Der juengste Jahrhundertzyklon im Golf von Bengalen war ein
unnatuerliches Desaster - Abholzung der Mangroven lieferte die
ostindische Kueste schutzlos dem tropischen Sturm aus
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Orissas Fischer sind Hauptopfer von Garnelenzucht und Zyklon
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Noch vor 40 Jahren schuetzte ein dichter Mangrovenguertel den indischen
Kuestenstaat Orissa vor den Gefahren des Meeres. Doch der "Heisshunger" der
westlichen Welt auf "Riesengarnelen" und "Krabbencoctails" machte den
Mangroven den Garaus. Von ruecksichtslosen, auf schnellen Profit schielenden
Krabbenexporteuren wurden die Mangroven an vielen Orten abgeholzt, um
reihenweise Garnelenzuchtteiche anzulegen. Der schuetzende Mangrovenguertel
wurde zu einem loechrigen Stueckwerk. Am 29. Oktober 1999 schliesslich fegte
ein Jahrhundert-Zyklon mit Meterhohen Meereswellen ueber Orissa hinweg,
machte etwa zehn Millionen Menschen obdachlos, toetete Tausende.
Kuestengeographen wie Tom Spencer von der Cambridge University sind
sich sicher. Waeren die Mangrovenwaelder noch dagewesen, Tausende von
Menschen haetten nicht sterben muessen. Tom Spencer: "Frueher haetten die
Mangroven die anstuermende Energie der Meereswellen verteilt und gebrochen."
Mangroven wachsen an der Kueste zwischen der Niedrig- und der
Hochwassermarke und fuehren durch ihr Wurzelwerk dazu, dass ein seicht
abfallendes, die Energie der anbrausenden Wellen auffangendes Meeresbett
entsteht. Gleichzeitig schuetzt das dichte Geaest der Baeume das Hinterland
gegen den Wind.
Der juengste, ueber dem Golf von Bengalen anbrausende Zyklon
allerdings traf auf wenig natuerliche Gegenwehr. Die Baeume waren laengst
ausgerissen und hatten Zuchtbecken fuer Garnelen Platz gemacht. So konnte er
ungebremst mit bis zu 300 Stundenkilometern, Regenstuermen und Flutwellen
die Kuestendoerfer niedermachen und die Armenviertel der Bundeshauptstadt
Bhubaneshwar hinwegwischen. Hauptopfer wurden die Fischer von Orissa, die
bereits auch ohne Wirbelsturm unter den Folgen des ruecksichtslosen
Garnelenexports zu leiden haben. Denn die Mangroven sind die Kinderstuben
fuer viele Fischarten und anderen Meereslebewesen, die die
Einkommensgrundlage der tradtionellen Fischerei bilden. Die Fischer und
Fischarbeiter von Orissa bitten deshalb um internationale Hilfe.
"Viele Fischer werden immer noch vermisst, ihre Ausruestung wurde
zerstoert oder weggeschwemmt", schreibt Thomas Xavier Kocherry vom World
Forum of Fish-harvesters and Fischworkers (WFF). "Es gibt", so Kocherry,
"praktisch keine Boote, keine Netze oder Huetten mehr, die Infrastruktur der
Gemeinden wie Schulen und Stromversorgung wurde zestoert." Hart getroffen
wurden die Gemeinden Puri, Gopalur und Chilika. Dort sei nichts
uebriggeblieben. Die Bevoelkerung dort habe nicht einmal Nahrungsmittel oder
sauberes Wasser. Um diesen Menschen zu helfen, hat das Nationale Fishworkers
Forum in Indien nun einen Hilfsfond fuer die Zyklon-Opfer eingerichtet.
Es waere ein Teil Wiedergutmachung, wenn nun die am Verkauf von
Tiger- oder Riesengarnelen oder Shrimpcoctails profitierenden
Supermarktketten und Gourmet-Tempel den Fischerfamilien von Orissa
finanziell helfen wuerden. Gleiches gilt natuerlich fuer deren Kunden, denen
die gezuechteten "Meeresfruechte" so gut schmecken. /uns<
Weitere Informationen: Thomas Xavier Kocherry, Co-ordinator, World
Forum of Fish-harvesters and Fishworkers [WFF], Co-ordinator, National
Alliance of Peoples Movements in Indien, [NAPM], Velankanny, Junction,
Valiathura, Thiruvananthapuram 695 008, INDIA, Phone & Fax: +91 - 471 - 50
1376; E-mail: n...@md2.vsnl.net.in, Internet-Website: http://www.south-asian-
initiative.org/wff
Das Mangrove Action Project (MAP) bringt die juengste
Wirbelsturmkatastrophe an der indischen Ostkueste auf folgende Formel:
Blinde Konsumnachfrage plus Hohe potentielle Exporteinnahmen plus
unregulierte Industrie fuehrt zu nicht nachhaltiger, umweltschaedlicher
Garnelenzucht. Dies plus Regierungskorruption und Entmuendigung lokaler
Kuestengemeinden fuehrt zur Abholzung der Mangroven. Dies plus ein grosser
Zyklon fuehrt zu Katastrophen wie juengst an der Kueste Indiens in Orissa.
Alfredo Quarto, Executive Director, Mangrove Action Project, PO Box
1854, Port Angeles, WA 98362-0279, USA, Fax 001-360) 452-5866, Email:
mangr...@olympus.net, Internetwebsite:
http://www.earthisland.org/map/map.html
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