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HALEY SCHANDELMIER

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Jan 20, 2024, 6:55:07 PM1/20/24
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Der Tora-Vorhang (Parochet, hebräisch: פרכת) ist ein Zeremonialobjekt und wird in Synagogen vor den Tora-Schrein gehängt, der die Tora-Rollen bewahrt. Seine hebräische Bezeichnung weist auf den Vorhang hin, der im biblischen Heiligtum den sakralen Raum vom Allerheiligsten trennte. In den meisten Synagogen ist die oft reich verzierte Textilie der visuelle Anziehungspunkt. So steht im Zentrum des Tora-Vorhangs seit dem 17. und 18. Jahrhundert häufig die Inschrift כת (Abkürzung für Keter Tora, deutsch: Krone der Tora).

Ein Stück deutsch-jüdischer Familien-Archäologie wie selten eines: Da tastet und forscht sich der Autor Christoph Schmidt, deutscher Professor mit christlichem Vornamen an der Hebräischen Universität in Jerusalem, zurück in seine ihm selbst jahrzehntelang unbekannte, verschwiegene und vergessene deutsch-jüdische Familiengeschichte.

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In einem dieser Einschübe wehrt er sich gegen das in der gängigen Historiografie, namentlich durch Gershom Scholem vertretene Deutungsmuster, diese seine Familiengeschichte mit dem kometenhaften ökonomischen Aufstieg, der liberalen, weltoffenen, kaisertreuen Glanzzeit und dem Untergang der Familie Meyer im Faschismus versinnbildliche einmal mehr das Scheitern der deutsch-jüdischen Symbiose und die Selbstauflösung des liberalen Judentums durch Assimilation bis hin zum Untergang in der Schoa.

ASSIMILATION Für Schmidt hat diese zionistisch geprägte Historiografie zwei entscheidende Denkfehler: Erstens ist die Assimilation kein einseitiger, sondern ein beidseitiger Prozess. Es haben sich nicht einfach deutsche Jüdinnen und Juden bis zur Selbstverleugnung verbogen und ans Deutsch-Christliche angepasst, sondern es haben auch das christliche Bürgertum und sogar der Hof von der jüdischen Elite gelernt, profitiert, sich soziokulturell angenähert: Die jüdische Wissenschaftsförderung und das Mäzenatentum, aber auch die Sozialfürsorge für die Armen waren beispielhaft und wurden kopiert. In den Mischehen der Familie Meyer haben sich Christen dem jüdischen Milieu assimiliert und kamen an Schabbat zu Besuch.

Die Synagoge Oranienburger Straße wurde gezielt nicht im üblichen Stil der kirchlichen deutschen Gotik gebaut, sondern selbstbewusst im orientalischen Stil. Das war religiöse jüdische Selbstbehauptung in Form von Architektur. Trotzdem kam Bismarck zur Einweihung, und ein Meyer hat ihn dort begrüßt.

Wann hatte und hat es das in der jüdischen Geschichte je gegeben? Zweitens sind das liberale deutsche Judentum, die Reformgemeinden, die Wissenschaft des Judentums, die Ära der jüdischen Nobelpreisträger, der jüdischen Mäzene wie James Simon und der jüdischen Künstler wie Max Liebermann und Lovis Corinth nicht an sich selbst zugrunde gegangen, sondern wurden von außen und gewaltsam durch die Nazis zerstört. In England und in den USA hingegen haben sie Bestand und blühen.

Scholem hat unrecht, es gab diese liberale, aufgeklärte deutsch-jüdische Symbiose. Aber die Nachfahren der Meyer-Dynastie leben heute dennoch in Schottland, England, Deutschland und Israel verstreut. Sie haben mit ihren eigenen Erinnerungen zu Schmidts spannender Familiengeschichte beigetragen. Es fehlt ein Familienstammbaum. Der wäre allerdings noch umfangreicher als der der Mendelssohns.

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