KLEINKRIEGSANLEITUNG FÜR JEDERMANN

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Mar 6, 2007, 5:27:28 AM3/6/07
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MAJOR H. von DACH

DER TOTALE WIDERSTAND

KLEINKRIEGSANLEITUNG FÜR JEDERMANN

Schweizerischer Unteroffiziersverband

Biel 1984


*****


INHALT

EINLEITUNG

Vorwort des Verfassers
Vorwort des Zentralvorstandes des Schweizerischen
Unteroffiziersverbandes: "Widerstand bis zum äussersten!"

OPERATIVE, TAKTISCHE UND TECHNISCHE GRUNDLAGEN DES KLEINKRIEGES

Kleinkrieg und ziviler Widerstand im Rahmen der schweizerischen
Landesverteidigung
Ziele des Kleinkrieges
Die Entstehung der Kleinkriegsverbände
Praktisches Beispiel, wie ein Verband in eine Kleinkriegssituation
geraten kann
Die Rollenverteilung zwischen Kleinkriegsverbänden und ziviler
Widerstandsbewegung
Die Grössenordnung der Kleinkriegsverbände
Schematafel "Entstehung und Ausweitung des Kleinkrieges"
Die operative Sicherung der Kleinkriegsverbände

AUFBAU UND FÜHRUNG DES MILITÄRISCHEN KLEINKRIEGES

Organisation
Allgemeines Organisation eines Kleinkriegsverbandes
Ausbildung
Nachrichtenbeschaffung über die Haltung der Zivilbevölkerung
Führung
Ausrüstung
Bewaffnung
Munitions- und Sprengmittelversorgung
Reparaturdienst
Sanitätsdienst
Verpflegungsdienst
Die Hilfeleistung der Zivilbevölkerung.
Der Empfang von Materialabwürfen
Der Empfang von Fallschirmagenten

Leben

Aktionsraum / Ruhezone Ruhe
Biwak Wetterregeln
Ergänzung der Verpflegung in Notlagen
Sprengmittelbeschaffung durch Ausbauen von Minen
Behelfsmässiger Sprengstoff
Improvisierte Sprengladungen
Die Lagerung der Munition

Taktik / Technik

Allgemeines Verhalten
Marsch
Ausschalten von Wachtposten
Durchgabe einfacher Meldungen mit primitiven Mitteln
Sabotage am Strassennetz
Erstellen von Strassensperren
Überfall auf Einzelfahrzeuge
Feuerüberfälle
Überfall auf einen Strassengeleitzug
Zerstörung von Motorfahrzeugen
Handstreich
Angriff auf ein Verpflegungs-, Fourage- oder Materialdepot
Angriff auf ein Depot mit chemisch/technischen Produkten
Angriff auf eine Benzintankanlage
Angriff auf ein Munitionsdepot oder Freilager
Überfall auf einen Stab oder eine Truppenunterkunft
Angriff auf einen kleinen Stützpunkt
Angriff auf das Telephonnetz
Angriff auf das Elektrizitätsnetz
- Angriff auf eine Transformatorenstation
- Angriff auf das Leitungsnetz

Angriff auf das Eisenbahnnetz
- Sabotage an der Fahrleitung
- Sabotage am Unterbau / Abschlagen der Schraubenköpfe
- Sprengen der Schienen
- Zerstörung von Weichen und Herzstücken
- Zerstörung von Rollmaterial
- Handstreich auf eine Eisenbahnstation
- Die Taktik der Linienunterbrechung
- Angriffe auf Eisenbahnzüge

Angriff auf eine Brücke
Angriff auf Flugplätze
Angriff auf mobile Raketenabschussrampen
Vorübergehendes Besetzen von Ortschaften

AUFBAU UND KAMPFFÜHRUNG DER ZIVILEN WIDERSTANDSBEWEGUNG

Grundlagen und Organisation Allgemeines Die Aufgaben der zivilen
Widerstandsbewegung
Das Problem der Kollaboration Der Schritt von der schweigenden
Opposition zum aktiven Widerstand
Die Rekrutierung der Widerstandsbewegung
Zellenbildung Organisation und Tätigkeit der verschiedenen Sektionen
Organisationsschema Beschaffung und Verteilung von Giftkapseln
Die Rolle der einheimischen Polizei

Die Taktik der Besetzungsmacht

Allgemeines
Die Organisation der Besetzungsmacht
Militäradministration Selbstverwaltung
Die politische Polizei
Grundsätze des Terrors
Kirchenkampf
Der Kampf um die Jugend
Die Spaltung der Bevölkerung
Die Taktik des Gegners beim Zerschlagen von Vereinen, politischen
Parteien, Berufs- oder Wirtschaftsverbänden
Das Vorgehen des Gegners beim Ausrotten gewisser Bevölkerungsschichten

Die Taktik der Widerstandsbewegung

Verbergen von Waffen und Munition
Verbergen von Radioempfängern
Herstellung illegaler Schriften
Strassenpropaganda
Sicherung von Untergrundkonferenzen Nachrichtenübermittlung
Kurierdienst
Schreibverkehr
Die Übergabe von Meldungen
Der "Tote Briefkasten"
Die Benutzung des Telephons
Die Verwendung des Funks
Die Sicherung von Örtlichkeiten
Sicherung gegen Abhorchgefahr aus Nebenräumen
Allgemeines Verhalten als Widerstandskämpfer
Das Alibi
Verhalten, wenn man in eine Strassenkontrolle gerät
Untertauchen. Auswahl und Benützung von Unterschlupfen
Das Benützen von Eisenbahnzügen
Sonderschulung wichtiger Mitglieder der Widerstandsbewegung
Spitzelbekämpfung
Verhalten bei der Verhaftung
Verhalten im Gefängnis
Verhalten im Verhör
Die Folter
Zwangserziehung und Gehirnwäsche
Verhalten im Zwangsarbeitslager
Der passive Widerstand Unterwanderung paramilitärischer Formationen
Bewaffneter Widerstand bei Verhaftung und Verschleppung
Sabotage
Attentate
Handstreich der zivilen Widerstandsbewegung
Offener Aufstand

DAS VORGEHEN DER BESETZUNGSMACHT BEI DER BEKÄMPFUNG VON
KLEINKRIEGSAKTIONEN

Partisanenbekämpfung
Allgemeine Grundsätze
Örtliche Verteidigung.
Die Sicherung der Verkehrswege
- Strassensicherung
- Eisenbahnsicherung
- Stützpunkte für Strassen- oder Eisenbahnsicherung Einsatz der
Jagdkommandos

Säuberungstaktik grösserer Verbände

Die Bekämpfung der zivilen Widerstandsbewegung
Allgemeines
Strassenkontrolle
Suchaktionen
- Durchkämmen eines Häuserblocks
- Hausdurchsuchung
- Räumen eines Platzes

Die Bekämpfung von Unruhen und Aufständen

Allgemeines
Aufklärung
Gliederung der Angriffskräfte
Kampfführung
- Vorgehen in Strassen
- Niederkämpfen von Barrikaden und Strassensperren
- Säuberung eines ausgedehnten Objekts
- - Besetzen der Stadt nach unterdrückter Unruhe oder niedergeworfenem
Aufstand

SCHLUSSWORT

Schlusswort des Verfassers

ANHANG

"Sprengtechnik"


*****


EINLEITUNG

Vorwort des Verfassers

Der Verfasser ist sich im klaren, dass er ein heikles und ungefreutes
Kapitel angeschnitten hat. Immerhin ist es im Zeitalter des totalen
Krieges, wo es im Kampfe nicht nur um materielle, sondern ebensosehr
um weltanschauliche Dinge geht, nötig, sich mit diesen Fragen zu
beschäftigen.
Es kann angenommen werden, dass wir in einem Kriege grosse Teile
unseres Territoriums, wenn nicht überhaupt das ganze Staatsgebiet,
vorübergehend an den Gegner verlieren werden. Die Armee kann, im
wesentlichen gesehen, niedergekämpft sein, selbst wenn sich noch
beträchtliche Restteile davon im Alpengebiet (Reduit) während längerer
Zeit halten sollten.
Der grösste Teil der Soldaten sowie die Masse der Zivilbevölkerung
wird aber den Feldzug überlebt haben. Es stellt sich nun die Frage, ob
nach dem Zusammenbruch der Armee diese überlebenden loyale Untertanen
der neuen Machthaber werden sollen, die in Selbstzufriedenheit auf
Rettung und Befreiung durch das Ausland harren, oder ob der alte Kampf
in neuer Form mit allen Mitteln weitergeführt werden soll.
Es ist anzunehmen, dass bei der anerkannt grossen Freiheitsliebe der
Bevölkerung einerseits und der erwiesenen grossen Rücksichtslosigkeit
des möglichen Gegners anderseits es über kurz oder lang zwangsläufig
zu Zusammenstössen zwischen Besatzungsmacht und Besiegten kommen wird.
Es dürfte deshalb nicht völlig unnütz sein, Atmosphäre, Technik und
Taktik des Kleinkrieges festzuhalten.

Vorwort des Zentralvorstandes des Schweizerischen
Unteroffiziersverbandes "Widerstand bis zum äussersten"

Nehmen wir an: Die Schweiz ist zum Kriegsschauplatz geworden!
überlegene feindliche Kräfte sind eingebrochen. Da und dort wurden
eigene Truppen "überrollt". Es ist ihnen gelungen, sich der Hand des
Angreifers zu entziehen. Noch sind sie im Besitze ihrer Waffen und
ihrer Ausrüstung. Sie wollen kämpfen, Widerstand leisten bis zum
äussersten! Aber wie?
Oder: Der Feind hat eine Stadt besetzt. Die Bevölkerung ist unter
seine Botmässigkeit geraten. Was tut in diesem Fall der Arbeiter, der
Angestellte, der Freierwerbende? Was tut der Lehrer, der
Zeitungsredaktor, der Arzt, der Beamte im öffentlichen Gemeindewesen?
Was tun die Hausfrauen? Was tun die Eisenbahner, die Postangestellten,
die Polizisten?
Was tun die Soldaten? Was tun die Zivilisten?
Werfen die einen ihre Waffen fort, weil sie die Aussichtslosigkeit
jeglichen Widerstandes erkennen?
Warten die andern gottergeben auf ihr weiteres Schicksal, oder stellen
sie sich dem Feinde zur Verfügung?
So viele Fragen - aber wo bleiben die Antworten darauf?
Eines ist sicher: Der Feind wird keine Gnade kennen. Ein
Menschenleben, Dutzende, Hunderte, Tausende - er wird sie bedenkenlos
und rücksichtslos auslöschen, wenn es seinem Zwecke dient. Der
gefangene Soldat hat Deportation, Zwangsarbeit oder Tod zu erwarten.
Aber auch der Arbeiter, der Angestellte, der Freierwerbende, die
Hausfrau.

Der Feind wird keinen Unterschied machen, und die Erfahrungen der
jüngsten Geschichte lehren, dass die physische Vernichtung des
Besiegten so oder so zu erwarten ist. Manchmal wird sie nur etwas
hinausgezögert.
Der Offizier, der Unteroffizier, der Lehrer, der Redaktor, jede Frau
und jeder Mann, die sich irgendwann und irgendwo einmal abschätzig
gegen die Ideologie des Feindes geäussert haben, die vor dem Kriege
sich für Demokratie und Freiheit eingesetzt und zum Widerstand gegen
Diktatur und Despotie aufgerufen haben - sie alle stehen zuoberst auf
der Abschuss- und Deportationsliste.
Darüber müssen wir uns klar sein!
Was ist also zu tun, wenn der Feind im Lande ist? Was ist zu tun
angesichts der Gewissheit, dass Not und Tod jede Mitbürgerin und jeden
Mitbürger bedrohen, ungeachtet dessen, ob sie sich passiv oder aktiv
verhalten wollen?
Wir meinen, dass es besser ist, sich bis zum äussersten zu wehren! Wir
meinen, dass jede Schweizerin und jeder Schweizer Widerstand leisten
muss! Wir meinen, dass der Feind im eroberten Gebiet sich keine Minute
ruhig fühlen darf. Dass wir ihm schaden, ihn bekämpfen müssen, wo und
wie sich dazu Gelegenheit bietet! Damit haben wir klar und deutlich
ausgesprochen, welchem Ziel unsere Schrift dienen will.
In erster Linie und vor allem kommt im Kriegsfall der organisierte
Widerstand durch die Armee. Es ist unsere Pflicht, mit allen Kräften
dafür zu sorgen, dass die Armee kriegstüchtig und kriegsgenügend ist
und bleibt. Wir möchten, dass das gut verstanden wird.
Aber wir wollen unserem Volke auch eine Wegleitung geben für den Fall,
dass Teile der Armee versprengt, abgesplittert oder eingekesselt
werden. Für den Fall, dass es Gefangenen gelingt, zu entfliehen, dass
Teile der Zivilbevölkerung unter die Gewalt des Feindes fallen. Wir
wollen ihnen zeigen, dass für diesen schlimmsten aller Fälle der
Widerstand trotzdem nicht vergeblich sein, sondern zur ersten, zur
gebieterischen Pflicht wird.
Unsere Schrift will mithelfen, diesen Widerstand wirksam werden zu
lassen; sie will verhindern, dass Schweizerinnen und Schweizer nutzlos
und aus Mangel an Wissen und Können ihr Blut vergiessen oder ihr Leben
verlieren.
Man wird uns vielleicht entgegenhalten, dass es falsch und unklug sei,
in aller Öffentlichkeit über diese Dinge zu sprechen und zu schreiben
und den möglichen Feind über das zu informieren, was wir zu tun
gedenken, falls er uns überfallen will. Wir teilen diese Auffassung
nicht und halten im Gegenteil dafür, dass der öffentlich bekundete
Wille zum Widerstand bis zum äussersten mit zu jenen Abwehrmitteln
gehört, die ein Angreifer beim Für und Wider einer geplanten "Aktion
Schweiz" einkalkulieren und abwägen muss.
In diesem Sinne übergeben wir unsere Schrift der Öffentlichkeit und
hoffen, dass sie Tausende von Lesern finden wird.

OPERATIVE, TAKTISCHE UND TECHNISCHE GRUNDLAGEN DES KLEINKRIEGES

Kleinkrieg und ziviler Widerstand im Rahmen der schweizerischen
Landesverteidigung.

Wir glauben an die Kraft des Herzens!
Wir glauben dass zuletzt Recht und Menschlichkeit und nicht Macht und
Hass triumphieren werden!
Wir glauben dass Gott nicht mit den stärkeren Bataillonen, sondern mit
der gerechteren Sache ist!

Die ständige Bereithaltung einer modernen und kriegsgenügend
ausgerüsteten und ausgebildeten Armee ist das wichtigste Anliegen der
schweizerischen Landesverteidigung. Daneben dürfen aber auch
zweitrangige Aufgaben nicht vernachlässigt werden. Eine davon ist die
Notwendigkeit, den Kleinkrieg und zivilen Widerstandskampf
vorzubereiten.

Das Problem:

Wir werden kaum isoliert für uns allein angegriffen werden. Das
"Unternehmen Schweiz" wird vielmehr als Nebenaktion im Rahmen einer
weltweiten Auseinandersetzung vor sich gehen.
Im Zuge der zu erwartenden weltumspannenden Kämpfe ist es sehr wohl
möglich, dass grosse Gebietsteile - die aber im Weltrahmen gesehen nur
Randgebiete darstellen - vorübergehend von den Kräften der freien Welt
aufgegeben werden müssen. Wir können in diesem Falle unsere Armee
nicht im Zuge grossräumiger Absetzbewegungen über weite Strecken
zurücknehmen, sondern müssen als Schweizer den Kampf dort führen, wo
wir stehen, nämlich in der Schweiz. Und da wir allein nicht "siegen"
können, sondern in dieser Situation zwangsläufig die "erste Runde"
verlieren müssen, bleibt nur der zäh geführte Kleinkrieg und zivile
Widerstandskampf als "zweite Runde", bis der grosse Gegenschlag der
freien Welt uns frei kämpft.
In dieser Notlage ist der "totale Widerstand" einer Kapitulation
vorzuziehen.
Wenn wir der Versklavung entgehen wollen, dürfen wir den Kampf nicht
aufgeben, nur weil die Feldarmee zerschlagen ist. Die Vorstellung ist
überlebt, dass der Krieg lediglich eine Angelegenheit der Armee ist,
und dass der Kampf nur durch Sieg oder Niederlage der Armee
entschieden und beendet wird.

Kampf der organisierten Armee bis zum bittern Ende und dann
Kapitulation und Stillhalten genügt heute nicht mehr!

Unsere Chancen, im Kleinkrieg zu bestehen:
Je weltumspannender der Krieg sein wird und über je weitere Gebiete
der Gegner demgemäss seine Mittel verzetteln muss, um so weniger
Truppen vermag er auf die Dauer zur Niederhaltung aller besetzten
Gebiete einzusetzen.
Wohl ist es ihm möglich, eine kleine Armee relativ rasch zu
zerschlagen, doch ist dieser Aufwand gering, gemessen an der Last, ein
Gebiet jahrelang gegen zäh geführten Kleinkrieg niederhalten zu
müssen.

Erfahrungsgemäss setzt erfolgreiche Kleinkriegsbekämpfung eine
mehrfache zahlenmässige Überlegenheit an Infanterie voraus. Ferner hat
nur gute Infanterie auf die Dauer Erfolg. Diese zahlenmässig starke
Infanterie kann auch durch noch so grosszügigen Einsatz modernster
schwerer Mittel (Panzer Flugzeuge) nicht ersetzt werden, denn im
Kleinkrieg vermögen Maschinen den Menschen am wenigsten zu ersetzen.
Wenn wir nur 30000 Mann Kleinkriegstruppen aufzustellen,
beziehungsweise nach der Niederlage im grossen Krieg beizubehalten
vermögen (nicht einmal 10 % der Armee!) ist der Gegner gezwungen,
dauernd mindestens 100000 bis 150000 Mann (gleich 8-12 Divisionen) im
Lande zu belassen, um den Kleinkrieg nur einigermassen niederzuhalten.
Grobe Erfahrungszahlen: Pro Quadratkilometer besetztes Gebiet 2 Mann
Besetzungsmilitär. Für Kleinkriegsbekämpfung (Säuberung): Fünffache
Übermacht an "Menschen" Voraussetzung!
Da nicht nur die Schweiz besetzt sein wird, benötigt der Gegner
anderswo noch viel mehr Okkupationstruppen. Weil er gleichzeitig noch
mit einer Weltmacht im Kampfe liegt, sind unsere Chancen, im
Kleinkrieg bestehen zu können, gar nicht so schlecht, wie es auf den
ersten Blick erscheinen mag.
Eine in der ganzen freien Welt durchorganisierte Partisanenbewegung
vermag auf jeden Fall den Kampf der Armeen durch grosse Kräftebindung
wesentlich zu entlasten. Die Besetzung Europas (ganz sicher aber die
Nutzbarmachung) wird praktisch unmöglich, wenn alle Länder den
Kleinkrieg und zivilen Widerstandskampf entfesseln.

Wenn die schweizerische Armee zusammenbricht, kapituliert und in
Gefangenschaft (lies "Sklaverei") geht, ist es dem Gegner leicht, mit
verhältnismässig wenig eigenen Mitteln und zusammen mit der 5.
Kolonne, die ja auch bei uns existiert, das demoralisierte Land zu
"befrieden" und unser Wirtschaftspotential für seine Kriegsziele zu
organisieren und auszunützen.
Durch Stillhalten und falsches Sich-Ergeben in das unvermeidliche
Schicksal werden nur die Erfolgsaussichten (Endsieg) des Gegners im
weltumspannenden Kampf gehoben. Die eigenen Leiden werden somit
verlängert und gesteigert und nicht etwa verkleinert oder verkürzt,
wie fälschlicherweise angenommen wird.
Dem Zusammenbruch des organisierten Widerstandes der Armee darf keine
offizielle Kapitulation folgen. Wir müssen somit auf beide Arten von
Krieg vorbereitet sein. Gerade weil wir schwach sind und den "grossen
Krieg" - ob es uns passt oder nicht - bei einem die Entscheidung
suchenden Angriff über kurz oder lang verlieren werden. Diese
verlorene "erste Runde" besiegelt aber unser Schicksal noch lange
nicht. Denn nun folgt der hartnäckige und bis zur Endniederlage des
Gegners im grossen Weltgeschehen dauernde militärische Kleinkrieg und
zivile Widerstandskampf. Es wäre falsch, auf den Kleinkrieg, diese im
grossen Rahmen gesehen so starke Kräfte bindende Waffe aus Scheu,
falschem Ehrbegriff oder überholten Vorstellungen zu verzichten.
Bildet er doch eine der schärfsten und abschreckendsten Waffen des
Kleinstaates. Der Gegner wird unsere Hemmungen zwar freudig begrüssen,
aber kaum durch sein Verhalten belohnen. Dem Tyrannen ist nichts
lieber, als freiwillige Entwaffnung des Opfers. Und darauf würde eine
offizielle Kapitulation und der Verzicht auf Kleinkrieg schliesslich
hinauslaufen.

Pro und kontra Kleinkrieg:
Die Gegner des Kleinkrieges führen immer wieder 3 Hauptargumente an:
1. Dass die Kampfform des Kleinkrieges nicht nur den Gegner, sondern
auch die sogenannte "Innere Ordnung" des eigenen Staates gefährde.
2. Dass der Kleinkrieg zu grausamen Repressalien und damit zu überaus
hohen Verlusten unter der Bevölkerung führe.
3. Dass die "Gesetze und Gebräuche des Landkrieges" missachtet würden.

Dem ersten Argument kann entgegengehalten werden:
- Eine politische Ordnung, wie wir sie bejahen, bleibt beim einzig
möglichen Gegner nicht bestehen.
Moderne Kriege sind "Weltanschauungskriege", in denen es um Sein oder
Nichtsein geht. Ziel ist heute nicht mehr der militärische Sieg,
sondern die Eingliederung in eine ideologische Machtsphäre.
- Wer sich vom Widerstandskampf fernhält, ist in der Nachkriegszeit,
die auch wieder einmal kommt, moralisch erledigt und hat, wenn
vielleicht auch nicht gerade sein Mitspracherecht, so doch bestimmt
seinen politischen Einfluss verloren.
- Wer mit dem Feind oder seinen Mitläufern aktiv oder passiv
zusammenarbeitet, verliert mit diesem zusammen den Krieg und
zusätzlich noch die Ehre.
- Wer aber im Widerstandskampf aktiv mitmacht, kann an politischem und
moralischem Einfluss für die Nachkriegszeit nur gewinnen.

Dem zweiten Argument kann entgegengehalten werden:
- Eine Periode der Besetzung wird bei einem totalitären Gegner auf
jeden Fall mit grossen Opfern an Menschen und Gütern verbunden sein.
Auch ein freiwilliger Verzicht auf den Kleinkrieg würde daran nicht
viel ändern. Wenn wir dem Gegner gestatten, sich ungestört einzunisten
und unser Gebiet für seine Kriegszwecke zu organisieren, geraten wir
höchstens unter den Hammer der Fliegerverbände und Fernwaffen der noch
kämpfenden freien Welt.
- Im Zweifelsfalle ist es aber besser, als Widerstandskämpfer im
Gefecht gegen den Landesfeind umzukommen, denn als für den Feind
arbeitender Sklave in der Fabrik von den Fernwaffen der Freunde
erschlagen zu werden!
- Die Bevölkerung wird den Kampf mit der Besetzungstruppe, die ein
totalitäres Regime vertritt, wenn vielleicht auch nicht gerade sofort,
so doch sicher später aufnehmen. Denn wer mehr will, als gerade bloss
am Leben bleiben, wird früher oder später gegen den ihm zugemuteten
ewigen und brutalen Zwang rebellieren.
Um Weltanschauungen und politische Überzeugungen ist eben immer härter
gekämpft worden, als um ein Stück Brot!
Die Ursprünge der Kampfhandlungen werden fast durchwegs
Affekthandlungen sein.

Dem dritten Argument kann entgegengehalten werden:
- Die rücksichtslose Kampfführung der totalitären Mächte hat zu einer.
Verwilderung und Verrohung der Kriegsbräuche geführt, die wir zwar
tief bedauern, aber nicht ändern können.'

*****
Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg - Konzentrationslager
der Nationalsozialisten. Versuch der Ausrottung ganzer Rassen oder
Bevölkerungsschichten, z. B. Judenverfolgung. Die Tätigkeit der
"Einsatzkommandos" im besetzten Russland usw. Unter
nationalsozialistischer Herrschaft umgekommen (verhungert, starben als
Arbeitssklaven, wurden ermordet, werden vermisst): u. a. 6 Millionen
Juden. 7 Millionen russische Zivilpersonen. 4,2 Millionen polnische
Zivilpersonen.
130000 deutsche Widerstandskämpfer usw.
- Verschleppung zum Arbeitseinsatz.
a) durch die Nationalsozialisten aus dem ganzen besetzten Europa nach
Deutschland.
Beispiel: "Ostarbeiter". Zwangseinsatz von 2 Millionen russischer
Zivilpersonen (davon die Hälfte Frauen).
b) durch die Russen aus den von ihnen vor, während oder nach dem
Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten.
- Unmenschliche Behandlung der Kriegsgefangenen. Von insgesamt 5,7
Millionen russischen Kriegsgefangenen sind 2,6 Millionen in deutscher
Gefangenschaft umgekommen.
- Jahre und jahrzehntelange widerrechtliche Zurückbehaltung der
deutschen Kriegsgefangenen in Russland (Arbeitssklaven).
- Massendeportationen, Zwangsumsiedlungen, z. B. durch die Russen im
Baltikum, in Ostpreussen usw.
- Erklärung der Frau des Besiegten zur "Kriegsbeute" des einzelnen
Soldaten. Russische Armee. Aufruf Ilja Ehrenburgs.
*****

Vor dieser unerfreulichen Entwicklung dürfen wir die Augen nicht
verschliessen und müssen - ob es uns passt oder nicht - die
notwendigen Konsequenzen ziehen! Das sogenannte "Partisanenunwesen"
des Zweiten Weltkrieges war nicht zuletzt die direkte Antwort der
Getretenen auf die rücksichtslose Kampfführung des totalitären
Angreifers.
- Im übrigen ist es im Kleinkrieg möglich, sich an die Gesetze und
Gebräuche des Landkrieges zu halten.

Zusammenfassung:
Es geht für uns in grossen Zügen um folgendes:
1. Den Selbstbehauptungswillen ("Glauben an die eigene Sache")
aufrechtzuerhalten. Somit den der militärischen Auseinandersetzung
vorausgehenden Propaganda- und Zersetzungskrieg zu gewinnen ("Geistige
Landesverteidigung").
2. Der Terrorwirkung des Atombeschusses (evtl. nur der Drohung damit)
zu widerstehen ("Zivilschutz").
3. Den mit maximaler Kräftezusammenballung geführten
"Durchmarschkrieg" zu bremsen oder aber die "Ausradierungsaktion
Schweiz" (Verschwindenlassen der demokratischen Eiterbeule inmitten
eines besetzten Europas) möglichst lange hinauszuzögern.
Diesen Kampf bei ungünstiger Entwicklung der Lage (Niederlage der
Feldarmee) durch Führung eines zähen Kleinkrieges und zivilen
Widerstandes ins Unbegrenzte fortzusetzen.1

Es werden viele Bedenken und Warnungen gegen den Kleinkrieg erhoben.
Viele "Fachleute" führen aus, dass der Partisane und
Widerstandskämpfer im Zeitalter der Technik nicht mehr zum Zuge komme.
Gerade weil wir an schweren Mitteln arm sind, neigen wir dazu, den
Wert der Technik zu überschätzen und in ihr ein Allheilmittel zu
sehen. Aber täuschen wir uns nicht!
Ein nächster Krieg wird ebensosehr im Zeichen der Ideologie, wie der
Technik stehen. Neben den vielen technischen Neuerungen laufen wir
leicht Gefahr, dies zu vergessen. Das ist für uns umso gefährlicher,
als wir das Rennen mit der Kriegstechnik nie werden gewinnen können.
Bestenfalls vermögen wir knapp Schritt zu halten. Umso mehr haben wir
Veranlassung, andere Gebiete nicht ganz zu vernachlässigen.

*****
Kleinkrieg ist die Kampfweise jener, die sich nicht geschlagen
bekennen. Hierdurch wird der Krieg in die Länge gezogen. Denn für den
Widerstandskämpfer endet die Auseinandersetzung nicht mit einer
verlorenen Schlacht, sondern erst mit dem Tode.
*****

Trotz vieler menschlicher Mängel und Schwächen würde der einzelne
Schweizer Bürger im Falle einer Niederlage und Besetzung nicht
tatenlos zusehen, wie der Gegner Zehntausende als Arbeitssklaven
deportieren, Tausende als potentielle Feinde liquidieren und unsere
Jugend zu einem System umerziehen würde, das wir nie gutheissen
könnten.
Für diesen letzten und äussersten Verzweiflungskampf sind wir unsern
Leuten eine Anleitung schuldig, denn mit dem Willen zum Widerstand
allein ist es nicht gemacht. Dieser bildet nur die notwendige
Grundlage. Darüber hinaus muss man noch Taktik und Technik kennen.
Unrichtige Vorstellungen sowie mangelhafte Vorbereitungen führen zu
unnötigen Verlusten. Wir dürfen nicht ahnungslos in eine doch immerhin
mögliche Besetzung hineinschlittern.
Bei einem allfälligen Verteidigungskrieg gegen den einzig möglichen
Gegner müssen auch wir - ob es uns passt oder nicht - "zum letzten
Gefecht" antreten und den Kampf mit einer Erbitterung und
Glaubensstärke auskämpfen, die derjenigen des fanatisierten Feindes um
nichts nachsteht!
Früher konnte sich der einzelne Bürger aus dem Kampf heraushalten und
die Auseinandersetzung ruhig einem relativ kleinen Teil des Volkes,
eben der Armee, überlassen. Das hat sich mit dem Aufkommen der
totalitären Mächte geändert. Vor Faschisten und Nationalsozialisten
konnte und vor Kommunisten kann man nicht kapitulieren!
Die Gewissheit, dass der Kampf erst aufhört, wenn der letzte Schweizer
und die letzte Schweizerin deportiert oder erschossen sind, dürfte bei
der Lagebeurteilung durch einen fremden Generalstab "ob sich der Fall
Schweiz lohnt oder nicht" ebenso sehr ins Gewicht fallen, wie das
Vorhandensein einiger Hundert Panzer und Flugzeuge.2 über den Krieg
und eine mögliche Niederlage hinaus zu planen, gehört mit zu den
gründlichen Verteidigungsvorbereitungen eines Kleinstaates!

Ziele des Kleinkrieges

Operative Ziele:
- Fortsetzung des Widerstandes in jenen Landesteilen, die vom Gegner
besetzt sind, oder Weiterführung des Kampfes nach der Niederlage der
regulären Armee, mit dem Ziel, den Krieg zu verlängern. Für schwache
oder unglücklich kämpfende Nationen kann der Kleinkrieg sogar
wichtiger werden, als der Kampf der organisierten Armee!
- Das ganze besetzte Gebiet soll in ständige Unruhe versetzt werden,
so dass sich niemand mehr allein und ohne Waffen bewegen darf.
- Kleinkriegsverbände sollen Furcht und Verwirrung hinter der
feindlichen Front hervorrufen, den Gegner zu umständlichen,
kräfteverzehrenden Sicherungsmassnahmen zwingen und ihm Verluste sowie
materiellen Schaden zufügen.
Historisches Beispiel:
Gesamtverluste der deutschen Wehrmacht in den Partisanenkämpfen des
Zweiten Weltkrieges: ca. 300000 Mann.
- Fernziel des Kleinkrieges ist der allgemeine offene Aufstand, um den
Gegner wieder aus dem Lande zu vertreiben, wenn die allgemeine
Kriegslage dies gestattet, d. h. wenn die Besetzungsmacht am Rande des
Zusammenbruchs steht.
Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg:
a) Aufstand der französischen FFI gegen die Deutschen, anlässlich der
Invasion 1944;
b) Vertreibung der Deutschen aus Jugoslawien, in Zusammenarbeit mit
der russischen Armee;
c) Aufstand gegen die Deutschen in Oberitalien im April 1945.

Taktisch / Technische Ziele:

- die Verkehrswege (Eisenbahnen, Strassen)
- das Obermittlungsnetz (Telephon, Funk, Radio, Fernsehen)
- das Elektrizitätsnetz
- Industriebetriebe, Depots
- Stäbe, Verwaltungs- und Regierungsstellen

- Die Entstehung der Kleinkriegsverbände - Der Kleinkrieg bedarf eines
festen Kerns guter Truppen, welche den Mitläufern und Helfern Rückhalt
bieten.
Die gegnerische Taktik des blitzschnellen "Oberspringens" der Fronten
durch die Luft oder des "Oberrollens" durch Panzertruppen, die viele
Verbände nur in grossem Rahmen zerschlägt oder ausmanövriert, ohne sie
indessen völlig zu vernichten, verschafft uns diesen Kern.
- In unserem Lande, wo jeder auch nur halbwegs Taugliche in irgend
einer militärischen Formation eingeteilt ist, wird sich die Masse der
Träger des Kleinkrieges immer aus abgesplitterten Teilen der Armee
zusammensetzen', - Versprengte Kompagnie-, Bataillons- oder
Regimentsstäbe sammeln die "verlorenen Haufen", Wo Stäbe fehlen,
übernehmen entschlossene Offiziere oder Unteroffiziere Organisation
und Leitung.
- Die höhere Führung - soweit eine solche überhaupt noch besteht oder
Verbindung hat - muss sich auf die Herausgabe von "Weisungen für die
Kampfführung" beschränken. Diese zu sammeln sowie fehlende
Spezialisten aus der Bevölkerung zu ergänzen, stellt das erste Ziel
dar: Kombattante Truppen, Ortswehren, Betriebswehren, Polizei,
kampfwillige Zivilpersonen.

*****
- Füsilierzug Hofer wird bei der Verteidigung des Stützpunktes
Steinegg zerschlagen und befindet sich nun im Rücken des vorstossenden
Gegners. Der Oberleutnant besammelt die Reste des Zuges abseits der
Strasse auf der bewaldeten Höhe. Im Tal unter sich sieht er feindliche
Kolonnen in südwestlicher Richtung fahren. Er lässt die erschöpften
Leute während des Restes des Tages schlafen und überlegt sich das
weitere Vorgehen.
- Aus dem Taktikunterricht kennt er die Verhaltensregeln für
abgesprengte Truppenteile. Das Reglement "Truppenführung" (TF 69) sagt
sinngemäss etwa folgendes:
- die Chefs abgesprengter Truppenteile handeln selbständig;
- Entscheidend ist, dass weitergekämpft wird.
- Folgendes Verhalten kommt in Frage:
a) Halten eines Geländeteils, dessen Besitz im Interesse des Ganzen
liegt;
b) Anschluss an die eigenen Truppen suchen;
c) Zum Jagdkampf im Rücken des Gegners übergehen.
- Der Zugführer entschliesst sich abseits der grossen Strasse
marschierend den Anschluss an die eigenen Truppen suchen.
- Nachdem er drei Nächte marschiert und am Tag im Wald versteckt
geruht hat, wird ihm klar, dass es unmöglich ist, die eigenen Truppen
wieder zu erreichen. Sein vor Tagen stark dezimierter Zug hat
inzwischen durch die verschiedenartigsten Elemente Verstärkung
erhalten.
- Oblt Hofer macht eine neue Beurteilung der Lage:
Auftrag: Nach TF 69 ist entscheidend, dass nicht kapituliert, sondern
weitergekämpft wird. Der Auftrag lautet also nach wie vor "Kampf!"
Gelände: Das Detachement befindet sich hinter der feindlichen Linie im
besetzten Gebiet. Der momentane Standort (hügliges, bewaldetes
Gelände) wird vom Gegner vorerst kaum betreten werden. Es bietet
vorläufig Schutz und verschafft eine Atempause, die ermöglicht, die
notwendigen organisatorischen und seelischen Umstellungen vorzunehmen.

Mittel:

a) Rest des Zuges. Kampfkraft 1 Füsiliergruppe und 1 reduzierte Mg-
Gruppe.
1 Leichtverwundeter. Moral: intakt;
b) Unterwegs aufgenommene versprengte Militärpersonen. Stärke etwa 2
Gruppen, darunter Elemente, die für eine eventuelle Kleinkriegsführung
besonders wertvoll sind (Sprengausbildung). Moral: unbekannt
(Unsicherheitsfaktor);
c) Unterwegs aufgenommene Zivilpersonen. Verschiedenste Elemente
bezüglich Alter, Herkunft, militärischen Vorkenntnissen und
Bewaffnung. Moral:
Patrioten. Freiwillige. Zum Teil Leute, die aus politischen Gründen
mit dem Rücken zur Wand stehen und vom Gegner nichts zu erwarten haben
als die Kugel oder den Strick! Sie haben keine Wahl und werden bis ans
Ende durchhalten;
d) Versorgung: Munition, Sanitätsmaterial knapp. Verpflegung noch für
11 Tage.

Feind: Im weiteren Vormarsch begriffen. Kampftruppen von hohem
Kampfwert. Verhalten gegen die Zivilbevölkerung, soweit bekannt,
korrekt. Dürften in absehbarer Zeit durch Sicherungsverbände von
geringerem Wert sowie Parteimilitär und Polizei abgelöst werden. Zu
diesem Zeitpunkt wird auch der Terror gegen die Zivilbevölkerung
einsetzen.

Eigene Möglichkeiten: Grundsätzlich besteht die Wahl zwischen
Gefangenschaft und Übergang zum Kleinkrieg.
- Wenn wir schon leiden und sterben müssen, dann lieber in der Heimat
als in der Fremde.
- Solange wir ein Gewehr in der Hand tragen, schlägt uns kein fremder
"Antreiber".
- Solange noch einer von uns bewaffnet durch die Wälder streift, ist
die Freiheit nicht untergegangen.
Oblt. Hofer beschliesst daher, zum Kleinkrieg überzugehen. Dieser
Entschluss fällt ihm nicht leicht. Er weiss, dass Kleinkriegsverbände
wegen der nicht geregelten Unterkunfts-, Versorgungs- und
Sanitätsdienstfrage unverhältnismässig mehr leiden als reguläre
Truppen. Er ist sich bewusst, dass die erste längere
Schlechtwetterperiode, sicher aber der kommende Winter das Detachement
grausam dezimieren wird. Er fragt sich ehrlich: Sind wir den zu
erwartenden körperlichen und seelischen Strapazen, die weit über
diejenigen des jetzigen Feldzuges hinausgehen werden überhaupt
gewachsen?
- Der Zugführer kann in dieser Situation nicht einfach nur befehlen,
sondern muss mit seinen Männern sprechen. Hierbei wird seine
Überzeugungskraft ebensosehr ins Gewicht fallen, wie die reine
Befehlsgewalt, die er selbstverständlich nach wie vor hat.
- Von jetzt an hat Oblt Hofer folgende Probleme völlig selbständig zu
lösen:
- Verpflegung - Unterkunft - Bewaffnung - Munitionsversorgung -
Sanitätsdienst - Reparaturdienst - Hilfeleistung durch die
Zivilbevölkerung
- Organisation des Detachements - Taktik und Technik des Kleinkrieges
- Fragen des Kriegsrechts
- Die Lösung reiner "Überlebensprobleme" (Verpflegung, Unterkunft,
Gesunderhaltung) werden sein Denken und Handeln unverhältnismässig
stark belasten.
- Um den Forderungen des Kriegsrechts Genüge zu tun, muss das aus
Militär und Zivilpersonen gemischte Detachement:
1. Einen verantwortlichen Führer aufweisen.
2. Ein aus der Ferne erkennbares Abzeichen tragen.
3. Die Waffen offen tragen.
4. Sich an die Gesetze und Gebräuche des Krieges halten.
- Punkt 1 ist erfüllt. Oblt Hofer ist verantwortlicher Chef. Wenn er
ausfällt, folgt der Nächsthöchste.
- Punkt 2:
a) gilt nur für die nicht uniformierten Zivilpersonen;
b) der Begriff "... aus der Ferne erkennbar" bedeutet
Infanteriekampfdistanz, das heisst von 100 m an abwärts;
c) als Kennzeichen kommt die Eidgenössische Armbinde in Frage, wie sie
im Aktivdienst 1939-45 von unsern Ortswehren getragen wurde. Diese
besteht aus einem roten Stoffband mit einem weissen Schweizerkreuz.
Breite zirka 12 cm. Am linken Rockärmel getragen. Sie lässt sich
leicht aus weissem und rotem Tuch zurechtschneidern.
- Punkt 3 ist klar und bedarf keiner weitern Erläuterungen.
- Punkt 4: siehe "Illustriertes Handbuch über die Gesetze und
Gebräuche des Krieges" (Schweizer Armee 1969), welches alle
eingeteilten Wehrmänner besitzen.
*****

Die Rollenverteilung zwischen Kleinkriegsverbänden und ziviler
Widerstandsbewegung

Man unterscheidet zwischen:
a) mobilen Kleinkriegsverbänden, die zur Armee gehören oder sich aus
Resten davon zusammensetzen;
b) lokalen, ortsgebundenen Elementen der zivilen Widerstandsbewegung.
- Die Kampfidee geht dahin, im ganzen besetzten Gebiet durch die
ortsgebundene zivile Widerstandsbewegung den Widerstandskampf zu
führen (passiver Widerstand, Sabotage, Gegenpropaganda usw.) und
gleichzeitig durch mobile Kleinkriegsverbände gewisse "befreite
Gebiete" zu schaffen.
- Die befreiten Gebiete haben keine festen Grössen. Sie können einige
Dutzend Quadratkilometer, aber auch einen ganzen Kanton oder
Landesteil umfassen.
- Die befreiten Gebiete können in der Regel nur einige Wochen oder
Monate gehalten werden, bis der Gegner sich zu Säuberungsaktionen
aufrafft, vor denen ausgewichen wird.
- Durch laufende kleine Aktionen (<<Nadelstichtaktik" ) der
ortsgebundenen Kräfte der zivilen Widerstandsbewegung erreicht man
eine Verzettelung der gegnerischen Kräfte. Behält man die Initiative
und schützt den Aufbau der "Mobilen Kräfte" (Kleinkriegsverbände).

Die Grössenordnung der Kleinkriegsverbände

Allgemeines:
- Eine Hauptschwierigkeit liegt darin, ein wohlabgewogenes für die
Kleinkriegsverbände zu finden.

Situation bei der Aufstellung nur schwacher Kleinkriegsverbände:
- Schwache Kleinkriegsverbände in Gruppen- bis Zugsstärke erlauben dem
Gegner, seinerseits nur schwache Besetzungsdetachemente einzusetzen
und eine starke zentrale Eingreifreserve auszuscheiden.
- Schwache Besetzungsdetachemente erlauben, viele einzelne
Postierungen vorzunehmen. Viele Postierungen ergeben ein dichtes
Beobachtungs- und Überwachungsnetz.
Spione, Agenten und Verräter finden überall im Zwischengelände
Rückhalt und Hilfe.
- Ein dichtes Überwachungsnetz erschwert die Tätigkeit der
Kleinkriegsverbände in hohem Masse.

Stärkeverhältnis

Situation bei der Aufstellung kampfstarker Kleinkriegsverbände:
- Starke Kleinkriegsverbände mit schweren Waffen zwingen den Gegner,
seinerseits kampfstarke Garnisonen zu bilden. Er muss sich auf das
Besetzen der wichtigsten Punkte und Verbindungswege beschränken und
vermag keine nennenswerte zentrale Eingreifreserve auszuscheiden.
- Alle kleinen Postierungen im Zwischengelände müssen aufgehoben
werden, da sie sonst ein sicheres Opfer der starken
Kleinkriegsverbände werden.
Dadurch finden Spione und Agenten des Gegners, sowie Verräter im
Zwischengelände keinen Rückhalt und können von uns leicht
ausgeschaltet werden.
- Wenige Postierungen ergeben ein dünnes Beobachtungs- und
Überwachungsnetz. Die Bewegungsfreiheit der Kleinkriegsverbände wird
dadurch gross.
- Kleinkriegsverbände von Regimentsstärke und mehr sind zu
schwerfällig.
Sie erliegen leicht der Versuchung, den Kampf nach den Regeln des
regulären grossen Krieges offen zu führen. Weiter sind sie nur schwer
zu versorgen.
- Am geeignetsten sind Verbände von Bataillonsstärke, mit etwas
schweren Waffen (Minenwerfer, rückstossfreie Geschütze).
Sie sind stark genug, um auch grössere feindliche Postierungen
(Kompagniestützpunkte) mit Erfolg angreifen zu können. Anderseits aber
doch wieder so schwach, dass sie nicht der Versuchung erliegen, die
Grundsätze der Kleinkriegstaktik zu vergessen.
- In der schlechten Jahreszeit, wo nicht biwakiert werden kann, sind
die Verbände durch Entlassung von Leuten zu verkleinern (Spätherbst
bis Frühjahr). Im Sommer werden die Entlassenen wieder beigezogen.
Das gleiche gilt sinngemäss für Operationen in Gegenden, wo die
Versorgung erschwert ist.

Zusammenfassung:

- Wenn es gelingt, Kleinkriegsverbände von ca. Bataillonsstärke mit
schweren Waffen zu bilden, vermag der Gegner den Grossteil des Landes
nicht wirklich zu besetzen, sondern muss sich auf die Beherrschung der
wichtigsten Verkehrswege beschränken.

Entstehung und Ausweitung des Kleinkrieges

Die operative Sicherung der Kleinkriegsverbände Die zivile
Widerstandsbewegung übernimmt die operative Sicherung der
Kleinkriegsverbände durch Spionage und Überwachung.

Spionage:
- Abhorchen von Funk und Telephon.
- Systematisches Aushorchen der Mitglieder der Besetzungsmacht.
- Aufschnappen unvorsichtig fallengelassener Äusserungen.
- Bestechung und Erpressung von Funktionären der Besetzungsmacht.

Überwachung:
- Nie abreissende Beobachtung der Strassen, Eisenbahnlinien und
Flugplätze, um Truppentransporte frühzeitig feststellen zu können.
- Die Übermittlung der Aufklärungsergebnisse erfolgt durch Kuriere,
Brieftauben oder Funk.

Aufbau und Führung des militärischen Kleinkrieges

Organisation

Allgemeines
Die Organisationsarbeiten umfassen:
- Bildung der Kampfverbände - Ausbildung / Umschulung - Beschaffung
von Waffen, Munition und Verpflegung - Beschaffung von
Ausrüstungsgegenständen (Rucksäcke, Zelte, Winterartikel usw.) -
Nachrichtenbeschaffung über die Haltung der Zivilbevölkerung

Organisation eines Kleinkriegsverbandes Allgemeines:
- Man unterscheidet:
a) Kleinkriegsabteilungen b) Kleinkriegsdetachemente - Bei den
Kleinkriegsdetachementen unterscheidet man in "leichte" und "schwere"
Detachemente.
- Die Kleinkriegsabteilung weist Bataillonsstärke auf
(Mannschaftsbestand nicht über 400 Mann).
- Das Kleinkriegsdetachement weist Kompagniestärke auf
(Mannschaftsbestand nicht über 100 Mann).
- Die Kleinkriegsabteilung setzt sich zusammen aus:
Abteilungsstab 2-3 leichte Detachemente 0-1 schweres Detachement

Abteilungsstab (15-20 Mann):

- Der Abteilungsstab gliedert sich in:
Führungsorgan Aufklärungsorgan Obermittlungsgruppe Spezialistengruppe
- Führungsorgan: Abteilungskommandant, Adjutant, Nachrichtenoffizier.
- Aufklärungsorgan: 2-3 Mann. Nur Rahmenpersonal. Die ausführenden
Organe sind zivile Kundschafter.
- Obermittlungsgruppe: 4-6 Mann. Funker. Kuriere.
Erstellt folgende Verbindungen:
a) zur zivilen Widerstandsbewegung b) zu benachbarten
Kleinkriegsabteilungen c) zur schweizerischen Armeeleitung im
Alpenreduit d) zur schweizerischen Regierung im Alpenreduit oder im
Exil (Ausland) e) zum befreundeten Ausland - Spezialistengruppe: 6
Mann.
(1) Eisenbahnfachmann
(2) Elektrizitätsfachmann
(3) PTT-Fachmann (4) Ingenieur- oder Genieoffizier (5) Verbindungsmann
(Politiker, Pfarrer usw.) (6) Propagandafachmann (z. B. Redaktor usw.)
Nr. 1-3 erteilen Anleitungen für "Spezielle Sabotage" Nr.4 erteilt
Anleitung für "Allgemeine Sabotage" Nr.5 obliegt die Verbindung
"Kleinkriegsabteilung - Zivilbevölkerung" Nr.6 organisiert in
Zusammenarbeit mit der zivilen Widerstandsbewegung die Gegenpropaganda

Leichtes Detachement (70-80 Mann):

- setzt sich zusammen aus:
Kommandotrupp Sanitätstrupp 1-2 Kampfzügen 1 Zerstörungszug -
Kommandotrupp: Detachementskommandant, Kommandant-Stellvertreter,
Feldweibel, Fourier.
- Sanitätstrupp: 2-3 Männer oder Frauen mit Tragbahren und
Sanitätsmaterial.
- Kampfzug: 20-25 Mann. Bewaffnung: Karabiner, Maschinenpistolen,
Sturmgewehre, leichte Maschinengewehre, Gewehrgranaten, Handgranaten.
- Zerstörungszug: 15-20 Mann. Bewaffnung: Karabiner,
Maschinenpistolen, Sturmgewehre. Ausrüstung: Sprengmittel,
Brandmittel, Demoliermaterial usw.

Schweres Detachement (80-100 Mann):

- setzt sich zusammen aus:
Kommandotrupp Sanitätstrupp 1 Panzerabwehrzug 1-2 Maschinengewehr-Züge
1-2 Minenwerfer-Züge 1 Tragtierzug - Das schwere Detachement ist nur
Ausbildungs- und Verpflegungseinheit. Die Feuerelemente werden
gruppen- oder zugsweise den "leichten Detachementen.> für besondere
Aktionen zugeteilt. Geschlossener Einsatz des schweren Detachements
nur in Ausnahmefällen.
- Verwendet werden nur solche schwere Waffen, die zerlegt abseits von
Strassen und Wegen im Gelände nachgetragen werden können.
- Kommandotrupp: Detachementskommandant, Kommandant-Stellvertreter,
Feldweibel, Fourier.
- Sanitätstrupp: 2-3 Männer oder Frauen mit Tragbahren und
Sanitätsmaterial.
1 Arzt.
- Panzerabwehrzug: 15-20 Mann. Raketenrohre, rückstossfreie Geschütze,
Panzerabwehrlenkwaffen.
Nur in Ausnahmefällen klassische Panzerabwehrkanonen.
- Maschinengewehr-Zug: 20-30 Mann, 4-6 Mg.
- Minenwerfer-Zug: 10-15 Mann, 2-3 Mw.
- Tragtierzug: 10-12 Mann, 10-12 Tragtiere (Pferde, Maultiere).
Die Tragtiere werden verwendet:
a) für den Transport der Maschinengewehre, Minenwerfer und
rückstossfreien Geschütze;
b) in den Beutesammeltrupps (siehe Seite 65);
c) für Transporte innerhalb der Abteilung (Verwundete, Verpflegung,
Munition usw.).

Einteilung der Mannschaft:
- Die vorhandene Mannschaft wird ihren Vorkenntnissen entsprechend
eingeteilt oder so gut als möglich umgeschult.
- Fehlbestände werden durch geeignete Elemente aus der
Zivilbevölkerung ergänzt. Ebenso werden spätere Verluste ausgeglichen.
Vergiss nicht: Jede Zivilperson, die einem Kleinkriegsverband
beitritt, ist dadurch für immer feindlichen Terrormassnahmen entzogen
(Deportation, Sippenhaft, Geiselerschiessung usw.).
- Füsiliere und Panzergrenadiere werden in die Kampfzüge der leichten
Detachemente eingeteilt.
- Grenadiere, Sappeure, Mineure und Sprengspezialisten der
Luftschutztruppen werden in die Zerstörungszüge der leichten
Detachemente eingeteilt.
- Mitrailleure, Minenwerferkanoniere und Panzerabwehrmannschaften
(Raketenrohrschützen, Lenkwaffenschützen, Pak-Bedienungen) werden in
die schweren Detachemente eingeteilt.
- Folgende Leute werden zu "Füsilieren" umgeschult und in die
Kampfzüge der leichten Detachemente eingeteilt:
Motorfahrer, Kavalleristen, Panzersoldaten, Artilleristen.
Piloten, Fliegerbodenpersonal, Flabsoldaten.
Luftschutzsoldaten, Pontoniere.
Angehörige der Versorgungstruppen und der Feldpost.
Angehörige von Polizei, Ortswehr, Betriebswehr, Hilfsdienst.
Freiwillige Zivilpersonen:
a) noch nicht dienstpflichtige Personen, wie Vorunterrichtler,
Kadetten, Pfadfinder, Jungschützen usw.;
b) aus Alters- oder Gesundheitsgründen aus der Wehrpflicht entlassene
Personen;
c) vom Kampfgeschehen überrollte kriegsdispensierte Personen (z. B.
Eisenbahner, Postbeamte, Angestellte der Militärbetriebe usw.).
- Sanitätssoldaten und Angehörige des Frauenhilfsdienstes werden in
die Sanitätstrupps der Detachemente eingeteilt.
- Feldprediger und zivile Pfarrer sind entweder den Abteilungsstäben
"<Spezialistengruppe") oder den Sanitätstrupps der Detachemente
zuzuteilen. Sie eignen sich sehr gut als Verbindungsleute zur
Bevölkerung sowie zum Kontakthalten mit eigenen Verwundeten und
Kranken, die bei der Bevölkerung in Versteck und Pflege gegeben
werden.
- An Stelle fehlender Funker werden Amateur-Radiobastler rekrutiert.
- Waffenmechaniker, notfalls zivile Mechaniker, werden als
Lehrpersonal für Beutewaffen beigezogen. Dank ihrer natürlichen
technischen Begabung verstehen sie rasch die Bedienung der fremden
Waffen und können die übrigen Leute in deren Handhabung unterrichten.

Ausbildung - Verhalte dich vorerst ruhig und vermeide Kampfhandlungen.
Du darfst den Gegner nicht zu Gegenmassnahmen reizen, welche dich im
schwächsten Moment (Organisations- und Ausbildungsphase) treffen
würden.

- Auch bei erfahrenen Soldaten wird man um eine - wenn auch kurze -
Ausbildungsperiode nicht herumkommen. Diese dient dazu:
a) den Führern das Kennenlernen ihrer neuen Mannschaft zu ermöglichen;
b) die Leute aneinander zu gewöhnen;
c) die Leute mit den Grundsätzen (Taktik und Technik) des Kleinkrieges
vertraut zu machen;
d) die Leute in der Handhabung der Spreng- und Brandmittel zu
unterrichten;
e) die Leute an den fremden Waffen auszubilden;
f) die Leute im "Kriegsrecht" zu unterrichten.
- Je nach Umständen wird sich diese Ausbildung über längere oder
kürzere Zeit erstrecken und Tage, Wochen oder gar 1-2 Monate betragen.
- Es ist klar, dass bei längerer Organisations- und Ausbildungsphase
die Erfolgsaussichten steigen und damit im spätern Kampfeinsatz die
Verluste geringer und das Selbstvertrauen grösser sein werden.

Nachrichtenbeschaffung über die Haltung der Zivilbevölkerung - Es geht
darum, herauszufinden:
a) wer generell zuverlässig ist;
b) wer von den Zuverlässigen bereit ist, aktiv zu helfen. Zum Beispiel
Verpflegungs- und Nachrichtenbeschaffung, Verbergen und Pflegen von
Verwundeten und Kranken, Minenlegen usw.;
c) wer mit dem Gegner sympathisiert oder in irgend einer Form
zusammenarbeitet (Mitläufer, Nutzniesser, Denunziant usw.).

Führung

- Die Auswahl der Führer kann nicht sorgfältig genug vorgenommen
werden. Allgemeine Achtung und Anerkennung durch seine Leute ist
Voraussetzung, da ihm, einmal hinter der gegnerischen Front, keine
Heerespolizei und kein Militärgericht mehr helfen, Disziplin und
Kampfgeist aufrechtzuerhalten. Der militärische Grad spielt nur noch
eine untergeordnete Rolle.
- Der Typ des "Blenders" ist ungeeignet. Dieser vermag sich in der
regulären Truppe wenigstens einige Zeit dank dem stützenden Korsett
des ganzen militärischen Apparats zu halten. Im Kleinkrieg jedoch nie.
- Nur ausgesprochene Truppenführer, die mit Menschen umzugehen
verstehen, vermögen sich zu behaupten.
- Der Führer muss zudem einige technische Kenntnisse besitzen, da es
sich im Kleinkrieg weniger darum handeln wird, grosse
Führerentschlüsse zu fassen, als vielmehr einige möglichst einfache
Aktionen mit stark technischem Einschlag sauber durchzuführen.
- Jeder Führer hat im Kleinkrieg unvergleichlich mehr Selbständigkeit
und Freiheit des Handeins, als er es für die gleiche Kommandostufe im
regulären Krieg haben würde. Der Kleinkrieg wird viele Führer niederer
Grade in Situationen bringen, in denen sie auf allen Gebieten völlig
selbständig handeln müssen.

Ausrüstung - Ein Teil deiner Leute besteht aus Ortswehren, Polizei und
freiwilligen Zivilpersonen. Diesen fehlen viele Artikel der
persönlichen Ausrüstung und Bekleidung.
- Verschaffe diesen Leuten eine Art felddiensttaugliche Uniform
(Oberkleider, Combinaisons usw.).

Wer in Zivilkleidung kämpft, muss eine Eidgenössische Armbinde tragen
(Modell analog unserer Ortswehr zu Beginn des Zweiten Weltkrieges).
- Zelte sind wichtig, da häufig biwakiert werden muss. Fehlendes
Zeltmaterial wird bei zivilen Zeltsportlern sowie in Fachgeschäften
requiriert.
- Rucksack, Essbesteck, Essgeschirr, Feldflasche, Taschenlampe usw.
werden feindlichen Gefallenen abgenommen oder bei der Bevölkerung
eingesammelt.
- die Wintervorbereitungen müssen frühzeitig getroffen werden.
Beschaffe Wolldecken, Mäntel, Skiblusen, warme Unterkleider und gutes
Schuhwerk.
Ferner werden aus weissen Tüchern behelfsmässige Schneetarnüberwürfe
hergestellt.
- Pro Kleinkriegsdetachement werden 2 Radioapparate beschafft.
a) ein gewöhnlicher Hausapparat für den Anschluss an das
Elektrizitätsnetz;
b) ein Reiseapparat mit Batteriespeisung, für den Empfang In einsamen
Gegenden, wo keine Anschlüsse vorhanden sind.
Mit Hilfe der zivilen Widerstandsbewegung wird der Batterienachschub
organisiert.
- Setze als Bedienungsmannschaft der Radios "Amateur-Radiobastler..
ein, die mit ihren Kenntnissen Störungen und Defekte mit primitivsten
Mitteln zu beheben vermögen.
- Die Armeeleitung im Alpenreduit oder die Exilregierung im Ausland
können so über jede Distanz und durch jeden eisernen Vorhang hindurch
Geist und Tätigkeit der Kleinkriegsverbände stärken und lenken. Der
moralische Wert solcher Radiosendungen für die vereinsamten
Freiheitskämpfer Ist unschätzbar.
- Die Besetzungsmacht wird früher oder später alle Radioapparate
beschlagnahmen, um das Abhören fremder Sender zu verunmöglichen. Die
zivile Widerstandsbewegung muss daher frühzeitig Apparate, Ersatzteile
und Batterien verstecken.

Bewaffnung

Allgemeines:
- Die Beschaffung der Waffen ist weniger schwierig als die Versorgung
mit Munition. .
- Die Kollektivwaffen (Lmg., Mg., Rak.Rohre, Mw., rückstossfreie
Geschütze usw.) stammen von den abgesplitterten Teilen der Armee, die
den Kern der Kleinkriegsverbände bilden.
- Hilfsdienstpflichtige, Ortswehren und Polizei werden ihre Waffen in
der Regel mitbringen (Karabiner, Pistolen, Maschinenpistolen).
- Es handelt sich vor allem darum, die freiwilligen Zivilpersonen zu
bewaffnen.

Möglichkeiten der Waffenbeschaffung:
- Einsammeln in zivilen Haushaltungen. Jede Schweizer Familie besitzt
noch eine ältere, aber durchaus brauchbare Armeewaffe (Gewehr 11,
Karabiner 11 oder 31)1.
- Einsammeln ziviler Privatwaffen bei Jägern und Schützen
(Jagdgewehre, Stutzen, Revolver, Pistolen usw.)I.
- Requirieren in zivilen Waffenhandlungen, Büchsenmachereien und auf
Polizeiposten.

1 Die Besetzungsmacht zieht alle Waffen ein. Auf Illegalem
Waffenbesitz steht die Todesstrafe. Die privaten Waffenbesitzer werden
ihre Waffen daher gerne den Kleinkriegsverbänden abgeben.

- Einsammeln von Waffen auf schlecht aufgeräumten Schlachtfeldern.
Ausbau noch brauchbarer Waffen aus zerstörten Befestigungen, Panzern2
und Flugzeugen3.
- Dem einzelnen getöteten Gegner abgenommene Waffen.

Munitions- und Sprengmittelversorgung Allgemeines:
- Der chronische Munitionsmangel beeinflusst die Taktik der
Kleinkriegsverbände in hohem Masse.

Grundsätzliche Versorgungsmöglichkeiten:
- Munitionsausrüstung der abgesprengten Armeeteile.
- Munitionsversorgung aus den von der Armeeleitung versteckt
angelegten Depots.
- Angriffe auf feindliche Munitionstransporte und Depots.
- Dem einzelnen getöteten Gegner abgenommene Munition.

Eventuelle Versorgungsmöglichkeiten:
- Sporadische Luftversorgung aus dem Alpenreduit, solange dieses noch
besteht.
- Systematische Luftversorgung durch die noch kämpfende freie Welt.

Weitere Versorgungsmöglichkeiten:
- Einsammeln von Munition auf schlecht aufgeräumten Schlachtfeldern.
- Einsammeln in zivilen Haushaltungen. In jeder Schweizer Familie ist
Gewehroder Pistolenmunition vorhanden.
- Einsammeln kleinster Privatbestände bei Jägern und Sportschützen.
- Behändigung der Bestände ziviler Schützenvereine (Munitionsmagazin
im Schützenhaus).
- Requirieren in zivilen Waffen- und Munitionshandlungen,
Büchsenmachereien usw.
- Requirieren auf Polizeiposten.
- Einsammeln von Spreng- und Zündmitteln bei Bauern und Waldarbeitern
sowie in zivilen Baufirmen und Steinbrüchen.
- Ausbau von Minen in schlecht oder gar nicht geräumten Minenfeldern.

Reparaturdienst

- Der Reparaturdienst spielt eine wichtige Rolle, da die
Kleinkriegsverbände gezwungen sind, den "Krieg des armen Mannes" zu
führen.
- Das Fachpersonal besteht aus:
a) Truppenhandwerkern (Waffenmech., Gerätemech., Sattler, Schneider,
Schuhmacher usw.);
b) zum Kleinkriegsverband eingezogene zivile Handwerker.
- Kleinere Reparaturen werden feldmässig ausgeführt. Grössere
Reparaturen werden heimlich in zivilen Schlossereien, Schmieden oder
mechanischen Werkstätten vorgenommen. Die Waffenmechaniker können dort
in Zivilkleidung getarnt während einigen Stunden oder Tagen arbeiten
und die Maschinen benützen.

Sanitätsdienst

Allgemeines:
- Es wird keine eigentliche Sanitätsorganisation aufgebaut. Der
Betrieb von Feldspitälern wäre ja auch ganz unmöglich, da sich die
Verbände in ständiger Bewegung befinden.
- Das Detachement verfügt lediglich über einen Sanitätstrupp.
- Sanitätsunteroffiziere werden gleichmässig auf die einzelnen
Detachemente verteilt.
- Steht ein Arzt zur Verfügung, so wird er im Sanitätstrupp des
schweren Detachements eingeteilt.
- Fehlendes Sanitätspersonal wird aus der Zivilbevölkerung rekrutiert
(Krankenschwestern, Krankenpfleger, Samariter usw.).
- Die Sanitätstrupps leisten nur erste Hilfe und machen die
Verwundeten transportfähig. Anschliessend werden diese bei
zuverlässigen Elementen der Bevölkerung in Versteck und Pflege
gegeben.

Beschaffung von Sanitätsmaterial:
- Sanitätsmaterial, das die abgesprengten Armeeteile mit sich führen.
- dem Gegner abgenommenes Sanitätsmaterial.
- Zusammenbetteln kleinster Quantitäten in privaten Haushaltungen.
- Requirierung bei Zivilspitälern, Hilfsposten grosser
Industriebetriebe, Apotheken, Zivilärzten usw.
- Heimliche und getarnte Lieferungen der Verband material- und
Heilmittelindustrie via zivile Widerstandsbewegung.

Verpflegungsdienst

- Der "grosse Krieg" ernährt sich aus Fabriken, Magazinen und Depots.
Im Kleinkrieg aber ernährt der Krieg den Krieg!
- Kleinkriegsverbände leben aus dem Land sowie von Verpflegungsgütern,
die sie dem Gegner abgenommen haben.
- Die schwer zu lösende Verpflegungsfrage beeinflusst die Taktik der
Kleinkriegsverbände in hohem Masse. Deshalb "leben" die Detachemente
einzeln und werden die Abteilungen nur vorübergehend für grössere
Kampfaktionen zusammengefasst. Es ist naturgemäss leichter, verstreute
Detachemente von 70-100 Mann aus dem Lande zu verpflegen als
geschlossene Abteilungen von 400 Mann.
- Die Verpflegung wird bei Bauern, Mühlen, Lebensmittelgeschäften und
Depots requiriert. Hierbei sind Konflikte mit der Bevölkerung zu
vermeiden, z. B.: Bezahlung. Weitgehende Schonung der Privatpersonen.
Überfall vor allem auf die von der Besetzungsmacht betriebenen
staatlichen Lebensmitteläden und Depots.
- Jagd und Fischfang können in bescheidenem Masse helfen, Lücken zu
füllen.
- Hochwertige und haltbare Lebensmittel werden für die harte Zeit des
Winters reserviert und in versteckten Depots eingelagert
(Büchsenmilch, Schokolade, Ovomaltine, Knäckebrot, stark öl- und
fetthaltige Konserven, Rauchfleisch, Speck und Dauerwurstwaren).

Die Hilfeleistung der Zivilbevölkerung

Allgemeines:
- Die Bevölkerung ist dein grösster Freund. Ohne ihre Sympathie und
tätige Mithilfe kannst du dich auf die Dauer nicht halten. Du darfst
sie deshalb nicht unnütz durch brutales Auftreten oder disziplinloses
Verhalten gegen dich aufbringen. Es darf nicht soweit kommen - und
diese Gefahr besteht an sich - dass die Kleinkriegsverbände für die
eigene Bevölkerung zum grössern Übel werden als die Besetzungsmacht.
- Wo du etwas requirieren musst, fordere nicht mit der
Maschinenpistole, sondern unter Berufung auf das gemeinsame Ziel und
mit Appell an die Vaterlandsliebe.
- Vergiss nicht, dass die Gesetze des "grossen Krieges" kaum mehr
Gültigkeit haben und dir jeder Greis, jede Frau und jedes Kind
unverhältnismässig stark schaden können, wenn sie wollen. Du bist
praktisch auf Gedeih und Verderb vom guten Willen der Bevölkerung
abhängig. Vom standhaften Geist des "... ich weiss nicht. Ich habe
nichts gesehen und nichts gehört", und dies auch unter dem
persönlichen Risiko von Deportation oder Tod.
- Die Bevölkerung wird anfangs mutlos und eingeschüchtert sein. Das
wird sich aber ändern, und zwar um so sicherer, je länger Krieg und
Besetzung dauern.

Spezielles:
Einmal aufgewacht, kann dir die Bevölkerung auf vielerlei Arten
helfen. Nachstehend einige Möglichkeiten:
- Dauernde und systematische Beobachtung des Gegners.
- Unauffälliges Wachestehen für die Kleinkriegsverbände.
- Verpflegung besorgen.
- Kranke und Verwundete verbergen und pflegen.
- Material und Munition verbergen.
- Wegweiserdienste leisten.
- Spezialisten für die Kleinkriegsverbände stellen.
- Verwundete und Gefallene ersetzen.
- Feststellen, wer mit dem Gegner zusammenarbeitet.
- Selbst wenn die Bevölkerung wider jedes Erwarten deinen Bestrebungen
lau gegenüberstehen sollte, wirst du immer einige Leute finden, die
opferbereit genug sind, um dir als Beobachter, Kundschafter und
Meldeläufer zu dienen. - Auch in den "befreiten Gebieten" dürfen die
Chefs der Kleinkriegsverbände nur getarnt und äusserst vorsichtig mit
den Organen der zivilen Widerstandsbewegung zusammenarbeiten. Sie
dürfen nie vergessen, dass der Kleinkriegsverband bald einmal den
Standort wechseln wird, die Angehörigen der Widerstandsbewegung aber
ortsgebunden sind und auch nach dem Abzug der Partisanen
weiterarbeiten müssen. Ihre Tarnung darf daher nicht aus
Bequemlichkeit aufgedeckt werden.

Der Empfang von Materialabwürfen - Markiere die Abwurfzone mit Licht.
Mittel:
a) starke Taschenlampen;
b) Blechbüchsen. Brandsatz: Einige Handvoll stark mit Benzin, Petrol
oder Öl durchtränkte Erde.
- Halte Löschmittel (Rasenziegel, Sand, Erde) neben den Lichtquellen
bereit, um diese augenblicklich löschen zu können, wenn feindliche
Nachtjäger im Tiefflug die Abwurfzone mit Bomben und Bordwaffen
angreifen.
- Lasse Fallschirme und Packmaterial nicht einfach liegen. Der Gegner
kann wertvolle Schlüsse daraus ziehen. Nimm diese Dinge mit oder
vergrabe (verbrenne) sie.

Der Empfang von Fallschirmagenten - Fallschirmagenten werden in
kleinen Gruppen (2-3 Mann) abgesetzt. Es handelt sich in der Regel um
wertvolle Spezialisten für die Kleinkriegsverbände oder die örtliche
Widerstandsbewegung (Funker, Instruktoren, Kommandanten usw.).
- Das Absetzen von Personen wird immer koordiniert mit
Materialabwürfen (Funkgeräte, Waffen, Munition, Sprengmittel usw.).
- Man unterscheidet "Landestelle" und "Anschlusspunkts".
- Als "Anschlusspunkte" bezeichnet man Orte, wo die Fallschirmspringer
mit zuverlässigen Einwohnern Kontakt aufnehmen können und notfalls
Unterstützung und Hilfe finden. Es werden immer mehrere
Anschlusspunkte bezeichnet.
- Die Landestelle wird nie direkt auf einen Anschlusspunkt gelegt.
- Von der Landestelle aus muss aber der nächste Anschlusspunkt in 1-2
Stunden Fussmarsch erreicht werden können. Das ist besonders wichtig
bei Verwundung oder Verschmutzung/Durchnässung anlässlich der
Fallschirmlandung. Beides erregt leicht Verdacht.

Leben

Aktionsraum / Ruhezone - Man unterscheidet im Kleinkrieg in:
a) Aktionsraum
b) Ruhezone
- in der Ruhezone werden grundsätzlich keine Überfälle und
Sabotageakte durchgeführt, um keine Gegenmassnahmen zu provozieren (z.
B. Säuberungsaktionen) .
- Distanz "Aktionsraum" - "Ruhezone":
a) ca. 10 km, wenn einige Bergzüge oder Hügelketten dazwischen liegen;
b) ca. 15-20 km im offenen Gelände.

Ruhe
Die folgenden Grundsätze gelten nur im "Aktionsraum":
- Bewege dich nur in der Nacht und ruhe am Tag in den Wäldern. Wo du
notgedrungen im freien Gelände lagern musst, wähle hochgelegene
Punkte, die weiten Überblick gestatten.
- Benütze nie zwei Nächte hintereinander den gleichen Lagerplatz.
übernachte nie am gleichen Platz, wo du tagsüber gerastet hast.

Die folgenden Grundsätze gelten im "Aktionsraum" und in der
"Ruhezone":
- Halt- und Lagerplätze werden bei Tag durch Beobachtungsposten
gesichert.
In der Nacht legt man Doppelposten auf den Annäherungslinien in den
Hinterhalt.
- Weit vorgeschobene Sicherungen bedeuten bloss eine Gefahr. In der
Ruhe sichert man sich durch einzelne Posten in der unmittelbaren Nähe
des Biwaks. Hierfür werden auch Zivilpersonen beigezogen, die den
Gegner unauffällig beobachten können.
- Fliegertarnung und Fliegerbeobachtung sind wichtig, um nicht vom
grössten Feind der Kleinkriegsverbände, dem Kampf- und
Transporthelikopter, überrascht zu werden (Feuerüberfall aus der
Luft / Landung von Jagdkommandos).
- Für jeden Tag wird eine Alarmorganisation herausgegeben, damit
jedermann weiss, was bei überfall zu tun ist. Gleichzeitig wird ein
Sammelpunkt für Versprengte bezeichnet.
- Abdetachierten Einzelgängern oder Unterabteilungen werden immer
mehrere Punkte bekanntgegeben, wo sie wieder Anschluss finden oder auf
Meldung stossen, wohin sich das Detachement inzwischen begeben hat.

Biwak

- Entscheidend ist Tarnung gegen Erdbeobachtung und Fliegersicht. Der
Biwakplatz muss im Windschatten liegen. Er soll möglichst bei jeder
Witterung trocken bleiben oder schlimmstenfalls rasch trocknen.
Wiesenböden sind immer feucht und begünstigen die Tau- und
Nebelbildung. Sie sind daher als Biwakplatz nur bedingt geeignet.
Lehmböden sind ihrer Wasserundurchlässigkeit wegen schlecht geeignet.
Moosboden ist nur bei dünner Moosschicht genügend trocken. Dichter
Wald mit viel Unterholz ist stickig, feucht und insektenreich.
Sandböden sind warm und trocken und eignen sich daher am besten.
Leichtes Gefälle ist besser als ganz ebener Boden (Wasserabfluss).
- Als Biwakmaterial dient primär das persönliche Zelttuch. Daneben
leisten auch Improvisationen gute Dienste.
- Der Zugführer bestimmt die Bauplätze für die einzelnen Zelte und
erteilt die Anordnungen bezüglich Tarnung.
Unregelmässigkeit der Biwakanordnung erzielt Tarnwirkung. Wo nicht in
Wäldern biwakiert werden kann, sind die Zelte dem Gelände anzupassen
(auflockern, zerstreuen). Auch tarngefärbte Zelttücher, die der
Beobachtung von Auge entgehen, präsentieren sich auf der
Fliegerphotographie als helle Fläche. Es ist daher immer die dunkle
Seite des Zelttuches nach aussen zu kehren. Kanten und Flächen müssen
durch Auflegen von Zweigen und Ästen gebrochen werden.
- Der Zugführer regelt, wann und wo Kochfeuer angefacht werden dürfen
(Feuerschein, Rauch). Neben den Feuerstellen ist immer Sand oder Erde
zum raschen Löschen bereitzuhalten. Wasser ist ungeeignet (entwickelt
verräterischen Dampf).
- Der Biwakplatz wird von Steinen, grossen Ästen usw. grob gesäubert
und das Tarnmaterial bereitgelegt. Anschliessend werden die Zelte
aufgestellt und sofort getarnt.
- Nur eine peinlich genaue Biwakordnung ermöglicht raschen Abbruch und
Wegmarsch ohne Materialverluste, auch unter erschwerten Bedingungen
(Nacht, Regen, Schnee).
- Pro Zug wird eine Latrine eingerichtet. Diese kommt an einen
schattigen Ort zu liegen, wo Fliegen eher fernbleiben. Die Latrine
besteht aus einem 60 cm tiefen und 30 cm breiten Graben, über den sich
die Benützer rittlings hocken. Die Erde wird auf der einen Seite
wallartig aufgeworfen. Ein Spaten wird bereitgelegt, um den Kot sofort
mit Erde zudecken zu können.
- Pro Zug wird eine Abfallgrube ausgehoben.
- Latrine und Abfallgruben sind wichtige Bestandteile der Lagerhygiene
und helfen mit, Krankheiten fernzuhalten.
- Als Trinkwasser wird in erster Linie Wasser ab Hochdruckleitungen
oder laufendes Quellwasser verwendet. Fluss~ und Seewasser ist nur in
Notfällen zu verwenden und muss vor dem Genuss immer abgekocht werden.
Bei Bächen ist der Oberlauf zu kontrollieren, um eventuelle
Verunreinigungen durch Wohnhäuser, Ställe, Jauchegruben usw.
festzustellen. Wasser aus Sodbrunnen ist verdächtig und muss gekocht
werden. Notfalls kann Wasser behelfsmässig filtriert werden.

Wetterregeln

Anzeichen für Wetterbesserung:
- Abendliche Nebelbildung.
- Einzelne Haufenwolken, die sich in Wtndrichtung bewegen.
- In grosser Höhe befindliche, seltsam geformte Federwolken, einzelne
Haufenwolken mit grosser Geschwindigkeit ziehen.

unter denen

Schönes Wetter:
- Abendrot verheisst gutes Wetter für den nächsten Tag.
- Bei starkem Tau am Abend oder in der ersten Nachthälfte ist für den
kommenden Tag nicht mit Niederschlägen zu rechnen.
- Hochfliegende Schwalben und quakende Frösche lassen auf gutes Wetter
schliessen.
- Frühnebel, der sich bei Sonnenaufgang auflöst, ist ein sicheres
Zeichen für gutes Wetter am gleichen Tag.
- Lösen sich von grossen Wolken kleine weisse Fetzen, so ist mit
klarem Wetter zu rechnen.
- Treten ballenförmige Haufenwolken auf, ist mit gutem, vorwiegend
trockenem Wetter zu rechnen. Bei warmer Witterung besteht
Gewitterneigung.

*****
Einfacher Feldbrunnen (Wasserfassung in brunnenarmer Gegend)
- Trichterförmiges Loch bis auf die Höhe des Grundwasserspiegels
ausheben.
- Fass mit durchbrochenem Boden einsetzen.
- Mindestens 30 cm Kies und Sand als Filtrierschicht ins Fass
einfüllen.

Behelfszelt aus abmontiertem Lastwagendach

1 Tragreifen mit überzogener Wagenblache. Die Tragreifen werden an
eingerammten Holzpfählen festgebunden 2 In den Boden eingegrabener
Wohnraum 3 Wasserabflussrinne
*****

Sicherung eines ruhenden Kleinkriegsdetachements bei Nacht In der
Nacht hat man die Tendenz, markanten, natürlichen Geländelinien, wie
Mulden, Bachgräben und Gratlinien zu folgen. Hier werden die
Doppelposten in den Hinterhalt gelegt.

Anzeichen für unmittelbar bevorstehenden Wetterumschlag:
- Wenn gleichzeitig verschiedene Wolkenarten (Schicht-, Haufen-,
Lämmeroder Federwolken aufziehen).
- Morgenrot verheisst für den Nachmittag Regen.
- Schnell und tief fliegende, zerrissene Wolkenfetzen (Wolkenschleier)
lassen auf baldigen Regen schliessen.

Schlechtes Wetter:
- Tiefdruck wird durch schnell aufziehende Federwolken angezeigt.
- In grosser Höhe ziehende Federwolken sind Vorzeichen für
Schlechtwetter.
- Sich schnell auftürmende Haufenwolken künden Regen - im Sommer
Gewitter - an.
- Westwind oder Südwind lassen auf baldigen Wetterwechsel schliessen.
- Schlägt bei klarem Wetter der oft tagelang aus der gleichen Richtung
wehende Wind um, oder frischt er stark auf, so ist für den kommenden
Tag mit Regen zu rechnen. Das gleiche trifft zu, wenn nach klarem,
windstillem Wetter Wind aufkommt und Federgewölk aufzieht.
- Eine gleichmässige graue Masse von Haufen- oder Schichtwolken lässt
für die nächste Zeit Niederschläge erwarten.
- Erscheinen die Gegenstände in weiter Ferne besonders nahegerückt,
wird es in Kürze regnen.
- Beschlagen sich Felswände oder Kieselsteine mit Feuchtigkeit, so ist
dies ein Zeichen für Regen oder Schnee.
- Ausbleibende Taubildung auf der Bodenbewachsung ist ein Zeichen für
Regen.
- Tieffliegende Schwalben, springende Frösche und Fische lassen auf
Wetterverschlechterung schliessen.
- Fahlgelber Sonnenuntergang weist auf Regen hin. Gelber
Sonnenuntergang bedeutet Wind oder Sturm.
- Ringe um Sonne oder Mond ("Hof") künden oft bis 1/2 Tage vorher
trübes Wetter mit anhaltenden Niederschlägen an.
- Flimmernde Sterne zeigen an, dass klares Wetter von trübem Wetter
mit Regen oder Schneefall abgelöst wird. Je stärker die Sterne
flimmern, um so rascher tritt der Wetterwechsel ein.

Kälte:
- Kälte ist zu erwarten, wenn sich am Abend und in der Nacht bei
Windstille in den Niederungen Bodennebel bilden.
- Wenn sich der Himmel an klaren, windstillen Wintertagen mit
Hochnebel bezieht, steht Kälte bevor.
- Nachlassender Tagesfrost, der gegen Abend wieder ansteigt, lässt
beständiges, kaltes, klares Winterwetter erwarten.
- Gelblich-braune Verfärbung der Morgenröte deutet im Winter auf
anhaltenden Frost, oft auf Frostverschärtung hin.

Ergänzung der Verpflegung in Notlagen In gewissen Lagen muss man von
dem leben, was Feld und Wald bieten. Es handelt sich hierbei immer um
eine Not- und Überbrückungsmassnahme. Es versteht sich von selbst,
dass man mit diesen Mitteln auf die Dauer nicht existieren kann.

Allgemeine Nahrungsmittelquellen:
Obst, Gemüse, Kartoffeln, Beeren, Pilze, Kräuter, Wild, Vögel, Fische,
Frösche, Schnecken usw.

Suppen:

Am einfachsten lassen sich Notnahrungsmittel zu Suppe verarbeiten.
Material:
grüne oder ausgereifte Mais-, Hafer-, Roggen- oder Weizenkörner.
Arbeitsgang:
Körner zerquetschen oder zerreiben. Wasser zugeben. Wenn möglich
salzen.
Aufkochen.

Kartoffeln:
Im offenen Feuer (Glut) braten oder in Wasser garkochen.

Ersatzbrot:
Material: unausgereifte Mais-, Hafer-, Roggen- oder Weizenkörner.
Arbeitsgang:
Körner zerreiben. Mehl mit Wasser zu einer Art Teig anrühren. Wenn
möglich salzen. Teig auf eine Unterlage legen, möglichst flach walzen
und backen, oder aber Teig zu einer dünnen Wurst ausrollen,
spiralförmig um einen dicken Ast wickeln und über dem offenen Feuer
backen.

Ersatzkaffee :
Material: Gerstenkörner oder Baumeichein. Arbeitsgang: auf Blechplatte
schwarzbraun rösten. Zu grobem Pulver zerreiben. Mit heissem Wasser
anbrühen.

Ersatztee:
Material: Lindenblüten, Wachholderbeeren, Holunderbeeren.

Ersatzgewürz (als Zugabe zu Fleisch, Fisch, Suppe usw.):
Material: Brunnenkresse, Sauerklee, junger Löwenzahn,
Wachholderbeeren, junge Tannenspitzen. Arbeitsgang: Fleisch in flache
Scheiben schneiden.
Ersatzgewürz hineinlegen. Fleischscheiben zusammenrollen. An Spiess
stecken.
Braten. Bei Fisch und Geflügel das Gewürz in die Bauchhöhle legen.

Wald- und Wiesenkräuter (als Gemüse- und Suppenzutaten):
Material: junge Brunnenkresse, junge Brennessein, Sauerampfer,
Scharbockskraut, Wegerich, Löwenzahnblätter, Schafgarben. Arbeitsgang:
Wildkräuter mehrmals wässern, dann verlieren sie etwas vom herben
Geschmack. Anschliessend in wenig Wasser dünsten. Erst nachher salzen.
Am besten werden mehrere Arten gemischt.

Hülsenfrüchte:
Material: Erbsen, Linsen, Bohnen. Arbeitsgang: vor dem Kochen längere
Zeit einweichen. Sie müssen dann weniger lang gekocht werden.

Verschiedenes:

- Baumrinde. Die zarte Innenrinde aller Bäume kann roh gegessen
werden. Die unmittelbar auf dem Holz liegende weiche Innenschicht wird
abgeschabt und roh gegessen oder zu Suppe gekocht.
Die Innenrinde von Weide, Birke und Kiefer kann getrocknet, zerrieben
und zu Mehl verarbeitet werden.
- Wasserpflanzen und Schilf besitzen weiche Wurzelenden, die gekocht
essbar sind.
- Samenkörner der Tannzapfen: Zapfen über dem Feuer erhitzen, dann
lassen sich die Samen herausschütteln.
- Junge, noch nicht reife Maiskolben über dem Feuer rösten und warm
essen (können notfalls auch roh gegessen werden).
- Baumnüsse, Haselnüsse und Buchnüsse können auch in unreifem Zustand
gegessen werden.
- Unreifes Obst (grüne, harte Äpfel, Birnen usw.): in kleine Stücke
schneiden.
Im Wasser garkochen. Weiche Stücke essen. Verdünnten Obstsaft warm
trinken.

Fleisch:
Fleisch in kaltem Wasser angesetzt, ergibt eine kräftige Suppe. Das
gleiche gilt von Knochen.

Fische:

Vorbereiten: Messer bei der Öffnung unter der Schwanzflosse einführen
und von hinten her den Fisch in der ganzen Länge aufschlitzen. Mit dem
Zeigefinger durch die Bauchhöhle fahren und die Innereien
herausnehmen.

Zubereiten:
a) Braten. Kopf mit Augen und Schwanz am Körper belassen. Fisch leicht
einsalzen. Ober dem Feuer braten;
b) Sieden. Augen herausnehmen. Fisch leicht salzen. In kochendem
Wasser 15 Minuten sieden. Wenn man dem Fischsud Zwiebeln und Gewürz
beigeben kann, erhält man eine bekömmliche Suppe.

Hühner, Vögel aller Art:
Vorbereiten: Kopf abschlagen. Mit Halsstumpf nach unten ausbluten
lassen.
Grob rupfen. Ober dem offenen Feuer den Flaum wegsengen. Bauch
aufschneiden. Vom After her ausnehmen. Klauen wegschlagen. Waschen.
Zubereiten:
a) Zwiebeln und Gewürz in die Bauchhöhle legen. Aussen und innen
leicht salzen. Am Spiess über dem offenen Feuer braten. Innereien (z.
B. Leber) separat braten;
b) Ausnehmen, aber nicht rupfen. Das Innere leicht salzen. Mit
grossem, sauber gewaschenem Stein auslegen. Das Ganze mit einer 2-3 cm
starken Lehmschicht umhüllen. In eine mit Glut gefüllte Grube legen
und mit reichlich Glut zudecken. Sobald die Lehmkruste steinhart
geworden ist, wird der Lehmklotz herausgenommen und zerschlagen. Die
Federn bleiben an der Innenseite des Lehms haften. Das Fleisch ist im
eigenen Fett und Saft gebraten. (Fische können in ähnlicher Weise
zubereitet werden.)

Frösche:
Froschschenkel lösen. Waschen. Leicht salzen. Auf einem Blech über dem
Feuer rösten.

Schnecken:

Vorbereiten: Waschen (wenn möglich Essigwasser benützen). In kochendes
Wasser werfen und 10 Minuten sieden lassen. Abkühlen. Körper aus der
Schale herausnehmen.
Zubereiten: im Salzwasser 2 Stunden sieden. Von Zeit zu Zeit Wasser
nachgiessen.

Kleintiere (Katzen, Hunde, Kaninchen, Hasen usw.):
Vorbereiten: Töten. Hals durchschneiden. An den Hinterläufen
hochhalten und ausbluten lassen. An den Hinterläufen - Kopf nach
unten, Rücken gegen die Unterlage - aufhängen. Am besten schlägt man
hierzu 2 Nägel mit 30 cm Abstand in Kopfhöhe in einen Baum. Schlitzt
die Haut bei den Sehnen in der Biegung der Hinterläufe auf und hängt
das Tier daran. Bei den Hinterläufen beginnend, den Balg abziehen.
Bauch aufschlitzen. Eingeweide herausnehmen. Herz, Lunge, Leber,
Nieren belassen. Pfoten abschlagen. Wenn möglich erst am folgenden Tag
zubereiten. Zubereitung: leicht salzen. Ganz oder stückweise braten.

Wild:
Wie Kleintiere.

Fleisch-Notvorrat:

Fleisch in dünne, 2-3 cm breite Streifen schneiden und stark
einsalzen. Ober dem offenen Feuer trocknen.

Sprengstoffbeschaffung durch Ausbau von Minen Allgemeines:

- Eine Hauptlieferungsquelle für Sprengstoff bilden die nicht
geräumten Minenfelder.
- Der Gegner wird aus Zeitgründen nur die Strassen entminen.
Minenfelder im angrenzenden Gelände interessieren ihn wenig. Er wird
diese höchstens mit Warnzäunen umgeben.
- Pro Panzermine gewinnst du je nach Minentyp 3-6 kg Sprengstoff.
- Pro Personenmine gewinnst du je nach Minentyp 100-200 g Sprengstoff.
- Das Ausbauen der Minen ist gefährlich. Eine detonierende Panzermine
muss mit einer einschlagenden 10,5-cm-Granate verglichen werden. Eine
detonierende Personenmine entspricht einer krepierenden Handgranate.
- Minen sind Defensivmittel und werden fast ausschliesslich vom
Verteidiger verwendet. Du wirst es deshalb zur Hauptsache mit
schweizerischen (und daher bekannten) Minentypen zu tun haben. Das
erleichtert die Aufgabe.

Arbeitsorganisation :
- Stelle die nicht geräumte Minensperre fest.
- Markiere die Minen unauffällig.
- Überlege dir, wie du die Minen vom Gegner unbemerkt räumen willst
(Strassenverkehr, Patrouillen usw.).
- Teile die Räumequipe wie folgt ein:
a) Gruppenführer;
b) Sicherungstrupp. 2-3 Mann mit Maschinenpistole oder Sturmgewehr;
c) Minenräumtrupp. 2 Mann mit Zugseil (30 m lang), 1 Rolle Draht, 1
Drahtzange, 1 Spaten, 1 Pickel, 2 Bajonette (dienen als
Minensuchstock).
d) Transporttrupp. Einige Träger mit Rucksack oder 1-2 Tragtiere.

Das Räumen von Panzerminen:
- 10-20 % der Panzerminen sind mit Sprengfallen versehen. Die
Sprengfalle bewirkt, dass die Mine im Moment des Räumens überraschend
detoniert.
- Du kannst auch einer enttarnten Mine nicht ansehen, ob sie mit einer
Sprengfalle versehen ist oder nicht. Gehe deshalb wie folgt vor:
1. Enttarne die Mine (Rasenziegel abheben).
2. Befestige einen 2 m langen Draht am Minenkörper. Mine nicht
bewegen!
Günstige Befestigungspunkte: Handgriff, vorstehende Teile, Druckteller
usw.
3. Befestige den Draht am Zugseil.
4. Suche eine gute Deckung auf.
5. Ziehe mit dem Seil den Minenkörper aus dem Minenloch heraus. Wenn
die Mine mit einer Sprengfalle verbunden ist, wird diese jetzt
ausgelöst.
Erfolgt keine Detonation, so kannst du die Mine gefahrlos vom Draht
lösen.
6. Entferne Druckteller und Druckzünder.
- Decke nach Abschluss der Arbeit die leeren Minenlöcher zu, damit die
Anwesenheit des Kleinkriegsdetachements nicht verraten wird.

Räumen von Personenminen:
- Personenminen haben einen weit geringeren Funktionsdruck als
Panzerminen. Sie sind daher für die Räumungsmannschaft gefährlicher.
- Personenminen weisen keine Sprengfalle auf und können daher direkt
mit der Hand aufgenommen werden.
- Beschränke den Ausbau auf Tretmine 43 und Tretmine 59. Pfahlminen
sind zu gefährlich!

Behelfsmässiger Sprengstoff

- Als Behelfs-Sprengstoff dient NITRO-ZELLULOSE.
- Nitrozellulose kann in Fabrikbetrieben beschafft werden, die
chemisch/technische Produkte herstellen oder verarbeiten.
- Es gibt trockene und nasse Nitrozellulose. Nasse brennt ab, ohne zu
detonieren. Trockene detoniert wie Sprengstoff.
- Nötigenfalls kann nasse Nitrozellulose an der Sonne oder in einem
gut belüfteten Raum getrocknet werden.
- Die trockene Nitrozellulose wird in Büchsen, Kessel oder Kisten
abgefüllt und wie jede andere Sprengladung zur Detonation gebracht
(Sprengkapsel Nr. 8, Zeit- oder Knallzündschnur).
- Die Sprengwirkung der Nitrozellulose ist geringer, als diejenige der
Ordonnanz-Sprengmittel. Sie beträgt ca. 1/5 von Trotyl oder Plastit.
An Stelle von 100 g Sprengstoff muss daher 500 g Nitrozellulose
verwendet werden.
- Je besser die Nitrozellulose verdämmt wird, um so besser wirkt sie.
- Als Sprengstoffbehälter eignen sich:
a) blecherne Fett- oder Konfitürekessel;
b) Milchkannen;
c) Holzkisten usw.
- Einmal mit Nitrozellulose abgefüllt, müssen die Behälter sorgfältig
behandelt werden (Schutz vor Druck, Schlag, Fall, Nässe).

Improvisierte Sprengladungen - Man hat selten genügend Sprengstoff in
Form von Sprengpatronen und Sprengbüchsen.
- Viele Ladungen müssen daher aus Behelfsmitteln (Minen, Artillerie-
und Minenwerfergeschossen, Fliegerbomben usw.) zusammengebastelt
werden.
- Die Zerstörungswirkung der improvisierten Ladungen ist gut und steht
den Ordonnanzsprengmitteln in keiner Weise nach.
- Transport und Handhabung sind oft unbequem und umständlich.
Die Splitterwirkung ist gegenüber Ordonnanzsprengmitteln wesentlich
grösser.
Das bedingt bessere Deckungen oder grössere Sicherheitsdistanzen für
die Zündmannschaft.

Die Lagerung der Munition

Allgemeines:
- Munition ist unersetzlich.
- Munition ist immer Mangelware.
- Trotz schwieriger äusserer Verhältnisse muss die Munition im
Kleinkriegsdetachement fachgerecht gelagert und gepflegt werden.
- Schütze die Munition vor Feuchtigkeit, Regen, Schnee, direkter
Sonnenbestrahlung, Hitze und Verschrnutzung.
- Belasse die Munition so lange als möglich in der Originalverpackung.
- Vermeide Herumwerfen verpackter oder offener Munition.

Einlagerung:
- Stelle die Munition auf trockenen Boden, Bretter, Roste usw.
- Decke die Munition mit Blachen, Zelttüchern, Dachpappe usw. zu.
- Lagere die Munition nicht in der Nähe von Heizungen, offenem Feuer
usw.
- Sorge für gute Luftzirkulation. Freistellen der einzelnen Kisten,
Kartons usw.
durch Unterschieben von Holzlatten. Einschalten eines Abstandes von
2-3 cm von Verpackung zu Verpackung.

Kontrolle und Retablierung unverpackter Munition:
- Nasse oder feuchte Munition an der Luft, nicht an der Sonne,
trocknen lassen.
- Verschmutzung (Erde, Lehm) an Patronen, Granaten usw. mit einem
Lappen entfernen. Den Fettring zwischen Hülse und Geschoss nicht
wegwischen!
Benzin, Petrol und ähnliche Lösungsmittel sind schädlich und dürfen
nicht verwendet werden.
- Bei grosser Kälte Patronen, Granaten usw. auf Vereisung
kontrollieren. Eis vorsichtig ablösen und entfernen. Im übrigen wie
mit nasser Munition verfahren.

Kontrolle und Retablierung verpackter Munition (Kartons, Kisten,
Blechköfferchen usw.):
- Bei Schimmelbildung: Austrocknen, abreiben, umlagern.
- Bei Vereisung: Eis sorgfältig ablösen. Auswirkung auf Packmaterial
und Inhalt nachprüfen. Austrocknen. Notfalls umlagern.

Beschädigte Munition:
- Munition, die mechanisch beschädigt oder durch Brand (Hitze)
beeinflusst wurde, nicht mehr verwenden.
- Gewisse Munitionssorten sind empfindlich auf Fall. Es betrifft dies
Zünder, Geschosse mit Zünder und Hohlladungsmunition. Fallenlassen aus
1 m Höhe auf harten Boden oder aus über 2 m auf weichen Boden kann
diese Munition unbrauchbar machen. Der Munition ist äusserlich meist
nichts anzusehen. Im Frieden darf diese Munition nicht mehr
verschossen werden. Im Krieg ist auf Grund der Lage zu entscheiden.

Der Bau eines Munitionsfreilagers:
- Fachgerechte Unterbringung im "Freilager" ist schwierig. Du musst
diese Technik kennen.

Improvisierte Sprengladungen zur Bekämpfung lebender Ziele (z. B. Wurf
in Marschkolonnen, Mannschaftsunterkünfte, Stabsbüros usw.)

1 Mit Sprengstoff gefüllte Blechbüchse (z. B. Konservendose).
Sprengladung: 1-1,5 kg. Wirkung im Umkreis von 15-20 m.
2 Mit Sprengstoff gefülltes Metallrohr (z. B. Wasserleitungsröhre,
Gasrohr usw.).
Sprengladung: 150-200 g. Wirkung im Umkreis von 5-10 m.
Unten: Als Abschluss (Boden) wird ein Metallstück aufgeschweisst.
Oben: Nach Einfüllen des Sprengstoffes und Einführen der Zündleitung
wird das Rohr in einem Schraubstock vorsichtig auf
"Zündschnurdurchmesser. zusammengequetscht. Achtung, dass Zündschnur
nicht beschädigt wird. Ergibt sonst Blindgänger!
3 Mit Sprengstoff gefüllte Flasche aus dickwandigem Glas (z. B.
Bierflasche). Das Glas zerschellt beim Wurf nicht (ausgenommen auf
Betonböden).
Sprengladung: 400-500 g. Wirkung im Umkreis von 15-20 m.
4 Zeitzündschnur. Länge ca. 6 cm. Ergibt eine Brenndauer (Verzögerung)
von 6-8 Sekunden. Gezündet wird mit Zündholz oder Schlagzünder.
5 Sprengkapsel Nr. 8.
6 Plastischer Sprengstoff (z. B. Zivilsprengstoff oder
Ordonnanzsprengstoff PLASTIT). Zur Erhöhung der Splitterwirkung können
Steine und Alteisenabfälle, wie Schrauben, Nägel usw., unter den
Sprengstoff gemischt werden.

Improvisierte Sprengladungen zur Zerstörung fester Objekte (z. B.
Eisenbahnschienen, Leitungsmasten, Transformatoren usw.) A Panzermine
49 B Panzermine 37 Panzerminen eignen sich hervorragend als
improvisierte "geballte Ladungen, da sie immer mindestens 3--4 kg
Sprengstoff enthalten.

Artilleriegeschoss, Minenwerfergeschoss, Fliegerbombe, Artillerie- und
Minenwerfergeschosse, sowie Fliegerbomben sind brauchbare
improvisierte "geballte Ladungen".
Sie werden am besten mit Drahtbund auf einem Brett befestigt. Als
Initialzündung wird eine gewöhnliche kleine Sprengladung
(Sprengpatrone. Sprengbüchse) verwendet. Diese ist immer satt am
Geschosszünder zu befestigen. Wo ein Geschosszünder fehlt, wird die
Initialladung in der Mitte des Geschosses befestigt.
Panzerminen mit seitlichem Zündkanal können mit einer blossen
Sprengkapsel Nr.8 gesprengt werden. Panzerminen ohne Zündkanal
benötigen als Initialzündung eine Sprengladung von 200 g.
Artillerie- und Minenwerfergeschosse sowie Fliegerbomben mit
eingesetztem Geschosszünder benötigen als Initialzündung eine
Sprengladung von 200 g.
Artillerie- und Minenwerfergeschosse sowie Fliegerbomben ohne
Geschosszünder benötigen als Initialzündung eine Sprengladung von 40O-
S00 g.
1 Geschosszünder 2 Initialzündung (200-g-Sprengpatrone satt an
Geschosszünder angelegt) 3 Sprengkapsel Nr. 8 4 Zeitzündschnur 5
Schlagzünder. Notfalls kann auch nur mit einem Zündholz gezündet
werden 6 Unterlagebrett 7 Initialzündung (z. B. 600-g-Sprengbüchse)
auf den mittleren Teil des Geschosses aufgelegt. wenn kein
Geschosszünder vorhanden ist 8 Seitlicher Zündkanal im Minenkörper

Taktik/Technik

Allgemeines Verhalten

- Gehe mit Vorsicht und List, ja Verschlagenheit ans Werk.
- Wende offene Gewalt nur dann an, wenn du stark überlegen bist.
- Vermeide ein Gefecht, das die Existenz deines Verbandes aufs Spiel
setzen würde.
- Lasse dich nie mit einem bedeutenden Feind ein und nimm nie einen
offenen Kampf an.
- Hinterhalt und Oberfall sind deine wichtigsten Kampfarten.
- Geheimhaltung ist eine wichtige Massnahme für deine Sicherheit.
- Arbeite nie unter Zeitdruck. Warte mit Geduld einen günstigen
Zeitpunkt ab, um überraschend zuschlagen und wieder verschwinden zu
können.
- Handle nicht impulsiv, sondern kühl berechnend. Du darfst den Gegner
nie unterschätzen und musst die Grenzen deiner Möglichkeiten kennen.
Blinde Tapferkeit nützt nichts, erst gepaart mit Klugheit trägt sie
reichlich Zinsen.
- Gefahren gegeneinander abwägen. E(ne gewisse Unbekümmertheit ist
zwar notwendig, doch muss hinter ihr eine sorgfältige Berechnung der
Chancen liegen.
- Kannst du einem Zusammenstoss mit zur Verfolgung ausgesandten
Truppen nicht aus dem Wege gehen, so nimm das Gefecht auf keinen Fall
an.
Beschränke dich vielmehr auf hinhaltende Kampfführung und löse dich so
rasch als möglich vom Feind. Spätestens dann, wenn die Nacht deine
Bewegung verschleiert.
- Wenn du eingekesselt bist, so versuche nicht gleich zu Beginn der
Treibjagd auszubrechen, denn jetzt sind die feindlichen Truppen
körperlich und geistig noch frisch. Mit der Zeit wird der Gegner
sorgloser, gleichgültiger und weniger aufmerksam. Die Soldaten gehen
schwierigen und mühsamen Geländepartien eher aus dem Weg als am
Anfang. Die linearen Formationen werden sich auflösen, da die Leute es
vorziehen (besonders bei Nacht!) aus Bequemlichkeit Wegen oder
günstigen Geländepartien nachzugehen.
Jetzt ist der Moment zum Aussickern gekommen. Nach gelungenem Ausbruch
musst du dich in einem Zuge weit vom Kampfplatz absetzen.
(Gewaltmarsch auf Tod und Leben!) - Nach einem gelungenen grössern
Unternehmen muss die Gegend gewechselt werden. Nimm hierzu mit
zuverlässigen Einwohnern im neuen Raum. bereits vor dem Wechsel
Verbindung auf. Schicke 1-2 Unterführer zur Rekognoszierung voraus.

******
Getarntes Munitionsfreilager

1 Wasserablaufgraben 2 Tarnschicht (Rasenziegel, Laub usw.) 3
Dachpappe als Regenschutz. In der Mitte leicht erhöht, damit das
Wasser abfliessen kann 4 Rundholz oder Bretter zum Abdecken der Grube
5 Munitionskisten. Fingerbreiter Zwischenraum von Kiste zu Kiste,
damit die Luft zirkulieren kann 6 Bretterboden oder Lattenrost 7
Unterlage aus groben Rundhölzern 8 Mindestens 70 cm tiefe Sand- und
Kiesschicht als .Sickergrund.
9 Mehrere Lagen grobe Steine als Sickergrund.
*****


So bist du nach dem Wechsel mit den neuen Verhältnissen schon vertraut
und kannst die kritische Zeitspanne des Einlebens verkürzen.
- Bei überlegenem Gegner musst du dich in kleinste Trupps auflösen und
gewissermassen im Gelände versickern, um später an vorbestimmten
Punkten wieder neu zu sammeln.

Marsch - Es liegt in der Natur des Kleinkrieges, dass viel marschiert
werden muss.
Mute deinen Leuten vor und zwischen den Aktionen keine unnötigen
Märsche zu. Halte sie vielmehr frisch und schone ihre Kräfte, damit
sie für Kämpfe und Rückzüge in Form sind.
- Der Abmarsch darf durch keine langen Vorbefehle und Vorbereitungen
verraten werden. Wo man zu grössern Vorbereitungen gezwungen ist (z.
B.
Verlegung von Vorräten, ausgedehnte Rekognoszierungen usw.) werden
diese durch Ausstreuen von Gerüchten über einen andern Plan getarnt.
- Meide grosse Strassen und Ortschaften für den Durchmarsch.
- Wo du das Gelände nicht kennst, nimm ortskundige Führer mit.
Entlasse diese aber erst, wenn sie keinen Schaden mehr anzurichten
vermögen (Ausplaudern, Verrat).

Marschsicherung

Kleinkriegsdetachemente sichern sich in Marschrichtung und nach
rückwärts durch einen Trupp von 3-4 Mann, die um einige hundert Meter
voraus, bzw. rückwärts gestaffelt werden.

- Niemand darf wissen, woher du kommst und wohin du gehst. Das nächste
Quartier wird jedermann verschwiegen.
- Täusche die Einwohner über deine wahre Stärke. Gib dich immer
stärker aus, als du bist. Z. B. " . . . wir sind nur die
Flankensicherung einer grössern Abteilung, die dort drüben
marschiert!" - Marschiere möglichst in der Nacht, um immerwährende
Unsicherheit über deinen Standort zu verbreiten.
- Marschiere immer möglichst geschlossen. Wenn alles nahe beisammen
ist, kannst du den Entschluss des Augenblicks besser und rascher in
die Tat umsetzen.
- Sichere dich in der Marschrichtung und nach rückwärts durch einen
Trupp von 3-4 Mann, die um einige hundert Meter voraus, bzw. nach
rückwärts gestaffelt werden.
- Bevor du hinterhaltsgefährdetes Gelände betrittst, überlege! Denn
einmal in einen Hinterhalt geraten, hast du keine Zeit mehr zum
Denken. Du musst vorher wissen, was du in diesem Falle tun willst.

Hinterlegen von Nachrichten

Wer sich vom Kleinkriegsdetachement mit Sonderauftrag entfernt. oder
wer im Gefecht versprengt wird, muss wissen, wo er notfalls Nachricht
über das Verbleiben des Detachements vorfindet.

Einige Möglichkeiten hierzu:

1 Vorgetäuschtes Soldatengrab Merkpunkt: Ost-Ecke des Wäldchens
"Buchholz... Grabkreuz. Am Fusse des Kreuzes eingegrabene Blechbüchse
mit Meldung.

2 Markanter Baum Merkpunkt: Vom Blitz gespaltene Schermtanne auf der
Weide "Sunnsiten... Auf der Ostseite des Stammesboden eben
eingeschlagener Holzpflock. Am Fusse des Pflocks eingegrabene
Blechbüchse mit Meldung.

3 Telephonstange Merkpunkt: Wegkreuz von Ursellen. Zehnte
Telephonstange in nördlicher Richtung. Auf der Ostseite der Stange
bodeneben eingeschlagener Holzpflock. Am Fusse des Pflocks
eingegrabene Blechbüchse mit Meldung.

Ausschalten von Wachtposten

Allgemeines:
- Stelle Wachtlokal, Waffenstellungen und Postenablösung fest.
- Studiere die Gewohnheiten der wachestehenden Leute. Insbesondere
Ablösungszeit, Weg der Schildwachen und Besonderheiten in ihrem
Verhalten.
- Ungünstige Witterung (beissende Kälte, lähmende Hitze, stechender
Regen usw.) erleichtern dein Vorhaben, indem sie die Aufmerksamkeit
des Postens herabsetzen.

Lautloses Erledigen von Posten:
Die einfachste und sicherste Methode um einen Posten zu erledigen, ist
das Erschlagen mit dem Handbeil. Benütze hierzu nicht die Schneide,
sondern die stumpfe Seite des Beils. Schlage dem Posten mit aller
Kraft zwischen Kreuz und Lenden oder zwischen die Schulterblätter
unterhalb des Nackens. Auch in der Dunkelheit kannst du diese Stellen
leicht und sicher treffen.

Durchgabe einfacher Meldungen mit primitiven Mitteln

Gewisse Ortschaften müssen zwangsläufig immer wieder betreten werden.
Hierin liegt eine grosse Gefahr für die Kleinkriegsverbände
(Hinterhalt durch den Gegner). Die Dorfbevölkerung muss mit einfachen
Mitteln die Kleinkriegsverbände warnen können.
- Rauch- oder Lichtsignale sowie Schwenken von Tüchern sind zu
auffällig und für den Ausführenden zu gefährlich.
Geeignete Zeichen sind:
a) am Tag:
- Öffnen oder schliessen bestimmter Fensterläden.
- Heraushängen von Wäsche.
- Bereitstellen oder Verschwinden lassen von Fuhrwerken usw.
b) bei Nacht:
- Beleuchtetes oder verdunkeltes Dachfenster. Stalltüre usw.
- Es können mit diesen einfachen Mitteln natürlich nur kurze Meldungen
signalisiert werden, z. B. "Achtung Gefahr! Feind im Dorf!", oder
"Dorf ist feindfrei!" Die Signale müssen so angewendet werden. dass
sie von einem nahen Waldrand aus mit dem Feldstecher sicher erkannt
werden können.

Sabotage am Strassennetz

Möglichkeiten:
- Wegweiser entfernen oder umstellen.
- Nägel auf die Strasse streuen (Masseneinsatz notwendig).
- Drahtseile quer über die Strasse spannen.
- Strasse verminen.
Die Strassensabotage ist besonders wirksam, wenn sie mit den
Ereignissen an der Front koordiniert wird, d. h. wenn der Gegner
dringend auf die Benutzung der Strasse angewiesen ist und jede Stunde
Verzögerung einen Gewinn darstellt.

Erstellen von Strassensperren

- Als Strassensperre eignen sich am besten umgesägte oder gesprengte
Bäume.
- Sprenge oder fälle keine allzugrossen Bäume, in der Hoffnung, dem
Gegner dadurch mehr Aufräumungsarbeit zu verursachen. Du verbrauchst
nur viel Sprengstoff oder Arbeitszeit. Viel wichtiger ist das Einbauen
von Minen und Sprengfallen.

Sabotage am Strassennetz

1 Im Gebüsch getarnt eingebaute Pfahlmine. Vernichtende
Splitterwirkung im Umkreis von 30 m. Vorteil: Sehr rasch verlegt.
Nachteil: Gefährdet eigene Zivilbevölkerung. da niederer Funktionszug.
2 Panzerminen. Zerstören Motorfahrzeuge.
Vorteil: Für die eigene Bevölkerung ungefährlich. da der
Funktionsdruck so gross ist, dass der Zünder nur auf schwere Fahrzeuge
(Lastwagen, Panzer) anspricht. Nachteil: Grosser Arbeitsaufwand beim
Verlegen. (Pro Mine zirka 15 Minuten, während welcher Zeit man der
Überraschung durch feindliche Patrouillen ausgesetzt ist.) 3 In
Kopfhöhe quer über die Strasse gespannter starker Draht oder dünnes
Drahtseil. Bringt Motorradfahrer zu Fall. Beschädigt Autos und
gefährdet deren Insassen.
4. Auf die Fahrbahn gestreute Metalldorne.

- Wenn du die Mittel nicht hast, um Sprengfallen oder Minen
einzubauen, so täusche solche wenigstens vor. Täuschungsmittel sind:
a) einzelne, halbversteckte Drähte, die von Baumästen weg in die Erde
oder ins Gebüsch führen;
b) gelockerte und nur schlecht eingedeckte Rasenziegel neben der
Strasse, aufgerissener Strassenbelag (lässt auf mangelhaft getarnte
Minen schliessen).

Überfall auf ein Einzelfahrzeug - Das Fahrzeug wird mit einer
Schnellsperre zum Stehen gebracht.
- Chauffeur und Beifahrer werden aus Kleinkaliberwaffen (z. B.
Flobert) beschossen.
- Kleinkaliberschüsse tönen nicht weit. Die Verwundungskraft genügt
aber, um die Angeschossenen so zu verletzen, dass sie nachher leicht
mit der blanken Waffe erledigt werden können.
- Durch Vermeidung des Gefechtslärms wird Zeit gewonnen, um die Beute
vom Fahrzeug auf Tragtiere oder Karren umzuladen.
- Im Idealfall kann das Motorfahrzeug durch einen eigenen Motorfahrer
an einen versteckten Ort gefahren werden. Die tote Besatzung muss in
diesem Falle mitgenommen und dort begraben werden, damit der Gegner
nicht aufmerksam wird.
- Verwendung des erbeuteten Motorfahrzeuges:
a) im eigenen Kleinkriegsverband;
b) Übergabe an die zivile Widerstandsbewegung für "Tarnfahrten".
- Wenn das Fahrzeug nicht verwendet werden kann, ist es zu zerstören.
Das geschieht am billigsten und gründlichsten durch Verbrennen. Vorher
sind brauchbare Teile zu entfernen, z. B.
a) Abmontieren des Verdecks (siehe Seite 46);
b) Absaugen des Benzins aus dem Tank (Brennstoff für Brandstiftung
usw.).

Sabotage am Strassennetz: Metalldorn zur Zerstörung der Fahrzeugpneus

Anwendung:
- Bei Nacht auf die Strasse streuen.
- Bei parkierten Fahrzeugen unter die Pneus schieben.

Herstellung:
1 Nimm ein Stahlstück von zirka 12 cm Länge und 5-8 mm Durchmesser.

2 Säge beide Enden zirka 4 cm ein.

3 Biege die nun entstandenen 4 Teile auseinander.

4 Feile die 4 Enden scharf zu. Ergibt kantige Nagelspitzen.

Der so entstandene Dorn mag nun zu Boden fallen, wie er will, immer
befindet sich eine Spitze oben. Die Widerstandsfähigkeit des Dorns
genügt, um Lastwagenpneus zu durchstechen.

Oberfall auf ein feindliches Fahrzeug

1 Beobachter und Sicherer - Meldet das Herannahen des feindlichen
Fahrzeuges.
- Isoliert den Kampfplatz, so dass eventuelle weitere feindliche
Fahrzeuge nicht eingreifen können.
- Deckt notfalls den Rückzug.

2 Sperrtrupp - Stoppt das feindliche Fahrzeug.
- Sperrmittel: Angesägter Baum, der im letzten Moment über die Strasse
gekippt wird.
Mit Steinen beladenes landwirtschaftliches Fuhrwerk, das im letzten
Augenblick quer über die Strasse geschoben wird.

3 Scharfschützen mit Flobert - Machen mit einem Minimum an Feuerlärm
den feindlichen Motorfahrer kampfunfähig.
- Da mit Flobertmunition geschossen wird, dürfen ausnahmsweise auf
beiden Seiten der Strasse Schützen postiert werden (Gefährdung der
eigenen Leute!)

4 Nahkämpfer - Töten Motorfahrer und Beifahrer ohne Lärm mit dem
Bajonett. (Mit diesem kann gut in die enge Führerkabine
hineingestochen werden. Spaten oder Handbeil eignen sich der Enge
wegen nicht.)

5 Motorfahrer - Fährt das feindliche Fahrzeug an einen versteckten
Ort, wo es in Ruhe geplündert werden kann.

6 Beutesammeldetachement - Tragpferde oder Pferdekarren, um das
Beutegut notfalls rasch umladen und abtransportieren zu können.

Feuerüberfälle

Allgemeines:
Kommt nur gegen günstige Augenblicksziele in Frage (rastender oder
marschierender Feind usw.). Verspricht grosse Wirkung. Ziel bietet
sich nur kürzeste Zeit zum Schiessen, da nach den ersten Schüssen
entweder vernichtet oder in Deckung verschwunden. Deshalb alle
verfügbaren Waffen einsetzen. Um die Befehlsgebung zu vereinfachen und
zu beschleunigen, Stellungsort dicht beieinander. Die hierbei
entstehende Massierung ist der kurzen Dauer des Feuerkampfes wegen
ungefährlich. Auf Befehl des Gruppenführers "In Stellung" gehen die
Leute in Anschlag und fassen Druckpunkt. Wenn das Gros der Gruppe
bereit ist, gibt der Gruppenführer das Kommando "Feuer!". Er
verzichtet dabei bewusst auf die Mithilfe einiger Nachzügler, um zu
verhindern, dass einer der Schussbereiten die Nerven verliert und zu
früh schiesst. Leichte Maschinengewehre, Sturmgewehre und
Maschinenpistolen schiessen lange Serien, oft sogar Dauerfeuer
(Magazinfeuer). Auf Distanzen unter 400 m werden wenn möglich
zusätzlich Gewehrgranaten ("Stahlgranaten") mit eingesetzt.

Feuerüberfall auf ein ausgedehntes Ziel, z. B. Transportkolonne,
Eisenbahnzug usw.:

- In unserem stark überhöhten Terrain versprechen Feuerüberfälle mit
Sturmgewehr, Lmg, Mg oder Mw auf Marschkolonnen, Strassentransporte
und Eisenbahnzüge auch aus grosser Distanz Erfolg.
- Normalerweise wird der Gegner durch den Feuerüberfall wie gelähmt
sein.
Trotzdem musst du damit rechnen, dass er aus Verzweiflung in
ausweglosen Situationen, oder unter besonders energischen Führern
offensiv reagiert und gegen dich vorgeht. Du musst deshalb über einen
offenen Rückzugsweg verfügen.
- Der Chef muss vor dem Feuerüberfall folgende Punkte regeln:
1. Zeitpunkt der Feuereröffnung. Möglichkeiten:
a) auf Befehl;
b) Feuereröffnung durch eine Leitwaffe. Nachher ist für alle übrigen
Feuer frei;
c) automatisch, wenn die Spitze der Kolonne einen gewissen Punkt im
Gelände erreicht hat.
2. Wie wird das Spitzenfahrzeug gestoppt. Möglichkeiten:
a) überraschend ausgelöste Baumsprengung;
b) Auffahren auf Minen;
c) durch Zusammenschiessen.
3. Feuerverteilung.
Es ist eine rasche, grobe Zielverteilung vorzunehmen (Spitze, Mitte,
Ende der Kolonne oder des Zuges).
Maschinengewehre, Minenwerfer und rückstossfreie Geschütze werden
immer gegen die Mitte eingesetzt. Minenwerfer schiessen erst dann,
wenn die Kolonne gestoppt hat.
4. Signal für das Abbrechen des Kampfes. Möglichkeiten:
Hornstösse, Signalraketen, Loslösen nach der Uhrzeit, z. B. 5 Minuten
nach Feuereröffnung.

Oberfall auf einen Strassengeleitzug

Allgemeines:
- Der Gegner führt seine Nachschubtransporte in der Regel als
"geschlossene Kolonne" unter Geleitschutz durch das
kleinkriegsverseuchte Gelände.
- Auf 20 Lastwagen mit Nachschubgütern kommen in der Regel 2
Eskortefahrzeuge.
- Ein Strassengeleitzug setzt sich wie folgt zusammen:
a) Transportelement (ca. 40 Lastwagen);
b) Begleitelement (2 Panzer + 1 Infanteriezug auf Schützenpanzern).
- Der Strassengeleitzug gliedert sich auf der Fahrt wie folgt:
a) an der Spitze das "Sicherungselement" '(1 Panzer + 1-2
Schützenpanzer). Fährt der Lastwagenkolonne 200-300 m voraus;
b) in der Mitte die Lastwagenkolonne "Transportelement";
c) am Schluss das "Kampfelement" (1 Panzer + 1-2 Schützenpanzer).
Das Kampfelement hat die Aufgabe, bei Feindberührung die Strasse zu
verlassen, den Kleinkriegsverband anzugreifen und zu vertreiben.

Bekämpfung des Sicherungselements
Grundsatz:
- Lasse den Spitzenpanzer auf Minen auflaufen und setze ihn
anschliessend mit Raketenrohr oder Gewehrgranaten ausser Gefecht.
- Nimm die Schützenpanzer und die aussteigende Begleitinfanterie unter
Feuer.

Befehlsbeispiel:

"Orientierung: wir bekämpfen das Sicherungselement"
1 Absicht: ich will den Geleitzug durch Minen stoppen - das
Spitzenfahrzeug durch Raketenrohr vernichten - anschliessend den Rest
des Sicherungselements niederkämpfen 1 Befehl: Panzerabwehrgruppe
vermint die Strasse. Vernichtet den Spitzenpanzer 1. Schützengruppe
erledigt den Rest des Sicherungselements - Verminungsstelle: bei der
Doppeltanne - Stellungsräume: Panzerabwehrgruppe auf der Kuppe, 1.
Schützengruppe auf der langen Krete links daneben - Feuereröffnung:
wenn der Spitzenpanzer auf die Minen aufgelaufen ist - Abbruch des
Kampfes:
auf meinen Befehl - Mein Standort: bei der Panzerabwehrgruppe I"

Bekämpfung des Transportelements:
Grundsatz.
- Beschiesse die Lastwagen mit Mg, Sturmgewehr oder Maschinenpistole.
- Nimm eine einfache Zielverteilung vor. Methode:
a) Zuteilung eines bestimmten Strassenstücks, welches zu bestreichen
ist;
b) Zuteilung eines bestimmten Teils der Kolonne, welcher zu
beschiessen ist.
- Bei schwachem Widerstand gehe nach dem Feuerüberfall zum Sturm vor
und nimm die Lastwagen im Nahkampf. Ziehe den Transporttrupp nach und
sammle Beutematerial.
- Bei starkem Widerstand brich nach einigen Minuten den Kampf ab und
gehe zum Sammelpunkt zurück.
- Der Entscheid "Sturm" oder "Abbruch des Kampfes" wird vom
Detachementschef gefällt. Sein Standort ist daher bei den Kräften,
welche das Transportelement bekämpfen.

Befehlsbeispiel :

"Orientierung: wir bekämpfen das Transportelement 1 Absicht: ich will
den Kampf mit einem Feuerüberfall beginnen. Nachher bei schwachem
Widerstand die gestoppten Lastwagen stürmen oder bei starkem
Widerstand mich absetzen 1 Befehl: die Mg-Gruppe geht im
Tannenwäldchen so in Stellung, dass sie das Strassenstück vom
Bachgraben bis zum verkrüppelten Baum unter Feuer nehmen kann - die 2.
Schützengruppe geht an der Krete vor uns so in Stellung, dass sie das
Strassenstück vom verkrüppelten Baum bis zur Einmündung des Feldweges
unter Feuer nehmen kann - Visier: für Mg 300 m, für Schützengruppe 200
m Feuereröffnung: bei Gefechtslärm, d. h. wenn die Panzerabwehrgruppe
rechts von uns das Feuer eröffnet - Sturm oder Abbrechen des Gefechts:
auf meinen Befehl- Mein Standort: bei der Mg-Gruppe I"

Abwehr des Kampfelements:
Grundsatz.
- Wenn möglich wird eine berittene Gruppe eingesetzt, da diese 3-5mal
schneller ist, als Leute zu Fuss.
Verlege den Überfallort wenn möglich in ein Gelände, das dem Gegner
("Kampfelement") verbietet, das Gefecht ab Fahrzeug zu führen, d. h.
in den Kleinkriegsverband hineinzufahren.
- Die Gruppe kämpft um Zeitgewinn. Sie muss daher das Feuer auf
maximale Distanz eröffnen. Zielfernrohrgewehre sind besonders gut
geeignet.
- Wer das feindliche Kampfelement abwehren muss, hat die schwerste
Aufgabe. Der fähigste Unterführer ist daher mit dieser Aufgabe zu
betrauen.
Ihm sind die besten Leute zuzuteilen.
- Man kann nicht allzuviel vorbereiten, sondern muss nach den
Erfordernissen des Augenblicks handeln.

Befehlsbeispiel :

". .. 600 m vor uns feindliche Panzergrenadiergruppe zu Fuss im
Vorgehen Feuereröffnung wenn der Gegner das Wäldchen erreicht hat -
Visier 500 m wir ziehen uns truppweise zurück, wenn der Gegner den
Bach überschreitet 1. Trupp geht zurück zur Baumgruppe, bezieht dort
erneut Stellung und deckt den Rückzug des 2. Trupps. Dieser weicht aus
bis zum Wegeinschnitt / - Mein Standort: beim 2. Trupp /"

Zerstörung von Motorfahrzeugen - Motorfahrzeuge werden zerstört durch:
a) in Brand stecken;
b) Sprengen;
c) über einen Abhang stürzen.
In Brand stecken ist die beste Methode. Ergibt Totalschaden.
Sprengen ist eine gute Methode. Es werden wesentliche Teile zerstört.
Ober einen Abhang stürzen ist eine unsichere Methode. Bei kleineren
Böschungen werden eventuell nur geringfügige Schäden verursacht.
- In Brand stecken:
1. Schraube den Deckel des Benzintanks auf.
2. Nimm einen ca. 120 cm langen, fettigen und öligen Tuchstreifen.
3. Tauche die obere Hälfte des Tuchstreifens in den Benzintank.
4. Wickle den benzingetränkten Teil des Tuches um den Einfüllstutzen
des Tanks. Ein Stück soll ca. handbreit ins Tankinnere hängen.
5. Zünde das herunterhängende, trockene Ende des Tuches an.
6. Renne vom Fahrzeug weg.
Das Tuch hat Luntenwirkung. Nach einigen Sekunden erreicht das Feuer
den Benzintank. Dieser brennt explosionsartig aus und setzt das ganze
Fahrzeug in Flammen.
- Sprengen: lege eine Handgranate oder eine geballte Ladung von 500 g
auf den Motorblock.
- Ober einen Abhang hinunterstürzen:
1. Gang ausschalten.
2. Vorderräder talwärts einschlagen.
3. Fahrzeug im Mannschafts-Schub schräg über die Strasse rollen und
über die Böschung kippen.
Noch fahrbereite Fahrzeuge können im 1. Gang (eventuell mit Handgas)
gegen den Abhang gefahren werden. Der Motorfahrer springt im letzten
Moment ab.

Handstreich

Allgemeines:
- Die anzugreifenden Objekte (z. B. Depots, Unterkünfte, Flugplätze
usw.) sind in der Regel bewacht. Daher unterteilt sich der Handstreich
in a) Kampfaktion: Erledigen der Wache;
b) technische Aktion: Sprengen, Anzünden, Demolieren, Demontieren usw.

Erkundung/Einweisung:
- Die Erkundung wird vom Chef persönlich durchgeführt. Möglichkeiten:
Beobachten mit Feldstecher, Anfertigen von Skizzen, Photographieren,
Befragen zuverlässiger Einwohner usw.
- Die Erkundung umfasst:
a) Stärke, Organisation und Gewohnheiten der Wache;
b) Angriffsziele;
c) benötigtes Zerstörungsmaterial (Sprengladungen, Brandmittel,
Demolierwerkzeuge usw.);
d) Anmarschweg, Lauerstellung, Feuerstellung für Unterstützungswaffen,
Stellungen für Sicherungstrupps, Rückzugswege und Sammelpunkt.
- Einweisung der Unterführer im Gelände. Möglichkeiten:
a) durch Feldstecher beobachten lassen und an Hand von Skizzen oder
Photos einweisen;
b) in nächster Nähe des Objekts vorbeigehen. Tarnungsmöglichkeiten :
harmloser Spaziergänger, Landarbeiter beim Mähen usw.

Organisation:
- Der Kampfplan kann nicht einfach genug sein. Es dürfen keine
Unklarheiten bestehen, denn im Gegensatz zum "grossen Krieg" kann
nicht mit Verstärkung, Entsatz oder Hilfe in irgend einer Form
gerechnet werden.
- Nach der Entschlussfassung sind die Gruppen und Züge der
Besonderheit der Aktion angepasst sorgfältig zu organisieren und
auszurüsten.
- Kleinkriegsverbände arbeiten meist in 4 Staffeln:
1. Sicherungstrupps.
2. Stosstrupp.
3. Transporttrupp.
4. Technischer Trupp.
- Der Zeitpunkt des Angriffs muss das Überraschungsmoment
sicherstellen.
Du darfst deshalb nicht einfach grundsätzlich bei Nacht angreifen.
- Sind verschiedene Sprengungen vorzunehmen, so muss die Reihenfolge
genau festgelegt werden (Ausschaltung gegenseitiger Gefährdung!).
- Im Angriff hilft das Überraschungsmoment. Beim darauffolgenden
Rückzug fällt dieser Vorteil dahin. Deshalb muss der Rückzug der am
sorgfältigsten geplante Teil der ganzen Aktion sein.

Durchführung der Aktion:
- Geheimhaltung des Planes auch vor den eigenen Leuten bis ganz kurz
vor Beginn der Aktion (Gefangene, Aussage unter Folter).
- Nur diejenigen Leute einweihen, deren Mithilfe bei den
Vorbereitungen unumgänglich ist (Unterführer, Spezialisten).
- Rascher nächtlicher Anmarsch an das Objekt unter Vermeidung des
Strassen- und Wegenetzes.
- Beziehen einer gut gedeckten Lauerstellung in der Nähe des Objekts
in der die folgende (Angriffs-) Nacht abgewartet wird. Orientierung
des ganzen Detachements über den Kampfplan.
- Günstigster Zeitpunkt zum Auslösen der Aktion: knapp nach
Nachteinbruch.
So kann die Mannschaft noch in der Dämmerung im Gelände eingewiesen
werden. Die Aktion selbst geht im Schutze der Dunkelheit vonstatten.
Für den anschliessenden Rückzug steht der grösste Teil der Nacht zur
Verfügung.
- Durch Handstreich wird die Wachtmannschaft ausser Gefecht gesetzt.
Lautlosigkeit ist anzustreben.
- Das Objekt wird durch Sicherungstrupps isoliert, damit Stosstrupp,
Transporttrupp und technischer Trupp unbehindert arbeiten können.

Handstreich I Gliederung des Kleinkriegsverbandes

Allgemeines:
- Der Kleinkriegsverband gliedert sich für den Handstreich in:
a) Sicherungstrupps;
b) Stosstrupp;
c) Transporttrupp ;
d) technischer Trupp.

Sicherungstrupps Aufgaben:
- Sorgen dafür, dass Stosstrupp und technischer Trupp ungestört
arbeiten können.
- Verhindern das Eingreifen von Wachtreserven.
- Decken den Rückzug.
- Setzen sich für die Lösung ihres Auftrages an geländemässig
günstiger Stelle fest, z. B.
Brücke, Engpass, Strassenabzweigung usw.
Ausrüstung:
- Karabiner, Sturmgewehre, Maschinenpistolen, Raketenrohre,
Handgranaten.

Stosstrupp Aufgaben:
- Unterbricht Telephonleitung.
- Kämpft Wache nieder.
- Hält eventuelles einheimisches Betriebspersonal in Schach (z. B.
Bahnbeamte, Tankwärter usw.).
- Wird nachher Eingreifreserve.
Ausrüstung:
- Karabiner, Sturmgewehr, Maschinenpistolen, Pistolen, Handgranaten,
Dolche, "Totschläger.. usw.

Transporttrupp Aufgaben:
- Nimmt getöteten Gegnern und eigenen Gefallenen Waffen, Munition und
Ausrüstung ab.
- Transportiert eigene Verwundete ab.
- Transportiert Beutematerial (Verpflegung, Munition, Benzin usw.) ab.
- Setzt sich schleunigst zum vorbestimmten Sammelplatz ab, oftmals
noch bevor der Kampf ganz beendet ist.
Ausrüstung:
- Tragbahren, Zelttücher, Rucksäcke, Tragreffe, Tragpferde,
Pferdekarren, in Ausnahmefällen Motorfahrzeuge.

Technischer Trupp Aufgaben:
- Zerstört das angegriffene Objekt, nachdem die Wachtmannschaft vom
Stosstrupp niedergekämpft ist und der Transporttrupp das Beutematerial
weggeschafft hat.
Ausrüstung:
- Sprengmittel, Brandmittel, Demoliermittel (Brecheisen,
Vorschlaghammer usw.).
- Unvorhergesehene Situationen, die immer zu erwarten sind, muss der
Chef meistern durch:
1. Straffe Führung während der Aktion (d. h. das Ganze nicht einfach
blind, fahrplanmässig abrollen lassen).
2. Wahl eines günstigen Standortes, wo er Überblick und
Verbindungsmöglichkeit zu den einzelnen Trupps hat.
3. Eventuell Bereithalten einer kleinen Reserve (oft genügen schon 3-5
Mann).

Angriff auf ein Verpflegungs-, Fourage- oder Materialdepot
Allgemeines:
- Depotinhalt: Lebensmittel, Fourage, Heu, Stroh, Material usw.
- Verpackung des Depotinhalts: Kisten, Fässer, Säcke, Ballen usw.
- Sicherung, Niederkämpfen der Wache usw., gemäss Seite 75.
- Was nicht für den eigenen Gebrauch abtransportiert oder der
Zivilbevölkerung übergeben werden kann, wird zerstört.
- Das einfachste und zugleich wirksamste Zerstörungsmittel ist das
Feuer.

*****
Lunte
- Kisten oder Sackstapel mit Öl, Petrol oder Benzin übergiessen.
- Mit Brandflaschen oder Lunten (benzingetränkte Putzfäden an einer
langen Latte) aus Distanz anzünden.

Die Technik der Brandlegung:
- Im Depot vorhandene Löscheinrichtungen zerstören:
Feuerwehrschläuche durchschneiden Wasseranschlüsse demolieren
(Haupthahn, Hydranten usw.) Schaumlöscher entleeren.
- Durch Öffnen aller Türen und Einschlagen der Fenster Durchzug
schaffen, um das Feuer anzufachen.
- Den Depotinhalt immer auf der dem Durchzug zugewandten Seite mit Öl,
Petrol oder Benzin übergiessen und anzünden.
- Wenn das Material gepresst ist und eine glatte Oberfläche aufweist
(Kisten, Säcke, Heu- oder Stroh ballen usw.), wird das Feuer nur
"motten". In diesem Falle muss an möglichst vielen Stellen angezündet
werden. Es geht darum, neben dem eigentlichen Feuerschaden viel
Wasserschaden zu provozieren.
Viele Zündstellen = überall löschen = grosser Wasserschaden!
****

Angriff auf ein Depot mit chemisch/technischen Produkten

Allgemeines:
- Depotinhalt: chemisch/technische Produkte. Hoch feuer- und
explosionsempfindlich.
- Verpackung des Depotinhalts: Kisten, Kartons, Säcke, Fässer,
Kanister, Flaschen.
- Sicherung, Niederkämpfen der Wache usw.
- Was nicht für den eigenen Gebrauch abtransportiert werden kann, wird
zerstört.
- Das einfachste und zugleich wirksamste Zerstörungsmittel ist Feuer.

Die Technik der Brandlegung:
- Das Problem besteht darin, leicht brennbare, ja
explosionsgefährliche Stoffe ohne Risiko für den Zerstörungstrupp
(Brandverletzungen!) entzünden zu können.
- Ein einfaches, leicht zu beschaffendes Hilfsmittel stellt Nitro-Lack
dar (z.B. Ski-Lack). Die Nitrolackspur übernimmt in diesem Falle die
Funktion einer Zündschnur.
- Der Lack muss in einem dünnen, zusammenhängenden Faden auf den Boden
gegossen werden. Das Feuer frisst sich auf der Nitrolackspur mit einer
Geschwindigkeit von ca. 50 cm pro Sekunde vorwärts. Eine Lackspur von
5 m Länge verschafft somit 10 Sekunden Zeit, um sich vor der
explosionsartigen Brandausbreitung in Sicherheit zu bringen.
- Die Bodenbeschaffenheit hat auf die Verwendungsmöglichkeit des
Nitrolacks entscheidenden Einfluss. Beton-, Holz- oder Asphaltböden
sind gut geeignet.
Festgestampfte Erde (z. B. Feldweg) geht gerade noch. Nasse Wiesen,
Waldboden, nasse Ackererde und Schnee sind ungeeignet.
- Vorgehen bei der Brandlegung:
1. Das zu zerstörende Objekt mit einer Kanne Benzin, Petrol oder
Terpentin übergiessen.
2. Vom Brandobjekt her nach rückwärts eine Nitrolackspur auslegen.
3. Lackspur entzünden und sofort in Deckung gehen.
- Wenn Fass-Stapel abbrennen, explodieren sowohl gefüllte, wie auch
halbgefüllte Fässer. Bei der Explosion werden immer die beidseitigen
Fassböden herausgerissen und der stichflammenartig abbrennende
Fassinhalt in der Längsrichtung zum Fass weggeschleudert. Die
Fassrundung wird selten aufgerissen. Eine erfahrene
Feuerwehrmannschaft wird diesen Umstand ausnützen und sich von dieser
relativ sicheren Seite her dem Brandherd nähern. Dieses Vorgehen kann
man verunmöglichen, wenn vor der Brandlegung rasch einige Fässer so
gedreht werden, dass ihre Böden in Richtung Magazineingang weisen. Die
gerichteten Flammenbündel der Explosionen hindern die
Feuerwehrmannschaft am Näherrücken.
Die einzelnen Fässer explodieren während des Brandes völlig
unberechenbar und in unregelmässigen Abständen.

Angriff auf eine Benzintankanlage

Allgemeines:
- Benzintankanlagen befinden sich in der Regel in der Nähe einer
Bahnstation und sind mit dieser durch ein Anschlussgeleise verbunden.
- Benzintankanlagen setzen sich zusammen aus:
a) Tankwärterhaus: Im Erdgeschoss befindet sich die Abfülleinrichtung
für Zisternen-Lastwagen. Im 1. Stock befindet sich die Wärterwohnung.
Telephonanschluss;
b) oberirdische Tanks. Fassungsvermögen bis zu mehreren Millionen
Litern;
c) unterirdische Tanks. Zugänglich durch einen Einsteigschacht.
Fassungsvermögen: immer geringer als bei oberirdischen Tanks;
d) Fass-Stapel, Zisternen-Lastwagen, Eisenbahn-Zisternenwagen;

*****
Legen der Lackspur: Richtig = Spur zusammenhängend giessen Falsch =
Spur unzusammenhängend.
Fasslager im Freien auf einer Wiese: Lackspur auf Holzlatte legen
nasser Wiesenboden: Holzlatte (sog. "Dachlatte" ) oder schmales Brett
Zünden unter schwierigen Umständen: (z. B. auf nasser Erde, Wiese,
über Schnee usw.)
*****

e) Abfülleinrichtung für Eisenbahn-Zisternenwagen (am
Anschlussgeleise). - Einteilung des Kleinkriegsverbandes für den
Angriff, Niederkämpfen der Wache usw.

Zerstörungsmöglichkeiten :
Vorbemerkungen.
- Benzin lässt sich leicht entzünden. Dieselöl dagegen fängt nur
schwer Feuer. Hege keine übertriebenen Erwartungen!
- Treibstoffe in Tanks können nur schwer, oft überhaupt nicht
entzündet werden.
- Treibstoffe in Tanks brennen nur äusserst langsam ab. Zeitbedarf:
Tage und Wochen.
- Wenn möglich zuerst eine grössere Menge Treibstoff auslaufen lassen
und nachher anzünden.

*****
Zerstörung von Trelbstoff-Fass-Stapeln

Möglichkeiten:
1 Fass-Stapel mit Benzin, Petrol usw. übergiessen und aus Distanz in
Brand setzen.
2 Mit einer Sprengladung einzelne Fässer aufreissen und den
auslaufenden Treibstoff aus Distanz in Brand setzen.
3 Treibstoff-Fässer leck schiessen und den auslaufenden Treibstoff aus
Distanz in Brand setzen.
4 Mit Hammer und Meissel einzelne Fässer leck schlagen und den
auslaufenden Treibstoff aus Distanz in Brand setzen.
In allen Fällen bringt der entstehende Brand (Hitze) die Fässer zum
Platzen. Man darf nicht zu früh anzünden. Je grösser die
Treibstofflache ist, um so sicherer wird der ganze Fassstapel
vernichtet.
Um das persönliche Risiko des Saboteurs zu verkleinern, muss der
ausgelaufene Treibstoff immer aus Distanz entzündet werden. Mittel
hierzu: Brandflaschen oder brennende Putzfädenknäuel, die an einem
schweren Gegenstand befestigt sind, hineinwerfen ("Fackeln").
*****

- Das Inbrandstecken grosser Mengen ausgeflossenen Treibstoffes ist
für die Zündmannschaft sehr gefährlich! Daher immer aus Distanz
zünden. Möglichkeiten:
a) Signalrakete oder Leuchtrakete hineinschiessen;
b) mit Leuchtspurmunition hineinschiessen;
c) Sprengladung hineinlegen und mit langer Zeitzündschnur zünden.
Sprengladungen aus Schwarzpulver ergeben eine grössere Stichflamme und
sind daher geeigneter als Trotyl- oder Plastitladungen.
- Trotz diesen vielen Einschränkungen darfst du aus der Tankzerstörung
keine Wissenschaft machen. Aufgerissene Tanks müssen repariert werden.
Durchlöcherte Fässer sind unbrauchbar. Brände stören!

Oberirdische Tanks ~ Beschuss mit Gewehrgranaten oder Raketenrohr.
Zielpunkt: Mitte Behälter.
- Anbringen einer geballten Ladung von mindestens 4 kg am Fusse des
Behälters.
- Durch Beschuss oder Sprengung wird der Tankinhalt selten in Brand
gesetzt. Daher ist der ausfliessende Treibstoff durch Behelfsmittel
nachträglich in Brand zu stecken.

Unterirdische Tanks - Die Tanks sind in der Regel 1-3 m in den Boden
eingelassen.
- Bringe die Sprengladung im Einsteigschacht an, und zwar unmittelbar
auf dem Tankblech. Verwende mindestens 500 g Sprengstoff.
- Bei gefüllten Tanks bewirkt die Sprengung ein Bersten der
Tankwandung, da die Flüssigkeit nicht komprimierfähig ist. Ist der
Tank nicht ganz gefüllt, so enthält der restliche Tankraum vielfach
ein explosionsgefährliches Luftgemisch, welches zur Zerstörung
beiträgt. In jedem Falle muss aber die Ladung ausserhalb des
Tankraumes angebracht werden.
- Der Tankinhalt wird durch die Explosion selten in Brand geraten.
Durch Einwerfen von Fackeln, Brandflaschen, Handgranaten usw. in den
Einsteigschacht ist der Treibstoff nachträglich zur Entzündung zu
bringen.

Eisenbahn-Zisternenwagen - Zerstörung: Beschuss mit Gewehr-
Hohlpanzergranaten oder Raketenrohr.
Sprengen mit einer Ladung von 500 g. Zielpunkt: untere Hälfte des
Tankkessels. Anbringungsort der Sprengladung: im Idealfall Tank-
Unterseite, sonst an der Tankseitenwand so tief als möglich. Wirkung:
wenn der getroffene Wagen nicht explodiert, so läuft doch wenigstens
der Treibstoff aus.
- Beschädigung: Beschuss mit gewöhnlicher Gewehrmunition. Die
Kesselbleche werden durchschlagen, der Treibstoff läuft aus und der
Wagen muss in Reparatur.

Angriff auf ein Munitionsdepot oder Freilager

- Sicherung, Niederkämpfen der Wache usw.
- Kleinkriegsverbände leiden unter chronischem Munitionsmangel. Wenn
immer möglich wird erbeutete Munition für eigene Zwecke verwendet. Nur
in Ausnahmefällen wird Munition zerstört.
- Bei der Munitionszerstörung muss unterschieden werden zwischen:
a) Kleinwaffenmunition (bis zum Kaliber 12,7 mm);
b) schwere Munition (Kaliber 20 mm und mehr).
- Munition kann grundsätzlich zerstört werden durch:
a) in Brand setzen;
b) Sprengen;
c) Versenken (Bach, Teich, Fluss, See).
Nässe verdirbt die Munition sehr schnell! In der Folge ist nur noch
von der Methode "Brand/Sprengen" die Rede.
- Zerstörung von Kleinwaffenmunition:
Wenn man sehr wenig Zeit hat: Kartons und Kisten aufstapeln, mit
Benzin übergiessen und anzünden.
Wenn man etwas mehr Zeit hat: Munitionspackungen aufreissen und
Patronen an einen Haufen schütten. Mit Benzin übergiessen und
anzünden.
Wirkung: die Munition detoniert durch die Hitze oder wird deformiert.
Selbst äusserlich scheinbar unbeschädigte Munition kann nicht mehr
verwendet werden, da sich ihre "innern Eigenschaften" in
unberechenbarer Weise verändert haben.
- Zerstörung schwerer Munition:
Einige Panzerminen oder Sprengbüchsen (insgesamt mindestens 10 kg
Sprengstoff) als Initialladung verwenden. Um diese herum die übrigen
Munitionskisten aufstapeln. Hochbrisante Munition näher, weniger
brisante weiter entfernt. Den Stapel sprengen. Wirkung: ein Teil der
Munition wird durch die Initialladung ausgelöst und detoniert
ihrerseits. Andere Teile werden durch die Gewalt der Explosion bloss
weggeschleudert. Auch diese Munition ist unbrauchbar, da der Gegner
befürchten muss, dass die Zünder deformiert sind und Rohrkrepierer
entstehen.

*****
Zerstörung schwerer Munition

1 Initialladung, bestehend aus einigen Panzerminen oder Sprengbüchsen.
Mindestsprengstoffgewicht 10 kg. Zündung mit Sprengkapsel Nr. 8 und
Zeitzündschnur.
2 Ober der Initialladung: Kisten mit Minen, Sprengstoff oder
Handgranaten.
3 Um oder über die Initialladung: Kisten mit Artillerie- oder
Minenwerfermunition.
4 Raketenmunition und pyrotechnische Mittel.
5 Wenig brisante Munition (z. B. 20-mm-Flab- oder gar
Kleinwaffenmunition) als "Verdämmungsmaterial" verwenden.

Zerstörung von Kleinwaffenmunition 1 Bessere Methode (wenn man etwas
Zeit hat):
Lose Patronen aufhäufen, mit Benzin übergiessen und anzünden.
2 Schlechtere Methode (wenn man keine Zeit hat):
Munitionskartons oder -kisten aufstapeln, mit Benzin übergiessen und
anzünden.

*****

Überfall auf einen Stab oder eine Truppenunterkunft Grundsätze:
- Das Angriffsobjekt isolieren, um:
a) ein Entkommen des aufgescheuchten Gegners zu verunmöglichen;
b) zu verhindern, dass von aussen Hilfe kommt.
- Wache angreifen und lautlos erledigen.
- Den Gegner im Objekt vernichten.

Beispiel (Befehl eines Führers):

1. Orientierung: ". . . im Gebäude 300 m vor uns befindet sich ein
feindlicher Stab. Wir überfallen diesen! Ein Wachtposten steht vor dem
Haus bei den drei Pappeln. Ein zweiter Posten befindet sich hinter dem
Haus in einer Tannengruppe...
2. Absicht: ". . . ich will das Haus allseitig umstellen, damit
niemand entkommen kann. Den einen Wachtposten lautlos erledigen.
Unbemerkt an das Gebäude herankommen und eine geballte Ladung
hineinwerfen. Oberlebenden Gegner, der sich ins Freie flüchtet, mit
den Oberwachungstrupps abschiessen...
3. Befehl: ". . . den Wachtposten bei den drei Pappeln erschlage Ich
mit dem Handbeil persönlich. Oberwachungstrupp Nr. 1 - Schweizer und
Blumenstein - überwacht die N- und W-Fassade. Stellungsraum In der
Nähe der Wegeinmündung. Oberwachungstrupp Nr. 2 Moser und Müller -
überwacht die S- und E-Fassade. Stellungsraum bewaldete Bodenerhebung
80 m hinter dem Haus.
Feuereröffnung der Oberwachungstrupps:
a) wenn alles gut geht, nach der Sprengung:
b) wenn etwas schief geht, d. h. der Gegner aufmerksam wird, sofort!
Achtung auf den eigenen Sprengtrupp.
Sprengtrupp - Blaser und Nyffenegger - geht auf mein LIchtzeichen an
die Westfassade heran und wirft die geballte Ladung (5 kg Sprengstoff)
durch das schlecht verdunkelte Fenster. Nach der Detonation ziehen sie
sich sofort über die drei Pappeln hierher zurück, damit die
Oberwachungstrupps freies Schussfeld haben!

Angriff auf einen kleinen Stützpunkt

- Der Kleinkriegsverband wird eingeteilt in:
a) Kampfdetachement (Feuerunterstützungstrupps, Stosstrupps,
Drahtschneide- oder Entminungstrupps usw.);
b) Zerstörungsgruppe (Sprengmittel, Brandmittel);
c) Beutesammelgruppe (Transporttrupps).
- Gleich zu Beginn des Überfalls werden alle Verbindungen des Gegners
mit der Umwelt (Nachbargarnison, Jagdkommandos usw.) unterbrochen,
damit keine Hilfe herbeigerufen werden kann. Zerschneide hierzu alle
Telephonleitungen. Den Funkverkehr kannst du nicht unterbinden. Setze
aber sofort einen Stosstrupp gegen den Standort des Funkgeräts an.
Dessen Platz ausfindig zu machen gehört mit zur sorgfältigen
Aufklärung.
- Alle wichtigen Punkte wie Offiziersunterkunft, Mg- und Mw.-
Stellungen, Scheinwerferstände usw. werden gleichzeitig angegriffen.
- Wenn möglich ist der Abwehrkampf der Besatzung von innen her zu
sabotieren. Mittel: vor langer Zeit vorsorglich in den Stützpunkt
eingeschleuste Elemente der zivilen Widerstandsbewegung (Hilfspersonal
wie Köche, Putzer, Wagenwascher, Handwerker usw.).

Angriffe auf das Telephonnetz

Sabotagemöglichkeiten

Oberirdisches Telephonnetz

Unterirdisches Telephonnetz (Kabel)

Telephonzentralen

- Drähte herunterreissen
- Masten umlegen (absägen, sprengen, umfahren)
- Schacht graben
- Leitungsunterbruch an Brücken

Handstreich

Unterbrechung der Telephonfreileitungen:
- Säge oder sprenge Leitungsmasten um, so dass die Drähte zerreissen.
- Befestige ein Stück Eisen oder einen Stein an einer langen, starken
Schnur und wirf diesen über die Drähte. Ziehe an der Schnur und reisse
so den Telephondraht herunter1.
- Fälle Bäume so, dass sie beim Sturz die Telephondrähte
herunterreissen.
Erschwere die Aufräumungsarbeiten durch den Einbau einiger
Personenminen oder Sprengfallen. Im Gewirr der herunterhängenden
Telephondrähte fallen die Zugdrähte zu den Zündern nicht auf.

Unterbrechung der unterirdischen Telephonkabel:
- Die unterirdischen Leitungen bestehen aus mehreren Leitungsdrähten,
die gegeneinander und gegen die Erde durch eine Isoliermasse
abgedichtet sind (Kabel).
Zu vermehrtem Schutz gegen äussere Beschädigungen sind die Kabel
stellenweise in eiserne Röhren oder Zementkästen eingelegt.
Durchschnittliche Eingrabtiefe der Kabel 80 cm.
- Die Zerstörung unterirdischer Kabel ist delikat und gefährlich, da
die Kabel normalerweise einer belebten Strasse entlanglaufen und ein
auffälliger Schacht in die Erde gegraben werden muss.
- Gründliches Verfahren: Kabel ausgraben, Isolation entfernen, Kabel
zersägen, Kabel wieder abisolieren, Loch zudecken und Spuren der
Grabarbeit verwischen.
- Schnellverfahren: Kabel ausgraben, Kabel zersägen, vor dem Zufüllen
des Lochs beide Kabelenden so legen und mit Steinen beschweren, dass
sie sich nicht berühren, Loch zudecken und Grabarbeiten tarnen.
- Notverfahren: Zum überwinden von Gewässern werden Telephonkabel in
grossen Blechröhren unter den Brücken oder den Brückenrändern entlang
geführt.
Da lange nicht alle Brücken vom Gegner bewacht werden, lassen sich die
Kabel hier durch Sprengung leicht zerstören.
- Die erzielte Unterbrechung beträgt im Mittel 3-4 Tage.

Damit keine Unfälle passieren, muss der Saboteur rasch und sicher
zwischen Telephonleitungen und Starkstrom Leitungen unterscheiden
können. Bei Telephonleitungen laufen die Leitungsdrähte parallel (die
Isolatoren sind beidseitig der Stange auf gleicher Höhe angeordnet).
Bei Starkstromleitungen laufen die Leitungsdrähte versetzt (die
Isolatoren sind beidseits des Mastes nach der Höhe gestaffelt).

*****
Angriff auf das Elektrizitätsnetz
Transformatorenstation - Beschuss aus grosser Distanz - Handstreich
Leitungsnetz: Kleine örtliche Starkstromleitungen - Isolatoren
zerschiessen - Kurzschluss verursachen - Masten umlegen (umfahren,
absägen, sprengen)
Grosse Oberlandhochspannungsleitungen - Masten sprengen
Elektrizitätswerk - Turbinen beschädigen - Druckleitungen beschädigen
*****

Angriff auf eine Transformatorenstation

Allgemeines:
- Transformatorenstationen sind wichtige und zugleich äusserst
verletzliche Anlagen der Elektrizitätsversorgung. Sie stellen das
dankbarste Angriffsobjekt im Kampf gegen die Elektrizitätsversorgung
dar.
- Mit der Zerstörung einer Transformatorenstation wird die
Energieversorgung eines grossen Gebiets schlagartig unterbrochen. Der
angerichtete Schaden kann nur schwer wieder gutgemacht werden.
- Eine Transformatorenstation weist folgende Objekte auf:
a) Wärterhaus Im Erdgeschoss eine Halle mit der Kontroll- und
Schaltapparatur.
Im 1. Stock die Wohnung für Angestellte, welche die Anlage ständig
betreuen. Telephonzuleitung.
b) Transformatorenanlage Besteht aus Transformatoren, Kühlern,
Schaltern und Isolatoren.
c) Scheinwerferstand Zur Beleuchtung des Areals, damit auch bei Nacht
gearbeitet werden kann. Erleichtert zugleich die Bewachung der ganzen
Anlage.
d) Umzäunung Soll Starkstromunfälle verhüten. Solider 2-3 m hoher
Drahtgeflechtzaun.
Erleichtert zugleich die Bewachung der Anlage.
e) Stromzuleitung Der letzte Hochspannungsleitungsmast steht in
unmittelbarer Nähe der Umzäunung (in der Regel weniger als 100 m
entfernt).

Zerstörungsmöglichkeiten:
- Sicherung, Niederkämpfen der Wache usw.
- Dringlichkeitsfolge in der Zerstörung.

Wenn man wenig Zeit hat:
Zerstöre die Transformer. Diese bilden das Herzstück der ganzen
Anlage.
Sie sind geschützt durch eine ca. 10 mm starke Metallverschalung.
Zerstörungsmöglichkeiten:
a) Beschuss mit Stahlkernmunition, Gewehr-Hohlpanzergranaten oder
Raketenrohr;
b) Auflegen einer 3-kg-Sprengladung auf das Transformatorengehäuse.

Wenn man mehr Zeit hat:
Zerstöre zusätzlich die Kühler.
Zerstörungsmöglichkeiten:
a) Beschuss mit Stahlkernmunition, Gewehrgranaten oder Raketenrohr;
b) Anbringen einer 2-kg-Sprengladung in halber Höhe des Kühlers
(Schnur, Draht, Haken usw.).

Handstreich auf eine Transformatorenstation
Stosstruppziele:
1 Telephonverbindung, 2 Wärterhaus, 3 Wachtpatrouille, 4
Scheinwerferstand
Ziele für den Zerstörungstrupp:
5 Transformatoren, 6 Kühler, 7 Isolatoren

Wenn man viel Zeit hat:
Zusätzlich die Isolatoren, die Apparatehalle und den Zuleitungsmast
zerstören.
Zerstörungsmöglichkeit der Isolatoren (bestehen aus ca. 3 cm dickem
Porzellan):
a) Beschuss mit Sturmgewehr;
b) Zerschlagen mit Vorschlaghammer (vorher Strom ausschalten!);
c) Sprengen mit Einzelladungen von je 200 g. Am besten Plastit, das
zwischen die Isolatorenscheiben geklebt wird.
Zerstörungsmöglichkeiten der Apparaturenhalle :
a) geballte Ladung von mindestens 5 kg Sprengstoffgewicht in der
Raummitte zur Detonation bringen. Zur Erhöhung der Wirkung vorher alle
Türen und Fenster schliessen;
b) in Brand stecken.

Angriff auf das Leitungsnetz

Sprengen eines Oberland-Hochspannungsleitungsmastes

Taktik:
Sprenge nicht einen Mast in der Ebene und neben einer Strasse. Der
Gegner kann so den Schaden leicht und ohne sonderliche Mühe beheben.
Sprenge an einer möglichst abgelegenen Stelle und in schwierigem
Gelände (z. B. Steilhang), so dass dem Gegner allein schon für
Materialtransport und Anmarsch grosse Schwierigkeiten erwachsen.
Sprenge immer dort, wo die Spannweite zwischen den einzelnen Masten
sehr gross ist, also z. B. an Flussläufen, Tobeln usw.

Technik:
Einen unregelmässigen Keil heraussprengen. Erleichtert ein Kippen und
Verdrehen des Mastes. Im Idealfall alle Ladungen mit Knallzündschnur
verbinden. Notfalls durch vier Einzelladungen sprengen.
Bei der Sprengung auch die Zugwirkung der Kabel berücksichtigen.

Verursachen von Kurzschluss

Ein starker Draht (eventuell ein dünnes Drahtseil) wird an einem
eisernen Geländer befestigt oder in feuchtes Erdreich gesteckt. Am
Wurfende wird als Beschwerung ein Stück Eisen befestigt und der Draht
anschliessend über die Leitung geworfen. Achtung! Draht beim Wurf
sofort loslassen. Nach erfolgtem Kurzschluss kann in einem gewissen
Umkreis eine starke Erdspannung entstehen. Diese ist jedoch nur
gefährlich, wenn ihr Bereich mit raschen, grossen Schritten verlassen
wird. Der Saboteur muss deshalb langsam und mit kurzen Schritten
weggehen.

Sabotage an der Fahrleitung. Zerschiessen der Isolatoren

- Schiesse mit wohlgezieltem Einzelschuss die Fahrleitungsisolatoren
herunter.
Verübe diese Sabotage auf freier Strecke und weitab von Stationen.
- Du musst unterscheiden zwischen "Tragseil" und "Fahrdraht".
Ziel des Sabotageaktes ist, das "Tragseil" durch Zerschiessen der
stützenden Isolatoren auf das "Tragwerk.. (Leitungsmast)
herunterfallen zu lassen, wobei Kurzschluss entsteht und das Tragseil
durchschmilzt.
- Lege beim Schiessen die Waffe auf, um rasch und ohne grossen
Munitionsaufwand zu treffen.
- Halte dich beim Schiessen in vorsichtiger Distanz (50-80 m) damit
dich der bei Kurzschluss entstehende Lichtbogen nicht gefährdet.
- Bei Doppelspur müssen beide Fahrleitungen zerstört werden.

Sabotage an der Fahrleitung. Verursachen von Kurzschluss

Von einer Überführung aus:
- Verbinde Schutzgeländer und Schiene mit einem dünnen Drahtseil von
5-8 mm Stärke.
- Befestige ein gleiches Drahtseil am Schutzgeländer. Binde an das
Wurfende des Kabels ein Stück Eisen als Beschwerung.
- Wirf das Kabel von der Überführung aus auf die Fahrleitung. Lasse
das Kabel sofort los (Lebensgefahr!). Da Geländer und Schutzwände der
Überführung geerdet sind, ist das Verfahren für den Saboteur relativ
ungefährlich.
- Verwende nur starke Kabel. Dünne schmelzen sofort durch, was
lediglich einen momentanen Spannungsabfall in der Leitung zur Folge
hat.

Auf freier Strecke an einer Böschung:
- Befestige das Drahtseil an der Schiene. Binde ans Wurfende ein
Eisenstück als Beschwerung.
- Wirf das Seilende von der Böschung aus über die Fahrleitung. Hierbei
spielt es keine Rolle, ob du das Tragseil oder den Fahrdraht triffst,
beide stehen unter Spannung.

Sabotage am Unterbau (Geleise). Abschlagen der Schraubenköpfe

- Die Schraubenköpfe an den Eisenbahnschwellen lassen sich leicht mit
einem Vorschlaghammer abschlagen (grosse Kälte erleichtert das
Abspringen).
- Hege bezüglich Erfolg keine übertriebenen Erwartungen. Eisenbahnzüge
werden keine entgleisen. Aber Kontroll- und Reparaturmannschaften
werden stark beansprucht und fehlen dann anderswo.

Sabotage am Unterbau. Sprengen der Geleise

- Auf offener Strecke werden die Geleise immer in einer Kurve
gesprengt.
Gründe:
- Gebogene Schienen sind schwerer zu ersetzen als gerade.
- In Kurven entgleisen Züge leichter (Zentrifugalkraft!).
- Das Zugspersonal vermag Breschen im Schienenstrang später und
schlechter zu erkennen als auf gerader Strecke.
- Sprenge immer den äusseren Strang. So treibt die Zentrifugalkraft
den heranbrausenden Zug an der Zerstörungsstelle leichter aus den
Schienen und wirft die Trümmer gleichzeitig auf das Nebengeleise.
Fahrtrichtung der Züge im regulären Verkehr: Links.
- Entgleisungswahrscheinlichkeit: Wenn der Lokomotivführer die Bresche
nicht bemerkt und in einer Kurve mit voller Geschwindigkeit in die
Sprengstelle hineinfährt, so genügt eine Lücke von 30 cm.
Wenn das Bahnpersonal die Zerstörungsstelle kennt und den Zug im
Schritttempo über die Sprengstelle führt, so können auch noch Breschen
von 50-60 cm Breite ohne Entgleisung überwunden werden.

Sprengen von Eisenbahnschienen

Entscheidend für Entgleisen oder Nichtentgleisen ist nicht die Grösse
der Bresche, sondern die Geschwindigkeit des Zuges. Breschen von
mindestens 30 cm führen bei unverminderter Geschwindigkeit zur
Entgleisung. Bei "Schleichfahrt" können nötigenfalls auch noch
Breschen bis zu 60 cm ohne Entgleisung überfahren werden.

1 Sprengladung: Sprengbüchse 500 g oder 1 kg. oder - 500 bis 1000 g
PLASTIT oder Zivilsprengstoff
- 2 Sprengkapsel Nr. 8
- 3 Zeitzündschnur
- 4 Handgranate 43 als Initialzündung der Sprengladung
- 5 Sprengkapsel Nr. 8 in Sprengladung eingesetzt, um die
Detonationsübertragung zu gewährleisten
- 6 Drahtbund zum Befestigen der Sprengladung oder der Handgranate
- 7 Abreissschnur der Handgranate
- 8 Verlängerungsschnur. um die Sprengladung aus einer Deckung heraus
zünden zu können
- 9 Sandsäcke zur Verdämmung der Sprengladung
- 10 Eisenbahnschiene
- 11 Eisenbahnschwelle

Sabotage am Unterbau. Zerstörung von Weichen und Herzstücken.

Weichen werden mit einer Sprengladung von 1 kg gesprengt. Wenn
Sprengmittel fehlen, wird das Weichenantriebsgestänge mit
Vorschlaghammer oder Brecheisen verkrümmt.

Herzstücke werden mit zwei Sprengladungen von je 1 kg gesprengt.

Sabotage am Unterbau. Schmieren der Schienen.
- Bestreiche die Geleise in Steigungen mit Fett, Öl oder Schmierseife.
- Bestreiche immer beide Schienen auf einer Mindestlänge von 200 m.
Andernfalls schleudern zwar die Räder der Lokomotive, aber der Zug
schlittert durch den innewohnenden Schwung über die Sabotagestelle
hinweg.

Zerstörung von Rollmaterial

Elektrische Lokomotive:
- Zerschiesse die Dachisolatoren.
- Zerschlage mit einem Vorschlaghammer die Instrumente im Führerstand.
- Schlage im Maschinenraum mit einem Pickel Löcher in die dünne
Metallumwandung der Transformatorenkessel und zünde das ausfliessende
Öl an.

Dampflokomotiven:
- Wirf eine Sprengladung von 1 kg durch die Feuerungstüre.
- Zerschlage mit einem Vorschlaghammer die Instrumente im Führerstand.
- Zerschiesse mit Gewehrmunition den Dampfkessel. Zielpunkt: mittleres
Drittel der Lokomotive, ca. 2 m vor dem Führerstand.

Eisenbahnwagen:
- Sprenge die Wagenachsen mit einer Sprengladung von 1 kg.

Schmierbüchse

Sabotage am Eisenbahnrollmaterial: Wirf in jede Schmierbüchse eine
Handvoll Sand, Schmirgelpulver oder Eisenspäne. Die
Schmierbüchsendeckel, speziell an Güterwagen, können von blosser Hand
leicht geöffnet werden. Der Erfolg tritt nicht sofort ein. Die Lager
werden jedoch unverhältnismässig rasch abgenützt. Da man keine
technischen Hilfsmittel benötigt und der Sabotagevorgang äusserst
einfach ist, kann jedermann das Verfahren unauffällig anwenden.

Handstreich auf eine Eisenbahnstation

Allgemeines:
Eine Eisenbahnstation weist folgende Objekte auf:
- Stationsgebäude mit Büro, Stellwerk und Wohnung des Vorstandes.
- Geleiseanlagen mit Schienen, Weichen, Herz- und Kreuzstücken,
eventuell Drehscheibe.
- Fahrleitung mit Hauptleitungsmast und gewöhnlichen Leitungsmasten.
Am Hauptleitungsmast einen Ölisolator.
- Signalanlagen mit Ein- und Ausfahrtssignalen.
- Verbindungsnetz mit Privattelephon, Diensttelephon und
Diensttelegraph.

Zerstörungsmöglichkeiten :
- Wenn man wenig Zeit hat: nur die Weichen sprengen.
- Wenn man mehr Zeit hat: zusätzlich Kreuz- und Herzstücke sprengen
und die Stellwerkeinrichtung mit dem Vorschlaghammer zertrümmern.
- Wenn man viel Zeit hat: zusätzlich den Ölisolator am
Hauptleitungsmast mit Gewehr zerschiessen und die Drähte der
Signalanlagen zerschneiden.

Besonderes:
- Uniformen und eventuell Waffen des Bahnpersonals behändigen.
- Stationskasse behändigen (ist kein Diebstahl. Geld gehört der
Besetzungsmacht).
- Fahrkarten behändigen (können der zivilen Widerstandsbewegung
übergeben werden).
- den Güterschuppen auf brauchbares Material, Lebensmittel usw.
durchsuchen.

Taktik der Linienunterbrechung

- Es geht darum, einen geregelten Bahnbetrieb zu verunmöglichen und
die Unterbrechungszeiten maximal auszudehnen. Das wird erreicht, indem
die Reparaturorganisation möglichst oft neu anlaufen muss (Alarmierung
der Arbeitsequipen, Zusammenstellen der Hilfszüge usw.).
- Eine Zugskatastrophe pro Monat belastet den Gegner weniger als das
pausenlose tägliche Beheben von Kleinschäden.
- Eine einfache Geleisesprengung ergibt eine Linienunterbrechung von
5-6 Stunden. Eine Zugsentgleisung eine solche von 12-13 Stunden.
- Der Gegner wird als Gegenmassnahme eine allgemeine
Geschwindigkeitsbeschränkung für die Züge einführen. Dadurch
entgleisen jeweils nur die vordersten 3-4 Wagen. Die
Geschwindigkeitsbegrenzung setzt jedoch die Leistungsfähigkeit der
betreffenden Linie erheblich herunter.
Durch Mischen von Personenwagen mit Schweizer Reisenden und Güterwagen
mit Kriegsmaterial oder Truppen versucht die Besetzungsmacht, die
Partisanen von Bahnanschlägen abzuhalten. Die mitgeführten
Zivilpersonen sollen sozusagen einen "Schutzschild" bilden.
Durch Voranschieben einiger leerer oder sandbeladener Güterwagen
sollen die wertvollen Lokomotiven vor Beschädigung geschützt werden.
Zusätzlich in die Zugskomposition eingeschobene offene Güterwagen mit
aufmontierten Geschützen oder Mg. sichern den Zug und sollen die
Oberfalldetachemente aktiv bekämpfen.
- Eine statische Bahnbewachung wird erst wirksam, wenn alle 100 mein
Posten steht.

Angriffe auf Eisenbahnzüge

Der Angriff auf einen Eisenbahnzug kann sich auf folgende Arten
abwickeln:
- BIosses Beschiessen des vorbeifahrenden Zuges mit Gewehr oder
Maschinengewehr.
- Einfaches Entgleisenlassen des Zuges.
- Entgleisenlassen des Zuges und nachfolgendes Beschiessen der Trümmer
mit Gewehren, Maschinengewehren und Minenwerfern.
- Entgleisenlassen des Zuges. Beschiessen der Trümmer. Herangehen
eines Stosstrupps, Niederkämpfen eventuellen Widerstandes in den
Zugstrümmern (überlebende Begleitmannschaft). Einsammeln von
Beutematerial.

Praktisches Beispiel:

Der Eisenbahnverkehr aus dem Raume Bern ins Oberland (Thun) soll
unterbrochen werden. Es nützt wenig, nur die Hauptlinie durch das
Aaretal im Raume Münsingen zu zerstören.
Wichtige Transporte können umgeleitet werden:
a) durch das Gürbetal (Belp) b) über Konolfingen-Oberdiessbach Die
nachhaltigsten Zerstörungen nützen nichts, wenn die Sprengstellen
umfahren werden können.
Es müssen in unserem Beispiel alle drei Linien gleichzeitig oder doch
kurz nacheinander unterbrochen werden.

In der Folge wird nur noch die letzte Methode, der eigentliche
Handstreich, behandelt.

Allgemeines:
- Man unterscheidet taktisch:
a) Überfallort;
b) Treffpunkt;
c) Nachrichtenstelle;
d) Ausweichraum.
- Man unterscheidet technisch:
a) Hauptsprengstelle;
b) Nebensprengstellen.

Der Überfallort:
- Der Überfallort setzt sich zusammen aus der "Hauptsprengstelle" und
der "Lauersteilung des Kleinkriegsverbandes".
- Die Lauerstellung des Kleinkriegsverbandes setzt sich zusammen aus:
a) Feuerstellungen für Zielfernrohrgewehre, Maschinengewehre und
Minenwerfer, welche den entgleisten Zug unter Feuer zu nehmen haben;
b) Warteplatz des Stosstrupps, der an den entgleisten Zug herangeht
und den Transporttrupp deckt;
c) Warteplatz des Transporttrupps. der Beutematerial einsammelt und
mit Tragtieren und Pferdekarren abtransportiert.

Die Hauptsprengstelle :
- Hier wird der Eisenbahnzug zum Entgleisen gebracht. Technische
Durchführung: "Eisenbahnfalle".

Die Nebensprengstellen:
- Befinden sich einige Kilometer von der Hauptsprengstelle entfernt.
- Sollen Hilfemassnahmen verzögern und Wiederherstellungsarbeiten
vergrössern.
- Es wird nur je eine Sprengpatrouille von 5-7 Mann eingesetzt.
- Die Geleisesprengung wird erst ausgelöst, wenn an der
Hauptsprengstelle (Überfallort) der Kampf im Gange ist.
Auslösungszeichen: Gefechtslärm.

Der Treffpunkt:
- Geländepunkt. der jedem bekannt ist und der leicht gefunden werden
kann.
Einige Kilometer vom Überfallort entfernt.
- Bis zum Treffpunkt geht jede Gruppe einzeln zurück. Vom Treffpunkt
an geht der ganze Verband geschlossen zurück.

Die Nachrichtenstelle:
- Befindet sich einige Kilometer vom Treffpunkt entfernt. Ist jedem im
Detachement bekannt. Wer den Treffpunkt zu spät oder überhaupt nicht
erreicht, findet hier versteckte Nachricht über den Verbleib der
Kameraden.

Der Ausweichraum:
- Hierher wird ausgewichen, um eventuellen Verfolgungsaktionen des
Gegners zu entgehen.
- Befindet sich 8-10 km vom Überfallort entfernt. Die an sich kleine
Distanz genügt, wenn mehrere Hügelzüge dazwischen liegen!

Angriff auf eine Brücke

Allgemeines:
- Wichtige Brücken werden auf dem Rückzug von unsern Truppen
gesprengt.
Kleinkriegsverbände werden lediglich in die Lage kommen, vom Gegner
eingebaute "Kriegsbrücken" zu zerstören.
- Kriegsbrücken weisen normalerweise Holz- oder Stahlkonstruktion auf.

Holzbrücken :
- Wenn du sehr wenig Zeit hast, wird mit Schnell-Ladungen gesprengt
(gestreckte Ladungen, Sprengröhren usw.). Dort wo Streckbalken sind,
am meisten Sprengstoff auflegen.
- Wenn man mehr Zeit hat, werden zusätzlich die Unterstützungen
gesprengt.

Eisenbrücken:
- Wenn du sehr wenig Zeit hast, werden mit Schnell-Ladungen lediglich
die Gurtungen gesprengt.
- Wenn man mehr Zeit hat, wird planmässig gesprengt.
- Zerschneide die Brücke durch einen einfachen Trennschnitt. Sprenge:
a) beide untern Gurtungen;
b) eine obere Gurtung;
c) auf derselben Seite eine Diagonale;
d) die Fahrbahnträger.
- Durch Nichtsprengen einer obern Gurtung erreicht man, dass die
Brücke sich vor dem Absturz seitlich verdreht. Das Wegräumen der
Trümmer wird so erschwert und die Wiederverwendung der Hauptträger
verunmöglicht.

Hege bei diesen einfachen Brückensprengungen keine übertriebenen
Hoffnungen und Erwartungen hinsichtlich Zerstörungswirkung. Du
erzielst lediglich einen mehr oder weniger langen Verkehrsunterbruch.
In der Mehrzahl der Fälle wird der Gegner, der mit modernsten
Baumethoden arbeitet, das von dir zerschlagene Objekt in relativ
kurzer Zeit wieder hergestellt haben. Es ist deshalb nicht so wichtig,
wie du sprengst, als vielmehr, wann du sprengst. Eine technisch
primitiv durchgeführte Zerstörung, aber taktisch geschickt kurz vor
entscheidenden Aktionen ausgelöst, ist militärisch wertvoller als eine
hervorragend vorgenommene Sprengung zu einem flauen Zeitpunkt, wo der
Gegner nicht so sehr auf die Verbindungen angewiesen ist.

Angriff auf Flugplätze

- Man unterscheidet: a) Grossflugplätze; b) Feldflugplätze.
- Grossflugplätze verfügen über sehr lange Hartbelagpisten und eignen
sich für Start und Landung von Bombern, schweren Transportflugzeugen
und Hochleistungsjägern. Der Überfall auf einen Grossflugplatz ist
normalerweise die Aktion eines Verbandes von mindestens
Bataillonsstärke.
- Feldflugplätze verfügen als Start- und Landefläche lediglich über
Wiesen.
Eventuell verstärkt durch Stahlgitter-Bodenbeläge. Sie eignen sich nur
für den Flugbetrieb mit Verbindungsflugzeugen, leichten Transportern,
Helikoptern und Jabos für "Kurzstart ab Graspisten".
Feldflugplätze sind lohnende Angriffsziele für
Kleinkriegsdetachemente. In der Folge ist nur noch von ihnen die Rede.
- Als Zerstörungsobjekte kommen in Frage:
a) mobile schwere Funkstationen;
b) mobile Radarstationen;
c) abgestellte Flugzeuge;
d) Treibstoff- und Munitionsvorräte;
e) Flugzeugbesatzungen und Flieger-Bodenpersonal.
- Normalerweise reichen die Kräfte eines Kleinkriegsdetachements nur
aus, um 2-3 Objekte zu zerstören. Der Kommandant muss sich
entscheiden, welche Ziele er angreifen will.

Zerstörungsm6gllchkelten an einem Leichtflugzeug - Rumpf und Flügel
sind teilweise stoffbespannt und deshalb leicht brennbar
(Brandflaschen, Brandkanister). (2) - Mit Axt, Vorschlaghammer oder
Brecheisen können die Flugzeugflügel leicht zerstört werden. Von oben
werden die Beplankungsbleche eingeschlagen und nachher die Leitungen
und Steuergestänge zerstört. (1) - Das Kabinendach wird eingeschlagen
und das Armaturenbrett zertrümmert (2) oder eine Handgranate ins
Flugzeuginnere geworfen.

- Bei den Angriffsaktionen unterscheidet man:
a) Feuerüberfälle;
b) Handstreiche.
- Bei den Feuerüberfällen werden abgestellte Flugzeuge, Funk- und
Radarstationen, Unterkunftsbaracken usw. mit Minenwerfern,
rückstossfreien Geschützen, Maschinengewehren, Raketenrohren und
Zielfernrohrgewehren aus Distanz beschossen. Ein eigentlicher
Infanterieangriff ins Angriffsziel hinein findet nicht statt.
- Bei Handstreichen wird der Feldflugplatz durch Sicherungstrupps
isoliert.
Stosstrupps kämpfen Sicherungsmannschaft und Personal nieder.
Technische Trupps sprengen die Zerstörungsobjekte oder legen Brände.
Transporttrupps behändigen Beutematerial. Die Raschheit der Aktion ist
von entscheidender Bedeutung.

Zerstörungsmöglichkeiten an einem Jagdbomber:
1 Wirf eine geballte Ladung in den Luftansaugschacht. Hierbei wird das
Triebwerk zerstört sowie Flügel und Rumpf beschädigt. Notfalls genügt
auch eine HG.
2 Die Hauptfahrwerksnische ist ein günstiger Punkt zum Placieren von
Sprengladungen.
Hierbei werden Fahrwerk, Brennstofftanks und komplizierte
Leitungssysteme in den Flügeln zerstört.
3 Zerschlagen der Armaturenbretter in der Pilotenkabine.

Zerstörungsmöglichkeiten an einem Helikopter Die empfindlichsten
Punkte an einem Helikopter sind:
- Rotorköpfe (1) und - Armaturenbrett in der Führerkabine (2).
Eine Sprengladung unter den Rotorkopf oder eine gewaltsame
Beschädigung mit Brecheisen oder Vorschlaghammer setzen den Helikopter
für lange Zeit ausser Betrieb.
Das Armaturenbrett wird mit einem Vorschlaghammer zertrümmert.

Angriff auf mobile Raketen-Abschussrampen

Allgemeines:
- Abschuss-Stellen für Lenkwaffen stellen lohnende Ziele für
Kleinkriegsverbände dar.
- Lenkwaffen-Batterien oder Abteilungen setzen sich zusammen aus:
a) mehreren Selbstfahr-Abschussrampen;
b) 1-3 Feuerleit-Radarstationen;
c) einer Treibstoffabfüllstation, um die Raketen vor dem Start
aufzutanken;
d) einer Reihe von Zisternen-Lastwagen mit flüssigem
Raketentreibstoff;
e) einem infanteristischen Sicherungselement.
- Der umfangreiche und schwerfällige Tross verrät die
Lenkwaffenabteilungen.
Weiter fallen die zehn und mehr Meter langen Raketen allen unsern
Beobachtern sofort auf.
- Beim Abfüllen (Auftanken) der Raketen entstehen weithin sichtbare
Dämpfe.
Ebenso verraten Feuerschein und Rauchwolke bei Tag und Nacht den
Abschussort und locken alle in weitem Umkreis befindlichen
Kleinkriegselemente an.

Zerstörungsmöglichkeiten :
- Lenkwaffenverbände sind äusserst verletzlich.
- Abfüllstationen und Zisternen-Lastwagen sind Ziele für
Maschinengewehre und Sturmgewehre.
- Mobile Radarstationen werden am besten mit Raketenrohr oder
Gewehrgranaten (Hohlpanzergranaten oder Stahlgranaten) beschossen.
- Die Raketen selbst sind mit ihren ungezählten elektronischen und
mechanischen Einzelteilen äusserst empfindlich. Schon einzelne Treffer
aus Zielfernrohrkarabinern in den Raketenkörper führen zur sichern
Zerstörung. Der Zielpunkt ist gleichgültig. Die Hauptsache ist, dass
mit mindestens einem Schuss getroffen wird.
- Der taktisch idealste Moment für den Beschuss des Raketenkörpers ist
dann gekommen, wenn die Rakete abgefeuert wird:
- der Startlärm übertönt unsere Schüsse;
- die Raketenbedienungsmannschaft befindet sich in voller Deckung und
kann nicht mehr beobachten;
- die infanteristische Sicherungsmannschaft ist entweder ebenfalls in
Deckung oder aber hat ihre Hauptaufmerksamkeit dem attraktiven
Abschussschauspiel zugewandt.
- Der Abschussmoment ist daran zu erkennen, dass:
- im Umkreis von mindestens 200 m um die Rakete herum alles in Deckung
ist;
- am hintern Ende der Rakete Rauch auszutreten beginnt.
- Der Start geht nicht wie z. B. der Abschuss eines Raketenrohrs im
Bruchteil von Sekunden vor sich. Er verläuft vielmehr langsam und
erstreckt sich über mehrere Sekunden. Theoretisch ist es sogar dann
noch möglich, die Rakete mit Maschinengewehr, Sturmgewehr oder
Zielfernrohrkarabiner zu treffen, wenn sie sich (sehr langsam!) vom
Boden abzuheben beginnt.

Vorübergehendes Besetzen von Ortschaften

Allgemeines:
- Wenn der Gegner durch Rückschläge an der Front gezwungen ist, das
besetzte Gebiet zu räumen, wird er:
a) die politischen Gefangenen hinrichten oder verschleppen;
b) wichtige Industriezweige demontieren und die Werkeinrichtungen samt
zugehörigen Spezialarbeitern verschicken;
c) ausgedehnte Zerstörungen an nicht demontierbaren öffentlichen und
industriellen Einrichtungen vornehmen (Elektrizitätswerke, Gaswerke,
Eisenbahnanlagen, Übermittlungseinrichtungen, Brücken usw.).
- Zum Durchkreuzen dieser Massnahmen müssen unsere Kleinkriegsverbände
in der Lage sein, grössere Ortschaften rasch und zweckmässig zu
besetzen.
Wenn es den Widerstandskräften gelingt, wenigstens Teile der Industrie
und der öffentlichen Einrichtungen intakt in die Nachkriegszeit
hinüberzuretten, so leisten sie dadurch dem Land unschätzbare Dienste.

Angriffsziele :
- Besetzen der Brücken.
Sichert uns den freien Verkehr. Sperrt dem Gegner die internen
Verbindungen.
- Besetzen der Radiostation.
Ermöglicht uns, Weisungen an die eigene Bevölkerung sowie Mitteilungen
an das befreundete Ausland durchzugeben. Erschwert dem Gegner die
Beeinflussung der Bevölkerung.
- Besetzen der Verwaltungs- und Regierungsgebäude.
Keine koordinierte Abwehr für den Gegner möglich. Erleichtert uns die
Steuerung der eigenen Bevölkerung. Stellt Archive und Akten sicher.
Ermöglicht die Gefangennahme wichtiger Kollaborateure und gegnerischer
Persönlichkeiten.
- Besetzen der Gefängnisse.
Verhindert, dass die politische Polizei im letzten Augenblick die
Gefangenen ermordet oder verschleppt.
- Besetzen der Telephonverwaltung (Zentrale).
Unterbricht schlagartig die gesammten internen und externen
Telephonverbindungen des Gegners. Ermöglicht uns, Gespräche
abzuhorchen und falsche Befehle durchzugeben.
- Besetzen der Bahnhofanlagen. Sperren der Ein- und Ausfallsachsen.
Verhindert, dass der geschlagene Gegner mit dem schweren Material
abziehen kann. Verhindert, dass Verstärkungen von aussen rasch
herangeführt werden können.

Organisation der Angriffstruppe:
- An der Angriffsaktion sind beteiligt:
a) Kleinkriegsverbände;
b) Kräfte der örtlichen, zivilen Widerstandsbewegung.
- Der eigentliche Angriff wird von den Kleinkriegsverbänden geführt.
Die zivile Widerstandsbewegung begleitet, unterstützt und schirmt ab.
- Die Kleinkriegsverbände gliedern sich in:
a) Sicherungsdetachemente.
Sperren die Hauptzufahrtsachsen an geländemässig günstigen Stellen
(Brücken, Engnissen usw.) und isolieren die angegriffene Ortschaft.
b) Stosstrupps.
Greifen Brücken, Radiostation, Unterkünfte, Stützpunkte, Gefängnisse
usw.
an.
c) Reserve.

- Die im Ort lebende zivile Widerstandsbewegung leistet dem
Kleinkriegsverband folgende Hilfe:
a) Auskundschaften der feindlichen Unterkünfte, Alarmplätze und
Stützpunkte, Postenstandorte, Waffenstellungen, Gewohnheiten der
Wachen;
b) Rekognoszieren günstiger Bereitstellungsräume für Stosstrupps;
c) Erkunden von Schleichwegen für das Einsickern der Stosstrupps in
die Bereitstellung (durch Kanalisation, Hinterhöfe, Gärten,
Einschmuggeln mit Fahrzeugen usw.).

Durchführung der Aktion:
- Die Stosstruppführer erkunden in Zivilkleidern ihre Angriffsobjekte.
- Die Stosstrupps infiltrieren in die Ortschaft und beziehen ihre gut
getarnten Bereitstellungsräume (Kanalisationsanlagen, Mietwohnungen
und Geschäftslokale nahe den Angriffsobjekten).
- Die Sicherungsdetachemente isolieren das Gefechtsfeld.
- Die wichtigsten Objekte werden von den Stosstrupps schlagartig
angegriffen und besetzt.
- Die Reserve wird herangezogen, säubert den Ort endgültig und wehrt
zusammen mit den Sicherungsdetachementen Entsatzversuche ab.
Die Reserve wird sofort behelfsmässig motorisiert. Grossgaragen zählen
daher mit zu den Angriffszielen der Stosstrupps. Motorfahrer werden in
die Reserve eingeteilt.

AUFBAU UND KAMPFFÜHRUNG DER ZIVILEN WIDERSTANDSBEWEGUNG

Grundlagen und Organisation

Allgemeines

- Die Bevölkerung ist im Weltanschauungskrieg weder verschont noch
ausgeschlossen. Schon deshalb muss man sie organisieren.
- Der Kampf der zivilen Widerstandsbewegung ergänzt den militärischen
Kleinkrieg.

Die Aufgaben der zivilen Widerstandsbewegung

- Aufrechterhaltung des Glaubens an den endlichen Sieg.
- Aufklärung der Bevölkerung über zweckmässiges Verhalten gegenüber
der Besetzungsmacht.
- Bekämpfung der Kollaboration (Zusammenarbeit mit dem Gegner).
- Führung eines Verzeichnisses aller Greueltaten und Obergriffe des
Gegners für den Tag der Abrechnung'.
- Aufbau einer Organisation zum Verstecken verfolgter Mitbürger.
- Aufbau einer Fluchtorganisation für abgeschossene
Flugzeugbesatzungen oder entwichene Kriegsgefangene.
- Herausgabe eigener Zeitungen ("Untergrundzeitungen").
- Ausstrahlen eigener Radiosendungen ("Freiheitssender").
- Fälschung von Geld und Ausweispapieren2.
- Aufbau eines Nachrichtendienstes zugunsten:
a) der eigenen Organisation (Widerstandsbewegung);
b) der eigenen Kleinkriegsverbände;
c) der eventuell im Alpenreduit noch haltenden Restteile der Armee;
d) der schweizerischen Exilregierung im Ausland;
e) der noch kämpfenden freien Welt.
- Sammeln und verbergen von Waffen und Munition für den Moment, wo zum
offenen Aufstand geschritten werden kann.
- Organisation des passiven Widerstandes und der Sabotage.
- Organisation von Attentaten auf Verräter und prominente feindliche
Funktionäre.
- Bildung von Kampfgruppen für den offenen Aufstand.

*****
Durch Maueranschläge, Flugblätter und Flüsterpropaganda ist dafür zu
sorgen, dass der Gegner um diese Massnahme weiss. Das veranlasst viele
Funktionäre zur Mässigung.
Fälschung von Rationierungskarten für die Versorgung von Personen, die
vom Gegner als "Staatsfeinde" ausgestossen und damit stillschweigend
zum Hungertode verurteilt sind.
*****

Das Problem der Kollaboration

Kurz nach der Besetzung:
- Der Niederlage der Armee folgt eine allgemeine Betäubung und
Gleichgültigkeit der Bevölkerung.
Historisches Beispiel: Der Norwegische "Verhandlungssommer" 1940.
- Parallel mit der Konsolidierung der Macht durch den Gegner, läuft
eine Welle der Kollaboration durch die Bevölkerung. Ein gewisser, wenn
auch zahlenmässig kleiner Teil des Volkes macht mit dem Gegner
gemeinsame Sache. Erfahrungsgemäss sind Menschen, die materiell viel
zu verlieren haben, der Versuchung zur Kollaboration besonders
ausgesetzt.
- Der Gegner lässt "Überläufern" bewusst eine Chance. Die Möglichkeit,
unter fremder Fahne nicht nur am Leben zu bleiben, sondern auch
Stellung und Besitz zu behalten, veranlasst viele zum
Gesinnungswechsel. Die Überläufer übersehen allerdings, dass ihnen
trotz des Einschwenkens für immer das Odium des Unzuverlässigen
anhaftet und dass sie früher oder später auf jeden Fall kaltgestellt
oder liquidiert werden.

Die "innere Situation" einige Jahre nach der Besetzung:
- Der totalitäre Gegner und die von ihm eingesetzte Verräterregierung
legen auch im Kriege entscheidendes Gewicht auf politische Fragen. Sie
werden deshalb unablässig für ihre Weltanschauung werben. Insbesondere
legen sie Wert auf den Eintritt in die Staatspartei oder in eine ihrer
zahlreichen Nebenorganisationen.
- Nach einigen Jahren der Besetzung wird die Bevölkerung zerfallen in:

Verräter, ca. 10 %:
Parteimitglieder aus Glauben (ca. 1-3 % der Bevölkerung),
Parteimitglieder dem Namen nach (ca. 7-9 % der Bevölkerung)

Patrioten, ca. 90 %:
zum Äussersten bereite militante Gegner der Besetzungsmacht (ca. 20 %
der Bevölkerung), Passive (ca. 70 % der Bevölkerung)

- Die Gruppe der "Passiven" umfasst alle Schattierungen, vom
gelegentlichen "Geschäftemacher" bis zur verbissenen "schweigenden
Opposition".

Der Schritt von der "schweigenden Opposition" zum "aktiven Widerstand"

- Habe Geduld, lasse die Bevölkerung erst wieder zu Atem kommen. Die
Zeit arbeitet für dich.
- Versuche nicht, die noch Schwankenden durch Gegenterror zu
mobilisieren. Der Gegner wird sie dir mit der Zeit ganz von selbst in
die Arme treiben.
- Mit Gewalt gepresste Anhänger nützen nichts. Solche Leute kannst du
zur Not noch gerade in der regulären Armee verwenden, wo sie
Schulterschluss haben und unter ständiger Kontrolle stehen. Im
Widerstandskampf dagegen, wo alles von der Verschwiegenheit und
Standhaftigkeit des Einzelnen abhängt, taugen sie nichts, ja bilden
sie sogar eine Gefahr.

Die Bevölkerung wird für die Mitarbeit in der Widerstandsbewegung reif
gemacht durch:
- Verwaltungsfehler der Besetzungsmacht und der von ihr gestützten
Verräterregierung.
- Zwangsaushebungen von Arbeitskräften für Arbeitseinsatz im Ausland.
- Zwangsrequisitionen, Demontagen.
- Übersetzte Arbeitsnormen in den Betrieben.
- Überheblichkeit des Siegers. "Herrenmenschen-Mentalität".
- Terrormassnahmen.
- Wortbrüche, Erpressungen, Geiselentnahmen, Deportationen,
Folterungen, Hinrichtungen.

- Die persönliche Gefährdung misst sich im Kampf der Ideologien nicht
mehr daran, ob du zur Widerstandsbewegung gehörst oder nicht.
- Sich als "Unbeteiligter" aus dem Widerstandskampf heraushalten zu
wollen, hilft heute nichts mehr, da das System der Geiselnahme,
Sippenhaft und kollektiven Verschickung wahllos jeden - Kämpfer oder
Nichtkämpfer trifft! Dem "Nichtkämpfer" hilft in der Stunde der Not
niemand. Als Mitglied der Widerstandsbewegung schützt dich die
Organisation, die alles Interesse daran hat, ihre Mitglieder durch
Warnung und Fluchtbegünstigung dem Zugriff des Gegners zu entziehen.
- Alle jene, die wegen Herkommen, Beruf oder Weltanschauung als
potentielle Feinde gelten und somit Deportation oder Hinrichtung
riskieren, müssen "untertauchen" oder "in den Wald gehen", d. h. sich
einem Kleinkriegsverband anschliessen.

- Suche Verbindung und Rückhalt bei Gleichgesinnten. Wer einsam und
isoliert ist, verliert den Glauben an die eigene Kraft und den Sieg
der guten Sache.
Genauso wie der einsame Kämpfer des ,regulären Krieges im "Einmann-
Schützenloch", ohne ein Feigling zu sein, bald einmal von Furcht und
Verzweiflung gepackt wird, genauso verzagt der isolierte
Widerstandskämpfer!

Die Rekrutierung der Widerstandsbewegung Es gilt klar zu unterscheiden
in:

Masse der Bevölkerung
Jeder willkommen!
Kampfführung: passiver Widerstand

Widerstandsbewegung
Nur eine Auslese brauchbar!
Kampfführung : - Propaganda - Sabotage - Handstreiche - Gegenterror

- Für die aktive Mitarbeit in der Widerstandsbewegung sind trotz gutem
Willen nicht alle Leute geeignet.
Von der geschickten Auswahl hängt in wesentlichem Masse Erfolg oder
Misserfolg der Widerstandsbewegung ab.
- Leute, die sich in Friedenszeiten in der Öffentlichkeit exponiert
haben, dürfen nicht rekrutiert werden. Man muss zum vorneherein damit
rechnen, dass diese verhaftet und einer "Spezialbehandlung" unterzogen
werden. Sie dürfen nichts wissen, damit nichts aus ihnen
herausgepresst werden kann. - Verkünde diesen Grundsatz laut, damit er
auch dem Gegner bekannt wird. Damit kannst du diese wertvollen Leute
wenigstens in einem bescheidenen Ausmasse schützen, indem der Gegner
automatisch einen Teil seines Interesses an ihnen verliert.
- Ungeeignete Mitglieder für die Widerstandsbewegung sind:
- prominente Politiker (aktive und solche, die sich längst aus der
Öffentlichkeit zurückgezogen haben);
- Leute in führenden Wirtschaftspositionen;
- Gewerkschaftsfunktionäre;
- hohe Funktionäre der Verwaltung;
- hohe kirchliche Würdenträger;
- Redaktoren;
- Professoren;
- Leiter von Jugendbewegungen.
- Alle diese Leute sind zu bekannt, um im "Untergrund" kämpfen zu
können.
Sie werden sicher Überwacht und früher oder später verhaftet und
liquidiert.
Am besten gehen sie "in den Wald und schliessen sich einem
Kleinkriegsverband an.
- Prominente Persönlichkeiten setzen sich noch einer besonderen Art
von Gefahr aus: sie können in einer bestimmten Phase der Besetzung
durch Folterung und "Sonderbehandlung" (z. B. Gehirnwäsche usw.) zu
willenlosen Sprachrohren umgeformt und dann als Aushängeschild für den
Gegner und sein Regime benützt werden.
- Wer in der Widerstandsbewegung mitmachen will, muss möglichst
unauffällig sein und sich in der Öffentlichkeit still verhalten.

Zellenbildung

Allgemeines:
- Aus der Masse der Unzufriedenen, die individuell und unorganisiert
passiven Widerstand leisten, sondern sich die energischsten ab und
bilden so den Kern "Urzelle" des spätern aktiven Widerstandes.
- Nach einer mehr oder weniger langen Zeitspanne des Abwartens und
Abtastens beginnen sie Gleichgesinnte um sich zu scharen und bewusst
gemeinsam Widerstand zu leisten.
- Durch Schulterschluss und Rückhalt bei Kameraden wachsen Mut und
Zuversicht. Das Kampfverfahren wird laufend verfeinert und auf immer
weitere Bereiche des Lebens ausgedehnt. Man wagt sich nun an Aufgaben
heran, die vorher unlösbar schienen.

Die Organisation der Zellen:
- Bilde Zellen durch Zusammenschluss einiger Personen, die sich
gegenseitig gut kennen.

- Eine Zelle besteht aus 3-10 Personen.
- Man unterscheidet:
a) Zellenchef;
b) Zellenmitglieder.
- Knüpfe Verbindung an mit andern Zellen.
- Baue die einzelnen Zellen aus. Sobald diese zu gross werden - mehr
als 10 Personen - teile sie und bilde neue Zellen.
- Fasse mehrere Zellen unter einem Leiter zusammen. Diese bilden dann
einen Kreis.
- Sobald mehrere Kreise bestehen und die Untergrundorganisation einen
gewissen Umfang angenommen hat, beginne Spezialsektionen zu schaffen.

Die Absicherung:
- Innerhalb der Zelle kennt jeder jeden.
- Der Zellenchef kennt die Chefs einiger benachbarter Zellen. Jedoch
nicht deren Mitglieder.
- Die Zellenmitglieder kennen niemand in den Nachbarzellen.
- Diese weitgehende Trennung der einzelnen Zellen ist notwendig I
(Sicherheit, Abschirmung gegen Verrat.) Gewisse minimale Kontakte
müssen aber bestehen, sonst ist keine Zusammenarbeit möglich. Und ohne
Zusammenarbeit kann keine grössere Aktion durchgeführt werden.
- überbetonte Sicherheit führt zur Wirkungslosigkeit der Organisation.
Leichtsinnigkeit zur sichern und raschen Vernichtung. Es geht darum,
ein gut ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und praktischer
Arbeitsmöglichkeit zu schaffen.

Organisation und Tätigkeit der verschiedenen Sektionen

Allgemeines:
- Die Widerstandsbewegung gliedert sich in verschiedene Sektionen.
- Eine Sektion umfasst in der Regel 2-4 Untergruppen.
- Wir unterscheiden:
Aufklärungs- und Propagandasektion Nachrichtensektion
Übermittlungssektion Fluchtsektion Finanzsektion Polizeisektion -
Keine Zentralisation. Bewusste Aufsplitterung in sehr viele Sektionen
und Untergruppen.
- Jeder Beteiligte kennt nur gerade das Minimum der Organisation. So
kann bei Versagen oder Verrat einzelner nicht die ganze Organisation
aufgerollt und zerschlagen werden.

Aufklärungs- und Propagandasektion:
- Aufgaben: Aufrechterhaltung des Widerstandswillens durch Verbreitung
von Nachrichten über die wahre Kriegslage. Anleitung der Bevölkerung
zu zweckmässigem Verhalten im Umgang mit der Besetzungsmacht.
- Organisation:
a) Geheimsender. "Freies Radio" für Nachrichten und Gegenpropaganda;
Ausbildungssektion Rekrutierungssektion Fälschungssektion
Sabotagesektion Kampftruppen
b) Geheimdruckerei für Untergrundzeitungen, Plakate, Flugblätter usw.;
c) Mauerparolen-Anschreibtrupps, Plakat-Anklebetrupps, Verteilerequipe
für Flugblätter usw.;
d) Aufklärungsequipe für die Instruktion der Bevölkerung.

Nachrichtensektion :
- Beschaffung politisch und militärisch wichtiger Nachrichten. Mittel:
Abhorchen von Telephongesprächen, Öffnen der Post, Einschleusen von
Verbindungsleuten in Kommando-, Verwaltungs- und Regierungsstellen.

Übermittlungssektion :
- Hält vermittelst Funk, Brieftauben und Kurieren Verbindung mit a)
Kleinkriegsverbänden ;
b) eigener Armeeleitung im Alpenreduit;
c) schweizerischer Exilregierung im Ausland.

Fluchtsektion :
- Verhilft notgelandeten Fliegern, entwichenen Kriegsgefangenen und
verfolgten Zivilpersonen zur Flucht.
- Organisation:
a) Transportgruppe. 20-30 Personen, welche die Flüchtlinge
verschieben.
Darunter einige Chauffeure von Überland-Transportunternehmungen, sowie
Eisenbahner;
b) Transitstationen.
Eine Reihe zuverlässiger Einwohner, bei welchen die Flüchtlinge
vorübergehend untergebracht und verpflegt werden können.

Finanzsektion :
- Aufgabe: Beschaffung und Verwaltung von Geldern für die
Widerstandsbewegung.

Geldverwendung :
- Bestechung von Funktionären der Besetzungsmacht.
- Materialkäufe, z. B. Waffen, Munition, Papier für die
Geheimdruckerei usw.
- Fürsorge. Wer untertauchen muss, wer deportiert, eingekerkert oder
hingerichtet wird, soll sicher sein, dass seine Familie nicht mehr
materielle Not leiden muss, als unbedingt nötig ist.
Mit getarnten Geldbeiträgen oder Naturalgaben werden diese Familien
von der Widerstandsbewegung unterstützt.

Geldquellen:
- In der freien Welt hergestelltes und über dem besetzten Gebiet mit
Flugzeugen abgeworfenes Falschgeld.
- Im besetzten Gebiet selbst hergestelltes Falschgeld.
- Anwerben von Bank- und Postangestellten, die unter Mitnahme von
Riesenbeträgen bei der Widerstandsbewegung untertauchen.
- Überfall und Plünderung von Bahnschaltern, Postämtern, Banken und
verstaatlichter Verkaufsläden.
Habe hierbei keine Hemmungen, denn du schädigst ja nicht Mitbürger,
sondern den "Pseudo-Staat", resp. die Besetzungsmacht.

Fälschungssektion :
- Die Fälschungssektion besteht aus 8-10 Spezialisten.
- Diese fälschen Ausweispapiere oder ändern bestehende ab. Die
Fälschungen umfassen Identitätskarten, Reisepässe, Ausweise, Geld,
Lebensmittelkarten, Benzincoupons, Eisenbahnbillette usw.

Polizeisektion:
- Die Polizeisektion gliedert sich in mehrere Equipen.
- Auswerteequipe: Sammelt Erfahrungen und wertet diese aus. Spricht
mit Personen, die vom Gegner verhaftet, verhört oder eingesperrt
wurden.
Arbeitet laufend neue, den gegnerischen Methoden angepasste
Verhaltungsmassregeln aus.
- Archivequipe: Führt ein Archiv betreffend übergriffe der fremden
Machthaber, für den Tag der Abrechnung.
- Fahndungsequipe: Sucht nach getarnter Kollaboration. Entlarvt
Spitzel und Zuträger.
- Attentatsequipe: Bestraft besonders wichtige oder grausame
Exponenten der Besetzungsmacht sowie Verräter.

Ärztliche Sektion:
- Setzt sich aus einem Arzt und einem Apotheker zusammen.
- Aufgaben:
a) heimliche Behandlung Verwundeter oder Kranker in den
Unterschlupfen;
b) Lieferung von Sanitätsmaterial und Heilmitteln an Untergetauchte;
c) Ausstellung gefälschter Krankheitsbescheinigungen usw.;
d) getarnte Einlieferung verwundeter Widerstandskämpfer in die
Spitäler;
(Die Verwundung wird als Folge eines Arbeits- oder Verkehrsunfalls
dargestellt.) e) Herstellung von Giftkapseln für Selbstmord.
Verteilung der Giftkapseln an die Widerstandskämpfer.

Ausbildungssektion:
- Ausbildung der Chefs und Spezialisten über Organisationsgrundsätze,
Sicherheitsmassnahmen, Taktik und Technik, Kriegsrecht usw.
- Anwerbung von Spezialisten. Ausgleichen von Verlusten. Erweiterung
der Widerstandsbewegung.

Sektion für passiven Widerstand:
- Organisation des passiven Widerstandes.

Sabotagesektion :
- Ist ein Kampfinstrument der Widerstandsbewegung.
- Hält Verbindung zu den Kleinkriegsverbänden, welche Munition und
Sprengmittel liefern und Wünsche bezüglich Angriffsziele anmelden.
- Organisation:
Eisenbahnsabotage Strassensabotage Verwaltungssabotage

Industriesabotage PTT-Sabotage Elektrizitätsversorgungs-Sabotage

Kampfgruppen:
- sind Kampfinstrumente der Widerstandsbewegung;
- werden erst in einem verhältnismässig späten Stadium gebildet;
- halten sich still und lauern auf den Moment zum offenen Aufstand;
- treffen Aufstandsvorbereitungen ;
- führen Handstreichaktionen durch.

Beschaffung und Verteilung von Giftkapseln

Allgemeines:
- Dem gefangenen Widerstandskämpfer wird kaum der Luxus eines raschen
Todes geboten. Sein Sterben wird vielmehr langsam und unendlich
qualvoll sein.
- Die Furcht vor Gefangennahme und Folter beeinflusst die
Widerstandskämpfer in hohem Masse. Diese Furcht wird gemildert, wenn
der Widerstandskämpfer ein Mittel zum Selbstmord besitzt.
- Das Wissen, jederzeit rasch, sicher und relativ schmerzlos
Selbstmord begehen zu können, erhöht Einsatzwille und Selbstvertrauen.
Es vermittelt dem Widerstandskämpfer eine gewisse Gelassenheit.
- Jede Gefangennahme birgt das Risiko des spätern Verrats in sich.
Niemand weiss im voraus, wie standhaft er wirklich ist. Der
Widerstandskämpfer' muss daher die Möglichkeit haben, in auswegloser
Lage der Gefangennahme durch Selbstmord zu entgehen.
- Erschiessen mit der Pistole ist keine sichere Methode. Oft verletzt
sich der Selbstmörder nur. Zudem gibt es viele Lagen, wo man keine
Pistole auf sich tragen kann.
- "In-die-Luft-sprengen" mit einer Handgranate ist zwar eine sichere
Methode.
Doch kann man oft keine Handgranate auf sich tragen.
- Die Kriegserfahrung lehrt, dass die Giftkapsel das beste
Selbstmordmittel ist.
- Giftkapseln werden von der ärztlichen Sektion hergestellt und
verteilt.

Technische Anforderungen an die Giftkapseln:
- Müssen absolut sicher wirken.
- Der Tod soll rasch, d. h. in längstens 30 Sekunden eintreten. Dem
Gegner darf keine Zeit für Gegenmassnahmen bleiben (überführen ins
Spital, Auspumpen des Magens usw.).
- Der Tod soll nicht allzu schmerzhaft sein.
- Die Kapseln müssen klein sein (Versteckmöglichkeiten: in einem
Medaillon, in der Fassung eines Fingerringes usw.).
- Die Kapseln müssen so beschaffen und verpackt sein, dass sie während
längerer Zeit auf dem Körper getragen werden können (Wärme, Kälte,
Reibung, Schwitzen, nasse Kleidung usw.).

Die Rolle der einheimischen Polizei

- Der Gegner versucht, die bestehende einheimische Polizeiorganisation
möglichst intakt zu übernehmen und seinen Zielen dienstbar zu machen.
- Primär soll die einheimische Polizei:
a) den Verkehr regeln;
b) den allgemeinen Ordnungsdienst versehen;
c) Verbrechen bekämpfen (kriminelle, nicht politische!);
d) die bestehenden Strafanstalten für Kriminelle weiterführen.
- Unabhängig hiervon wird die Besetzungsmacht ihren eigenen
Polizeiapparat für den politischen Sektor aufziehen durch a)
Installieren der politischen Polizei;
b) Aufbau eines Spitzelnetzes;
c) Einrichten eigener Gefängnisse und Konzentrationslager für
politische Gefangene.

- Die feindliche höhere Polizeiführung wird aber immer - je nachdem,
wie sie die Zuverlässigkeit der einheimischen Polizei einschätzt -
diese für gewisse Hilfeleistungen beiziehen.
- Bei dieser erzwungenen Zusammenarbeit ergeben sich eine Reihe von
Sabotagemöglichkeiten (siehe Seite189).

- Polizeioffiziere, höhere Unteroffiziere und wichtige Spezialisten
(z. B. Funktionäre des ND) werden vom Gegner vor die Wahl
"Zusammenarbeit" oder "Tod" gestellt.
- Um nicht zum Verräter zu werden und um der Hinrichtung zu entgehen,
müssen diese Polizeibeamten untertauchen.
- Sie sind einer Vielzahl von Leuten bekannt und eignen sich nicht für
die Arbeit in der zivilen Widerstandsbewegung. Sie müssen daher "in
den Wald gehen", d. h. sich einem Kleinkriegsverband anschliessen.
- Beim Verschwinden haben sie folgendes Material mitzunehmen:
- Waffen und Munition;
- Dienstkleider und Ausweise (als Tarnung);
- Stempel, Formulare (für Fälschungen);
- Dienstfahrzeuge und Reservebenzin;
- tragbare Funkgeräte;
- Schlüssel zu Gefängnissen, Amtsräumen, Magazinen, Aktenschränken,
Tresors usw. (für Einbrüche, Handstreiche usw.).

DIE TAKTIK DER BESETZUNGSMACHT

Allgemeines

Im ideologischen Krieg begnügt sich der Gegner nicht mit dem
militärischen Sieg. Dicht hinter den Kampftruppen rücken die
politischen und wirtschaftlichen Organe des Feindes nach, mit dem
Ziel, das eroberte Territorium nicht nur militärisch, sondern auch
politisch und wirtschaftlich dem eigenen Machtbereich anzugliedern.

Die Organisation der Besetzungsmacht

Man unterscheidet grundsätzlich:

Besetzungsmacht
1. Machtorgane: Besetzungstruppen, Parteimilitär, Politische Polizei
2. Verwaltungsorgan: Zuerst "Militäradministration", später
"Selbstverwaltung" (Marionettenregierung) bestehend aus
schweizerischen Verrätern

Besetzungstruppen:
- Truppen der regulären Armee. Meist Verbände in Divisionsstärke.
Politisch eher indifferent.
- Oft zweitklassige Truppen, z. B.
Satellitenverbände, Verbündete;
Rekrutenverbände;
ältere Jahrgänge, nicht mehr voll frontdiensttaugliche Verbände;
nicht mehr ganz modern ausgerüstete Verbände;
an der Front abgekämpfte Truppen, die nun in Ruheverhältnisse gelegt
und aufgefrischt werden sollen.

Parteimilitär:
- Vergleichbar etwa mit der frühern deutschen SS oder der russischen
NKWD.
- Charakteristik: Schwer definierbares Mittelding zwischen Polizei und
Militär.
Im Grunde genommen doch eher Polizeitruppe. Politisch zuverlässiger
als die Armee. Prätorianergarde des Regimes.
- Ausrüstung ähnlich der Armee.
- Bewaffnung: Leichte und schwere Infanteriewaffen. Wenig Panzer,
viele Schützenpanzer und Motorfahrzeuge. Überdurchschnittlich gute
Funkausrüstung.
- Ausbildung: Allgemeine militärische Grundausbildung. Dazu
Spezialausbildung für:
a) Niederhalten einer feindlich gesinnten Bevölkerung (sowohl im
eigenen Land, wie auch im besetzten Gebiet);
b) Bewachung und Verwaltung von Lagern mit politischen Gefangenen
(Konzentrationslager, Zwangsarbeitslager);
c) Bekämpfung von Unruhen und Aufständen;
d) Vergeltungs- und Säuberungsaktionen.
- Aufgaben im besetzten Gebiet. Das Parteimilitär soll:
a) zusammen mit den Besetzungstruppen die Bevölkerung niederhalten;
b) im Alltag den Besetzungstruppen das Rückgrat stärken (diese auch
überwachen und unter Druck halten);
c) im Kampf das eiserne Gerippe bilden. Die nicht immer kampffreudigen
und ganz zuverlässigen Besetzungstruppen mitreissen und in
Krisensituationen bei der Stange halten.

Politische Polizei:
- Vergleichbar etwa mit der frühern deutschen GESTAPO oder der
russischen GPU.
- Aufgaben im besetzten Gebiet. Die politische Polizei überwacht:
a) die Bevölkerung;
b) die Besetzungstruppen;
c) das Parteimilitär;
d) die Militäradministration. Später, nach Einführung der
"Selbstverwaltung", die Marionettenregierung und ihre Organe.

Besonderes:
- Stützpunkte und Posten in den Städten und auf dem Lande,
Jagdkommandos, Überwachungspatrouillen und Geleitschutzkommandos
werden von den Verbänden der Besetzungstruppen gestellt.
- Die zentrale "Eingreifreserve" zur Unterdrückung lokaler Unruhen
oder für die Niederwerfung von Aufständen wird aus Verbänden des
Parteimilitärs und der Besetzungstruppen gebildet.

Militäradministration

- Die ersten Tage der Besetzung: individueller Terror der Kampftruppen
sowie der Etappensoldateska. Plünderungen, Vergewaltigungen, Morde.
- Die ersten Wochen und Monate der Besetzung: systematische
Terrorisierung der Bevölkerung durch speziell geschulte Organe des
Gegners (militärische Verwaltungsbehörden, Parteimilitär, politische
Polizei).

Selbstverwaltung

Währungsreform:
- Einige Monate nach der Besetzung wird eine Währungsreform
durchgeführt.
Das Schweizergeld wird völlig vom Geld des Gegners verdrängt. Hierbei
können nur kleine Summen umgewechselt werden. So wird die Bevölkerung
von Barmitteln entblösst und verarmt rasch und gründlich.
- Lebensmittel und Waren verschwinden aus den Läden und können nur
noch auf dem schwarzen Markt zu hohen Preisen gekauft werden. Die
Bevölkerung wird dadurch gezwungen, mit dem Verkauf von Hab und Gut zu
beginnen (Teppiche, Bilder, Bücher, Möbel usw.). Was vom Kriege noch
verschont wurde, geht nun so verloren.
- Geldreform und Rückzug der Verkaufsgüter lassen das Volk rasch
verelenden.
Es soll hierdurch für die neue Ideologie reif gemacht werden.

Enteignungen:
- Einige Zeit nach der Besetzung werden die neuen Behörden damit
beginnen, das Privatkapital abzuschaffen. Grössere Firmen werden
zwangsweise geschlossen, währenddem kleinere Betriebe von selbst
eingehen, d. h. unter der masslos übersetzten Steuerlast
zusammenbrechen.
- Die Aufhebung der kleinen Betriebe und Läden bringt die Versorgung
der Bevölkerung in grosse Schwierigkeiten. Das Los besonders der
Arbeiter verschlechtert sich laufend. Die städtische Bevölkerung
leidet vorerst am stärksten unter den neuen Verhältnissen.
- Lebensmittel und Industriewaren verschwinden. Dafür werden
"geschlossene Läden" eröffnet, in denen sich Besetzungsarmee,
Verwaltungs- und Polizeiorgane sowie schweizerische Verräter eindecken
können.

Die Erledigung des Bauernstandes:
- Die Kollektivwirtschaft wird eingeführt. Mit einer wohldurchdachten
Zermürbungstaktik werden die Bauern zum Beitritt gezwungen.
- Vorerst werden die führenden Persönlichkeiten des Dorfes, die den
Widerstand gegen die Kollektivierung organisieren oder führen,
verhaftet. Dann wird der einzelne Bauer von den Beauftragtem der
Staatspartei auf seinem Hof so lange beschwatzt, beschimpft und
bedroht, bis er unterschreibt.
- Beim Kollektivsystem kommt der Einzelbauer finanziell schlecht weg.
Weiter wird er durch Leute geführt, die von Landwirtschaft kaum etwas
verstehen.
Dadurch erlischt sein Interesse an der Arbeit und die
landwirtschaftliche Produktion bricht in kurzer Zeit zusammen.

Die Erledigung des Handwerks:
- Die freien Handwerker werden in Produktionsgenossenschaften
zusammengefasst. Die Chefs dieser Genossenschaften verstehen in der
Regel wenig vom Handwerk, sind dafür aber Mitglied der neuen
Staatspartei.
- Renitente Handwerker, die der Genossenschaft nicht beitreten wollen,
werden zermürbt, indem die Behörden ihnen das zur Berufsausübung
notwendige Rohmaterial sperren. Entweder gehorchen sie, oder gehen
wirtschaftlich zu Grunde, wobei erst noch die Bestrafung wegen
"Produktionssabotage" und staatsfeindlicher Gesinnung droht.

Die Terrorisierung der Arbeiterschaft:
- Die Gewerkschaften werden von einer "Interessenvertretung der
Arbeitnehmer" in eine staatliche Antreiberorganisation umgewandelt.
- Das Versammlungs- und Streikrecht wird abgeschafft.
Arbeitsniederlegung gilt als Sabotage und unterliegt schwerster
Strafe. Gegen "das Volk" darf man nicht streiken!
- Jedes Mitspracherecht im Betrieb wird abgeschafft.
- Soziale Errungenschaften wie "8-Stunden-Tag" oder "5-Tage-Woche"
gehen verloren. Die Verlängerung der Arbeitszeit "im Interesse des
Volkes" darf nicht verweigert werden.
- Der Arbeitsplatz darf nicht mehr gewechselt werden.
- Sonderentschädigungen für Oberstunden, Nacht- oder Sonntagsarbeit
gehen verloren. Vom "Volk" darf für Mehrarbeit keine höhere Bezahlung
gefordert werden!
- Zum "neuen Arbeiten" gehören auch die sogenannten "Aufbaustunden".
Das sind unbezahlte Oberstunden, die man freiwillig und strahlend
lächelnd für das allgemeine Wohl (lies die Parteiführung) zu leisten
hat.
- Jeder muss den andern ununterbrochen "erziehen" und wird seinerseits
auch wieder erzogen. Die Bespitzelung der Kollegen im Betrieb wird als
selbstverständlich vorausgesetzt.
- Als Mitglied einer obligatorischen "Betriebsbrigade" ist jeder
verpflichtet, seine Kinder in die Jugendorganisation der Staatspartei
zu schicken, wo sie ihm entfremdet und zur Bespitzelung der eigenen
Familie erzogen werden.
- Die Arbeiter werden nicht nur rücksichtslos ausgebeutet, sondern
dazu auch noch von einer verlogenen Propaganda verhöhnt.

Der allgemeine politische Druck:
- Die bisherigen politischen Parteien werden aufgelöst und verboten.
An ihre Stelle tritt die Einheitspartei, die sogenannte
"Staatspartei".
- Der politische Druck, der auf Männern, Frauen und Kindern lastet,
ist fürchterlich. Jeder steckt in einem dichten Netz von
Verpflichtungen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Von einem Privatleben
kann keine Rede mehr sein.
- Ständig sind Schulungskurse zu absolvieren und Vorträge zu besuchen,
wobei die Frauen wohl oder übel mitmachen müssen.
- Wenn Propagandastücke laufen, muss jedermann ins Kino oder Theater.
Anschliessend gilt es in einem bestimmten Kreis den Film oder das
Theaterstück zu besprechen und zu loben.
- Die Zerstörung der Familie ist Mittel zum Zweck: Durch Frauenarbeit,
obligatorische Jugendverbände, Schulungskurse ausserhalb der
Arbeitszeit usw. werden die Menschen aus ihrem angestammten
Lebenskreis herausgerissen. Sie sollen einem Gefühl der Vereinsamung
erliegen und aus diesem heraus Anlehnung beim Staat und seinen
Organisationen suchen.
- Selbständiges Denken wird nicht nur nicht geschätzt, sondern
geradezu geahndet.
- Allmählich wird das Leben unerträglich. Unterdessen ist die
politische Polizei unentwegt tätig. Nacht für Nacht verschwinden
vorerst Dutzende, später Hunderte und Tausende von Schweizer Bürgern.

Neuwahlen:
- Relativ spät, aber doch noch im ersten Jahr der Besetzung werden
"allgemeine Wahlen" für die Marionettenregierung durchgeführt. Diese
dauern mehrere Wochen und sind von einer mächtigen Propagandaflut
begleitet.
In allen Fabriken, Büros und Wohnblöcken werden angeblich freiwillige
und spontane - in Wirklichkeit aber befohlene und kontrollierte -
Versammlungen und Diskussionen durchgeführt.
- Die örtlichen Propagandasteilen sind den Besetzungsbehörden dafür
verantwortlich, dass die Staatspartei 100 % der Stimmen erhält. Daher
wird als Stimmaterial nur eine "Einheitsliste" abgegeben. Um eine hohe
Stimmbeteiligung (99,9 %) zu erreichen, werden die Stimmpflichtigen
Fabrik- oder Wohnblockweise geschlossen ins Wahllokal geführt. Hierbei
müssen sie Kampflieder singen, Sturmfahnen, Spruchbänder und
Führerbilder mit sich tragen.

Die politische Polizei

Die politische Polizei ist uns wesensfremd. Erste Voraussetzung, um
Kämpfen zu können, ohne unnötige Verluste zu erleiden, ist die
Kenntnis des Gegners.
Allgemeines:
- Im Rechtsstaat dient die Polizei lediglich zur Abwehr von Gefahren.
Im totalitären Staat dagegen stellt sie ein ausgesprochenes
Machtmittel dar.
- Die Arbeit der politischen Polizei beginnt lange vor dem Krieg durch
Sammeln von Material über Emigranten, wichtige Persönlichkeiten und
potentielle Gegner in den später zu besetzenden Ländern.
- Bei der politischen Polizei handelt es sich weniger um eine
eigentliche Polizeitruppe, als vielmehr um eine Terrororganisation.
- Die eigentlichen polizeitechnischen Kenntnisse und Fähigkeiten sind
gering und reichen niemals an diejenige einer normalen Kriminalpolizei
heran.
- Das Vorgehen der politischen Polizei ist deshalb grob und weist
wenig kriminalistische Finessen auf. Was ihr an technischem Können
abgeht, kompensiert sie durch um so grössere Brutalität und
Grausamkeit.
- Das Geheimnis, das sie umwittert, erhöht die Terrorwirkung. Die
politische Polizei lebt zum grossen Teil vom schreckenerregenden Ruf
und weniger von den effektiven Ergebnissen.
- Gewöhnlich weiss nicht einmal mehr der Gegner selbst, wo die
Kompetenzen der politischen Polizei beginnen und wo sie enden. Ihre
natürliche Tendenz, einen Staat im Staat zu bilden, ist deshalb gross
und meist von Erfolg gekrönt. Sie terrorisiert auch die eigene Armee
und die Verwaltungsfunktionäre. Deshalb besteht keine eigentliche
Zusammenarbeit zwischen diesen Amtsstellen, sondern es herrscht eine
latente Spannung und Rivalität, welche die gegenseitige Wirksamkeit
herabsetzt.
- Die Angehörigen der politischen Polizei arbeiten normalerweise in
Zivil.
Nur selten und zu besondern Anlässen treten sie in Uniform auf.
- Die politische Polizei braucht sich an keine bestimmten Gesetze oder
Regeln zu halten. Sie geht, im Gegensatz zur gewöhnlichen Polizei,
nicht darauf aus, durch reine Anwesenheit vorbeugend zu wirken und
notfalls Täter zu ermitteln, sondern verfährt vielmehr nach dem
Grundsatz "Vorbeugen ist besser als Heilen!". In die Praxis übersetzt:
Jeder, der als möglicher Gegner in Frage kommt, wird vorsorglich schon
jetzt liquidiert.
Normalerweise noch bevor er etwas "verbrochen" hat. Deshalb werden
ganze Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen und nicht nur bestimmte
Einzelpersonen ausgemerzt.
- Das ständige Misstrauen auch den eigenen Funktionären gegenüber ist
nicht nur "deformation professionnelle", sondern System. Durch
Zwischenschaltung vieler Amtsstellen selbst bei
Bagatellangelegenheiten kann kein Funktionär von der offiziellen Linie
abweichen. Jeder muss automatisch seine miteingeschalteten Kollegen an
"Härte", "Systemtreue" und "Hass auf den Gegner" zu übertreffen
suchen.

Berichterstattung durch die politische Polizei:
- Die politische Polizei erstattet grundsätzlich 3 Arten von
Berichten:
a) "Tagesberichte" wesentlicher Dinge;
b) "Sammelberichte" über die Gesamtlage. Periodische, meist monatliche
Berichte zu Handen der interessierten Amtsstellen;
c) "Berichte von Fall zu Fall", wenn solche nötig werden.
- Am interessantesten und aufschlussreichsten ist der "Sammelbericht".

Dieser umfasst folgende Punkte:
1. Allgemeines Stimmungsbild der Bevölkerung.
2. Tätigkeit der aufgelösten ehemaligen Parteien, Verbände usw.:
a) ehemalige Sozialdemokratische Partei, vom Gegner am meisten b)
ehemalige Gewerkschaften gehasst und gefürchtet c) ehemalige
bürgerliche Parteien.
3. Kirchenpolitik:
a) katholische Kirche (vom Gegner am meisten gehasst und gefürchtet);
b) protestantische Kirche;
c) freie Glaubensgemeinschaften.
4. Jugendorganisationen:
a) aufgelöste ehemalige Jugendorganisationen;
b) jetzige staatliche Jugendorganisationen.
5. Staatspartei und ihre Untergruppen:
- Verhalten der Funktionäre (ob geschicktes oder stümperhaftes
Vorgehen, Aktivität, Einsatzwille).
- Mängel (taktische Fehler, Missstände innerhalb der eigenen
Bewegung).
- Vorschläge.
6. Besetzungstruppe, Parteimilitär, Militäradministration,
Zivilregierung.
7. Kulturpolitische Lage.
- Presse, Literatur.
- Kino, Theater, Veranstaltungen.
- Radio, Fernsehen.
8. Wirtschaftliche Lage der Bevölkerung (sehr wichtig, da diese die
Stimmung stark beeinflusst).
- Lebensmittelversorgung, Gebrauchsgüterversorgung.
- Heizmaterialversorgung.
- Beschäftigungslage.
- Löhne, Preise.

Grundsätze des Terrors

Allgemeines:
- Wenn du der politischen Beeinflussung widerstehst und der Gegner die
Nutzlosigkeit seines Versuches, dich zu seiner Ideologie zu "bekehren"
einsieht, wird er versuchen, dich durch Furcht zum Gehorsam zu
bringen.
- Diese Furcht sucht er durch Terror zu erzeugen.
- Es gibt eine eigentliche Technik des Terrors. Eine Reihe von
Massnahmen haben sich als besonders wirksam erwiesen. Mit ihrem
Einsatz muss unbedingt gerechnet werden. Wer sie kennt, vermag eher zu
widerstehen.

Terrorarten :

Individueller Terror: Träger: Funktionär; Durch Machtanmassung,
persönliches Ressentiment und übergriffe einzelner Funktionäre

Kollektiver Terror: Träger: Partei; Durch die unbegrenzte Machtfülle
der Partei

Operativer Terror: Träger: Staatsleitung; Durch die Strafgesetzgebung
und das Vorhandensein einer politischen Polizei

- Der "individuelle Terror" soll den kollektiven und operativen Terror
verschleiern.
- Wenn Rückschläge eintreten, werden Sündenböcke gesucht und bestraft.
Solche Sündenböcke sind dann Funktionäre, die individuellen Terror
betrieben haben. Das Regime stellt in solchen Momenten alles als
"übergriffe einzelner untergeordneter Funktionäre" dar, denen nun das
Handwerk gelegt werde! Lasse dich nicht bluffen. Kollektiver Terror
und operativer Terror bleiben.
- Individueller Terror wird aus taktischen Gründen oft eingestanden.
Kollektiver und operativer Terror jedoch nie.

Terrormassnahmen:
- Aufbau eines Agenten- und Spitzelnetzes.
- Telephon- und Postüberwachung (Zensur).
- Willkürliche Verhaftungen.
- Geiselfestnahme, Sippenhaft.
- Brutales Vorgehen bei Verhaftung und Verhör.
- Umbiegung des Rechtsverfahrens.
- Willkürliches Hinauszögern von Strafsachen.
- Keine öffentlichen Gerichtsverhandlungen mehr, ausgenommen
"Schauprozesse".
- Willkürliche Zumessung der Strafen.
- Unverhältnismässig harte Strafen, die in keinem vernünftigen
Verhältnis zur begangenen Tat stehen.

Telephonüberwachung und Postzensur:
- Die Erfolgschancen der gegnerischen Telephonüberwachung und
Postzensur sind in einer grössern Stadt, wie z. B. Bern, wo pro Tag
weit über 200000 Telephongespräche geführt und ebenso viele
Postsendungen aufgegeben werden, gering.

Willkürliche Verhaftungen:
- Der Gegner wird ganz willkürlich völlig harmlose Leute verhaften, um
den Eindruck zu erwecken, sein Oberwachungsnetz sei dicht und wirksam.

Geiselfestnahme :
- Nach Sabotageakten werden Geiseln festgenommen, mit der Drohung, sie
zu erschiessen, falls die Täter nicht innert einer gewissen Zeit
verhaftet werden, oder sich freiwillig stellen.
- Der Gegner will dadurch:
a) einen moralischen Druck auf die Saboteure ausüben;
b) die Bevölkerung veranlassen, sich von den Widerstandselementen
innerlich zu trennen. Diesen keine Unterstützung zu gewähren oder sie
gar zu verraten.
- Auswahl der Geiseln:
a) ehemalige prominente Persönlichkeiten, wie z. B. Parlamentarier,
höhere Beamte, Gemeindepräsidenten, Vorstandsmitglieder von Parteien,
Verbänden und Vereinen. Redaktoren, Journalisten usw.;
b) neben den Prominenten immer eine Anzahl absolut harmloser,
politisch völlig passiver und uninteressanter Personen. Dadurch soll
die Terrorwirkung erhöht werden.

Sippenhaft:
- Wer untertaucht, sich einer Verhaftung entzieht oder aus der
Gefangenschaft flieht, soll wissen, dass an seiner Stelle die Familie
(Frau, Kinder), Eltern, Geschwister oder Verwandte büssen müssen.
- Durch die Sippenhaftung will man den Widerstandskämpfer moralisch
zwingen, sich der Besetzungsmacht zu ergeben.

Umbiegung des Rechtsverfahrens :
- Beim Rechtsverfahren des totalitären Regimes geht es nicht darum,
die Wahrheit zu finden und Gerechtigkeit zu sprechen, sondern
Geständnisse zu erzwingen.
- Um verurteilt zu werden, brauchst du kein Vergehen begangen zu
haben.
Es genügt, einer Menschenkategorie anzugehören, die aus politischen
Gründen als potentielle Gegner betrachtet werden.

Willkürliche Hinauszögerung von Strafsachen:
- Im Rechtsstaat werden Vergehen abgeurteilt, wenn sie aufgedeckt und
die Täter gefasst sind. Im totalitären Staat aber werden die
"Rechtsbrecher" ohne Verhör und Urteil auf unbestimmte Zeit ins
Gefängnis oder Lager gesteckt.
- Die wirklichen oder angeblichen Strafsachen werden oft in Reserve
gelegt, um sie bei politisch günstiger Gelegenheit haufenweise als
Schauprozess gross aufgezogen der Propaganda nutzbar zu machen.

Willkürliche Zumessung der Strafen:
- Der Gegner straft nicht nach Recht, sondern nach momentanen
politischen Bedürfnissen. Deshalb wird für das gleiche Vergehen selten
oder nie dieselbe Strafe ausgesprochen.
- Du musst immer mit dem Schlimmsten rechnen und kannst für das
geringfügigste Vergehen auf unbegrenzte Zeit in ein Zwangsarbeitslager
verschickt werden, wenn du nur das Pech hast, in einem politisch
ungünstigen Moment ertappt zu werden.
- Massgebend ist für den Gegner immer nur gerade die momentane
Zweckmässigkeit.

Brutales Vorgehen bei Verhaftung und Verhör:
- Verhaftung speziell bei Nacht aus dem Bett heraus, um die
Terrorwirkung zu erhöhen und die Leute nie mehr ganz ruhig schlafen zu
lassen.
- Misshandlungen im Verhör und im Gefängnis, um die politische Polizei
und ihre Einrichtungen (Verhörkeller, Gefängnisse usw.) mit einem
Schleier des Grauens zu umweben.

Unverhältnismässig harte Strafen:
- Wer nur eine Parole an eine Mauer schmiert, riskiert ebenso
Deportation, wie der Funker am Geheimsender.
- Wer nur eine Handvoll Sand in die Schmierbüchse eines
Eisenbahnwagens wirft, riskiert ebenso erschossen zu werden, wie
derjenige, der eine Transformatorenstation sprengt.

Schlussbemerkung: Die Verbreitung des "Schreckens" ist ein
zweischneidiges Schwert. Geschickt ausgenutzt, kann sie auch unserer
Sache dienen, indem Hass und Verzweiflung die bisher Passiven
mobilisiert und zu aktivem Widerstand aufstachelt!

Kirchenkampf

Allgemeines:
- Der totalitäre Gegner wird auch die Kirche als potentiellen Feind
betrachten und dementsprechend bekämpfen. Hierbei wird er mit grosser
Verschlagenheit zu Werke gehen und die Entchristlichung des Lebens
etappenweise durchführen, um nicht allzusehr aufzufallen. Er wird die
Kirche nicht auf einen Schlag vernichten, sondern vielmehr einem
langsamen, sich über mehrere Jahre erstreckenden Aushöhlungsprozess
unterwerfen, um sie allmählich "kalt" zu erledigen. Denn würde er sein
Endziel allzu offen zeigen, wäre allgemeiner Widerstand die Folge.
- Unter dem Begriff "Kirche" ist ein weitgespannter Kreis zu
verstehen:
a) Katholische Kirche;
b) Reformierte Kirche;
c) freie Glaubensgemeinschaften (z. B. Methodisten, Christliche
Wissenschaft, Zeugen Jehovas usw.).
- Das Vorgehen im Kirchenkampf wird sich etwa wie folgt abspielen:
1. Anschwärzen der Kirche.
2. Verächtlichmachung der Kirche.
3. Getarnte Störung des kirchlichen Betriebes.
4. Offene, direkte Verfolgung.
- Im Bestreben, keine Märtyrer zu schaffen, sondern den Gegner als
Verbrecher darzustellen, werden z. B. Sittlichkeitsprozesse gegen
Geistliche aufgezogen, oder diesen sonstige Verfehlungen
(Unterschlagungen usw.) unterschoben.
- Zuerst werden die freien Glaubensgemeinschaften zerschlagen. Da es
sich hierbei um Minderheiten handelt, ist der Widerstand der
Bevölkerung am geringsten. Katholiken und Protestanten sehen tatenlos,
eventuell sogar mit einer gewissen Schadenfreude zu, da ja eine
"Konkurrenz" ausgeschaltet wird.
- Die Katholische Kirche wird vor der Reformierten bekämpft, da sie
straffer organisiert und somit gefährlicher ist.

Gegnerische Massnahmen im Kirchenkampf:
- Schikanen aller Art, wie z. B. Entzug der Kohlenzuteilung oder
Drosselung der zustehenden Elektrizitätsmenge, so dass die Kirchen
weder geheizt noch beleuchtet werden können.
- Erschwerung des Kirchganges der Erwachsenen. Dieser wird mit
gewissen Gefahren und wirtschaftlichen Nachteilen verbunden ("schwarze
Liste", "Steuererhöhung" usw.).
- Entfernung der christlichen Zeichen wie Kreuze, Bilder usw. in der
Öffentlichkeit (z. B. Schulen, Spitäler usw.).
- Abschaffung des Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen.
- Schulkampf gegen die katholischen Schulen und Institute.
- Schliessung der theologischen Fakultät, Verbot der Ausbildung von
Geistlichen.
- Aufhebung spezieller religiöser Unterweisung, z. B.
"Sonntagsschule", "Kinderlehre", "Konfirmandenunterricht",
"Firmunterricht" usw.
Ausübung eines Drucks auf die Eltern, ihre Kinder nicht mehr zu diesem
Unterricht zu schicken.
Nach einiger Zeit Schliessung des Unterrichts, mit der Begründung,
dieser sei überflüssig, da er doch nur von einer rückständigen
Minderheit besucht werde.
- Ersatz der Konfirmation und Firmung durch eine staatliche
"Jugendweihe".
- Erhebung hoher Gebühren zugunsten des Staates auf allen kirchlichen
Handlungen (Taufe, Trauung, Begräbnis).
- Auflösung religiöser Vereinigungen.
- Verbot religiöser Zeitschriften und Bücher.
- Erschwerung und schliesslich Verbot des Abhaltens von Glaubens-,
Gebets-, Sing- und Andachtsstunden.

Vielfach wird nach einer ersten Verfolgungswelle mit der Kirche eine
Art "Burgfrieden" abgeschlossen. Besonders dann, wenn untergeordnete
Instanzen in ihrer kirchenfeindlichen Haltung zu weit vorgeprellt sind
und grosses Aufsehen erregt haben. Die darauffolgende Periode des
Stillhaltens soll die Wogen der Empörung glätten und die
wachgerüttelte Öffentlichkeit wieder beruhigen. Die Kirche selbst wird
sich erfahrungsgemäss peinlich an die getroffenen Vereinbarungen
halten, um keinen Anlass zu weitern Verfolgungen zu geben. Hierdurch
werden ihr für längere Zeit die Hände gebunden.

Das Verhalten der Kirche im Kirchenkampf:
- Der Kirchenkampf hat auch seine positiven Seiten. Er scheidet die
bisherigen blossen Mitläufer von den wahren Gläubigen.
- Da die Kirche die einzige Zufluchtsstätte für bedrängte Seelen
darstellt, gewinnt sie an Bedeutung und Wert für alle diejenigen,
welche das staatliche Zwangssystem ablehnen.
- Indem die Kirche Opfer bringt, gewinnt sie ein festeres
Vertrauensverhältnis zu allen Teilen des Volkes. Sie beeindruckt mit
ihrer Haltung auch bisher skeptisch oder gar ablehnend eingestellte
Personen.
- Gerade in der Verfolgung ist die Kirche im Stande, wahre
Missionsarbeit zu leisten. Grösste Schwierigkeiten und höchste
Erfolgsmöglichkeiten liegen eng nebeneinander.
- Praktische Massnahmen:
a) die Kirche muss Unduldsamkeit und Personenkult bekämpfen;
b) die Kirche muss immer wieder darauf hinweisen, dass jede bewusste
Missachtung der Gebote Gottes sich früher oder später sicher rächt;
c) sie muss den Begriff des "Nächsten" pflegen und als solche alle
Diskriminierten und Verfolgten bezeichnen;
d) sie muss an allgemeine Pflichten des Christen erinnern, so z. B.
- der missbrauchten Gewalt zu widerstehen;
- gottwidrige Befehle nicht zu befolgen;
e) sie muss daran erinnern, dass die Kinder in erster Linie den Eltern
gehören und dass diesen das erste Erziehungsrecht zusteht.

Der Kampf um die Jugend

- Die Besetzung kann sehr wohl viele Jahre dauern. Der Gegner und
speziell die von ihm eingesetzte Verräterregierung werden im
Bestreben, die Macht zu konsolidieren und gewissermassen auch zu
legalisieren, um die Seele der Jugend ringen. Der Gegner will das
besetzte Gebiet nicht nur wirtschaftlich und militärisch für seine
Kriegsziele ausnützen, sondern auch seinem ideologischen Machtbereich
eingliedern. Wir sollen deshalb nicht nur besiegt, sondern wenn immer
möglich auch "bekehrt" werden!
- Die ältere Generation gibt der Gegner wenigstens zum Teil von
vorneherein verloren. Er findet sich damit ab, dass ein grosser
Prozentsatz aus "Unbelehrbaren" und nicht mehr "Umerziehbaren"
besteht. Er begnügt sich damit, diese durch Terror in Schach zu halten
und notfalls durch Deportation oder Hinrichtung auszumerzen. Dafür
wendet er sich mit um so grösserem Einsatz der Jugend zu, welche er
mit allen Mitteln - von der schillernden Verlockung bis zur
unverhüllten Drohung - für seine Ziele einzunehmen sucht.
- Der Kampf um die Jugend zerfällt in zwei Teile:
a) Bekämpfung der traditionellen Jugendorganisationen und Ersatz
derselben durch eine ideologisch ausgerichtete "Staatsjugend" ;
b) Ausschaltung des Einflusses von Elternhaus, Schule und Kirche, und
Ersatz derselben durch den Einfluss der Partei.
- Der Gegner fürchtet die gemeinschaftsbildenden Kräfte, die in der
freien Jugendbewegung lebendig sind. Sein Anspruch auf die Seele ist
total. Er kann somit keine andern Jugendverbände neben seiner
"Staatsjugend" dulden. Jedes äussere und innere Festhalten an der
alten Form wird konsequent verfolgt. Es wird den traditionellen
Jugendbewegungen insbesondere verboten: Tragen von Uniformen oder
uniformähnlichen Kleidungsstücken. Führen von Abzeichen, Wimpeln,
Fähnlein usw. Geschlossene Aufmärsche, Wandern, Zelten. Die Ausübung
jeglichen Sports.
Gleichzeitig wird ein starker Druck für den Eintritt in die
"Staatsjugend" ausgeübt. So wird z. B. bekanntgegeben, dass für eine
spätere Chefstellung nur noch in Frage komme, wer nachweisbar Mitglied
der Staatsjugend gewesen ist. Das gleiche gilt für den Besuch einer
höhern Schule oder der Universität.
- Durch skrupellose Ausnützung des jugendlichen Tatendranges und der
Abenteuerlust, der Begeisterungsfähigkeit, der leichten
Beeindruckbarkeit, des noch wenig entwickelten kritischen
Urteilsvermögens, des Generationenkonflikts und der goldenen
Verheissungen für die Zukunft, wird versucht, die Jugend willfährig zu
machen.
- Im Rahmen der "Staatsjugend" wird die ideologische Vergiftung in
zwei Phasen durchgeführt:
Phase 1 : Anlockung. Begeisterung. Blendung.
Vorerst sollen die Jugendlichen durch einige ihren Interessen
sorgfältig angepasste Disziplinen (z. B. Motorenkunde, Fahrschule,
Segelflugunterricht usw.) gewonnen werden. Filme, Fahrten und
farbenprächtige Meetings runden diese Phase ab. Hierbei Ausnutzung
aller jugendlichen Äusserungen vom "Motorenfimmel" bis zum
"Schönheitshunger".
Phase 2: Einschaltung des politischen Unterrichts.
Vorerst werden geschickt nur einige wenige Lektionen eingeschoben, die
im gerissenen Betrieb fast unbemerkt untergehen. Nach und nach folgen
immer mehr "Polit-Stunden", bis dieser Unterricht zum Hauptfach
geworden ist. Parallel dazu erfolgt ein langsames, fast unmerkliches
Umschalten des sportlichen Teils auf eine zielbewusste vormilitärische
Ausbildung.

Da die Besetzung lange dauern kann, ist die Gefahr der politischen
Beeinflussung der Jugend absolut real. Um so mehr, als der totalitäre
Gegner auch im Krieg entscheidendes Gewicht auf politische Fragen
legt.

Die Spaltung der Bevölkerung

Der Gegner wird im Bestreben, seine Macht zu konsolidieren, die
einzelnen Bevölkerungsschichten und natürlichen Interessengruppen
gegeneinander ausspielen.

Beispiele:

Städter: Misstrauen gegen das Land nähren, Konsumenten gegen
Produzenten ausspielen Bauernschaft diskreditieren
Bauern: Misstrauen gegen die Stadt nähren, Misstrauen gegen die
Arbeiterschaft nähren, Ressentiment gegen die Grossbauern nähren,
Produzenten gegen die Konsumenten ausspielen
Arbeiterschaft: Misstrauen gegen die Bauern nähren, Ressentiment gegen
das Bürgertum ausnützen Misstrauen gegen die Intellektuellen und die
Kirche nähren
Gerwerbetreibende Handwerker: Misstrauen gegen die Arbeiterschaft
nähren, Ressentiment gegen die Arbeiterschaft ausnützen, Misstrauen
gegen Handel und Industrie schüren

- Durch vorübergehende Konzessionen an die eine oder andere
Bevölkerungsschicht oder Interessengruppe sucht die Besetzungsmacht
deren Zustimmung und loyale Mitarbeit zu erlangen.
- Falle nicht auf dieses wohlberechnete Manöver (Spaltungstaktik)
herein. Der Gegner schenkt euch seine Gunst nur so lange, als er euch
braucht. Ist das Ziel erreicht, lässt er euch bedenkenlos fallen.
- Wer sich durch kurzsichtiges Verfolgen von Gruppen- und
Sonderinteressen gegen seine Mitbürger in dieses Spiel einspannen
lässt, nützt nur dem Gegner.
- Alle internen Gegensätze und Streitigkeiten sind für die Zeit nach
der Befreiung zurückzustellen. Nur der Feind würde im Moment aus
unsern Zerwürfnissen Gewinn ziehen. Jetzt darf es nur noch die
Einheitsfront gegen den Feind und seine Mitläufer geben.

Die Taktik des Gegners beim Zerschlagen von Vereinen, politischen
Parteien, Berufs- oder Wirtschaftsverbänden

- Der Gegner wird die ihm nicht genehmen Vereinigungen nicht sofort
verbieten.
- Bei einem überstürzten Verbot riskiert er, dass die Mitgliederlisten
vernichtet werden und ihm nur die Führer u:1d prominenten Funktionäre
ins Netz gehen, während die Masse der Mitglieder unerkannt
untertauchen kann. Eine spätere illegale Neubildung der zerschlagenen
Organisation wird so erleichtert.
- Die Besetzungsmacht geht daher äusserst behutsam vor, indem vorerst
lediglich beobachtet und registriert wird. Sie vermeidet auch,
vorzeitig Untergruppen zu zerschlagen, um den Hauptharst nicht zu
alarmieren.
Erst wenn alle Mitglieder listenmässig erfasst sind, wird als letzter
Schritt die ganze Organisation zerschlagen und verboten. Nun hat die
politische Polizei aber auch die Möglichkeit, die ehemaligen
Mitglieder zu überwachen und eine illegale Neubildung im Keime zu
ersticken.
- Die Besetzungsmacht bekämpft nie alle Vereinigungen gleichzeitig.
Dazu reicht auch ihre an sich grosse Macht nicht aus. Meist wird
folgende Reihenfolge eingehalten:
1. Politische Parteien:
a) Sozialdemokratische Partei (am meisten gehasst und gefürchtet);
b) bürgerliche Parteien.
2. Gewerkschaften.
3. Jugendorganisationen.
4. Kirche.

Das Vorgehen des Gegners beim Ausrotten gewisser Bevölkerungsschichten

Allgemeines:
- Die Besetzungsmacht wird gewisse, ihr nicht genehme
Bevölkerungsschichten vernichten.
- Der Ausrottungsprozess erstreckt sich über eine längere Zeitspanne.
- Die Verfolgung wird meist offen, die physische Liquidation dagegen
versteckt vorgenommen.

Der zeitliche Ablauf sowie das taktisch/technische Vorgehen bei
Vernichtungsaktionen :
- Vorerst Entlassung nur derjenigen in Schlüsselpositionen.
- Kollektive Ausschaltung aus gewissen Berufskategorien.
- Auferlegung unsinnig hoher Kontributionen.
- Ausschaltung aus allen Berufen. Damit verbunden Entzug der
Lebensmittelkarten "als Nichtarbeitende".
- Diskriminierung durch:
- "Zutritt für. . . verboten !".
- Brandmarkung durch Abzeichen. (Historisches Beispiel: Judenstern.) -
Verbot, ein Fahrzeug, einen Radioapparat oder das Telephon zu halten.
- Verbot, Bücher und Zeitschriften zu kaufen.
- Als Schlussmassnahme: Deportation und Massenhinrichtung.

DIE TAKTIK DER WIDERSTANDSBEWEGUNG

Verbergen von Waffen und Munition

Allgemeines:
- In jeder schweizerischen Haushaltung finden sich Waffen. und
Munition. Du musst diese im Moment der Niederlage dem Zugriff des
Gegners entziehen.
Behändige auch vorsorglich Waffen und Munition, die im Verlaufe der
Kämpfe von eigenen oder feindlichen Truppen in der Umgebung
liegengelassen worden sind (Kleinwaffen von der Pistole über das
Raketenrohr bis zum Minenwerfer).
- Auf illegalem Waffenbesitz steht die Todesstrafe. Verstecke Waffen
und Munition so, dass sie:
a) vom Gegner nicht gefunden werden können;
b) durch Feuchtigkeit nicht verderben.
- Das sicherste Versteck ist vergraben. Der Gegner kann dann das ganze
Haus niederreissen ohne etwas zu finden. Es sei denn, er ackere auch
noch den Boden um.
- Am besten werden die Waffen in Kellern, Scheunen, Wetterschermen,
Pflanzlandhäuschen usw. vergraben. Der Naturboden lässt sich leicht
aufreissen und auch wieder tarnen. Die Überdachung hält den Boden
trocken.

Die Technik der Einlagerung von Waffen:
- Die ganze Waffe stark einfetten. (Nur Waffenfett verwenden!) - Die
Laufmündung mit einem Fett- oder Wachspfropfen schliessen.
- Den Verschlusskasten mit einem ölgetränkten Lappen umwickeln. - Die
ganze Waffe in ein grosses Tuch einhüllen und dieses mit Schnüren
festbinden.
- Die so verpackte Waffe in eine Holzkiste legen.
- Die Fugen der Holzkiste abdichten. Mittel: Kerzenwachs, Bienenwachs,
Kitt usw.
- Die Holzkiste mit Dachpappe umhüllen und anschliessend an einem
trockenen Ort vergraben.
- Die Kiste alle 3 Monate einmal ausgraben, die Waffe gründlich
reinigen und neu einfetten.
Die Technik der Einlagerung von Munition (lose Patronen, Packungen
usw.):
- Die einzelnen Munitionspackungen mit ca. 10 Schichten Zeitungspapier
umwickeln.
- Eine Holzkiste mit Ölpapier auskleiden.
- Ca. 5 cm tief trockenes, altes Sägemehl in die Holzkiste streuen.
- Die Fugen der Kiste abdichten. Mittel: Kerzenwachs, Bienenwachs,
Kitt usw.
- Die Kiste mit Dachpappe umhüllen und anschliessend an einem
trockenen Ort vergraben.
- Munition ist gegen Feuchtigkeit hochempfindlich! Deshalb müssen
Zeitungspapier und Sägemehl alle zwei Monate erneuert werden. Bei
dieser Gelegenheit ist die Munition gründlich zu lüften.
Die Technik der Einlagerung von Spreng- und Zündmitteln:
- Sprengmittel (Sprengpatronen, Sprengbüchsen) gleich einlagern wie
Munition.
- Zündmittel (Sprengkapseln, Zündschnur, Schlagzünder usw.) dürfen
nicht vergraben werden. Sie sind sonstwie an einem trockenen Ort zu
verstecken.

Verbergen von Radioempfängern - Verstecke deinen Radioapparat. Der
Gegner wird sämtliche Empfänger beschlagnahmen, um die letzte
Verbindung durch den "Eisernen Vorhang" hindurch zu unterbrechen. Er
will damit verhindern, dass dir von der noch kämpfenden freien Welt
moralische Rückenstärkung zuteil wird.
- Die grossen, schönen Luxusapparate sind kaum zu verbergen. Jede
Schweizer Familie sollte deshalb bereits in Friedenszeiten einen
kleinen Reiseapparat anschaffen.

Herstellung illegaler Schriften
Allgemeines:

Bei. der Herstellung von Untergrundzeitungen und Flugblättern muss
unterschieden werden in:

Anfertigung durch Einzelpersonen
Herstellungsmittel: - Schreibmaschinen - Schriftsatz aus Gummi und
Metall (Kinderspielzeugsetzkasten) - Stempel, Auflage: einige hundert
Exemplare

Herstellung im Kleinbetrieb
Herstellungsmittel : - Umdruckapparate, Vervielfältigungsapparate, wie
sie in Büros verwendet werden, Auflage: einige tausend Exemplare

Herstellung in Grossbetrieben
Herstellungsmittel: - Druckpressen in Druckereibetrieben, Auflage:
einige zehntausend bis hunderttausend Exemplare

Anfertigung durch Einzelpersonen:
- Das Herstellungsmaterial ist unauffällig und kann leicht verborgen
werden.
- Papier und Farbe sind einfach zu beschaffen.
- Bei der Herstellung entsteht kein Maschinenlärm.
- Da eine Person allein arbeiten kann, ist maximale Geheimhaltung
gewährleistet.
- Auflagezahl und Darstellungsmöglichkeiten sind beschränkt. Die
geringe Auflagezahl kann durch den Einsatz einer Vielzahl von
Einzelpersonen wettgemacht werden.
- Bei der Verhaftung einzelner Hersteller wird nicht die gesamte
Produktion lahmgelegt.

Herstellung im Kleinbetrieb:

- Die Apparate sind überall in grosser Zahl vorhanden.
- Die Apparate sind schon recht gross und lassen sich nicht mehr ohne
weiteres verstecken. Wenn anlässlich einer Hausdurchsuchung bei
Privatpersonen Vervielfältigungsapparate und Papiervorräte gefunden
werden, sind die betreffenden verloren. Auf der Anfertigung illegaler
Schriften steht meist die Todesstrafe. Wenn möglich sind deshalb
Vervielfältigungsapparate, die legalen, jedermann bekannten Zwecken
dienen, auszunützen. Mit Hilfe eines Aufpassers können illegale
Schriften rasch zwischenhinein angefertigt werden.
- Die Beschaffung von Papier, Farbe, Matritzen usw. ist einfach.

Herstellung im Grossbetrieb:
- Sehr grosse Auflagen lassen sich in kürzester Zeit anfertigen.
- Jedes Format, vom einfachen Handzettel bis zum Plakat, ist möglich.
- Dadurch, dass eine ganze Arbeitsequipe eingeweiht werden muss, ist
die Geheimhaltung erschwert.
- Die Maschinen entwickeln bei der Arbeit einen beträchtlichen Lärm.
- Die Rohmaterialbeschaffung (Papier, Farbe) ist bei grossen Auflagen
schwierig. Papierfabriken und Grossisten unterstehen der Aufsicht der
politischen Polizei, denn Papier ist ebenso wichtig wie Munition!

Allgemeine Vorsichtsmassnahmen bei der Herstellung illegaler
Schriften:
- Nach Schreibmaschinendurchschlägen das benutzte Kohlepapier nicht
nur wegwerfen, sondern verbrennen.
- Makulatur (misslungene Abzüge) verbrennen.
- Klischees (Matrizen, Dallerschablonen usw.) nach Gebrauch
verbrennen.
- Nicht mehr benötigt: Manuskripte verbrennen.
- Nach jeder Papierverbrennung mit einem Stock die Asche zerklopfen.
Ganze, lediglich verkohlte Blätter können mit technischer Hilfe noch
gelesen werden.

- Maschinensatz einschmelzen. Handsatz auseinandernehmen.
- Geräuschtarnung bei Verwendung grosser Druckpressen: Arbeitsraum mit
schweren Tüchern ausschlagen. Automotor oder Motorrasenmäher vor dem
Gebäude laufenlassen. Im Gebäudeinnern Radio laut laufenlassen.

Gestaltung der illegalen Schriften:

Redaktion Mitarbeiterstab

Militärischer Mitarbeiter / Politischer Mitarbeiter: z. B. ehemaliger
Offizier, ehemaliger Politiker: Deuten die politische und militärische
Lage

Künstlerische Mitarbeiter: Schriftsteller: Verfasst mitreissende
Artikel und zündende Aufrufe usw., Graphiker Kunstmaler: Zeichnen von
Karikaturen, Erstellen mitreissender Bilder, Kabarettist Conferencier:
"Fabrizieren" Witze und Geschichten auf das neue Regime

Die Verteilung der illegalen Schriften:
- Verteile auf offener Strasse keine Flugblätter und
Untergrundzeitungen an Unbekannte. Es könnten Spitzel darunter sein.
- Wirf die illegalen Schriften in den Hauseingängen in die
Briefkästen. Tarne deine Leute hierzu mit gestohlenen PTT-Uniformen.
- Grössere Mengen illegaler Schriften kannst du zum Beispiel in
Kinderwagen unter Säuglingen versteckt transportieren.
- Wer ein Flugblatt oder eine Untergrundzeitung erhalten hat, gibt
diese an Bekannte weiter. So wird der Streubereich der illegalen
Schriften vergrössert und die bescheidenen Mittel der
Untergrundbewegung besser ausgenützt.
- Fordere nach Art der "Kettenbriefe" am Schlusse jedes Flugblattes
dazu auf, den Inhalt auf der Schreibmaschine abzuschreiben und die
Kopien in Umlauf zu setzen.

Schlussbemerkung :
Das Verbot des Abhörens ausländischer Sender sowie die zensurierte,
gleichgeschaltete Presse fördern das Bedürfnis nach objektiven
Nachrichten. Flugblätter und Untergrundzeitungen erfüllen daher eine
wichtige Funktion.
Die politische Polizei fürchtet illegale Schriften fast noch mehr als
Schusswaffen und Sprengmittel.
Eine Schreibmaschine ist oft wichtiger als eine Pistole. Ein
Vervielfältigungsapparat ist so viel wert wie ein leichtes
Maschinengewehr!

Strassenpropaganda

Der Einsatz von Mauerparolen-Anschreibtrupps:
- Mauerparolen sind ein gutes Mittel, um die Masse der Bevölkerung
wachzuhalten.
- Mauerparolen müssen möglichst einfach sein. Am besten eignen sich
Schlagworte, Einzelbuchstaben oder symbolische Zeichen.
Historisches Beispiel: Während des Zweiten Weltkrieges wurde von den
westlichen Widerstandsbewegungen das "V" für Victory (Sieg) verwendet.
- Mauerparolen werden am besten mit Ölfarbe und breitem Pinsel auf
Gehsteige, Strassen, Haus- und Plakatwände gemalt. Notfalls geht auch
Kreide, die quer gehalten wird, damit der Strich breiter wird. Kreide
hat jedoch den Nachteil, dass sie leicht abgewaschen werden kann.
Ölfarbe dagegen haftet äusserst zäh und kann praktisch nur durch
überstreichen mit einer Deckschicht unleserlich gemacht werden.
- Mauerparolen, in grosser Zahl Nacht für Nacht angeschmiert, machen
den Gegner nervös und heben das Selbstvertrauen der Bevölkerung. Sie
dokumentieren die geheime Macht der Widerstandsbewegung.

Der Einsatz der Plakat-Abreiss- oder überklebetrupps:
- Amtliche Bekanntmachungen der Besetzungsbehörden sowie
Propagandaplakate, die für die feindliche Ideologie werben, müssen
bekämpft werden, sonst ertrinkt man langsam in der Propagandaflut.
- Setze hierzu Spezialtrupps ein, welche die Plakate abreissen,
abkratzen, überschmieren oder mit "Gegenplakaten" überkleben.
- Wenn die gegnerische Strassenüberwachung mangelhaft ist (wenig
Polizei, wenig Militärpatrouillen) wird die billige, aber zeitraubende
Methode des teilweisen Abkratzens oder Überschmierens angewendet.
- Wenn die gegnerische Strassenüberwachung scharf und wirksam ist,
begnügt man sich damit, einen relativ kleinen Klebstreifen in
schreiender Farbe mit dem Aufdruck "Alles Lüge!" quer über das
amtliche Plakat zu kleben. Das braucht wenig Zeit und macht keinen
Lärm.
- Ausrüstung der Spezialtrupps: Farbkübel und Pinsel zum
überschmieren, Spachtel zum Abkratzen, Klebezettel zum überkleben,
Gummi- oder Turnschuhe, um sich lautlos bewegen zu können, Fahrräder.

Sicherung von Untergrundkonferenzen - Untergrundkonferenzen werden
ebenso sorgfältig vorbereitet wie Handstreichaktionen. Sie sind ja
auch nur eine spezielle Art von Kampfhandlungen.
- Objektwahl: Bevorzuge als Konferenzort Reihenhäuser. Umstellung und
Durchsuchung sind stark erschwert und zeitraubend. Einzelne
freistehende Gebäude (Villen) lassen sich leicht lückenlos umstellen
und rasch ausheben.
Sie sind daher zu meiden.
- Sicherung des Konferenzlokals:
Unterscheide in "Sicherungsring" und "Nahsicherung". Der
Sicherungsring umgibt den Konferenzort in weitem Umkreis und besteht
aus Beobachtern.
Die Nahsicherung befindet sich im Konferenzgebäude selbst.
Die Beobachter des Sicherungsrings überwachen:
a) Polizeigebäude, Kasernen und Garagen, um festzustellen, ob mehr
Fahrzeuge als üblich ausfahren;
b) Zufahrtswege zum Konferenzlokal;
c) Auftauchen typischer Polizeiwagen (die Polizei benützt Wagentypen,
die man rasch kennt);
d) Anfahrt von Überfallwagen. Auftauchen von Polizei oder Militär, das
eine beginnende Umzingelung anzeigt.

Die gemachten Beobachtungen werden durch das Ziviltelephon mit
unverfänglichen Stichworten weitergegeben.
Die Nahsicherung des Konferenzlokals besteht aus einem Posten im
Erdgeschoss (Pistole, Mp) und einem Beobachter in einem obern
Stockwerk, der abwechselnd aus verschiedenen Fenstern die Umgebung
überwacht.
- Vorbereitungen für den Fall des Eingreifens des Gegners:
Noch vor Beginn der Sitzung werden folgende Punkte abgesprochen:
1. Verhalten für den Fall, dass man zeitgerecht gewarnt wird und Zeit
hat, zu verschwinden. Wo hingehen, wo durchgehen. Reihenfolge des
Verschwindens. Was geschieht mit dem Material (mitnehmen, verstecken).
2. Verhalten für den Fall, dass man überrascht wird. Soll versucht
werden, die Harmlosen zu spielen (was sagen, wo Material verbergen)
oder wird gekämpft. (Wer ist Nachhut und hat sich notfalls zu opfern.
Wer hat den Kampf zu meiden und unter Mitnahme des Materials zu
flüchten. Fluchtwege.)

Nachrichtenübermittlung - Eine gut funktionierende
Nachrichtenübermittlung ist für die Widerstandsbewegung lebenswichtig.
- Wir unterscheiden:
1. Interner Verkehr.
a) Verbindungen innerhalb der Widerstandsbewegung;
b) Verbindungen Widerstandsbewegung - Kleinkriegsverbände.
2. Externer Verkehr.
Die Verbindung der Widerstandsbewegung mit der Armeeleitung im
Alpenreduit oder der schweizerischen Exilregierung im Ausland.
- Es geht darum, Meldungen zu empfangen oder zu erstatten. Befehle zu
empfangen oder zu erteilen.
- Normalerweise spielt die Übermittlungszeit eine geringe Rolle. Die
Sicherheit ist ausschlaggebend.
Gewisse Meldungen müssen aber rasch übermittelt werden können.
Beispiel:
Warnung vor Verhaftung.
- Als Nachrichtenmittel kommen in Frage: Kuriere, Telephon, Post,
Brieftauben, Funk.
- Für den internen Verkehr werden eingesetzt: Kuriere, Telephon, Post,
Brieftauben.
- Für den externen Verkehr werden eingesetzt: Kuriere, Brieftauben,
Funk.

Kurierdienst

- Kuriere müssen unauffällig sein, d. h. ihre Gänge oder Reisen müssen
natürlich wirken.
- Man unterscheidet:
a) Kuriere für den internen Verkehr;
b) Kuriere für den externen Verkehr.
- Kuriere für den internen Verkehr werden innerhalb einer Ortschaft
oder einem kleinen Gebiet eingesetzt.
- Kuriere für den externen Verkehr werden von einem Landesteil zum
andern, oder von der Schweiz ins Ausland eingesetzt.
- Geeignete Kuriere für den internen Verkehr in städtischen
Verhältnissen sind Briefträger, Ausläufer, Geldeinzüger öffentlicher
Betriebe usw.
Diese Personen können sich leicht bewegen, ohne aufzufallen.
- Geeignete Kuriere für den internen Verkehr in ländlichen
Verhältnissen sind Tierärzte, Viehhändler, Hausierer usw.
Es handelt sich um Personen, die viel herumkommen, ohne aufzufallen.
- Geeignete Kuriere für den externen Verkehr finden sich im Eisenbahn-
und Postpersonal sowie unter den Angestellten von Fluggesellschaften.
Alle diese Leute können sich berufsmässig öfters über grössere
Strecken bewegen.

*****
Sicherung einer Zusammenkunft von Chefs der zivilen
Widerstandsbewegung

1 Konferenzlokal in Reihenhaus gelegt. Nahsicherung bestehend aus
einem Mp-Schützen und einem Beobachter im Gebäudeinnern.
Sicherungsring :
2 Sicherungsposten. Als Strassenverkäufer getarnt. Verbindung: Zivil-
Telephon.
3 Sicherungsposten. Als Zeitungsleser getarnt. Verbindung: Fahrrad.
4 Sicherungsposten. Als Gast in einem Restaurant getarnt. Verbindung:
Zivil-Telephon.
S Sicherungsposten. Als Ruhebedürftiger in einem Park getarnt.
Verbindung: Zivil-Telephon.
6 Sicherungsposten. Als Liebespärchen in einem Park getarnt.
Verbindung: Zivil-Telephon.
7 Sicherungsposten. Als Strassenwischer getarnt. Verbindung. Fahrrad.
Polizeikasernen und -garagen werden überwacht. Auftauchende typische
Polizeifahrzeuge sowie aufziehende Absperrketten werden gemeldet.
*****

Kurierdienst

- Kuriere sind der steten Gefahr des "Verhaftetwerdens" ausgesetzt.
Sie sollen deshalb weder Absender noch Empfänger kennen, denn bei
diesen handelt es sich ja um Chefs der Widerstandsbewegung.
Als Sicherung werden sogenannte "Mittelsmänner" vorgeschoben, welche
die Meldungen übergeben oder in Empfang nehmen. In vielen Fällen
arbeiten die Mittelsmänner mit "toten Briefkasten".
- Auf der gleichen Verbindungslinie sind mehrere Kuriere einzusetzen.
Der Einzelne muss weniger Verbindungsaufträge ausführen und hat
dadurch weniger Einblick in die Organisation. Wenn ein Kurier
ausfällt, verfügt man bereits über einen eingespielten Ersatz.

Schreibverkehr

- So wenig als möglich schreiben.
- Nichts schriftlich erledigen, was mündlich auch geht.
- Kein Papier verwenden, das Rückschlüsse auf den Absender zulässt
(Briefkopf, Wasserzeichen usw.).
- Handschrift ist identifizierbar. Daher in technischer Blockschrift
schreiben.
Wenn möglich eine Schreibschablone benützen.
- Die Verwendung von Schreibmaschinen ist gefährlich. Besonders
Maschinen ältern Typs können leicht identifiziert werden. Wenn möglich
eine fremde Maschine benützen. Beim Schreiben eine Unterlage verwenden
(z. B. zweites Papierblatt), so werden Abdrücke auf der Walze
vermieden.
- Tarntext in den Klartext einbauen. Der Tarntext muss für den
oberflächlichen Leser eine sinnvolle Bedeutung haben. Er darf nicht
den Eindruck einer verschleierten Meldung erwecken.
- Datum und Zeit eines Treffens, einer Aktion usw. nie offen
durchgeben.
- Die zivile Post nur getarnt benützen.

Die Übergabe von Meldungen

Allgemeines:

- Schriftliche Meldungen können auf zwei Arten übergeben werden:
1. Persönlich, von Person zu Person.
2. Unpersönlich, über einen "toten Briefkasten".

- In der Folge wird nur noch Methode 1 behandelt.

- Für die unauffällige Übergabe benötigen wir einen sogenannten
"Meldungsträger".

- Primitive Meldungsträger:
a) mit Bleistift in einer Zeitung ins Schwarze schreiben (z. B. in
breite Buchstaben von Überschriften, Umrandungsbalken usw.). Wenn die
Zeitung vom Empfänger in einem bestimmten Winkel zum Licht gehalten
wird, lässt sich die Bleistiftschrift lesen;
b) Inserat in einer Zeitung ausschneiden und auf ein gleiches Inserat
in einer gleichen Zeitung dreiseitig aufkleben. Die vierte Seite
bleibt offen.
Es entsteht so eine unauffällige Papiertasche, in welche die Meldung
eingeschoben werden kann;
c) die Meldung zusammengefaltet in eine Zündholzschachtel legen und
mit Zündhölzern (evtl. einem doppelten Boden) tarnen.

Die Übergabe der Meldung:
- Kurier A soll Kurier B eine Meldung übergeben. Meldungsträger:
Zündholzschachtel. Treffpunkt: Restaurant X.
Sie sitzen am gleichen Tisch und unterhalten sich wie alte Freunde. A
raucht.
B steckt sich eine Zigarette in den Mund und legt die Zigaretten
Packung vor sich auf den Tisch. Sucht nach Zündhölzern. Findet keine.
A bietet ihm eine Schachtel Zündhölzer an. B zündet seine Zigarette an
und legt die Zündholzschachtel achtlos neben seine Zigaretten Packung
auf den Tisch.
Nach einer Weile verabschieden sich die beiden. B steckt scheinbar
achtlos die Zündholzschachtel zusammen mit seiner Zigarettenpackung in
die Tasche.

- Kurier A soll Kurier B eine Meldung übergeben. Meldungsträger:
Zeitung.
Treffpunkt: Restaurant X.
A trinkt Kaffee und liest dazu die Zeitung. B kommt ins Restaurant und
setzt sich an den Tisch zu A. A faltet nach einer Weile die Zeitung
zusammen.
Legt sie auf den Tisch und ruft der Serviertochter. Zahlt, lässt die
Zeitung scheinbar achtlos liegen und geht. B nimmt die Zeitung auf und
liest sie.
Trinkt seinen Kaffee aus. Bezahlt, verlässt das Lokal und nimmt die
Zeitung mit.

Der "Tote Briefkasten"

- Tote Briefkästen dienen dazu, Meldungen zu übermitteln, ohne dass
sich zwei Personen dabei treffen müssen.
- Der tote Briefkasten setzt sich zusammen aus:
1. Briefkasten.
2. Bedienungszeichen.
3. Sicherheitszeichen.
- Als toter Briefkasten eignen sich zum Beispiel:
Mauerspalten, in welche die Meldungen gesteckt werden;
kleine Fensterbretter, auf welche die Meldungen gelegt werden';
Telephonbücher in öffentlichen Sprechstationen;
Wasserbehälter in öffentlichen Toilettenanlagen;
Zentralheizungskörper in Treppenhäusern4.
- Tote Briefkästen müssen so beschaffen sein, dass die Meldungen
leicht hineingelegt und ebenso leicht wieder herausgenommen werden
können.
Kein auffälliges Bücken, Hinaufrecken, Klettern, langes
Herummanipulieren usw.
- Tote Briefkästen sollen gegen Sicht abgeschirmt sein, damit die
Benützer nicht von weit her gesehen werden. Günstig sind
Treppenhäuser, WC-Anlagen, Innenhöfe, Telephonkabinen usw.
- Die Meldungen bleiben unter Umständen stunden- oder tagelang liegen.
Der tote Briefkasten muss daher wettergeschützt sein.
- Die Meldungen dürfen nicht vom Winde weggeweht werden.
- Die Meldungen sind je nach Art des benützten toten Briefkastens zu
verpacken. Günstiges Verpackungsmaterial : Blech- oder Glasröhrchen
pharmazeutischer Produkte, Blechschächtelchen von Tabletten usw.
- Jede Leerung des toten Briefkastens ist verräterisch. Je weniger man
sich am Briefkasten zu schaffen macht, um so länger und sicherer kann
er benützt werden. Der tote Briefkasten muss daher ein
"Bedienungszeichen" aufweisen. Dieses zeigt unauffällig an, ob sich
eine Meldung darin befindet.
Es verhindert, dass man sich unnütz am leeren Briefkasten zu schaffen
macht.
- Das "Bedienungszeichen" soll:
a) leicht und unauffällig angebracht werden können;
b) für Eingeweihte ohne langes Suchen erkennbar sein;
c) wetterbeständig sein;
d) von spielenden Kindern, Strassenwischern usw. nicht leicht
weggenommen werden können.
Gut geeignet sind z. B. Reissnägel mit farbigem Kopf. Schlecht
geeignet sind hingelegte leere Zigarettenschachteln usw.
- Der tote Briefkasten kann vom Gegner erkannt werden. Man muss daher
seine Partner warnen können. Hierzu dient das sogenannte
"Sicherheitszeichen".

- Das Sicherheitszeichen weist die gleichen Eigenschaften auf, wie das
"Bedienungszeichen ".
- Das Sicherheitszeichen muss so weit vom toten Briefkasten entfernt
angebracht werden, dass der herankommende Empfänger im Gefahrenfall
noch Zeit hat, zu reagieren, d. h. harmlos am toten Briefkasten
vorbeigehen kann. Die Meldung wird z. B. in eine leere
Zigarettenschachtel verpackt und diese mit einem Stein beschwert.

Die Meldung wird zwischen zwei bestimmte Seiten gelegt.
Die Meldung wird z. B. in eine Zündholzschachtel gelegt und diese
hinter den Wasserbehälter gesteckt.
Die Meldung wird z. B. in ein Briefkuvert gesteckt und dieses mit
Klebstreifen hinter den Zentralheizungskörper (Radiator) geklebt.

Die Benützung des Telephons

- Der Gegner kann Telephongespräche abhorchen.
- Es ist technisch möglich, innerhalb weniger Minuten festzustellen,
wer telephoniert, d. h. von welchem Apparat (Telephonnummer) aus
gesprochen wird.
- Es' ist technisch möglich, festzustellen mit wem, respektiv mit
welcher Gegenstation (Telephonnummer) du sprichst. Das verlangt aber
eine gewisse Zeit. Wenn der Gegner darauf vorbereitet ist, findet er
die Gegennummer innerhalb weniger Minuten. Wenn er nicht darauf
vorbereitet ist, benötigt er mindestens eine halbe Stunde.
- Beim Abhorchen muss man unterscheiden zwischen:
a) planmässiger, gezielter Telephonüberwachung verdächtiger Personen;
b) stichprobenartigem Einschalten in irgendwelche Gespräche, in der
Hoffnung, durch Zufall etwas wichtiges aufzuschnappen. Hierbei handelt
es sich um eine reine Terrormassnahme.
- Die planmässige, gezielte Überwachung Verdächtiger erfolgt
mechanisch.
Ein Tonbandgerät wird in der Ortszentrale mit dem betreffenden
Telephonanschluss gekoppelt und nimmt alle ein- und ausgehenden
Gespräche automatisch auf.
- Das wahllose Mithören irgendwelcher Gespräche erfolgt durch den
Einsatz von Personal ("Abhorchposten").

Abwehrmassnahmen. Fall A: du glaubst dich noch unverdächtig.
- Führe lange Telephongespräche. Diese fallen den Abhorchposten
besonders lästig, da sie entweder nur wenige Gespräche abhorchen
können, oder riskieren, Wichtiges zu verpassen, wenn sie vorzeitig
abhängen.
- Sage wichtige Dinge immer erst gegen Ende des Gesprächs.
- Verwende harmlose "Umschreibungen.. und einfache "Deckworte".

Abwehrmassnahmen. Fall B: du vermutest, dass die politische Polizei
dich überwacht.
- Benutze das Telephon so wenig als möglich.
- Benutze den privaten Hausapparat oder das Geschäftstelephon
grundsätzlich nicht. Telephoniere von öffentlichen Sprechstellen aus.
- Wechsle möglichst oft die Sprechstelle.
- Führe möglichst kurze Gespräche. Gesprächsdauer nicht über 2
Minuten.
- Unterteile längere Gespräche in mehrere kurze Anrufe von
verschiedenen Stationen aus. Schalte zwischen jeden Anruf
unregelmässige Pausen ein.

Die Verwendung des Funks

Allgemeines:
- Verwende den Funk nur operativ, d. h. für den Verkehr der obern
Leitung der Widerstandsbewegung mit der Armeeleitung im Alpenreduit
oder mit der Exilregierung im Ausland.
- Im taktischen Verkehr innerhalb der Widerstandsbewegung wird der
Funk nicht eingesetzt. Hier sind täglich eine Vielzahl von Meldungen
durchzugeben. Dadurch wird die Funktarnung schwierig und der Aufwand
für die Sicherung - gemessen am Wert der einzelnen Sendung - lohnt
sich nicht.
- Vergiss nicht: Abhorchen von Funksprüchen und Anpeilen von Sendern
sind für den Gegner leichter, als das Abfangen von Kurieren, die in
der Masse der Bevölkerung untergehen. Um den Funkverkehr zu
überwachen, benötigt er lediglich eine Handvoll gut ausgerüsteter
Spezialisten. Um die Kuriere abzufangen braucht es dagegen ein ganzes
Heer von Polizisten!

Die Organisation des Funkdienstes:
- Wir unterscheiden:
a) Chef der Übermittlungssektion;
b) Leiter des Funkdienstes;
c) Verbindungsmann;
d) Funker;
e) Sendeplätze.
- Der Chef der Übermittlungssektion:
übergibt ausgehende Meldungen und nimmt eingehende Meldungen entgegen.
Kennt nur den Leiter des Funkdienstes.
- Der Leiter des Funkdienstes verfügt über einen Verbindungsmann,
einige Funker sowie eine Reihe von Sendeplätzen.
- Der Verbindungsmann:
Kennt den Leiter des Funkdienstes, die Funker sowie einzelne
Sendeplätze.
überbringt den Funkern die Aufträge und die Funkunterlagen.
Hilft den Funkern bei den Sendungen (z. B. Nahsicherung).
- Die Funker:
Gehen aus Tarnungsgründen ihrem normalen Beruf nach.
Verfügen über eine Wohnung und einen Unterschlupf.
Im Unterschlupf kann notfalls "untergetaucht" werden, wenn etwas
schief geht. Der Unterschlupf wird gegen jedermann geheimgehalten.
In der Wohnung wird "empfangen", aber nicht "gesendet...
Die Funker kennen nur den Verbindungsmann.
- Die Sendeplätze:
Die Sendeplätze sind nur dem Leiter des Funkdienstes bekannt.
Als Sendeplätze dienen Wohnungen, Fahrzeuge, Waldstücke und sonstige
einsame Geländesteilen.
Die einzelnen Sendeplätze müssen mindestens 6 km auseinanderliegen.

Das Verbergen der Funkgeräte:
- Verstecke müssen gut durchdacht sein. Der Einsatz ist das Leben!
- Herkömmliche Verstecke, wie der Kohlen- oder Kartoffelhaufen im
Keller, sind bekannt und werden sicher durchsucht.
- Oft ist Frechheit am wirksamsten. Z. B. Einwickeln des Gerätes in
Packpapier und offenes Hinstellen auf den Küchenschrank.
- Bei wochen- oder monatelangen Sendeunterbrüchen ist es besser, das
Gerät wasserdicht verpackt im Freien zu verbergen (Wald, Pflanzgarten
usw.).

Der Ablauf einer Sendung:
- Die örtliche Leitung der Widerstandsbewegung übergibt die Meldung
dem Chef der Übermittlungssektion.
- Der Chef der Übermittlungssektion fasst den Entschluss, welches
Übermittlungsmittel einzusetzen ist (Kuriere, Brieftauben, Funk).

Wenn er sich für den Funk entschieden hat, übergibt er die Meldung dem
Leiter des Funkdienstes.
- Der Leiter des Funkdienstes:
- bestimmt den Funker;
- wählt den Sendeplatz;
- bestimmt die Sendezeit;
- erledigt die Vorbereitungsarbeiten für die Tarnung der Übermittlung:
a) Rufzeichen;
b) Frequenz;
c) Codifizierung oder Chiffrierung.
- Nachher orientiert er den Verbindungsmann und übergibt ihm zuhanden
des Funkers folgende Unterlagen:
a) die technisch fertig vorbereitete Meldung;
b) die Funkerkennungstabelle;
c) die Decknamenliste.
- Der Verbindungsmann sucht den Funker auf, führt ihn an den
Sendeplatz und hilft ihm bei der Übermittlung (z. B. Nahsicherung).
- Ausrüstung des Funkers: Funkgerät, Funkunterlagen. Feuerzeug zum
Verbrennen der Geheimdokumente. Giftkapsel, evtl. Pistole.
- Ausrüstung des Verbindungsmannes: Giftkapsel, evtl. Pistole oder
Maschinenpistole, 1-2 Handgranaten.
- Nach durchgeführter Sendung werden alle schriftlichen Unterlagen
sofort, d. h. innerhalb der nächsten Minute, verbrannt und die Asche
zerklopft.
Anschliessend wird das Funkgerät versteckt.

Die Sicherung einer Funkstation:

Fall A: wenn sich diese in einer Wohnung befindet.
- Der Verbindungsmann führt den Funker zum Sendeplatz.
- Der Funker darf den wahren Namen und die Adresse des
Wohnungsinhabers nicht kennen. Er vermeidet es daher bewusst,
Strassenbezeichnung, Hausnummer und Name an der Wohnungstüre zu lesen.
- Der Wohnungsinhaber darf Name und Adresse des Funkers nicht kennen.
- Verbindungsmann und Wohnungsinhaber übernehmen die Nahsicherung des
Funkers. C - Merkpunkte für den Wohnungsinhaber;1 a) dafür sorgen,
dass während der Sendezeit kein Besuch kommt;
b) Frau und Kinder nicht zu Geheimnisträgern machen;
c) Frau und Kinder während der Sendung unter einem natürlichen und
glaubwürdigen Vorwand aus der Wohnung wegschicken;
d) ein Alibi für die Anwesenheit der fremden Personen bereithalten;
e) für den Fall, dass man überrascht wird, ein Notversteck für das
Funkgerät bereithalten;
f) Spuren des Besuchs verwischen, damit die eigene Familie nach der
Rückkehr nicht argwöhnisch wird (Zigarettenstummel, Gläser usw.).

1 Weitere Vorsichtsmassnahmen, unabhängig von der Sendung:
- Achtet darauf, ob in der nächsten Umgebung verdächtige Leute
einziehen (Anzeichen für den Aufbau mobiler Peilstationen).
- Vorsicht vor unbekannten Handwerkern, die ins Haus kommen, um Zähler
abzulesen, Telephone zu kontrollieren oder Schalttafeln zu reparieren.
Es könnte sich um getarnte Gegner handeln, welche Alarmempfänger
einbauen wollen. Alarmempfänger sind kleinste, nur zentimetergrosse
Apparate, welche automatisch per Draht (Telephon) oder Funk eine
Oberwachungszentrale alarmieren, sobald im Nahbereich ein Sender in
Betrieb gesetzt wird.

Fall B:
wenn sich diese in einem Motorfahrzeug befindet:
- Der Verbindungsmann führt den Funker zum Fahrzeug.
- Der Funker darf die Wagennummer nicht kennen. Er vermeidet es daher
bewusst, das Kontrollschild zu betrachten.
- Der Funker darf Name und Adresse des Chauffeurs nicht kennen.
- Der Chauffeur darf Name und Adresse des Funkers nicht kennen.
- Der Verbindungsmann übernimmt die Nahsicherung des Funkers.
- Merkpunkte für den Chauffeur:
a) die Verkehrsvorschriften peinlich genau innehalten, um nicht andere
Verkehrsteilnehmer oder gar die Polizei auf sich aufmerksam zu machen;
b) ein Alibi für das Mitführen der beiden Männer bereithalten;
c) nach der Fahrt die Spuren der Passagiere im Fahrzeug verwischen.

Fall C:
wenn sich diese im freien Gelände befindet:
- Der Verbindungsmann führt den Funker zum Sendeplatz.
- Der Verbindungsmann übernimmt die Nahsicherung des Funkers.
- Der Verbindungsmann hält ein Alibi für den Aufenthalt an diesem Ort
bereit.

Die Nahsicherung:
- Die Nahsicherung besteht aus 1-2 Mann. Diese können bewaffnet oder
unbewaffnet sein.
- Aufgaben:
1. Schutz der Funkstation gegen direkte Überrumpelung.
2. Augenüberwachung der Umgebung.
3. Versuch, das Auftauchen von Taschenpeilern zu erkennen.
- Schutz vor Überrumpelung: verhindert, dass der Gegner die
Funkstation überraschend ausheben kann. Achtet auf Polizeifahrzeuge,
sich abzeichnende Umzingelung usw. Soll dem Funker durch rechtzeitige
Warnung die paar Minuten Zeit verschaffen, um die Funkunterlagen zu
vernichten, das Gerät zu verstecken und die Spuren zu verwischen.
- Die Augenüberwachung umfasst Treppenhaus, Garten, Vorplatz,
Nachbarhäuser, im freien Gelände die nächste Geländekammer.
- Taschenpeiler. Mögliche Erkennungsmerkmale: Langsam gehende oder
herumstehende Männer mit Handkoffern, Aktenmappen oder
Werkzeugtaschen, welche a) häufig auf die Armbanduhr blicken (als Uhr
getarntes Anzeigeinstrument);
b) den Mantelkragen hochgeschlagen tragen (Verbergen eines akustischen
Anzeigeinstruments. Miniatur-Kopfhörer, z. B. als Hörapparat für
Schwerhörige getarnt).

Die Technik des Gegners beim Anpeilen von Geheimsendern:
- Wir unterscheiden a) ortsfeste Peilstationen;
b) mobile Peilstationen;
c) Taschenpeilstationen.
- Ortsfeste Peilstationen sind in einem Gebäude untergebracht.
- Mobile Peilstationen sind in Motorfahrzeugen untergebracht. Es kann
sich um grosse, gedeckte Lastwagen, kleine Kastenwagen oder
Personenwagen handeln. Die Fahrzeuge sind als zivile Lieferwagen usw.
getarnt und weisen keine äussern Merkmale (z. B. Antennen usw.) auf.
- Taschenpeiler sind sehr klein. Sie werden am Leibgurt unter dem
Mantel versteckt getragen oder in Handkoffern, Aktenmappen usw.
mitgeführt. Sie weisen keine äussern Merkmale (z. B. Antennen) auf.
Das Anzeigeinstrument ist oft als "Armbanduhr" getarnt.
- Das besetzte Gebiet wird mit einem Netz von ortsfesten Peilstationen
überzogen. Für ein Gebiet von der Grösse der Schweiz rechnet man etwa
4-6 Stationen. Diese Stationen messen auf ca. 10 km genau.
- Die ortsfesten Stationen stellen die Geheimsender fest (grobe
Raumpeilung).
Nachher wird das fragliche Gebiet von mobilen Peilstationen umstellt.
Diese messen den Geheimsender auf ca. 100 m genau ein. Sie
lokalisieren also eine Gebäudegruppe, ein Waldstück, eine Scheune usw.
- Zum Abschluss werden Taschenpeiler eingesetzt. Mit einem
Taschenpeiler ist es möglich, den Standort des Geheimsenders bis auf
ca. 5 m genau festzustellen. Er lokalisiert also eine Wohnung, einen
Estrich usw.
- Die rein technische Leistungsfähigkeit moderner Peilgeräte ist
erstaunlich.
Im praktischen Einsatz ist sie aber wesentlich geringer! Du darfst die
Möglichkeiten des Gegners weder überschätzen noch unterschätzen. Die
Hauptschwierigkeiten des Gegners sind:
1. Moderne transistorisierte Sender sind sehr klein. Sie können leicht
von Ort zu Ort verschoben oder versteckt werden. Abmessungen eines
Sendegeräts mit einer Reichweite "Schweiz-USA" = ca. 10 x 10 x 30 cm.
Gewicht 5 kg bis max. 10 kg.
2. Geheimsender können nur angepeilt werden, wenn sie ausstrahlen. In
der nach Wochen oder Monaten messenden Zwischenzeit ist die
Peilorganisation zur Untätigkeit verdammt.
3. Für das Anpeilen und nachfolgende Ausheben des Geheimsenders
braucht man eine gewisse Zeit. Diese wird selten weniger als 30
Minuten betragen.
4. Suchmittel (Personal, Peilgeräte) sind nur in beschränkter Zahl
vorhanden.
- Ortsfeste Peilstationen sind für den Gegner leicht einzusetzen. Du
hast keine Möglichkeit, ihrer Messung zu entgehen.
- Mobile Peilstationen und Taschenpeilstationen sind schwerer
einzusetzen.
Aus praktischen Gründen können sie nicht unbegrenzte Zeit im Einsatz
(auf der Lauer) belassen werden. Der erfolgreiche Einsatz mobiler
Peilstationen oder Taschenpeilstationen ist daher nur möglich, wenn
der Geheimsender grobe Fehler begeht, z. B.:
a) übermässig lange Sendezeiten hat;
b) in kurzen Abständen sendet (Funkunterbruch lediglich Stunden oder
Tage);
c) während einiger Zeit vom gleichen Standort aus sendet;
d) Distanzmässig zu kleine Stellungswechsel macht.

Möglichkeiten zur Erschwerung der feindlichen Funkpeilung:
- Möglichst selten senden.
- Zu unregelmässigen Zeiten senden (andere Stunden, andere
Wochentage).
- Möglichst für jede Sendung die Frequenz wechseln.
- Für jede Sendung einen andern Standort wählen.
- Standort extrem wählen. Entweder mitten in der Stadt oder in ganz
abgelegenem freiem Gelände.
- Unmittelbar nach jeder Sendung, d. h. innerhalb der nächsten 5
Minuten, den Standort wechseln.
- Bei Standortwechsel genügend grosse Sprünge machen (mindestens 6
km).
- Sendezeit möglichst kurz halten. Kurze Sendungen werden erreicht
durch:
a) Durchgabe nur wirklich wichtiger Dinge;
b) Inhaltliche Straffung auch wichtiger Dinge;
c) Ausschaltung der langsamen menschlichen Hand beim Senden.
Verwendung mechanischer Hilfsmittel (z. B. Abspulen der Meldung von
einem gelochten Streifen usw.)'.
- Charakteristische Merkmale vermeiden. Erkennung erschweren durch:
a) benützen verschiedener Sender;
b) Rufzeichen dauernd wechseln;
c) Tast-(Sprech)-Geschwindigkeit für jede Sendung stark variieren.
- Gleichzeitig mit mehreren Stationen senden, um die feindliche
Peilorganisation zu zersplittern.

Zusammenfassung:
- Geheimsender müssen so eingesetzt werden, dass sie eine ehrliche
Chance haben. Ihr überleben hängt ab von:
1. Der Abschirmung gegen Verrat.
2. Dem Vorhandensein möglichst vieler Sendeplätze.
3. Den kurzen Sendezeiten.
4. Den seltenen Sendungen.
- Die Hauptschwierigkeiten liegen nicht auf funktechnischem Gebiet.
Die feindliche Funkpeilung kann überspielt werden. Das Problem besteht
vielmehr darin, die Sendeplätze unauffällig zu benützen, so dass die
Umwelt nicht misstrauisch wird.

Sicherung von Örtlichkeiten

- Örtlichkeiten, die immer wieder betreten werden müssen, sind durch
einfache, unauffällige Zeichen zu sichern.
Praktisches Beispiel:
Fensterläden ganz offen = "Alles in Ordnung!" Fensterläden halb offen
= "Achtung Gefahr! Nicht kommen".
Weitere Möglichkeiten:
Blumentöpfe vor dem Fenster, herausgehängte Wäschestücke usw.
- Diese Zeichen müssen aus einiger Entfernung erkennbar sein, damit
die Gewarnten Zeit haben, unauffällig am Hause vorbeizugehen.

Sicherung gegen Abhorchgefahr aus Nebenräumen

- Die moderne Bauweise mit ihren minimalen Wandstärken erhöht die
Abhorchgefahr.
- Schliesse vor Gesprächsbeginn alle Fenster und Türen.
- Sprich nicht in denjenigen Räumen, die an Nachbarwohnungen oder ans
Treppenhaus angrenzen. Dadurch verhinderst du ein unfreiwilliges
"Mithören", aber auch ein bewusstes Horchen deiner Nachbarn.

*****
Sendezeit für eine Seite Schreibmaschinentext Format A 4:
- mit normaler Handtastung: 25 Minuten;
- mit Schnellsendeverfahren: 25 Sekunden.
Gegenmittel des Feindes gegen kurze Sendezeiten: elektronische
Auswertung der Peilergebnisse.
Siehe - Das allgemeine Verhalten als Widerstandskämpfer - Das Alibi.
*****

- Wenn du Untermieter hast, oder nur einen Wohnraum besitzest, so
lasse das Radio laufen. Die Musik übertönt das Gespräch und verhindert
ein Horchen.
- Wenn du befürchtest, durch versteckt eingebaute Abhorchmikrophone
der politischen Polizei überwacht zu werden, so schalte vor Gesprächen
das Radio ein.

Allgemeines Verhalten als Widerstandskämpfer

Als Widerstandskämpfer bist du Tag und Nacht im Gefecht mit der
politischen Polizei. Du musst mehr auf der Hut sein, als ein Soldat
auf Spähtrupp. Deine Art Kampf ist ja auch entnervender, zeitlich
ausgedehnter und grausamer als alle Kämpfe an der Front des "grossen
Krieges,,!
- Der oberste Grundsatz lautet: "nicht auffallen!" - Passe deine
Kleidung den Umständen an. Herumgehen im Winter ohne Mantel ist
auffällig. Ebenso das Tragen von Handschuhen im Sommer. Wer im
Überkleid an den Bankschalter geht, fällt auf. Ebenso ist Gartenarbeit
im Sonntagskleid unnatürlich. Frauen müssen auf die Haartracht achten.
- Benimm dich deinem Stande entsprechend. Wer im feinen Restaurant mit
dem Messer isst, fällt auf. Ebenso, wer in der Spelunke eine Serviette
verlangt. Wer im Überkleid Taxi fährt, fällt auf. Er benützt besser
ein Fahrrad oder die Strassenbahn.

- Beobachte vor dem Verlassen der Wohnung die Strasse, um
festzustellen, ob dein Haus überwacht wird.
- Benimm dich auf der Strasse natürlich. Tue nichts auffälliges.
- Gehe immer auf der Gehsteig-Innenseite. Du wirst so vom fahrenden
Auto aus weniger erkannt.
- Blicke nie unmotiviert zurück. Das fällt auf und macht den Eindruck
eines schlechten Gewissens. In folgenden Situationen kannst du dich
unauffällig umsehen:
1. Einer schönen Frau oder einem auffälligen Auto nachblicken.
2. Vor dem Überqueren der Strasse. Aber Achtung! Du darfst nicht
unaufhörlich von einer Strassenseite zur andern wechseln.
3. Blicke in ein Schaufenster mit Spiegel. (Oft spiegelt die
Schaufensterscheibe allein schon genügend!)
4. Tritt in ein Geschäft. Siehe dich beim Wiederverlassen des Lokals
um.
- Achte auf das wiederholte Auftauchen der gleichen Person (Spitzel,
Mitglied der politischen Polizei). Gesichter sind schwer zu merken,
achte daher auf die Kleidung.
- Bei schlechtem Wetter nicht bummeln. Ist unnatürlich und fällt auf.
An einem schönen Sommerabend dagegen wirkt es natürlich.
- Wenn du langsamer gehen willst: Tempo beibehalten, aber kürzere
Schritte machen.
- Umwege zum Ziel fallen auf. Du musst dafür ein Alibi haben, z. B.
noch rasch am Bahnhof vorbeigehen und in den Fahrplan blicken, im
Kiosk eine Zeitung kaufen usw.
- Benütze die öffentlichen Verkehrsmittel (Strassenbahn, Autobus,
Eisenbahn) in den Stosszeiten. Je überfüllter sie sind, um so sicherer
bist du.
- Sprich nie einen Kameraden an, wenn sich dieser in Gesellschaft
einer unbekannten Person befindet.

Sei pünktlich. Lasse den Partner nie warten. Wenn der andere nach zwei
Minuten nicht erscheint, gehe weg! Vielleicht wurde er verhaftet und
hat unter Folter ausgesagt.
- Wenn zwei sich in einem Lokal treffen, geht immer der wichtigere
zuerst weg.
- Wenn man sich trennen muss, Treffpunkt abmachen, z. B. "... du
kannst mich jeden Donnerstag von 1000-1100 im Lesesaal der
Landesbibliothek treffen !" - Wenn mehrere Widerstandskämpfer sich
spät nachts in einer Wohnung treffen, so müssen die Schuhe ausgezogen
werden, damit die Anwohner nicht durch das Getrampel aufmerksam
werden.

- Entscheidende Dinge nur mündlich festhalten.
- Die Untergebenen nie früher orientieren, als unbedingt notwendig
ist.
- Den Untergebenen nur gerade das mitteilen, was sie für die
Durchführung ihres Auftrages unbedingt wissen müssen.

Das Alibi

- Bei der Ausübung einer verbotenen Tätigkeit gilt es, ein Alibi zu
haben.
- Das Alibi muss man sich vor Beginn der Tätigkeit zurechtlegen und
bis zu Ende durchdenken.
- Das Alibi muss einfach1, glaubwürdig und überprüfbar sein.

Praktisches Beispiel:
Der Widerstandskämpfer X will auf dem Bahnhof Burgdorf einen toten
Briefkasten bedienen. Dieser befindet sich in der Telephonkabine. Er
bereitet folgendes Alibi vor:
a) ich muss einen Grund haben, um zum Bahnhof zu gehen. Idee: ich will
am Sonntag verreisen. Da ich zu Hause keinen Fahrplan habe, muss ich
die Zugsabfahrt auf dem Bahnhof im öffentlich aufgehängten Fahrplan
nachsehen> ;
b) ich muss einen Grund haben, um die Telephonkabine zu betreten.
Idee:
ich will die Reise telephonisch vorbereiten.

Der Widerstandskämpfer X wird in der Folge von der Polizei
festgenommen und verhört:
Frage: ..Warum haben sie auf dem Bahnhof telephoniert?" Antwort: ..Ich
will nächsten Sonntag meinen Bruder Franz in Bern besuchen.
Darum habe ich telephoniert." Frage: ..Warum haben sie nicht zu Hause
telephoniert, sie besitzen ja einen privaten Apparat?" Antwort: ..Das
Telephon ist defekt."3 Frage: ..Warum haben sie ausgerechnet auf dem
weit entfernten Bahnhof telephoniert und nicht in der Kabine gerade um
die Ecke?"

1 Damit man sich bei eventueller Wiederholung nach ein paar Tagen
nicht in Widersprüche verwickelt.

2 Der eigene Fahrplan zu Hause muss versteckt werden, damit er
überprüfbar nicht vorhanden ist.

Das Privattelephon muss überprüfbar nicht funktionieren. Ist leicht zu
machen, z. B. Hörmuschel aufschrauben, Kabelschnur unter der Büchse
mit dem Schraubenzieher lockern!

Antwort: ."Ich habe keinen Fahrplan zu Hause und musste daher auf dem
öffentlichen Plakatfahrplan nachsehen."4 Frage: "Wo wohnt ihr Bruder
in Bern?" Antwort: "Papiermühlestrasse 158."

Verhalten, wenn man in eine Strassenkontrolle gerät

- Bei Strassenkontrollen werden schlagartig ganze Strassenzüge
abgeriegelt und die Passanten durch Abtasten auf illegales Material
kontrolliert (siehe Seite 251).
- Wer Pistole, Sprengstoff oder Flugblätter auf sich trägt, muss rasch
handeln.
In den ersten paar Minuten nach der Abriegelung wird noch ein
allgemeines Durcheinander herrschen, das es auszunützen gilt. Etwa 5
Minuten später wird der Gegner beginnen, die im Netz gefangenen
Passanten zu besammeln und in geordneter Formation auszustellen (auf
einem Glied, in Viererkolonne usw.).
- Einmal in der Formation eingereiht, wird es kaum mehr möglich sein,
das belastende Material verschwinden zu lassen. Um so mehr, als
Spitzel und Polizeibeamte in Zivil sich im abgesperrten Gebiet
befinden und die Menge überwachen.
- Wer belastendes Material in einer Aktenmappe, einem Koffer oder
Werkzeugkasten mitträgt, stellt diesen auf den Boden. Bleibt eine
Weile gelangweilt daneben stehen und versucht, sich dann unbemerkt zu
entfernen.
- Kleinere Gegenstände wie Pistolen, Handgranaten, Flugblätter usw.
können in einen Kanalisationsschacht ("Senkloch") geworfen werden.
Kameraden müssen sich schützend vor den Träger hinstellen und die
Aufmerksamkeit der Umstehenden in eine andere Richtung lenken.
- Sehr günstig sind Gartenzäune. Lehne dich gelangweilt dagegen. Ziehe
ein Paket Zigaretten aus der Tasche und zünde eine an. Versorge das
Feuerzeug in der Tasche, wo sich das belastende Material befindet.
Wenn du die Hand zurückziehst, nimm das Material mit heraus und lasse
es durch den Zaun hindurch in den Garten fallen.
- Versuche später, das weggeworfene Material wieder zu behändigen.
Jedoch nicht sofort. Der Gegner könnte eine Falle gestellt haben.
Lasse deshalb einige Tage verstreichen und beobachte.
- Wer als Unbeteiligter bemerkt, dass Leute Material zu verstecken
suchen, hat die selbstverständliche Pflicht, ihnen hierbei zu helfen.

Untertauchen. Auswahl und Benützung von Unterschlupfen

- Wichtige Mitglieder der Widerstandsbewegung müssen in der gleichen
Stadt oder Gegend mehrere Unterkünfte haben, um notfalls für einige
Zeit untertauchen zu können.
- Als Unterschlupfe kommen in Frage:
a) Mietwohnungen, die nur zeitweilig benutzt werden;
b) Wohnungen von Kameraden;
c) Lagerlokale, Weekendhäuschen, Pflanzlandhäuschen usw.

- Unterschlupfe dürfen nur einem kleinen Personen kreis bekannt sein.
- Keiner darf alle Quartiere kennen.
- Besonders wichtige Funktionäre müssen einen Unterschlupf haben, den
niemand kennt, nicht einmal die eigene Familie.
- In den Unterschlupfen darf kein schriftliches Material aufbewahrt
werden.
- In den Unterschlupfen sind Getränke und Lebensmittel einzulagern,
damit man einige Tage versteckt bleiben kann. Diese Lebensmittel
dürfen jedoch den Charakter des Lokals nicht verraten.

Das Benützen von Eisenbahnzügen

- Hauptbahnhöfe und Schnellzüge werden von der Besetzungsmacht am
ehesten kontrolliert.
- Reise wenn möglich auf Nebenlinien.
- Reise immer mit Lokalzügen.
- Besteige die Züge auf Nebenstationen oder Vorortsbahnhöfen und
verlasse sie auch wieder auf solchen.
- Praktisches Beispiel:
Du willst als "Kurier" von Bern nach Luzern fahren.
Begib dich mit dem Autobus auf die Station Ostermundigen. Besteige
dort den Lokalzug nach Langnau. Steige in Langnau um. Nimm einen
Bummler nach Luzern. Verlasse den Zug aber bereits auf der kleinen
Station "LITTAU", 4 km vor Luzern und lege die restliche Strecke zu
Fuss zurück.

Sonderschulung wichtiger Mitglieder der Widerstandsbewegung

- Die Sonderschulung umfasst:
a) Verhalten bei Hausdurchsuchung;
b) Verhalten im Verhör.
- Verhalten bei Hausdurchsuchung: Als Instruktoren dienen ehemalige
Polizeibeamte, welche die Technik der Hausdurchsuchung beherrschen.
Diese Trainings-Hausdurchsuchungen sollen Fehler im persönlichen
Verhalten sowie beim Verbergen von belastendem Material aufzeigen.
Weiter will man durch Angewöhnung die Nerven stärken.
- Verhalten im Verhör: Als Instruktoren dienen ehemalige Polizei- oder
Justizbeamte, welche die Verhörtechnik beherrschen. Kameraden, die
schon von der politischen Polizei verhört worden sind, können
wertvolle Hinweise geben. Sie dienen nicht zuletzt als Beweis, dass
man auch mit dem Leben davonkommen kann!

Spitzelbekämpfung

Allgemeines:
- Die Gegner des Regimes sind durch das Verbot ihrer Zeitungen und
Organisationen nicht beseitigt. Sie haben sich lediglich in die
Illegalität zurückgezogen.
- Zur Beobachtung und Bekämpfung der "Staatsfeinde" wird die
politische Polizei eingesetzt. Diese allein genügt jedoch nicht. Sie
benötigt als Ergänzung ein umfangreiches Spitzelnetz.
- Mit dem Spitzeleinsatz will der Gegner Nachrichten sammeln und
zugleich Misstrauen säen. Keiner soll dem andern trauen dürfen!
- Man kann folgende "Spitzel-Kategorien" unterscheiden:
a) Vertrauensleute gehören der Staatspartei oder einer ihrer
Gliederungen an. Werden nicht bezahlt. Ihre Hauptaufgabe besteht
darin, in wöchentlichen, ungeschminkten Berichten über Stimmung und
Ereignisse aus allen Lebensgebieten zu rapportieren;
b) Agenten Sind nicht unbedingt Parteimitglieder, gelten aber als
zuverlässig und werden gelegentlich bezahlt. Sie dienen der
regelmässigen Überwachung der Behörden und Betriebe, bei denen sie
tätig sind;
c) Zubringer Sind fest besoldete Denunzianten, die neben ihrem Fixum
noch besondere Prämien erhalten ("Kopfgeld");
d) Helfershelfer Gelegenheitsdenunzianten, die häufig persönliche
Feindschaften auf diese Weise austragen.

Die Technik des Spitzeleinsatzes:

Spitzelleitstelle der politischen Polizei

Ständiges Spitzelnetz- Setzt sich aus ortsgebundenen Kräften zusammen
- Steht im Dauereinsatz In jedem Häuserblock und in jeder Fabrik -
Besteht aus dem Durchschnitt der Spitzel

Spitzelreserve - Bildet die bewegliche Einsatzreserve - Wird nur von
Fall zu Fall eingesetzt bei Streiks, Demonstrationen, Unruhen und
Aufständen - Setzt sich aus der "Elite" der Spitzel zusammen

Aufgaben der Spitzel:
- Überwachung potentieller Feinde, wie z. B. ehemalige Politiker,
Gewerkschaftsfunktionäre, Redaktoren, Pfarrer, Offiziere usw.
- Überwachung von Personen, gegen die Material gesammelt werden soll.
- Überwachung von Personen, denen die Besetzungsmacht gut gesinnt ist
und die später für eigene Zwecke angeworben werden sollen.
- Überwachung, der politischen Zuverlässigkeit leitender
Persönlichkeiten aus den eigenen Reihen (Partei-, Verwaltungs- und
Polizeifunktionäre, Kommandanten der Besetzungstruppen usw.).

Rekrutierung der Spitzel:
Die politische Polizei orientiert sich eingehend über Vorleben und
derzeitige Verhältnisse jener Leute, die als Spitzel geeignet
scheinen. Es geht vor allem darum, Material zu sammeln, mit dem das
Opfer im gegebenen Moment erpresst werden kann. Hierbei sind die
privaten Verhältnisse mindestens ebenso interessant, wie die
politische Einstellung.
Punkte, welche die politische Polizei in diesem Zusammenhang besonders
interessieren:
- Hat er Schulden? Verlockung, diese tilgen zu können.
- Klappt es mit seiner Ehe, oder kann man hier irgendwo einhaken?
- Hat er eine Freundin? Drohung mit einem Skandal!
- Hat er früher einmal eine Dummheit gemacht, die der Umwelt
sorgfältig verschwiegen wurde? Drohung mit Veröffentlichung!
- Ist er ausserordentlich ehrgeizig? Verlockung des Vorwärtskommens.
- Ist er verbittert, unzufrieden und mit seiner Umwelt zerfallen?
Ausnützung des Ressentiments gegen die Gesellschaft!

Als Spitzel werden schliesslich angeworben:
1. "Freiwillige", ca. 20 %.
- Gesinnungslumpen, die gegen Bezahlung alles zu tun gewillt sind.
- Idealisten, die dem System verfallen sind und in ihrer ideologischen
Verblendung auch die schmutzigste Arbeit zu tun gewillt sind.
2. "Mehr oder weniger Freiwillige", ca. 60 %.
- Kriminelle, denen Straffreiheit in Aussicht gestellt wird.
- Moralisch belastete.
- Sexuell abnormale.
- Alkoholiker, Rauschgiftsüchtige usw.
3. "Mit Gewalt gepresste", ca. 20 %.
- Politisch belastete, die vor die Wahl gestellt werden, entweder für
die Besetzungsmacht zu arbeiten, oder aber umgehend liquidiert zu
werden.
- Angehörige von politischen Gefangenen. Hier wird mit Drohung und
Verlockung gearbeitet. Willfährigkeit bedeutet Hafterleichterung oder
gar Freilassung für die Gefangenen. Weigerung bedeutet Folterung oder
Hinrichtung.

Spitzelbekämpfung :
- Besprich vertrauliche Dinge nur in geschlossenen Räumen. Nie in
Strassenbahn, Restaurant oder Eisenbahn.
- Sprich nur mit Personen, die dir vertraut und lange bekannt sind.
Wenn Dritte dazu kommen, wechsle das Thema.
- Es ist für Spitzel leichter, in der anonymen Öffentlichkeit
Gesprächsfetzen aufzufangen, als sich in einen intimen Bekanntenkreis
einzuschleichen.
Durch beharrliches Schweigen in der Öffentlichkeit versiegt die beste
Informationsquelle der Spitzel.
- Decke die Rapportstelle der Spitzel auf. Diese befindet sich nicht
am allgemein bekannten Sitz der politischen Polizei, sondern in einem
unscheinbaren Lokal. Die Spitzel sollen unauffällig ein- und ausgehen
können.
Geeignete Rapportstellen sind Reisebüros, Versicherungsagenturen,
Bankfilialen usw.
- Identifiziere die Spitzel. Sorge durch Maueranschläge, Flugblätter
und Flüsterpropaganda für die Verbreitung ihrer Personalien.
- Töte erkannte Spitzel, wenn die Gelegenheit günstig ist. Das ist
nicht Mord, sondern Notwehr! Auch im Widerstandskampf lautet die
Devise: ,<Du oder ich!" Ziel: Es muss ebenso gefährlich sein, für den
Gegner zu arbeiten, wie gegen ihn.

Verhalten bei der Verhaftung Unbedeutendes Mitglied der
Widerstandsbewegung:
- Wenn du mit Handschellen gefesselt wirst, so halte die Hände leicht
verdreht hin. Nachher kannst du eventuell aus den Fesseln schlüpfen.
- Ein Verhafteter sollte bis zum Tode schweigen. Wenn du die Kraft
hierzu nicht aufbringst, 50 schweige wenigstens die ersten 24 Stunden.
Bis dahin haben deine Kameraden die Warnung erhalten, die Situation
erfasst und die nötigen Umstellungen in der Organisation getroffen
(Untertauchen, Material verlagern, Decknamen wechseln usw.).

Wichtiger Funktionär der Widerstandsbewegung:
- Der Gegner wird dich auf jeden Fall "fertig machen"! Handle also
nach dem Grundsatz: "Man kann immer noch einen mitnehmen!".
Möglichkeiten hierzu:
a) in einem obern Stockwerk zum Fenster hinausspringen und einen
Beamten mitreissen;
b) einen Beamten anspringen und ihm die Finger in die Augen bohren
(blenden). Dann schlagen sie dich bereits bei der Verhaftung tot und
du ersparst dir Verhör, Folterung und langsamen, qualvollen Tod.

Verhalten im Gefängnis

Allgemeines:
- Du musst vorerst den durch die Verhaftung und Einkerkerung erzeugten
Schock überwinden. Glaube ist hierbei eine grosse Hilfe. Er stählt die
Kraft gegen jene, die "nur den Leib töten können".
- Kein Aussenstehender kann dir die Menschenwürde rauben. Du kannst
diese nur durch eigenes Verhalten verlieren.
- Erlittenes Unrecht erzeugt ungeahnte Kräfte.
- Seelische Kraft hält den Körper auch unter schwierigsten
Verhältnissen aufrecht und lebensfähig (Nässe, Kälte, Schmutz,
Finsternis, Hunger). Erst wenn du seelisch zusammenbrichst und
aufgibst, zerbricht auch dein Körper endgültig.

Was du zu erwarten hast:
- Einzelhaft.
- Dunkelhaft.
- Angekettet werden an Händen und Füssen während Wochen und Monaten.
- Schlafentzug, indem die Wächter dich immer wieder aufwecken.
- Einschliessung in Kleinst-Zellen, sogenannten "stehenden Särgen".
Diese verunmöglichen ein Sitzen oder Abliegen, man kann nur gebückt
stehen oder hocken. Zellenabmessungen : ca. 1 m lang, 1 m breit, 1,5 m
hoch. Die Zelle ist ohne Fenster. Entweder ist sie stockdunkel, oder
dann brennt das elektrische Licht ununterbrochen Tag und Nacht. Schon
nach wenigen Stunden fühlst du geradezu körperlich den Druck der
Zementwände. Jede Zeitrechnung und Zeiteinteilung geht verloren.
- Allgemeine Misshandlungen wie Prügel, Zähne einschlagen, Ausreissen
der Finger- und Zehennägel, Antupfen mit brennenden Zigaretten,
Elektroschocks usw.
- Zermürbung durch Greuelnachrichten, Einsamkeit, Kälte, Hunger und
Durst.

Verhalten im Verhör

- Du wirst über den Verhaftungsgrund im Ungewissen belassen.
- Du wirst von der Aussenwelt hermetisch abgeschlossen und in völliger
Unkenntnis und Unsicherheit belassen.
- Der eigentliche Anklagepunkt wird dir verheimlicht.
- Du weisst oft nicht, ob du im kommenden Verhör Beschuldigter oder
Zeuge bist.
- Oft musst du vor dem Verhör einen schriftlichen Lebenslauf und eine
Personenliste anfertigen.
- Aus dem Gefängnis geholt, wird man dich vorerst stundenlang im
Vorzimmer auf das Verhör warten lassen. Zweck: Du sollst dir den Kopf
zermartern und bereits erschöpft und zerschlagen zum Verhör kommen.
- Verhöre dauern nicht nur Stunden und Tage, sondern Wochen und
Monate.
In Sonderfällen auch Jahre.

- Der politischen Polizei geht es weniger um das Geständnis deiner
staatsfeindlichen Tätigkeit, als vielmehr darum, die Namen von
Mittätern zu erfahren. Dich haben sie auf jeden Fall. Du wirst ihnen
nicht mehr entkommen. Aber sie möchten durch dich einen Kreis anderer
Staatsfeinde kennenlernen.
- Die verhörenden Beamten werden dich mit grellen Scheinwerfern
blenden, während sie selber im Dunkeln sitzen.
- Das Verhör beginnt praktisch immer mit einem Überrumpelungsversuch.
Wenn dieser misslingt, wirst du abwechselnd in Furcht und Hoffnung
versetzt. Freundlichkeit wechselt mit Drohung und Brutalität.
- Die Art der Vernehmung ist vom kriminalistischen Standpunkt aus eher
stümperhaft. Kommandoton, stundenlanges Anbrüllen und Beschimpfen.
Lasse dich hiervon nicht allzusehr beeindrucken. Gebrüll, Drohungen
und Tätlichkeiten gehören nun einmal zu den Mitteln der politischen
Polizei.
- Es sind immer mindestens zwei, meist aber drei Beamte anwesend. Der
eine schreit und droht, der andere beruhigt, bietet Zigaretten an und
der dritte appelliert an das "Verantwortungsbewusstsein" und
"Pflichtgefühl" des Staatsbürgers.
- Lasse dich durch Liebenswürdigkeit nicht täuschen. Die Verhörenden
werden ihr wahres Gesicht noch früh genug zeigen.
- Man stellt dir viele Fragen, die zusammenhanglos sind und mit der
Sache nichts zu tun haben. Man will dich damit verwirren.
- Man zeigt dir die tatsächlich vorhandene unbegrenzte Machtfülle und
täuscht zugleich Allwissenheit vor.
- Denke daran, dass die Polizei keine Gedanken lesen kann.
- Sie werden an dein Pflichtgefühl der Familie gegenüber appellieren
und versuchen, dich so weich zu kriegen. Lasse dich nicht verwirren.
Du hast, Zukunft und Leben der Familie ja nicht leichtfertig aufs
Spiel gesetzt. Ohne den Sieg der Freiheit geht deine Familie auf jeden
Fall zugrunde und für diesen Sieg kämpfst du ja.
- Die dir gegenüberstehenden Beamten sind nicht die Vertreter einer
rechtmässigen Behörde, sondern Verbrecher. Du bist ihnen gegenüber zu
jeder Lüge und zu jeder Täuschung berechtigt.
- Sei dir bewusst: Mit der Antwort im Verhör hältst du nicht nur dein
eigenes Geschick in der Hand, sondern auch noch dasjenige mehrerer
Mitmenschen.
- Der oberste Grundsatz im Verhör lautet: So wenig als möglich sagen.
Antworte immer unklar und unbestimmt.
- Vermeide es, Namen zu nennen. Da du als Staatsfeind giltst, zählt
jeder den du kennst, ebenfalls als potentieller Feind.
- Wenn sie dir Namen nennen, musst du entweder sagen, dass du sie
nicht kennst, oder aber leugnen, dass du um ihre staatsfeindliche
Tätigkeit weisst.
- Wenn dich mehrere Beamte der politischen Polizei im Verhörkeller
zusammenschlagen, darfst du nicht in ihrer Mitte stehen bleiben. So
können alle gleichzeitig auf dich einschlagen. Versuche eine Ecke des
Raumes zu erreichen. So können nur noch ein oder zwei Mann
gleichzeitig auf dich einprügeln. Der Rest steht sich gegenseitig im
Wege. Versuche nicht, dich möglichst lange aufrecht zu halten.
Markiere den "toten" oder "schwerverletzten" Mann. Lasse dich auf den
Boden fallen und rolle dich auf den Bauch. So sind deine empfindlichen
Organe im Mittelpunkt eines schützenden Rippen- und Knochenkäfigs.
Fusstritte und Knüppelhiebe können weniger Schaden anrichten. Ziehe
zudem das Kinn ein und versuche, die Nierengegend durch Anpressen der
Ellenbogen zu schützen.

Die Folter

Vorbemerkung:
- Es ist unmoralisch, zum Widerstand aufzurufen, ohne gleichzeitig die
Konsequenzen in ihrer ganzen brutalen Härte zu zeigen. Die Folgen der
Auflehnung dürfen weder verheimlicht noch verniedlicht werden.
- Das Ziel des Widerstandes ist die Erhaltung der Selbstachtung und
das Erringen der Freiheit. Der Preis für den Widerstand ist die Angst
und die Qual und der Tod.
- Durch das ganze Denken und Handeln der Widerstandskämpfer zieht sich
wie ein roter Faden die Furcht vor der Gefangennahme und damit vor der
Folter. Diese Furcht vergiftet den Schlaf und verfolgt bis in die
Träume.

Verhalten bei der Folterung:
- Gefolterte sagen aus, dass es schlimmer sei, als alles was man sich
vorgestellt habe. Dass man aber anderseits viel mehr aushalten könne,
als man sich je zugetraut habe. Dass im einfachen Akt des Denkens eine
merkwürdige und ungeahnte Kraft liege. Dass man sich bis zu einem
gewissen Grade vom geschundenen Körper zu lösen vermöge. Dass
intensives, konzentriertes Denken Schmerzen löschen und teilweise
unempfindlich machen könne.
Woran gedacht würde:
- An den Sieg der Sache.
- An das Nützliche, das man für diese Sache habe tun können.
- Dass Ungezählte vorher schlimmeres durchgemacht haben.
- Dass sie nur den Leib töten können.
- Dem Religiösen hilft der Glaube an Gott, dem Atheisten der Hass auf
den Gegner.
- Letzter Ausweg: Rufe provozierend "lang lebe X...!" und nenne den
Namen eines bekannten Staatsfeindes, den alle als Symbol des
Widerstandes kennen. Damit kannst du vielleicht deine Peiniger zu
besinnungsloser Wut aufstacheln, so dass sie dich gegen ihre
Interessen rasch totschlagen.

Zwangserziehung und Gehirnwäsche Allgemeines:

Man unterscheidet in:
I

Zwangserziehung: Durch Regelung der Gedanken und Handlungen wird die
Vorstellungswelt des Gefangenen verändert. Dieser bleibt aber noch ein
denkendes Wesen.

Gehirnwäsche: Durch übermächtigen physischen und psychischen Druck
wird beim Gefangenen eine Persönlichkeitsveränderung bewirkt.
Der Erfolg tritt in der Regel erst nach einem völligen körperlichen
und seelischen Zusammenbruch ein. Das Opfer ist kaum noch als
denkendes Wesen zu betrachten.

Zwangserziehung :
- Der totalitäre Gegner will dich zum Anhänger und Propagandisten
seiner Ideen umerziehen.
- Die Beeinflussungsmethode besteht aus einer eigenartigen Mischung
von Nachgiebigkeit und Druck.
- Als politischer Gefangener erwartest du, bei der Einlieferung ins
Lager sofort geschlagen oder gefoltert zu werden. Man bietet dir aber
statt dessen eine Zigarette an. Achtung! Der Feind will dich
verwirren. Halte dir jeden Augenblick vor Augen, dass du es mit einem
Gegner ohne Gewissen und Moral zu tun hast.
- Zuerst musst du einen ausführlichen Fragebogen über dich und deine
Angehörigen ausfüllen. Dazu noch einen detaillierten Lebenslauf. Damit
sammelt der Gegner Informationen zu deiner weitem Behandlung.
- Er will dich zur Zusammenarbeit bringen. Hierzu stehen ihm gut
ausgebildete Spezialisten zur Verfügung.
- Die Zwangserziehung verläuft in zwei Phasen:
1. Man zeigt dir ein völlig falsches Geschichts- und Wirtschaftsbild.
2. Man überschüttet dich mit der feindlichen Ideologie. Du musst
politische Werke lesen und daraus Auszüge machen.
- Körperliche Gewalt wird beim Unterricht selten angewendet. Dagegen
werden sowohl beim Einzel- wie auch beim Gruppenunterricht folgende
drei "Überzeugungsmittel" eingesetzt:
1. Repetition Du musst ideologische Lehrsätze auswendig lernen und
wirst im Examen mündlich und schriftlich darüber befragt.
2. Dauernde Belästigung Du musst zu allen Tages- und Nachtzeiten vor
dem Lehrer erscheinen und wirst wegen wirklichen oder angeblichen
Vergehen beschimpft und bedroht. Damit beraubt man dich der Ruhe, die
du so dringend benötigst.
3. Systematische Erniedrigung Du musst unwahre und sinnlose Dinge
sagen, die gegen deine innerste Überzeugung verstossen (z. B. die
Schweiz sei am Kriege schuld und habe angegriffen usw.).
Wenn du dich weigerst, müssen alle Häftlinge aufstehen und so lange
stramm stehen bleiben, bis sie sich gegen dich wenden und dich zum
Nachgeben zwingen. Am folgenden Tag musst du Selbstkritik üben und
deine Mithäftlinge um Verzeihung bitten. Diese Selbstkritik wird an
vielen aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt und vertieft. Dabei
müssen dich die Kameraden auch wieder kritisieren. Dieses Verfahren
über lange Zeitspannen hinweg durchgeführt, zerstört das
Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt unter den Häftlingen.
- Wer der Zwangserziehung besondern Widerstand leistet, oder wer als
"Aushängeschild für das Regime" vorgesehen ist, wird zusätzlich
langen, zermürbenden Verhören unterworfen. Man droht ihm mit:
- Postsperre.
- Keiner Entlassung aus der Gefangenschaft.
- Folter oder Tod.
- Wer der Aufforderung zur Kollaboration Widerstand entgegensetzt,
fährt auf lange Sicht gesehen besser. Merke dir: Wer irgendwo
nachgibt, wird zu immer weiterem Nachgeben gezwungen. Kein
Kollaborateur wird jemals in Ruhe gelassen. Wer einmal zum Sprechen
gebracht wurde, kann dem Gegner nicht mehr entwischen, sondern wird in
immer neue Zugeständnisse hineingetrieben. Je mehr er spricht, um so
grösser wird sein Schuldbewusstsein und seine Abhängigkeit vom Gegner.
Wenn er nicht endgültig zum Verräter werden will, bleibt ihm als
letzter Ausweg nur der Selbstmord.

Gehirnwäsche:
- Das Behandlungspersonal besteht aus Ärzten und Spezialisten der
politischen Polizei.
- Es wird eine besondere Technik angewendet. Psychiatrie, Biologie und
Chemie spielen dabei eine wichtige Rolle.
- Die Persönlichkeit des Opfers wird zum Zerfall gebracht und nachher
neu zusammengesetzt.
- Dem Gericht oder der Öffentlichkeit wird alsdann ein neuer, aber
seelisch zerstörter Mensch präsentiert, der genau das tut und spricht,
was man wünscht.

Verhalten im Zwangsarbeitslager

Allgemeines:
- Auf Befehl der Lagerleitung müssen Barackenchefs und Lagerälteste
bestimmt werden.
- Der Verkehr zwischen der Lagerleitung und der Masse der Häftlinge
wickelt sich über die Lagerältesten und Barackenchefs ab.
- Diese von der Lagerleitung aufgezogene Organisation muss von den
Häftlingen ausgenützt und heimlich weiter ausgebaut werden.
- Zweck dieser Organisation ist nicht der Kampf, sondern die
Vergrösserung der Überlebenschance.

Die illegale Lagerorganisation :
- Die illegale Lagerorganisation soll:
a) die Lebensbedingungen im Lager verbessern;
b) den Widerstandswillen aufrechterhalten;
c) asoziale Elemente in Schach halten.
- Man unterscheidet zwischen:
a) "Lagernetz". Umfasst das ganze Lager;
b) "Barackennetz". Umfasst die einzelne Unterkunftsbaracke oder einen
Barackenblock.


- In large geführten Lagern können beide Netze aufgezogen werden. In
sehr streng geführten Lagern kann nur das Barackennetz aufgezogen
werden.
- Schaffe in der illegalen Lagerorganisation möglichst viele Chargen.
Dadurch dass ein Häftling eine Verantwortung erhält und für andere
sorgen muss, vergisst er bis zu einem gewissen Grade sein eigenes
Elend.
- Je mehr Leute eine Verantwortung haben, um so eher wird es möglich
sein, den Widerstandsgeist über lange Zeit aufrechtzuerhalten.

Die Verbesserung der Lebensbedingungen:
- In der Baracke muss Ordnung und Solidarität herrschen. Es muss
verhindert werden, dass das Faustrecht einreisst und das "Recht des
Stärkern" gilt.
- Sorge für eine gerechte Verteilung der Nahrung, Kleidung, Decken und
Schlafplätze.
- Vielfach werden Kranke und Verletzte aus Platzmangel oder Bosheit
nicht ins Krankenzimmer aufgenommen oder zu früh wieder an die Arbeit
geschickt. Ohne Betreuung durch die Kameraden erlischt der Lebenswille
dieser Leute und sie sterben leicht.
Du kannst die Sterblichkeitsziffer eines Lagers ganz erheblich
beeinflussen.
Ziehe einen barackeninternen Sanitätsdienst auf. Hierbei werden
Medikamente, Verbandstoff usw. weitgehend fehlen. Das ist zwar
unangenehm, aber nicht entscheidend. Das Ganze ist mindestens
ebensosehr ein psychologisches Problem. Wenn der Kranke oder
Verwundete fühlt, dass sich die Kameraden um ihn kümmern, wird er
ungeahnte Kräfte entwickeln.
Möglichkeiten, um auch ohne Sanitätsmaterial helfen zu können:
- Im Sommer den kühlsten, im Winter den wärmsten Platz in der Baracke
zuweisen.
- Durst stillen, Umschläge machen.
- Zusätzliche Lebensmittel abgeben.
- Wenn Kranke oder Verletzte zu früh zur Arbeit ausrücken müssen,
diesen die leichteste Tätigkeit zuweisen.
In jedem Lager finden sich ehemalige Ärzte, Medizinstudenten,
Apotheker, Sanitätssoldaten oder Samariter, die das Amt der Pfleger
übernehmen können.

Die Aufrechterhaltung des Widerstandswillens:
- Kümmere dich um Neulinge. Diese sind naturgemäss besonders
niedergeschmettert. Alleingelassen, droht ihr Widerstandswille zu
zerbrechen.
Instruiere sie über allgemeine Verhältnisse und zweckmässiges
Verhalten im Lager.
- Orientiere die Barackenbelegschaft über die allgemeine politische
und militärische Lage. Etwas sickert immer durch. Stärke ihren Glauben
an den Sieg der guten Sache.
- Jeder Häftling erlebt moralische Tiefpunkte, wo der letzte
Hoffnungsschimmer endgültig erloschen zu sein scheint. Hier muss die
Gemeinschaft stützend eingreifen. Organisiere eine Art Seelsorge. Für
dieses Amt sind ehemalige Pfarrer, Laienseelsorger,
Heilsarmeeangehörige usw. am besten geeignet.

Das Niederhalten asozialer Elemente:
- Zusammen mit den politischen Häftlingen wird vom Regime bewusst ein
gewisser Prozentsatz Krimineller eingesperrt. Diese sollen:
a) die Lagersolidarität zerstören;
b) Spitzeldienste leisten;
c) die politischen Häftlinge tyrannisieren.
- Die illegale Lagerorganisation muss diese Kriminellen erkennen,
isolieren und durch Gegenterror niederhalten.

Das Verhältnis zur Lagerwache:
- Die Wachtmannschaft besteht immer aus zwei Teilen:
a) Sadisten;
b) Anständige, die nur gezwungen mitmachen, sich aber stillhalten
müssen.
- Diese Situation gilt es auszunützen. Treibe einen geistigen Keil
zwischen die beiden Teile der Lagerwache.
- Finde heraus, wer anständig ist. Sprich mit diesen während der
Arbeit.
- Der Wachtmannschaft wird eingehämmert, dass es sich bei den
Häftlingen um den Abschaum der Menschheit handle. Durch vorbildliche
Kameradschaft müsst ihr das Gegenteil beweisen. Wenn das gelingt, habt
ihr dem Glauben der Wachtmannschaft an die Unfehlbarkeit des Regimes
einen Stoss versetzt.
- Sprich nie mit einer Gruppe von Wachtmannschaften. Gruppen sind
immer aggressiver und bösartiger als Einzelpersonen. In der
geschlossenen Gruppe ist der einzelne in erster Linie "Mitglied einer
Organisation" und erst in zweiter Linie "Mensch". Als Einzelperson
dagegen ist er vornehmlich Mensch und erst darnach Mitglied der
Organisation. Mache dich also immer an Einzelpersonen heran.

Der passive Widerstand

- Der passive Widerstand richtet sich gegen alle feindlichen Organe:
Besetzungstruppen, Militäradministration, Parteistellen und
schweizerische Verräter.
- Der passive Widerstand umfasst alle Lebensgebiete. Er ist überall
und jederzeit anwendbar.
- Der passive Widerstand ist das Kampfmittel der ganzen Bevölkerung
(Arbeiter, Bauern, Angestellte, Beamte, Intellektuelle, Frauen,
Kinder, alte Leute).
- Der passive Widerstand hat materielle und moralische Wirkung.
Materielle Wirkung: Rückgang der Produktion, Verschlechterung der
Qualität usw.
Moralische Wirkung: Gefühl der Unsicherheit, Isolierung und
Vereinsamung beim Gegner.
- Im passiven Widerstand ist der einzelne Nadelstich an sich nichts.
Aber alle zusammengenommen schaffen einen Zustand, der für den Gegner
auf die Dauer unerträglich ist.
Entscheidend ist, dass alle Schweizer mitmachen und der Widerstand
über lange Zelt aufrechterhalten wird.
- Der passive Widerstand stärkt die Moral der eigenen Leute. Wer einen
Nadelstich anbringt, hat einen kleinen Triumph im Herzen und merkt,
dass er doch nicht so ganz wehrlos ist. Diese winzigen persönlichen
Erfolge helfen, den Kampfgeist und Widerstandswillen
aufrechtzuerhalten.
- Der Gegner kann durch vermehrte Kontrolle den passiven Widerstand
wohl erschweren, nicht aber ausschalten. Erst wenn hinter jedem
Arbeiter ein Kontrolleur steht, ist die Überwachung genügend. Eine
derartige Kontrolle ist praktisch unmöglich.

Allgemeines Verhalten:
- Wenn Angehörige der Besetzungsmacht auftauchen, tritt demonstrativ
zurück, so dass sich um den Gegner ein freier Platz bildet, welcher
die moralische Isolierung deutlich werden lässt.
Praktisches Beispiel: Beim Warten auf dem Bahnsteig, an der Strassen
Bahnhaltestelle, vor der Kinokasse usw.
- Wenn Angehörige der Besetzungsmacht auftauchen, lasse jedes Gespräch
demonstrativ verstummen und verharre in eisigem Schweigen. Wenn du
direkt angesprochen wirst, antworte kühl und möglichst kurz.
- Wenn du in einem Lokal zum Tanzen aufgefordert wirst, lehne unter
einem Vorwand ab.
- Wenn der Gegner in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufsteht und
dir seinen Sitzplatz anbietet, lehne unter einem Vorwand ab.
- Grüsse den Gegner nicht. Wenn er dich grüsst, nimm ihm den Gruss
nicht ab.
- Verwende den Parteigruss nicht.
Historisches Beispiel: "Hitlergruss" der Nationalsozialisten. Heutiges
Beispiel: "geballte Faust" der Kommunisten.
- Verwende die offizielle Anrede nicht.
Historisches Beispiel: "Parteigenosse", "Volksgenosse" der
Nationalsozialisten. Heutiges Beispiel: "Genosse" der Kommunisten.
- Sabotiere Geldsammlungen der Partei.
- Zermürbe die Verräter. Möglichkeiten:
a) Wirf ihnen Zettel mit Drohungen in den Briefkasten. Beachte hierbei
zu deinem Schutz Seite 159 "Schreibverkehr".
b) Telephoniere ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Tag für Tag und
Nacht für Nacht hören zu müssen, "dass man einmal geholt werde", oder
"dass der Tag der Abrechnung näherrücke", zerreisst auch die stärksten
Verräternerven.

Arzt, Apotheker, Krankenschwester:
- übernimm die heimliche Betreuung von Untergetauchten.
- Verbrauche scheinbar mehr Medikamente und Verbandsmaterial als
nötig.
Schaffe den Mehrverbrauch beiseite und lasse ihn der
Widerstandsbewegung oder den Kleinkriegsverbänden zukommen.

Lagerverwalter:
Normalerweise wird der Wehrwirtschaftsdienst der Armee die Güter
abtransportieren.
Wo das nicht klappt:
- Grosslager vor dem Anrücken des Gegners aufheben. Dieser übernimmt
sonst die vorhandenen Bestände und führt sie seiner Armee oder
Industrie zu.
- Verpflegungsmittel und Heizmaterial an die Zivilbevölkerung
verteilen. Die einzelne Hausfrau kann ihren Anteil leicht verstecken.

Verwaltungsbeamter:
- Erledige jede Arbeit so kompliziert und zeitraubend als möglich.
- Mache viele Fehler.
- Steigere den Büromaterialverbrauch.

Zivilstandsbeamter:
- Lasse die Personalkartotheken verschwinden. Hierdurch erschwerst du
dem Gegner:
a) das Festhalten von Verwandschaftsgraden für Sippenhaft;
b) das Zusammenstellen von Listen für Zwangsverschickungen und
Geiselfestnahme.

Gemeindebeamter:
- Es herrscht grosser Bedarf an gefälschten Papieren zur Ausstattung
Verfolgter und Untergetauchter.
- Sammle heimlich Personalausweise aller Art von verstorbenen
Personen.
Verschiebe diese an die Widerstandsbewegung. Die Fälschungssektion
wird Daten, Stempel, Namen, Signalement usw. ändern.
- Entwende laufend Identitätskarten und verschiebe diese an die
Widerstandsbewegung.

Uniformierter Bahnbeamter:
- Güterwagen langsam beladen und entladen.
- Güterwagen ans falsche Ziel leiten.
- Der Widerstandsbewegung Truppen- und Materialtransporte melden.
- Der Widerstandsbewegung eine Uniform abgeben. Diese benötigt SBB-
Dienstkleider um unauffällig Bahnsabotage betreiben zu können.

Uniformierter PTT-Beamter:
- Amtliche Poststücke absichtlich verzögern, umadressieren, verlieren
usw.
- In Telephonzentralen Verbindungen falsch schalten. Gespräche der
Besetzungsmacht abhorchen und an die Widerstandsbewegung weitermelden.
- Personen warnen, deren Telephon vom Gegner überwacht wird.
- Der Widerstandsbewegung eine Uniform abgeben. Diese benötigt PTT-
Dienstkleider um:
a) Flugblätter und Untergrundzeitungen unauffällig austragen zu
können;
b) unauffällig an PTT-Objekte (z. B. Telephonzentralen usw.)
heranzukommen, um Sabotageakte auszuführen;
c) das Telephonnetz der Besetzungsmacht anzapfen zu können.

Polizeibeamter:
- Gib der Widerstandsbewegung eine deiner Uniformen ab. Diese benötigt
die Dienstkleider als "Tarnmittel", um zu Amtsstellen, Gefängnissen
usw.
Zutritt zu erhalten (Befreiung politischer Gefangener).
- Warne Personen, die verhaftet werden sollen.
- Im Feuergefecht gegen Saboteure, fliehende politische Gefangene usw.
hat deine Waffe Ladestörung, triffst du einfach nichts oder geht dir
die Munition aus.
- Schiesse im Feuergefecht den Polizei- oder Militärorganen des
Gegners, mit denen du gezwungenermassen zusammenarbeiten musst, in den
Rücken.
Der Gegner kann nachträglich kaum feststellen, durch welche Kugeln sie
gefallen sind.
- Beschiesse im Feuergefecht die parkierten eigenen Oberfall- oder
Funkstreifenwagen.
- Sabotiere durch Unaufmerksamkeit die Absperrkette und lasse
umstellte Widerstandskämpfer ausbrechen.
- Sammle bei jeder Gelegenheit Munition und leite diese an die
Widerstandsbewegung weiter. Möglichkeiten hierzu:
Eröffne auf Patrouille das Feuer gegen nicht existierende Saboteure.
Schiesse nur 2-3 Schuss, damit die Waffe schmutzig wird. Behalte im
übrigen 5-6 Schuss als "verschossen" zurück und verstecke diese. Dein
Patrouillenkamerad kann das Feuergefecht bestätigen. Im übrigen hat
man ja Schüsse gehört.
- Stelle in Zusammenarbeit mit Ärzten falsche Unfallatteste aus, so
dass verletzte Widerstandskämpfer als "Verkehrsopfer" getarnt im
Spital operiert und gepflegt werden können.
- Als Polizeichauffeur stellst du der Widerstandsbewegung dein
Fahrzeug für Transporte zur Verfügung. Waffen, Sprengmittel,
Flugblätter und verfolgte Personen lassen sich sehr gut im
Gefängniswagen verschieben. Eine bessere Tarnung gibt es nicht.
- Polizeifunker: treibe Spionage für die Widerstandsbewegung.
- Kriminalbeamter: verwische Spuren. Unterschlage Beweismaterial.
Lenke den Gegner auf eine falsche Fährte. Warne Verdächtige.

Pfarrer:
- Vernichte alle Mitgliederlisten religiöser Gruppen und
Vereinigungen. Diese bilden sonst gute Unterlagen für
Verfolgungsaktionen.
- Wenn deine Tätigkeit (Gottesdienst, Taufe, Konfirmation, Trauung,
Abdankung usw.) verboten wird, so ergreife einen Scheinberuf. Am
besten eignet sich eine Tätigkeit, bei welcher du unauffällig viel
unterwegs sein kannst.
Mit Hilfe des Scheinberufs kannst du dein altes Pfarramt getarnt
weiterführen.
Suche die Gläubigen einzeln auf.

Kindergärtnerinnen, Schullehrerinnen und Lehrer:
Die Besetzungsmacht ringt um die Seele der Jugend. Sie steuert daher
auch das Schulwesen durch:
a) Herausgabe neuer Lehrmittel;
b) Zusammenstellung der Lehrpläne:
c) Säuberung des Lehrkörpers.
In der Schule selbst konzentrieren sich die gegnerischen Bemühungen
auf folgende Gebiete:
- Angeberei fördern. Die Kinder sollen alle aufgeschnappten
feindseligen oder auch nur unfreundlichen Bemerkungen gegenüber dem
Regime rapportieren.
Endzweck: Überwachung der Eltern und Geschwister. Ein Spitzel in jeder
Familie.
- Geschichtsfälschung und Umdeutung.
- Herabwürdigung und Negierung aller ehemaligen demokratischen
Einrichtungen und Gedankengänge.
- Umwandlung des staatsbürgerlichen Unterrichts in parteipolitische
Lehre.
- Systematische Durchtränkung jeglichen Unterrichts (Lesen, Schreiben,
Rechnen, Geschichte, Geographie usw.) mit Politik.
Die ersten Worte und Sätze, die der kleine ABC-Schütze buchstabiert
oder schreibt, sind schon Parteiparolen.
- Systematische Verdrehung (Umwertung) wesentlicher Begriffe wie
Friede, Freiheit, Demokratie usw., so dass die junge Generation nicht
mehr weiss, was sie eigentlich bedeuten.
- Obligatorischer Sprachunterricht in der Landessprache der
Besetzungsmacht.
- Bekämpfung der Religion durch Lächerlichmachen oder
scheinwissenschaftliche Beweisführung.
- Züchtung eines Personenkults.
Mögliche Gegenmassnahmen: Förderung des kritischen Urteilsvermögens
und Pflege allgemein menschlicher Werte wie Treue, Freundschaft und
Hilfsbereitschaft. Förderung des Familiensinns. Pflege des
Zusammengehörigkeitsgefühls.

Besondere Möglichkeiten in Verwaltung, Industrie und Bauwesen: -
Missverständliche Formulierung von Anweisungen und Befehlen.
- Entfachung von Kompetenzstreitigkeiten.
- Einschleichenlassen von Berechnungsfehlern bei Konstruktionen.
- Bei Mangelwaren den Verbrauch steigern, so dass rasch Engpässe
entstehen.
- Möglichst hohe Preise verrechnen.
- Möglichst lange Bau- und Lieferfristen ansetzen.
- Umdisponieren beim Anlaufen der Serienfabrikation.
- Fehlleiten von Ersatzteilen oder Einzelteilen.
- Langsam arbeiten, schlecht arbeiten, oft Ruhepausen einschalten,
sich häufig krank melden.
- Viel Ausschussware produzieren. Die Schwierigkeit besteht immer
darin, dass nur soweit gepfuscht wird, dass Ware oder Arbeit bei einer
Kontrolle gerade noch durchschlüpfen.
- Viele Abfälle machen.
- Maschinen und Einrichtungen unsorgfältig behandeln.
- Viel verderben lassen (verrosten, auslaufen, nass werden usw.).
- Viel Wasser, Elektrizität, Brennstoff, Schmiermittel, Zement,
Armierungseisen usw. verbrauchen.

Warenhäuser, Ladengeschäfte, Restaurants, Hotels usw.:
- Übersieh die Angehörigen der Besetzungsmacht, so dass diese
reklamieren müssen, um überhaupt bedient zu werden.
- Erledige ihre Bestellung so gleichgültig, unaufmerksam und langsam
als möglich.
- Gib ihnen von allem vorsätzlich das Schlechteste.
Orientiere sie falsch. Behaupte z. B., der betreffende Artikel sei
gerade ausgegangen oder werde nicht geführt.

Besondere Probleme und Gefahren für Geschäftsleute:
Der passive Widerstand nützt nur etwas, wenn alle Geschäftsinhaber
solidarisch handeln und der abgewiesene oder schlecht behandelte
Gegner nicht einfach zur Konkurrenz laufen kann. Ihr müsst eine
geschlossene Front bilden. Wer diese Front der Ablehnung aus
Sonderinteresse (Gewinnsucht) durchbricht, ist Kollaborateur und
bekommt nach der Befreiung die Rechnung präsentiert.
Die Versuchung ist für den Einzelnen natürlich gross, von dieser
Selbstausschaltung der Konkurrenz zu profitieren und als einziger
fette Geschäfte zu machen. Diesen Schädlingen muss die
Widerstandsbewegung unmissverständlich klar machen, dass es sich um
Verrat handelt und dass nichts vergessen und vergeben wird!

Störung von Versammlungen:
Versammlung in einem geschlossenen Lokal. Teilnehmerzahl beschränkt.
Einige hundert Personen.
- Wenn der Redner einen rhetorischen Höhepunkt erreicht hat und einen
Moment innehält, um das Gesagte nachwirken zu lassen, rufe laut und
deutlich in die Stille "... Fräulein, es Bier!". Du wirst sehen, wie
dieser trockene Zwischenruf den Nebel aus den Köpfen wegwischt und die
ganze, mühsam heraufbeschworene Atmosphäre zerstört.

Massenversammlung im Freien. Teilnehmerzahl unbeschränkt. Einige
tausend Personen.
- Lasse in der Menge verstreut einige Leute - am besten Frauen -
gespielt ohnmächtig werden. In der Nähe stehende Mitwisser machen
grossen Lärm:
" . .. Sanität! Hilfe! Wir wollen sie wegtragen! Hat es keine Bahre?
Wo ist ein Arzt usw." Die Folgen sind Tumult, Gedränge, Geschimpfe und
schon hört niemand mehr auf die Ansprache.
- Dieses Vorgehen in der gleichen Rede mehrmals wiederholt, zerstört
den ganzen befohlenen Aufmarsch.
- Die aufgezeigte Lärmtechnik bei jeder Ansprache und bei jedem
Aufmarsch durch spezielle Störtrupps systematisch angewendet,
durchkreuzt den schönsten Propagandafeldzug des Gegners.

"Unterwanderung paramilitärischer Formationen

- Der Gegner wird a) eine bewaffnete Parteimiliz aufstellen;
b) gewisse Teile der staatlichen Jugendorganisation bewaffnen;
c) in wichtigen industriellen Betrieben, Transportanstalten und
Verwaltungen einen bewaffneten "Werkschutz" aufziehen.
- Die Zahl seiner wirklichen Anhänger reicht zur Aufstellung dieser
Formationen nicht aus. Er muss deren dünne Reihen durch viele weniger
gut geprüfte und politisch durchleuchtete Personen auffüllen. Hier
bietet sich der zivilen Widerstandsbewegung die Möglichkeit, in die
bewaffneten feindlichen Organisationen zu infiltrieren und diese zu
unterwandern.
- Durch Einschleusen getarnter Mitglieder der Widerstandsbewegung kann
man in der entscheidenden Stunde - über Waffen und Munition verfügen;
- die Kampfkraft dieser Verbände herabmindern;
- über deren Massnahmen orientiert sein und diese verraten und
durchkreuzen;
- bei günstiger Gelegenheit dem Gegner in den Rücken schiessen.

Bewaffneter Widerstand bei Verhaftung oder Verschleppung

- Der Gegner rechnet bei allen seinen Aktionen sehr stark mit der
lähmenden Schockwirkung. Er nimmt von vorneherein an, dass du das
hilflose, vom Schreck hypnotisierte "Kaninchen" bist. Nichts
überrascht ihn so sehr, wie entschlossener, bewaffneter Widerstand.
- Bei Verhaftung oder Verschleppung einzelner Personen ist bewaffneter
Widerstand schwieriger.
Bei Massenverhaftungen oder Massenverschleppungen ist bewaffneter
Widerstand einfacher.
- Bei Grossaktionen werden selten mehr als zwei feindliche Funktionäre
in deiner Wohnung erscheinen, um dich oder deine Familie wegzutreiben.
Diese rechnen kaum mit bewaffnetem Widerstand. Wenn du rasch und
entschlossen handelst, hast du gute Chancen, beide erschiessen zu
können.
Mit etwas Glück gelingt dir im allgemeinen Durcheinander sogar die
Flucht.
- In verzweifelten Fällen handle nach dem Grundsatz "Man kann immer
noch einen mitnehmen!".

Sabotage

Allgemeines:

Sabotage-Ziele
- Ziviler Sektor- Industrie - Elektrizitätsnetz
Militärischer Sektor- Depots aller Art - Werkstätten - Garagen -
Flugplätze
- Verkehrsnetz (Eisenbahn, Strassen) - Obermittlungsnetz (Telephon,
Radiostationen)

- Zivile Widerstandsbewegung und Kleinkriegsverbände ergänzen sich in
der Durchführung von Sabotageakten.
- Die zivile Widerstandsbewegung löst die feineren, technisch
komplizierteren Sabotageaufträge.
Die Kleinkriegsverbände übernehmen die gröbern Sabotageanschläge.
- Bei der Sabotage geht es in der Regel darum, offene Gewalt zu
vermeiden und das Ziel mit Heimlichkeit und List zu erreichen.
- Bei der Sabotage handelt es sich darum, an das entscheidende
Kernstück der Anlage heranzukommen.
- Man gelangt auf zwei Arten ans Objekt heran:
Methode 1: Anschleichen. Lautloses Erledigen der Wachtposten.
Einbrechen.
Methode 2: Infiltrieren, d. h. sich die betreffende Arbeit auf legale
Weise verschaffen.
- Die zivile Widerstandsbewegung verwendet beide Methoden. Die
Kleinkriegsverbände arbeiten praktisch nur nach Methode 1.
- Wenn immer möglich ist die 2. Methode anzuwenden. Sie ist eleganter
und sicherer.
- Saboteure werden placiert durch:
a) Anwerben von Angestellten des betreffenden Betriebes (politische
Beeinflussung, Verführung, Bestechung, Erpressung);
b) Einschleusen getarnter Mitglieder der Widerstandsbewegung.
- Je gröber und einfacher ein Arbeitsvorgang oder eine technische
Einrichtung ist, um so sabotage-unempfindlicher sind sie.
- Je technisierter und komplizierter ein Arbeitsvorgang oder eine
technische Einrichtung ist, um so sabotageempfindlicher sind sie.
- Hitze, Kälte, Eintönigkeit, Lärm und Müdigkeit setzen die
Aufmerksamkeit von Kontrollorganen und Arbeitskollegen herab und
erleichtern die Ausführung des Sabotageaktes. Den gleichen Dienst
leisten äussere Ereignisse, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf
sich ziehen, z. B. Arbeitsunfall, Brandausbruch usw.
- Günstige Sabotagebedingungen sind abzuwarten oder künstlich
herbeizuführen.
- Sabotageakte müssen gründlich vorbereitet werden. Hierzu braucht man
viel Zeit. Nie unter Zeitdruck arbeiten!
Die technische Ausführung des Sabotageaktes dagegen benötigt wenig
Zeit. In der Regel nur Sekunden oder Minuten.

Industriesabotage:

Möglichkeiten:

Sabotage an den Produktionseinrichtungen
Direkte Methode: Sabotage an Maschinen
Indirekte Methode: Sabotageanschläge bei der Rohmaterialgewinnung -
Fehlleitung dringend benötigter Ersatzteile, Einzelteile usw.
- Sabotage am Elektrizitätsnetz - Sabotage an den Zu- und Wegfahrten
(Eisenbahn, Strasse), um den Antransport der Rohmaterialien und den
Wegtransport der Fertigfabrikate zu verzögern
Sabotage an den Produkten: Fehlberechnungen, Fehlkonstruktionen -
Qualitätsverminderung - Produzieren von viel Ausschusswaren - Sabotage
an Fertigprodukten und Apparaten ist besonders wirksam, da in diesen
am meisten Arbeitsstunden und Materialien stecken

Sabotage am Elektrizitätsnetz
Sabotage am Verkehrs- und Obermittlungsnetz
Sabotage an Depots, Werkstätten, Garagen und Flugplätzen:
Besondere Sabotagemöglichkeiten: - Auslösen von Fliegeralarm,
Strahlenalarm, Wasseralarm usw. durch Sabotage. Der falsche Alarm jagt
alles in die Schutzräume und unterbricht für einige Zeit das ganze
öffentliche Leben.

- Ausnützung des Chaos nach Flieger- oder Fernwaffenangriffen. Im
allgemeinen Durcheinander (Feuer, Rauch, Trümmer, Schock) können unter
dem Deckmantel der Hilfeleistung wichtige Maschinen und Einrichtungen
zerstört werden. Auch für Überfälle und Attentate bieten sich jetzt
gute Möglichkeiten (Handstreiche auf beschädigte Gefängnisse zur
Befreiung politischer Gefangener. Anschläge auf feindliche Funktionäre
usw.).

Attentate

Allgemeines:
- Attentate richten sich gegen schweizerische Verräter oder Angehörige
der Besetzungsmacht.
- Ein Attentat hat Repressalien zur Folge. Geldstrafen,
Geiselerschiessungen, Deportationen.
- Der Erfolg muss den Aufwand lohnen. Es gilt abzuwägen, ob das Leben
des Gegners die erschossenen Geiseln, verschleppten Einwohner und
verbrannten Häuser wert ist.
- Beim Attentat muss unterschieden werden zwischen:
a) Anschläge auf untere oder mittlere Funktionäre (z. B.
Ortskommandanten, Gebietskommissäre usw.)';
b) Anschläge auf hohe und höchste Funktionäre, d. h. wirkliche Grössen
des feindlichen Regimes>.
Je nachdem wird das taktisch/technische Vorgehen verschieden sein.
- Anschläge müssen sorgfältig durchdacht und vorbereitet werden.
Nichts dem Zufall überlassen. Nie unter Zeitdruck arbeiten. Ein
misslungener Anschlag macht den Gegner misstrauisch und vorsichtig.
Nachher hast du lange Zeit - ja vielleicht überhaupt nie mehr -
Gelegenheit, an die betreffende Persönlichkeit heranzukommen.

- Die Polizeisektion der zivilen Widerstandsbewegung stellt die
Attentäter.
- Die Fluchtsektion der zivilen Widerstandsbewegung stellt die
Unterschlupfe zur Verfügung und organisiert die Verschiebung der
Attentäter nach erfolgtem Anschlag zu einem Kleinkriegsdetachement.
- An den Vorbereitungen sind mehrere Stellen beteiligt.
- Die Durchführung der eigentlichen Aktion ist Sache einer einzigen
Stelle.
- Geheimhaltung ist entscheidend. So wenig Leute als möglich in den
Plan einweihen. Wer Hilfsdienste leistet (z. B. Waffen beschaffen,
Unterschlupfe organisieren usw.) hat keine Kenntnis von der
eigentlichen Aktion. Er erhält lediglich seinen Teilauftrag. Für
welche Personen und für welche konkrete Aktion er arbeitet, soll und
muss er nicht wissen. So kann er auch unter Folter nichts aussagen.

*****
Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg und der
Nachkriegszeit:
- Mai 1943. Russische Widerstandskämpfer töten in der Ukraine den
deutschen SA-Obergruppenführer und Generalmajor der Sicherheitspolizei
Victor LUTZE.
März 1947. Mitglieder der antibolschewistischen UPA-Bewegung töten den
polnischen Vize-Kriegsminister General SWIERCZEWSKI.
Historisches Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg:
- Mai 1942. Erfolgreiches Attentat tschechischer Fallschirmagenten auf
den deutschen Reichsprotektor HEYDRICH in Prag.
*****

Vorbereitungen:
- Studiere die Gewohnheiten des Opfers:
a) Arbeitsweg, Autofahrt, Betreten und Verlassen der Amtsgebäude usw.;
b) Spaziergänge, Ruhepausen in Parks usw.;
c) Besuche von Versammlungen, Konzerte, Theater, Kino usw.;
d) Organisation der Bewachung in der Dienst- und Freizeit.
- Sehr nützlich ist das Einschleusen eines Verbindungsmannes in die
Umgebung des Opfers, damit man über geplante Reisen, Ausfahrten,
Inspektionen usw. im Bilde ist.

- Mehrere Unterschlupfe vorbereiten, wo die Attentäter nach dem
Anschlag untertauchen können.
Entfernung "Tatort - nächster Unterschlupf": 1-2 km. Begründung: nicht
zu nahe, da die engere Umgebung des Tatortes rasch abgeriegelt und
besonders gründlich durchsucht wird. Nicht zu weit entfernt, damit man
rasch Schutz findet. Das ist besonders wichtig bei Verwundung eines
Attentäters.
- In den Unterschlupfen passende Ersatzkleider bereitstellen.
- Arzt bereithalten, um notfalls Verletzungen behandeln zu können.

- Für den Anschlag günstige Voraussetzungen schaffen:
Kleine Schussdistanzen für Pistolen und Maschinenpistolen.
Kleine Wurfdistanzen für Handgranaten und Sprengladungen.
Waffenauflage für Zielfernrohrgewehre.
Schutz vor Sonnenblendung beim Zielen.
- Den Anschlag dort ausführen, wo das Auto mit dem Opfer z. B. langsam
fahren oder gar anhalten muss (Haarnadelkurve, Baustelle usw.).
Die günstigen Bedingungen notfalls künstlich schaffen, z. B. durch
Verursachen eines Verkehrsunfalles usw.
- Wenn beim Anschlag etwas schief geht, müssen oft Gegenstände am
Tatort zurückgelassen werden. Alle verwendeten Gegenstände und
Kleidungsstücke (Automobile, Fahrräder, Aktenmappen, Mäntel, Hüte
usw.) müssen so beschaffen sein, dass der Gegner keine Rückschlüsse
auf die Attentäter oder ihre Helfer ziehen kann. Namen, Nummern,
Firmenbezeichnungen, Initialen usw. entfernen.

Waffen und Waffenverwendung:
- Man unterscheidet grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
a) die direkte Methode;
b) die indirekte Methode.
- Bei der direkten Methode werden folgende Waffen verwendet:
Handgranaten, Pistolen, Maschinenpistolen.
- Bei der indirekten Methode werden Sprengfallen oder geballte
Ladungen mit Zeitzünder verwendet.

"Direkte Methode... Historisches Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg:
Das Attentat auf den deutschen Reichsprotektor HEYDRICH. Mittel:
Maschinenpistole und Handgranaten.

"Indirekte Methode... Historisches Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg:
Das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf HITLER. Mittel: Sprengladung
mit Zeitzündung.

- Bei der direkten Methode sind immer zwei verschiedene Waffen
einzusetzen, z.B. Maschinenpistolen und Handgranaten usw., denn eine
Waffe könnte im entscheidenden Moment versagen.

Die direkte Methode:
- Die Attentäter treten dem Opfer von Angesicht zu Angesicht
gegenüber.
- Die direkte Methode ist sehr wirksam, aber auch sehr gefährlich. Es
besteht eine ausgesprochene Nahkampfsituation mit allen ihren
Möglichkeiten aber auch Risiken.
- Die Attentäter müssen sehr nahe an das Ziel herangelangen (unter 30
m).
Wenn ihre Waffen im entscheidenden Moment funktionieren, ist der
Erfolg sicher. Sie müssen sich hierbei aber stark exponieren und haben
oftmals wenig Chancen, nach dem Anschlag zu entkommen.
- Maschinenpistolen und Handgranaten sind sichere Mittel.
- Pistolen sind weniger sichere Mittel. In der Aufregung schiesst man
leicht daneben. Die Verwundungskraft genügt oft nicht.
- Mit der Maschinenpistole trifft man auch bei starker seelischer
Belastung.
Die Waffenwirkung ist auf jeden Fall genügend gross.
- Handgranaten: keine Offensiv-HG verwenden. Nur Defensiv-HG einsetzen
(Splittermantel I). Die Waffenwirkung ist der vielen Splitter wegen
gross und man braucht nicht auf den Meter genau zu treffen. Das ist
wichtig, denn Aufregung und Angst beeinträchtigen die Wurfgenauigkeit.
Wenn man keine Defensiv-HG hat, sind selbstgebaute Sprengladungen mit
grosser Splitterwirkung einzusetzen. Die versteckte Tragart der Waffen
(z. B. in Aktenmappen, unter dem Mantel usw.) kann leicht zu
mechanischen Störungen führen. Beim Einpacken "Tarnen" - der Waffen,
diesen Umstand berücksichtigen.
- Bei Anschlägen mit Schusswaffen im Hausinnern empfiehlt es sich, für
Geräuschtarnung zu sorgen. Möglichkeiten hierzu:
a) Schalldämpfer an den Waffen;
b) mit Presslufthammer den Gehsteig vor dem Haus aufreissen. Vor dem
Gebäude ein Motorrad im Leerlauf auf hohe Tourenzahl jagen.
Der Maschinenlärm übertönt den Schall der Schüsse und die Attentäter
gewinnen wertvolle Sekunden für den Rückzug.

- Die Verwendung von Gewehren und Zielfernrohrgewehren stellt ein
Mittelding zwischen "direkter Methode" und "indirekter Methode" dar.
- Die Verwundungskraft der Gewehre ist auf alle praktischen
Einsatzdistanzen genügend gross.
- Mit einem gewöhnlichen Gewehr kann ein grosses, unbewegliches Ziel
(z. B.
stehender Mann) bis auf 400 m mit genügender Sicherheit getroffen
werden.
Ein kleines, unbewegliches Ziel (z. B. sitzender Mann, aus dem Fenster
lehnender Mann) kann bis 300 m getroffen werden. Die Waffe ist immer
aufzulegen.
- Zielfernrohrgewehre sind hervorragende Mittel. Sie erlauben oft, die
Bewachung aus grosser Distanz zu "überspielen"!
- Mit einem Zielfernrohrgewehr kann ein kleines, schlecht sichtbares,
unbewegliches Ziel (z. B. sitzender Mann, aus dem Fenster lehnender
Mann) bis auf 600 m mit genügender Sicherheit getroffen werden.

Die indirekte Methode:
- Die Attentäter sehen ihr Opfer nicht.
- Die indirekte Methode ist für die Attentäter weniger gefährlich,
dafür aber auch weniger wirksam.
- Die indirekte Methode setzt mehr technische Kenntnisse und damit
geschulteres Personal voraus. Ferner ist das benötigte Material
schwerer zu beschaffen.
- Möglichkeiten:
a) eine Sprengfalle, z. B. Mine mit Druck-, Zug- oder
Entlastungszünder wird in den Wohn- oder Amtsräumen des Opfers
versteckt eingebaut. Das Opfer löst die Detonation selbst aus, z. B.
Absitzen auf einen Stuhl, Öffnen einer Schranktüre, Abliegen auf ein
Bett usw.
Die Wirkung ist "gezielt". Man benötigt daher wenig Sprengstoff (200
bis 500g);
b) eine geballte Ladung mit Zeitzünder wird in den Wohn- oder
Amtsräumen des Opfers versteckt eingebaut und detoniert automatisch
nach Verstreichen der gewünschten Zeit.
Die Wirkung ist "ungezielt". Man benötigt daher viel Sprengstoff (nie
weniger als 1 kg verwenden. In der Regel weit mehr!).
- In solid gebauten Räumen (Stein- oder Betonkonstruktion) ist die
Sprengwirkung grösser. Die Ladung kann daher kleiner gehalten werden.
- In leicht gebauten Räumen (z. B. Baracken mit Holz- oder
Kunststoffwänden) ist die Sprengwirkung kleiner. Die Ladung muss daher
grösser sein.
- Geschlossene Türen, Fenster und Fensterläden wirken als Verdämmung
und erhöhen die Sprengwirkung.

- Der indirekten Methode haftet eine gewisse Starrheit an. Sie ist
nicht flexibel.
Einmal ausgelöst, laufen die Ereignisse mechanisch ab. Änderungen
können nioht mehr vorgenommen werden. Sprengfallen sind "blind". Sie
detonieren einfach. Gleichgültig, ob von einer Ordonnanz oder einem
General ausgelöst!
Das gleiche gilt für den Zeitzünder. Das Uhrwerk läuft ab, ob das
Opfer nun im Hause weilt, oder dieses längstens verlassen hat.
- Die Plazierung von Sprengfallen oder Ladungen mit Zeitzündern ist
nur möglich, wenn es gelingt, unter dem Wacht- oder Hilfspersonal
Helfer zu finden. Das ist nur möglich bei Anschlägen gegen untere oder
mittlere Funktionäre. Hohe und höchste Funktionäre sind meist so stark
abgesichert, dass eine Infiltration in ihre Umgebung unmöglich ist.

Verhalten nach durchgeführtem Anschlag:
- Ausfallachsen werden von der Besetzungsmacht abgeriegelt und
Nebenstrassen überwacht. Daher nach dem Attentat nicht sofort die
Stadt verlassen, sondern untertauchen und warten, bis sich die grösste
Aufregung gelegt hat.
- Unterschlupf aufsuchen.
- Kleider wechseln. Alte Kleidung verbrennen. Gründe:
a) man muss grundsätzlich annehmen, dass der Gegner die Kleidung
erkannt hat und im Steckbrief festhält;
b) möglicherweise sind die Kleider blutbespritzt, schmutzig oder
zerrissen.
- Nie länger als eine Nacht im gleichen Unterschlupf verbleiben. Die
Attentäter von Unterschlupf zu Unterschlupf weiterreichen.
- In Wohnquartiere schleusen, die in der Nacht vorher durchsucht
worden sind und jetzt voraussichtlich in Ruhe gelassen werden.
- Nach einigen Tagen die Stadt verlassen und "in den Wald gehen", d.
h. sich einem Kleinkriegsverband anschliessen.

Handstreich der zivilen Widerstandsbewegung

Allgemeines:
- Die zivile Widerstandsbewegung muss in der Lage sein, mit ihren
"Kampfgruppen" Handstreichaktionen durchzuführen.
- Einige mögliche Aufgaben:
a) Sabotage an gut eingerichteten Objekten, wo die Wache nur durch
Kampf ausgeschaltet werden kann;
b) Befreiung von politischen Gefangenen, Geiseln usw.
- Die Angriffstruppe gliedert sich in:
1. Sicherungstrupps.
2. Feuerunterstützungstrupps.
3. Stosstrupps.
- Die Sicherungstrupps isolieren das Angriffsobjekt.
- Die Feuerunterstützungstrupps decken das Herangehen des Stosstrupps
ans Objekt.
- Der Stosstrupp bricht ins Angriffsobjekt ein und löst den
eigentlichen Auftrag (Sabotageakt, Gefangenenbefreiung usw.).

Vorbereitung der Aktion:
- Die Besetzungsmacht wird später nach den Tätern fahnden. Die
Teilnehmer müssen daher ein Alibi vorbereiten, um ihrem Arbeitsplatz
unauffällig fernbleiben zu können. Einfachste Möglichkeit: Vorschützen
einer Krankheit.
Der Widerstandsbewegung angehörende Ärzte stellen gefälschte
Krankenbescheinigungen aus. Der Betriebsleitung gemeldete oder
Arbeitskameraden geklagte Krankheitssymptome müssen mit dem
Arztbericht übereinstimmen.
- Die Detailrekognoszierung des Angriffsobjekts hält fest:
a) die feindliche Wachtorganisation (Postenstände, Waffenstellungen,
Drahthindernisse);
b) Standort der Sicherungstrupps. Stellungsraum der
Feuerunterstützungstrupps. Bereitstellungsraum, Anmarschweg und
Einbruchstelle für den Stosstrupp.
- Bei Angriffen auf Gebäude müssen auch die Verhältnisse im Hausinnern
erkundet werden: Anordnung der einzelnen Räume, Treppen, Türen.
Standort von Posten oder Waffenstellungen. Stärke und Bauart von
Wänden, Decken, Türen, Gittern usw.
- Auskunftsmöglichkeiten:
a) Beschaffung der Baupläne;
b) Befragung von Architekten, Baumeistern, Handwerkern usw., die
seinerzeit beim Bau oder Umbau mitgeholfen haben;
c) Befragung von Hilfspersonal (z. B. Putzfrauen, Hauswart usw.);
d) bei Gefängnissen Befragung ehemaliger Häftlinge;
e) persönliches Betreten des Gebäudes unter einem Vorwand, z. B.
Stellen eines Gesuches, Abholen eines Formulars, Ausführung einer
Reparatur usw.
- Sorgfältige Angriffsvorbereitung kostet Zeit. Diese macht sich aber
reichlich bezahlt durch reibungsloseren Ablauf des Angriffs, geringere
Verluste, kleinerer Munitionsverbrauch usw.
- Der Rückzug ist der schwierigste und gefährlichste Teil der ganzen
Aktion.
Er muss deshalb besonders sorgfältig geplant und vorbereitet werden.
- Für den Rückzug unterscheiden wir folgende Möglichkeiten:
a) geschlossener Rückzug (z. B. auf einem Motorfahrzeug);
b) Versickern in einzelne Unterschlupfe;
c) Untertauchen in die Kanalisation.
- Meist werden im Verlauf der gleichen Aktion mehrere Möglichkeiten
miteinander oder nacheinander angewendet.
- Für den Stosstrupp ist der geschlossene Rückzug auf einem
Motorfahrzeug das geeignetste.
- Für die Unterstützungs- und Sicherungstrupps kommt eher Versickern
und Untertauchen in Frage.
- In den Unterschlupfen und in der Kanalisation wird das Abklingen der
feindlichen Suchaktion abgewartet. Das kann einige Tage dauern. Es
müssen daher entsprechende Aufenthaltsbedingungen geschaffen werden.
Einlagern von Getränken, Lebensmitteln, Sanitätsmaterial usw. In der
Kloake: Vorbereiten trockener Sitz- und Liegemöglichkeiten,
Bereitstellen von Beleuchtungsmitteln.
- Details über die Benutzung des Kanalisationsnetzes siehe in der
Druckschrift "Gefechtstechnik", Band 2, Seiten 53-64.

Die Durchführung der Aktion:
- Die Aktion zerfällt in a) Aufbau der Feuerunterstützung;
b) Abriegelung der Zufahrtsstrassen;
c) Angriff;
d) Rückzug.
- Die Feuerunterstützungstrupps nisten sich in den Häusern um das
Angriffsobjekt herum ein. Oft müssen hierzu Wohnungen oder
Geschäftslokale gemietet werden. Die Trupps begeben sich nötigenfalls
schon mehrere Tage vor der Aktion in die Stellungen. Zerlegte
Maschinenpistolen, Sturmgewehre und leichte Maschinengewehre werden in
Aktenmappen, Werkzeugtaschen und Koffern an Ort und Stelle gebracht.
- Die Zufahrtsstrassen zum Angriffsziel werden von den
Sicherungstrupps abgeriegelt. Diese verhindern, dass dem angegriffenen
Gegner von aussen her Hilfe zuteil wird. Es geht vor allem darum, die
rasche Anfahrt von Motorfahrzeugen zu verhindern. Mittel:
Feuerüberfälle oder blockieren der Fahrbahn durch verkeilte Fahrzeuge.
- Als Posten für Feuerüberfälle eignen sich Strassenwischer, Monteure
usw., welche ihre Maschinenpistolen und Handgranaten in Handkarren,
Werkzeugtaschen usw. versteckt halten. Sie eröffnen das Feuer auf
anrollende Polizei und Militärfahrzeuge.
- Strassen können blockiert werden durch ungeschicktes Manövrieren mit
Lastwagen oder simulierte Verkehrsunfälle. Die beteiligten Chauffeure
können im Durcheinander leicht entwischen. Die Strassenblockierung
darf aber erst einsetzen, wenn an der Überfallstelle der Kampf im
Gange ist. Andernfalls würde nur vorzeitig Polizei in die Umgebung des
Überfallortes gelockt.
- Der Angriff des Stosstrupps: Du kannst bei Tag oder bei Nacht
angreifen.
Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Die speziellen örtlichen
Bedingungen geben bei der endgültigen Wahl der Angriffszeit den
Ausschlag.

- Nachtangriff.
Vorteile: Der Stosstrupp kann unter Ausnutzung der Verdunkelung an das
Angriffsobjekt herangehen. Die Zivilbevölkerung befindet sich des
Ausgehverbotes wegen in den Häusern. Du kannst von deinen Waffen
rücksichtsloser Gebrauch machen, als am Tag, wo sich viele
Unbeteiligte auf der Strasse aufhalten.
Nachteile: Der Gegner ist wachsamer. Die Feuerunterstützung ist
schwieriger.

Vorteile: Der Gegner ist weniger aufmerksam, da er kaum mit einem
Angriff rechnet. Die Organisation der Feuerunterstützung ist einfach.
Nachteile: Der Rückzug ist stark erschwert.

*****
Handstreich der zivilen Widerstandsbewegung
1 Stosstrupp
2 Feuerunterstützungstrupps
3 Vorbereitete Rückzugswege: - Untertauchen in der Kanalisation -
Wegfahrt mit Motorfahrzeug
*****


Deckung des Rückzuges nach gelungenem Handstreich

1 Fluchtfahrzeug mit aufgesessenem Stosstrupp der zivilen
Widerstandsbewegung, z. B. Lastwagen, welcher den Besetzungstruppen
entwendet worden ist.
2 Erkennungszeichen für die Deckungstrupps, welche entlang der
Rückzugsstrasse placiert sind, damit das Fluchtfahrzeug nicht von den
eigenen Leuten beschossen oder angehalten wird. (Möglichkeit: Rot
brennende Taschenlampe in der Führerkabine.)
3 Behelfsmässige Panzerung des Führersitzes gegen Feuer aus
verfolgenden Fahrzeugen.
Da immer nur mit leichten Waffen (Pistolen, Maschinenpistolen)
geschossen wird, genügt ein Panzerblech von zirka 6 mm Stärke.
4 Behelfsmässige Deckung für die Mannschaft auf der Ladebrücke, z. B.
Sandsäcke oder niedrige Panzerplatte (ca. 6 mm) an der Rückwand. Die
aufgesessene Mannschaft verteidigt sich durch Mp-Feuer und
ausgeworfene Handgranaten.
5 Deckungstrupp. An geländemässig günstigen Stellen liegen Trupps,
welche verfolgende Feindfahrzeuge abfangen. Mittel hierzu:
a) Feuerüberfall mit Maschinenpistole oder Sturmgewehr;
b) quer über die Strasse geschobenes Fuhrwerk oder Motorfahrzeug;
c) in die Fahrbahn gerollte Zementrohre;
d) quer über die Strasse gespannte Drahtseile;
e) Einnebeln der Strasse mit Rauchwurfkörper (der Gegner muss aus
Furcht, in einen Hinterhalt zu fahren oder auf eine Sperre
aufzuprallen, anhalten).
6 Feindliches Fahrzeug.

Bei Tag wird der Stosstrupp in einen geschlossenen Lastwagen verladen
und direkt vor oder in das Angriffsobjekt gefahren. Verwende wenn
möglich ein Fahrzeug der Besetzungsmacht. Diese Tarnung erlaubt dir,
frecher vorzugehen. Das Herausspringen des Stosstrupps bedeutet
automatisch "Feuer frei!" für die bereits in Stellung befindlichen
Unterstützungswaffen.

Offener Aufstand

Allgemeines:
- Der offene Aufstand stellt die letzte Phase des Widerstandes dar.
- Träger des Aufstandes sind:
a) die militärischen Kleinkriegsverbände;
b) die zivile Widerstandsbewegung;
c) die Masse der Bevölkerung.
- Schreite zum offenen Aufstand, um den Zusammenbruch des Gegners zu
beschleunigen.
- Es hängt alles von der geschickten Wahl des Zeitpunktes ab. Schlägst
du zu früh los, wird der Aufstand im Blute erstickt. Handelst du zu
spät, so wird eine einmalige Chance verpasst.
- Der Augenblick zum Aufstand ist dann gekommen, wenn der Gegner durch
die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen in die Defensive gedrängt
wird und die Räumung des besetzten Gebiets in greifbare Nähe rückt.
- Neben rein technischen Vorteilen, wie Verhinderung umfangreicher
Zerstörungen, Demontagen usw. bietet dir der offene Aufstand noch
anderweitige, nicht zu unterschätzende Vorteile. So wird z. B. deine
staatspolitische Position bei der Neuordnung der Verhältnisse nach dem
Krieg eine ganz andere, weit stärkere sein, wenn du grosse Teile des
Staatsgebiets selbst zurückerobert hast, als wenn du rein passiv auf
die Befreiung durch das Ausland harrst.
- Mit etwas Glück kannst du dich im Befreiungskrieg sogar mit
indirekter Hilfe' durch die Verbündeten begnügen und bedarfst der
Mithilfe ihrer Bodenstreitkräfte überhaupt nicht. Hierdurch wird
vermieden, dass wiederum fremde, wenn auch verbündete Truppen die
Schweiz besetzen. Denn auch Verbündete sind nicht so leicht wieder zu
entfernen. Auf jeden Fall schwerer, als sie zu rufen!

*****
Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg:
- Frankreich 1944. Aufstand der FFI in Paris, beim Herannahen der
Alliierten.
- Polen 1944. Aufstand der Untergrundstreitkräfte in Warschau, beim
Herannahen der Russen.
- Oberitalien 1945. Aufstand der Partisanen beim Herannahen der
Alliierten.
*****

- Beim offenen Aufstand bildet die zivile Widerstandsbewegung die
ortsgebundenen Besatzungen in den Ortschaften, währenddem die
militärischen Kleinkriegsverbände die mobilen Streitkräfte darstellen.
- Die Kampfidee geht dahin;
a) die Verbindungswege und Rückzugsachsen des Gegners in grösseren
Ortschaften durch offenen Aufstand der Bevölkerung zu sperren;
b) den sich im Zwischengelände zurückziehenden oder zum Freikämpfen
der gesperrten Kommunikationen bereitstellenden Gegner mit den mobilen
Kleinkriegsverbänden anzufallen (Überfall, Angriff mit beschränktem
Ziel).
- Das Terrain muss in weitestem Sinne ausgenützt werden.
- Aufstandsherde sind in grosse, schwer zu kontrollierende Ortschaften
zu legen.
- Angriffe der mobilen Kleinkriegsverbände dürfen nur an günstigen
Stellen (z.B. Engpässen) erfolgen, damit der Gegner seine überlegenen
Mittel nicht zum Einsatz bringen 'kann.
- Angriffe der mobilen Kleinkriegsverbände müssen in mindestens
Bataillonsstärke geführt werden.
- Wo ausnahmsweise in wenig günstigem Gelände gekämpft werden muss,
soll der Gegner wenigstens zwischen zwei Feuer zu liegen kommen. Vor
sich den Aufstandsherd, hinter sich den angreifenden
Kleinkriegsverband.

Praktisches Beispiel Nach schweren Kämpfen und Niederlagen in einem
südlichen Nachbarland ziehen sich Teilkräfte des Gegners in nördlicher
Richtung durch unser Land zurück.
Die Besetzungstruppen in der Schweiz schliessen sich dem allgemeinen
Rückzug an.
Aufstandsherd in grosser Ortschaft oder Stadt. Die zivile
Widerstandsbewegung sperrt mit Hilfe der Bevölkerung die
Kommunikationen.

*****
Angriffe mobiler Kleinkriegsverbände in Bataillonsstärke:
- wenn der Gegner Engnisse passieren muss;
- wenn er sich zum Angriff auf die Aufstandsherde bereitstellt
(freikämpfen der gesperrten Kommunikationen);
- wenn er unter Umgehung der Aufstandsherde im Zwischengelände mühsam
zurückgeht.
Zurückgehende Feindverbände.
*****

Aufstandsvorbereitungen :
- Eine unangenehme, aber unvermeidliche Eigenart des Untergrundkampfes
ist, dass die Aufstandsvorbereitungen nur unvollständig getroffen
werden können (Grund: Gefahr der vorzeitigen Entdeckung).
Es muss auf die Einweihung vieler wichtiger Stellen verzichtet werden.
Du musst einfach auf ihren Abfall nach Auslösung des Aufstandes bauen.
Es gilt, ihre politische Haltung zu beeinflussen, ohne sie indessen zu
Geheimnisträgern zu machen. Ein erster Erfolg muss die psychologischen
Voraussetzungen für ihr Einschwenken schaffen.

- Sammle Stadtpläne. Diese spielen im Ortskampf die gleiche Rolle wie
Landkarten in der Feldschlacht.
- Erkunde die feindlichen Stützpunkte und Posten.
- Studiere die Eigenheiten des Gegners. Beobachte seine
Verteidigungsübungen und ziehe deine Schlüsse.
- Rekognosziere die günstigsten Waffenstellungen zur Beherrschung von
Strassenkreuzungen, Brücken und Plätzen.
- Miete an taktisch wichtigen Punkten (Brücken, Strassenkreuzungen
usw.) Wohnungen oder Geschäftslokale. Niste dich hier von langer Hand
ein.
Bereite einzelne Fenster als Waffenstellungen vor.
- Rekognosziere Kirchtürme und Hochhäuser als Beobachtungsstände.
Statte sie mit getarnten Telephonanschlüssen aus.
- Erstelle eine Liste der wichtigsten Geländeverstärkungen, die im
Verlaufe des Aufstandes errichtet werden müssen. Berechne
Materialbedarf und Arbeitszeit.
- Erstelle eine Liste der benötigten Materialien: Stacheldraht,
glatter Draht, Drahtgeflecht, Nägel, Rundholz, Bretter, Sandsäcke,
Werkzeug, Baumaschinen usw.
- Erstelle eine Liste der Bezugsquellen (Eisenwarenhandlungen,
Baugeschäfte, Werkhöfe) und der vorhandenen Bestände.

Die örtliche Leitung der Aufstandsbewegung in einer grössern Stadt:

Geheimer Ortskommandant

Kommandant der Kampftruppen: Kampfgruppen der zivilen
Widerstandsbewegung, Bewaffnete Teile der Bevölkerung

Chef der Dienste: - Sanitätswesen - Verpflegungswesen - Transportwesen
- Obermittlungswesen - Technische Dienste: a) Elektrizitäts-, Gas- und
Wasserversorgung b) Kanalisationsdienst

Geheimer Ortskommandant:
- Ehemaliger höherer Offizier, Verwaltungsbeamter oder Politiker.
- Hat mehr Koordinations- als Führungsaufgaben.

Kommandant der Kampftruppen:
- Ehemaliger Stabsoffizier.
- Leitet die Kampfhandlungen.

Chef der Dienste:
- Ehemaliger höherer Verwaltungsbeamter mit guter Lokalkenntnis und
Verbindungen zu den verschiedenen Zweigen der Stadtverwaltung.
- Sorgt dafür, dass das Leben in der Stadt während und nach dem
Aufstand weitergeht. Hält die öffentlichen Betriebe wenigstens
teilweise in Gang.
- Versorgt Bevölkerung und Kampftruppen.

Sanitätswesen:
- Chef: Spitalverwalter, Arzt usw.
- Bezeichnet pro Quartier 2 Sanitätshilfsstellen. Geeignete Lokale:
Turnhallen.
- Bezeichnet die Verbandplätze (1-2 pro Stadt). Hierzu werden
Zivilspitäler benützt. An ihrer Organisation wird nichts geändert.
- Erfasst die Zivilärzte und teilt diese den Verbandplätzen und
Sanitätshilfsstellen zu.
- Erfasst Apotheken und Drogerien. Requiriert ihre
Sanitätsmaterialbestände.
- Organisiert zusammen mit dem Transportchef den Verwundetentransport.

Verpflegungswesen :
- Chef: Verwalter eines Lebensmittel-Grossbetriebes (z. B. Konsum,
Migros, USEGO usw.).
- Erfasst alle in der Stadt vorhandenen Lebensmittelvorräte und setzt
eine Verteilerorganisation ein.
- Organisiert zusammen mit dem Transportchef die
Lebensmitteltransporte.
- Oberwacht eine gerechte Verteilung der vorhandenen Bestände an
Bevölkerung und Kampftruppen.

Transportwesen:
- Chef: höherer Funktionär der städtischen Verkehrsbetriebe.
- Leitet den Einsatz von Strassenbahn und Autobussen.
- Stellt aus requirierten Fahrzeugen zusätzliche Transportkolonnen
auf.
- Organisiert das Verschieben von Reserven sowie den Verwundeten-,
Material- und Lebensmitteltransport.

Obermittlungswesen:
- Chef: höherer Beamter der PTT (Telephondienst).
- Hält das Telephonnetz in Betrieb.
- Schaltet vom Feind besetzte Ortsteile ab.
- Obernimmt die örtliche Radiostation, damit die Aufstandsleitung zur
Bevölkerung sprechen kann.
- Organisiert eine Druckerei, damit der Ortskommandant
"Nachrichtenblätter" zur Orientierung und Anleitung der Bevölkerung
herausgeben kann.

*****
Wenn die öffentlichen Betriebe ihre Tätigkeit einstellen, herrschen in
der Stadt bald einmal unerträgliche Verhältnisse. Zur Verhinderung von
Hungersnot und Seuchen ist es notwendig, das Transportwesen sowie die
Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung aufrechtzuerhalten. Ferner
muss das Kanalisationssystem bedient und unterhalten werden. An der
Organisation der öffentlichen Betriebe wird möglichst wenig geändert,
um Unsicherheit und Anlaufschwierigkeiten zu vermeiden.
*****

Technischer Dienst:
- Chef: höherer Funktionär der städtischen Elektrizitäts-, Gas- und
Wasserversorgung.
- Stellt die Wasser- und Elektrizitätsversorgung sicher.
- Schaltet die Versorgung feindbesetzter Ortsteile ab.
- Leitet Wiederherstellungsarbeiten.

Das Besetzen der Ortschaft:
- Der Gegner verfügt in Städten oder grössern Ortschaften über 1-2
Stützpunkte sowie eine Reihe dezentralisierter Polizei posten.
- Die Stützpunkte weisen mindestens Kompagniestärke auf. Sie werden
von den Besetzungstruppen (Militär) gehalten.
- Die Polizeiposten weisen ca. Gruppenstärke auf. Sie sind von der
einheimischen Polizei oder von Polizeiorganen des Gegners besetzt.
- Beim Losbrechen des Aufstandes werden Stützpunkte und Polizeiposten
schlagartig angegriffen.
- Das Niederkämpfen der Stützpunkte besorgen Kleinkriegsverbände in
Bataillonsstärke.
- Das Erledigen der verstreuten und isolierten Polizeiposten,
Brückenwachen usw. ist Sache der zivilen Widerstandsbewegung.
- Der Kampf um die Stützpunkte und Polizeiposten wird nach den
Grundsätzen der Ortskampftechnik geführt. Du musst dieses spezielle
Kampfverfahren kennen.

Der Angriff auf einen Polizeiposten:
- Für den Angriff wird ein Detachement von 20-25 Mann eingesetzt.
- Das Detachement gliedert sich in Stosstrupp, Wartetrupp,
Sanitätstrupp und Meldefahrer.
- Der allgemeine Waffenmangel hat zur Folge, dass nur ca. 1/3 des
Angriffsdetachements mit Schusswaffen ausgerüstet werden kann.
- Rüste den Wartetrupp mit den erbeuteten Waffen aus. Jetzt verfügst
du schon fast über einen Gefechtszug.
- Bald einmal wird das ganze Quartier in Aufruhr stehen. Freiwillige
werden sich dir anschliessen und eventuelle Verluste ausgleichen.
- Rufe die Bevölkerung zusammen und beginne mit dem Sperrenbau, um den
Gegner an Panzergegenstössen zu hindern.

Die Verteidigung von Ortschaften:
Die bewegliche Eingreifreserve der Besetzungsmacht besteht aus
mechanisierten Polizeiregimentern. Du musst daher vor allem mit
Panzergegenangriffen rechnen. Da du nur über wenige schwere und
weitreichende Panzerabwehrwaffen verfügst, musst du dich auf
"Panzernahbekämpfung" einstellen. Du musst diese spezielle Technik
beherrschen.

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Die Ortskampftechnik ist recht umfangreich. Sie würde den Rahmen des
vorliegenden Buches sprengen. Siehe daher: v. Dach, Druckschrift
"Gefechtstechnik", Band 2, Seiten 11 bis 62. Zu beziehen beim Verlag
SUOV, Mühlebrücke 14, 2500 Biel.
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Trupp - Ausrüstung - Aufgabe

Stosstrupp 5-7 Mann: 1 Maschinenpistole 2-3 Pistolen oder Gewehre 1-2
Handgranaten oder geballte Ladungen, Erledigen den Polizeiposten

Wartetrupp 10--12 Mann: Unbewaffnet. Verfügen lediglich über
Brandflaschen für die Panzernahbekämpfung, Warten in einer gedeckten
Lauerstellung. Werden nach gelungenem Überfall mit den erbeuteten
Waffen ausgerüstet

Sanitätstrupp 2-3 Frauen oder Mädchen: Verbandmaterial,
Behelfstragbahren, Machen Verwundete transportfähig und verstecken sie
in Wohnungen

Meldefahrer 2-3 Jugendliche: Fahrräder,
Halten die Verbindung zwischen den einzelnen Trupps sowie Zur
vorgesetzten Kommandosteile aufrecht

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Der Stoff ist recht umfangreich. Um den Rahmen des Buches nicht zu
sprengen, kann an dieser Stelle nur das Nötigste behandelt werden. Du
solltest aber mehr wissen! Siehe deshalb auch: v. Dach, Druckschrift
"Gefechtstechnik", Band 3, Seiten 158-175. Zu beziehen beim Verlag
SUOV, Zentralstrasse 42, 2500 Biel.
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- Sperre die Kommunikationen im Ortsinnern. Dann kann der Gegner von
seinen überlegenen schweren Mitteln nur beschränkten Gebrauch machen
(Panzer, Flieger, Artillerie).
- Häusergruppen bilden starke Stützpunkte. Gut eingerichtet, können
sie lange halten. Selbst nach schwerstem Beschuss oder Bombardement
bieten Keller und Ruinen noch ausreichend solide Deckungen.
- In den Ruinen findet der Verteidiger Rückhalt vor Panzerangriffen.
Die unübersichtlichen Trümmerfelder schaffen gute Voraussetzungen, um
angreifende Panzer mit Nahkampfwaffen und Behelfsmitteln vernichten zu
können.
- Deine Kräfte reichen selbst bei völligem Mitgehen der Bevölkerung
nie aus, um alle Gebäude zu besetzen. Dies ist militärisch auch gar
nicht nötig. Es genügt völlig, wenn du an den wichtigsten Stellen
(Brücken, Strassenkreuzungen, Bahnhöfen usw.) Stützpunkte errichtest.
- Es sind nur Gebäude solider Konstruktion zu besetzen: Schulhäuser,
Kasernen, Fabriken, Verwaltungsgebäude usw.
- Der Raum zwischen den einzelnen Stützpunkten wird mit Stosstrupps
überwacht.
- Kläre unter Beizug der Bevölkerung unablässig im ganzen Stadtgebiet
auf.
So kannst du niemals überrascht werden.
- Gliederung der Kräfte:

Stützpunktbesatzungen: 1/4 der Mannschaft, 1/4 der Munition, alle
Panzerabwehrkanonen, Minenwerfer, Maschinengewehre und Raketenrohre.

Stosstrupps: 1/4 der Mannschaft, 3/4 der Munition, der Grossteil der
Maschinenpistolen und Sturmgewehre.

Hauptreserve: 3/4 der Mannschaft, 1/4 der Munition, Behelfsmässig
motorisiert mit erbeuteten Lastwagen, Schützenpanzern und Panzern.

Ausbau der Stützpunkte:
Ziehe die Bevölkerung zu Hilfsarbeiten bei. Der Masseneinsatz
verzweifelter und bereitwillig das Letzte aus sich herausholender
Menschenmassen ist dein grösster Trumpf. Mit ihrer Hilfe vermagst du
die Stützpunkte in einer Frist, die eher nach Stunden als nach Tagen
zählt, in Festungen zu verwandeln. Arbeitspläne, Materiallisten,
Bezugsquellen, Dringlichkeitsfolge der einzelnen Massnahmen usw. sind
bereits vor dem Aufstand festgelegt worden.

Die Leute können:
- Sandsäcke abfüllen;
- Fenster mit Drahtgeflecht gegen HG-Würfe versperren;
- Türen verbarrikadieren;
- Wände verstärken;
- Panzer- und Infanteriehindernisse erstellen;
- Mauerdurchbrüche und Sichtschutz-Zäune erstellen;
- Brandflaschen abfüllen;
- Munition, Wasser und Verpflegung in die Stützpunkte verbringen.

Die interne Organisation der Stützpunkte:
- Jeder Stützpunkt setzt sich aus 2-3 Gebäuden zusammen. Die einzelnen
Gebäude müssen sich gegenseitig mit Feuer unterstützen können und
gemeinsam einen taktisch wichtigen Punkt beherrschen (Brücke,
Strassenkreuzung, Platz usw.).
- Jedes Gebäude muss auf mindestens zwei, lieber drei Seiten durch
Feuer aus Nebengebäuden gedeckt werden.
- Bei den einzelnen Gebäuden werden auf alle Fälle der Keller und das
Erdgeschoss besetzt. Je nach Umständen können auch obere Stockwerke
teilweise besetzt werden.
- Türen und Fenster der untern Stockwerke werden solid
verbarrikadiert. Nur schmale Schiessscharten werden belassen. Einzelne
Waffen können durch Scharten in Zwischenwänden die Innenräume
bestreichen.
- An wichtigen Stellen, z. B. hinter Schiessscharten, werden die Wände
gegen Punktfeuer der Mg. verstärkt (Sandsäcke usw.).
- Der Feuerplan bestimmt, welche Waffen:
a) gegen die Kommunikationen gerichtet werden;
b) zum gegenseitigen Schutz der besetzten Gebäude bestimmt sind.
- Maschinengewehre werden im Erdgeschoss oder Keller eingebaut und
bestreichen die Strassen.

Jeder Stützpunkt setzt sich aus 2-3 Gebäuden zusammen. Die einzelnen
Gebäude müssen sich gegenseitig mit Feuer unterstützen können und
gemeinsam einen wichtigen Punkt beherrschen.
Jedes Gebäude muss auf mindestens zwei, lieber drei Seiten durch Feuer
aus Nebengebäuden gedeckt werden.

- Maschinenpistolen und Sturmgewehre decken die Fassaden der
Nachbargebäude.
- Scharfschützen mit Zielfernrohrgewehren liegen in den obern
Stockwerken auf der Lauer, um feindliche Beobachter, Führer oder
besonders gut gedeckte Waffen ausser Gefecht zu setzen.
- Raketenrohre werden gegen Punkte gerichtet, an denen der Feind
Panzer zur Nahfeuerunterstützung auffahren könnte.
- Mit Gewehr-Hohlpanzergranaten und Brandflaschen wird von obern
Stockwerken aus gegen Panzer gewirkt, die sich bis an die besetzten
Häuser heranarbeiten.
- Minenwerfer werden in Innenhöfen aufgestellt. Ihr Feuer richtet sich
gegen die vermutlichen feindlichen Bereitstellungen.
- Zur Abwehr gegen Angriffe auf Türen und Fenster des Erdgeschosses
werden in den obern Stockwerken Handgranatenwerfer placiert.
- In jedem Gebäude wird eine mit Maschinenpistolen, Sturmgewehren und
Handgranaten ausgerüstete Reserve ausgeschieden. 3-4 Mann genügen.
Diese treten zum Gegenstoss an, wenn der Gegner einbricht.
- Je nach Verhältnissen wird ausserdem eine Stützpunktreserve
bestimmt.
Diese zählt 5-8 Mann und besteht aus den am besten ausgebildeten
Leuten. - Soweit möglich sind gedeckte Verbindungswege zwischen den
verschiedenen Gebäuden anzulegen. Hierzu werden Mauerdurchbrüche
erstellt und Sichtschutzzäune gebaut. Oft kann auch die Kanalisation
ausgenützt werden.
- In jedem Stützpunkt muss Munition, Verpflegung und Sanitätsmaterial
bereitgestellt werden. Ebenso Wasser für Trink-, Lösch- und sanitäre
Zwecke.
Gegen Feuerausbruch sind gründliche Massnahmen zu treffen.

Spanische Reiter

- Spanische Reiter eignen sich:
a) auf festem Boden, wo keine Pfähle eingeschlagen werden können;
b) zum Sperren von Hauseingängen;
c) zum raschen Schliessen von Gassen im Rundumdrahthindernis.
- Material:
11 Laufmeter Rundholz, o 8-10 cm, 12 Meter Bindedraht o 2 mm, 12 Nägel
140er, 20 Agraffen, 50 Meter Stacheldraht
- Bauvorgang: Die 2 Holzkreuze werden an der Längsstange festgenagelt,
der Stacheldraht über die Spitze der Holzkreuze geführt und mit
Agraffen befestigt und schliesslich spiralförmig um das Ganze
gespannt.
- Arbeitsorganisation: Es empfiehlt sich Serienarbeit. 1 Trupp nagelt
die Holzkreuze zusammen. 1 Trupp spannt den Stacheldraht, indem er das
Holzgestell mit 2 Zweibeinen drehbar lagert.

Einfache Hecken

- Einfache Hecken eignen sich als Rundumhindernisse um Stützpunkte.
- Wenn möglich ist das Hindernis hinter Zäunen, Hecken, Buschgruppen
usw. zu errichten (Tarnung).
- Material pro 100 m Hindernis: 35 Pfähle 160 cm lang o 8-10 cm, 70
Pflöcke 60 cm lang o 5-8 cm, 600 Meter Stacheldraht, 300 Agraffen
- - Um Hindernispfähle einzusparen, sind vorhandene Zäune, Bäume usw.
auszunützen.
- Arbeitsorganisation: 1 Trupp zu 3 Mann rüstet die Pfähle und
Pflöcke. Trupps zu 3 Mann schlagen die Pfähle. Trupps zu 3 Mann
spannen den Stacheldraht. Die Anzahl der Trupps richtet sich nach dem
Arbeitsfortschritt.
Zunächst ist das Rüsten der Pfähle, dann das Einschlagen der Pfähle
und schliesslich das Spannen der Drähte zu forcieren (Verstärkung der
Trupps durch frei werdende Leute).

Panzersperren

- Panzer weisen ein Gewicht von 35-50 Tonnen auf. Ihre Raumwucht ist
entsprechend gross. Das Aufreissen des Strassenpflasters genügt
nicht!. Es müssen massive Sperren errichtet werden, z. B.: 2 Reihen
umgekippter Strassenbahnwagen oder 4-6 Reihen quergestellter und
ineinander verkeilter Motorfahrzeuge.
Die Sperren sind nicht unüberwindlich, aber sie zwingen die Panzer zur
Vorsicht und zum Manövrieren. Die Sperren müssen durch Schützen und
Brandflaschenwerfer verteidigt werden.
- Täuschung I Schnellsperre: Lege mehrere Reihen Suppenteller
verkehrt, d. h. mit dem Tellerboden nach oben quer über die Strasse.
Aus einiger Distanz erwecken diese den Eindruck offen ausgelegter
Panzerminen und zwingen Panzer zur Vorsicht!

Die schwachen Stellen des Panzers

1 Gummipolsterung an den Laufrädern. Empfindlich gegen Brandmittel.
2 Kühlschlitze des Motors. Empfindlich gegen Brandmittel.
3 Turmhals. Empfindlich gegen Sprengladungen von mehr als 5 kg.
4 Deckel der Einstieglucken. Empfindlich gegen Sprengladungen von mehr
als 3 kg.
5 Winkelspiegel (Beobachtungsinstrumente). Empfindlich gegen Mp.- und
Gewehrfeuer.
Eine weitere Schwäche des Panzers besteht im schusstoten Raum. Die
vertikale Schwenkbarkeit der Bewaffnung des Panzers ist gering.
Dadurch entstehen hauptsächlich gegen den Boden schusstote Winkel. In
diesen schusstoten Räumen können Panzer unterlaufen werden.
Wenn die Turmluke geschlossen ist, kann das Flab-Mg. nicht eingesetzt
werden.

Die schwachen Stellen des Schützenpanzers

1 Die Kühlschlitze des Motors. Empfindlich gegen Brandmittel.
2 Die Sehschlitze. Empfindlich gegen Brandmittel.
3 Der nach oben offene Mannschaftsraum. Empfindlich gegen
Handgranatenwürfe und Beschuss aus Handfeuerwaffen aus überhöhter
Stellung.
4 Die Pneus. Empfindlich gegen Brandmittel und Beschuss aus
Handfeuerwaffen.

Brandflaschen:
- Dünnwandige, weitbauchige Flaschen sind besonders gut geeignet.
Dickwandige Flaschen mit geringem Volumen sind schlecht geeignet.
- Die Flaschen mit Benzin, Petroleum oder Sprit füllen.
- Die Flaschen ganz füllen. In schlecht gefüllten Flaschen entsteht
ein explosionsgefährliches Benzin-Luft-Gemisch, welches den Werfer
gefährdet.
- Flaschenkorken ganz hineindrücken.
- Eine Handvoll Putzfäden oder Watte am Flaschenkörper mit
Isolierband, Heftpflaster, Klebestreifen oder Schnur befestigen.
- Kurz vor dem Wurf das Zündmaterial mit Benzin tränken.
- Das Zündmaterial mit Zündholz, Kerze usw. in Brand stecken und die
Flasche sofort werfen.
- Beim Aufschlag zerbricht die Flasche und das herausfliessende Benzin
entzündet sich an den brennenden Putzfäden.
- Nie eine einzelne Flasche werfen! Brandflaschen immer in Serie von
10 bis 15 Stück gegen das gleiche Ziel einsetzen!

Das Zusammenwirken der verschiedenen Mittel

- Panzernahbekämpfungstrupps handeln nach dem Grundsatz:
1. Stoppen
2. Isolieren
3. Zerstören - Eine Panzersperre zwingt den Gegner zum Anhalten und
zum Manövrieren. Stillstehende Panzerfahrzeuge können leichter
vernichtet werden.
- Schützentrupps kämpfen mit Maschinenpistolen, Sturmgewehren und
Handgranaten Begleitinfanterie und aussteigende Panzerbesatzungen
nieder.
- Brandflaschenwerfer und Sprengtrupps zerstören die Panzerfahrzeuge.
- Die Bordwaffen sind meist nach vorne, d. h. in Fahrtrichtung
gerichtet. Panzer werden deshalb von oben, aus der Flanke oder von
hinten angegriffen.
- Wer an den Panzer heran muss (z. B. Sprengtrupp), greift von schräg
rückwärts an.

Das Vorgehen der Besetzungsmacht bei der Bekämpfung von
Kleinkriegsaktionen

Partisanenbekämpfung

Allgemeine Grundsätze

- Es ist leichter, die Bildung von Partisanenverbänden zu verhindern,
als nachträglich solche zu vernichten.
- Wenn schon die Bildung nicht verhindert werden kann, ist wenigstens
mit der Bekämpfung so früh als möglich zu beginnen.
- Um im Kleinkrieg auf die Dauer erfolgreich zu sein, muss man:
a) alle wichtigen Punkte gleichzeitig und ständig besetzt halten;
b) parallel dazu das vom Kleinkrieg verseuchte Gebiet systematisch
durchkämmen und säubern.
- Blosse Abwehrmassnahmen erlauben den Partisanenverbänden gross und
stark zu werden. Sie sind nur gerechtfertigt, wenn Truppenmangel
Angriffe nicht zulässt.
- Die Vernichtung der Partisanen kann nur durch Angriff erfolgen.
- Angriffsziel ist nicht ein Geländeraum, sondern der
Partisanenverband.
- Angriffe müssen ununterbrochen vorgetragen werden. Selbst kleinste
Angriffe sind wirksamer als blosse Sicherung.
- Zehn kleine Angriffe sind wertvoller als eine einzige Grossaktion.
- Der von Partisanen bedrohte Raum wird zum "Frontraum" erklärt.
- Es ist zwecklos, in einem Kommandobereich scharf gegen Partisanen
vorzugehen, während man sich im Nachbarraum passiv verhält. Die
Partisanen weichen aus und kommen wieder.
- Die gleiche Truppe und Führung ist möglichst lange im
Partisanenkampf zu belassen. Erfahrungen und Kenntnis des Gegners sind
wertvoll. Eine neue Truppe müsste wiederum von vorne beginnen.
- die eigene Beweglichkeit muss grösser sein, als diejenige der
Partisanen (ist praktisch nur durch Helikoptertransport möglich).
- Die Operationsgrenzen zwischen zwei Partisanenbekämpfungskommandos
dürfen nicht durch Waldgebiete oder Gebirgszonen führen.
Solche Räume sind Brutstätten des Partisanenkrieges und müssen einem
Kommando unterstellt sein.
- Die Truppe darf die Partisanen nicht unterschätzen. Der Glaube,
diese seien soldatisch minderwertig, fördert Sorglosigkeit und führt
dadurch zu empfindlichen Rückschlägen und Verlusten.
- Die Vernichtung der Partisanen erfolgt durch:
a) Trennung von der Bevölkerung;
b) Unterbindung der Versorgung von aussen (Fallschirmabwürfe von
Waffen und Munition);
c) unablässigen Angriff.
- Ständiger Druck (Angriff) über eine längere Zeit ist notwendig, um:
a) Organisation und Sicherung der Partisanen zu desorganisieren,
b) Diese von der Versorgung abzuschneiden,
c) Sie körperlich und seelisch zu erschüttern.
- Partisanen können ohne Hilfe der Bevölkerung nicht leben. Deshalb
sind Massnahmen gegen die Bevölkerung ebenso wichtig, wie solche gegen
die Partisanen.
- Erheblicher Menscheneinsatz (Infanterie!) ist unumgänglich nötig.
Hier liegt einer der Hauptgründe, warum hochstehende, stark
technisierte Armeen, bei denen der Anteil an Infanterie nur noch klein
ist, solche Mühen haben, Kleinkriegsaktionen zu dämpfen.

- Bei der Partisanenbekämpfung ist zu unterscheiden in:

Passive Partisanenbekämpfung
1. örtliche Verteidigung: - Regierungs- und Verwaltungsstellen -
Elektrizitätswerke - Fabriken und Werkstätten - Depots aller Art -
Obermittlungseinrichtungen
2. Sicherung: - Eisenbahn - Strassen

Aktive Partisanenbekämpfung
1. Einsatz der Armee: - Jagdkommandos - grössere Säuberungsverbände
2. Einsatz der Polizei

- Bei der aktiven Partisanenbekämpfung ist zu unterscheiden in:

Dauernde Partisanenbekämpfung
Durch "Spezialisten" (Jagdkommandos): Haben grosse Erfahrung in der
Partisanenbekämpfung

Periodische Säuberungsaktionen grössern Umfangs: Durch ad hoc
zusammengestellte Verbände: - gewöhnliche Feldtruppen -
Luftlandetruppen - Polizeiverbände; Haben nur geringe Kenntnisse und
Erfahrung in der Partisanenbekämpfung

Örtliche Verteidigung - Bei der örtlichen Verteidigung liegen die
Stützpunkte bis zu 15 km auseinander.
- Die Unterkünfte werden in grosse, zusammenhängende Gebäudekomplexe
verlegt.
- Diese werden verdrahtet (vermint) und mit Maschinengewehr- und
Minenwerferstellungen sowie Scheinwerferständen versehen.
- Im Vorfeld und im Zwischengelände vorhandene Versteckmöglichkeiten
werden beseitigt.

Die Sicherung der Verkehrswege

- Die Verbindungs- und Nachschubwege müssen geschützt werden.
- Wir unterscheiden:
a) Strassensicherung;
b) Eisenbahnsicherung.
- Streckenschutz verschlingt viele Kräfte. Bei unserem dichten
Strassen- und Eisenbahnnetz kann daher nicht alles gesichert werden.
Auch hier gilt der Grundsatz: "Wer alles sichern will, sichert in
Wirklichkeit nichts!" - Nebenstrassen und Nebenlinien der Eisenbahn
werden aufgegeben. Der Militärverkehr beschränkt sich auf die
Hauptachsen. An diesen werden die Sicherungskräfte massiert.
- Besonders verletzliche Stellen (z.B. grössere Brücken usw.) werden
mit Stützpunkten gesichert.
- Der Nachtverkehr wird auf Strassen und Eisenbahnlinien eingestellt.
- Das Befahren der Strassen mit Einzelfahrzeugen wird verboten. Die
Fahrzeuge werden zu Kolonnen zusammengefasst. Notfalls werden die
Kolonnen mit einer kampfkräftigen Eskorte versehen.

Strassensicherung Allgemeines:

Wir unterscheiden:

Streckenüberwachung: Routinemassnahme, die auf jeden Fall durchgeführt
wird, Mittel: motorisierte Patrouillen in ca. Grüppenstärke
Selbstschutz von Kolonnen: Anwendung bei mässiger Partisanengefahr,
Mittel: Motorfahrer, Beifahrer, Mitfahrer usw.
Geleitschutz von Kolonnen: Sondermassnahme, die nur bei intensiver
Partisanentätigkeit angewendet wird, Mittel: ca. 1 verstärkter
Infanteriezug

Streckenüberwachung:
- Der Streckenschutz wird mit motorisierten Patrouillen durchgeführt.
Diese bestehen aus: 1 Unteroffizier + 10 Mann, mit 2 offenen
Motorfahrzeugen und 1-2 Motorrädern. Bewaffnung: 1-2 aufmontierte
Maschinengewehre.
Dazu Handfeuerwaffen und Handgranaten. Funkgerät.
- Die Oberwachungspatrouillen sollen vor allem demonstrieren und
abschrecken! Sie handeln nach dem Grundsatz "Sehen und gesehen
werden!" - Die Patrouillenfahrzeuge fahren mit mässiger
Geschwindigkeit und angemessenem Sicherungsabstand. Alle Waffen sind
schussbereit. Das eine Fahrzeug muss dem andern jederzeit Feuerschutz
geben können. Die Besatzungen achten vor allem auf die
Strassenoberfläche (Minen) und auf Strassenhindernisse (quergespannte
Drahtseile, Sperrdrähte usw.). Ferner auf verdächtige Anzeichen an
Wald rändern und Häusern.
- Stösst die Patrouille auf Partisanen in unterlegener Stärke, greift
sie unverzüglich an. Trifft sie auf überlegenen Gegner, so meldet sie
und hält im übrigen Feindfühlung.

Selbstschutz:
- Der Selbstschutz wird gebildet aus:
a) Motorfahrern;
b) Beifahrern;
c) Mitfahrern, z. B. Verlademannschaft, zurückkehrende Urlauber usw.
Ein Kolonnenkommandant wird bestimmt. Ebenso für jedes Fahrzeug ein
Wagenchef.
- Die Insassen geschlossener Fahrzeuge steigen auf offene über und
machen sich gefechtsbereit. Waffen laden. Beobachtung nach allen vier
Richtungen einteilen.
- Die Kolonne scheidet eine Vorhut und eine Nachhut aus. Diese
bestehen aus je 2-3 leichten Fahrzeugen. Abstand zum Gros 300-500 m.
- Bei günstigen Strassenverhältnissen wird mit hoher Geschwindigkeit
gefahren. Bei Gefahr wird das Tempo noch erhöht, um etwaige
Hinterhalte zu durchstossen.
- Werden Fahrzeuge in einem Hinterhalt beschädigt, so müssen deren
Fahrer wenigstens noch die Strasse freimachen, damit die folgenden
Fahrzeuge weiterfahren können.
- Wird die Kolonne zum Halten gezwungen, so steigen Beifahrer und
Mitfahrer der durchgebrochenen Fahrzeuge ab und greifen zu Fuss die
Partisanen in der Hinterhaltsteilung an. Der vor dem Hinterhalt
steckengebliebene Kolonnenteil sichert sich gegen Nahangriff. Die
Fahrzeuge bleiben auf der Strasse. Zündung ausschalten, Handbremse
anziehen. Fahrer und Beifahrer steigen aus und eröffnen ein lebhaftes
Feuer auf erkannte Ziele oder gegen Geländeteile, in denen Partisanen
vermutet werden (Waldrand, Gebüsch, Höhen usw.). Hierbei bleiben sie
in unmittelbarer Nähe ihres Fahrzeuges.
Der Kolonnenkommandant ruft mit Funk oder Meldefahrer Hilfe von der
nächsten Garnison herbei. Nachher sammelt er die Mitfahrer seines
Kolonnenteils und greift die Partisanen an.

Geleitschutz:
- Bei intensiver Kleinkriegstätigkeit lässt der Gegner Strassenverkehr
nur bei Tag zu. An Knotenpunkten werden alle Einzelfahrzeuge gestoppt
und als geschlossene Kolonne im "Geleitzug" unter Eskorte durch das
partisanenverseuchte Gebiet geschleust.
- Auf ca. 20 Lastwagen kommen zwei eskortierende Fahrzeuge. In der
Regel Panzer, Panzerspähwagen oder Schützenpanzer. Ausnahmsweise auch
offene Lastwagen mit aufmontierten Maschinengewehren oder leichten
Flabkanonen.
- Organisation eines Strassengeleitzuges:
a) Transportelement. 40-50 Lastwagen;
b) Begleitmannschaft. 1 Zug Infanterie, 1 Gruppe Pioniere, 2 Panzer.
- Die Begleitmannschaft gliedert sich in:
a) Chef des Geleitzuges. Geländepersonenwagen oder Schützenpanzer;
b) Sicherungselement. 1 Panzer, 1 Gruppe Infanterie, 1 Gruppe Pioniere
auf geländegängigen Gruppenfahrzeugen oder Schützenpanzern;
c) Kampfelement. 1 Panzer, 2 Gruppen Infanterie auf geländegängigen
Gruppenfahrzeugen oder Schützenpanzern.
- Reihenfolge des Geleitzuges für die Fahrt: Sicherungselement -
Transportelement (hierbei der Chef des Geleitzuges) - Kampfelement.
- Wo keine unmittelbare Fliegergefahr besteht, was im besetzten Gebiet
die Regel sein dürfte, fahren die Transportfahrzeuge eng geschlossen,
d. h. mit Bremsabstand. Das erleichtert die Aufgabe der
Begleitmannschaft.
- Wenn möglich setzt der Gegner für eine bestimmte Wegstrecke immer
dieselbe Begleitmannschaft ein, da Lokalkenntnisse wichtig sind.
- Transportkolonnen sind besonders an Strassenstellen, die zum
Langsamfahren zwingen, gefährdet. (Starke Steigungen, Serpentinen,
verlassene Ortschaften, Wälder usw.) Das Herannahen solcher kritischer
Punkte bedeutet für die Begleitmannschaft automatisch höchste
Gefechtsbereitschaft.
- Wenn der Geleitzug auf eine Strassensperre aufläuft oder in einen
Hinterhalt gerät, stoppt das Sicherungselement. Panzer und Infanterie
bekämpfen die Partisanen mit Feuer, währenddem die Pioniere absitzen
und die Strassensperre räumen. Das Kampfelemel1t verlässt die Strasse,
holt im Gelände aus und greift die Partisanen aus Flanke oder Rücken
an.
- Die Geleitzüge finden Schutz und Rückhalt in den Stützpunkten der
Strassensicherung. Diese befinden sich entlang der Strasse an
wichtigen Punkten, vornehmlich Brücken. Nachts rasten die Geleitzüge
in den Stützpunkten.

Eisenbahnsicherung

Allgemeines:
- Das schweizerische Bahnpersonal wird vom Gegner übernommen und muss
unter dem neuen Regime weiterarbeiten1.
- Die Eisenbahner werden zum Kampfmittel der Spionage, des passiven
Widerstandes und der Sabotage greifen.
- Der Bahnbetrieb bietet zahllose Sabotagemöglichkeiten.
- Der Gegner muss die Bahneinrichtungen doppelt sichern:
1. Gegen das schweizerische Bahnpersonal.
2. Gegen die Kleinkriegsverbände.

Bei der Eisenbahnsicherung unterscheiden wir:
- Stations- oder Bahnhofsicherung: Militarisierte Stationen und
Bahnhöfe
- Streckensicherung: Patrouillen, Stützpunkte
- Zugssicherung: gesicherte Züge - bewaffnete Züge - gemischte Züge

Stations- oder Bahnhofsicherung:
- Unwichtige Stationen und kleine Bahnhöfe werden vom schweizerischen
Bahnpersonal allein bedient.
- Wichtige Stationen und grosse Bahnhöfe werden "militarisiert". Die
Bahnanlagen werden bewacht und die Arbeit des schweizerischen
Bahnpersonals kontrolliert.
- Organisationsschema eines militarisierten Bahnhofes:

Militärischer Bahnhof-Kommandant:
- Organe der Besetzungsmacht: Bahnhofwache - Stellwerk-Kontrolleur -
Werkstätten-Kontrolleur
- Schweizerisches Bahnpersonal: Stationsvorstand - Stationspersonal -
Stellwerkpersonal - Depot- und Werkstättenpersonal

Unter Bahnpersonal verstehen wir:
- Verwaltungspersonal - Stationspersonal (Vorstand, Stellwerkbedienung
usw.) - Zugspersonal (Lokomotivführer, Zugführer, Kondukteure usw.) -
Depots- und Werkstätten personal (Mechaniker, Elektriker usw.)

- Der Bahnhofkommandant ist "Eisenbahnoffizier" der feindlichen Armee.
Er ist bahntechnisch geschult und soll passiven Widerstand und
Sabotage verunmöglichen.
- Werkstätten- und Stellwerkkontrolleur sind bahntechnisch geschulte
Angehörige der Besetzungsmacht. Sie sollen den Bahnhofkommandant
unterstützen.
- Die Bahnhofwache besteht aus Besetzungsmilitär. Sie hat je nach
Grösse der zu bewachenden Anlage Zugs- bis Kompagniestärke.

Die Stationswache soll:
1. Die technischen Einrichtungen gegen Sabotage oder offenen Angriff
(Handstreich) schützen. Hierzu muss sie:
a) die wichtigsten Punkte mit Posten halten;
b) das Bahnhofareal und die nähere Umgebung durch Patrouillen
überwachen.
2. Eine gewisse Kontrolle des Reisenden- und Güterverkehrs
durchführen.
- Die Personen- und Güterkontrolle beschränkt sich in normalen Zeiten
auf einzelne willkürliche Stichproben. Jedermann, der die
Stationsanlage betritt, soll mit einer Kontrolle rechnen müssen.
In besonders spannungsreichen Zeiten (z. B. nach grossen
Sabotageanschlägen, Unruhen, Aufständen usw.) wird eine gründliche und
systematische Kontrolle des Reisenden- und Güterverkehrs durchgeführt.
Die Stationswache gliedert sich in 3 Ablösungen.
1. Ablösung: Posten- und Patrouillendienst.
2. Ablösung: Bahnhofdienst.
3. Ablösung: Ruhe (ist zugleich Eingreifreserve).
Jede Ablösung umfasst 1/3 der vorhandenen Kräfte.
Jede Ablösung dauert 8 Stunden.

- Bahnhofdienst. Wir unterscheiden:
a) Personenkontrolle;
b) Güterkontrolle.
- Das Gros der Gruppe wird im Stationsgebäude zur Personenkontrolle
eingesetzt. Ein Trupp führt im Schuppen die Güterkontrolle durch.
- Der Zugang zum Stationsgebäude wird mit Sperren abgeriegelt
(Spanische Reiter, Stacheldrahtwalzen). Es wird lediglich ein schmaler
Zugang offengelassen.
- An der Eingangstüre steht ein Posten.
- Der Reisende löst am Schalter beim Stationsbeamten die Fahrkarte.
Anschliessend begibt er sich an den Tisch der Schreiber. Diesen
kontrollieren seinen Personalausweis und füllen den Kontrollbogen aus.
Nachher übergibt der Reisende sein Handgepäck zur Kontrolle.
Währenddem sein Gepäck durchsucht wird, unterzieht man ihn selbst
einer Leibesvisitation. Hierbei wird er mehr oder weniger gründlich
nach verborgenen Waffen, Druckschriften usw. durchsucht. Zum Schluss
erhält er sein Gepäck zurück und darf sich auf den Bahnsteig begeben.
- Verdächtige werden in den Verhörraum geführt und dort vom Zugstrupp
einvernommen. Der Zugführer entscheidet, wer freizulassen ist und wer
der politischen Polizei übergeben wird.

Streckensicherung :
- Zur Streckensicherung werden folgende Mittel eingesetzt:
Patrouillen zu Fuss, Patrouillen auf Motordraisinen und
Helikopterpatrouillen.
- Die Patrouillen achten auf:
1. Gelöste Schraubenköpfe an der Verbindungsstelle Schiene/Schwelle.
2. Gelöste Laschen (Verbindungsstück zwischen zwei Schienen).
3. Herausgesprengte Breschen in den Schienen.
4. Sprengladungen an Geleisen.
5. Aufgelockerter Schotterbelag oder unter die Geleise führende
Zündschnüre, die auf "Zugsfallen" hinweisen.
6. Beschädigungen an der elektrischen Fahrleitung, z.B. zerschossene
Isolatoren, herabhängende Drähte usw.
- Patrouillen zu Fuss.
Vorteil: Sie können auch Kleinschäden oder Fallen erkennen.
Nachteil: Sie sind sehr langsam (ca. 2 km/h).
- Patrouillen auf Motordraisinen.
Vorteil: Sie sind schnell (ca. 15 km/h).
Nachteil: Sie sehen nur mittlere oder grosse Schäden. Versteckte
Sprengladungen, gelöste Schrauben usw. vermögen sie kaum zu erkennen.
- Helikopterpatrouillen.
Vorteil: Sie sind sehr schnell und vermögen auch die nähere Umgebung
der Bahnlinie zu kontrollieren (Versteckte Saboteure, Bereitstellung
von Kleinkriegsdetachementen usw.).
Nachteil: Sie sehen nur grosse und auffällige Schäden.

- Zusammenfassung: Patrouillen zu Fuss eignen sich für die
routinemässige. periodische Kontrolle der Strecke. Patrouillen auf
Motordraisinen oder in Helikoptern eignen sich für die fallweise,
grobe Streckenkontrolle kurz vor der Durchfahrt wichtiger Züge.

Zugssicherung:
- Der Gegner wird eine Geschwindigkeitsbeschränkung einführen, um die
Schäden bei Zugsentgleisungen zu verringern. In Extremfällen wird die
Geschwindigkeit nur noch 15 km/h betragen.
- Bei wichtigen Transporten wird eine bewaffnete Wache im Führerstand
der Lokomotive mitfahren, um den Lokomotivführer zu überwachen
(Verhinderung von passivem Widerstand oder Sabotage).
- Wir unterscheiden:
a) gesicherte Züge; b) bewaffnete Züge; c) gemischte Züge.
- Bei "gesicherten Zügen" werden 2-3 Güterwagen vor der Lokomotive
hergeschoben. Es handelt sich um niedere, offene und mit Sand beladene
Wagen. Bei der Detonation von versteckten Sprengladungen oder bei
Entgleisungen hofft man, so die wertvolle Lokomotive zu schützen.
- Bei den "bewaffneten Zügen" werden an der Spitze und am Schluss des
Zuges niedere, offene Güterwagen mit aufmontierten Maschinengewehren,
leichten Flabgeschützen usw. angehängt. Diese sollen Angriffe von
Kleinkriegsverbänden abwehren.
- Bei den "gemischten Zügen" werden einige Personenwagen mit
schweizerischen Zivilpersonen (nötigenfalls Geiseln) in die
Zugskomposition eingeschoben. Der Gegner will mit dieser
Terrormassnahme verhindern. dass der Zug von unsern Saboteuren oder
Kleinkriegsverbänden angegriffen wird.
- Diese schematisch aufgezählten Verfahren werden in der Praxis oft
vermischt. Wir haben dann z. B. den "gesicherten, bewaffneten und
gemischten" Zug.

Stützpunkt für Strassen- oder Eisenbahnsicherung

- Der Stützpunkt soll:
1. Ein wichtiges, leicht verletzliches Objekt schützen (Strassen- oder
Eisenbahnbrücke, Tunneleinfahrt, Bahnhof usw.).
2. Als geschützter Übernachtungsort für Strassengeleitzüge dienen.
3. Den Strassen- oder Geleiseüberwachungspatrouillen Rückhalt bieten.
- Die Stützpunktbesatzung muss ihre Stellung halten und zugleich einen
bestimmten Strassen- oder Geleiseabschnitt mit Patrouillen überwachen.
Die Streckenlänge beträgt meist 15 km.
- Der Stützpunkt ist von einem Rundum-Drahthindernis umgeben. Zur
Vergrösserung der Hinderniswirkung werden Personenminen und
Sprengfallen in den Draht hineingebaut.
- Die Häuser dienen als Unterkunft und sind zugleich als Kampfstände
ausgebaut.
- Rund um den Stützpunkt ist ein Kranz von Stellungen ausgebaut, die
im Alarmfall von der Stützpunktbesatzung und sonstigen anwesenden
Truppen besetzt werden.
- Die wichtigsten Stellungen sind dauernd bemannt. Ein solcher Posten
besteht in der Regel aus drei Mann und einem leichten oder schweren
Maschinengewehr. Der Posten ist eingegraben und getarnt.
- Auf einem erhöhten Punkt (Hügel, Hausdach, Holzturm) ist ein
Beobachtungsposten eingerichtet. Dieser verfügt über einen
Scheinwerfer. Von hier aus können Schutzobjekt (z. B. Brücke) und
Vorfeld beleuchtet werden.
- Das Gelände seitlich und unter dem zu schützenden Objekt (z. B.
Brücke) wird vermint, um das Herankommen von Sprengtrupps zu
erschweren.
- Buschgruppen, Waldparzellen und Anhöhen in unmittelbarer Nähe des
Stützpunktes werden mit Personenminen und Sprengfallen verseucht, um
eine gedeckte Annäherung der Partisanen zu erschweren.
- Der Wald wird parallel zur Eisenbahnlinie und zur Strasse auf einer
Breite von mindestens 200 m gerodet, um Saboteuren ein Herankommen zu
erschweren.
- Der Stützpunkt verfügt über eine Telephon- oder Funkverbindung zur
vorgesetzten Kommandostelle.
- Die Stützpunktbesatzung wird in 3 Ablösungen eingeteilt:
1. Ablösung: Postendienst im Stützpunkt.
2. Ablösung: Patrouillendienst (Strassen- und Eisenbahnüberwachung).
3. Ablösung: Ruhe im Stützpunkt (dient zugleich als Reserve).
- Jede Ablösung umfasst 1/3 des Bestandes. Jede Ablösung dauert 8
Stunden.

Einsatz der Jagdkommandos

- Der Auftrag der Jagdkompagnie besteht in der "Freien Jagd".
- Die Jagdkompagnie erhält einen Aktionsraum von ca. 15 x 15 km (225
km2) zugeteilt.
- Die Jagdkompagnie bildet nur den Rahmen für die einzelnen Züge bzw.
Jagdkommandos (Versorgungs- und Aufklärungsbasis).
- Die einzelnen Jagdkommandos arbeiten in der Regel räumlich weit
getrennt.
Die Entfernung kann ohne weiteres bis zu 10 km betragen.
- Nur in Sonderfällen werden die Jagdkommandos zusammengefasst und die
Kompagnie als Ganzes eingesetzt.

Jagdkompagnie
- Kommandozug: Kompagnietrupp, Sanitätstrupp, Funktrupp,
Hundeführergruppe, Nachschubgruppe
- Aufklärungszug: Zugstrupp - 3 Patrouillen a je 1 Uof. + 6 Mann
- Feuerzug: 2 Maschinengewehre, 2 Minenwerfer, 2 rückstossfreie
Geschütze
- Jagdkommandos: Zugstrupp, 3 Gruppen a je 1 Uof. + 6 Mann

- Die Hundeführergruppe besteht aus 4-5 Hundeführern mit Suchhunden.
Den Jagdkommandos werden nach Bedarf Hundeführer abgegeben.
- Die Nachschubgruppe verfügt über 1 Geländewagen und 10-12 Tragtiere.
Sie ist verantwortlich für die Versorgung der einzelnen Jagdkommandos.
Hierzu versteckt sie an vereinbarten Plätzen Munition und Verpflegung.
- Der Feuerzug verfügt für den Transport der schweren Waffen und der
Munition über Tragtiere. Ausnahmsweise wird er motorisiert oder per
Helikopter verschoben.
- Das Jagdkommando verfügt über leichte Maschinengewehre,
Sturmgewehre, Handgranaten und Personenminen.

- Aufklärung ist entscheidend wichtig. Man unterscheidet zwischen:
a) Fernaufklärung;
b) Gefechtsaufklärung.
- Fernaufklärung wird ständig und unabhängig von den momentanen
Bedürfnissen im ganzen Raum der Jagdkompagnie betrieben.
- Gefechtsaufklärung wird von Fall zu Fall zur Befriedigung der
augenblicklichen Bedürfnisse angesetzt.
- Befehle für die Fernaufklärung erteilt der Kompagniekommandant.
Befehle für die Gefechtsaufklärung erteilen die Zugführer der
einzelnen Jagdkommandos.
- Fernaufklärung wird durch Einzelspäher oder schwache
Aufklärungspatrouillen (2-3 Mann) betrieben. Hierzu trägt der Gegner
Zivilkleidung und gibt sich als "Partisane" aus, um die Bevölkerung zu
täuschen.
- Einsatzräume für Jagdkommandos:
a) wo die Kleinkriegsdetachemente auf dem Weg zum Überfall
durchziehen;
b) wo sie Lebensmittel eintreiben.
- Ansatzpunkte für die Jagdkommandos: Wenn die Partisanen einen
Überfall durchgeführt haben und sich nun zurückziehen, ist der Moment
zum Ansatz eines Jagdkommandos gekommen. Jetzt wird der Verfolger auf
die Spur gesetzt.
- Jedes Jagdkommando hat den Auftrag, ein bestimmtes
Kleinkriegsdetachement tage- und wenn nötig wochenlang zu jagen.
Hierzu muss das Jagdkommando:
a) alle seine Bewegungen geheim halten;
b) selbst wie ein Kleinkriegsdetachement leben.

Säuberungstaktik grösserer Verbände

Allgemeines:
- Es genügt nicht, das kleinkriegsverseuchte Gebiet einfach zu
besetzen.
Nur die Vernichtung (Tötung, Gefangennahme) zählt im Kleinkrieg.
- Bei Säuberungsaktionen müssen die Partisanen eingekesselt werden.
Lückenlose Einschliessung ist um so wichtiger, als die Partisanen den
Kampf nur im äussersten Notfall annehmen und im übrigen immer darnach
trachten, zu entweichen.
- Methoden:
a) "Aussickern" durch den Einschliessungsring hindurch;
b) "Untertauchen" als harmloser Zivilist im Innern des umstellten
Gebiets.
- Die Geheimhaltung der bevorstehenden Säuberungsaktion ist von
entscheidender Bedeutung. Sie gelingt jedoch nur selten. Die
Partisanen haben zu viele harmlose Helfer und Zuträger.
- Aushilfen:
a) rasches Handeln;
b) schlagartiges Einkreisen eines möglichst grossen Gebiets und
anschliessendes mühsames und zeitraubendes Durchkämmen.
- Rasch Handeln heisst:
a) Besammlung und Organisation der Säuberungskräfte weit weg vom
Einsatzort;
b) rascher und geschlossener Antransport (Eisenbahn, Lastwagen,
Helikopter);
c) kurze Bereitstellung. Im Idealfall sogar Verzicht auf eine
Bereitstellung und Einschliessung des verseuchten Gebiets direkt aus
dem Anrollen heraus.
- Für das Ausheben der Partisanen haben sich zwei Verfahren besonders
bewährt:
1. Das "Kesseltreiben".
2. Das "Vorstehtreiben".

Kesseltreiben
- Besteht aus einem langsamen, systematischen Zusammenpressen des
umstellten Gebiets. Der Ring wird von allen Seiten konzentrisch
verengt.
- Verlangt sehr viel Infanterie.
- Bietet wenig Möglichkeiten Waffen.
- Bedingt sehr gute Spezialausbildung der eingesetzten Truppen.

Vorstehtreiben
- Ein Teil der Einschliessungskräfte bleibt in Stellung. Die andern
treiben die Partisanen gegen die Stellungen.
- Verlangt weniger Infanterie.
- Bietet gute Verwendungsmöglichkeiten für schwere Waffen.
- Die Methode ist einfach und kann rasch erlernt werden.

- Der moderne Gegner wird in der Regel das "Vorstehtreiben" anwenden.
Er ist voll mechanisiert und verfügt über viele schwere und
weitreichende Feuermittel. Dagegen besitzt er nur noch wenig Leute in
seinen Verbänden (im Schützenbataillon ca. 500 Mann). Er wird daher
das Verfahren wählen, welches weniger Menschen braucht und
Feuermitteln mehr Chancen bietet.
- In der Folge ist nur noch vom "Vorstehtreiben" die Rede.

Kräfteeinsatz:
- Da vor allem "durchkämmt" und nicht "gekämpft" wird, ist
zahlenmässige Überlegenheit unumgänglich.
- Überlegene Ausrüstung und Ausbildung nützen wenig, da die Partisanen
jeder Entscheidung ausweichen.
- Zur Bekämpfung der Partisanen muss immer ein Mehrfaches an Kräften
eingesetzt werden, als zur Vernichtung eines gleich starken Gegners im
"grossen Krieg" nötig wäre.
- Um einen Partisanenverband von nur 100 Mann zu jagen, braucht es
bald einmal 3-4 Bataillone (1500-2000 Mann).

Organisation eines Säuberungsverbandes für "Vorstehtreiben":
- Infanterie und schwere Waffen müssen umorganisiert werden: Verlad
der Mg, Mw und rückstossfreien Geschütze auf Tragtiere.
- Die motorisierte Reserve wird auf schmale, voll geländegängige
Gruppenfahrzeuge verladen, die auf den engen Wegen auch wirklich
nachkommen.
- Die Artillerie wird für wendiges, batterie- oder abteilungsweises
Schiessen organisiert. Feuerkonzentrationen grosser Artillerieverbände
kommen nicht in Frage.
- Für die Luftunterstützung eignen sich vor allem bewaffnete
Helikopter und ältere, langsame Jagdbomber.
- Die Versorgung wird auf Saumtiere oder Helikoptertransport
umgestellt.

Chef der Gesamtaktion
- Unterstützungskräfte: Artillerie - Jagdbomber - bewaffnete
Helikopter
- Stellungskräfte ("Auffangnetz"): 3/4 der verfügbaren schweren Waffen
(Mg, Mw, Pak), Gros der Artillerieschiesskommandanten, 1/4 der
verfügbaren Infanterie

Säuberungskräfte ("Treiber"): 3/4 der verfügbaren Infanterie, 1/4 der
verfügbaren schweren Waffen (Mg, Mw), einige
Artillerieschiesskommandanten: Säuberungsschleier, Motorisierte
Reserve, Unterstützungswaffen

Gefechtsführung beim Vorstehtreiben:
- Der Partisanenverband wird schlagartig eingeschlossen.
- Bereitstellungsräume und Einschliessungslinie werden so gewählt,
dass sie motorisiert gut zu erreichen sind.
- Zu Beginn der Säuberungsaktion wird an geländemässig günstiger
Stelle (Fluss, Hügelkette, Talgrund usw.) das Auffangnetz errichtet,
gegen welches die Partisanen getrieben werden.
- Geschickte Geländeauswahl macht es möglich, das Auffangnetz mit
einem Minimum an Personal zu halten. Das erlaubt, genügend starke
Kräfte für die eigentliche Säuberung auszuscheiden.
- Die Stellungen des Auffangnetzes müssen gute Fernsicht und
genügendes Schussfeld für die schweren Waffen bieten.
- Ein dünner Infanterieschleier durchkämmt zu Fuss auf breiter Front
das verseuchte Gelände. Frontbreite pro Kompagnie bis zu 3 km.
- Der Säuberungsschleier verfügt über Hundeführer mit Suchhunden.
- Dem Säuberungsschleier sind Vernehmungsspezialisten (Polizeibeamte)
beigegeben. Eingebrachte Gefangene werden sofort verhört.
- Hinter dem Säuberungsschleier folgt mit genügend grossem Abstand die
motorisierte Reserve.
- Stösst der Säuberungsschleier auf starken Widerstand, wird per Funk
die Reserve herbeigerufen.
- Die Partisanen kämpfen immer hinhaltend. Auch gestellt versuchen sie
noch auszuweichen. Der Säuberungsschleier muss daher über viele
automatische Waffen (Mp, Stgw., Lmg) verfügen, um rasch die
Feuerüberlegenheit zu erringen. Nur so besteht Aussicht, die einmal
aufgestöberten Partisanen sozusagen mit Feuer "festzunageln", damit
sie durch Stoss vernichtet werden können.
- Raketenrohre als "grobes Mittel" gegen Mg- und Schützensteilungen
leisten gute Dienste.
- Je schneller der Angriff läuft, um so mehr Partisanen werden
vernichtet. Je langsamer der Angriff läuft, um so mehr Partisanen
finden Gelegenheit, zu entschlüpfen.
- Das Gefecht spielt sich fast ausschliesslich im Wald ab. In die Enge
getrieben, werden die Partisanen versuchen, den Kampf bis zum
Nachteinbruch hinzuziehen, um dann im Schutze der Dunkelheit mit dem
Mute der Verzweiflung auszubrechen.
- Wenn Partisanen ausbrechen, wird der Einschliessungsring sofort
wieder geschlossen. Reserven übernehmen die Verfolgung der
ausgebrochenen Teile.

DIE BEKÄMPFUNG DER ZIVILEN WIDERSTANDSBEWEGUNG

Allgemeines:

- Polizei und Armee teilen sich in die Bekämpfung der zivilen
Widerstandsbewegung.
- Die Polizei übernimmt die technisch schwierigeren Aufträge, die
relativ wenig Personal, aber gute Spezialkenntnisse verlangen. Die
Armee übernimmt Aufgaben, die starke Kräfte erfordern.
- Man unterscheidet:
a) Polizeimassnahmen;
b) Kampfmassnahmen.
Bei diesen wiederum:
a) tägliche Routinemassnahmen;
b) Sondereinsätze.
- Polizeimassnahmen haben stark kriminalistischen Einschlag.
- Kampfmassnahmen lehnen sich an die Taktik und Gefechtstechnik der
Armee an. Hierbei handelt es sich vornehmlich um:
a) Wacht- und Sicherungsdienst;
b) Ortskampf.
- Die anzuwendende Taktik unterscheidet sich stark von dem, was die
Truppe gelernt hat.
Vom Kompagniekommandant an aufwärts werden beträchtliche Umstellungen
im Denken gefordert. Die gefechtstechnischen Details dagegen bleiben
sich weitgehend gleich. Der einzelne Soldat sowie die Unterführer
(Gruppen- und Zugführer) müssen nur wenig zulernen.

Arbeitsteilung:
- Polizei allein: Hausdurchsuchungen - Verhaftungen - Kontrolle
einzelner Passanten - Telephonkontrolle - Postzensur
- Polizei mit Hilfe der Armee: Strassenkontrollen - Durchkämmen von
Häuserblocks und ganzen Quartieren - Auflösung von
Massendemonstrationen - Funkpeilung; Die Polizei hat das Primat. Die
Armee leistet nur Hilfsdienste.
- Armee mit Hilfe der Polizei: - Unterdrückung von Unruhen und
Aufständen. Die Armee hat das Primat. Die Polizei leistet nur
Hilfsdienste.

Strassenkontrolle - Kontroll-Detachement
- Absperrtrupp: 3 Mann mit Sturmgewehr Spanische Reiter
Stacheldrahtwalzen
- Bewachungstrupp: 4 Mann mit Sturmgewehr
- Durchsuchtrupp: 2 Mann mit Sturmgewehr
- Transporttrupp: 1 Motorfahrer 2 Mann mit Sturmgewehr 1 gedeckter
Lastwagen

- Bei der Strassenkontrolle will man:
a) illegales Material finden (Waffen, Sprengstoff, Flugblätter,
Untergrundzeitungen usw.);
b) Personalausweise kontrollieren.
- Bei der Strassenkontrolle wird überraschend ein Strassenstück von
ca. 200 m Länge abgeriegelt. Anschliessend werden die Passanten
kontrolliert.
- Chef der Kontrollaktion ist ein Polizei- oder Armeeoffizier.
- Das Kontrolldetachement fährt in einem geschlossenen Lastwagen vor.
Die Leute springen ab und beginnen blitzschnell mit ihrer Arbeit.
- Die Absperrtrupps legen Stacheldrahtrollen aus und lassen lediglich
einen schmalen Durchgang offen, der von ihnen besetzt wird.
- Der Bewachungstrupp treibt die Passanten zusammen und stellt sie an
günstiger Stelle in einer geordneten und leicht überblickbaren
Formation auf (z. B. 4er-Kolonne usw.). Anschliessend bewacht er die
Passanten und achtet darauf, dass niemand Material wegwerfen oder
verstecken kann.
- Der Suchtrupp kontrolliert die Passanten einzeln durch Abtasten. Der
eine Mann überwacht den Verdächtigen mit dem Sturmgewehr. Der andere
nimmt die Leibesvisitation vor und kontrolliert das Handgepäck
(Aktenmappen, Markttaschen usw.).
- Verhaftete werden dem Transporttrupp übergeben.

Suchaktionen

Allgemeines:
- Wir unterscheiden:
a) Durchkämmen;
b) Durchsuchen.
- "Durchkämmen" ist die gröbere Methode. "Durchsuchen" ist die feinere
Methode.

Durchkämmen:
- Zweck der Aktion: Primär Jagd auf Personen, z.B. flüchtige
Saboteure, Attentäter usw. Sekundär: Suche nach Material.
- Ist geeignet für die Kontrolle ausgedehnter Objekte, z.B.
Häuserblock, ganzes Quartier, ganzer Wald usw.
- Benötigt relativ wenig Zeit.
- Benötigt viel Personal.
- Kann von jeder Truppe nach kurzer Instruktion angewendet werden.
- Ergibt nur grobe Resultate. Wirklich fachmännisch versteckte Dinge
werden kaum gefunden.

Durchsuchen:
- Zweck der Aktion: Suche nach Material, z.B. Funkgeräte, schriftliche
Unterlagen, Kleinmaterial usw.
- Ist nur für kleine Objekte anwendbar, z.B. ein einzelner Raum, eine
Wohnung, allerhöchstens ein kleines Gebäude.
- Benötigt wenig Personal.
- Benötigt ausserordentlich viel Zeit.
- Kann nur von Leuten mit gründlicher Spezialausbildung durchgeführt
werden.
- Ist eine "gezielte Aktion". Wird erst angewendet, wenn ein
wirklicher und begründeter Verdacht besteht.
- Ergibt gute Resultate. Es werden auch fachmännisch versteckte Dinge
gefunden.

Durchkämmen eines Häuserblocks

- Der die Aktion durchführende Verband gliedert sich in:
a) Kommando-Detachement;
b) Such-Detachement;
c) Absperr-Detachement.

- Die Aktion zerfällt in:
a) Aufklärung;
b) Einschliessung (Umzingelung);
c) Durchkämmung.
- Vor der Aktion wird aufgeklärt. An der Aufklärung nehmen der Chef
der Aktion sowie die Unterführer teil. Die Aufklärung erfolgt in
Zivilkleidung.
Die Aufklärung umfasst:
a) günstige Anfahrtsrouten und Ausladeplätze der einzelnen
Detachemente;
b) Organisation der Absperrung: Hindernisse, Standorte für
Feuerunterstützungstrupps und Fangtrupps;
c) Standort der Verhörstelle.
- Anfahrt und Einschliessung erfolgt wenn immer möglich in der
Morgendämmerung, bevor die Leute zur Arbeit müssen.
Hierbei geht der Gegner mit grösster Beschleunigung vor, damit du
keine Gegenmassnahmen treffen kannst (Flucht, Aufsuchen eines
Verstecks, Organisation des Widerstandes).
- Auf eine Bereitstellung wird aus Gründen der Zeitersparnis und zur
Wahrung der Überraschung verzichtet. Die einzelnen Detachemente fahren
- aus verschiedenen Richtungen kommend - mit den Lastwagen direkt vor
das Objekt. Die Leute springen heraus und beziehen ihre Plätze.
- Der ganze Gebäudeblock wird vom Absperr-Detachement abgeriegelt.
Hierzu werden auch bewegliche Schnellsperren (Stacheldrahtwalzen)
verwendet.
Diese erleichtern die Kontrolle und sparen Personal.
- Pro Fassade wird ein Feuerunterstützungstrupp eingesetzt. Dieser
überwacht Türen, Fenster, Dach- und Kellerluken und ist bereit, bei
bewaffnetem Widerstand augenblicklich Feuerschutz zu geben.
- Pro Fassade wird ein Fangtrupp bereitgelegt. Diese sollen aus dem
Gebäude flüchtende Personen wenn möglich lebendig fangen.
- Wenn der Gebäudeblock abgeriegelt ist, wird vom Such-Detachement
systematisch Haus um Haus durchkämmt.
- Ein Doppelposten wird sofort auf den Estrich detachiert, um ein
Entkommen über die Dächer zu verhindern.
- Pro Stockwerk wird ein Posten im Treppenhaus aufgestellt, der alle
Wohnungstüren im Auge behält.
- Ins Erdgeschoss kommen drei Mann. Je einer hält den vordern und
hintern Hauseingang unter Kontrolle, währenddem der dritte den
Kellereingang überwacht.
- Die Hausbewohner werden besammelt und an einen leicht zu
überwachenden Ort (Innenhof, Mauerecke usw.) verbracht. Der Hauswart
muss aussagen, ob alles beisammen ist, wer fehlt und wer nicht zu den
Hausbewohnern gehört. Verdächtige werden zur Verhörstelle geführt und
dort einvernommen.
- Jetzt erst beginnt die eigentliche Durchkämmung. Die Bewohner werden
aufgerufen, wenn ihre Wohnung an die Reihe kommt. Türen, die nicht
geöffnet werden können, werden rücksichtslos aufgebrochen. Das gleiche
gilt für verschlossene Möbelstücke, Koffer, Kisten usw.
- Bei der Durchsuchung leisten die zugeteilten Spezialisten der
Polizei die wichtigste Arbeit. Schon die blosse Anwesenheit dieser
gehassten und gefürchteten Funktionäre wirkt auf die Bewohner
einschüchternd und lähmend. Auch die an der ganzen Aktion innerlich
wenig beteiligten Soldaten werden durch ihre Gegenwart zu höchster
Leistung und Härte angespornt, um nicht in den Ruf der politischen
Unzuverlässigkeit zu geraten.

Hausdurchsuchung

Allgemeines:
- Die Suchmannschaft wird unterteilt in:
a) Aussenüberwachung;
b) Suchequipe.
- Der Chef der Hausdurchsuchung koordiniert die Tätigkeit von
Aussenwache und Suchequipe.
- Die Aussenüberwachung besteht aus mindestens 2 Mann mit
Maschinenpistole. Sie soll verhindern, dass:
a) jemand aus dem Haus entkommt;
b) Gegenstände zum Fenster hinausgeworfen werden.
Die Aussenüberwachung wird eingesetzt, bevor die Suchequipe die
Wohnung betritt.
- Die Suchequipe besteht aus:
a) Equipenchef. Leitet die Sucharbeit;
b) Wachtposten. Bewacht die verdächtigen Personen;
c) einem oder mehrerer Suchtrupps. Leisten die Sucharbeit.

- Die Bewohner werden zusammengerufen, orientiert, durchsucht und
anschliessend bewacht. Wenn sie beim Warten auf Stühle absitzen
dürfen, werden diese zuerst nach verborgenem Material untersucht.
- Der Mietvertrag wird verlangt, damit keine zur Wohnung gehörenden
Räume übersehen werden (Estrich, Keller, Einstellraum, Garage,
Schuppen usw.).

Die Organisation der Aussenüberwachung

Die Durchsuchung eines Raumes:
- Wenn nur ein Suchtrupp verfügbar ist, bestimmt der Chef, in welcher
Reihenfolge die Räume abgesucht werden.
Wenn mehrere Suchtrupps zur Verfügung stehen, bestimmt der Chef, wer
was durchsucht.
- Um einen Raum rationell zu durchsuchen, werden 2-3 Mann benötigt.
- Der Equipenchef unterteilt den Raum. Pro zwei Zimmerwände wird ein
Verantwortlicher bestimmt. Der 3. Mann übernimmt die Mitte des Raumes.
Abschnittsgrenzen werden mit Kreide auf Fussboden (Teppich), Wände und
Decke markiert. Die Nahtstellen der Suchabschnitte sind wichtig. Hier
wird leicht etwas übersehen.
- Der Equipenchef nimmt an der Suchaktion nicht teil. Er wahrt den
überblick und sorgt dafür, dass nichts übersehen wird.
- Möbel, Teppiche, Vorhänge, Tapeten, Holztäfer, Kehrichteimer und
Öfen werden durchsucht. Blumentöpfe geleert, Einmachgläser, Konserven
usw.
geöffnet.
Patienten im Bett oder Kleinkinder in Kinderwagen werden aufgenommen
und durchsucht.
- Der technische Grundsatz lautet: Jeder sucht so gründlich, dass er
am Schluss nicht noch einmal beginnen muss, sondern sicher ist, nichts
übersehen zu haben.
- Wer etwas verborgen hält, hat die Tendenz immer wieder wie
hypnotisiert Richtung Versteck zu blicken. Der Wachtposten weiss das
und achtet daher auch auf die Blickrichtung.
- Personen, die während der Hausdurchsuchung in die Wohnung kommen,
werden festgenommen.
- Wenn das Telephon läutet, wird es nicht abgenommen, um den Eindruck
zu erwecken, es sei niemand zu Hause. Die Polizei würde die Aktion
sonst durch die fremde Stimme verraten. Auch Hausbewohner dürfen nicht
sprechen. Sie könnten durch ein unverfängliches Stichwort eine Warnung
durchgeben.

Räumen eines Platzes

(Auflösung einer Massendemonstration der Bevölkerung vor
Regierungsgebäuden, Partei- oder Verwaltungssitzen)

Allgemeines:
- Es geht darum, den Platz rasch und sicher, gleichzeitig aber ohne
Tote und mit einem Minimum an Verletzten zu räumen.
- Die angesammelte Menschenmenge muss rasch und unbehindert abfliessen
können.
Darum:
1. Viele Strassen bewusst offen lassen, damit die Menge abfliessen
kann.
2. Nur von einer Seite her den Platz räumen. Hierfür die Seite
auswählen, von der am wenigsten Strassen in den Platz einmünden.
3. Durch Lautsprecher den Befehl erteilen, dass die Türen der
angrenzenden Häuser zu öffnen, die Fenster jedoch zu schliessen sind
(so kann einerseits ein Teil der Menge in die Häuser flüchten, jedoch
nicht so einfach aus den geschlossenen Fenstern auf die Truppe
schiessen!).
- Für die Räumung selbst werden zwei Methoden un1erschieden:
a) Räumen von Menschenkraft, d. h. mit einer sogenannten
"Polizeikette";
b) Räumen mit Hilfe einer Fahrzeugkette.
- Mit der Polizeikette können nur kleinere oder mittlere
Menschenmengen zerstreut werden.
- Grosse Menschenmengen müssen mit einer Fahrzeugkette weggedrängt
werden.

Die Polizeikette:

Wir unterscheiden:
- Räumdetachement: Polizeikette (1 Mann pro Laufmeter Platzbreite),
Tränengaswerfer (1 Mann pro 10 m Polizeikette), Nahreserve (4 Mann pro
30 m)
- Hauptreserve: 1 Zug Infanterie
- Abriegelungsdetachement: Sperrtrupp (1 Trupp à 4 Mann pro
abzuriegelnde Seitenstrasse)

- Die Leute in der Polizeikette stehen Mann neben Mann, ohne
Zwischenraum auf einem Glied. Das Gewehr mit dem aufgepflanzten
Bajonett ist vorgestreckt. Bajonett auf Brusthöhe. Die Waffe ist
geladen und gesichert.
- 1-2 m hinter der Polizeikette folgen die Tränengas-Werfer. Jeder
trägt in einem umgehängten Sack mindestens 30 Tränengas-Wurfkörper mit
sich.
Reservemunition wird auf dem Fahrzeug des Chefs nachgeführt, damit
sich die Werfer im Laufe der Aktion neu ausrüsten können.
- 20-30 m hinter den Tränengas-Werfern folgt die Nahreserve. Sie soll:
a) nötigenfalls die Polizeikette verstärken;
b) durchgebrochene Personen abfangen;
c) Verhaftete in Empfang nehmen und zur Hauptreserve zurückführen.
- Auf gleicher Höhe wie die Nahreserve fährt der Chef. Dieser steht
erhöht auf einem Panzer oder Schützenpanzer, um Truppe und
Menschenmenge zu überblicken. Der Chef hat Funkverbindung zur
vorgesetzten Kommandostelle. Er verfügt ferner über einen
Lautsprecher, um:
a) zur Menge zu sprechen;
b) trotz allgemeinem Lärm Befehle und Kommandos an die eigene Truppe
durchgeben zu können.
Auf dem Fahrzeug des Chefs sind 3-4 Mann zur Nahverteidigung
aufgesessen. Sie verhindern, dass Leute den Wagen erklettern, die
Antenne abreissen oder Brandflaschen werfen.
- Alle Leute haben die Gasmaske aufgesetzt. Der Chef trägt seine Maske
griffbereit auf der Brust angehängt. Die aufgesetzte Maske erschwert
die Verbindung.
- Vor der gewaltsamen Räumung des Platzes wird die Volksmenge gewarnt.
Die Warnung kann etwa wie folgt lauten: "... Achtung! Achtung! Hier
spricht die Ordnungstruppe! - Wir fordern die Demonstranten auf, den
Platz gutwillig zu räumen! - Wir geben hierzu 10 Minuten Zeit! Nachher
wird der Platz mit Gewalt geräumt!" Diese Warnung wird in kurzen
Abständen mehrmals wiederholt. Nach Verstreichen der Frist geht die
Truppe vor.
- Auf Befehl des Kommandanten wird Tränengas geworfen. Der Gaseinsatz
muss schnell und konzentriert erfolgen. Tränengas hat nur eine
Wirkung, wenn in kürzerer Zelt (1-2 Minuten) mehrere hundert
Wurfkörper eingesetzt werden. Die Werfer streuen ihre Würfe nach
Breite und Tiefe. Weitwürfe sind besonders wichtig, um auch die
hintenstehenden Teile der Menge zu erfassen.
- Nachher greift die Truppe mit dem Bajonett an. Es wird in ruhigem
Feldschritt und unter peinlicher Wahrung der Formation vorgerückt. Das
Tempo richtet sich nach den langsamsten Teilen. Leicht vorankommende
Teilkräfte dürfen nicht einfach vorprellen und dadurch die Kette
zerreissen. Es werden häufig Zwischenhalte eingeschaltet, um die
Ordnung wieder herzustellen.
- Das Abriegelungs-Detachement folgt nach und riegelt überschrittene
Seitenstrassen mit Schnellsperren (Spanische Reiter,
Stacheldrahtwalzen) ab. An jedem Hindernis wird ein Sperrtrupp von 4
Mann mit Maschinenpistolen belassen. Diese verhindern ein Wegreissen
der Sperre durch zurückkehrende Demonstranten.

Die Fahrzeugkette:
- Für die Räumung des Platzes werden Panzer, Schützenpanzer oder
Lastwagen eingesetzt.
- Die Fahrzeuge werden auf einer Linie, den einen Flügel zur
Erleichterung der Übersicht leicht vorgestaffelt, aufgestellt.
- Zwischenräume von Fahrzeug zu Fahrzeug:
- bei Lastwagen 0,80-1,00 m;
- bei Panzern oder Schützenpanzern 1,50-2,00 m.
- Auf den Fahrzeugen ist Infanterie aufgesessen, welche verhindert,
dass a) die Menge Antennen, Wimpel, Werkzeuge usw. abreisst oder
Brandflaschen wirft;
b) einzelne Leute in den Fahrzeug-Zwischenräumen durchschlüpfen.
- Hinter den Panzern folgen in einigem Abstand Reserven auf Lastwagen.
Diese sollen:
a) Seitenstrassen, die von der Räumkette überschritten werden, mit
beweglichen Schnellsperren (Spanische Reiter, Stacheldrahtwalzen)
abriegeln und verhindern, dass Teile der Menschenmenge zurückströmen
und in den Rücken der Räumkräfte gelangen;
b) Verhaftete in Empfang nehmen und abtransportieren.
- Das Vorrücken und Zurückdrücken der Menschenmenge erfolgt im
Schritttempo.

Die Bekämpfung von Unruhen und Aufständen

Allgemeines

- Die Besetzungsmacht setzt möglichst starke Kräfte ein, um keine
Niederlage zu riskieren. Eine solche würde der Aufstandsbewegung
starken Auftrieb geben. Viele vorläufig noch vorsichtig Abwartende
würden zu aktiven Kämpfern.

- Der Gegner hat folgende Möglichkeiten:

Planmässiger, demonstrativer Aufmarsch
- Soll ernüchtern und zur Besinnung mahnen.
- Gibt den Aufständischen aber Zeit für Gegenmassnahmen.
- Dieses Verfahren wird angewendet:
a) wenn der Aufstand bereits weit fortgeschritten ist;
b) wenn es sich um eine starke Aufstandsbewegung handelt.

Überraschendes, überfallmässiges Zuschlagen
- Lässt den Aufständischen keine Zeit für Gegenmassnahmen.
- Besetzungsmacht muss improvisieren und setzt sich dadurch der Gefahr
von Rückschlägen aus.
- Dieses Verfahren wird angewendet:
a) wenn der Aufstand noch im Anfangsstadium steckt;
b) wenn es sich um eine relativ schwache Aufstandsbewegung handelt.

Aufklärung

- Bevor die Besetzungsmacht einen Aufstand bekämpft, wird aufgeklärt.
- Die Aufklärungsorgane arbeiten vornehmlich in Zivilkleidung.
- Die Aufklärung erstreckt sich auf militärische und politische
Verhältnisse.

Es werden folgende Punkte abgeklärt:

a) politische Verhältnisse:
- Welche Sympathie und welche praktische Unterstützung wird den
Aufständischen von der Masse der Bevölkerung zuteil?
- Funktionieren Verwaltung und Polizei noch?
- Welche Haltung nimmt die "Marionettenverwaltung.. ein? Ist sie noch
"hart", oder glaubt sie, der Moment zum Abspringen sei gekommen?

b) militärische Verhältnisse:
- Waffen und Munitionsausrüstung der Aufständischen. Insbesondere, ob
sie über schwere Waffen und Panzerabwehrmittel verfügen.
- Führung der Aufständischen. Werden sie nach militärischen
Gesichtspunkten geführt oder handeln sie dilettantisch?
- Grobe Abmessung des Unruhegebiets. Schwerpunkte. Besetzte Objekte.
Errichtete Sperren usw.

Gliederung der Angriffskräfte

Allgemeines:
- An der Aufstandsbekämpfung beteiligen sich:
a) Besetzungstruppe (reguläre Armee);
b) Parteimilitär (Sicherungsverbände);
c) politische Polizei.
- Die Hauptrolle spielt das Parteimilitär.
- Armee und politische Polizei leisten Hilfsdienste und verstärken die
zahlenmässig zu schwachen Parteiformationen.
- Die Besetzungstruppe stellt ca. 75 %, Parteimilitär und politische
Polizei ca. 25 % der eingesetzten Kräfte.

Gliederung:

Chef der Gesamtaktion
- Absperrkräfte: ca. 30 %, Besetzungstruppe; "Äussere Absperrung" -
"Innere Absperrung"
- Säuberungskräfte: ca. 50 %, Parteimilitär - Politische Polizei -
Einzelne Armeeverbände; Stosstrupps - Feuerunterstützungselemente -
Durchkämmungsdetachemente - Nahreserven
- Hauptreserve: ca. 20 %, Besetzungstruppe

- Chef der Gesamtaktion kann sein:
a) ein höherer Polizeiführer;
b) ein höherer Kommandant des Parteimilitärs;
c) ausnahmsweise ein höherer Armeeoffizier.

Äussere Absperrung:
- Die äussere Absperrung soll unerlaubten Verkehr verhindern und
zugleich die Säuberungskräfte gegen Störungen von aussen schützen.
- Die äussere Absperrung blockiert lediglich die Haupteinfallstrassen
an der Peripherie des Aufstandsgebietes.
Es handelt sich um ein wenig dichtes Netz, das abseits der
Hauptstrassen leicht umgangen werden kann.
- Die einzelne Postierung besteht aus 1-2 Panzern und einer
Infanteriegruppe.

Innere Absperrung:
- Die innere Absperrung soll ein Entkommen der Aufständischen
verunmöglichen. Sie ist daher möglichst dicht und lückenlos.
- Für den Verlauf der innern Absperrung werden Geländesteilen mit
weitem Schussfeld bevorzugt: Parks, Plätze, breite Strassen,
Bahngeleise, Kanäle usw. Dadurch wird Personal zu Gunsten der
Säuberungskräfte eingespart.

Säuberungskräfte:
- Die Säuberungskräfte gliedern sich in Stosstrupps,
Feuerunterstützungselemente, Durchkämmungsdetachemente und
Nahreserven.
- Die Stosstrupps werden von der Armee gestellt und bestehen aus
Infanterie und Schützenpanzern. Sie kämpfen Widerstandsnester nieder.
- Die Feuerunterstützungselemente werden von der Armee gestellt und
bestehen aus einzelnen Panzern, Sturmgeschützen, Panzerabwehrkanonen
und Minenwerfern. Sie helfen den Stosstrupps vorwärts.
- Die Durchkämmungsdetachemente werden vom Parteimilitär und der
politischen Polizei gestellt. Sie säubern das eroberte Gelände.
- Die Nahreserven werden von der Armee gestellt. Sie nähren den
Angriff, riegeln Seitenstrassen ab, führen Gefangene zurück usw.

Kampfführung

- Der Einmarsch in das Unruhegebiet erfolgt während den frühen
Morgenstunden (0200-0400). Die Besetzungsmacht will die Aufständischen
sozusagen "im Bett" überraschen.
- Beim Einmarsch wird der öffentliche Telephonverkehr gesperrt, damit
die Aufständischen keine Meldungen durchgeben können.
- Die Elektrizitäts- und Wasserversorgung im Aufstandsgebiet wird
unterbrochen.
- Mechanisierte Truppen schliessen die Stadt ein, um:
a) ein Entweichen der Aufständischen zu verunmöglichen;
b) die Lebensmittelversorgung zu unterbrechen;
c) Hilfe von aussen zu verunmöglichen.
- Einzelne gepanzerte Stossgruppen dringen den Hauptachsen entlang in
Richtung Stadtkern vor. Sie sollen wichtige Punkte in Besitz nehmen
und die Aufständischen in mehrere getrennte Gruppen aufspalten.
- Die Masse der Infanterie durchkämmt langsam und systematisch die
einzelnen Stadtteile, Häuserblocks und Gebäude.
- Eine motorisierte Hauptreserve wird ausserhalb der Ortschaft
bereitgehalten, um:
a) Ausbruchsversuchen entgegenzutreten;
b) abgekämpfte Einheiten abzulösen;
c) Verluste auszugleichen;
d) die Stosskeile notfalls zu verstärken;
e) besonders hartnäckig verteidigte Widerstandsnester nachträglich zu
Fall zu bringen.
- Die ganze Aktion wird durch Funk, Helikopter und Leichtflugzeuge
geleitet.
Vorgehen in Strassen

Allgemeines:
- Pro grosse Strasse wird eine mit Panzern verstärkte
Schützenkompagnie eingesetzt.
- Die Kompagnie geht mit 2 Zügen in Front vor. Der eine auf der
Strasse selbst. Der andere auf der innern Seite durch Hinterhöfe und
Gärten. Hierzu wird diejenige Seite ausgewählt, die günstigere
Deckungen bietet.
- Der dritte Schützenzug folgt als Kompagniereserve.

Der Spitzenzug:
- Der Spitzenzug geht mit 2 Gruppen in Front vor.
- Je eine Gruppe bewegt sich rechts und links der Strasse den
Häuserfassaden entlang. Formation: Schützenkolonne. Abstand von Mann
zu Mann 5-10 m.
- Die Spitzengruppen schicken je 2 Späher um 50-100 m voraus.
- Die dritte Gruppe folgt mit 50-100 m Abstand auf der günstigeren
Strassenseite nach.
- 1-2 Panzer oder Sturmgeschütze gehen als Feueruntersützung mit der
Infanteriespitze vor.

Die Kompagniereserve :
- Die Kompagniereserve besteht aus:
a) dritter Schützenzug;
b) Mitrailleurzug (4 Mg);
c) 1-2 Panzern oder Sturmgeschützen;
d) allen Schützenpanzern der Kompagnie (8 Stück).
- Bei der Kompagniereserve befinden sich einzelne Beamte der
politischen Polizei.
- Je eine Gruppe des dritten Schützenzuges wird auf beiden
Strassenseiten zum groben Durchsuchen der vom Spitzenzug
überschrittenen Häuser eingesetzt. Die Durchsuchung soll verhindern,
dass der Kampf im Rücken der Kompagnie wieder aufflammt.
- Mitrailleurzug und Schützenpanzer werden verwendet, um in
überschlagendem Einsatz die Seitenstrassen abzuriegeln und so die
Flanken der Kompagnie zu schützen.
- Wenn die Spitze kämpft, treten die Leute in der Tiefe der Kolonne in
die Häuser zurück, um Verluste zu vermeiden.
- Bei jeder die Vormarschrichtung kreuzenden Querstrasse wird kurz
angehalten, um die Ordnung in der Kompagnie wieder herzustellen.
- Das Durchsuchen der Häuser erfordert mehr Zeit, als das Vorprellen
der Spitze. Die Reserve gibt daher das Vormarschtempo an.

Niederkämpfen von Barrikaden und Strassensperren

- Panzer bleiben ausserhalb der Reichweite der Nahkampfmittel (Minen,
Gewehr-Hohlpanzergranaten, Brandflaschen) stehen und zerstören die
Barrikade mit Kanonenfeuer.
- Die Infanterie verlässt die Schützenpanzer und arbeitet sich durch
die beidseitigen Häuserreihen an die Sperre heran. Hierbei werden
bestehende Mauerdurchbrüche in den Luftschutzkellern ausgenützt. Wo
solche fehlen, werden in den obern Etagen neue Durchbrüche erstellt.

Säuberung eines ausgedehnten Objekts (z. B. Fabrikkomplex)

- Das Areal wird umstellt.
- Zufahrtsstrassen werden mit Stacheldraht und Schützen abgeriegelt
(1).
- Panzer fahren demonstrativ auf und überwachen mit ihren Bordwaffen
das Objekt (2).
- Maschinengewehre werden in und auf den Nebengebäuden in Stellung
gebracht, um die Dächer des Angriffsobjekts unter Kontrolle zu halten
(3).
- Stosstrupps - bei ihnen Organe der politischen Polizei - dringen ein
und durchkämmen das Angriffsobjekt (4).
- Verdächtige werden festgenommen und sofort mit bereitgehaltenen
Lastwagen abgeführt (5).
- Eine Eingreifreserve lauert in der Nähe, um:
a) Verhaftete in Empfang zu nehmen und zu bewachen;
b) notfalls die Stosstrupps zu verstärken (6).
- Lautsprecherwagen fahren auf und geben die Weisungen der
Besetzungsmacht an die Aufständischen weiter (7).
- Scheinwerfer werden in Stellung gebracht, um die Säuberungsaktion
notfalls auch bei Nacht weiterführen zu können (8).

Besetzen der Stadt nach unterdrückter Unruhe oder niedergeworfenem
Aufstand

Allgemeines:
- Nach dem Sieg über die Aufständischen muss die Bevölkerung
niedergehalten werden.
- Wir unterscheiden:

Taktische Massnahmen: - Schaffung einer Sperrzone - Schaffung von
AussenStützpunkten - Einsatz von Patrouillen
Administrative Massnahmen: - Verhängung des Ausnahmezustandes -
Entwaffnung

Sperrzone:
- Die "Sperrzone" dient den Besetzungsbehörden als Rückhalt.
- In der Sperrzone wird die Besetzungstruppe von der Bevölkerung
streng getrennt untergebracht. Grund:
a) Truppe kann weniger leicht überfallen werden;
b) Truppe kann der politischen Beeinflussung durch die Bevölkerung
entzogen werden.
- Die Sperrzone wird so gewählt, dass sich wichtige Objekte (z. B.
Verwaltungs- oder Regierungssitze) in ihrem Innern befinden und
dadurch automatisch geschützt sind.
- Die Sperrzone wird an der Peripherie durch einzelne Schildwachen
(Postenketten) gesichert.
- Die Posten kette wird so rasch als möglich durch
Stacheldrahthindernisse ersetzt. Diese sind wirksamer und sparen
Leute.
- Die einzelnen Posten werden mindestens 30 m hinter dem Hindernis
aufgestellt, damit sie sich nicht mit der Menge unterhalten können.
Die Soldaten sind so der politischen Beeinflussung durch die
Bevölkerung entzogen.
- Die Posten stände werden durch Sandsackwälle geschützt.
- Vor dem Überschreiten der Drahthindernisse wird mit Tafeln gewarnt.
Wer einzudringen versucht, wird ohne Warnung niedergeschossen.

Aussen-Stützpunkte:
- Im Vorfeld der Sperrzone werden Stützpunkte gebildet, welche:
a) ein wichtiges Objekt (Brücke, Strassenkreuzung, Platz usw.)
beherrschen;
b) den Patrouillen Rückhalt bieten.
- Von Aussen-Stützpunkten wird nur sparsam Gebrauch gemacht, um die
Kräfte nicht zu zersplittern. Grundsatz: Lieber wenige, dafür aber
starke Postierungen!
- Die Aussen-Stützpunkte werden in feste, leicht zu verteidigende
Gebäude gelegt und verdrahtet.
- Aussen-Stützpunkte haben Zugsstärke und werden immer von einem
Offizier befehligt.

Patrouillen:
- Patrouillen sollen demonstrieren und abschrecken.
- Wir unterscheiden "kleine Patrouillen" und "grosse Patrouillen".
- Die kleinen Patrouillen überwachen die nähere Umgebung der
Sperrzone.
- Die grossen Patrouillen überwachen das gesamte Stadtgebiet und
halten die Verbindung mit den Aussen-Stützpunkten aufrecht.
- Die kleine Patrouille besteht aus einem einzelnen Fahrzeug (1
Schützenpanzer oder 1 Panzer mit aufgesessener Schützengruppe).
- Die grosse Patrouille besteht aus 2 Fahrzeugen (1 Panzer + 1
Schützenpanzer).
- Patrouillen werden ausnahmslos von Offizieren geführt.
- Nur die besten, d. h. rücksichtslosesten und schiessfreudigsten
Offiziere werden als Patrouillenführer eingesetzt. Sie sollen:
a) eine Kontaktnahme zwischen Soldaten und Bevölkerung verhindern;
b) sicherstellen, dass sich die Mannschaft von einer Menschenmenge
nicht entwaffnen lässt, sondern notfalls lieber Frauen und Kinder
niederschiesst oder mit dem Panzer überfährt.
- Patrouillen fahren in der Strassenmitte. Jedem Patrouillenmitglied
wird ein bestimmter Beobachtungssektor zugewiesen.
- Patrouillen sind gefährlicher als grosse, geschlossene Verbände,
weil sie aus Furcht rasch schiessen.

Ausnahmezustand:
- Durch Flugblattabwurf, Plakatanschlag, Lautsprecherwagen und Radio
wird der "Ausnahmezustand" verhängt.
- Der Ausnahmezustand umfasst in der Regel folgende Massnahmen:
1. Schliessung der Gaststätten und Vergnügungslokale vor
Nachteinbruch.
2. Ausgehverbot bei Nacht.
3. Verbot von Ansammlung von mehr als 10 Personen.
4. Verbot von Zusammenkünften (Klubs, Vereine).
5. Einsetzen von Kriegs- und Schnellgerichten.
6. Bekanntmachung, dass jeder mit der Waffe in der Hand angetroffene
sofort erschossen wird.
7. Alle Fensterläden auf der Strassenseite müssen geöffnet werden.
Alle Fenster dagegen geschlossen bleiben. In geöffnete Fenster wird
ohne Warnung geschossen.
8. Alle Haustüren, Kellertüren und Estrichtüren müssen geschlossen
bleiben.
Fremde Personen dürfen nur nach Kontrolle eingelassen werden. Für
eventuelle feindselige Handlungen dieser Personen gegen die
Besetzungsmacht haften Hausbesitzer und Hausbewohner solidarisch.

Entwaffnung:
- Für die Ablieferung von Waffen und Munition wird eine Frist
angesetzt, bis zu welcher Straflosigkeit zugesichert wird. Diese wird
vorerst auch eingehalten, um niemand abzuschrecken.
Falle auf diesen Trick nicht herein. Wer Waffen abliefert, kommt auf
die schwarze Liste und wird später, wenn Geiseln oder Arbeitssklaven
benötigt werden, geholt. Du siehst einmal mehr, dass man dem Netz des
Gegners nicht entgehen kann, und deshalb besser kämpfend untergeht!
- Nach Ablauf der gesetzten Frist werden Hausdurchsuchungen und
Strassenkontrollen durchgeführt. Wer dann noch Waffen besitzt, wird
deportiert oder erschossen.

SCHLUSSWORT

"Nie kapitulieren!"

- Unser Gegner vertritt ein totalitäres Regime. Dieses greift so tief
in die persönliche Sphäre jedes Einzelnen ein, dass der Kampf
unmöglich durch die Niederlage der Armee beendet sein kann.
- Unterwerfung würde Selbstaufgabe bedeuten und fällt daher nicht in
Betracht. Der Kampf muss bis zur Vernichtung der einen oder andern
Partei weitergeführt werden. Eine andere Lösung gibt es nicht!

- Wenn zwei Gegner sich bis zum Äussersten bekämpfen - und das ist
immer dann der Fall, wenn es um. die Weltanschauung geht -, kommt es
in der Endphase unweigerlich zum Kleinkrieg und zivilen
Widerstandskampf.
- Wer als militärischer Führer den Kleinkrieg gering schätzt oder gar
missachtet, begeht einen Fehler, weil er die Kraft des Herzens nicht
einkalkuliert.
- Die letzte, und es sei zugegeben, grausamste Schlacht wird von den
"Zivilisten" durchgekämpft. Sie steht im Zeichen der Deportationen,
Galgen und Konzentrationslager.
- Wir werden diese Schlacht bestehen, weil jeder Schweizer und jede
Schweizerin zuhinterst im Herzen - auch wenn sie zu spröde und zu
nüchtern sind, dies im Alltag zuzugeben oder gar auszusprechen - an
das alte und doch wieder brennend aktuelle Wort glauben:

"Es ist besser stehend zu sterben, als kniend zu leben!"

Major von Dach

ANHANG

Ladungsberechnungen

Ladungsberechnung für Holzsprengungen

Formel:
- Die Ladungen berechnest du nach folgender Formel: L = D2.
L = Ladung in Gramm Sprengstoff.
D2 = a) für Rundholz: Durchmesser in Zentimetern;
b) für Kantholz: längere Seite in Zentimeter.
- Zuschläge: Für Durchmesser über 30 cm 1/3 der errechneten Hartholz
oder stark rissiges Holz 1/3 der errechneten Ladung.

Praktische Beispiele für Rundholz:
- Tanne von 20 cm Durchmesser: D2 = 20 X 20 = 400 g Sprengstoff
- Tanne von 40 cm Durchmesser: D2 + 1/3 = 40 X 40 + 530 = 2130 g
Sprengstoff
- Buche von 25 cm Durchmesser: D2 + 1/3 = 25 X 25 + 208 = 833 g
Sprengstoff
- Eiche von 40 cm Durchmesser: D2 + 1/3 + '/3 = 40 X 40 + 530 + 530 =
2660 g Sprengstoff

Praktische Beispiele für Kantholz:
- Tannenbalken 30/20 cm: D2 = 30 X 30 = 900 g Sprengstoff
- Tannenbalken 40/20 cm: D2 + 1/3 = 40 X 40 + 530 = 2130 g Sprengstoff
- Eichenbalken 20/15 cm: D2 + 1/3 = 20 X 20 + 130 = 530 g Sprengstoff
- Eichenbalken 40/30 cm: D2 + 1/3 + '/3 = 40 X 40 + 530 + 530 = 2660 g
Sprengstoff

Ungerade Ergebnisse werden immer abgerundet. da die Formel bereits
überladen ist!

Ladungsberechnung für Eisensprengungen

Formel:
- Die Ladungen berechnest du nach folgender Formel: L = 25 X F.
L = Ladung in Gramm Sprengstoff.
F = Querschnitt in Quadratzentimetern. Pro Quadratzentimeter benötigt
man 25 g Sprengstoff.
- Bei Eisensprengungen denkt man sich das zu sprengende Profil in die
einzelnen Teile zerlegt.

Praktisches Beispiel Nr. 1:

Eisenstab 2/2 cm
L = 2 X 2 = 4cm²
4 cm² X 25 g = 100 g Sprengstoff

Praktisches Beispiel Nr. 2:

Doppel-T-Balken: L = 25 X F
Fläche 1 3 X 25 = 75 cm²
Fläche 2 2 X 15 = 30 cm²
Fläche 3 2 X 18 = 36 cm²
141 cm² X 25 g = 3525 g Sprengstoff
Abgeschrägte Flächen werden der Einfachheit halber als voll berechnet!

Praktisches Beispiel Nr. 3:

Panzertüre von 2 cm Dicke. Du willst ein Loch von 7 X 7 cm
heraussprengen, um nachher eine Handgranate ins Innere werfen zu
können.

L = 25 X F
F = 2 X 7 = 14 c.m2
14 cm² X 25 g = 350 g Sprengstoff

Drahtseil

Sprengen von Drahtseilen

A Durchmesser des Drahtseils - Ladung Plastit - B Dicke - C Länge der
Ladung der Ladung

2 cm - 200 g - ca. 2,5 cm - 8cm
2,5 cm - 400 9 - ca. 2,5 cm - 13 cm
3 cm - 600g - ca. 2,5 cm - 17 cm
4 cm - 1000 g - ca. 2,5 cm - 28 cm
4,5 cm - 1400 g - ca. 2,5 cm - 35 cm
5 cm - 1800 g - ca. 2,5 cm - 46 cm

Rundeisen gleichen Durchmessers benötigen nur rund 50 % der oben
errechneten Sprengstoffmengen.

Anmerkung

Die praktische Sprengerfahrung zeigt, dass die angeführten Militär-
Sprengformeln stark überladen sind. Grund:
Die Armee "geht auf sicher!" Die Sprengung soll auch unter erschwerten
Umständen sowie bei kleinen Berechnungsfehlern sicher gelingen.
Hierfür wird ein erhöhter Sprengmittelverbrauch in Kauf genommen.
Kleinkriegsverbände leiden unter ständigem Munitionsmangel. Du kannst
deshalb von der nach Militärformel errechneten Sprengstoff menge bis
zu 30 % abziehen (einsparen), ohne dass die Sprengung deshalb
misslingt. Allerdings bleibt dann keine Sicherheitsmarge mehr und du
musst sehr sorgfältig arbeiten.

*****
Vom gleichen Verfasser sind erschienen:

Gefechtstechnik Band I: Unterkunft - Wachtdienst - Transporte und
Märsche - Gruppen- und Zugführung - Geländeverstärkungen

Gefechtstechnik Band II: Ortskampf - Waldkampf - Kampf um
Befestigungen - Kampf im Gebirge - Die Abwehr subversiver Angriffe

Gefechtstechnik Band III: - Nachtkampf - Kampf im Winter - Kampf um
Gewässer - Panzer-Nahbekämpfung - Die Bekämpfung von Luftlandetruppen

Gefechtstechnik Band IV: Angriff - Verteidigung

Gefechtstechnik Band V: Hinhaltender Kampf und Verzögerung - Rückzug -
Die Kampfführung vom Gegner eingeschlossener Truppen - Atomwaffen -
Die Gliederung moderner ausländischer Streitkräfte (Dargestellt am
Beispiel Sowjet-Russland) - Das Kampfverfahren des überlegenen Gegners

Zu beziehen beim Verlag SUOV, Mühlebrücke 14, 2502 Biel
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