Mittwoch, 12. 01. 2000
19.00 VON MENSCHEN UND WALEN 43 MIN.
(VPS: 19.00) Mythen - Profite - Emotionen
Dokumentation von Ute Casper und Hermann Sülberg, WDR, Deutschland 1999,
Deutsche und französische Erstausstrahlung
Nicht einmal 30 Jahre ist es her, dass die westliche Welt ihre Liebe zum
Wal entdeckte. Galten die großen Meeressäuger bis dato nur als riesige
Ressource für verschiedene Fette, rückten sie in den 70er Jahren durch
spektakuläre Greenpeace-Aktionen und die von Roger Payne veröffentlichten
Buckelwalgesänge ins öffentliche Bewusstsein: Der Wal gilt nun als Symbol
für eine schützenswerte Umwelt. Das Verhältnis des Menschen zur Natur wird
nirgendwo deutlicher als in der Beziehung zum Wal, die immer zwischen
Furcht und Ehrfurcht schwankte - und selten von Vernunft geprägt war.
In einer norwegischen Walmetzgerei macht der Besitzer keinen Unterschied
zwischen Walen und Kühen; im "Orcalab" eines kanadischen Naturschützers
werden enthusiastisch die Familienstrukturen der "Killerwale" studiert,
die die Armee an gleicher Stelle vor zehn Jahren noch abschießen wollte,
in amerikanischen Museen reißt man sich um die Knochen gestrandeter Wale
und lässt mühsam präparieren, was zu Zeiten des großen Pottwalfangs im 19.
Jahrhunderts über Bord geworfen wurde. Der amerikanische Mythos Moby Dick
hat die Vorzeichen geändert: Kämpfte dort einst Mann gegen Monster, liegen
heute die Sympathien beim Monster... aber bei der jährlichen
Walfangkonferenz IWC geht es immer noch um Fangquoten, die sich Norwegen
und Japan auch nach internationalem Walfangverbot sichern wollen.
Über die Wale selbst haben schon Walfänger respektable Datenmengen
gesammelt - das Herz eines toten Blauwals, des größten Lebewesens, das je
auf der Welt gelebt hat, wiegt 600 Kilogramm. Mit lebenden Walen haben es
Forscher bis heute schwer: Sie entziehen sich unserer Neugier. Man weiß,
dass Pottwale bis zu drei Kilometer in die Tiefsee abtauchen und mit
Riesenkraken kämpfen - gesehen hat es keiner. Auch die Paarung bleibt
eines der vielen Geheimnisse der Meeressäuger. Spekulationen über ihre
besondere Intelligenz gibt das Raum - wie auch die Entdeckung, dass sie
über das Potential für Sprache und musikalische Kompositionen verfügen.
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