GREENPEACE ENERGY (E.G.) I.G., HAMBURG
Nichts waescht gruener
- Einkaufsgenossenschaft fuer sauberen Strom
Die Belieferung von moeglichst vielen Menschen mit
garantiert sauberer Energie ohne Atom- und
Kohlestrom und zu fairen Preisen ist Ziel der
Greenpeace energy e.G. i.G., einer in Gruendung
befindlichen Einkaufsgenossenschaft fuer sauberen
Strom. Mit Investitionen in neue saubere
Energieerzeugungsanlagen soll dem
umweltfreundlichen Strom in Deutschland zum
Durchbruch verholfen werden.
Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Seit April 1998 ist
der deutsche Strommarkt liberalisiert. Jeder Verbraucher
kann sich seitdem - zumindest theoretisch - seinen
Stromversorger frei waehlen. Dies ist eine Chance und ein
Risiko fuer den Aufbau einer nachhaltigen Stromversorgung. Bei
der Schaffung neuer politischer Rahmenbedingungen muss darauf
geachtet werden, dass der Wettbewerb fair und nicht auf
Kosten der Umwelt ausgetragen
wird.
Diese Voraussetzungen sind weder politisch noch praktisch
gegeben. Der Gesetzgeber hat es versaeumt, einen
rechtlichen Rahmen zu schaffen, der die Netzbesitzer
verpflichtet, das Stromnetz fuer alle zu fairen Bedingungen
zu oeffnen. Kleine Stromlieferanten, wie die Erzeuger
umweltfreundlicher Energien, und kleine Abnehmer, wie
Haushaltskunden, haben das Nachsehen. Hohe
Durchleitungsgebuehren und komplizierte Auflagen durch die
Netzbesitzer machen die Netze fuer sie nur unter erschwerten
Bedingungen passierbar.
Aktion Stromwechsel
Greenpeace startete im Sommer 1998 die "Aktion Stromwechsel".
Ziel war es, Verbrauchern die Moeglichkeit zu geben, zu einem
umweltfreundlichen Stromversorger zu
wechseln. Im Rahmen der "Aktion Stromwechsel" hat
Greenpeace das Produkt "sauberer Strom" entwickelt
und durch Oeffentlichkeitsarbeit auf dem Markt bekannt
gemacht. Mit dem "Netzzugangskonzept fuer sauberen
Strom" wurde ein praktikabler Loesungsansatz zur Regelung der
Durchleitung von umweltfreundlichem Strom
vorgelegt.
In der politischen Diskussion spielt diese Initiative seitdem
eine zentrale Rolle. Im Verlauf der Aktion erklaerten
mehr als 60.000 Haushalte gegenueber der Umweltorganisation
schriftlich, zu einem oekologischen Stromversorger wechseln zu
wollen. Ueber eine bundesweite Ausschreibung wurden
Unternehmen fuer die Belieferung des
Greenpeace-Bueros in Hamburg gesucht, die in der Lage
sind, die entwickelten Vorgaben fuer die Lieferung von
sauberem Strom zu erfuellen. Die Umweltorganisation entschied
sich fuer eine Kooperation mit drei Unternehmen -
zwei Windparkbetreibern und einem Stadtwerk. Das
Greenpeace-Buero wird von dieser Arbeitsgemeinschaft
zur Zeit mit sauberem Strom versorgt.
Genossenschaftlicher Einkauf
Die alten Energieversorger haben mit ihrer jahrzehntelangen
Produktion von Atomstrom gegen den mehrheitlichen Willen der
Bevoelkerung viel Vertrauen verspielt. Mit
dem neuen Ansatz koennen die Verbraucher nunmehr
selbst ueber ihren Energiemix der Zukunft bestimmen.
Mit einem Genossenschaftskonzept will Greenpeace
Verantwortung fuer seine eigenen Aktivitaeten sichern: die
Kunden mit sauberem Strom versorgen. Die gewaehlte
Unternehmensform ist dafuer die beste Form. Mit ihr kann es
gelingen, Verbrauchermacht zu buendeln und eine laengst
ueberfaellige neue und umweltvertraegliche Energiepolitik
in die eigenen Haende zu nehmen.
Letztlich stellt die Genossenschaft eine Kampfansage
dar an die alten Energieversorger mit ihren gefaehrlichen
Atomkraftwerken und klimazerstoerenden Kohlekraftwerken. Dabei
gewaehrleistet die gewaehlte Organisationsform
den Kunden Kontrolle und Qualitaetssicherung des gelieferten
Stromes. Sie
* buendelt die Interessen umweltbewusster Stromkunden;
* kontrolliert den Einkauf von sauberem Strom;
* organisiert die Nachfrage nach sauberem Strom;
* sichert die Qualitaet des gelieferten Stroms durch einen
unabhaengigen Gutachter;
* kontrolliert den Zubau neuer umweltfreundlicher Anlagen zur
Stromerzeugung;
* setzt ein starkes politisches Signal fuer eine
verantwortungsvolle Energiepolitik.
Transparenz durch Kontrolle
Was wird das Besondere an der Greenpeace energy eG?
Das ist "Sauberer Strom": 2/3 weniger Kohlendioxid -
kein Atomstrom. Sauberer Strom, dies sind mindestens
50 Prozent Strom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse und
maximal 50 Prozent Strom aus klimaschonenden
Kraft-Waerme-Kopplungsanlagen
(KWK) auf Basis von Gas. Der Solarstromanteil soll mindestens
ein Prozent betragen. Vorgesehen ist, die
Herkunft und die Menge des gelieferten Stroms durchgehend
elektronisch zu ueberwachen und durch einen unabhaengigen
Gutachter kontrollieren zu lassen. Die Ergebnisse
werden regelmaessig veroeffentlicht
und fuehren zum glaesernen Strom.
Geliefert wird der saubere Strom
rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
Im Sinne einer Vollversorgung gewaehrleistet die angebotene
Dienstleistung allen Kunden eine sichere und
zuverlaessige Stromversorgung. Damit kann sich eine
Verbraucherin
bzw. ein Verbraucher von den alten
Energieversorgern trennen. Das bedeutet, nicht ein bisschen
weniger
Atomstrom, sondern der einzelne
kann sich konsequent von den Atomstromerzeuger abkoppeln. Der
persoenliche Atomausstieg wuerde zur
Wirklichkeit werden.
Ein weiterer Vorteil der Greenpeace energy ist die strenge
Neubauregelung fuer Anlagen zur Stromerzeugung aus Wind,
Wasser, Sonne, Biomasse und Kraft-Waerme-Kopplung.
Angestrebt wird, alle Kunden aus
neuen Anlagen zu beliefern. Sie tragen so direkt zum Bau
neuer, sauberer Stromquellen bei, die den Atomstrom
verdraengen helfen.
Nutzer und Eigentuemer zugleich
Die Genossenschaft soll dabei nicht nur als Stromlieferant
agierten. Der Verbraucher kann gleichzeitig auch
Mitglied bei der Genossenschaft werden. Moeglich ist dies
schon mit einer einmaligen Einlage von 100 DM. Ueberschuesse
werden dann im Wege der genossenschaftlichen
Rueckverguetung steuerfrei zurueckgezahlt, so zumindest
die Einschaetzung von Greenpeace. Oder das Geld wird fuer
weitere oekologische Projekte, wie z.B. den Neubau von Anlagen
verwendet. Bei Kuendigung der Mitgliedschaft erhaelt ein
Mitglied seine Geschaeftsanteile zurueck.
Voraussichtlich ab Januar 2000 kann sauberer Strom
von der Stromeinkaufsgenossenschaft bezogen werden.
Dies ist allerdings kein Billigstrom, sondern sauberen
"Qualitaetsstrom" fuer 34,95 Pfennig pro Kilowattstunde
und 9,90 Mark Grundgebuehr. Die Betreiber der Stromnetze
berechnen zusaetzlich noch einen sogenannten Messpreis. Die
geforderten Kosten schwanken zwischen 60 DM
und 80 DM jaehrlich. Die Genossenschaft berechnet pauschal 65
DM jaehrlich. Alle Preise sind bereits inklusive
Mehrwertsteuer berechnet.
Organisation der Genossenschaft
Die Genossenschaft setzt sich zusammen aus einem Vorstand
bestehend aus zwei Personen und einem Aufsichtsrat mit fuenf
bis maximal neun Personen. Gewaehlt wird
der Aufsichtsrat, der den Vorstand bestimmt, von den
Mitgliedern auf der jaehrlichen Genossenschaftsversammlung.
Aus technischer Sicht waere eine Versorgung von
ueber 100.000 Kunden im ersten Jahr moeglich. Bei den
Wirtschaftlichkeitsberechnungen fuer die Genossenschaft
wurde allerdings nur die Zahl von 5.000 Kunden im ersten Jahr
zugrunde gelegt.
Eine zuverlaessige Stromversorgung soll gewaehrleistet
werden, indem im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages die
Stadtwerke Schwaebisch Hall alle erforderlichen
Massnahmen zur Vollversorgung der Stromkunden
durchfuehren. Dies schliesst die Beantragung der Durchleitung
von Strom, die Abstimmung der Stromproduktion
mit dem jeweiligen Stromverbrauch und die Bestimmung des
tatsaechlichen Stromverbrauches fuer die Abrechnung mit den
Kunden ein. Die Genossenschaft
stimmt Liefervertraegen nur mit Stromerzeugungsanlagen zu, die
den von Greenpeace aufgestellten strengen
Kriterien entsprechen. Ueber die Zusammenarbeit mit
dem erfahrenen Stadtwerk wird die Zuverlaessigkeit der
Stromversorgung sichergestellt.
Sauberer Strom
Sauberer Strom ist nach den Kriterien von Greenpeace
frei von Atomstrom und klimafreundlich. Er weist pro
Kilowattstunde gegenueber dem derzeitigen Strommix in
Deutschland zwei Drittel weniger klimarelevante
Kohlendioxid-Emissionen (co2) auf: maximal 230 Gramm pro
Kilowattstunde. Erreicht wird dies unter anderem durch
den Mix verschiedener erneuerbarer Energietraeger.
Der saubere Strom selbst weist gegenueber anderem
Strom die exakt gleichen Gebrauchseigenschaften auf.
Er soll zu einem Preis von 34,95 Pf/kWh zzgl. 9,90 DM
Grundgebuehr pro Monat verkauft werden. Zusaetzlich werden pro
Jahr 65 DM den von den Stromnetzbetreibern zusaetzlich
geforderten Messpreis erhoben. Die vorgesehene
Zusammensetzung des Strompreises veranschaulicht die
untenstehende Grafik.
Stromeinkauf und Verwaltung
Mindestens 50 Prozent des Stromes
wird aus regenerativen Energiequellen eingekauft. Die vom
Statistischen Bundesamt fuer das Jahr
2000 nach dem Stromeinspeisungsgesetz vorgesehenen Preise
differieren je nach Anlagentyp zwischen 16,1 Pf/ kWh und 14,3
Pf/kWh. Strom aus Kraft-Waerme-Kopplungsanlagen kann etwas
guenstiger eingekauft werden. Neben dem Stromeinkauf entstehen
der Genossenschaft Kosten fuer die
Verwaltung, fuer die Kontrolle des
Stromes und die Werbung.
Die Hoehe der zu zahlenden Konzessionsabgabe haengt von der
Einwohnerzahl der Gemeinde ab. Sie
liegt fuer Haushaltskunden zwischen 2,6 Pf/kWh (Kleinstadt)
und
4,69 Pf/kWh. (Grossstadt wie z.B.
Hamburg). Die Gebuehr fuer die Nutzung der Stromnetze betraegt
im
bundesweiten Mittel derzeit rund
11 Pf/kWh. Ab dem 1. Januar 2000
wird aller Voraussicht nach eine
neue Regelung in Kraft treten. Es
Derzeit ist noch unklar, ob die Kosten dann sinken werden.
Hinzu
kommen die Oekosteuer. Sie wird seit dem 1.4.1999 pauschal auf
alle Stromverkaeufe erhoben - auch auf Oekostrom.
Gesicherte Stromlieferung
Die Stromproduktion ist ueber eine computergesteuerte Zentrale
automatisch an den Stromverbrauch der Kunden angepasst. Jede
Erzeugungsanlage wird ueber eine Fernabfrage
ueberwacht. Das unabhaengige Ingenieurbuero B.E.T. in Aachen hat
Zugriff auf saemtliche Daten und ueberprueft regelmaessig die
Einhaltung der Stromzusammensetzung. Ausserdem werden immer
wieder stichprobenartig Kontrollen bei
den Betreibern der Anlagen durchgefuehrt. Hier wird ueberprueft,
ob die Anlagen auch alle erforderlichen Genehmigungen und
Umweltauflagen erfuellen.
Prinzipiell koennen alle Verbraucher von Strom auch
Kunden der neuen Genossenschaft werden. Gegenwaertig
kann es vor allem in Ostdeutschland noch Probleme bei der
Durchleitung von Strom geben, weil einige Stromkonzerne
noch eine Blockadehaltung einnehmen. Zwar waere die Versorgung
von Haushalten mit elektrischen Nachtspeicherheizungen
moeglich, einen Sondertarif kann und will die Greenpeace
energy e.G. i.G. dafuer jedoch nicht anbieten, weil sie
aus oekologischer Sicht unsinnig sind.
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Verband der regenerativen Energiewirtschaft
Die Verbesserung der Marktbedingungen fuer
"Gruenen Strom" will der Mitte des Jahres gegruendete Verband
der regenerativen Energiewirtschaft (VREW) erreichen. Hierzu
gehoeren
ungehinderter Zugang zum Netz fuer Strom aus
Biomasse, Wind-, Wasser- und Sonnenkraft.
Auch fuer eine Befreiung von der Oekosteuer fuer
"Gruenen Strom" macht sich der Verband
stark. Weitere Informationen: VREW, Europahaus, Ziegelteich
29, D-24103 Kiel.
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BROSCHUERE
Wie koennen Wohnungsbaugenossenschaften und ihre Mieter
von der Oeffnung des Strommarktes profitieren?
Mit einer uebersichtlichen und fundiert geschriebenen
Informationsschrift stellt der Verband der Wohnungswirtschaft
in Niedersachsen und Bremen e.V.
eine gute Anleitung fuer Wohnungsunternehmen
und Genossenschaften zur Verfuegung. Mit dieser
werden den Unternehmen Aktions- und Handlungsmoeglichkeiten an
die Hand gegeben, fuer ihre Mieter
bessere Konditionen im liberalisierten Energiemarkt
herauszuholen. Als Schritte werden empfohlen:
* Informationen beschaffen
* Verhandlungen mit dem bisherigen Versorger
* Marktmacht durch Poolbildung
* Zugehen auf neue Anbieter.
Auch werden eine Reihe weiterer Handlungsmoeglichkeiten
beschrieben wie Zaehlerablesedienste,
Einkaufsverein, Einkaufsgenossenschaft, Wohnungsunternehmen
als Makler oder als Haendler, Eigenversorgung, Vollversorgung
und Kooperation.
Mehrere Informationsgraphiken sowie Modellvertraege
(Poolvertrag und Rahmenvereinbarung fuer
die Poolmitglieder untereinander) runden diese
empfehlenswerte Broschuere ab. Bestellung:
Verband der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen
und Bremen e.V. Leibnitzufer 19,
D-30169 Hannover.
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CONTRASTE ist die einzige ueberregionale Monatszeitung
fuer Selbstorganisation. CONTRASTE dient den Bewegungen als
monatliches Sprachrohr und Diskussionsforum.
Entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der sich in allen
Lebensbereichen breitmacht, wird hier regelmaessig aus dem
Land der gelebten Utopien berichtet: ueber Arbeiten ohne
ChefIn fuer ein selbstbestimmtes Leben, alternatives
Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur,
Neugruendungen von Projekten, Kultur von "unten" und viele
andere selbstorganisierte und selbstverwaltete
Zusammenhaenge.
Desweiteren gibt es einen Projekte- und Stellenmarkt,
nuetzliche Infos ueber Seminare, Veranstaltungen und
Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.
CONTRASTE ist so buntgemischt wie die Bewegungen selbst und
ein Spiegel dieser Vielfalt. Die Auswahl der monatlichen
Berichte, Diskussionen und Dokumentationen erfolgt
undogmatisch und unabhaengig. Die RedakteurInnen sind selbst
in den unterschiedlichsten Bewegungen aktiv und arbeiten
ehrenamtlich und aus Engagement.
Die Printausgabe der CONTRASTE erscheint 11mal im Jahr und
kostet im Abonnement 80 DM. Wer CONTRASTE erstmal
kennenlernen will, kann gegen Voreinsendung von 10 DM in
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