Heute bemerkte ich, daß die Linseneffekte und die Interaktive Transparenz
RGB-basiert sind, sprich in einem CMYK-Dokument kommt es beim Druck zu
unschönen, aber durch die RGB-Geschichte erklärbaren Farbverschiebungen;
mein "Workaround": Zum Schluß die betreffenden Objekte in Bitmaps umwandeln.
Oder hat jemand eine elegantere Lösung, so daß die Linseneffekte auch später
noch editierbar sind?
Oliver
> Heute bemerkte ich, daß die
> Linseneffekte und die Interaktive
> Transparenz RGB-basiert sind ...
> ... Schluß die betreffenden Objekte
> in Bitmaps [CMYK] umwandeln.
Ich denke ( wenn man das überhaupt benutzen "muss" ;) ist das doch die
sauberste Lösung. Du erhältst Dir das Originaldokument - damit bleibt alles
editierbar und wenn Du es zwingend als Dokument, nicht PS, an die Belichtung
weitergibst, machst Du dafür vorher ´ne "flache" Version daraus. Jeder
"Beleuchter" wird´s Dir sicher danken - die Rips lieben ja solche
Tranzparenzspielchen geradezu ;)
Sozusagen also eigentlich eher eine Frage des Dokumentenmanagements :)
Zuzüglich hast Du deutlich bessere Kontrolle darüber was dabei am Ende
herauskommt.
Oder gibts hier ausschliesslich _gute_ Erfahrungen damit?
Aron
Ich kann nur von CorelDRAW 9 berichten, 10 steht (IMHO zu Recht) noch im
Regal.
Die Sachlage ist (leider) sehr differenziert, deshalb wir das leider etwas
laenger...
Seit CorelDRAW 9 werden Linsen und Transparenzen nicht mehr generell mit
RGB-Werten erzeugt. Im Gegenteil, sie werden sogar sehr konsequent als CMYK
berechnet (sofern CMYK-Elemente im Spiel sind). Die mathematischen
Grundlagen dafuer und die Problematik, dabei separationsspezifische
Eigenschaften der CMYK-Ressourcen beizubehalten, waeren einen eigenen Thread
wert.
Wie auch immer, CorelDRAW ist bei CMYK-Transparenz mit wesentlich mehr
Problemen konfroniert als bei RGB, was mathematisch sehr einfach ist.
Das Hauptproblem - und das kann man getrost als Bug bezeichen - ist, dass
CorelDRAW 9 für Transparenzen/Linsen zwar CMYK-Werte berechnet, aber zur
Bildschirmdarstellung die RGB-Repraesentation der CMYK-Farben heranzieht.
Das ist besonders dann schlimm, wenn nicht einfache Transparenz, sonder
Multiplikation, Subtraktion oder andere "Effekte" angewendet werden. Dadurch
werden Farben angezeigt, die in CMYK berechnet vollkommen anders aussehen.
Beispiel:
Blaues Rechteck (100%C 100%M 0%Y 0%K)
Darüber zB ein magentafarbiger Kreis (nur 0%C 100% M 0%Y 0%K) mit den
Transparenzwerten [1, subtrahierend]. Die resultierende Farbe der
Schnittmenge sieht am Bildschirm dunkler aus als das Blau des Rechteckes. Es
wird naemlich die mathematische RGB-Differenz der - normalerweise
ICM-farbkorrigierten! - CMYK-Einzelfarben angezeigt. Tatsaechlich ist die
resultierende CMYK-Farbe (zB im Ausdruck) aber nichts anderes als das Blau
des Rechteckes, weil zu 100% Magenta keine weiteren 100% zugegeben werden
koennen.
Beim Konvertieren der beiden Elemente in eine CMYK-Bitmap werden solche
Problemstellen dann auch richtig dargestellt. Eine weitere Moeglichkeit, das
tatsaechliche Ergebnis zu pruefen ist die Pipette, mit der man den richtigen
CMYK-Wert der resultierenden Farbe bekommt.
Aber das ist noch nicht alles :-(
Beim Drucken werden Transparenzen und Linsen generell als Bitmaps zum
Drucker gesendet (es gibt bis dato keine Drucker/RIPs, die selbst komplexe
Transparenzen interpretieren koennten). Das Generieren der Bitmaps macht
CorelDRAW dabei mit der selben Engine, die auch beim "in Bitmap
konvertieren" verwendet wird, allerdings mit folgenden Raffinessen:
* Der Typ der erzeugten Bitmap haengt davon ab, was der Druckertreiber
akzeptiert. Ein reiner RGB-Drucker (die meisten Inkjets) bekommt RGB-Daten.
Bei einem CMYK-Drucker werden die Bitmaps als CMYK generiert.
Die meisten CMYK-Drucker koennen aber AUCH RGB verarbeiten (internes CMS bzw
"inRIP-Separation"). In diesem Fall akzeptiert der Drucker beides und es
gilt die Einstellung in Corel's Druck-Dialog/Erweitert-Tab/"Bitmaps ausgeben
als".
* Der sogenannte "Rendering Intent" des Farbmanagements spielt leider auch
noch eine wesentliche Rolle. Die Standard-Einstellungen in CorelDRAWs
Farbmanagement bestimmen, dass Farbflächen (Vektorgrafik, Schrift, Outlines,
...) anders farbkonvertiert (zB RGB->CMYK-Separation) werden als Bitmaps. Ob
das gut oder schlecht ist, darüber werden noch immer Buecher geschrieben.
Dieser Umstand fuehrt dazu, dass Transparenzen - in unserem Fall die
Schnittfläche von Rechteck und Kreis - einem anderen Separationsverfahren
unterliegen als die beiden vektorgrafischen Ausgangselemente. Das ist
speziell dann ein Problem, wenn der Drucker zB ein RGB-Drucker ist, das
Dokument aber CMYK, selbiges gilt aber auch andersherum. In beiden Faellen
muessen sowohl Vektorgrafiken als auch Bitmaps umgerechnet werden, und das
passiert eben unterschiedlich.
Fazit: Man sieht, dass das gesamte Color Management noch immer
unbefriedigend geloest ist (und nicht nur bei Corel!). Wie bei Photoshop 6
zu sehen ist, wird's langsam besser - aber auch komplizierter.
Meine Empfehlungen:
* Umrechnen aller - in Transparenz involvierten - Objekte in eine Bitmap ist
eine gute, aber unbefriedigende Loesung. Ich greife selbst immer wieder
darauf zurück.
* Umweg Acrobat. Im "als PDF freigeben"-Dialog kann bestimmt werden, in
welchem Farbformat ALLE Objekte ausgegeben werden (nicht nur die Bitmaps,
wie im Corel-Druckdialog) So kann man zB ein reinrassiges
RGB-Acrobat-Dokument erzeugen. Das einfache Farbmanagement des Acrobat
Readers verhindert dabei, dass beim Drucken unberechenbare
Separationsverfahren zum Zuge kommen. Das ist besonders bei RGB-Druckern von
Vorteil.
ABER
* Mit folgenden Einstellungen lassen sich die meisten diesbezueglichen
Probleme auch ohne Umwege in den Griff bekommen:
1. Das Corel-Farbmanagement so einstellen, dass Vektorgrafiken und Bitmaps
gleich behandlet werden. (Habe im Moment kein CorelDRAW zur Hand, daher
keine genaue Beschreibung) ca.: Menue Extras/Farbeinstellungen/??... sowohl
für Bitmaps als auch für Vektorgrafik anstatt "Automatisch"--> "Farbmetrik"
auswaehlen.
2. Sofern waehlbar, im Corel-Druck-Dialog/Erweitert-Tab "Bitmaps ausgeben
als" dem Drucker entsprechend einstellen.
3. Wenn vorhanden, geeignetes (und gutes) Drucker-Farbprofil verwenden.
4. Sofern der Drucker ein internes Farbmanagement betreibt, dort ebenfalls
die Farbbehandlung für Bitmaps und Vektorgrafiken gleich einstellen (refer
the printer's manual for further instructions, hehe)
5. Warten auf bessere Zeiten :-)
Tut mir leid für die Ausfuehrlichkeit, hoffentlich hilft's.
Gruesse, Juergen
--
Juergen Krausz - kra...@telering.at
Grafik Krausz - jkr...@grafikrausz.at
zunächst einmal vielen Dank füt Deine Antwort - sehr fundiert und
ausführlich! Ich habe Deine Schritte in CD 10 wiederholt - mit dem von Dir
vorausgesagten Ergebnis. Also kann man zusammenfassend sagen, daß bei der
Darstellung am Monitor keine Möglichkeit gegeben ist, das "wahre"
Druckergebnis zu sehen oder zu erahnen, d. h. die quasi-schwarze
Schnittfläche zwischen dem blauen und magentafarbenen Objekt kann nicht als
"wahr" blau dargestellt werden?
Liebe Grüße, Oliver
"Juergen Krausz" <kra...@telering.at> schrieb im Newsbeitrag
news:3a734699@cnews...
Es gibt einen Weg, allerdings führt der vom Regen in die Traufe. Wenn man
die
Farbverwaltung vollkommen deaktiviert (Menue Extras/Farbverwaltung/"Farben
fuer
die Anzeige kalibrieren" auschalten) ist das Ergebnis zumindest
CMYK-rechnerisch korrekt,
allerdings hilft das nicht viel, weil die Darstellung komplett daneben ist
(zB ist kein Unterschied zwischen 100%CMY, 100%CMYK oder 100%K zu sehen,
etc. wir kennen das ja von frueher).
Es ist aber teilweise interessant zu sehen, was die einzelnen
Transparenztypen rechnerisch treiben.
Schade, dass bei CorelDRAW 10 hier nichts passiert ist. Scheinbar wiedermal
eine typisch gerade Version :-).
Trotzdem kann man sagen, dass Corels Transparenz-Tools groesstenteils gut
gemacht sind
und ich mir nicht mehr vorstellen kann, ohne sie auszukommen.
toller Artikel!!
Folgendes ist mir noch etwas unklar:
>Beispiel:
>Blaues Rechteck (100%C 100%M 0%Y 0%K)
>Darüber zB ein magentafarbiger Kreis (nur 0%C 100% M 0%Y 0%K) mit den
>Transparenzwerten [1, subtrahierend].
Meinst Du damit nicht eher "Linse erhellen" und einen negativen %-Wert?
>Die resultierende Farbe der
>Schnittmenge sieht am Bildschirm dunkler aus als das Blau des Rechteckes.
Richtig, so soll es auch sein (nach meinen Linseneinstellungen oben).
>Es wird naemlich die mathematische RGB-Differenz der - normalerweise
>ICM-farbkorrigierten! - CMYK-Einzelfarben angezeigt. Tatsaechlich ist die
>resultierende CMYK-Farbe (zB im Ausdruck) aber nichts anderes als das Blau
>des Rechteckes, weil zu 100% Magenta keine weiteren 100% zugegeben werden
>koennen.
Aber es kommt doch Schwarz hinzu, um es abzudunkeln !?
>Beim Konvertieren der beiden Elemente in eine CMYK-Bitmap werden solche
>Problemstellen dann auch richtig dargestellt.
Mit Zumischung von Schwarz.
>Eine weitere Moeglichkeit, das
>tatsaechliche Ergebnis zu pruefen ist die Pipette, mit der man den
richtigen
>CMYK-Wert der resultierenden Farbe bekommt.
Die Pipette gibt leider in dem Fall RGB-Werte aus...
Durch die Unterschiede zwischen Deinem Text und meiner Vorgehensweise muß
ich irgend was total anders haben als Du...
Uli