Da das 60-m-Band bei uns in der Region 1 nicht zur Verfügung steht,
könnte man diese Nachricht ignorieren, aber unter der Oberfläche birgt
die Regelung Zündstoff. Eine öffentliche Diskussion der Problematik
drängt sich auf.
Grundsätzlich ist es immer positiv zu werten, wenn die
Amateurfunkgemeinde neue Frequenzen zugeteilt erhält, aber die
vorgeschlagene Einteilung der Betriebsarten birgt eine Gefahr für die
Offenheit des Amateurfunks.
Es ist unbestritten, dass PACTOR III eine effiziente und professionelle
Betriebsart darstellt und dass sie für viele Funkamateure eine
zuverlässige Möglichkeit bietet, weltweit Zugriff auf E-Mails zu haben.
Dabei ist es unerheblich, ob man sich auf hoher See, im Outback oder in
den Anden befindet.
Es ist aber auch unbestritten, dass es sich bei PACTOR III und dem
Nachfolger PACTOR 4 um eine kommerzielle und proprietäre Lösung handelt,
die nicht allen Funkamateuren offen steht. Möchte man PACTOR III
mitlesen oder in dieser Betriebsart kommunizieren, benötigt man ein
Modem der Firma SCS. Die Firma SCS Special Communications Systems GmbH &
Co. KG verfügt alleine über die Herstellungsrechte, deshalb kommt man an
ihr nicht vorbei.
Dasselbe gilt auch für Technologien wie D-STAR, aber neu ist im
vorliegenden Fall, dass im 60-m-Band Frequenzen explizit für PSK31 und
PACTOR III reserviert werden.
Das ist an sich schon eine heikle Sache, denn grundsätzlich dürfen wir
auf unseren Bändern nur unverschlüsselt und offen kommunizieren. Da ist
eine herstellerabhängige Übertragungsart, die nicht offen gelegt wird,
im Prinzip systemwidrig. Wenn man solchen Betriebsarten auf einem Band,
dass nur über 5 Kanäle verfügt, explizit die Erlaubnis gibt, darüber zu
kommunizieren und gleichzeitig offene Varianten ausschliesst, dann ist
das umsomehr ein Problem.
Man kann jetzt argumentieren, dass ja auch PSK31 zulässig ist – aber
diese Sichtweise greift zu kurz: PSK31 ist zwar allgemein zugänglich,
aber es ist nur eine einzige eines ganzen Blumenstraußes an
schmalbandigen Betriebsarten.
Neben zahlreichen digitalen Übertragungsarten wie verschiedenen
PSK-Varianten, AMTOR, JT65, OLIVIA oder auch älteren Varianten wie RTTY,
Feld-HELL etc. gibt es auch Komplettsysteme, die einem PACTOR-System
ebenbürtig sind.
Als Beispiel sei hier PSKmail erwähnt, eine Lösung, die auch von
Intermar e.V. unterstützt wird.
PSKmail ist offen, d.h. wer über die nötigen Fähigkeiten verfügt, kann
mithelfen, das System weiter zu entwickeln. PSKmail läuft unter anderem
unter Windows, Linux, OS X, BSD und auf Android Mobiltelefonen.
PSKmail ist ein System, das es ermöglicht, Internetdienste wie E-Mail
und Webzugriff unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur nutzbar zu
machen. Ein Segelboot mitten auf dem Ozean kann E-Mails senden und
empfangen, Wetternachrichten herunterladen und Kurznachrichten bzw. die
eigene Schiffsposition über das APRS System verschicken. Freunde und
Verwandte können so in Verbindung bleiben und die Bewegungen des Schiffs
auf einem graphischen Bildschirm verfolgen; Sekunden nachdem die
Position vom Schiff verschickt wurde. PSKmail kann auch in abgelegenen
Gebieten und/oder überall wo solche gerade nicht vorhanden sind,
Internetdienste zur Verfügung stellen. Sie möchten vielleicht
Internetzugriff am Nordpol? Kein Problem – PSKmail macht’s möglich.
Die im Einsatz stehenden Server sind unabhängig und fallen nicht aus,
selbst wenn ein zentrales System unerreichbar sein sollte. Ist ein
Server außer Betrieb oder unerreichbar, kann man irgend einen anderen
benutzen.
PSKmail arbeitet im Moment mit unter anderem mit folgenden Betriebsarten:
PSK500, PSK500R, PSK250R, PSKR125, MFSK32, MFSK16, THOR22.
Aus dieser Sicht wäre es besser gewesen, die Bandbreite zu
reglementieren als spezifisch PSK31 und PACTOR III zuzulassen.
Die Gründe sind uns nicht bekannt und es ist auch möglich, dass diese
Regelung in Zukunft angepasst wird. Mit der Zulassung von PACTOR III,
unter dem gleichzeitigen Ausschluss von anderen, schmalbandigeren,
effizienteren und offen zugänglichen Betriebsarten, hat eine Entwicklung
stattgefunden, die kritisch beobachtet werden muss.
Quelle: hamnews.ch, bearbeitet von Tom DF5JL