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Neue Staudaemme bedrohen Regenwald und Menschen in Brasilien

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Norbert Suchanek

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Oct 21, 1999, 3:00:00 AM10/21/99
to
Umwelt- und Nord-Sued-Nachrichten (uns)
22. Oktober 1999
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Brasiliens Regenwald und Menschen werden...

Total "verdammt"
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Wasserkraft ist eine regenerative Energiequelle.
Doch oekologisch und sozial vertraeglich muss sie
deshalb noch lange nicht sein. Dies trifft
besonders auf grosse Staudammprojekte in Brasilien
zu.

In den vergangenen Jahrzehnten verloren bis ueber
eine halbe Million Menschen Heimat und Existenz in
Brasilien durch den Bau von Staudaemmen zur
Energiegewinnung. Wenn die juengst bekannt
gewordenen Plaene des staatlichen
Elektrizitaetskonzerns, Eletrobras, tatsaechlich
umgesetzt werden, dann kommen bis zum Jahr 2015
wenigstens 100.000 weitere Vertriebene hinzu.
Darauf wies nun die brasilianische Bewegung der von
Staudaemmen betroffenen Menschen, Movimento dos
Antingidos Por Barragens (MAB), waehrend der World
Commission on Large Dams in Sao Paulo hin.

Seit Jahren kaempft die Bewegung in Brasilien
fuer eine angemessene Entschaedigung der von
Wasserkraftwerken geschaedigten Menschen und gegen
den Bau weiterer Staudaemme. MAB-Sprecher
schaetzen, dass neben den direkt Vertriebenen
weitere etwa 1,5 Millionen Kleinbauern, Indianer
und Flussanwohner unter den negativen Folgen dieser
Wasserkraftwerke zu leiden haben.

Zahlen von Eletrobras zufolge bedecken Stauseen zur
Energiegewinnung in Brasilien bereits eine Flaeche
von ueber 34.000 Quadratkilometern. Doch das in
Kalifornien ansaessige International Rivers Network
haelt diese Zahlen fuer eine grobe Untertreibung.
Auch die Bewegung der von Staudaemmen betroffenen
Menschen (MAB), glaubt dass schon eine erheblich
groessere Flaeche Brasiliens in Stauseen ertrunken
ist. Die weiteren insgesamt 79 im brasilianischen
Amazonasgebiet geplanten Wasserkraftprojekte
wuerden zusaetzlich Zehntausende von
Quadratkilometern unter Wasser setzen. Bis zum Jahr
2015 sollen elf der projektierten Staudaemme fertig
sein. Davon betroffen sind drei der wichtigsten
Fluesse Amazoniens. So sind je zwei Grossstaudaemme
am Rio Xingo (Altamira und Belo Monte) sowie am Rio
Araguaia (Marab und Santa Isabel) geplant. Der Rio
Tocantins wiederum soll durch eine Kette von sechs
Wassekraftwerken (Serra Quebrada, Estreito,
Tupirantins, Peixe, Lageado, Cana Brava) und der
Erweiterung des bestehenden Tucurui-Damms "total
verdammt" werden.

Da Tausende von Flussanwohnern sowie mehrere
Indianergemeinschaften an diesen Fluessen leben,
wuerde der Bau dieser Kraftwerke eine soziale
Katastrophe ausloesen, warnen MAB und das
International Rivers Network. Darueberhinaus sei
ein oekologisches Desaster zu erwarten. Tausende
von Hektar Regenwald wuerden verloren gehen, die
Biologie der Fluesse erheblich geschaedigt,
Fischarten wuerden aussterben. Der Amazonasforscher
Philip Fearnside befuerchtet ausserdem eine
Veraenderung des regionalen und eine Schaedigung
des globalen Klimas. Zwar werde bei der
Stromgewinnung durch Wasserkraftwerke direkt kein
klimaschaedliches Kohlendioxid frei. Doch neue
Forschungen zeigten, dass die dafuer notwendigen
riesigen Stauseen in Amazonien grosse Mengen an
Treibhausgasen in die Atmosphaere abgeben. So setze
der Tucurui-Stausee - der bisher groesste
kuenstliche See in Amazonien - jaehrlich etwa die
gleiche Menge an Treibhausgasen frei, wie die
gesamten Fahrzeuge und Industriebetriebe der rund
18 Millionen Einwohner zaehlenden
Industriemetropole Sao Paulo.

Aber nicht allein die Fluesse im tropischen Norden
Brasiliens sollen "verdammt" werden. Dutzende von
Staudaemmen zur Elektrizitaetsgewinnung sind ebenso
im subtropischen Suedbrasilien geplant oder in Bau,
wie der Ita-Damm am Rio Uruguay im Bundesstaat
Santa Catarina. Dort protestierten Anfang Oktober
rund 700 Einheimische gegen das Grossbauwerk, das
ihr Land und wirtschaftliche Existenz bedroht. Der
Ita-Damm werde eine Flaeche von 10.260 Hektar
ueberfluten und die Umsiedlung von 3.080 Familien
bedeuten, erlaeutert Glenn Switkes, der
Lateinamerika-Direktor des International Rivers
Network. Geldgeber des Projekts seien vorallem
auslaendische Banken und die Interamerikanische
Entwicklungsbank - eine Tochter der Weltbank.
Brasiliens Regierung wolle darueberhinaus - mit
Hilfe internationaler Kredite - bis zum Jahr 2015
insgesamt 25 Wasserkraftwerke im Tal des Rio
Uruguay bauen.

Glen Switkes: "Internationale Finanzinstitute wie
die Interamerikanische Entwicklungsbank pumpen
Millionen Dollar in die Zerstoerung von Brasiliens
Fluesse und Waeldern und in die Verarmung der
kleinbaeuerlichen Familien, indem sie grosse Daemme
und ein Netz von Hochspannungsleitungen
finanzieren, waehrend sie gleichzeitig nur
symbolisch alternative Energien und Naturschutz
foerdern."(uns)

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Abdruck und Vervielfaeltigung nur mit Genehmigung
von Umwelt- und Nord-Sued-Nachrichten (uns)
Belegexemplare erwuenscht
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Umwelt- und Nord-Sued-Nachrichten (uns)
Norbert Suchanek
Siemensstr.13
D-84513 Toeging am Inn
E-Mail: N.SUC...@AMAZONAS.comlink.apc.org

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Es reicht nicht, nur die Dunkelheit zu verfluchen.
Es ist genauso notwendig, ein Licht anzuzünden.
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