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Hepatitis C Infektionen

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Coordinat. geg. Bayer-Gefahren

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Dec 14, 1999, 3:00:00 AM12/14/99
to
"In mir tickt eine Bombe"
BAYER verweigert Entschädigung für Hepatitis C-Infizierte

Mindestens 3.000 Bluter wurden zwischen 1976 und 1984 mit
dem tödlichen Hepatitis C-Virus infiziert. Dabei wäre die
Katastrophe vermeidbar gewesen.

Von Hubert Ostendorf

Irmgard Schwert aus Syke wurde 1979 an der Gebärmutter
operiert. Dabei traten starke Blutungen auf, die mit Blutkonserven
behandelt wurden. Die Transfusionen waren mit dem Hepatitis C-
Virus verseucht. Dringt der Keim in die Leberzellen ein, zerstört er
sie und schränkt die Funktionen des Stoffwechselorganes immer
mehr ein. Mit der Zeit kann sich eine Zirrhose entwickeln, die zum
Tod führt. "Ich weiß nicht, wie lange ich noch lebe", klagt Irmgard
Schwert. "In mir tickt eine Zeitbombe."
Auch Stefan Vogel aus Berlin wurde durch Blutprodukte mit
Hepatitis C infiziert. Der junge Bluter wollte Zahnarzt werden.
Aus Angst davor, seine zukünftigen PatientInnen anzustecken,
brach er sein Studium ab. In seinen schwersten Stunden hat ihn
zudem noch seine Freundin verlassen, weil sie eine Infektion mit
dem Virus fürchtete. Vogel kämpft nun zusammen mit dem
Hamburger Rechtsanwalt Dr. Jürgen Schacht gegen BAYER und
andere Unternehmen für eine Entschädigung.
Deutsche Pharmahersteller, die ungetestete Produkte auf den
Markt gebracht haben, sind nach Ansicht von Gerhard Scheu
(CSU), Vorsitzender des 3. AIDS-Untersuchungsausschusses des
Bundestages, "zivilrechtlich haftbar" (SPIEGEL 33/1999). Nach
Angaben der Deutschen Hämophilie-Gesellschaft (DHG) sind
allein in Deutschland zwischen 1976 und 1984 mindestens 3.000
Bluter mit Hepatitis C infiziert worden. Derzeit gibt es über
200.000 Hepatitis-Kranke in der Bundesrepublik. Viele wissen gar
nicht, dass sie das Virus im Körper haben, da die ersten Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit - unspezifisch sind und bis zum
Ausbruch der Krankheit Jahre vergehen können.
Die meisten Blut-Produkte wie etwa KOATE von BAYER
wurden in den siebziger und achtziger Jahren aus den USA
importiert und dort sowie in Mexiko und Nicaragua unter
unwürdigen Bedingungen gegen Bargeld aus den Adern von
Armen, Kranken, Ex-Sträflingen, AlkoholikerInnen und anderen
"Randgruppen" gepresst. Gerade Menschen der Unterschicht
halfen sich aus wirtschaftlichen Nöten mit bis zu zweimal
wöchentlichen Plasmaspenden heraus. Viele von ihnen sind mit
HIV und Hepatitis infiziert gewesen. Da der gelbe Saft zu einem
Pool von etwa 30.000 Spenden vermischt wurde, war das Risiko
der Verbreitung von Erregern extrem groß, denn bereits eine
einzige kontaminierte Einheit kann sich auf die gesamte Charge
verteilen.
Rechtsanwalt Jürgen Schacht erläutert die Gründe für die Bluternte
in den USA: "Man konnte dort den Rohstoff sehr billig ankaufen
und durch das Deutsche Krankenkassensystem extrem teuer
verkaufen." Schacht folgert: "Die Blutprodukte sind einer der
profitabelsten Marktsegmente gewesen."
In Deutschland ist seit 1968 ein Standard-Test, der sog. ALT-Test,
vorgeschrieben, der für die aus den USA importierten Produkte
nicht eingehalten wurde. Der ALT-Test sei umstritten gewesen
und deshalb nicht angewendet worden, erläutert BAYER-
Sprecherin Christine Senert und präsentiert ein entsprechendes
(Auftrags-)Gutachten von Prof. Lutz Gürtler, Direktor des Instituts
für medizinische Mikrobiologie der Universität Greifswald.
Dagegen kommt Prof. Peter Hanfland, Direktor des Instituts für
Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin der
Universität Bonn, zu der Auffassung, dass der ALT-Test durchaus
sinnvoll gewesen sei. Mit ihm könnten erhöhte Leberenzymwerte
bestimmt werden, die ein Anzeichen für eine Hepatitis-Infektion
seien. Insbesondere Bluter mit einem geringen Bedarf an
Gerinnungsmitteln, wie etwa Stefan Vogel, hätte die konsequente
Anwendung des ALT-Testes vor einer Infektion bewahren können.
In diesem Zusammenhang muss den zuständigen Behörden,
insbesondere dem ehemaligen Bundesgesundheitsamt (BGA), das
nach Bekanntwerden des AIDS-Skandals vom damaligen Minister
Horst Seehofer (CSU) spektakulär aufgelöst worden ist, erneut der
Vorwurf der Schlamperei und Kumpanei mit der Pharma-Industrie
gemacht werden. Rechtsanwalt Schacht spricht von einer
"unverantwortlichen Verletzung der Aufsichtspflicht". Der
ehemalige Staatsanwalt im Holzgiftprozess gegen Manager von
BAYER-DESOWAG, Dr. Erich Schöndorf, hat nachgewiesen,
dass die meisten vom BGA beauftragten Sachverständigen
gleichzeitig im Dienst der Industrie standen. Schöndorf wörtlich:
"Nicht wenige von ihnen sind finanziell abhängig; das Ergebnis der
Gutachten ist vorhersagbar." (siehe auch Edi in diesem Heft) In der
Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Hersteller
krankmachender Präparate sich bei der Abwehr von
Schadensersatzansprüchen ausgerechnet auf die Zulassung des
Bundesgesundheitsamtes berufen haben.
Darüber hinaus haben die Pharmafirmen die bekannten Risiken
ganz dreist in die Produktinformationen hinein geschrieben. Der
Beipackzettel des BAYER-Produktes KOATE etwa beweist, dass
das Infektionsrisiko beim Konzern durchaus bekannt gewesen ist.
Noch 1983 heißt es darin: "Das Vorliegen des Hepatitis-Virus' ist
anzunehmen." Welch ein Widersinn, dass im Kleingedruckten
dennoch ausgerechnet "für Patienten mit mittelschwerer oder
schwerer Hämophilie, die v i e l e Infusionen erhalten, das
Hepatitis-Risiko als gering erachtet" wird. "Dies ist eine bewusste
Irreführung der PatientInnen", kritisiert Axel Köhler-Schnura vom
Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN
(CBG). Geradezu zynisch sei die Argumentation von BAYER und
der Pharma-Industrie, dass die Hepatitis-Infektionen
"unvermeidbar" und "wegen des überragenden Nutzens ... in Kauf
genommen werden mussten." Die Aussage, dass "die
Gerinnungspräparate von BAYER jederzeit dem Stand der
medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprochen haben",
hält Köhler-Schnura für eine dreiste Lüge und verweist auf eine
Studie, die der Abgeordnete Gerhard Scheu ausgegraben hat.
Scheu in einem Fernsehinterview: "Das Institute of Medicine der
US-Academy of Science kommt zu der Erkenntnis, dass die
Inaktivierung der Hepatitis C-Viren allzeit, auch vor 1980,
möglich war." Wie auch bei dem Skandal um AIDS-verseuchte
Blutprodukte hat BAYER ein entsprechendes Verfahren aber erst
1983/84 eingeführt. Scheu gegenüber dem SPIEGEL: "Der Patient
war einfach Teil eines großen Feldversuches." Dennoch behauptet
die Blut-Industrie beharrlich, man habe stets "an der Verbesserung
der Produkte gearbeitet." Die betroffenen Hersteller "weisen
(daher) alle Schuldzuweisungen zurück". Und:
"Haftungsansprüche sind nicht zu begründen."

Entschädigung, sofort!
In den 80er Jahren wurden allein in Deutschland mindestens 1.400
Hämophile mit HIV infiziert. Ein Fonds aus Mitteln der
Bundesregierung und der Pharmaindustrie stellte (lächerliche) 250
Mio. Mark an Abfindungen (bei gleichzeitigem Klage- und
Haftungsausschluss) zur Verfügung. In den USA und Japan
hingegen wurden dagegen immerhin Schadensersatzansprüche in
Millionenhöhe durchgesetzt. Der japanische Gesundheitsminister
musste zurück treten, die verantwortlichen BAYER-Manager
fielen vor den Opfern als Anerkenntnis ihrer Schuld auf die Knie.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert:
* Umfangreiche Entschädigung aller AIDS- und Hepatitis C-Opfer
und aller Hinterbliebenen (mindestens 1 Mio. Mark pro Fall)
* Beweislastumkehr: Die Hersteller müssen beweisen, dass ihre
Produkte eine Infektion n i c h t verursacht hat, nicht umgekehrt
* sichere Produkte, sichere Produktion
* Öffentlicher Zugang zu allen industrie-internen
Geheimunterlagen, die das Ausmaß der Katastrophe belegen
* Bestrafung der verantwortlichen Manager auf Vorstands- und
Aufsichtsratsebene bei BAYER


Der Tod aus dem BAYER-Labor
Der AIDS-Skandal erschütterte die Republik. Der BAYER-
Konzern hat viele tausend Menschen mit verseuchtem Blut
infiziert. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN
hat - auch auf den BAYER-Hauptversammlungen - frühzeitig vor
den Gefahren gewarnt. Eine Dokumentationen unserer Artikel und
Aktionen ist für 19 Mark incl. Porto unter 0211/333911 zu
bestellen.

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* Vorabdruck aus STICHWORT BAYER, Ausgabe 4/99 *
* Zeitschrift der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. *
* Internationales Netzwerk seit 1983 *
* Für Anfragen, Kontakte und kostenloses Probeabo: *
* CBG, Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf *
* Tel: 0211-333 911 Fax: 0211-333 940 *
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