dem Gottes Willen von allen in allem ausgeführt
wird. Keine Spur von Sünde wird diesen Schauplatz trüben; Gott wird
alles in allem sein und das Gebet,„dein Wille geschehe, wie im Himmel
also auch auf Erden“ wird erhört werden.

Joh 1,30: Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann,
der mir vor ist, denn er war vor mir.

Dann zeugt Johannes von der Größe des Einen, der als das Lamm Gottes
dieses Werk vollbringen wird. Er sagt: „Dieser ist es, von dem ich
sagte, nach mir kommt einer, der vor mir ist, denn er war vor mir.“
Zeitlich gesehen, war Christus nach Johannes gekommen; was die
Stellung anging, nimmt Er jedoch eine Vorrangstellung weit über
Johannes ein, da Er in Ewigkeit vor Johannes existierte.

Joh 1,31: Und ich kannte ihn nicht; aber auf dass er Israel offenbar
werden möchte, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser taufend.

Johannes ist darauf bedacht zu zeigen, dass seine Kenntnis der
Herrlichkeit der Person Christi gänzlich außerhalb des Fleisches war.
Diese hatte er nicht durch natürliche Kenntnis des Herrn aufgrund der
verwandtschaftlichen Beziehungen erlangt. Zweimal sagt er: „Ich kannte
ihn nicht.“ Des Weiteren beantwortet er die von den Pharisäern
gestellte Frage: „Was taufst du denn?“ Er erklärt, dass er die alte
Ordnung durch die Taufe abschließt, damit Christus Israel als das
große Zentrum der neuen Ordnung offenbar wird. Er wollte sich selbst
nicht offenbaren, er verbarg sich selbst, damit Christus offenbart
werden sollte.

Joh 1,32: Und Johannes zeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie
eine Taube aus dem Himmel herniederfahren, und er blieb auf ihm.

Dann gibt Johannes Christus einen einzigartigen Platz. Er berichtet,
dass der Geist wie eine Taube auf Ihn herniedersteigt und auf Ihm
bleibt. Es war nicht neu für den Heiligen Geist, zu einem bestimmten
Zweck über Menschen zu kommen, es war jedoch völlig neu für den
Heiligen Geist, dort zu „bleiben“. Jesus empfängt den Heiligen Geist
als Mensch aufgrund seiner Vollkommenheit und als Sohn aufgrund seiner
Beziehung zu dem Vater. Wir sind versiegelt, dadurch dass wir Söhne
sind durch Glauben an Ihn durch die Erlösung, die Er vollbracht hat.

Joh 1,33-34: Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit
Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den
Geist herniederfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit
Heiligem Geiste tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass
dieser der Sohn Gottes ist.

Der Geist steigt „wie eine Taube“ auf Christus herab und nicht wie
Feuerzungen an Pfingsten. Das Feuer bedeutet Erprobung und
Selbstgericht. Wenn der Geist auf uns kommt, wird alles Fleischliche
von Ihm geprüft und fordert Selbstgericht. Das bringt Johannes dazu,
von dem zweiten Teil des Werkes Christi zu sprechen: „… der mit dem
Heiligen Geiste tauft.“ Er bringt nicht nur die Erlösung als das Lamm
Gottes, sondern als der Sohn Gottes spricht Er von dem Heiligen Geist,
damit Erlöste in die Segnung ihrer Stellung als Söhne gelangen.
Johannes schreibt, dass der, welcher den Heiligen Geist gibt, der Sohn
Gottes ist. Wer außer einer göttlichen Person kann eine göttliche
Person geben? Diese Titel, die Johannes dem Herrn gibt, gehen weit
über das hinaus, was Christus in Bezug auf Israel ist. Als das Lamm
Gottes vollbringt Er ein Werk für die ganze Welt, welches eine
weltweite Auswirkung hat. Als das Lamm in der Offenbarung ist Er der
Mittelpunkt aller Erlösten. Dann kann die Taufe mit dem Geiste nicht
auf Israel beschränkt sein. In der Schrift heißt es: „Es wird
geschehen …, spricht Gott, dass ich von meinem Geiste ausgießen werde
auf alles Fleisch“ (Apg 2,17). Als Sohn Gottes hat Christus auch
Gewalt über die Nationen (Ps 2).

Der dritte Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer (V. 35-37)
Joh 1,35-37: Des folgenden Tages stand wiederum Johannes und zwei von
seinen Jüngern, und hinblickend auf Jesum, der da wandelte, spricht
er: Siehe, das Lamm Gottes! Und es hörten ihn die zwei Jünger reden
und folgten Jesu nach.

Am ersten Tag seines Dienstes stellt sich Johannes, der größte unter
den von Frauen geborenen, in der Gegenwart Jesus in den Hintergrund.
Am zweiten Tag zeugt er von der Herrlichkeit der Person Christi und
der Größe seines Werkes. An diesem letzten Tage schließlich, sagt er
nichts über das Werk Christi oder die Gaben Christi, sondern spricht
einzig und allein von der Person Christi. Er ruft: „Siehe, das Lamm
Gottes.“ Dies war vielleicht nicht so sehr ein Zeugnis für andere,
sondern vielmehr die Bewunderung eines von der Schönheit Christi
erfüllten Herzens. Was Johannes an diesem Tag über den Herrn Jesus
sagt, ist das Ergebnis seines Schauens auf Jesus und nicht das
Resultat davon, dass er von Ihm in den Propheten gelesen oder durch
andere von Ihm gehört hatte. Wir lesen, dass Johannes da stand „und
hinblickend auf Jesus, der da wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm
Gottes.“

Wie gut täte es uns, wenn wir mitten in der Hetze und Eile des
alltäglichen Lebens einmal für eine Weile stillstehen würden, um
auf„Jesus, der da wandelte“ zu sehen — unsere Seele mit der Schönheit
und Vortrefflichkeit, der Freundlichkeit und Warmherzigkeit, der
Lieblichkeit und Milde, der Heiligkeit und Liebe Jesu zu laben, die
jeden Schritt seines Lebens durch diese dunkle Welt voll Sünde und
Kummer kennzeichneten und dann, mit gefüllten Herzen, andere auf die
Lieblichkeit dessen aufmerksam zu machen, an dem alles lieblich ist,
um wie Johannes einst zu sagen: „Siehe, das Lamm Gottes.“

Die Wirkung eines solchen Dienstes sieht man an den zwei Jüngern, die
Johannes reden hörten. Sie hörten Johannes, aber sie folgten Jesus.
Offensichtlich hatten sie Johannes in den vergangenen Tagen
unbeweglich zugehört, der Dienst des dritten Tages jedoch, der aus
einem mit Christus erfüllten Herzen kam, erreichte die Herzen, die Ihn
brauchten.

Die Wirkung davon, auf Jesus zu sehen, der wandelt, muss darin
bestehen, dass wir seine Liebe zu uns bemerken. Dann ist es so, dass
seine Liebe, die unsere Liebe hervorbringt, uns so zu Ihm zieht, dass
wir hinter Ihm her gezogen und Nachfolger Christi werden. Sind wir
nicht oft zufrieden damit, dass wir durch das Werk Christi errettet
und mit dem Geist versiegelt worden sind, ohne dass wir Christus
entschieden nachfolgen? Christus nachzufolgen bedeutet mehr als an Ihn
zu glauben. Sicherlich gehört der Glaube an Ihn dazu, denn ein
Nachfolger muss ein Glaubender sein, und doch ist ein Gläubiger nicht
immer ein Nachfolger. Nachfolge heißt, dass Er der große Gegenstand
unserer Seelen geworden ist — der Eine, der das Leben regiert und
steuert. Ist nicht der Mangel solch entschiedener Nachfolge insgeheim
die Ursache von den wenigen Fortschritten, die wir in unserem
geistlichen Leben machen und kennzeichnet nicht dieser Mangel den
Unterschied zwischen echter Hingabe und Halbherzigkeit?

Das dreifache Zeugnis Christi (V. 1,38-2,11)
Christus ist das Thema jeden wahren Gottesdienstes und dessen Ziel
wird erreicht, wenn alle, die zuhören, entschiedene Anhänger Christi
werden. Wenn nun die beiden Jünger in solch echter Zuneigung zu
Christus hingezogen werden, dass es sie drängt, Ihm nachzufolgen, ist
das Ziel von Johannes: Dienst erreicht.

Im Anschluss an Johannes' Zeugnis finden wir den Beginn des Dienstes
Christi. Was in dieser Reihenfolge damals historisch so ablief, gilt
auch heute noch für den geistlichen Verlauf des Gläubigen. Wenn wir,
durch den Dienst eines Dieners des Herrn, zu Christus hingezogen
werden, dann darum, auf dass wir seinen eigenen wunderbaren Dienst der
Liebe erfahren.

Genau wie bei Johannes, so wird auch sein Dienst an drei aufeinander
folgenden Tagen vorgestellt. Den Dienst des ersten Tages finden wir in
den Versen 38-42. Der Dienst des zweiten Tages beginnt in Vers 43 mit
den Worten„des folgenden Tages“ und wird uns bis zum Ende des Kapitels
berichtet. Der Dienst des dritten Tages wird in den ersten 11 Versen
von Johannes 2 wiedergegeben und mit den Worten „Und am dritten Tage“
eingeleitet.

Der erste Tag des Zeugnisses Christi (V. 38-42)
Der Dienst des ersten Tages stellt uns auf wunderbare Weise bildhaft
den Dienst Christi vor, wie Er sein Volk während des christlichen
Zeitraums um sich schart. Dass eine lebende Person der Mittelpunkt des
Zusammenkommens für das Volk Gottes sein sollte, war etwas völlig
Neues auf der Erde. Um diesen Dienst der Liebe wertzuschätzen, müssen
wir uns daran erinnern, dass diese herrliche Person, der die Zuneigung
dieser beiden Jünger hervorgerufen hat — dem Christus, dem sie folgen
—, der ist, welchen die Welt nicht kennt, der von dem religiösen
Fleisch Verstoßene, der sich außerhalb aufhält (V. 10-11.26.28). Bis
dahin war Jerusalem mit seinem Tempel das Zentrum der religiösen
Aktivität des berufenen Volkes Gottes gewesen. Im Judentum war das
Zentrum des Zusammenkommens ein Ort: im Christentum ist das Zentrum
des Zusammenkommens eine Person und diese Person ist ein verworfener
Mensch am Ort der Schmach. Wenn wir zu Ihm zusammenkommen wollen,
müssen wir, wie die beiden Jünger, bereit sein, mit Ihm außerhalb des
Lagers zu gehen, seine Schmach tragend (Heb 13,13).

Wie traurig! Die bekennende Christenheit ist größtenteils in das
jüdische System zurückgefallen und hat prächtige Gebäude als Zentren
ihres religiösen Lebens errichtet. Und damit nicht genug, war die
Christenheit bestrebt, Christus in die Welt zu bringen, anstatt die
Welt zu verlassen und zu Christus zu kommen. Die Menschen haben ihre
eigene Ehre gesucht, indem sie ihren Systemen, Plänen und Ländern
seinen heiligen Namen gegeben haben. Christus befindet sich jedoch
außerhalb der weltlichen Systeme und Religionen und solche, die in
Herzenszuneigung persönlich zu Ihm hingezogen sind, müssen den Platz
der Schmach außerhalb einnehmen, wenn sie Christus als ihre
allgenügende Quelle erreichen wollen.

So gibt uns also diese schöne Szene „jenseits des Jordan“ ein sehr
schönes Bild davon, was Christentum nach Gottes Gedanken ist: eine
Gemeinschaft von Gläubigen, die aus dem Judentum und der Welt, ob
sozial, politisch oder religiös, herausgenommen wurde, um sich um eine
Person zu scharen, die alles für sie bedeutet. Es ist nicht nur
einfach so, dass seine Leute als solche, die gleiche Interessen haben,
zusammenkommen, sondern sie versammeln sich um eine lebendige Person,
die eine Anziehungskraft auf ihre Herzen ausübt. Haben wir die Wirkung
des Werkes Christi an uns erfahren, die Gabe des Geistes empfangen und
eine sichere Zukunft, so mögen wir wohl fragen: Wie werden wir auf
unserem Weg zum Himmel inmitten der Versuchungen der Welt bewahrt
bleiben? Darauf gibt es nur eine Antwort: Wir können nur bewahrt
werden, weil wir uns zu einer lebendigen Person hin versammeln, die
alle Liebe in ihrem Herzen, alle Macht in ihren Händen und alle
Weisheit für die Seinen hat. Der lebendige Christus ist die Lösung für
alle unsere Schwierigkeiten. Wir werden unseren Weg durch das Dunkel
der Welt nur finden, wenn wir Ihm folgen und nahe bei Ihm bleiben.
Ohne Ihn können wir nichts tun. So lesen wir von diesen zwei Jüngern,
dass sie Jesus nachfolgten und bei Ihm blieben (V. 37-39). Später gibt
der Herr diesen Worten eine geistliche Bedeutung, wenn Er zu seinen
Jüngern sagt: „Bleibet in mir“, und: „Folge du mir nach“ (Joh 15,4;
21,22).

Joh 1,38-39: Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und
spricht zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi (was
verdolmetscht heißt: Lehrer), wo hältst du dich auf? Er spricht zu
ihnen: Kommet und sehet! Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt,
und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde.

Sie hatten bereits von Christus gehört, auf Christus gesehen, als Er
wandelte, sie waren zu Ihm hingezogen worden und sie folgten Christus
nach. Nun erfahren wir etwas von dem tiefen Interesse, welches der
Herr an diesen Jüngern hat, die Ihm nachfolgen. Wir lesen: „Jesus aber
wandte sich um und sah sie nachfolgen“, und genau wie damals nimmt Er
auch heute Notiz von solchen, die Ihm nachfolgen.

Dann prüft der Herr diese zwei Jünger mit seiner Frage: „Was suchet
ihr?“ Wenn wir, wie die Jünger, einen Platz außerhalb des heutigen
weltlichen Religionssystems eingenommen haben, sollten wir in uns in
Bezug auf unsere Beweggründe in ähnlicher Weise herausgefordert und
geprüft fühlen. Werden nicht die Schwierigkeiten, die unter uns
entstehen, oft zugelassen, damit wir uns einmal fragen, warum wir dort
sind, wo wir sind? Haben wir diesen Platz nur eingenommen, um dem
Bösen der religiösen Systeme der Welt zu entfliehen oder um Licht und
eine bessere Lehre zu bekommen oder weil vielleicht unsere Eltern
bereits diesen Weg gegangen sind? Wenn dies der Fall ist, sollten
unsere Motive sicherlich einmal geprüft werden, denn wenn wir aus
falschen oder gemischten Motiven gehandelt haben, werden wir schläfrig
auf unserem Weg und verlassen den Platz der Schmach.

In dem Fall der beiden Jünger bringt die prüfende Frage des Herrn ihre
wahren Beweggründe hervor, indem sie fragen: „Rabbi, wo hältst du dich
auf?“ Mit dieser Frage wird offenbar, dass sie den Platz außerhalb
nicht einnahmen, um der Verderbtheit des Judentums zu entkommen noch
um für sich selbst einen Vorteil daraus zu ziehen, sondern weil sie
danach verlangten, bei dem Einen zu sein, zu dem sie in Zuneigung
hingezogen worden waren. Das Motiv waren nicht sie selbst, sondern Er
selbst. Sie wollten den kennen lernen, zu dem sie hingezogen worden
waren und deshalb fragen sie: „Wo hältst du dich auf?“ Man kann
Menschen durch ein gelegentliches Treffen oder ein hin und wieder
geführtes Gespräch nicht wirklich kennen lernen, dazu müssen wir mit
ihnen in ihre Häuser gehen. Wenn wir eine innigere Verbindung mit
Christus haben möchten, müssen wir bestrebt sein, Ihn in seinem Haus
kennen zu lernen — dem Vaterhaus. Darum heißt es in der Schrift:
„Suchet was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten
Gottes.“ Und wo sonst würden wir einen tieferen Einblick in himmlische
Dinge erhalten als dort, wo zwei oder drei zu seinem Namen hin mit Ihm
selbst in der Mitte versammelt sind?

Auf solche Wünsche zu antworten erfreut den Herrn. Wie schon gesagt
wurde, können wir von Christus so viel haben, wie wir wollen. Dann
antwortet der Herr den Jüngern und sagt: „Kommet und sehet!“ und wir
lesen:„Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt.“ In dieser Welt
gibt es nichts, das von Christus spricht und wir können sicher sein,
dass, was sich auch in unseren Häusern finden mag, an seinem Platz
nichts zu finden war, was von Ihm ablenkte. Nachdem sie gesehen
hatten, wo Er sich aufhielt, lernten sie Ihn in seinem Haus kennen und
als sie Ihn kannten, freuten sie sich, diesen Tag bei Ihm zu bleiben.
Die Person, die sie an den Ort außerhalb gezogen hatte, war der Eine,
welcher sie auch dort hielt.

Joh 1,40-42: Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den
zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren.
Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm:
Wir haben den Messias gefunden (was verdolmetscht ist: Christus). Und
er führte ihn zu Jesu. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon,
der Sohn Jonas'; du wirst Kephas heißen (was verdolmetscht wird:
Stein).

In diesen Versen sehen wir das Ergebnis davon, bei Christus zu bleiben
— andere für Christus zu gewinnen. Wir lesen also, dass einer diesen
gesegneten Ort verlässt, um seinen Bruder Simon zu finden und als er
ihn gefunden hat, führte er ihn zu Jesus. Er brachte ihn nicht an
einen abgesonderten Ort, noch in eine Gemeinschaft außerhalb, sondern
zu einer Person, zu Jesus. Und wie wunderbar wird Simon empfangen. Er
befindet sich in der Gegenwart dessen, der seinen Namen und den seines
Vaters kennt und ihm einen neuen Namen gibt. Als Er Simon sagt, wie er
heißt und was der Name seines Vaters ist, lässt der Herr ihn wissen,
dass er sich in der Gegenwart dessen befindet, der sein ganzes Leben
von seiner Geburt an kennt. Durch die Änderung seines Namens erklärt
Er ihn als zu Ihm gehörig, denn das Recht, einen Namen zu ändern
impliziert Eigentum und Autorität. So lernt Petrus am Anfang seines
geistlichen Lebens, dass der Herr sein ganzes Leben als Sünder kennt
und ihn dennoch für immer sein eigen nennt.

Wie schön ist der Weg dieser Jünger in Verbindung mit Christus am
ersten Tag seines Dienstes und wie reich an Belehrungen für uns, die
durch folgende Punkte gekennzeichnet werden:

1.hinblicken auf Jesus, der da wandelt,

2.hören auf Jesus, wenn von Ihm die Rede ist,

3.Jesus an einen abgeschiedenen Ort folgen,

4.sehen, wo Jesus sich aufhielt,

5.bei Jesus bleiben,

6.andere für Jesus finden, und

7.sie zu Jesus zu bringen

Der zweite Tag des Dienstes Christi (V. 43-51)
Hier wechselt das Bild und Christus wird als der Mittelpunkt des
Zusammenkommens seiner irdischen Heiligen, dem jüdischen Überrest,
betrachtet. Zuvor wurde Er als der Mittelpunkt des Zusammenkommens
seiner himmlischen Heiligen — der Kirche — gesehen.

Joh 1,43-45: Des folgenden Tages wollte er aufbrechen nach Galiläa,
und er findet Philippus; und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach.
Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und
Petrus. Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben
den gefunden, von welchem Moses in dem Gesetz geschrieben und die
Propheten, Jesum, den Sohn des Joseph, den von Nazareth.

An diesem Tag erfahren wir nichts von dem Aufenthaltsort Christi, dem
Teil der himmlischen Gläubigen. Am vorherigen Tag verließen zwei
Jünger die Welt, um sich um Christus zu scharen und bei Ihm in seinem
Haus zu bleiben. An diesem Tag geht Christus aus in die Welt und zieht
zwei Heilige zu sich, um mit ihnen in seinem Königreich zu regieren.
Dies ist in Übereinstimmung mit all dem, was Moses und die Propheten
geschrieben hatten, die nicht über seine himmlischen Herrlichkeiten,
sondern sehr viel mehr über sein irdisches Reich sprechen. Als der
zukünftige König zeugt Philippus von Ihm als dem rechtmäßigen Sohne
Josefs und deshalb Erbe des Thrones.

Joh 1,46-48: Und Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas
Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh! Jesus sah den
Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein
Israelit, in welchem kein Trug ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher
kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich
rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.

Nathanael zeigt als Erster den charakteristischen jüdischen Unglauben
als er fragt: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ Darüber hinaus
ist Nathanael ein Vertreter des jüdischen Überrestes. Dieser wird nach
der Entrückung der Kirche aus dem ungläubigen Volk gerufen und tut
Buße für die Ablehnung Christi durch das Volk der Juden. Der Herr
erkennt Nathanael als einen, in dem kein Trug war, denn hatte ihn
nicht der Herr in all seinen Prüfungen unter dem Feigenbaum gesehen?
Zweifellos legte er dort gerade ein Sündenbekenntnis ab, denn nur
durch das Bekennen der Sünden zu Gott kann eine Seele von Trug befreit
werden.

Joh 1,49: Nathanael antwortete und sprach zu ihm: Rabbi, du bist der
Sohn Gottes, du bist der König Israels.

Als Folge dessen, dass die Arglist aus seinem Herzen entfernt wurde,
sieht er die Dinge klar und bekennt, dass Christus der Sohn Gottes und
König von Israel ist. Dies sind die beiden Titel, unter welchem das
jüdische Volk nach Psalm 2 Christus verworfen hat. Am Hof des
Hohenpriesters leugnete das Volk, dass Christus der Sohn Gottes war
und bei Pilatus wiesen sie seinen Anspruch, der König Israels zu sein,
zurück.

Joh 1,50-51: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Weil ich dir sagte:
Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Du wirst Größeres als
dieses sehen. Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen und die Engel
Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen.

Der Herr erkennt den Glauben Nathanaels, der durch die Worte des Herrn
zum Vorschein kommt. Nachdem Nathanael Christus nach Psalm 2 bekannt
hat, verkündet der Herr ihm nach Psalm 8 seine Herrlichkeit als der
Sohn des Menschen. Als der Sohn des Menschen wird Er über alle Werke
der Hände Gottes gesetzt werden, alle Dinge werden Ihm unterworfen.
Wenn unten die Erde Ihm unterworfen sein wird, öffnet sich der Himmel
über Ihm und die Engel, welche ihren herrlichen Gegenstand des
Dienstes in Christus auf der Erde finden, werden Beziehungen zwischen
Himmel und Erde aufbauen.

Der dritte Tag des Dienstes Christi (V. 2,1-11)
Joh 2,1-11: Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa;
und die Mutter Jesu war daselbst. Es war aber auch Jesus mit seinen
Jüngern zu der Hochzeit geladen. Und als es an Wein gebrach, spricht
die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr:
Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht
gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch
sagen mag, tut. Es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge
aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder
drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit
Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen:
Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister. Und sie brachten es.
Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, welches Wein
geworden war (und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber,
welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), ruft der
Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt
zuerst den guten Wein vor, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann
den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen
Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte
seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.

Die Hochzeit zu Kana wird durch die einleitenden Worte dieses Kapitels
eindeutig mit dem vorherigen Kapitel verknüpft. Die Hochzeit findet am
„dritten Tage“ statt. Wenn der erste Tag bildhaft das Zusammenkommen
der Gläubigen zu dem Herrn hin in der Zeit der Kirche darstellt und
der zweite Tag das Zusammenkommen des jüdischen Überrestes zum Herrn,
nachdem die Kirche in den Himmel entrückt wurde, können wir dann nicht
daraus schließen, dass der dritte Tag von der Wiederherstellung
Israels im Tausendjährigen Reich spricht? Von dem vollständigen
Ereignis wird in Vers 11 als „Zeichen“ gesprochen. Ein Zeichen ist ein
natürliches oder materielles Geschehen mit einer geistlichen
Bedeutung. Die charakteristische Bedeutung dieser Hochzeit besteht
darin, dass die Erneuerung der Beziehungen zwischen dem HERRN und
Israel dargestellt werden. Hosea schreibt davon, was der HERR einmal
von Israel sagen wird: „Ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und
ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht, und in
Güte und in Barmherzigkeit und ich will dich mir verloben in
Treue“ (Hos. 2,19-20).

Bezeichnenderweise fügt Hosea hinzu: „Er wird uns nach zwei Tagen
wiederbeleben, am dritten Tage uns aufrichten“ (Hos 6,2). Das zeigt
uns die Buße des Volkes, welche zu seiner Wiederherstellung in
Gerechtigkeit führt. Diese Wiederherstellung wird das Ergebnis einer
moralischen Reinigung durch Buße sein, welche in dem Bild von dem
Füllen der leeren Wasserkrüge der Reinigung dargestellt wird. Dann,
wenn der Heiligkeit Genüge getan worden ist, wird der Wein der Freude
über Israel ausgegossen werden.

Übersetzung: J. Meister



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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Sound Words
Autor: H. Smith
Textbearbeitung Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
Foto: Sound Words
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