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Oekozidjournal 17 1/99

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Hans-H.Hirschelmann

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Nov 21, 1999, 3:00:00 AM11/21/99
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Ökozidjournal Nr. 17 erschienen

*Inhalt:*

*Im Focus*

Nachhaltigkeit erfordert kritische Käuferentscheidungen 2
Warum sich ein Holzkonsument nicht allein auf Gütesiegel
verlassen sollte


*Naturwald*

Warum verschwinden die Wälder? 7
Schwache Ursachenanalyse in der Waldpolitik

Holz ist Holz ist Holz 12
Eine forstpolitische Bestandsaufnahme der Zertifizierung
von Wäldern

Vorbild Niederlande? 21
Ein Situationsbericht zur Einführung von nachhaltig
produziertem Holz

Wo die Straße aufhört... 23
Ein Volk am Ende der Panamericana


*Argumente*

Was treibt den Manager in den Wald... 28
...und was oder wer kommt dabei heraus?

»Der Strand«-Krieg 32
Hollywood hebelt Thailands Naturschutzgesetze aus


*Meere*

Käfigfische 36
Umstrittene Aquakultur in British Columbia

Ocean Spirits 42
Schildkrötenschutz setzt auf Kinder


*Tourismus*
Future made by tourism? 44
Die Tourismuskritik muss institutionalisiert werden


*Rezensionen*

Auf der Suche nach einer »Theorie des Tourismus« 51


*Edidorial*

*Ein Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume*

Keine Entwarnung - das ist das Fazit des aktuellen Waldberichtes
der Welternäh-rungsorganisation FAO (State of the World's
Forests 1999). Auch wenn der jährliche Waldverlust von 15,5
Millionen Hektar pro Jahr (zwischen 1980 und 1990) auf 13,7
Millionen Hektar (im Zeitraum von 1990 bis 1995) zurückge-gangen
ist, von einer Trendwende kann nicht gesprochen werden.

Die wohl vornehmlich vom Menschen verursachten
Klimaveränderungen machen zudem Prognosen für die Zukunft der
Wälder immer schwieriger. Im Januar 1998 wurden über zwei
Millionen Hektar Wald im Nordosten der USA durch den schwersten
Eissturm des Jahrhunderts in Mitleidenschaft gezogen. In
Indonesien, Brasilien und Sibirien fielen im letzten Jahr
jeweils mehr als zwei Millionen Hektar Wald dem Feuer zu Opfer.
Viele der Brände sind dort entstanden, wo Wälder gerodet oder
degradiert wurden. Der Holzeinschlag öffnet die Wälder, Klein-
bauern folgen und zum Schluss wird der Wald in Plantagen und
Weiden umgewandelt. Der Grund dafür sind meist kurzfristige
wirtschaftliche Interessen. Ganz anders ist es da doch in
Deutschland. Wir lieben unseren Wald und würden ihn nie dem
schnöden Mammon opfern ... oder doch ?

Einen Wald unter Naturschutz zu stellen, ihn gar zu einem
Nationalpark zu machen, ist ein schwieriges Unterfangen. So auch
im nordhessischen Kellerwald. Von Strassen und Siedlungen
unberührt, gibt es hier noch 6000 Hektar intakten Buchenwald -
eine Waldformation, die weltweit nur in Mitteleuropa wächst. Als
Naturschützer vor Jahren vorschlugen, dafür einen Nationalpark
einzurichten, schlugen die Wogen der Empörung hoch. Nach zähen
Verhandlungen wurde schließlich ein Kompromiss gefunden, dem
auch jene Bürgermeister zustimmen konnten, in deren Gemeinden
ein Bürgerentscheid gegen den Nationalpark durchgeführt wurde.
Ende Januar 1999, wenige Tage vor der Landtagswahl in Hessen,
lag ein ausgearbeiteter Verord-nungstext vor, den der zuständige
SPD-Minister nur noch hätte unterzeichnen müssen ...

Sein Nachfolger aus den Reihen der CDU will davon nichts mehr
wissen, obwohl auch das Bundesamt für Naturschutz mit Duldung
der damaligen Umweltministerin Merkel den Nationalpark »ohne Ein-
schränkungen« empfohlen hatte. Dem neuen Landesminister
sekundiert dagegen der oberste Förster Hessens, gleichzeitig
Chef des Deutschen Forstvereins: »Man pflegt einen Waldbereich
doch nicht 120 Jahre lang, um ihn dann Käfern und Pilzen zu
überlassen.« Von 150 Millionen Mark ist auf einmal die Rede, die
mit dem Holz der alten Buchen verdient werden könnten. Die
ersten 5000 sollen bereits in der kommenden Saison gefällt
werden.

Während die einen auf kurzfristige Gewinne schielen, können sich
die anderen nicht damit abfinden, der Natur zu überlassen, was
sie ihr vermeintlich abgerungen haben. Ein Unterschied zur gern
gescholtenen Situation in den Wäldern der Dritten Welt ist nicht
auszumachen. Was sich derzeit in der hessischen Waldpolitik
abspielt, trägt die gleichen Züge kurzsichtiger Profitgier, die
wir Tropenwaldländern so gerne vorwerfen.

Dabei bietet der Wald - das Scherpunktthema des neuen
ökozidjournals - viele Möglichkeiten, Ökologie und Ökonomie in
Einklang zu bringen. Das gilt auch für die Einrichtung eines
Nationalparks Kellerwald, der wirtschaftlich einer ganzen Region
mehr brächte als das Versilbern eines in Mitteleuropa einmaligen
Waldökosystems. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei in unserem
Land gegen den drohenden Kellerwald-Frevel?

Für die Redaktion des ökozidjournal Ihr Wolfgang Kuhlmann

Kontakt: arao...@aol.com

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