AufBasis von Studien ist bekannt, dass Kinder, die ber einen groen Wortschatz verfgen, im ersten Schuljahr deutlich bessere Leistungen erzielen, als Kinder mit einem geringeren Wortschatz (Dickinson & Porche 2011). Vor allem fr Mdchen und Buben, die in soziokonomisch benachteiligten Familien, in einem weniger sprachanregenden Umfeld aufwachsen oder eine Zweitsprache erlernen, knnen Nachteile hinsichtlich des Erlernens eines gewissen Wortumfangs entstehen (Vasilyeva & Waterfall 2011). Besonders deutliche Unterschiede knnen bereits in den ersten Lebensjahren im Entwicklungsstand bezglich des Sprachverstndnisses und des sprachlichen Ausdrucks gemessen werden (Hart & Risley 1995). Es zeigt sich daher, dass ein umfangreiches Sprachangebot sowie eine frhe Frderung der Lese- und Schreibfhigkeit zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit beitragen kann (Nickel 2014).
In der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung bieten sich vor allem Gesprche whrend des gesamten pdagogischen Alltags sowohl in Spiel- als auch Alltagssituationen an. Das sind meist willkommene Anlsse, die am Interesse des Kindes ansetzen, wobei die Wortschatzerweiterung (nahezu nebenbei) untersttzt wird. Voraussetzung dafr ist, dass den Kindern viele neue Wrter (aus unterschiedlichen Wortarten) mglichst reichhaltig und abwechslungsreich angeboten werden (Torr & Scott 2006). Es gibt beispielsweise unterschiedlichste Wrter fr LKW: Es ist die Abkrzung fr Lastkraftwagen, kann auch ein Lastauto, ein Transporter oder ein Lieferwagen sein. Um den Wortschatz der Kinder langfristig zu erweitern und zu festigen, sollen die Kinder die vielfltigen Begriffe in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder hren, damit sie diese auch mit der Zeit selbst anwenden knnen (Itel 2017).
Je nach Spracherwerbsstand der Mdchen und Buben werden neue Begriffe verwendet oder bekannte Begriffe durch Wiederholung gefestigt und vertieft. Nach einigen Prsentationen und Wiederholungen knnen Kinder die Bedeutung eines neuen Wortes mit der Lautabfolge in Beziehung setzen, so dass sie dieses Wort verstehen (rezeptiver Wortschatz). Zudem fhrt die Vertiefung in unterschiedlichen Situationen dazu, dass es zu Vernetzungen innerhalb des Wortschatzes kommt (Klann-Delius 2008). Das heit aber noch nicht, dass das Kind dieses Wort bereits selbst aktiv verwendet (produktiver Wortschatz). Ein Kind muss ein neues Wort ungefhr 50 Mal hren, bevor es dieses aktiv benutzt (Apeltauer 2012).
Damit Kinder auch aktiv neue Wrter und Begriffe benutzen, wird an dieser Stelle deutlich, dass der Wiederholung von gleichen Begriffen eine wichtige Bedeutung beigemessen werden muss. Der Wortschatzerwerb wird in drei Erwerbsphasen eingeteilt: Wortprsentation, Worterarbeitung und Wortfestigung. Diese werden folgend beschrieben:
Bedeutungstragende Inhaltswrter sind Nomen, Verben und Adjektive. Neben Nomen mssen den Kindern vor allem Verben angeboten werden, da diese den Wechsel von der der Einzelwort- auf die Satzebene ermglichen. Bei Kindern, die im Erwerb der deutschen Sprachebereits fortgeschritten sind , knnen verstrkt Funktionswrter wie Artikel, Prpositionen oder Konjunktionen verwendet werden. An dieser Stelle ist wichtig zu erwhnen, dass sich die Verwendung von bestimmten Artikeln (der, die, das) und Prpositionen (neben, unter, auf, durch) in einzelnen Sprache unterscheiden. Das kann vor allem fr Kinder mit einer anderen Erstsprache zu Schwierigkeiten im Erwerb des Deutschen fhren. Generell ist festzuhalten, dass der Wortschatz bei Kindern in den ersten Lebensjahren sehr stark variiert (Itel 2017).
In der Phase der Worterarbeitung sollen Kinder die Bedeutung eines neuen Wortes kennen lernen. Wenn es sich um einen konkreten Gegenstand oder ein Bild handelt, kann darauf im Gesprch verwiesen werden. Gefhlswrter knnen beispielsweise mit dem jeweiligen Gefhlsausdruck (u.a. im Gesicht oder auf Bildern) dargestellt werden. Die Beschreibung von Merkmalen ist eine abstraktere Form der Worterarbeitung, sollte jedoch im engen Zusammenhang mit der Vermittlung der Bedeutung des Wortes stehen. Gelingt es, diese drei Strategien miteinander zu kombinieren, ist ein grerer Bildungserfolg bei den Kindern erkennbar (Itel 2017).
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