EinigeObjekte in Sternhaufen sind heier und leuchtkrftiger als die Theorie erlaubt. Ursache fr diese "Blauen Nachzgler" ist offenbar ein naher Begleitstern, von dem Masse abgezogen wurde.
Tucson (USA) - Sterne in offenen Sternhaufen sind in der Regel aus der gleichen Materiewolke entstanden und haben daher ein hnliches Alter. Doch es gibt Objekte in solchen Haufen, die jnger wirken, als sie sein drften: Sie strahlen heller als die anderen Sterne und ihre Spektralfarbe ist strker ins Blaue verschoben - sie sind heier. Eine Erklrung fr diesen scheinbaren Widerspruch fanden Forscher jetzt durch Beobachtungen eines der ltesten offenen Sternhaufen der Milchstrae. Offenbar befinden sich die "Blauen Nachzgler" in Doppelsystemen und konnten sich entwickeln, indem Masse von ihrem nahen Begleiter auf sie berstrmte. Auf diese Weise knnen sie mehr Materie verbrennen und ihre Lebensdauer verlngert sich.
Der Sternhaufen NGC 188 liegt im Sternbild Kepheus nahe dem Polarstern und entstand vor etwa fnf Milliarden Jahren. Er enthlt rund 3000 Objekte, 21 davon gehren zu den Blauen Nachzglern, wie die Forscher die jnger wirkenden Sterne nennen. Aaron Geller von der Northwestern University im US-Staat Illinois und Robert Mathieu von der University of Wisconsin-Madison analysierten diese Objekte nun mithilfe von Daten des WIYN-Teleskops am Kitt Peak National Observatory in Arizona. Sie konnten zwar die Begleiter nicht direkt nachweisen, da ihre Leuchtkraft zu schwach ist, doch ihre Gravitation hat einen sichtbaren Effekt auf die Bahn der Blauen Nachzgler. Daraus knnen die Wissenschaftler sowohl auf die Existenz als auch auf die Masse des kleineren, schwcher strahlenden Sterns schlieen.
"Die Begleiter umkreisen ihren Hauptstern mit einer Periode von tausend Tagen und wir haben Hinweise darauf, dass es sich um Weie Zwerge handelt", berichtet Aaron Geller von der Northwestern University. Weie Zwerge stellen das Endstadium von Sternen dar, die etwa so gro sind wie unsere Sonne. Vorher umkreiste der unscheinbare Begleiter seinen Partner allerdings als Roter Riesenstern und war sogar massereicher als dieser, so die Vorstellung. Da sie sich die beiden Objekte nah genug waren, konnte Materie aus der ueren Hlle des Riesensterns auf den Begleiter berstrmen, der sich dadurch zu einem Blauen Nachzgler entwickelte. Mit den neuen Beobachtungen konnten die Wissenschaftler zudem zwei andere Ursachen ausschlieen, welche den Massegewinn der Blauen Nachzgler ebenfalls htten erklren knnen: Sternenkollisionen oder die Verschmelzung zweier Sterne. Fr beide Szenarien wren Begleiter ntig, die wesentlich mehr Masse besitzen und so hell wren, dass sich einige von ihnen sogar mit dem Teleskop direkt htten aufspren lassen mssen. Solche Sterne konnten die Forscher jedoch nicht besttigen.
Sabine Frank tritt auf die Bremse. Sie schaltet den Motor ab, knipst das Fernlicht ihres Autos aus. Jetzt ist es zappenduster. Die Nacht im Biosphrenreservat Rhn ist so schwarz, dass die Hand vor dem Gesicht verschwindet. Mitten auf der Landstrae, wo das nchste Dorf kilometerweit entfernt und die Nacht stockdunkel und einfach nur Nacht ist, trommelt der Regen pltzlich lauter als vorher auf das Autodach.
Sabine Frank ist Nachtschtzerin. Die Kulturwissenschaftlerin und Hobby-Astronomin ist unermdlich in den Drfern der Rhn unterwegs, um an die Bedeutung der Dunkelheit und des natrlichen Tag-Nacht-Rhythmus fr Mensch und Tier zu erinnern. Sie engagiert sich gegen Lichtverschmutzung. So nennen Wissenschaftler das knstliche Licht, das die dunkle Landschaft und den Nachthimmel aufhellt - Straenlaternen, angestrahlte Kirchen, beleuchtete Vorgrten.
Sie arbeitet fr das Biosphrenreservat Rhn. Seit August 2014 darf sich die Rhn "internationaler Sternenpark" nennen. Der Titel, den die Vereinigung zum Schutz des Nachthimmels mit Sitz in den USA vergibt, zeichnet Gegenden aus, in denen noch ein natrlich dunkler Nachthimmel zu sehen ist. Als erste Region in Deutschland hatte Anfang des vergangenen Jahres das Havelland die Auszeichnung "Sternenpark" bekommen.
"Die natrliche Nacht, die durch die Rotation der Erde entsteht, ist wertvoll", sagt Frank. Nachts wird das Schlafhormon Melatonin produziert. Das braucht der Krper, um sich zu erholen. Die Straenlaterne vor dem Schlafzimmer, aber auch langes Fernsehgucken in der Nacht und grelle Neonrhren im Bad beim Zhneputzen stren da nur. Besonders kaltweies Licht mit hohen Blauanteilen irritiert. "Der Krper wei dann nicht mehr, wann Tag und wann Nacht ist," sagt Sabine Frank. "Mein Tipp, im Dunkeln aufs Klo gehen."
Der Schutz der Nacht ist noch eine relativ junge Disziplin. Seit 2009 besteht die bundesweite Forschungsplattform "Verlust der Nacht". Der Verbund, der auf Initiative des Leibniz-Instituts fr Gewsserkologie und Binnenfischerei gegrndet wurde, untersucht die Folgen des knstlichen Lichts in der Nacht auf Natur, Tiere und Menschen. Projektleiter ist der Berliner Wissenschaftler Franz Hlker. Der Nachthimmel, sagt der Biologe, wird Jahr fr Jahr heller. "Mit der Glhbirne fing das an." Seit etwa 60 Jahren habe die Auenbeleuchtung "eine Dimension angekommen, die strend ist".
"Licht in der Nacht hat negative Folgen fr Vgel, Insekten, Amphibien und Pflanzen", sagt Frank. Rund 30 Prozent aller Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent aller wirbellosen Tiere seien nachtaktiv. Viele navigieren nach dem Sternenhimmel. Die Folge von zu viel Helligkeit: Zugvgel werden von ihrer Flugbahn abgelenkt, Insekten verenden in hellen LED-Leuchten, die zu Dekozwecken im Garten aufgestellt werden. Fr das kosystem habe das Konsequenzen, sagt Frank: Die nachtaktiven Insekten fehlen Fledermusen und Igeln als Nahrungsmittel oder als Bestuber von nacht- und dmmerungsaktiven Pflanzen wie dem Holunder oder der Linde.
Es sind aber nicht nur die Flora und Fauna, fr die sich Sabine Frank einsetzt. Die 43-Jhrige ist seit frher Jugend Sternenguckerin. Am liebsten ohne Fernrohr. "In der Rhn kann man mit bloem Auge die Andromeda-Galaxie sehen", schwrmt sie. Bei klarer Nacht seien in dem Biosphrenreservat mehrere tausend Sterne zu sehen, in einer Stadt wie Frankfurt am Main nicht mal hundert, sagt sie. Der Beweis bleibt an diesem Abend aus. Eine dunkle Wolkendecke hngt ber dem Biosphrenreservat, kein Stern, nicht einmal der Mond zeigt sich.
Wohl aber die Straenlaternen in den Drfern, angestrahlte Industriegebude oder Tankstellenbeleuchtungen. Frank hat einen geschulten Blick fr jede Art von strendem Licht. Sie lenkt ihr Auto durch die Rhn, schimpft ber unsinnig-blendende LED-Strahler in einer Hauseinfahrt hier, zeigt auf angestrahlte Bume dort. Der Lichtkegel von zwei Straenlampen fllt direkt auf die Bltter einer Linde. Mitten im Winter sollte sie eigentlich kahl sein. "Fr den Baum ist das echt 'ne fiese Sache", sagt Frank. Denn der Baum versorgt die Bltter an den sten weiterhin mit Wasser. Bei Minusgraden sind Frostschden die Folge.
Und dann sind da auch noch die Kirchen, die nachts teilweise mit 1.000 Watt-Strahlern angeleuchtet werden. "Da fragt man sich schon, warum hat Gott berhaupt die Nacht gemacht", kommentiert Frank. Mit vielen Kirchengemeinden in der Rhn fhrt sie inzwischen Gesprche darber, die Auenbeleuchtung nachts auszuschalten. "Elektrisches Licht in der Nacht ist immer etwas Unnatrliches", sagt Frank.
Inzwischen ist es weit nach zehn Uhr. An einer Bushaltestelle, deren grnes Unterstellhuschen in Neonlicht getaucht ist, hlt sie an. Nachts ist hier, an der Landstrae Richtung Fulda, alles leer. Kein Mensch ist unterwegs. Der letzte Bus ist seit etwa drei Stunden durch, der nchste kommt erst wieder um 5 Uhr 36 in der Frh. Nur die Neonrhren strahlen und spiegeln sich auf dem nassen Asphalt. In der Ferne ist schon wieder die rot schimmernde Lichtglocke der Stadt Fulda zu sehen.
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